Die letzte Zeit (Der Jugendfreund, 19. Jahrgang, Nr. 6, 1.6.1956, Seite 41 ff.)
 

Der Herr Jesu sagte einst zu seinen Aposteln: "Welches ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den der Herr gesetzt hat ueber sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe? - Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt und findet ihn also tun. Wahrlich ich sage euch, er wird ihn ueber alle seine Gueter setzen!" - Damit wies der Herr auf unsere Zeit hin.
Diese Zeit begann ganz klar und deutlich, als der Herr Jesu persoenlich dem geliebten Stammapostel erschien und ihm im Auftrag seines himmlischen Vaters sagte: "Du stirbst nicht! Zu deiner Lebenszeit komme ich wieder und hole die von dir zubereitete Braut heim ins Vaterhaus." Diese goettliche Speise reichte der Stammapostel den Gotteskindern zur rechten Zeit dar. In diesem Augenblick wurde aber auch der Knecht offenbar, den der Herr in Vers 48 als "boesen Knecht" bezeichnete; denn er spricht in seinem Herzen: "Mein Herr kommt noch lange nicht!" oder, wie es zu unserer Zeit offenbar geworden ist: "Der Stammapostel wird wohl einen Traum gehabt haben!" oder wie es sogar in den Zeitungen hiess: "Irrtum moeglich!"
(Geehrte Leser, dieser Zeitungsartikel ist hier nachzulesen. Es war BAp Kuhlen der dem Journalisten erzaehlte, dass es seiner Meinung nach tatsaechlich moeglich sein koennte, dass die von Stammapostel Bischoff verkuendete 'Botschaft' ein Irrtum sei. Dafuer wird BAp Kuhlen in dieser offiziellen 'Speise' fuer die Jugend dann liebevoll mit einem 'boesen Knecht' verglichen... / Anm. PN)
Dieser boese Knecht wurde nun offenbar und begann sein grausames Handwerk. Das Wort des Herrn erfuellte sich, wie es sich in Matthaeus 24, 24 vorfindet und geschrieben steht: ... "denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und grosse Zeichen und Wunder tun, dass verfuehrt werden in den Irrtum, wo es moeglich waere, auch die Auserwaehlten!" Mahnend setzte der Herr noch hinzu: "Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt!"
Nun werdet ihr fragen, wie denn diese Arbeit des ungetreuen Knechtes vor sich geht. Genau so unmerklich und leise, wie sich eine Schlange durch das Dickicht schlaengelt!"
In den Gottesdiensten wurde den Geschwistern alles moegliche erzaehlt, nur nicht von dem Wort gesprochen, das uns der Stammapostel gegeben hatte. Von seiner herrlichen Botschaft ist ueberhaupt nicht geredet worden! Wer da nicht hellwach war, der merkte gar nicht, was gespielt wurde. Gott dem Vater aber sei Lob und Dank, dass er auch in diesen Tagen Maenner um den Stammapostel stehen hatte, die ihr Herzblut fuer die ihnen anvertrauten Seelen opfern und wachsam sind! Sie stehen festgewurzelt im Glaubensacker des Herrn.
Solch einen treuen Streiter hatten wir in unserem Vorsteher. In den Familienabenden klaerte er langsam, aber sicher die Gotteskinder auf und zeigte ihnen den Weg des Stammapostels. In diesem Licht fiel es uns allen ohne Ausnahme wie Schuppen von den Augen und wir erkannten, wohin wir gefuehrt werden sollten. Es dauerte nicht lange, so merkten auch die Helfer des boesen Knechtes, dass irgendeine Hand im Spiele war, die ihre verraeterischen Absichten durchkreuzte. Sie fuehlten, ihre vergiftete Ware fand keinen Absatz mehr! Da sannen sie wie seinerzeit bei Jesu die Hohenpriester, wie sie den, den sie hassten, umbringen koennten. Sie wollten unseren treuen Vorsteher mundtot machen!
Es war an einem kalten, dunklen Winterabend. Wenige Stunden trennten uns noch vom Sonntag. Wir hatten keine rechte Lust, zur Ruhe zu gehen, denn irgend etwas Unnennbares lag in der Luft. Bleischwer drueckte es auf die Herzen.
Da ertoente im Hausflur ploetzlich die Schelle. Ich oeffnete die Tuer und starrte, vom Flurlicht geblendet, ins Dunkle. Vor mir stand der Vorsteher; sein Antlitz war bleich. Ich bat ihn, hereinzukommen, er war zunaechst keines Wortes maechtig. Dann sah ich, wie er seine Gestalt reckte und uns allen in die Augen blickte, als wollte er feststellen, ob wir auch noch seinesgleichen waeren.
"So reden sie doch, lieber Vorsteher", bat ich ihn, "was fuehrt sie zu solch ungewoehnlicher Stunde noch zu uns?"
"Ja, meine Lieben", antwortete er, "so ploetzlich wird der Herr erscheinen! Und die bereit sind, gehen mit ihm ein in den Hochzeitssaal. Ich sehe, Ihr seid bereit; aber noch heisst es kaempfen."
Nach diesen Worten legte er ein Telegramm auf den Tisch:
"Mit sofortiger Wirkung enthebe ich Sie ihres Amtes und erteile Ihnen gleichzeitig Redeverbot fuer den Bezirk X...!" (Rheinland)
(Hieraus laesst sich einiges schliessen. Hier sind die Vorgaenge geschildert, die zur Amtsenthebung des Priesters Arenz, Vorgaenger der Gemeinde Koeln-Horrem, gefuehrt haben. Meiner Meinung nach gibt es keinen Zweifel, dass dieser Artikel geschrieben wurde von einem Bruder der dieser Gemeinde zugehoerte. / Anm. PN)
Wenn unter uns eine Bombe eingeschlagen haette, so waere die Wirkung nicht gewaltiger gewiesen. Aber nach wenigen Sekunden wussten wir, was die Uhr geschlagen hatte. Mehr brauchte der Vorsteher uns nicht zu sagen! Das war ein Sturmzeichen.
Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht nicht, denn wir wussten, unser Vorsteher schlief auch nicht. Da wollten wir nicht als schlafende Juenger erfunden werden.
Ihr lieben jungen Geschwister, den folgenden Sonntagmorgen werde ich nie vergessen!
Die Kirche war brechend voll, als ob alle ahnten, dass uns ein ereignisreicher Tag bevorstehe. Es war ein Tage der Entscheidung zum ewigen Leben oder Tod. Wer diesen Gottesdienst halten sollte - um des Sonntags willen moechte ich dieses Wort hier verwenden -, wusste niemand. Als einer der letzten kam der Vorsteher in die Kirche und begab sich, da er ja seines Amtes enthoben war, auf einen Platz in der hintersten Reihe.
Der Dirigent hatte ihn aber doch bemerkt; er gab ein Zeichen, auf das sich alle erhoben, und sagte:
"Wir begruessen dich, unseren Vorsteher! Bist du anderen nicht der Vorsteher, so bist und bleibst du doch unser Vorsteher."
Dem Vorsteher standen die Traenen in den Augen, und bewegten Herzens antwortete er:
"Ich danke euch, Kinder!"
Kurz darauf trat der unter die Gotteskinder, der vom Stammapostel Amt und Auftrag erhalten hatte, dem Volke Gottes als ein Apostel Jesu zu dienen, der seinem Auftraggeber aber schmaehlich in den Ruecken gefallen war!
(Gemeint ist hier der Apostel Dehmel. Siehe auch die schon erwaehnte URL. / Anm. PN)
Als Gotteskinder wissen wir, dass wir fuer den Stammapostel in besonderer Weise im Gebet eintreten: der Herr moege ihn uns in der Kraft und Gesundheit erhalten, damit er durch ihn seinen hohen und heiligen Willen ausfuehren kann.
Dass der hinter dem Altar stehende Knecht seines Auftraggebers in keiner Weise im Gebet gedachte, offenbarte nur noch mehr seine innere Einstellung...
Das Gebet - wenn ich so sagen darf - war beendet, und der Chor hatte das schoene Lied gesungen: "Es steht wohl ein Felsen im Zeitenmeer...!" - da, was war das?
Wie von einer gewaltigen, unsichtbaren Hand dirigiert, erhob sich die ganze Gemeinde wie ein Mann und strebte dem Ausgang zu, so, als waere der Gottesdienst beendet!
Der hinter dem Altar stehende ungetreue Knecht rief: "Ihr habt einen Apostel Jesu nicht aufgenommen!" - worauf sich eine Schwester umwandte und sagte: "Sie sind kein Apostel Jesu, denn Sie haben ihren Sender, den Stammapostel verraten und glauben seiner Botschaft nicht!"
Ein Bruder fuegte noch hinzu:
"Treue um Treue dem, der uns die Botschaft vom Kommen des Herrn brachte! Treue um Treue dem, an dessen Hand wir das Ziel unseres Glaubens erreichen werden."
(Ich zitiere einen Absatz aus einem Brief vom BAe Mehler, der bei o.g. Gottesdienst anwesend war. Er schrieb diesen Brief an BAp Kuhlen, innerhalb einigen Tagen nach dem erwaehnten Gottesdienst. Siehe die schon erwaehnte URL./ Anm. PN
"Apostel Dehmel begab sich nun mit uns Bruedern, nach kurzem Gebet, nach oben. Die Gemeinde stand auf und sang das Lied Nr. 401: 'O ein glorreich Banner traeget jedermann...' - aber in einem Marschtempo und in einer Kampfesstimmung, was an den Gesichtern abzulesen war, die jedem sofort zu erkennen gaben, das solches nicht im Geiste Christi vorgetragen bzw. gesungen wurde. Obschon Apostel Dehmel nach der dritten Strophe dem Dirigenten zu verstehen gab, dass es genuege, spielte der Dirigent als Harmoniumspieler unbekuemmert weiter. Nachdem Apostel Dehmel das Eingangsgebet gesprochen und das laut Amtsblatt Nr. 24, vom 15. Dezember 1954 fuer Sonntag, den 9. Januar 1955, vorgesehene Textwort aus Offenbarung 22, Vers 20, vorgelesen, liess der Dirigent den Chor das Lied: 'Es steht wohl ein Felsen im Zeitenmeer, usw. singen. Das Lied war noch nicht verklungen, und Apostel Dehmel wollte gerade mit der Predigt beginnen, sprang schon ein Bruder (Kimmich) auf und stellte sich vor den Altar, dem Apostel gegenueber, indem er in Versform von der Treue sprach. Zu gleicher Zeit erhoben sich alle anderen in der Gemeinde und schickten sich an, den Saal zu verlassen. Dabei kamen von einzelnen Drohungen gegen den Apostel zum Ausdruck, indem auch diese Personen sich vor dem Altar in drohender Stellung besonders hervortaten. Schimpfnamen wie: Sie sind ein Luegner, Betrueger usw. musste der Apostel ueber sich ergehen lassen, der immer wieder versuchte, die Geschwister zu beruhigen. Aber alles nuetzte nichts. Als der Apostel gar erklaerte, dass man einen Apostel Jesu nicht aufgenommen habe, da ging das Gezeter von neuem los. Insbesondere tat sich dabei eine Schwester (Germendorff) hervor, die sogar die Unverschaemtheit besass zu sagen: 'Sie ein Apostel? Anspucken sollte man Sie!' - 'Wir wollen mit euch nichts mehr zu tun haben, wir sind nur noch mit dem Stammapostel verbunden. Ihr koennt hier vor leeren Baenken predigen, denn wir halten unsere Gottesdienste in einem Lokal auf dem Postberg in Horrem.' Ein anderer wieder: 'Das ist unser Haus; hier habt ihr nichts mehr zu suchen.'"
Weil der Bericht von BAe Mehler schon innerhalb einigen Tagen nach den beschriebenen Ereignissen geschrieben wurde, der Artikel aus dem "Jugendfreund" erst 17 Monaten spaeter publiziert wurde, bin ich der Meinung, der Brief von BAe Mehler beschreibt die Ereignissen wahrheitsgetreuer als der Jugendfreund-Artikel. Aus beiden Berichten geht eins ganz klar hervor: Alle Geschwister haben sich 'wie ein Mann' erhoben. Da gibt es nur eine richtige Folgerung: Die ganze Aktion war zuvor geplant worden./ Anm. PN)

Schnell hatte sich die Kirche geleert.
Es war eine Stille, aber in ihrer Stille so gewaltige Demonstration des Glaubens, dass sich die Knechte des Fuersten der Welt zurueckziehen mussten, ohne ihren Auftrag, uns Gotteskindern einen ihnen genehmen Vorsteher zu geben, ausgefuehrt zu haben.
Einige hundert Schritte weiter wohnte ein Diakon, in dessen Haus ging der Vorsteher hinein. Als dies die Geschwister sahen, eilten sie ihm alle nach, um ihm noch einmal dankbaren Herzens die Hand zu schuetteln, denn an diesem Sonntagmorgen war keiner in der Lage, ein Wort zu reden.
Blick und Haendedruck aber bezeugten:
"Du bist ein getreuer Knecht unseres geliebten Stammapostels, und dir folgen wir gern und willig nach!"
Fuer uns begann nun eine harte Pruefungszeit, denn die Apostel, die dem Stammapostel schon Jahre nicht mehr im Herzen folgten, waren von ihm, dem Stammapostel, noch nicht ihrer Aemter enthoben. Man ging also her und nahm uns unser schoenes Kirchlein fort. Einen Tag nach jenem Sonntagmorgen waren andere Schloesser an den Tueren, und fuer uns war der Zutritt unmoeglich. Unser himmlischer Vater aber sah den Glauben seiner Kinder; es dauerte nicht lange, und wir bekamen einen grossen Raum, in dem einige hundert Geschwister Platz hatten. Das denkwuerdige Geschehen an jedem Sonntagmorgen war wie ein Lauffeuer durch alle Bezirke gegangen und so kam es, dass unser grosser Saal sonntags immer voll besetzt war von Geschwistern, denen es langsam daemmerte, was der Boese fuer ein Spiel trieb.
Alle Leiden haben aber einmal ein Ende. Es kam der Tag, an dem der Stammapostel diese Knechte zu sich rief. Obwohl er schon Jahre hindurch ihre innere Einstellung kannte, trug er sie dennoch lange in Liebe und Demut des Herzens. Wieviel Traenen er geweint hat, wird die Ewigkeit bezeugen. Der Krug lief ueber. Zu seinen Traenen kamen die Gotteskinder, sie brachten es in vielen, vielen Briefen zum Ausdruck.
Noch einmal legte der Stammapostel jenen Maennern ans Herz, ihren Auftrag in gottgewollter Weise auszufuehren, aber ihre Herzen waren verstockt, und sie hoerten seine Stimme nicht. So wurden sie durch einen einmuetigen Beschluss des Apostelkollegiums mit sofortiger Wirkung ihrer Aemter enthoben, und der Stammapostel beauftragte den Apostel Walter Schmidt mit der Fuehrung dieses grossen Bezirkes, damit wieder Ruhe und Frieden herrsche.
Viele Monate sind seitdem verflossen, und ich darf euch sagen: Es herrscht wieder Ruhe und Ordnung! Alle Geschwister sehnen sich nach jedem Gottesdienst, denn sie wissen, wie wichtig die letzten Stunden vor dem Kommen Jesu im Hause unseres Gottes sind. Wir sollen doch in naher Zukunft zu Koenigen und Priestern des allmaechtigen Gottes, unseres himmlischen Vaters, erhoben werden!
Wenn ich nun einen treuen und bewaehrten Gottesmann aus unserer Zeit vor Augen gefuehrt habe, so wollte ich damit sagen, dass unser Stammapostel heute Maenner um sich hat, denen er voll vertrauen darf. Was sollen wir uns da noch Sorgen machen? Wir folgen ihnen nach und wissen, dass wir dadurch dem nachfolgen, der ihnen Macht und Auftrag gegeben hat im Namen seines Senders, Jesu Christi! Er, der Braeutigam unserer Seele, wird das Warten seiner Braut bald stillen, wenn er erscheinen wird, um sie zu sich zu nehmen.

gez. J.H.,K.

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