Auszug aus dem Artikel "Ökumene", dem Mitteilungsblatt "Wahrheit" (36. Jahrgang, Ausgabe Januar-März 2001, Nr. 1-3) der "Apostolischen Gemeinde des Saarlandes" entnommen.

Ökumene

Im Laufe der christlichen Kirchengeschichte hat es immer wieder Auseinandersetzungen und Spaltungen gegeben. Das fing schon in der Urkirche an. Kaum fünf Jahre nach der Gründung der Gemeinde in Korinth, im Jahre 56, gab es schon Gruppenbildung und Spaltungen. In den Jahren danach fing man zunehmend an, das Lehrgebäude zu erweitern und im Einzelnen auszugestalten, was wiederum zu Spaltungen führte. So war z.B. in der Gemeinde Alexandria ein Streit über Jesus Christus entstanden. Der Älteste Arius behauptete, dass Jesus als Gottes Sohn nicht gleichen Wesens mit dem Vater sein könne, dass er vielmehr von diesem geschaffen worden und daher eine Zeit gewesen sei, in der er noch nicht war. Der Diakon Athanasius vertrat dagegen die Ansicht, dass zwischen dem Vater und dem Sohn volle Wesensgleichheit bestehe. Die damalige Gemeindeversammlung in Alexandrien entschied sich für die Auffassung des Athanasius. Der Älteste Arius wurde exkommuniziert. Aber der Streit war damit nicht beendet, er griff immer weiter um sich. Darum berief der heidnische Kaiser Konstantin im Jahre 325 die Bischöfe des Ostens zu einem Konzil nach Nicäa. Der Einladung des Kaisers folgten 318 Bischöfe. Das Konzil entschied sich mehrheitlich unter dem Einfluss des Kaisers für die Auffassung des Athanasius und verfasste in diesem Sinne ein Glaubensbekenntnis, das bis heute eine Rolle spielt.

Ganz nebenbei stellt sich hier die Frage, wie man die damalige Entscheidung mit dem Gebotstext in 2. Mose 20, 4, in Einklang bringen konnte, wo es heißt: "Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, der oben im Himmel, noch des, was im Wasser unter der Erde ist." Eigentlich ist denn auch jedermann gewahr, dass Gott Geheimnis ist, er ist der ganz andere, unsichtbar, unfassbar, jenseits aller Worte, allen Verstehens. Ein Gott, den man begreifen kann, ist nicht Gott. Ein Gott, den wir mit Hilfe unseres Verstandes begreifen können, erweist sich als ein Götze, der nach unserem Bild gemacht ist. Doch in damaliger Zeit suchte man nach Erklärungen und zur selben Zeit hatte sich noch eine dritte Lehrmeinung entwickelt, deren Urheber der Älteste Sabellius aus Rom war. Dieser behauptete, dass ein und derselbe Gott, der in seiner Unsichtbarkeit Gott Vater heiße, als Gott Sohn sichtbar geworden sei, menschliche Natur angenommen und als Christus die göttliche Lehre geoffenbart und für sie den Kreuzestod erlitten habe. Und wieder kam es zur Spaltung.

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Der protestantische Theologe Kurt Hutten schrieb über die Apostolischen: "Die neuapostolische Gemeinschaft ist in ihrer bisherigen Geschichte von einer nicht endenden Serie von Spaltungen heimgesucht worden. Die verschiedensten Ursachen waren daran beteiligt: persönliche Differenzen unter den führenden Amtsträgern; Rebellion charismatisch-prophetischer Elemente gegen die Beschlagnahme des Heiligen Geistes durch das Apostelamt; der Aufruhr von Aposteln gegen die erdrückende Übermacht des Stammapostels; die Verdrängung von Gestalt und Werk Christi durch die Person und Amt des Stammapostels."

Der protestantische Theologe hat den apostolischen Kirchen viel Negatives nachgesagt, aber er hat bei seiner Kritik vergessen, dass es in seine Glaubensbewegung noch sehr viel Ärgeres gegeben hat. Man soll halt doch nicht vergessen: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Da ist mir die Auffassung von Papst Johannes XXIII. doch zutreffender, der 1959 sagte: "Wir sind alle an der Trennung mitschuldig. Wir wollen keinen historischen Prozess aufziehen. Wir wollen nicht aufzuzeigen suchen, wer recht oder wer unrecht hatte. Die Verantwortung ist geteilt. Wir wollen nur sagen: Kommen wir zusammen, machen wir den Spaltungen ein Ende."

In diesem Sinne haben die Vertreter von vier apostolischen Gemeinschaften am 1. und 2. September 2000 in Zürich ein Bekenntnis zur Einheit der Apostolischen abgelegt. Gemeinsam wollen sie daran arbeiten, das zu erfüllen, wozu sie eigentlich berufen sind. Das ist gut so. Denn alle christlichen Kirchen müssen in diesen Tagen erfahren, dass ihre Mitglieder die Gemeinden verlassen. Vielen finden keinen Zugang mehr zur christlichen Botschaft oder können nicht mehr sagen, was sie überhaupt glauben. Es bleibt zu wünschen, dass sich diese vier Gemeinschaften wenigstens von dieser Entwicklung herausgefordet fühlen.

Eine Rückbesinnung auf den Geist von Albury scheint allerdings nur teils vernünftig. Den Aposteln der Katholisch-Apostolischen Gemeinde ging es einerseits um die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit. In diesem Sinne fortzufahren, das scheint eine wahrhaft christliche Aufgabe zu sein. Dagegen war die Berufung auf das Apostolische, das Nicänische und das Athanasianische Glaubensbekenntnis ein Trugschluss. Denn Jesus kannte keine Trinität. Der dem Aufgestandenen bei Matthäus in den Mund gelegte Befehl, zu taufen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, ist eine Fälschung.

Um bei den Einigungsbestrebungen weiterzukommen, bedarf es nicht nur der Innenschau. Man muss damit aufhören, nur über Förmeleien zu debattieren. Wer ist ein richtiger, wer ist ein falscher Apostel? Sollen Kinder oder nur Erwachsene getauft werden? Ist die Trinitätslehre richtig? Welches Glaubensbekenntnis ist zutreffend? Derart Fragen interessieren allenfalls Kirchenobere und Fanatiker. Die Menschheit ist an ganz anderen Fragen interessiert. Die gute Schöpfung Gottes ist heute auf der ganzen Erde bedroht. Gerade Menschen sind die Ursache dieser Entwicklung. Die steigende Selbsmordrate besonders junger Menschen lässt aufhorchen. Ehen und Familien sind zerrüttet. Was sagen wir zur Abtreibung, zur Befruchtung außerhalb des Mutterleibes, der Langzeitlagerung von Keimlingen in Tiefkühltruhen, dem Embryotransfer in die Gebärmutter? Stattdessen geben Kirchen Antworten auf Fragen, die niemand stellt. Was soll angesichts der dringenden Probleme jenes unnütze Gezänk, ob dieser oder jener ein Apostel ist? Nur ganz nebenbei sei darauf hingewiesen, dass keiner der Apostel den Auftrag Jesu Christi erfüllen kann, der laut Matthäus 10, 8 sagte: "Macht die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus. Umsonst habt ihrs empfangen, umsonst gebt es auch." Es ist bislang nicht bekannt geworden, dass einer der Apostel, gleich welcher Richtung, einen Toten auferweckt hätte.

Die Aufmerksamkeit muss sich demnach auf andere Felder richten. Ganz wichtig erscheint mir im ökumenischen Miteinander die gemeinsame Bibelarbeit. Gerade die Bibel ist ein wesentliches Band, das uns Apostolische vereint. Hierbei können wir voneinander lernen und können auch merken, in wievielen Dingen wir miteinander verbunden sind. Grundsätzlich gilt desweiteren für die ökumenische Arbeit, dass neben unseren apostolischen Partnern auch andere christliche Konfessionen, die sich der Ökumene verpflichtet wissen und mitarbeiten wollen, je nach Wunsch berücksichtigt werden sollten.

O. Schmidt

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