Chronologie der Geschehnisse die endeten mit dem Hinauswurf der Apostel
Kuhlen, Dehmel, Dunkmann und zwoelf Bezirksaemter aus der Neuapostolischen
Kirche, am 23.1.1955.

[(Anm RF)
ER = "Ereignisse in der Neuapostolischen Kirche die zur Gruendung der
Apostolischen Gemeinde fuehrten"
A = Absatz
ERxAy = Seite x, Absatz y]


So. 5.12.1954: BAe Kraemer haelt den Vormittags-Gottesdienst in der
Gemeinde Horrem.

ER10A4-ER11A1: "hielt Bezirksaeltester Kraemer den Vormittagsgottesdienst
an Hand des im Amtsblatt angegebenen Textwortes. Es selbst schreibt dazu fol-
gendes:
'Bald nach Beginn meiner Ausfuehrungen stand eine Schwester auf und ver-
liess die Kirche, und dann wieder drei Schwestern. Am Mienenspiel einiger
Geschwister erkannte ich die Blickrichtung zum Vorsteher Arenz. Dann fiel
in mein Wort der Zwischenruf einer Schwester: 'Wir wollen die Botschaft un-
seres Stammapostels hoeren', und zwei weitere Geschwister verliessen den
Saal, und neue Rufe: "Reden Sie von der Botschaft, wir wollen nichts anderes
hoeren', wurden laut. Dann gingen auch zwei Maenner hinaus. Nun unterbrach
ich meinen Faden und sagte: 'Geschwister, behaltet bitte Ruhe, was geht denn
hier vor? Das ist aber nicht Christi Geist und bestimmt nicht im Sinne unseres
Stammapostels. Ich diene hier mit seinem fuer heute gegebenen Brot, das allen
Aemtern bekannt ist. Wer euch aufgetragen hat, so zu handeln, der ist nicht in
der Groesse des Dienens Jesu zu finden.' - Nach dieser Beruhigung diente ich
dann weiter und hoerte hinter mir den Vorsteher sagen: 'Es ist diesen Geschwis-
tern sicher nicht gut.' Als ich dann die Stelle bearbeitet hatte, wo es heisst, dass
der Stammapostel niemand richte und die Groesse des Vorbildes Christi gezeigt
hatte, liess ich den Vorsteher mitdienen. - Nach Beendigung der Abendmahls-
feier und des Schlussgebetes - viele Geschwister weinten ob der haesslichen
Vorkommnisse - worin ich innig bat um das Kommen Jesu, wurde der Dienst
mit Segen beendet. Dann stand der Vorsteher Arenz auf und sagte: 'Geschwis-
ter, nun ist der Aelteste ja hier, und wenn er in der Botschaft des Stammapostels
steht, kann er ja vor euch ein Bekenntnis ablegen, ob er, wenn er hierher noch
einmal zu einer Aufnahme kommt, den Seelen das neue Geluebde, ob sie an die
Botschaft des Stammapostels glauben, dass der Herr zu seiner und unserer Leb-
zeit kommt, abfordern will - nun kann er es ja sagen, bitte!' Ich habe dann in
Ruhe gesagt: 'Simon, der Dienst ist beendet, und es steht dir nicht zu, hier solche
Fragen an mich zu stellen.' - Dann habe ich mich an die aufgeregte Gemeinde ge-
wandt und gesagt: 'Ich bedaure mit Befremden die Art, mit der man mir heute
hier begegnet ist. Das ist nicht die Groesse des Dienens unseres Stammapostels,
der wuerde solches gewiss nicht tun. Was der Vorsteher sagt, dass ein anderes
Geluebde als bisher besteht, ist mir unbekannt. Was unserm Apostel vom Stamm-
apostel an Neuordnungen, Amtsschriften, Zirkularen, Bekanntgaben und Berich-
ten ueber sein Dienen zugeht, gibt der Bezirksapostel gewissenhaft an uns, und
die Brueder sind des Zeugen, dass sie solches ungeschmaelert erhalten zur Ver-
wendung. -"
ER11A3-ER12A2: "Von Priester Schunk (der auch gegenwaertig noch Amts-
traeger der Neuapostolischen Kirche ist), der den Bezirksaeltesten begleitet
hatte, erhielt ich ueber die Vorgaenge nachstehende Schilderung:
'Der Bezirksaelteste diente so, wie es im Amtsblatt stand. Ich konnte wenigstens
keine Abweichung feststellen. Als er dann sprach: 'Wer ist groesser, der Lehrling
oder Meister', standen etliche Geschwister auf und gingen, wie ich spaeter fest-
stellte, in den Keller. Nach etwa 5 Minuten gingen wieder etliche Geschwister
aus dem Kirchenlokal. Darauf sagte der Vorsteher: 'Liebe Geschwister, bleibt
hier und treibt keine Opposition.' Dann sagte der Bezirksaelteste 'Ich weiss,
was hier los ist, ich habe wohl gesehen, dass man die Bilder unserer Apostel
aus dem Amtszimmer genommen hat, man will von ihnen nichts mehr wissen.'
Dann sagte er: 'Das Wort, welches aus Grundlage dient, ist nicht von mir, son-
dern vom Stammapostel.' Darauf hoerte ich eine Frauenstimme ganz laut rufen:
'Wir wollen den Stammapostel folgen!' Der Aelteste versuchte zu erklaeren,
dass er im Auftrage und auch im Sinne seines Senders im Stammapostel die-
nen wuerde, er haette in den vielen Jahren noch nie anders gehandelt. Dann
hoerte ich aus dem Heizungsschacht Rufe: 'Wir folgen dem Stammapostel,
wir wollen hoeren, was er sagt.' Es wurde dem Aeltesten nur schwer moeg-
lich, den Dienst durchzufuehren. Er liess dann den Priester Arenz mitdienen.
Als dieser am Altar stand, war es, als ob man darauf gewartet haette; er fuehrte
sinngemaess aus: 'Seit 1946 verkuendet der liebe Stammapostel, dass der
Herr Jesus bald kommen wuerde, dann: Herr, mache uns wuerdig, um an
diesem Tage zu bestehen! Seit 1951, dass der Herr zu seiner Lebzeit kommt.
Leider haben diese Botschaft nicht alle glaeubig aufgenommen. In jedem
Gottesdienst sagte der Stammapostel und die mit ihm in der Treue verbun-
denen Apostel und Knechte Gottes, dass der Herr zur Lebzeit des Stamm-
apostels kommt, das glauben auch wir, und ihm folgen wir. Wir folgen dem
Stammapostel und denen, die mit ihm in Treue verbunden sind.'
Nach dem Segen sagte der Vorsteher: 'Einen Augenblick bitte, Geschwister,
ich habe den Aeltesten etwas zu fragen! Dann richtete er an ihn die Frage:
'Bist du gewillt, bei Aufnahmen zu fragen, ob die zur Aufnahme Kommenden
den Inhalt des neuen Glaubensartikels glauben koennen?' Darauf sagte der
Aelteste: 'Ich weiss von keinem neuen Glaubensartikel. Wenn mir mein A-
postel dazu Auftrag gibt, werde ich es bestimmt tun. Im uebrigen ist es kei-
ne Art, so vor der Gemeinde zu sprechen.' Darauf rief ein Diakon vom Ein-
gang aus: 'Dann brauchen Sie nicht mehr nach hier zu kommen, wir wollen
das hoeren, was der Stammapostel sagt und anordnet.' Nachdem ich im
Amtszimmer Zuflucht suchte, um den vielen Fragen der Geschwister aus-
zuweichen, hoerte ich, wie ein Priester zum Aeltesten sagte: 'Auf Ihren Be-
such verzichten wir, den Zirkus, den Sie hinter dem Altar betreiben, sind
wir satt.' Auch ein junger Diakon warf ihm vor, er wuerde nie ein Wort von
der Botschaft sprechen, immer ginge er um die Worte herum wie eine Katze
um den heissen Brei."

Do. 9.12.1954: BezAp Kuhlen und Bischof Schmohl besuchen Priester
Arenz in seiner Wohnung in Koeln-Ehrenfeld.

ER12A4: "Donnerstagabend war ich mit Bischof Schmohl noch in der Woh-
nung des Priesters Arenz in Koeln-Ehrenfeld, um auch seinerseits eine Er-
klaerung der Begebenheiten zu bekommen. Im wesentlichen stellte sich dabei
heraus, dass es in dem Gottesdienst in Horrem so ungefaehr - wie in den bei-
den vorstehenden Berichten geschrieben - zugegangen war. Ich hielt Priester
Arenz das Verwerfliche vor, einen Gottesdienst zu stoeren, wozu er sagte,
dass er dies nicht wollte und dass er auch im Gottesdienst den Geschwistern
gesagt habe, sie moechten stille sein, denn hier sei Gottes Haus. Ich habe ihn
dann auch gefragt, wieso es kaeme, dass man aus dem Aemterzimmer die
Bilder unserer Apostel entfernt habe, hingegen die Bilder von Stammapostel
Niehaus, Apostel Dach und dem heimgegangenen Bezirksevangelisten Pan-
kraz dort verblieben waeren. Darauf entgegnete Bruder Arenz, das haetten
die Brueder getan. Als ich ihm vorhielt, das haetten die Brueder keinesfalls
ohne sein Einverstaendnis getan, schwieg er und sagte nur: 'Ich habe eben
auch das vertrauen zu Ihnen verloren.'"

Fr. 10.12.1954: BezAp Kuhlen haelt eine Aemterversammlung fuer alle
Amtsbrueder der Bezirke Koeln I und Koeln II.

ER12A3: "Nach diesen traurigen Vorkommnissen habe ich fuer alle Amtsbrueder
der Bezirke Koeln I und Koeln II fuer vergangenen Freitagabend eine Aemterver-
sammlung einberufen, um diese Dinge, die leider wie ein Lauffeuer um sich greifen,
zu eroertern und weiterem Verderben vorzubeugen."
ER13A2-3: "Im Aemterdienst habe ich dann zuerst die Vorkommnisse in dem
Horremer Gottesdienst, so wie so mir von Kraemer, Schunk und Arenz berichtet
sind, geschildert und in aller Deutlichkeit gesagt, dass eine solche Entheiligung des
Gottesdienstes auf keinen Fall weiterhin gestattet wird. Als ich erwaehnte, dass ich
den ganz sicheren Eindruck haette, dass die Geschwister zu ihrem Vorgehen waeh-
rend des Gottesdienstes veranlasst worden seien, widersprach niemand.
Ich habe dann gesagt, dass ich fuer meinen Teil zwar keinen Wert darauf lege, dass
mein Bild in Horrem im Amtszimmer haengen soll, dass es aber sehr bezeichnend
fuer den Geist, der dort im Bruederkreise herrsche, sei, wenn man die Bilder der
Apostel entferne. Auf meine Frage, wer die Bilder von der Wand genommen habe
und wer dies veranlasst haette, erfolgte keine Antwort. Ich sagte dann: 'Nun moege
man doch den Mut haben, zu gestehen, wer solches getan hat.' Dann stand ein
Amtsbruder auf und sagte so leichtweg dahin: 'Na ja, dann habe ich dies getan.'
Da ich aber zu deutlich erkannte, dass dies lediglich gesagt wurde, um die Feig-
heit aller zu verdecken, frug ich ihn: 'Koennen Sie das vor Gott beschwoeren, dass
Sie solches getan haben?' dann erwiderte er: 'Nein, dann kann ich das nicht.' Es
ging ein Entsetzen durch den Bruederkreis, als man vernahm, was dort in Horrem
geschehen ist."

Mo. 13.12.1954: Einschreibebrief von BezAp Kuhlen an Stammapostel
Bischoff ueber Vorgaenge in der Gemeinde Horrem, dem 5.12.1954.

ER10A3: "Ich habe dieserhalb am 13. Dezember 1954 an den Stammapostel fol-
genden Einschreibebrief gerichtet:
"Mein herzlich geliebter Stammapostel! Nachstehend gebe ich Ihnen Bericht ueber
die Vorgaenge in der Gemeinde Horrem, Aeltestenbezirk Koeln II: Am Sonntag,
5. Dezember 1954, hielt Bezirksaeltester Kraemer den Vormittagsgottesdienst an
Hand des im Amtsblatte vorgegebenen Textwortes.""
ER14A8-ER15A1: "Leider muss ich Ihnen, lieber Stammapostel, sagen, dass mir
bekannt ist, dass Bruder Arenz so nicht aus sich selber gesprochen hat, sondern
dass er diese Sprache von welchen uebernommen hat, von denen ich es nicht er-
wartet haette. Es liegt mir darueber auch Bericht vor; aber ich moechte, um nicht
Zwist hervorzurufen, keine Namen nennen. Ich habe nur die sehr eindringliche Bitte,
dass sich kein Apostel aus einem anderen Apostelbezirk um Dinge, die unsern A-
postelbezirk angehen, muehen moege; denn ich tue solches prinzipiell auch nicht in
den Angelegenheiten anderer Bezirke. Vielmehr halte ich dafuer, dass wir Apostel
gut tun, wenn wir solche, die in irgendeiner Weise ueber ihren Apostel klagen, an
diesen verweisen und zu einer Aussprache mit diesem veranlassen, selber aber in
keinerlei Weise Stellung nehmen oder gar Berichte und Anweisungen zu geben.
Verstehen sie mich, lieber Stammapostel, recht, ich will keinem einen Vorwurf
machen, denn es mag jemand geglaubt haben, er muesse einem guten Priester,
der mit seinen vielleicht nicht so guten Aposteln Differenzen hat, zur Hilfe kom-
men. Das darf aber doch nicht sein, wenn wir wert auf ein schoenes, harmoni-
sches Verhaeltnis im Apostelkreis legen."

Fr. 17.12.1954: Brief Stammapostel Bischoff an BezAp Kuhlen.
ER16A6-ER17A2: "In Ihrem Brief vom 13. Dezember, Seite 4, letzter Absatz,
schreiben Sie, dass es Ihnen bekannt sei, dass Bruder Arenz nicht aus sich selber
gesprochen habe, sondern dass er diese Sprache von welchen uebernommen hat,
von denen Sie es nicht erwartet haetten. Es laege Ihnen darueber auch Bericht vor,
aber Sie moechten, um nicht Zwist hervorzurufen, keine Namen nennen. - Mein
lieber Apostel Kuhlen, das ist nicht richtig. Wo Apostel sich unberechtigterweise
in die Angelegenheit eines anderen Apostelbezirkes mischen, so ist es Pflicht der
betreffenden Apostel, mir das mitzuteilen, damit ich Abhilfe schaffen kann, einer-
lei wie es auch sein mag. Ich will Ihnen ein Beispiel dafuer geben, wie notwendig
es ist, in solchen Dingen Klarheit zu schaffen:
Der Priester Arenz hat u.a. auch die Namen des Apostels Rockenfelder, dann
meines Sohnes und auch von Apostel Hahn genannt. Als Apostel Rockenfelder
das erfuhr, hat er den Priester Arenz zur Rede gestellt, und da ergab es sich, dass
Arenz aus meinen Gottesdienstberichten das von meinem Sohn sowie von Apos-
tel Rockenfelder und von Apostel Hahn gesprochene erwaehnte. Daraus ergab sich
die Mutmassung, dass Arenz mit den genannten Aposteln in schriftlicher Verbin-
dung staende, was aber nicht der Fall ist. Dies waere natuerlich in unaufgeklarter
Form Ursache zu allerlei Mutmassungen und Verdrehungen. Auch ist dabei zu be-
achten, dass in dem Ihnen gesandten Bericht Tatsachen entstellt sein koennen,
weil wir Menschen so sehen und hoeren, wie unser Seelenzustand ist. Den besten
Beweis haben wir ja in unseren Gottesdiensten. Wenn man nachher jemand fragt,
was denn heute im Gottesdienst gesprochen worden sei, dann hoert man oft etwas,
das ueberhaupt nicht gepredigt wurde. Und dann ist noch zu beachten, ob der
betreffende Berichterstatter ein Gegner von dem ist, ueber den er Bericht erstattet.
Das alles spricht bei der Abfassung eines Berichtes mit. Solche Berichterstatter
suchen, eine Sache nach ihren Gesichtspunkten auszuwerten und schaffen uns da-
durch viel Arbeit, die nicht noetig waere. Wir duerfen auch nicht ausser acht lassen,
dass Satan alles versucht, um im Apostelkreis Uneinigkeit zu erzeugen. Das ist eine
Spezialitaet der sogenannten Geruechtemacher.
Wenn ich auf derartige Dingen haette reagieren wollen, dann brauchte ich keine
andere Arbeit mehr zu tun."

Sa. 1.1.1955: Aemterversammlung in Duesseldorf.
ER8A3: "in welchem Bruder Arenz u.a. schrieb: "Nachdem Sie Ihren bekannten
Bezirksaemterdienst an Neujahr in Duesseldorf gehalten haben, trifft doch fuer Sie
das Sprichwort zu: Wessen das Herz voll von ist, laeuft der Mund ueber - Liebe,
Liebe, Liebe! Die armen Brueder kamen ganz enttaeuscht wieder zurueck und
berichteten mir, dass sie jetzt nach diesem grossen Aemterdienst von einem 'Peter
Kuhlen' Abschied genommen haben.""
ER9A3: [(Anm RF) BezAp Kuhlen schreibt:] "Wieso im uebrigen dadurch, dass
wir in dem Aemterdienst vom 1. Januar 1955 ganz besonders auf ein Zusammen-
arbeiten in der Liebe und Eintracht hingearbeitet haben, unsererseits der Glaube
an den Stammapostel systematisch getoetet worden sein soll, ist mir bis heute
unerfindlich. Das ist doch wohl eine mit Gewalt herbeigezogene Schlussfolgerung."
ER22A6-ER23A1: "Wie Verleumdungen um sich greifen, will ich Ihnen an nach-
stehendem Beispiel dartun: In der Aemterversammlung vom 1. Januar 1955 in
Duesseldorf hatte ich u.a. gesagt: "Ob der Herr Jesus noch in diesem Jahre kommt,
weiss ich nicht, da niemand Tag und Stunde hiervon weiss. Am liebsten waere es
uns, wenn wir noch in diesem Jahre mit dem Stammapostel dem Herrn entgegen-
gehen wuerden." - Es ist aber bereits wenige Tage nachher von vielen erzaehlt wor-
den, ich haette in jenem Aemterdienst gesagt: "Ob der Herr Jesus in 5 oder in 100
oder in 1000 Jahren wiederkommt, das ist mir egal." Dergleichen Verdrehungen
werden leider viel leichter geglaubt, als unsere noch so gruendlichen Darlegungen
der Wirklichkeit. Man ist gegen solche Schwaetzereien einfach machtlos geworden."

So. 2.1.1955: Geburtstag des Stammapostels Bischoff. Gottesdienste.
ER8A3: "in welchem Bruder Arenz u.a. schrieb: (....) Nicht nur das allein, sondern
am 2. Januar ueberschuettete man am Geburtstage des geliebten Stammapostels die
Gemeinden im Bezirks Koeln mit nur 'Liebe', toetet somit systematisch den Glauben
der Gotteskinder an die Botschaft und an den geliebten Stammapostel. Was sagen
Sie nun dazu? Ich sage mit allen meinen Bruedern und Geschwistern, dass Sie unser
Apostel nicht mehr sind. Dehmel und Dunkmann kommen auch nicht mehr in Frage..."

Mi. 5.1.1955: BAe Kraemer will den Gottesdienst in Horrem halten.
ER17A5: "... hatte sich Bezirksaeltester Kraemer zum Gottesdienst in der Gemeinde
Horrem angesagt. Doch waren die Geschwister der Gemeinde von dortigen Amtsbrue-
dern einfach nach Hause geschickt worden, so dass der Bezirksaelteste den Gottesdienst
nicht durchfuehren konnte."

Do. 6.1.1955: Brief der Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Apostel-
bezirks Duesseldorf an den Stammapostel.

ER1-6 [(Anm RF) Wird noch publiziert]

Do. 6.1.1955: Brief von Pr. Arenz, Vorsteher der Gemeinde Horrem, an BezAp
Kuhlen.

ER8A3: "Mit Datum vom 6. Januar 1955 erhielt ich einen vom Vorsteher der
Gemeinde Horrem, Priester Simon Arenz, geschriebenen Brief - uebrigens
ohne Anrede -, in welchem Bruder Arenz u.a. schrieb: "Nachdem Sie Ihren
bekannten Bezirksaemterdienst an Neujahr in Duesseldorf gehalten haben,
trifft doch fuer Sie das Sprichwort zu: Wessen das Herz voll von ist, laeuft der
Mund ueber - Liebe, Liebe, Liebe! Die armen Brueder kamen ganz enttaeuscht
wieder zurueck und berichteten mir, dass sie jetzt nach diesem grossen Aemter-
dienst von einem 'Peter Kuhlen' Abschied genommen haben. Nicht nur das allein,
sondern am 2. Januar ueberschuettete man am Geburtstage des geliebten Stamm-
apostels die Gemeinden im Bezirks Koeln mit nur 'Liebe', toetet somit systematisch
den Glauben der Gotteskinder an die Botschaft und an den geliebten Stammapostel.
Was sagen Sie nun dazu? Ich sage mit allen meinen Bruedern und Geschwistern,
dass Sie unser Apostel nicht mehr sind. Dehmel und Dunkmann kommen auch
nicht mehr in Frage...""]

Fr. 7.1.1955: Einschreibebrief von BezAp Kuhlen an Pr. Arenz.
ER8A5-ER9A1: "Lieber Bruder Simon Arenz! Hiermit bestaetige ich den
Empfang Deines Briefes vom 6. dieses Monats, worin Du u.a. schreibst: 'Ich
sage mit allen meinen Bruedern und Geschwistern, dass Sie unser Apostel
nicht mehr sind. Dehmel und Dunkmann kommen auch nicht mehr in Frage.'
- Da Du dadurch Deinen Dienst unter unserer Hand quittiert hast, muss ich
Dir hiermit erklaeren, dass Du vom heutigen Tage ab nicht mehr Priester und
Vorsteher der Gemeinde bist. Jede Amtstaetigkeit innerhalb der Neuaposto-
lischen Kirche des Landes Nordrhein-Westfalen im Apostelbezirk Duessel-
dorf wird Dir hiermit untersagt. Ich ersuche Dich, alle in Deinem Besitz be-
findlichen Schluessel von Kirchen und Gemeindelokalen sowie Kassenbuecher,
Kirchenbuecher, Kassengelder und saemtliche sonstigen der Kirche gehoeren-
den Gegenstaende und Schriftstuecke bis zum 12. Januar 1955 an nachstehen-
de Adresse abzuliefern: Herrn Christian Kraemer, Koeln-Zollstock, Vorge-
birgstrasse 352.
Freundlichen Gruss,
Dein gez.: Peter Kuhlen"

Sa. 8.1.1955: Der Stammapostel empfaengt wahrscheinlich heute den Brief
der Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Apostelbezirks Duesseldorf.

ER23A7: "...so erwaehne ich [(Anm RF) BezAp Kuhlen] dazu, dass jener
Brief am 7. Januar 1955 "per Einschreiben" an den Stammapostel gesandt
wurde, also wohl am 8. Januar 1955 in Frankfurt/M ankam".

Sa. 8.1.1955: Brief BEv Polzin an BezAp Kuhlen ueber die Vorgaenge
am 5.1.1955 in der Gemeinde Horrem.

ER17A6-ER18A1: Evangelist Polzin aus Koeln (der zurzeit im-
mer noch Evangelist der Neuapostolischen kirche ist), der an jenem Abend Begleiter
des Bezirksaeltesten Kraemer war, schrieb mir [(Anm RF) BezAp Kuhlen] darueber
am 8. Januar 1956 [(Anm RF) Gemeint ist wohl: 1955] folgenden Bericht:
"Mein lieber Apostel! Nachstehend sende ich Ihnen einen Bericht ueber einem Be-
such in der Gemeinde Horrem vom 5. Januar 1955.
Am Mittwoch, dem 5. Januar 1955, fuhr ich mit dem Bezirksaeltesten Kraemer und
dem Priester Bornemann zur Gemeinde Horrem. Kurz bevor wir die Kirche erreich-
ten, kamen uns drei Geschwister entgegen, wovon zwei grusslos weitergingen, eine
Schwester aber zu uns trat. Auf die Frage des Aeltesten, wohin sie ginge, sagte sie
weinend, dass die Brueder sie nach Hause geschickt haetten, weil der Aelteste die
Gemeinde besuchen wolle. Als wir die Gemeinde betraten, frug der Aelteste zwei
Unterdiakonen, ob sie die Geschwister weggeschickt haetten. Einer der beiden sag-
te dann, soweit ich das verstanden konnte, dass er die Berechtigung dieser Frage
nicht einsehen koenne. Im Amtszimmer waren anwesend: die Priester Dunkel, Ger-
mendorf und Meuther. Nach der Begruessung stellte auch hier der Aelteste die glei-
che Frage. Der Priester Meuther gab hierauf zur Antwort, er haette seine Geschwis-
ter weggeschickt, weil er seine Seelen nicht von einem falschen Geist bedienen lassen
wolle und weil er dem Aeltesten nicht mehr folgen wuerde. Der Aelteste machte ihn
darauf aufmerksam, dass die Seelen den Apostel anvertraut waeren und ihm im Auf-
trag des Apostels zur Pflege gegeben waeren. Dann betrat der Vorsteher, Priester
Arenz, das Amtszimmer, ohne uns zu begruessen. Er schaltete sich in das Gespraech
ein und machte dem Aeltesten den Vorwurf, er habe mit dem Priester Schunk eine
Unterhaltung gehabt, in der Aeusserungen gefallen seien, die mit der Lehre des Stamm-
apostels nicht vereinbar waeren. Da Priester Schunk das ihm gegenueber noch einmal
bestaetigt haette, saehe auch er darin Grund genug, dem Aeltesten nicht mehr zu fol-
gen. Der Aelteste machte darauf aufmerksam, dass hier ein Satz aus der Zusammen-
hang einer Unterhaltung gerissen sei, der ihm nun zum Vorwurf gemacht werden
sollte. Priester Germendorf sagt dann aber, dass ja auch unsere Apostel wohl nach
aussen hin die Lehre des Stammapostels verkuendeten, sich aber doch eine Hinter-
tuer offen liessen, um im Falle eines Ablebens des Stammapostels weiter predigen zu
koennen. Sie, die Amtsbrueder von Horrem, wuerden von nun an nur noch dem
Stammapostel folgen. Der Aelteste machte die Brueder auf ihre Verantwortung gegen-
ueber die Gemeinde aufmerksam, worauf der Vorsteher lachend sagte, die Geschwis-
ter waeren mit ihnen eines Sinnes. (.....) Unter diesen Umstaenden verzichtete der
Aelteste darauf, den Gottesdienst durchzufuehren und sagte das auch den Anwesen-
den. Als wir aus dem Amtszimmer traten, sahen wir, dass an allen Tueren und ueber-
all verteilt Brueder standen, die uns mit eisiger Miene anstarrten. Der Aelteste sagte
dann, wer da wolle, moege ihm zum Abschied die Hand reichen, aber niemand der
Aufgeforderten streckte seine Hand dem Aeltesten zum Abschied entgegen. Auf die
Frage des Aeltesten an einen vor dem Lokal stehenden Unterdiakon, ob denn auch
er mit dem einverstanden sei, was im Bruederkreis der Gemeinde vor sich gehe, gab
er zu Antwort: 'Ich folge in allem meinem Vorsteher.'"

So. 9.1.1955: Vormittag: Besuch Ap. Dehmel zum Gottesdienst in Horrem.
ER19A2: "Dann kam der 9. Januar 1955, an welchem Apostel Dehmel zur Leitung
des Gottesdienstes nach Horrem gereist war."

So. 9.1.1955: Vorlesung des Briefes vom 6.1.1955 von BezAp Kuhlen c.s. an
alle Gemeindevorsteher.

ER7A4: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 12.1.1955, welcher
am 16.1.1955 in den Gemeinden des Bezirks Duesseldorf vorgelesen wurde:]

"Um Unklarheiten zu beseitigen, haben wir uns veranlasst gesehen, ein ausfuehr-
liches Schreiben an den Stammapostel zu richten, dessen Inhalt am letzten Sonntag
allen Vorstehern unseres Bezirks bekanntgegeben wurde."
ER22A1: [(Anm RF) Aus einem Schreiben von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:]
"Wir hatten an Sie [(Anm RF) Stammapostel Bischoff] ein in jeder Weise unserer
Glaubensueberzeugung dartuendes Schreiben gerichtet, welches wir am Sonntag vor
einer Woche allen unsern Vorstehern vorgelesen haben. Die mancherlei Vorgaenge,
welche in letzter Zeit Anlass zu allerlei Beunruhigung gegeben haben, mussten wir
den Bruedern schildern, um endlich diesen verderbenbringenden Hetzen ein Ziel zu
setzen, da solche revolutionaeren Brueder sich nicht gescheut haben, ueberall mit
den verwerflichsten Mitteln gegen uns Front zu machen."
ER35A5: "In hoechster Gewissensnot haben wir dann jenes Schreiben an den
Stammapostel gerichtet, welches die Begruendung enthaelt, warum wir uns nicht
zu der Verkuendigung einer solchen Botschaft verstehen koennen. Dieser Brief wurde
am 6. Januar 1955 verfasst, am 7. Januar 1955 an den Stammapostel abgesandt, am
9. Januar 1955 allen Gemeindevorstehern vorgelesen...".

kurz nach So. 9.1.1955: Brief BAe Mehler an BezAp Kuhlen ueber die Vor-
gaenge am 9.1.1955 in Horrem.

ER19A2-ER20A2: "Wir kamen kurz vor Beginn des Gottesdienstes (9.30 Uhr) an.
Die Gemeinde war groesstenteils im oberen Saal versammelt. Einzelne Geschwister
kamen noch, die den Apostel und uns kurz begruessten. Es waren keine Amtsbrue-
der zu sehen, die - wir wir spaeter feststellten - mit ihrem Vorsteher Arenz in der
Bank ziemlich am Ende des Lokals Platz genommen hatten. Dem Bezirksaeltesten
Kraemer, der nun nach den Geschwistern im oberen Saal sehen wollte, bot ich
meine Begleitung an. Kaum aus dem Amtszimmer getreten, wurde der Bezirks-
aelteste Kraemer von einem Bruder (Schuhmacher) angefahren mit dem Ausdruck:
'Mit welchem Wort wollen sie heute dienen?' Bezirksaeltester Kraemer erwiderte:
'Dies muessen sie uns ueberlassen!' Darauf Bruder Sch.: 'Ich habe eine unsterb-
liche Seele; ich verlange, solches vorher zu wissen!' Darauf begab sich letzterer
nach oben. Als auch wir beide den Saal betraten, sprangen schon welche aus den
Baenken auf und verwiesen uns, unter Androhung von Gewalt, des Saales. Wir be-
gaben uns wieder nach dem unten gelegenen Amtszimmer zu unserm Apostel und
berichteten kurz das Vorgefallene.
Apostel Dehmel begab sich nun mit uns Bruedern, nach kurzem Gebet, nach oben.
Die Gemeinde stand auf und sang das Lied Nr. 401: 'O ein glorreich Banner traeget
jedermann...' - aber in einem Marschtempo und in einer Kampfesstimmung, was an
den Gesichtern abzulesen war, die jedem sofort zu erkennen gaben, das solches
nicht im Geiste Christi vorgetragen bzw. gesungen wurde. Obschon Apostel Deh-
mel nach der dritten Strophe dem Dirigenten zu verstehen gab, dass es genuege,
spielte der Dirigent als Harmoniumspieler unbekuemmert weiter. Nachdem Apostel
Dehmel das Eingangsgebet gesprochen und das laut Amtsblatt Nr. 24, vom 15. De-
zember 1954 fuer Sonntag, den 9. Januar 1955, vorgesehene Textwort aus Offen-
barung 22, Vers 20, vorgelesen, liess der Dirigent den Chor das Lied: 'Es steht wohl
ein Felsen im Zeitenmeer, usw. singen. Das Lied war noch nicht verklungen, und
Apostel Dehmel wollte gerade mit der Predigt beginnen, sprang schon ein Bruder
(Kimmich) auf und stellte sich vor den Altar, dem Apostel gegenueber, indem er in
Versform von der Treue sprach. Zu gleicher Zeit erhoben sich alle anderen in der
Gemeinde und schickten sich an, den Saal zu verlassen. Dabei kamen von einzelnen
Drohungen gegen den Apostel zum Ausdruck, indem auch diese Personen sich vor
dem Altar in drohender Stellung besonders hervortaten. Schimpfnamen wie: Sie sind
ein Luegner, Betrueger usw. musste der Apostel ueber sich ergehen lassen, der im-
mer wieder versuchte, die Geschwister zu beruhigen. Aber alles nuetzte nichts. Als
der Apostel gar erklaerte, dass man einen Apostel Jesu nicht aufgenommen habe,
da ging das Gezeter von neuem los. Insbesondere tat sich dabei eine Schwester
(Germendorff) hervor, die sogar die Unverschaemtheit besass zu sagen: 'Sie ein
Apostel? Anspucken sollte man Sie!' - 'Wir wollen mit euch nichts mehr zu tun ha-
ben, wir sind nur noch mit dem Stammapostel verbunden. Ihr koennt hier vor lee-
ren Baenken predigen, denn wir halten unsere Gottesdienste in einem Lokal auf
dem Postberg in Horrem.' Ein anderer wieder: 'Das ist unser Haus; hier habt ihr
nichts mehr zu suchen.'
Der Apostel und wir Brueder verhielten uns ruhig. Aber auch ein solches Verhalten
reizte andere wieder, uns mit Gewalt aus dem Hause werfen zu wollen, was natuer-
lich nicht gelang, da unser Apostel trotz allem noch in Liebe die aufgeregten Gemue-
ter zu beruhigen suchte. Es dauerte eine Weile, bis der letzte Anwesende das Haus
verlassen hatte, worauf auch wir mit dem Apostel die Kirche verliessen."

Anfang dieser Woche, also Mo. 10.1.1955 oder kurz darauf: BezAp Schmidt
laedt unzufriedene Amtsbrueder zu einer Aemterversammlung am 15.1.1955 in
Hagen ein.

ER22A3: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:]
"... wenn wir nicht inzwischen schon erfahren haetten, dass schon laengst aller-
lei Massnahmen gegen uns im Gange waren, naemlich dass bereits im Laufe der
Woche Apostel Schmidt alle moeglichen Brueder, die als "mit uns unzufrieden"
galten, eingeladen hatte zu einer eigens zu diesem Zwecke nach Hagen einberu-
fenen Aemterversammlung zu kommen."
ER23A9: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 21.1.1955:]
"Und schon zu Anfang voriger Woche hat Apostel Schmidt im Auftrage des
Stammapostels zahlreiche Amtsbrueder unseres Bezirks zu einer am Samstag,
dem 15. Januar 1955 stattgehabten Aemterversammlung eingeladen..."
ER26A2: "Apostel Walter Schmidt lud dann bereits zum 15. Januar 1955 zahl-
reiche Amtsbrueder des Duesseldorfer Bezirks zu einer Aemterversammlung nach
Hagen ein..."

Di. 11.1.1955: Stammapostel Bischoff schickt den Brief von BezAp Kuhlen
c.s. vom 6.1.1955 an andere Apostel und bittet um deren Stellungnahme.

ER27A4: "...ein gedrucktes Rundschreiben des Stammapostels vom 18. Januar 1955
mit Auszuegen aus Briefen mehrerer Apostel, die Bemerkungen zu dem vom Stamm-
apostel am 11. Januar 1955 an die Apostel zur Stellungnahme versandten Briefes der
Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Bezirks Duesseldorf vom 6. Januar 1955
enthielten."

Mi. 12.1.1955: Brief von BezAp Kuhlen an "meine lieben Brueder und
Geschwister".

ER7: "Meine lieben Brueder und Geschwister!
In den letzten Monaten sind allerlei Geruechte im Umlauf, die dazu angetan sind, in
den Gemeinden Verwirrung anzurichten. Mancherorts sind leider haessliche Ausein-
andersetzungen ausgetragen worden ueber die Botschaft des Stammapostels, dass
der Herr noch zu seiner Lebzeit wiederkaeme. Von Ort zu Ort werden Redereien
verbreitet, in welchen die Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten unseres Bezirks
schlimmsten Verdaechtigungen ausgesetzt sind. Die Folgen dieser abscheulichen
Geschwaetze sind arg.
In einer Gemeinde ist es kuerzlich vorgekommen, dass Amtsbrueder den von ihrem
Bezirksaeltesten angesagten Gottesdienst einfach bei den Geschwistern abgesagt ha-
ben, weil nach ihrer Meinung der Bezirksaelteste nicht die richtige Einstellung zur
Botschaft des Stammapostels habe. In derselben Gemeinde wurde Apostel Dehmel
am letzten Sonntag sogar daran gehindert, den Gottesdienst durchzufuehren. Die ver-
hetzten Geschwister sind zum Teil in unflaetigster Weise gegen ihn angegangen, haben
ihm gedroht, ihn anzuspucken, nannten ihn Betrueger, Schwindler und Seelenmoerder,
er sei kein Apostel usw. Ja, man hat ihm Schlaege angeboten, und waere er nicht sehr
besonnen und ruhig geblieben, dann waere es an heiliger Staette zu noch schlimmeren
Ereignissen gekommen. Die dortigen Geschwister sind aufgehetzt worden mit der un-
wahren Behauptung, wir Apostel und die anderen leitenden Brueder unseres Bezirks
staenden nicht zum Stammapostel.
Um Unklarheiten zu beseitigen, haben wir uns veranlasst gesehen, ein ausfuehr-
liches Schreiben an den Stammapostel zu richten, dessen Inhalt am letzten Sonntag
allen Vorstehern unseres Bezirks bekanntgegeben wurde."
Damit nun keine Entstellungen hierueber um sich greifen, erhalten alle Familien
und alle Alleinstehenden unseres Bezirkes je eine gedruckte Abschrift unseres
Briefes an den Stammapostel. Diese Druckschriften sind beim Vorsteher oder
beim zustaendigen Bezirkspriester in Empfang zu nehmen.
Seit Monaten haben die Gespraeche ueber die Botschaft des Stammapostels
hier und da Formen angenommen, die absolut verwerflich sind, denn wenn schon
Meinungsverschiedenheiten hierueber vorhanden sind, dann braucht deshalb im-
mer noch niemand den Andersdenkenden beschimpfen. Wir bitten deshalb ein-
dringlich, dass fortan keiner dem anderen Vorwuerfe macht, wenn unterschied-
liche Auffassungen zutage treten; denn schliesslich wollen alle Brueder und Ge-
schwister an das nahe Ziele unseres Glaubens kommen. Lasst uns lieber alle fuer-
einander beten, wachend und bereit sein und innig rufen: Komm doch, Herr Jesus!
Namens der Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Apostelbezirks Duessel-
dorf
Euer P e t e r K u h l e n"

Mi. 12.1.1955: Brief von Bischof Weine (Sekretaer des Stammapostels Bischoff)
an viele Amtsbrueder.

ER23A9: "Bereits am 12. Januar 1955 ist vom Sekretariat des Stammapostels an
viele Amtsbrueder unseres Bezirkes ein Schreiben gerichtet worden, wonach die
Brueder und Geschwister, die nicht mehr unter der Hand des Apostels Kuhlen und
seiner Mitapostel bleiben wollen, sich wegen ihrer zukuenftigen Seelenpflege an den
Apostel Schmidt wenden moechten."
ER25A6-ER26A1: "So wurde am 12. Januar 1955 von Frankfurt a.M. aus an zahl-
reiche Amtsbrueder des Apostelbezirks Duesseldorf folgendes vervielfaeltigtes
Schreiben versandt:
Lieber Freund!
Ihr Schreiben ist hier eingegangen. - Der Stammapostel hat Auftrag gegeben, Ihnen
mitzuteilen, dass Sie sich wegen Ihrer zukuenftigen Seelenpflege an den Apostel
Walter Schmidt wenden moechten. Dieser ist von dem Stammapostel beauftragt,
die Brueder und Geschwister zu bedienen, die nicht mehr unter der Hand des
Apostels Kuhlen und seiner Mitarbeiter bleiben wollen. - Die Anschrift des Apostels
Schmidt ist:
Herrn Walter Schmidt (21b), Rummenohl (Ennepe-Ruhr-Kreis) Haus Roland,
Fernsprecher Dahl 2 31.
Mit herzlichem Gruss
Das Sekretariat:
P. W e i n e
Dieser im Auftrage des Stammapostels versandte Brief, der uebrigens auch an
sehr viele Amtsbrueder des Duesseldorfer Bezirkes gelangte, die ueberhaupt nicht
nach Frankfurt a.M. geschrieben hatten, liess in aller Deutlichkeit erkennen, dass
in Frankfurt a.M. die Amtsenthebung der Apostel vom Rheinlande beschlossene
Sache war. Eine derartige Anordnung des Stammapostels, wonach Amtsbrueder
und Geschwister eines Apostelbezirks einfach einem fuer diese nicht zustaendigen
Apostel unterstellt wurden, ohne dass dem zustaendigen Apostel vorher auch nur
die geringste Gelegenheit eingeraeumt war, sich seinerseits zu etwa gegen ihn ein-
gegangene Klagen zu aeussern, verstiess derart gegen alle apostolische Ordnung
sowie gegen alles Rechtsgefuehl, dass wir, als uns solche Briefe gezeigt wurden,
entsetzt und bestuerzt waren."

Do. 13.1.1955: Brief Stammapostel Bischoff an BezAp Kuhlen.
ER21A1: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen, worin er Saetze aus
dem Brief des Stammapostels zitiert:]
"Am Samstag frueh bekam ich Ihren Brief
vom 13. d. Mts., in welchem Sie u.a. schreiben: "Mit der Amtsenthebung der
Brueder Arenz, Haering und anderer bin ich nicht einverstanden, da Sie das in
den "Allgemeinen Hausregeln fuer die Aemter und Mitglieder der Neuapostoli-
schen Kirche" Festgelegte betreffs Amtsenthebung nicht beachtet haben. Ich er-
suche Sie deshalb, die Amtsenthebung der Brueder sofort rueckgaengig zu machen
und den alten Zustand wieder herzustellen.""
ER21A4: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:] "Und
wenn Sie in Ihrem Briefe vom 13. Januar an mich schreiben, dass Sie Apostel
Walter Schmidt beauftragt haben, die seelische Pflege der Brueder und Geschwister
zu uebernehmen, die nicht mehr unter meiner und meiner Mitapostel Hand bleiben
wollen, dann ist das eine Massnahme, die weder ich noch meine Mitarbeiter begreifen
koennen, ja, wir empfinden solche als einen Schlag ins Gesicht."
ER23A8: "... und dass der Stammapostel mir [(Anm RF) BezAp Kuhlen] den
Empfang desselben [(Anm RF) des Briefes von BezAp Kuhlen c.s. vom 6.1.
1955]
mit seinem Briefe vom 13. Januar 1955 bestaetigt hat."

Fr. 14.1.1955: Verteilung Brief der Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten
vom 6.1.1955 an alle Amtsbrueder.

ER22A2: "[(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:]
"Dass in dem Vorgehen der betreffenden Brueder System und gruendliche Orga-
nisation lag, ist uns zu offensichtlich gewesen. So hatten wir denn beschlossen,
um neuen Verdrehungen und Verleumdungen entgegenzutreten, allen Geschwi-
stern unseres Bezirkes den Inhalt unseres Schreibens [(Anm RF) von BezAp
Kuhlen c.s. vom 6.1.1955]
an Sie zugaengig zu machen und den Gemeinde-
vorstehern am letzten Freitagabend diese Schreiben zur Verteilung gegeben."
ER23A8: "An die Amtsbrueder ist dieses Schreiben aber erst am 14. Januar
1955 und an die Geschwister erst am 16. Januar 1955 zur Verteilung gelangt."
ER35A5: "In hoechster Gewissensnot haben wir dann jenes Schreiben an den
Stammapostel gerichtet, welches die Begruendung enthaelt, warum wir uns nicht
zu der Verkuendigung einer solchen Botschaft verstehen koennen. Dieser Brief wurde
am 6. Januar 1955 verfasst, am 7. Januar 1955 an den Stammapostel abgesandt, am
9. Januar 1955 allen Gemeindevorstehern vorgelesen, am 14. Januar 1955 allen
Amtsbruedern ausgehaendigt...".

Sa. 15.1.1955 (frueh): BezAp Kuhlen empfaengt den Brief vom Stamm-
apostel Bischoff vom 13.1.1955.

ER21A1: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:] "Am
Samstag frueh bekam ich Ihren Brief vom 13. d. Mts."

Sa. 15.1.1955: BezAp Schmidt haelt eine Aemterversammlung in Hagen fuer
diejenige Brueder die nicht mehr an der Hand von BezAp Kuhlen weitergehen wollen.

ER22A3,5: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:]
"In dieser Aemterversammlung hat Apostel Schmidt dann bekanntgegeben, dass er
in Ihrem [(Anm RF) des Stammapostels] Auftrage alle "Unzufriedenen" zukuenftig
betreuen wuerde. (Uebrigens eine sehr fragwuerdige Arbeit.) Ja, Apostel Schmidt
hat in dieser Aemterversammlung gesagt, dass ich ja gegenwaertig noch Vorstand
des Bezirks sei, dass aber die noetigen Formalitaeten zur Aenderung der Verhaeltnisse
in etwa 4 Wochen erledigt sein wuerden usw. usw. Es ging aus dem uns gewordenen
Bericht von Teilnehmern dieser Aemterversammlung Unzufriedener ganz klar hervor,
was gegen uns geplant ist;".
"Viele der Brueder, die in Hagen anwesend waren, gehen eifrig von einem zum
andern und behaupten, wir waeren vom Stammapostel abgefallen, was katastro-
phale Folgen hat, die solche verantworten muessen, die das in Szene gesetzt haben."
ER26A2,3: "Apostel Walter Schmidt lud dann bereits zum 15. Januar 1955 zahl-
reiche Amtsbrueder des Duesseldorfer Bezirks zu einer Aemterversammlung nach
Hagen ein, in welcher er im Auftrage des Stammapostels eine Anzahl Amtsbrueder,
die mit der Begruendung, nicht mehr unter der Hand der Apostel Kuhlen, Dehmel
und Dunkmann dienen zu wollen, weil letztere nicht zu der "Botschaft" des Stamm-
apostels staenden, ihr Amt niedergelegt hatten, in ihrem frueherem Amte bestaetigt
und wieder in Funktion gesetzt hat. - Bisher war es wohl noch nie der Fall, dass
Amtsbrueder, die ihr Amt ihrem Apostel zur Verfuegung gestellt haben, durch einen
Apostel eines andern Bezirks wiederum in ihrem Amte bestaetigt wurden, obwohl
diese Brueder immer noch in dem Bezirk und einer Gemeinde des Apostels wohnen,
dem sie ihre weitere Amtstaetigkeit versagt haben. Was wuerde wohl Apostel Wal-
ter Schmidt sagen, wenn einige Amtsbrueder seines Bezirks ihm kategorisch erklaer-
ten, sie lehnten ihn als ihren Apostel ab und wuerden nicht mehr unter seiner Hand
dienen, wenn dann etwa Apostel Weinmann aus dem Bezirk Hamburg, ohne sein
Wissen und ohne mit ihm Ruecksprache genommen zu haben, diese Brueder wieder
in ihrem frueheren Amte bestaetigen wuerde? Wuerde Apostel Schmidt nicht mit
Recht irre an seinem Mitapostel Weinmann? Und wuerde er nicht verzweifeln am
Stammapostel, der einem Apostel Auftrag gegeben, so unbruederlich und unkorrekt
an ihm zu handeln? Ich goenne keinem der Apostel, die heute vielleicht ueber uns
richten, aehnliches zu erleben.
In der Aemterversammlung vom 15. Januar 1955 gab Apostel Walter Schmidt auch
bekannt, dass Kuhlen ja zur Zeit noch Vorstand des Apostelbezirks Duesseldorf sei
und als solcher bei der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gelte, dass aber die
noetigen Formalitaeten zur Aenderung dieser Sache in etwa vier Wochen erledigt
sein wuerden. - War der Plan zur Beseitigung Kuhlens und seiner engsten Mitarbei-
ter damit nicht bereits ganz offen angekuendigt? Allerdings hatte man in jener Aemter-
versammlung zu Hagen den Teilnehmern Schweigen ueber das dort Gesprochene auf-
erlegt. Jedoch ist uns von daselbst Anwesenden genauer muendlicher und schriftlicher
Bericht ueber den Verlauf dieser Versammlung geworden. - Und als wir am Spaet-
nachmittag des 15. Januar 1955 von allem, was in dieser Aemterversammlung gesche-
hen war, erfuhren, war uns sonnenklar, dass wir in Frankfurt voellig in Ungnade gefallen
waren und dass unsere Beseitigung nur noch eine formelle Sache war, mit der wir in den
naechsten Tagen zu rechnen hatten."

Sa. 15.1.1955 (abends): BezAp Kuhlen empfangt ein Telegramm vom Stamm-
apostel Bischoff.

ER22A3: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 17.1.1955:] "Am
Samstagabend - ich kam erst spaet von meinen Kindern nach Hause - erhielt ich dann
ein Telegramm, und ebenfalls erfuehr ich nachher, dass die Apostel Dunkmann und
Dehmel, die Bischoefe und Bezirksaeltesten unseres Bezirkes auch ein Telegramm
bekamen, wonach wir von Ihnen ersucht werden, diese Briefe nicht an die Geschwi-
ster zu verteilen, da Sie sonst zu Gegenmassnahmen gezwungen waeren. Wir haetten
Ihrer Bitte wohl auch stattgegeben, wenn wir nicht inzwischen schon erfahren haetten,
dass schon laengst allerlei Massnahmen gegen uns im Gange waren, naemlich dass
bereits im Laufe der Woche Apostel Schmidt alle moeglichen Brueder, die als "mit
uns unzufrieden" galten, eingeladen hatte zu einer eigens zu diesem Zwecke nach
Hagen einberufenen Aemterversammlung zu kommen."
ER26A4: "Am Abend des 15. Januar 1955 empfingen wir ein Telegramm folgenden
Inhalts: "Vor der Verteilung Ihres Schreibens an die Mitglieder warne ich ernstlich,
da mich dies zu Gegenmassnahmen zwingen wuerde.
Gruss J.G. B i s c h o f f""

So. 16.1.1955: In den Gemeinden des Bezirks Duesseldorf wird den Brief vom
BezAp Kuhlen vom 12.1.1955 vorgelesen.

ER23A8: "An die Amtsbrueder ist dieses Schreiben aber erst am 14. Januar
1955 und an die Geschwister erst am 16. Januar 1955 zur Verteilung gelangt."

So. 16.1.1955: Der Brief von BezAp Kuhlen c.s. vom 6.1.1955 wird allen
Geschwistern erteilt.

ER7A4: [(Anm RF) Aus einem Brief von BezAp Kuhlen vom 12.1.1955:]
"Damit nun keine Entstellungen hierueber um sich greifen, erhalten alle Familien
und alle Alleinstehenden unseres Bezirkes je eine gedruckte Abschrift unseres
Briefes an den Stammapostel. Diese Druckschriften sind beim Vorsteher oder
beim zustaendigen Bezirkspriester in Empfang zu nehmen."
ER35A5: "In hoechster Gewissensnot haben wir dann jenes Schreiben an den
Stammapostel gerichtet, welches die Begruendung enthaelt, warum wir uns nicht
zu der Verkuendigung einer solchen Botschaft verstehen koennen. Dieser Brief wurde
am 6. Januar 1955 verfasst, am 7. Januar 1955 an den Stammapostel abgesandt, am
9. Januar 1955 allen Gemeindevorstehern vorgelesen, am 14. Januar 1955 allen
Amtsbruedern ausgehaendigt und am 16. Januar 1955 an die Gemeindeglieder un-
seres Bezirks zur Verteilung gebracht."

Mo. 17.1.1955: Brief Br. Doepke aus Duisburg b. Bonn an zahlreiche Mit-
glieder seiner Gemeinde.

ER27A2-3: "Am 17. Januar 1955 versandte Bruder Werner Doepke aus Duisdorf
bei Bonn, Hintere Aue 7, an zahlreiche Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde
in Bonn ein Schreiben, in welchem er mitteilte, dass die Apostel Kuhlen, Dehmel
und Dunkmann sowie alle Bischoefe und Bezirksaeltesten des Apostelbezirks
Duesseldorf mit sofortiger Wirkung ihrer Aemter enthoben seien; dieses waere ihm
von Apostel Friedrich Bischoff - Sohn des Stammapostels - und von Bischof
Weine - Sekretaer des Stammapostels - aus Frankfurt telephonisch mitgeteilt
worden. Weiter heisst es in dem Schreiben woertlich: "Bis weitere Weisung vom
lieben Stammapostel kommt, hat der Apostel Schmidt aus Dortmund-Hagen den
Apostelbezirk Duesseldorf uebernommen. Unser bisheriger Vorsteher und alle,
die mit Herrn Peter Kuhlen halten, haben uns auf Weisung des Stammapostels
keine Gottesdienste zu halten. Sie tun es seit Sonntag widerrechtlich."
Jenem Bruder Doepke waren also von Frankfurt Informationen gegeben, die an
Deutlichkeit hinsichtlich dessen, was in Frankfurt schon als vollendete Tatsache
galt, nichts zu wuenschen uebrig liessen."

Mo. 17.1.1955: Brief BezAp Kuhlen an Stammapostel Bischoff.
ER21A1-ER23A4: "Herzlich geliebter Stammapostel!
Am Samstag frueh bekam ich Ihren Brief vom 13. d. Mts., in welchem Sie u.a.
schreiben: "Mit der Amtsenthebung der Brueder Arenz, Haering und anderer bin
ich nicht einverstanden, da Sie das in den "Allgemeinen Hausregeln fuer die Aemter
und Mitglieder der Neuapostolischen Kirche" Festgelegte betreffs Amtsenthebung
nicht beachtet haben. Ich ersuche Sie deshalb, die Amtsenthebung der Brueder so-
fort rueckgaengig zu machen und den alten Zustand wieder herzustellen."
Dazu darf ich erwaehnen, dass ich von mir aus bisher auch nicht einen einzigen der
Brueder, die in den letzten Monaten aufsaessig geworden sind, seines Amtes ent-
hoben habe. Nicht einmal solche, die in gemeinster Weise uns beleidigt haben, habe
ich ihres Amtes enthoben. Auch Bruder Arenz und Bruder Haering samt den 21
Bruedern, die sein Schreiben an mich mitunterzeichneten, habe ich nicht ihres Am-
tes enthoben. Ich darf Sie wohl bitten, die von mir Ihnen eingereichten Abschriften
der Briefe von Bruder Arenz und von Bruder Haering und 21 anderen Bruedern,
die den Brief Haerings mitunterschrieben, noch einmal zur Hand zu nehmen und
genau zu lesen, dann werden sie feststellen, dass diese Brueder von sich aus ihren
Dienst unter meiner und der Apostel Dehmel und Dunkmann Hand quittiert haben.
Ich habe lediglich dieses Aufsagen des Dienstes dieser Brueder aufgenommen,
welche durch ihre Dienstverweigerung ihr Amt selbstverstaendlich verloren haben.
Das duerfte aus den Ihnen vorliegenden Brieftexten einwandfrei hervorgehen.
Wenn Sie mich aber bitten, ich solle die Brueder sofort wieder in ihrem alten
Amte bestaetigen, dann teile ich dazu mit, dass ich Ihren Brief am Samstag frueh
empfing, dann am Sonntag (gestern) mit den Aposteln Dehmel und Dunkmann
darueber sprechen wolle, aber bereits am Samstagabend erfuhr, dass Apostel
Schmidt in einer Aemterversammlung in Hagen kraft von Ihnen gegebenen Voll-
macht die Brueder Arenz und Haering schon in ihrem alten Amte bestaetigt hat,
ohne dass Sie ein Handeln meinerseits und eine Stellungnahme von mir dazu ab-
gewartet haben. Nunmehr kann ich zu der Angelegenheit ja nichts mehr sagen.
Ich weiss nicht, was ich von solcher Weise halten soll.
Und wenn Sie in Ihrem Briefe vom 13. Januar an mich schreiben, dass Sie Apostel
Walter Schmidt beauftragt haben, die seelische Pflege der Brueder und Geschwister
zu uebernehmen, die nicht mehr unter meiner und meiner Mitapostel Hand bleiben
wollen, dann ist das eine Massnahme, die weder ich noch meine Mitarbeiter begreifen
koennen, ja, wir empfinden solche als einen Schlag ins Gesicht. Es ist doch wohl ge-
wiss, dass in jedem und jedem Apostelbezirk Amtsbrueder und auch Geschwister sind,
die mit ihrem Apostel nicht in allem einer Meinung sind. Soll das zukuenftig so wer-
den, dass fuer jede Gruppe Unzufriedener jeweils ein dieser Gruppe genehmer Apos-
tel bestellt wird? Und wenn es sich dann um 6 verschiedene Gruppen handelt, die aus
sechserlei Gruenden nicht die Ansicht ihres Apostels teilen, erhalten dann diese 6 Grup-
pen 6 verschiedene Apostel oder war es bisher immer so, dass alle gehalten worden
sind, ihrem fuer sie gesetzten Apostel zu folgen? Wo soll es wohl noch hinfuehren,
wenn solche Methoden zur Anwendung kommen? Das gibt sicherlich ein Chaos.
Wir hatten an Sie ein in jeder Weise unsere Glaubensueberzeugung dartuendes
Schreiben gerichtet, welches wir am Sonntag vor einer Woche allen unsern Vor-
stehern vorgelesen haben. Die mancherlei Vorgaenge, welcher in letzter Zeit An-
lass zu allerlei Beunruhigung gegeben haben, mussten wir den Bruedern schildern,
um endlich diesen verderbenbringenden Hetzen ein Ziel zu setzen, da solche revo-
lutionaeren Brueder sich nicht gescheut haben, ueberall mit den verwerflichsten
Mitteln gegen uns Front zu machen.
Dass in dem Vorgehen der betreffenden Brueder System und gruendliche Organi-
sation lag, ist uns zu offensichtlich gewesen. So hatten wir denn beschlossen, um
neuen Verdrehungen und Verleumdungen entgegenzutreten, allen Geschwistern
unseres Bezirkes den Inhalt unseres Schreibens an Sie zugaengig zu machen und
den Gemeindevorstehern am letzten Freitagabend diese Schreiben zur Verteilung
gegeben.
Am Samstagabend - ich kam erst spaet von meinen Kindern nach Hause - erhielt ich
dann ein Telegramm, und ebenfalls erfuehr ich nachher, dass die Apostel Dunkmann
und Dehmel, die Bischoefe und Bezirksaeltesten unseres Bezirkes auch ein Telegramm
bekamen, wonach wir von Ihnen ersucht werden, diese Briefe nicht an die Geschwi-
ster zu verteilen, da Sie sonst zu Gegenmassnahmen gezwungen waeren. Wir haetten
Ihrer Bitte wohl auch stattgegeben, wenn wir nicht inzwischen schon erfahren haetten,
dass schon laengst allerlei Massnahmen gegen uns im Gange waren, naemlich dass
bereits im Laufe der Woche Apostel Schmidt alle moeglichen Brueder, die als "mit
uns unzufrieden" galten, eingeladen hatte zu einer eigens zu diesem Zwecke nach
Hagen einberufenen Aemterversammlung zu kommen. In dieser Aemterversammlung
hat Apostel Schmidt dann bekanntgegeben, dass er in Ihrem Auftrage alle "Unzufrie-
denen" zukuenftig betreuen wuerde. (Uebrigens eine sehr fragwuerdige Arbeit.) Ja,
Apostel Schmidt hat in dieser Aemterversammlung gesagt, dass ich ja gegenwaertig
noch Vorstand des Bezirks sei, dass aber die noetigen Formalitaeten zur Aenderung
der Verhaeltnisse in etwa 4 Wochen erledigt sein wuerden usw. usw. Es ging aus dem
uns gewordenen Bericht von Teilnehmern dieser Aemterversammlung Unzufriedener
ganz klar hervor, was gegen uns geplant ist; und dann standen wir vor der Frage, uns
also ganz einfach moeglings als Boesewichte umbringen zu lassen, oder das von uns
an Sie gerichtete Schreiben, welches als eine kleine, bescheidene Verteidigung unse-
rer Haltung gelten darf, den Geschwistern zur Kenntnis zu bringen. Wir sind dann zu
dem Schluss gekommen, dass uns wohl ein Recht zusteht, uns noch in solcher Weise
wenigstens ein klein wenig rechtfertigen zu duerfen und haben die Verteilung der
Schreiben nicht widerrufen.
Ob man uns nun deswegen verurteilt?
Viele der Brueder, die in Hagen anwesend waren, gehen eifrig von einem zum
andern und behaupten, wir waeren vom Stammapostel abgefallen, was katastro-
phale Folgen hat, die solche verantworten muessen, die das in Szene gesetzt haben.
Wie Verleumdungen um sich greifen, will ich Ihnen an nachstehendem Beispiel dar-
tun: In der Aemterversammlung vom 1. Januar 1955 in Duesseldorf hatte ich u.a.
gesagt: "Ob der Herr Jesus noch in diesem Jahre kommt, weiss ich nicht, da niemand
Tag und Stunde hiervon weiss. Am liebsten waere es uns, wenn wir noch in diesem
Jahre mit dem Stammapostel dem Herrn entgegengehen wuerden." - Es ist aber be-
reits wenige Tage nachher von vielen erzaehlt worden, ich haette in jenem Aemter-
dienst gesagt: "Ob der Herr Jesus in 5 oder in 100 oder in 1000 jahren wiederkommt,
das ist mir egal." Dergleichen Verdrehungen werden leider viel leichter geglaubt, als
unsere noch so gruendlichen Darlegungen der Wirklichkeit. Man ist gegen solche
Schwaetzereien einfach machtlos geworden.
Lieber Stammapostel, was soll das werden, was soll das werden?
Ich weiss augenblicklich nichts mehr anderes, als alles betend dem Herrn anzuver-
trauen, denn der weiss, dass weder ich, noch meine Mitarbeiter jemals den Gedanken
hatten, uns von Ihnen zu trennen.
Mehr weiss ich nicht zu sagen und gruesse herzlich
Ihr gez. Peter K u h l e n"

Di. 18.1.1955: Einberufung einer Apostelversammlung am 23.1.1955.
ER25A2-3: "Mit Datum vom 18. Januar 1955 liess der Stammapostel nachstehende
Einladung ergehen:
Einberufung zu einer Apostelversammlung
Hiermit lade ich die Apostel zu einer Apostelversammlung ein, die am Sonntag, 23.
Januar 1955, nachmittags um 14 Uhr, im Konferenzzimmer der Neuapostolischen
Gemeinde zu Frankfurt a.M.-West, Sophienstrasse 50, stattfinden wird.
Tagesordnung: Besprechung der Verhaeltnisse im Apostelbezirk Duesseldorf. Zur
Teilnahme an dieser Apostelversammlung lade ich hiermit auch die Bischoefe und
Bezirksaeltesten des Apostelbezirks Duesseldorfs ein. Ich bitte alle eingeladenen
Brueder, am Sonntag, 23. Januar 1955, um 12 Uhr in Frankfurt a.M., Sophien-
strasse 48, einzutreffen. Alle Teilnehmer koennen dann hier das Mittagessen ein-
nehmen.
Mit herzlichem Gruss
J.G. B i s c h o f f
Als wir Brueder des Apostelbezirks Duesseldorf dieses Schreiben erhielten, war
es uns allen klar, dass die Atmosphaere, die unser in der Apostelversammlung zu
Frankfurt a.M. wartete, eine wenig schoene sein wuerde; denn nach mancherlei
Erlebtem der vergangenen Tage mussten wir auf recht Bitteres gefasst sein."<

Di. 18.1.1955: Stammapostel Bischoff verfasst ein Rundschreiben, welches
alle Abonnenten der "Unsere Familie" im Bezirk Duesseldorf zugeschickt wird.

ER27A4: "...ein gedrucktes Rundschreiben des Stammapostels vom 18. Januar 1955
mit Auszuegen aus Briefen mehrerer Apostel, die Bemerkungen zu dem vom Stamm-
apostel am 11. Januar 1955 an die Apostel zur Stellungnahme versandten Briefes der
Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Bezirks Duesseldorf vom 6. Januar 1955
enthielten."

Wenige Tage vor dem 23.1.1955: Alle Abonnenten der "Unsere Familie" im
Bezirk Duesseldorf empfangen ein Rundschreiben von Stammapostel Bischoff.

ER27A4: "Wenige Tage vor dem 23. Januar 1955 erhielten die meisten neuapos-
tolischen Familien des Bezirks Duesseldorf (alle Abonnenten der Zeitschrift "Unsere
familie") ein gedrucktes Rundschreiben des Stammapostels vom 18. Januar 1955
mit Auszuegen aus Briefen mehrerer Apostel, die Bemerkungen zu dem vom Stamm-
apostel am 11. Januar 1955 an die Apostel zur Stellungnahme versandten Briefes der
Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Bezirks Duesseldorf vom 6. Januar 1955
enthielten."

Fr. 21.1.1955: BezAp Kuhlen schreibt "Einige Anmerkungen zum Rundschrei-
ben des Stammapostels Bischoff vom 18.1.1955".

ER23A5-ER24: "Mit Datum vom 18. Januar 1955 hat der Stamapostel an viele Amts-
brueder und Geschwister des Duesseldorfer Bezirkes ein Schreiben versandt, welches
eine Stellungnahme zu dem von den Aposteln, Bischoefen und Bezirksaeltesten unseres
Apostelbezirks an ihn gerichteten Schreibens enthaelt. Auch sind darin Bemerkungen
mehrer Apostel zu jenem von uns an den Stammapostel gerichteten Schreiben enthalten.
Der Stammapostel schreibt unter anderem, dass unser Brief hinter seinem Ruecken ver-
fasst worden sei. Das ist etwas, was ich nicht verstehe, denn schliesslich glaube ich,
dass saemtliche Briefe, die an ihn von Bruedern und Geschwistern geschrieben wer-
den, nicht in seinem Beisein verfasst werden. Wir haben unseren Brief doch dem Stamm-
apostel ordnungsmaessig zugestellt.
Wenn dann der Stammapostel schreibt, dass unser Brief ihm vor der Bekanntgabe an
die Gemeindeglieder nicht vorgelegt habe, so erwaehne ich dazu, dass jener Brief am
7. Januar 1955 "per Einschreiben" an den Stammapostel gesandt wurde, also wohl am
8. Januar 1955 in Frankfurt/M ankam, und dass der Stammapostel mir den Empfang
desselben mit seinem Briefe vom 13. Januar 1955 bestaetigt hat. An die Amtsbrueder
ist dieses Schreiben aber erst am 14. Januar 1955 und an die Geschwister erst am 16.
Januar 1955 zur Verteilung gelangt.
Bereits am 12. Januar 1955 ist vom Sekretariat des Stammapostels an viele Amts-
brueder unseres Bezirkes ein Schreiben gerichtet worden, wonach die Brueder und
Geschwister, die nicht mehr unter der Hand des Apostels Kuhlen und seiner Mit-
apostel bleiben wollen, sich wegen ihrer zukuenftigen Seelenpflege an den Apostel
Schmidt wenden moechten. Und schon zu Anfang voriger Woche hat Apostel Schmidt
im Auftrage des Stammapostels zahlreiche Amtsbrueder unseres Bezirks zu einer am
Samstag, dem 15. Januar 1955 stattgehabten Aemterversammlung eingeladen, in
welcher Versammlung er mancherlei ueber die in Vorbereitung befindlichen Mass-
nahmen betr. unseres Apostelbezirks bekanntgab und verschiedene Anordnungen
getroffen hat.-
Auf sonstige Einzelheiten des Schreibens will ich nicht eingehen; allein zu dem, was
Apostel Higelin schreibt, will ich etliches sagen. Apostel Higelin schreibt: "Meine
Bestuerzung hat ihren Grund darin, dass Apostel Kuhlen in der letzten Apostelver-
sammlung in Frankfurt uns, dem Bezirksapostel Dauber und mir, fest und zusichernd
bestaetigt hat, dass er voellig unschuldig sei an den Gespraechen, die von Otto Guettin-
ger und seinen Helfern in deren Versammlungen bekanntgegeben werden. Hier han-
delt es sich um folgendes: Man wisse es mit aller bestimmtheit, dass Kuhlen mit sei-
nem Bezirk der Naechste sei, der zu ihnen komme und die Meinung ueber die Bot-
schaft des Stammapostels teile. - Darueber war Apostel Kuhlen ganz empoert und
hat mit einer Entruestung dies als eine gemeine Luege bezeichnet. Er sagte uns folgen-
des: Liebe Brueder, ich war vorher mit den Aposteln aus der Schweiz in guter Freund-
schaft, wie das ja auch richtig war; wir waren Brueder, nun sie aber so handeln, ist es
aus, und ich habe mit ihnen nichts mehr zu tun. Ich stehe zum Stammapostel und der
Botschaft und dies koennt ihr allen sagen, die solche Luegen verbreiten, oder denen,
die davon hoeren und euch fragen, wie steht es mit mir, dies ist meine Stellung zum
Stammapostel - Er hat uns fest versichert, dass er zur Botschaft stehe, denn um
diese ging es." -
Beim Lesen dieser Zeilen ist mir aber doch bald die Sprache weggeblieben ueber
solche Unwahrheit. Als die Apostel Dauber und Higelin mir sagten, dass im Saar-
lande erzaehlt wuerde, demnaechst wuerde Apostel Kuhlen mit seinem Bezirk zu
ihnen uebergehen, da habe ich folgendes erwidert: "Ich war immer mit Otto Guettin-
ger gut Freund; aber seit dem entstandenen Bruch habe ich weder ein Wort mit ihm
gewechselt, noch eine Zeile an ihn geschrieben. Ich weiss, was ich zu tun habe." Und
bis zum heutigen Tage habe ich mit Otto Guettinger weder muendlich, noch telepho-
nisch, noch brieflich seit jenem Zeitpunkt des Bruches in Verbindung gestanden.
und irgendeine Aeusserung, wie ich ueber den Fall Otto Guettinger denke, habe ich
zu den Aposteln Dauber und Higelin ueberhaupt nicht gemacht. Ausserdem habe
ich auch nicht versichert, dass ich zur Botschaft des Stammapostels stehe, sondern
habe ganz deutlich erklaert, dass ich von der nahen Wiederkunft Christi predige,
dass ich meine eigene Seele und die Seelen der Anvertrauten gewissenhaft auf die-
sen Tag vorzubereiten suche, und dass ich des festen Glaubens bin, dass der Herr
zu jeder Stunde kommen kann. - Aber von dem Glauben, dass der Herr zur Lebzeit
des Stammapostels kaeme, habe ich kein Wort gesagt, da ich solches nich nirgend
und niemand gesagt habe.
Dies moege zur Klarstellung dienen.
D u e s s e l d o r f, 21. Januar 1955
Peter K u h l e n"

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