Thema 4

Das Haupt; Jesus oder der Stammapostel?


Im Jahre 1938 formulierte der damals 29-jaehrige Fritz Bischoff, Sohn des
Stammapostels Bischoff und Alleinbesitzer von Verlag und Druckerei Bischoff einen
anonym gehaltenen Aufsatz im Kalender "Unsere Familie" 1939 mit dem unauffaelligen
Titel:

Der Stammapostel - sein Ferien- und Arbeitstag.

Nach einigen Angaben ueber seinen Ferienort im Taunus und einer Aufstellung ueber
seine Wirkungskreise (ausser der Schweiz gibt es nach dieser Version keine ausser-
deutsche Apostelbezirke) biegt der damalige Bezirksevangelist und Stammapostelsohn
ein zu einer Lektion, die er insbesondere dem Apostelkollegium erteilen will. Seine
Botschaft enthaelt drei neue Lehraussagen, aber alle drei sind falsch:

1. "Der Stammapostel fordert nichts mehr als die treue Nachfolge im Gehorsam
des Glaubens
". (Seite 71)

Die Verknuepfung von "treuer Nachfolge" mit "Gehorsam des Glaubens" kommt in der Bibel
nicht vor. Als eine Forderung (kategorischer Imperativ) des Stammapostels ist sie
absolut einmalig und kann hoechstens als Ausdruck einer neuen Apostellehre, besser
Stammapostellehre, in der Zeit des deutschen Nationalsozialismus mit ihren Fuehrergehabe
und ihrem diktatorischen Machtapparat verstanden werden.

Hier wird den Aposteln ihre untertaenigste Position klargemacht und ihre am Stamm-
apostel emporsehende, ergebene Haltung eingetrichtert. Mit Jesulehre has dies nichts
mehr zu tun.

2. "Der Stammapostel als das Haupt der Apostel und des Gemeinschaftskoerpers".
(Seite 71 + 72)

Wenn Jesus in den Apostelbriefen der Urkirche als das Haupt des Leibes, naemlich der
Gemeinde, dargestellt wird (Kolosser 1, 18), kann keines der uebrigen Organe oder
Glieder aus logischen Gruenden auch noch Haupt sein. Jesus Christus ist das Haupt
(1. Kor. 11, 3; Eph. 1, 22; Eph. 4, 15). Diese Bezeichnung muss ihm vorbehalten
bleiben, wenn man nicht ein zweikoepfiges Unwesen konstruieren will. Die Vorstellung
des Stammapostels J.G. Bischoff ist Vermessenheit und Ueberheblichkeit in einem.

3. "Es ist nur einer, der gesandt ist, den Willen des Herrn kundzutun". (Seite 72)

Den Auftrag, hinzugehen in aller Welt, zu lehren und zu taufen, das Evangelium zu
verkuendigen, den Willen des Herrn kundzutun (lehret sie halten alles, was ich euch
befohlen habe) hat Jesus persoenlich an alle Urapostel gerichtet. Der gleiche Auftrag
ist Paulus und Barnabas durch Prophetie geworden, und kaum ein Apostel hat diesen
Sendungsbefehl, in der Welt zu gehen und zu lehren, so beflissen ausgefuehrt wie
diese beiden. Aus Distanzgruenden und wegen fehlenden Kommunikationsmoeglichkeiten
bestand zwischen Petrus und den "Heidenaposteln" sehr selten die Gelegenheit fuer
ein Gespraech, geschweige denn, dass Petrus seinen Mitaposteln Sabbat fuer Sabbat
den Willen des Herrn haette kundtun koennen. Das war auch nicht noetig, denn das hat
der Heilige Geist getan! Auf diese Weise hat jeder Apostel, gleichgueltig in welchem
geographischen Teil er wirkte, den Willen des Herrn verkuendigt, und sicher hat der
Heilige Geist zur Zeit und Stunde das gegeben, was fuer die einzelne Gemeinden spezifisch
notwendig war. Auf diese Weise war die Einheit des Geistes unuebertrefflich vorhanden.
Heute noch geben uns die unabhaengig von einander entstandenen Briefe der Apostel Zeugnis.

Die neuapostolischen Apostel auf der ganzen Welt haben den obigen Wink mit dem Zaun-
pfahl verstanden. Mit den zitierten fatalen Aussagen hat der Stammapostelsohn, nebenbei
seit dem 1.5.1933 Mitglied der NSDAP und auch der SA (Sturmabteilung), seinem Vater
eine Machtposition zugeschaufelt, die ihresgleichen sucht. Und auf unauffaelliger Weise
wurde gleichzeitig das gesamte Volk Gottes orientiert. Dieser Artikel duerfte das Ende
des Kollegialitaetsprinzips unter den Aposteln gewesen sein. Andererseits hat J.G.
Bischoff seinem Sohn Generalvollmachten erteilt.

Dank dieser familiaeren Konstellation (wer die Medien hat, hat die Macht) und diesen
neuen Lehraussagen sind dem Stammapostel Instrumente in die Haende gekommen, die ihm
erlauben, allein zu sagen, was jetzt der aktuelle Wille des Herrn ist, aber auch zu
entscheiden, wer in der treuen Nachfolge im Gehorsam des Glaubens steht, ihm genuegend
ergeben ist, genuegend emporschaut und wer nicht.

In der Zeit des dritten Reiches war es nach der Erkenntnis des Stammapostels Gottes
Wille, dass jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde durch die
planmaessige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinne
erzogen wird.
Siehe dazu "Die Neuapostolische Kirche in der N.S.-Zeit und die Auswirkungen bis zur
Gegenwart", von Dr. Michael Koenig und Juergen Marschall, 2. Auflage, Feldafing, 1994,
wo auf Seite 17 ein Zitat des Stammapostels Bischoff aus einem Schreiben an das
Preussische Kultusministerium steht:
"Jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die plan-
maessige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn
erzogen, so dass die meisten Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde der National-
sozialistischen deutschen Arbeiterpartei angehoeren oder ihr nahestehen.
H e i l H i t l e r !"
(gez. J.G. Bischoff)


Das neuapostolische Schriftgut jener Zeit zeigt ein erschreckendes Bild seiner Hitler-
freundlichen und demagogischen Taetigkeit. Mit grosser Sorge haben die Apostel (nicht
nur die ausserdeutschen) diese Entwicklungen ihres Stammapostels und seines Umfeldes
beobachtet. Als am 1. September 1939 mit dem Ueberfall Deutschlands auf Polen der
zweite Weltkrieg ausbrach, und die voelkermoerderischen Absichten Hitlers zunehmend
Realitaet wurden, hat Stammapostel Bischoff weiterhin Kriegspropaganda betrieben
(siehe letzte Ausgabe der Unsere Familie am 5.12.1941). Leider beweist die Haltung des
Stammapostels, dass ihm persoenlich keinerlei prophetische Begabungen gegeben sind; er
haette schon laengst den herrschenden Geist der Zeit erkennen muessen.

Antrag an das Gremium fuer besondere Angelegenheiten:

Wir erwarten vom Stammapostel eine Distanzierung von den drei obigen Lehraussagen und
eine praezise Aussage darueber, wer das einzige Haupt im Leibe Christi ist.

Stellungnahme des Gremiums fuer besondere Angelegenheiten zu Thema 4.

Zurueck.

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