L E I T G E D A N K E N
zum Gottesdienst

Monatsschrift für die Amtsträger der Neuapostolischen Kirche
Sondernummer 3

März 2001
Jahrgang 75

S C H L Ü S S E L V O L L M A C H T

Meine lieben Amtsbrüder,

geraume Zeit habe ich mir Gedanken gemacht über den Zusammenhang zwischen der Schlüsselgewalt des Stammapostels und der Praxis in den Gottesdiensten für Entschlafene. Immer wieder habe ich mich gefragt, welche Aufgabe mir als Stammapostel zufällt, wenn es um das Öffnen der Zugänge zum Reich Gottes geht. Hierzu bat ich den Herrn um entsprechende Erleuchtung.

Seit Jahren gilt eine offizielle Lehraussage zum Thema Schlüsselgewalt (vgl.Sondernummer Leitgedanken von Januar 1991). Im Lauf der Zeit sind hierzu Fragen und Erklärungswünsche an mich herangetragen worden. Hier kurz die drei wichtigsten:

Warum wird die Schlüsselgewalt des Stammapostels hauptsächlich bezogen auf das Entschlafenenwesen? Und ist es notwendig, dass der Stammapostel im Zusammenhang mit den Gottesdiensten für Entschlafene die jenseitigen Bereiche aufschliesst?

Muss ich als Stammapostel den Herrn bitten, von seinen Schlüsseln, den Schlüsseln des Todes und der Hölle, zu jedem Gottesdienst für Entschlafene Gebrauch zu machen,damit die Bereiche in der jenseitigen Welt geöffnet werden? Sein einmaliges Opfer hat doch die Kluft überwunden, von der der Herr im Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus spricht (vgl. Lukas 16,26).

Das Öffnen der Gefängnisse ist Sache Jesu - das Öffnen des Reiches Gottes obliegt dem Stammapostel. Diese bisher verwendete Formulierung könnte so verstanden werden, als stünde der Stammapostel mit dem Herrn Jesus Christus auf derselben Stufe. Das widerspräche dem Evangelium. Kurzum, es ergeben sich Fragen, und dies gerade in einem Zusammenhang mit seligmachenden Augenblicken und beglückenden Begegnungen in den Gottesdiensten für Entschlafene. Auch bei diesem Thema hat sich vieles entwickelt, ohne dass vielleicht alle Einzelheiten von vorneherein geklärt wurden. So hat auch das Verständnis der Schlüsselgewalt des Stammapostels in unserer Kirche seine Geschichte:

Anfangs wurde die Schlüsselgewalt mit der Löse- und Bindegewalt gleichgesetzt, eine Befugnis, die alle Apostel vom Herrn erhalten haben.

Neben diesen Aspekt trat zur Zeit von Stammapostel Niehaus noch die Vorstellung, dass dem Stammapostelamt mit der Schlüsselgewalt die Fähigkeit zugeordnet sei, neue Erkenntnisse aufzuschliessen.

Die Anwendung der Schlüsselgewalt vor allem auf das Entschlafenenwesen geht auf Stammapostel Bischoff zurück. Seit 1958 bezog er sie auf das Öffnen der Gefängnisse in den jenseitigen Bereichen.

Stammapostel Urwyler hat 1984 die Frage nach dem Aufschliessen der Bereiche in der Ewigkeit durch eine Arbeitsgruppe erörtern lassen. Deren Ergebnisse sind Grundlage zu der anfangs erwähnten offiziellen Stellungnahme aus dem Jahr 1991 geworden. Diese brachte insofern eine Präzisierung, als die Schlüsselgewalt des Stammapostels lediglich dem Öffnen der Zugänge zum Altar und zum Reich Gottes diente.

Die Befunde aus der geschichtlichen Entwicklung und die zuvor gestellten Fragen machen Folgendes deutlich: Es muss grundsätzlich geklärt werden, was denn nun die Schlüsselgewalt vollumfänglich bedeutet. Dazu ist die sorgfältige Auswertung der Heiligen Schrift erforderlich. Erst dann ist eine befriedigende Festlegung zu diesem Themenbereich möglich, und erst dann können wir Folgerungen für die Praxis ziehen Denn darum geht es mir immer: Nur das zu tun, was mein Sender Jesus Christus von mir erwartet.

Die folgenden Ausführungen kommen diesem Bedürfnis nach. Sie ersetzen die bisherigen Lehraussagen und nehmen insofern Einfluss auf die Glaubenspraxis, als dass eine Feierstunde mit mir am Vortag des Gottesdienstes einen anderen Inhalt bekommt.

Euer

Gez.: R. Fehr

 

V O R B E M E R K U N G

Wir sind gewohnt, von Schlüsselgewalt zu sprechen. Um zu klären, welche Inhalte damit verbunden sind, sollen die entsprechenden Aussagen der Heiligen Schrift ausgewertet werden. Dazu gehört besonders die Klärung der Bilder und der wesentlichen Begriffe. Erst dann gelangt man zu einer Festlegung der Kernaussage.

DER BIBELTEXT IN MATTHÄUS 16, 19

Der Luthertext in der Fassung von 1984 lautet: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst,soll auch im Himmel gelöst sein.

Im deutschen Sprachraum ist wohl der Wortlaut der Übersetzung von 1912 geläufiger: Und ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.

Der griechische Grundtext heisst Wort für Wort übersetzt: Ich werde geben dir die Schlüssel des Reiches der Himmel, und was du bindest auf der Erde, wird sein gebunden in den Himmeln, und was du löst auf der Erde, wird sein gelöst in den Himmeln.

Unterschiede zwischen dem griechischen Text und dem Luthertext sind im Wesentlichen:

Es wird von Schlüsseln gesprochen, also von der Mehrzahl (seit der Fassung von 1984 behoben).

Es heisst des Reiches der Himmel und nicht (die Einzahl) des Himmelreichs.

DAS PROBLEM DES BEGRIFFS SCHLÜSSELGEWALT

Die Inhalte der zentralen Stelle in Matthäus 16, 19 werden mit dem Begriff Schlüsselgewalt zusammengefasst, der auch ausserhalb unserer Kirche geläufig ist. In der lateinischen Sprache wird der biblische Inhalt des Begriffes Schlüsselgewalt mit potestas clavium bezeichnet. Mit potestas wird nicht eine ursprüngliche Gewalt gekennzeichnet, sondern eine Vollmacht.

Die Macht liegt bei Christo, die Vollmacht bei Apostel Petrus, wobei Christus seine Macht vom Vater übertragen erhielt: Alles ist MIR übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater, und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will (Matthäus 11,27). Und: MIR ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden (Matthäus 28,18). Dies macht erforderlich, von Schlüsselvollmacht zu sprechen und damit auf den Begriff Schlüsselgewalt zu verzichten.

BEDEUTUNG EINZELNER BILDER UND BEGRIFFE

DAS BILD SCHLÜSSEL

Schlüssel ist ein Zeichen für Vollmacht und kann z.B.auf die Bevollmächtigung eines Hausverwalters bezogen werden.

Zieht man nun entsprechende wesentliche Stellen der Heiligen Schrift heran, so lässt sich die Deutung des Bildes Schlüssel wie folgt vertiefen:

Schlüssel Davids:

Hier steht der Begriff als Zeichen unbeschränkter Vollmacht, bezogen auf das Haus Gottes: Und dem Engel der Gemeinde in Philadelhia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut,und niemand schliesst zu, der zuschliesst, und niemand tut auf (Offenbarung. 3,7).

Mit dem Begriff Schlüssel Davids werden wir an die Worte des Propheten Jesaja erinneret, die sich als Verheissung mit der Erscheinung Christi erfüllen: Und zu der Zeit will ich rufen meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, und will ihm dein Amtskleid anziehen und ihn mit deinem Gürtel gürten und deine Herrschaft in seine Hand geben, dass er Vater sei für die, die in Jerusalem wohnen, und für das Haus Juda. Und will die Schlüssel zum Hause Davids auf seine Schulter legen, dass er auftue und niemand zuschliesse, dass er zuschliesse und niemand auftue (Jesaja 22,20-22).

Christus, der Sohn Davids (vgl. Matthäus 21,9), war der von dem Propheten Hesekiel verheissene Knecht David (vgl. Hesekiel 34,23). Er war gesandt,die zerfallene Hütte Davids wieder aufzurichten (vgl. Amos 9,11). Nach dem Opfertod Jesu konnte dann gem. Sacharja 12, 10 der Geist der Gnade und des Gebets über das Haus David ausgegossen werden. Mit dem Bild des Schlüssels wird also die Macht Jesu Christi, den Zugang zum Haus Gottes zu ermöglichen oder zu verwehren, beschrieben.

Schlüssel der Hölle und des Todes:

Jesus Christus hat die Herrschaft über Hölle und Tod: Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füssen wie tot, und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle (Offenbarung 1, 17. 18).

Durch seinen Opfertod und seine Auferstehung hat Jesus Christus die Machthaber über die sündigen Menschen, Tod und Hölle, besiegt. Als Sieger herrscht er somit über sie und wird sie sogar endgültig beseitigen: Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl (Offenbarung 20, 14).

Aus dieser Stelle wird zugleich deutlich, dass Tod und Totenreich (wie Hölle genauer übersetzt werden muss) Machthaber sind, die Satan angehören. Christus hat Zugang zum Totenreich, um dort das Evangelium zu verkünden. Er hat also Macht, auch den Seelen im Totenreich den Zugang zu der Gemeinschaft mit dem Vater zu öffnen. Er ist als Erstling in der Auferstehung Ursache für die Auferstehung der Menschen und hat daher Macht, Tote zur Auferstehung zu rufen.

Schlüssel zum Abgrund:

Christus wird zu Beginn des Friedensreiches Satan binden. Er wird als der Engel, der den Schlüssel zum Abgrund hat, gesehen: und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine grosse Kette in seiner Hand (Offenbarung 20,1).

Schlüssel des Himmelreichs:

Das entspr. Zitat finden wir in Matthäus 16, 19: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Wie schon erwähnt, lautet der griechische Text: die Schlüssel des Reiches der Himmel. Unter dem Bild der Schlüssel wird weniger eine Pförtnerfunktion beschrieben im Sinn von: Zugang verwehren und Zugang verschaffen. Vielmehr muss an eine Bevollmächtigung gedacht werden. Der Textstelle ist zu entnehmen, dass der Herr seinen Apostel Petrus zum bevollmächtigten Verwalter seines Werkes erheben wollte.

Schlüssel der Erkenntnis:

In Matthäus 23, 13 und Lukas 11, 52 rügt der Herr Jesus die Schriftgelehrten, dass sie durch missbräuchliche Handhabung des Schlüssels der Erkenntnis den Menschen den Zugang zum Himmelreich verschlossen hätten.

Begriff Himmelreich

Der Begriff Himmelreich, sprachlich präzisiert: Reich der Himmel, ist gleichbedeutend mit Reich Gottes. Das Reich der Himmel ist eine Beschreibung für

die Königsherrschaft Christi. Das wiederum veranschaulicht die von Jesu verkündigte und in ihm angebrochene Gottesherrschaft (vgl. Matthäus 6, 10, Lukas 17, 21). Die volle Verwirklichung dieser Königsherrschaft Christi geschieht mit der Wiederkunft des Herrn zur Aufrichtung des Reiches des Friedens (vgl. Offenbarung 19, 15. 16.).

die geistige Gemeinschaft aller, die Leben aus dem dreeinigen Gott in sich tragen (vgl. Kolosser 1, 12-14).

ein durch Christum gewirktes neues Verhältnis zwischen Gott und den Menschen.

In diesem Sinne meint der Begriff nicht eine Gebiets- oder Ortsbeschreibung, sondern die Darstellung eines Seelenzustandes (siehe Gleichnisse Jesu in Matthäus 13 und 25).

Hieraus wird deutlich, dass wir als Himmelreich nicht allein die jenseitige und die zukünftige Welt bezeichnen dürfen, sondern auch schon die mit dem Herrn hier erlebte Gemeinschaft.

Begriffe des Lösens und Bindens

Die in Matthäus 16, 19 erwähnten Begriffe von lösen und binden erklären sich aus dem Zusammenhang. Es geht um den Grund und das Bauen der Gemeinde sowie die besondere Stellung des Apostels Petrus. In Matthäus 18, 18 ist ebenso von lösen und binden die Rede: Wahrlich, ich sage euch was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.

Auch hier ist wichtig, den Zusammenhang zu beachten, in dem die Bibelstelle steht: Es geht um die Ordnung in der Gemeinde, über die die Apostel zu wachen haben.

Die Bibelstelle Matthäus 18, 18 wird oft herangezogen, um die den Aposteln übertragene Losssprechungsgewalt von der Sünde zu begründen. Damit wird Johannes 20, 22. 23 in gedankliche Verbindung gebracht. Es heisst dort: Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Das Lösen und Binden ist umfassender als Sünden vergeben und Sünden behalten. Lösen und binden bedeutet nämlich nach aramäischen Sprachgebrauch für erlaubt bzw. für verboten erklären. Es geht also um die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Gemeinde.

Kommen wir zu Matthäus 16, 19 zurück. Dort spricht der Herr -bezogen auf den Dienst des Apostels Petrus- weder direkt von der Lossprechungsgewalt von der Sünde noch lediglich von der Ordnung in der Gemeinde, sondern vielmehr von der Grundlegung, Gestaltung und Vollendung seiner Gemeinde.

Diese Zusammenhänge werden durch das Bild des Bauens veranschaulicht, von dem in Matthäus 16, 18 die Rede ist: und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.

Wenn der Herr davon spricht, dass das, was Apostel Petrus auf Erden löst, auch im Himmel los sei, so ist seine Aussage wie folgt zu verstehen: Was Apostel Petrus auf Erden tut, hat vor Gott, der im Himmel thront, Gültigkeit.

KLÄRUNG DER KERNAUSSAGE

Zur Klärung der Kernaussage darf nicht nur die zentrale Stelle Matthäus 16, 19 herangezogen werden,sondern auch der Inhalt des vorangehenden Verses. Er lautet: Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen (Matthäus 16, 18).

Die Gemeinde, die Jesus Christus zu bauen gedenkt, ist danach einem Haus zu vergleichen. Die sichere Grundlage dieses Hauses soll das Felsenamt im Dienen des Apostels Petrus sein. Nach Vers 19 soll dieser zu diesem Haus die Schlüssel empfangen. Er soll sozusagen der Hausverwalter sein, also die Aufsicht über Jesu Haus übertragen bekommen.

Kraft der ihm von Jesu übertragenen Vollmacht sollte Apostel Petrus die Gemeinde leiten. Mit dieser Vollmacht verbunden ist die einzigartige Verheissung des Herrn, dass er zu seiner Gemeinde halten wird und Tod und Teufel ihr nichts anhaben können.

Was mit der Schlüsselvollmacht verbunden ist, wird durch Aufträge des Herrn verdeutlicht, die wir an anderen Stellen der Heiligen Schrift niedergelegt finden: Apostel Petrus soll die Brüder nach eigener Bekehrung stärken (vgl. Lukas 22, 32) und die Herde Christi weiden (vgl. Johannes 21, 15-17).

Aus den biblischen Berichten über sein Wirken ist auch zu ersehen, dass er eine die Gemeinde leitende Funktion innehatte. Apostel Petrus hielt bei der Gründung der Gemeinde Christi an Pfingsten die bahnbrechende Predigt. Zuvor hatte er dafür gesorgt, dass anstelle des Judas Iskariot der Matthias in den Kreis der Apostel aufgenommen wurde. Petrus tat als Apostel die ersten Zeichen und Wunder und leitete aufgrund göttlicher Offenbarungen die Heidenmission ein.

Auch führte er auf den Apostelversammlungen in Jerusalem ein gewichtiges Wort (vgl. Apostelgeschichte 11 und 15).

Die besondere Bevollmächtigung des Apostel Petrus muss im Einklang gesehen werden mit der Aufforderung des Herrn: So soll es nicht sein unter euch, sondern wer unter euch gross sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele (Matthäus 20, 26-28).

Dies bestätigt den Grundgedanken: Apostel Petrus soll nicht eigene Macht und Gewalt ausüben, sondern im Sinn und Geist Christi dienen.

ZUSAMMENFASSUNG

Die Vollmacht, die Jesus Christus dem Apostel Petrus erteilte und für die wir die Bezeichnung Schlüsselvollmacht verwenden, beinhaltet

die lehramtliche Vollmacht, die das Verkündigen neuer Geistesoffenbarungen und die Reinhaltung der Jesulehre einschliesst,

die lenkende Vollmacht, die das Leben in der Gemeinde nach göttlichem Gebot regelt.

Beides entspricht dem grundsätzlichen Auftrag an Apostel Petrus, die Einheit innerhalb der Gemeinde herbeizuführen und zu sichern. Die Gemeinde ist dem Himmelreich gleichzusetzen, sofern darunter die beginnende Königsherrschaft Christi verstanden wird. Diese umfassende Vollmacht, die Christus einst dem Apostel Petrus übertragen hatte, übt nach unserer Erkenntnis heutzutage der Stammapostel aus. Die so verstandene Befugnis verbietet es, die Schlüsselgewalt ausschliesslich auf das Entschlafenenwesen zu beziehen. Wegen der vielseitigen Zusammenhänge wird der Begriff Schlüsselgewalt durch den Ausdruck Schlüsselvollmacht ersetzt.

KONSEQUENZEN FÜR GLAUBENSLEHRE UND GLAUBENSPRAXIS

Bezüglich der bisherigen Glaubenslehre ergeben sich folgende Änderungen:

Wegen des umfassenden Begriffsinhalts sprechen wir nicht mehr von Schlüsselgewalt, sondern von Schlüsselvollmacht.

Für das Entschlafenenwesen ergibt sich: Die jenseitigen Bereiche sind durch das einmal gebrachte und ewig gültige Opfer Jesu Christi geöffnet. Sein Opfer macht jeder heilsverlangenden Seele den Zugang zur Erlösung frei.

Es besteht keine zwingende Notwendigkeit, die Zugänge zum Altar und zum Reich Gottes durch ein besonderes Gebet des Stammapostels vor einem Gottesdienst für Entschlafene aufzuschliessen.

Das Bedürfnis, aufgrund der ihm verliehenen Schlüsselvollmacht vor Gott zu treten, veranlasst den Stammapostel immer wieder, gezielt zu beten, wenn der Geist ihn dazu treibt. Das kann auch im Zusammenhang mit einer Feierstunde erfolgen, die dem Gottesdienst für Entschlafene vorausgeht.

SCHLUSSGEDANKE

Mit diesen sorgfältig aus der Heiligen Schrift entwickelten Gedanken müssen wir in gewisser Weise von traditioneller Lehre Abschied nehmen. Sie spiegeln das ernsthafte Bemühen wider, grössere Klarheit in einen Bereich hineinzubringen, der letztlich ein Mysterium bleibt. Die vertiefte Erkenntnis vermehrt die Sicherheit im Glauben und stärkt die Autorität des Stammapostelamtes.

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