(Hauptartikel, "Unsere Familie", 8. Jahrgang, Nummer 2, Montag, den 20.1.1941.)

Von Stufe zu Stufe

Alles Lebendige draengt nach oben, nach Verbesserung, Verfeinerung, ja, nach hoechster Vollendung.

Wo irgend sich Kraefte regen, koennen wir ein Streben nach immer groesserer Entfaltung wahrnehmen.

Gerade jetzt im Kriege kommt es darauf an, alle verfuegbaren Kraefte zur aeussersten Leistungssteigerung zu bringen. Denn diese Elemente des kaempferischen, voelkischen Lebens bringen uns in ihrem gemeinsamen Einsatz den letzten, hoechsten Sieg. Daher ist auch eine Zusammenballung und eine Hoechststufe der Kraftentfaltung das Gebot der Stunde.

Die gesteigerte Kraft unserer Wehrmacht hat uns je und je durch die unuebertrefflichen Erfolge, die erzielt sind, ins Erstaunen gesetzt. Was in der Vergangenheit Ziel und Streben war, ist jetzt erreicht, naemlich die Hoechstleistung in der gesamten Wirtschaft, besonders aber in der Wehrwirtschaft. Dazu hat es die Landwirtschaft vermocht, ihr Teil an der grossen Hochentwicklung beizutragen, die uns als Volksganze instandsetzt, den Krieg bis zum Enderfolg durchzuhalten.

Dabei koennen wir feststellen, dass sich das kleinste Teilchen an dem grossen Raederwerk, der einzelne Volksgenosse, auf diese hoechste Kraftsentfaltung eingestellt und damit zum Gelingen des grossen Ringens um Weltgeltung unseres Volkes beitraegt.

Die erreichte Gesamtleistung ist der groessten Bewunderung wert und eigentlich nur der Erfolg der aufs Aeusserste gesteigerten voelkischen Kraft.

Auch auf dem Gebiet des Geistes kann eine Entfaltung der Kraefte beobachtet werden. Von Stufe zu Stufe geht es aufwaerts in der Entwicklung. Doch nur gesundes Leben strebt aufwaerts, das Kranke naehert sich dem Zerfall, dem Tode.

Wenn wir das Glaubensleben betrachten, so koennen wir die gewaltigen Unterschiede feststellen, die es gerade hier gibt. Denn es traegt vieles den Namen Glauben, was ihn kaum verdient. Glauben ist schon das schwache Fuermoeglichhalten eines goettlichen Daseins und Glauben ist das sieghafte Ueberwinden alles Menschlichen. Welch weiter Weg von dem einen zum andern! Und doch ist auch dies ein Weg, der von Stufe zu Stufe aufwaerts fuehrt.

Als wir den neuapostolischen Glauben zum ersten Mal kennen lernten, war in uns auch nur ein geringer Glaubensgrund vorhanden, der uns die Tiefen der goettlichen Liebesabsichten kaum ahnen liess. Erst unter der dauernden Bedienung in den Gottesdiensten und unablaessigen Wirksamkeit des Heiligen Geistes kamen wir im Glauben voran. Was uns frueher dunkel und unklar war, nahm stetig an Klarheit zu. Wo in vergangenen Tagen nie der Glauben hingereicht haette, das wurde uns immer fasslicher. Dazu trat die Kraft der Ueberwindung.

Doch leicht ist uns die Entwicklung nicht geworden. Wie mancher harte Kampf mit Vorurteilen und Ueberheblichkeit, mit falsch dargestelltem Wissen und menschlichen Schwaechen war zu bestehen! Wer aber durchgehalten hat, wer nie das Vertrauen zu der Hilfe des Allmaechtigen aufgab, der wuchs im Glauben, und seinen geistigen Augen oeffneten sich Gefilde der Seligkeit, die er nie gekannt. Die unantastbare Groesse des Apostelamtes als des hohen Amtes der Sendung und der Gnade wurde dem ehrlich Strebenden immer deutlicher sichtbar.

Es ist ein lichter Weg im Nachschauen und dennoch erkennen wir, dass wir die letzte Hoehe dieses erhabenen Weges zu der Gottesnaehe noch vor uns haben. In dem Verbundensein mit den Aposteln Jesu und im unentwegten Streben zur hoechsten Vollendung kommen wir jenem ewigen Ziel naeher. Von Stufe zu Stufe.

Mit unserem Glauben ist auch das Hoffen gewachsen. Es ist in uns zu einer Trostquelle geworden, die nie versiegt. Moegen auch Wolken kommen und das Dasein uns verdunkeln wollen, die lebendige Hoffnung in uns traegt uns ueber alles Missliche hinweg. Aus der winzigen Hoffnung auf eine vielleicht vorhandene goettliche Hilfe ist ein Hoffen geworden, das uns den Himmel der Taten Jesu offen zeigt und in uns alles Menschliche zum Schweigen bringt, wenn dies uns unsicher machen will.

Welche Entwicklung ist dem Eifer moeglich! Es ist kein besonders gutes Zeichen, wenn einer in seinem Eifer bestenfalls dahin kommt, dass er ab und zu einen Gottesdienst besucht und dies als voellig ausreichend fuer seine geistige Entwicklung betrachtet. Der gesteigerte Eifer ist von anderer Art. Da kann einer, getrieben durch seinen Eifer, sein ganzes seelisches Sein in eine andere Form bringen. Was fuer ihn frueher ein grosses Opfer war, wurde zur nebensaechlichen Selbstverstaendlichkeit, woran er einmal in Leidenschaften hing und seine Kraefte dafuer gab, das kann er ohne Bedenken abtun und sein Leben so dem Dienste des Herrn weihen, dass er darin hoechste Seligkeit empfindet. Jene Hoechststufe des Eifers ist das beste Zeugnis fuer die Wahrhaftigkeit unserer Glaubensueberzeugung.

In dem gesamten Kraeftehaushalt unserer Seele ist genau festzustellen, ob eine Hoeherentwicklung oder ein Stillstand eingetreten ist. Die gesteigerten seelischen Kraefte setzen uns instand, groessere Hoehen der Erkenntnis zu erklimmen, mannhafter zu werden im Glaubenskampf und sieghafter durchzuhalten im Erstreben des himmlischen Zieles.

Doch wenn es gilt, stufenweise hoeher zu kommen, so nimmt in diesem Streben die Liebe den ersten Platz ein. Was ist Liebe, die zu keinem Opfer faehig waere? Sie verdiente diesen hohen Namen nicht. Dass aber auch ein Nachlassen der Liebe moeglich ist, das entnehmen wir der Klage in der Offenbarung Johannis: "Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlaessest." Diese Worte seien fuer uns eine ernste Mahnung und Ursache, eine Steigerung in der Liebe zu suchen, ja, eine Hoechststufe einzunehmen, die uns als Juenger und Juengerin Jesu kennzeichnet und von der Jesu sagt: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Juenger seid, so ihr Liebe untereinander habt."

Liebe haben aber heisst nicht, den einen lieben und schaetzen, den anderen aber hassen und verachten. Denn das waere ein sehr irdisch eingestellte Liebe, die ja sogar imstande ist, selbst in Hass umzuschlagen und den Gegenstand ihrer frueheren Zuneigung zu verfolgen. Liebe in Christi Sinne ist nicht von Aeusserlichkeiten beeinflussbar, sie ist ein Bestandteil des Geistes des Herrn, den wir empfangen haben, sie ist also goettlichen Ursprungs und deshalb auch zu den groessten Taten faehig. An dieser Liebe soll man uns erkennen. Wir wollen sie ueben, wo immer nur Gelegenheit dazu sich uns bietet!

H.O.

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