Konzil 2000

Mehr als ein apostolisches Kaffee-Kränzchen?

So richtig "zu Potte" scheint man auf dem "apostolischen Konzil" in Zürich nicht gekommen zu sein. Die BEGRÜSSUNGSANSPRACHE Fehrs und das KONZILSPROTOKOLL erzeugen zumindest den Eindruck, dass die Diskussionen eher schleppend vorangingen und ein wie auch immer gearteter Konsens zu kaum einem Thema hergestellt werden konnte.

Bisher ließ sich als einziger "roter Faden" dieses Konzils nur das regelmäßig anberaumte Kaffee-Trinken ausmachen.

Erklärungsnotstände

Folgende Themen sollten auf dem Konzil behandelt werden (vgl. EINLADUNGSSCHREIBEN):

  1. Welche Bedeutung hat das Apostelamt?
  2. Wie erklären wir die 1700jährige apostellose Zeit?
  3. Die Naherwartung der Wiederkunft Christi!
  4. Was erwarten wir von weiteren Gesprächen?

Im Konzilsprotokoll findet sich zu diesen Themen nichts! Das konnte man wohl auch nicht erwarten. Jeder dieser Tagesordnungspunkte ist ein apostolisches Endlosthema (wenn man sich nicht vorher sachkundig macht), was aber auch die Frage aufwirft, warum man sich ein solches thematisches Mammutprogramm überhaupt auferlegt hat.

Dass TOP 1 auf der Themenliste stand, ist ernüchternd und erstaunlich zugleich. Ernüchternd, weil das gemeine Mitglied doch davon ausgeht, dass der Anspruch und die Bedeutung dieses Amtes in den verschiedenen apostolischen Denominationen gleich oder zumindest näherungsweise identisch ist. Erstaunlich, weil die Thematisierung des Apostelamtes auf eine Neuorientierung des Amtsverständnisses in der NAK hindeuten könnte.

Für jeden, der sich ernsthaft mit dem Anspruch des Auftretens von Aposteln der Neuzeit beschäftigt, ist die Frage nach einer Erklärung der 1700 Jahre währenden, apostellosen Zeit zentral. Dies dürfte nicht zuletzt Prof. Dr. H. Obst in seinem Buch über die NAK eindringlich und argumentativ überaus plausibel dargelegt haben (nachzulesen in: Prof. H. Obst, 1996, Friedrich Bahn Verlag Neukirchen-Vluyn "Neuapostolische Kirche - die exklusive Endzeitkirche?", S. 186-199).

Quintessenz:

"Die Neuapostolische Kirche vermag auf die Frage, warum das Apostelamt mit den Uraposteln erlosch und - folgt man ihrer Anschauung - die Kirche ca. 1700 Jahre von Gott ohne Apostel gelassen wurde, keine biblisch begründete Antwort zu geben." (S. 193)

Und es wäre für alle Teilnehmer des apostolischen Konzils ratsam, sich mit den Auffassungen der Albury-Apostel auseinanderzusetzen. Für sie war nämlich die "apostellose Zeit" kein "Problem":

"Die Kirche ist durch den Verlust des apostolischen Amtes nicht von Christus, ihrem himmlischen Haupt, getrennt worden. (...) Mit dem Aufhören apostolischer Wirksamkeit zog sich nicht etwa der Hl. Geist aus der Kirche zurück. Sondern Gott der Hl. Geist ist auch in den Zeiten des tiefsten Verfalls in der Kirche gegenwärtig gewesen. Das Wort Gottes und die Sakramente des Lebens, Taufe und Abendmahl, haben immer und überall ihre göttliche Segenskraft bewiesen. Alles, was zur Seligkeit des einzelnen notwendig ist, hat sich sogar zur Zeit der größten Armut und Dunkelheit in der Kirche gefunden." (vgl. Ludwig Albrecht: Abhandlungen über die Kirche, Marburg 1982, S 65)

 

Die Apostolische Stimme

In seiner Begrüßungsansprache sagte Fehr:

"Sind dabei nicht wir, die apostolischen Gemeinschaften, die sich durch die gemeinsame Geschichte und die verwandten Lehrinhalte näher stehen als andere Kirchen, in besonderer Weise zu einer Zusammenarbeit aufgerufen mit dem Ziel, dass nach Jahren und Jahrzehnten die apostolische Stimme neu erklingt - und auch gehört wird?

Das sei einmal grundsätzlich in Frage gestellt. Die nun fast 50jährige und eigenständige Entwicklung der VAG-Gemeinden hat es mit sich gebracht, dass der liberalere Teil dieser Gemeinden heute den evangelischen Freikirchen lehrmäßig viel näher steht als der Neuapostolischen Kirche.

Gleichzeitig hat sich Ortwin Schmidts Apostolische Gemeinde des Saarlandes so weit von den allgemeinchristlichen Grundsätzen entfernt (s.u.), dass er eher den Unitariern nahe steht und letzlich an den Arianismus anknüpft (Göttlichkeit Jesu wird abgelehnt).

 

Gute Nachbarschaft nach

fristlosen Kündigungen?

Weiter sagte Fehr in seiner Begrüßung:

"Können wir Vorbehalte und Zwist, das bisherige Gegeneinander hinter uns lassen? Können wir durch einen offenen, brüderlichen Dialog zu einem durch gegenseitige Wertschätzung und Respekt geprägten gut-nachbarschaftlichen Nebeneinander kommen, das vielleicht sogar in ein Miteinander hineinwächst?"

In Anbetracht der historischen Ereignisse, die die gnadenlose Exkommunikation vieler Apostel und Gemeindemitglieder zur Folge hatte, kann man Fehrs "Wunsch" nur als tolldreist bezeichnen. Der Umgang seiner Vorgänger im Amt mit mißliebigen Aposteln kam einer frist- und grundlosen Kündigung gleich. Und nun will man ein gutnachbarschaftliches Verhältnis?

 

Das Apostelamt verbindet?

Ein weiterer Gedanke Fehrs läßt aufhorchen:

"Die Wiederaufrichtung des Apostelamtes nahm seinen (sic!) Lauf. Dieses Amt ist es, das uns verbindet, auch wenn wir in Varianten darüber etwas anders denken mögen!"

Und man hätte eigentlich angenommen, dass der Glaube an Jesus Christus, an seinen Tod und seine Auferstehung das gemeinsame Element "seiner Apostel" und die tragende Verbindung für die Zukunft sein könnte - so kann man sich irren!

Fehr verniedlicht die "Varianten" des Denkens über das Apostelamt in den apostolischen Gemeinschaften! Das Gemeinsame beschränkt sich lediglich auf die nominelle Existenz des Apostelamtes. Dass diese Thematik im Protokoll nicht festgehalten worden ist, spricht für sich.

 

Fehrscher Magerquark...

Der Höhepunkt der Fehrschen Ansprache an seine apostolischen Kollegen sollte eine Entschuldigung für die Verhaltensweise der NAK in der Vergangenheit werden, denn in seinem Manuskript findet sich folgende Passage (die fettgedruckte Hervorhebung stammt von Fehr):

"Wenn ich aber von unserem Beitrag zur Aussöhnung gesprochen habe, dann will ich heute bekennen, dass wir alle Menschen mit Stärken, aber auch mit Schwächen sind und wo Menschen arbeiten, treten Fehler zutage. So können wir sicher nicht bestreiten, dass auch in unserer Kirche Fehler gemacht wurden und unter Umständen auch in Zukunft gemacht werden.

Ist durch persönliches Fehlverhalten jemand zu Schaden gekommen, bedaure ich das sehr.

Wenn ich das hier so deutlich anspreche, geht es mir nicht um Schuldzuweisungen, weder an jene, die vor uns gearbeitet haben noch an irgend jemand sonst. Vielmehr gilt es, im Bewusstsein, dass wir alle noch unvollkommen sind, aus Fehlern zu lernen."

Gründlicher kann eine Entschuldigung wohl nicht daneben gehen! Dass Menschen Fehler machen, ist eine Platitüde! Bemerkenswert ist, dass Fehr nicht das persönliche Fehlverhalten an sich bedauert, sondern die (nicht ganz auszuschließende) Möglichkeit, dass dadurch jemand (!!) zu Schaden gekommen sein könnte (!!).

Fehlverhalten darf nach christlichen Massstäben nicht lediglich bedauert werden. Es muß Schuld eingestanden werden, ansonsten ist Buße und Umkehr unmöglich. Dies ist eine zentrale Botschaft des Evangeliums.

"Jede Sünde, also auch die Sünde der Kirchenspaltung, wird nicht durch Erklärungen und Entschuldigungen, sondern nach einem Schuldbekenntnis, Reue und Beichte, von Gott vergeben." (R. F. Edel)

Fehr lehnt die Frage nach Schuld ab und legt auch kein Schuldbekenntnis der Neuapostolischen Kirche ab, deren oberster Hirte er ist. Er spricht nur von seinem (!) persönlichen Bedauern, von dem Bedauern des Bruders Fehr aus Zürich. Das ist eindeutig zu wenig!

 

Geschichtsaufarbeitung - Fehlanzeige!

Apostel Weise mahnt die Notwendigkeit der Geschichtsaufarbeitung an:

"Eine Aufarbeitung der Geschichte ist unerlässlich, um ein gedeihliches Miteinander in der Zukunft zu ermöglichen, sonst wird uns die Vergangenheit immer wieder einholen."

So richtig dies ist, so deutlich muß auch festgestellt werden: Ist diese Erkenntnis neu? Welche konkreten Schritte wurden dazu eingeleitet? Das Konzilsprotokoll gibt Auskunft: Keine!

Der kircheneigene FB - Verlag der NAK vertreibt munter weiter seine Publikation "Geschichte der Neuapostolischen Kirche", wo der Leser die neuapostolische Auffassung zu den zahlreichen Exkommunikationen nachlesen kann:

"Das Wort des Herrn allein deutet schon an, daß sich nicht alle seine Knechte von Herzen nach dem Tag seiner Wiederkunft sehnen würden. Ihrer Einstellung mußte auch die Pflege der ihnen anvertrauten Seelen entsprechen. Ehrgeizige Pläne und Hoffnungen, deren Verwirklichung der nahe Tag Jesu im Wege stehen mußte, bewogen den Apostel des Bezirks Düsseldorf und seinen unmittelbaren Anhang, sich von dem Stammapostel Bischoff zu lösen. Eigene Wege hatten auch der Apostel Güttinger in der Schweiz und in Südafrika die Apostel Erasmus und Malan eingeschlagen. Die Einheit der geistigen Führung der Kinder Gottes war durch die Verantwortungslosigkeit dieser Männer aufs schwerste gefährdet. ... Sie mußten aber erleben, daß sich nur die um sie sammelten, auf deren Mitarbeit der Herr und seine Knechte im weiteren verzichten konnten, denn es waren solche, die in ihrem Herzen sprachen: Mein Herr kommt noch lange nicht! (Matthäus 24, 48.) In der Entwicklung des Werkes Gottes ist von diesem Zeitpunkt an, da sich die Geister schieden, keine Störung mehr zu verzeichnen gewesen" (Geschichte der Neuapostolischen Kirche, 135f)

 

"I had a dream" - Weises Visionen

Apostel Weise erzählte ein Traumerlebnis:

"Stammapostel Fehr hält einen Versöhnungsgottesdienst mit der ganzen Kirche Christi, verliest einen Brief, andere Apostel dienen mit. Dieser Traum sollte zu unserer Lebzeit wahr werden."

Darf man daraus ablesen, dass die VAG nichts mehr gegen eine Wiedervereinigung unter einem neuapostolischen Stammapostel hat? Warum sonst hält Fehr diesen visionären "Gottesdienst"? Sollte Weise sich tatsächlich so geäußert haben, wie dies im Konzilsprotokoll nachzulesen ist, dann kann man auch der VAG nur dringend raten, ihr Kirchenverständnis weiter zu überdenken. Wenn Weise hier von "der ganzen Kirche Christi" spricht, muß man wohl annehmen, dass er darunter die NAK plus weitere apostolische Gemeinschaften meint. Die Albury-Apostel wären enttäuscht, ja entsetzt, für sie galt:

"Die Kirche ist die Versammlung aller, die an den Herrn Jesus Christus glauben und nach seinem Gebot getauft sind" (vgl. Ludwig Albrecht: Abhandlungen über die Kirche, Marburg 1982, S 17)

 

Das "enfant terrible" aus dem Saarland

Als mögliche gemeinsame Glaubensgrundlage wurden die drei ersten Glaubensartikel diskutiert. Ortwin Schmidt (Apostel der Apostolischen Gemeinde des Saarlandes) dazu:

"Bin gegen Dogmatisierung, gegen jede Festschreibung. Wenigstens der 2. Glaubensartikel ist falsch. Wir sind Fragende, nach der Wahrheit Suchende. Das Nicäische Glaubensbekenntnis war ein politischer Kompromiss."

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, ist das Zusammengehen von O. Schmidts ca. 250 Anhängern mit der NAK schon eine ausgemachte Sache. Die NAK soll Schmidt eine Anstellung als Apostel zugesagt haben. Wie sagte schon einst der alte Internist mit Blick auf ein verwundetes Knie: Das kann ja Eiter werden..."

Den Albury-Aposteln waren die drei altkirchlichen Bekenntnisse (Apostolicum, Nicänum, Athanasianum) wertvoll. Sie wurden ohne Abstriche oder Zusätze geglaubt!

 

Wer sind die "Verirrten"?

Die Schweizer zeichneten sich in der Geschichte der apostolischen Abspaltungen schon immer als besonders mutig aus. Auch auf dem Konzil war es ein Schweizer (der VAG-Apostel Baltisberger), der - in Anspielung auf entsprechende Äußerungen Fehrs in Holland - die unmissverständliche Frage stellte:

"Sieht uns die NAK immer noch als Verirrte?"

(Fehr verwendete diesen Begriff in einem Gottesdienst am 6.12.1998. Und dies, obwohl er genau wußte, dass Amtsträger der "Gemeente van Apostolische Christenen" und der "Hersteld Apostolische Zendingkerk" anwesend waren. Im Gottesdienstbericht der UF wurden diese Passagen natürlich ersatzlos gestrichen.)

Noch interessanter als diese Frage dürfte Fehrs Antwort sein:

"Wenn ich für die Verirrten bete, meine ich damit unsere eigenen Mitglieder."

In den Züricher Konferenzräumen sollen sich ob dieser Antwort die Balken gebogen haben. Einige NAK-Apostel wußten nicht mehr, wo sie hingucken sollten und bissen verzweifelt auf ihre Unterlippen, um lautes Lachen zu unterdrücken.

Ich denke, so schlecht wurde noch niemals von einem neuapostolischen Stammapostel gelogen!

Apostel Weise schrieb übrigens am 11.9.2000 an Ricky Fair:

"Noch ein letztes zu den 'Verirrten'. Hier meint Stap. Fehr nicht die Teilnehmer der am 'Konzil' teilnehmenden Gemeinschaften. So auf unsere diesbezügliche Nachfrage."

Sicher ist es nachzuvollziehen, dass ein Apostel der VAG seinen zukünftigen Stammapostel, den er im Traum visionär einen "Versöhnungsgottesdienst" abhalten sah, schon einmal in weiser (!) Voraussicht in Schutz nimmt. Wäre es aber nicht angemessener, als Hirte die (neuapostolischen) Schafe zu schützen? Denn - noch einmal - Fehr hat, um von seinem Faux Pas in den Niederlanden abzulenken, kurzerhand seine Mitglieder als "schwarzen Schafen" abgestempelt, zu Sündenböcken erklärt:

"Wenn ich für die Verirrten bete, meine ich damit unsere eigenen Mitglieder."

 

Eigenlob und Eigentor

Fehr scheint schon an seinem eigenen Nachruf zu arbeiten, denn auf dem Konzil gab er zu Protokoll:

"In meiner zehnjährigen Amtszeit als Stammapostel der Neuapostolischen Kirche habe ich bewirkt, dass Christus wieder mehr in die Mitte gerückt wird. Dies kommt zum Ausdruck in der Aussage: Christus ist das Haupt der Gemeinde, der Stammapostel ist das Haupt der Apostel."

Soll das bei Fehrs Zurruhesetzung in wenigen Jahren Erwähnung finden, dann müßte dieses Eigenlob sprachlich noch ein wenig nachgebessert werden. Ansonsten würden sich nämlich weitreichende Nachfragen stellen:

  1. Stand Jesus etwa über Jahrzehnte nicht im Mittelpunkt der NAK?
  2. Steht Christus nun im Mittelpunkt oder lediglich "wieder mehr"?
  3. Wer oder was stand bzw. steht denn statt Jesu im Mittelpunkt der NAK?

 

Apostel in den Augen der NAK

Apostel Weises Frage, ob denn die NAK die VAG-Apostel als wahre Apostel anerkenne, hat sich spätestens seit der Veröffentlichung des Konzilsfotos auf der NAKI-HP und in der UF erübrigt. Dort werden zwar sämtliche Namen der Konzilsteilnehmer aufgeführt, allerdings ohne den Amtstitel. Die NAK hat sich dadurch mehr oder weniger geschickt um die Beantwortung dieser delikaten Frage herumgedrückt.

Aber es dürfte klar sein: Die NAK anerkennt nur ihre Apostel, die eng mit dem Stammapostel verwurzelt sind, als "wahre" Apostel an. Wer dies nicht glauben will, mag eine diesbezügliche Anfrage an Peter Johanning richten.

 

Alles neu, macht der Mai

Unterkunft und Bewirtung scheinen in Zürich ausgezeichnet gewesen zu sein. Denn man hat verabredet, sich in dieser schönen Stadt im Zeitraum von Dienstag, dem 15. Mai bis Freitag, den 18. Mai 2001 erneut zu treffen.

Auf der Tagesordnung stehen nun folgende Punkte:

  1. Die Bedeutung des Apostelamtes
  2. Die Trinität Gottes - Das Apostolicum
  3. Die Naherwartung Christi
  4. Sind gemeinsame Gottesdienste (ohne/mit sakramentalen Handlung) möglich?

Ist das nicht putzig? Vergleicht man diese Tagesordnungspunkte mit denen des September-Treffens 2000 - zur Erinnerung

und mit dem Ergebnisprotokoll dieser Veranstaltung, so stellt man fest:

Erklärungsnotstände bzgl. der apostellosen Zeit (vgl. NAK-Buch von Prof. Dr. Obst) wurden gar nicht erst thematisiert. Zwei weitere Themen (Apostelamt, Naherwartung) stehen erneut auf dem Programm und wurden auf dem Konzil ebenfalls nicht erörtert.

Das einzige Thema, dass überhaupt im Ansatz angerissen wurde, ist die Erwartungshaltung bzgl. dieser Gespräche. Aber diesbezügliche Erwartungen wurden gar nicht durch angemessene, flankierende Maßnahmen unterstützt. Als Beispiel möge die Aufarbeitung der Geschichte dienen (s.o.). Dieses Thema war eines der ursprünglich zentralen Themen des Einladungsschreibens von Fehr (vgl. dazu die Veröffentlichung des Schreibens auf dieser Homepage).

Wirklich neue Themen im Mai 2001 sind die Erörterung des Apostolicums (offensichlich, weil hier Erklärungsbedarf bei Ortwin Schmidt besteht) und die Frage nach gemeinsamen Gottesdiensten.

Dass das Apostolicum auf der Tagesordnung steht, ist im Grunde ein Armutszeugnis. Die Albury-Apostel würden sich im Grabe umdrehen, dass diese Frage überhaupt unter "Aposteln" zur Diskussion gestellt wird. Und was gemeinsame Gottesdienste betrifft: die Erörterung rechtfertigt wohl schwerlich ein erneutes, kostspieliges Konzil!

Mit dem "Klammerproblem" von Punkt 4 (gemeinsame Sakramente) kann ja wohl nur die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl gemeint sein. Da die VAG jeden, der will, dazu einlädt und auch die NAK hier in den letzen Jahren großzügiger geworden ist (vgl. Richtlinien 1993 - Abschrift auf dieser HP), fragt sich ernsthaft, wo denn das Problem ist, dass ein weiteres teures Konzil notwendig machen soll.

Oder - um mit den Worten von R.F. Edel zu sprechen:

"Was hindert uns daran, gemeinsam zu kommunizieren (gemeinsam Abendmahl zu feiern; I.G.B.)? Gott, Der die Einheit will? Unsere Schriftgelehrten? Unsere Sünden und Schwachheiten (Stolz, Ehrgeiz, Hochmut, Arroganz, Betriebsblindheit: "Wie könnt ihr glauben, wenn ihr Ehre voneinander nehmt": Johannes 5,44). Letztlich sind es unsere Oberhirten, oder es ist die Angst vor ihnen."

 

Wink mit dem Zaunpfahl

Der VAG-Apostel Böhm darf in Zürich das Schlußgebet sprechen, dabei verweist er auf Jeremia 6, 16:

"So spricht der Herr: Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele."

sowie auf 2. Korinther 4, 1.2:

"Darum, weil wir dieses Amt haben nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde, sondern wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.""

Schändliche Heimlichkeiten, List, Verfälschungen des Wortes Gottes - diesen - nicht ganz unberechtigten - Seitenhieb auf die NAK konnte sich dieser VAG-Apostel nicht verkneifen. Das ist angesichts der Art und Weise, wie die NAK mit ihren früheren Brüdern und Schwestern umgegangen ist, zwar verständlich, aber diese Gedanken gehören sicher nicht in ein "Abschlußgebet". Etwas "apostolischer" hätte man sich diesen Abschluß des Konzils denn doch gewünscht. Wie wärs mit einem Beispiel aus der katholisch-apostolischen Liturgie aus dem 19. Jahrhundert?

"Allmächtiger Gott ... gib, daß alle, die Du zu solchem Dienst berufst, treulich und im Segen darin arbeiten, bis daß wir alle hinankommen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis Deines Sohnes, zum Maße des vollkommenen Alters Christi".

 

Der Geist von Albury?

In seiner Begrüßungsanssprache beschwor Fehr den "Geist von Albury". Nach den bisherigen Eindrücken, die man von diesem Konzil gewinnen konnte, beherrschte weniger der "Geist von Albury" als vielmehr das Gespenst der apostolischen Orientierungs- und Ahnungslosigkeit dieses erste Treffen in Zürich.

Diese Konferenz zeigt das ganze Ausmaß der christlichen Verirrungen der "apostolischen Gemeinden neuer Ordnung." Mit der Albury-Bewegung haben diese Gemeinschaften nur noch wenig gemeinsam. Vielleicht wurde dies schon aus den oben angeführten Zitaten der katholisch-apostolischen Literatur ersichtlich.

Dennoch ist sowohl den beteiligten "Aposteln" als auch den durch sie vertretenen Gemeinden zu wünschen, dass sie den Weg zurück in die Gemeinschaft der EINEN christlichen Kirche finden.

Wenn der Eindruck nicht trügt, kommt den VAG-Gemeinden in diesem Prozeß eine wichtige Schlüsselfunktion zu.

Und allen Teilnehmern des Treffens im Mai 2001 sei als Vorbereitungs-Lektüre H.W.J Thierschs "Inbegriff der christlichen Lehre" sowie L. Albrechts "Abhandlungen über die Kirche - besonders ihre Ämter und Gottesdienste" empfohlen.

Vielleicht gelingt ja damit die Wiederbelebung des "Geistes von Albury".

I.G.B.

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