Ein weiterer Kommentar

zu Wends "Schlussbemerkungen"

fand auf einem offenen, NAK-kritischen Diskussionsforum,

den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

 

Auf der offiziellen Homepage der NEUAPOSTOLISCHEN KIRCHE HESSEN finde ich folgende Ausführungen des Bezirksapostels Hagen Wend, die (m)eines Kommentars bedürfen:

"In der Zeitschrift "Unsere Familie", 20.1.1996, hat der Stammapostel deutlich gemacht, dass in unserer Kirche Fehler gemacht wurden und sein Bedauern ausdrückt, wenn sich dadurch Schäden eingestellt haben. Zugleich hat er deutlich die Bereitschaft angesprochen, aus gemachten Fehlern zu lernen, so gut wir (unvollkommene) Menschen das können."

Vor nunmehr sechs Jahren (!) also hat sich Präsident der NAKI zu dem Eingeständnis aufgerafft, daß in der neuapostolischen Kirche "Fehler gemacht" worden seien. Welche das sein könnten, bleibt offen: Definition beliebig.

Sein "Bedauern" über dieses nicht näher bezeichnete Fehlverhalten, das im übrigen nicht etwa von der Kirche als verantwortlicher Institution ausgegangen sein soll und damit von ihr gerechtfertigt werden müßte, sondern "in unserer Kirche" von Unbekannten, weil nicht Genannten, praktiziert worden ist, wird eingeschränkt durch den Zusatz "wenn sich dadurch Schäden eingestellt haben".

Offensichtlich legt die Kirchenleitung keinen Wert darauf zu erfahren, ob sich "Schäden eingestellt" haben, wie diese aussehen könnten und ob sie ggf. einer Wiedergutmachung bedürfen. Eine entsprechende Erwähnung finde ich jedenfalls in diesem Zusammenhang nicht.

Auch wird nicht definiert, wem die (Kollateral-?) Schäden zugefügt worden sein könnten, vielmehr haben sich diese "eingestellt" (höhere Gewalt?). Wer die Betroffenen sind, kann den Ausführungen nicht entnommen werden. "Diffus" ist angesagt.

Richard Fehr erklärt sich bereit, "aus gemachten Fehlern zu lernen". Das läßt hoffen, daß ihm die Art des Versagens in der Kirche sehr wohl bekannt ist - wie könnte er sonst daraus lernen? Und werden auch andere daraus lernen?

Erwartungen wären aber voreilig; denn menschliche Unvollkommenheit wird in Anspruch genommen, die der Lernfähigkeit doch erhebliche Grenzen setze und wohl erst recht zukünftigem Handeln.

Weiter heißt es auf der homepage:

"Jeder einzelne Fall, in dem jemand zu Schaden gekommen ist bzw. glaubt, zu Schaden gekommen zu sein, macht uns betroffen."

"Jeder einzelne Fall.." – Ich kann nicht verhehlen, daß mich diese Formulierung an die Sprechblasen jener Politiker erinnert, die in derzeit wieder herrschenden Kriegszeiten unverfroren verkünden, jedes einzelne Opfer des Bombardements über Afghanistan "tut uns leid"; und dann folgt das gewohnte "Bedauern" – ein griffiges Verbalinstrument. Wobei ich keine Beziehung herstellen will zwischen Vorkommnissen in der NAKI und dem Krieg, sondern lediglich auffällige Ähnlichkeiten im Verhalten führender Persönlichkeiten deutlich mache.

Bei Hagen Wend heißt es weiter:

"(Jeder einzelne Fall), in dem jemand zu Schaden gekommen ist bzw. glaubt, zu Schaden gekommen zu sein...".

Also, der betroffene Mensch, dem in der NAK übel mitgespielt worden ist (wir wissen von Tausenden, zumal in der Bischoff-Ära, aber auch von vielen Einzelschicksalen in der Gegenwart) – nennen wir ihn "Jemand" – könnte auch irren. "Jemand" mag vielleicht zu Schaden gekommen sein. Aber ist "Jemand" auch ernst zu nehmen? Bildet er sich das nicht alles nur ein? Ist er vielleicht gar nicht "zu Schaden gekommen" und weiß es nur nicht? Gehört er nicht eigentlich in die Klapsmühle, weil er die Realität nicht von seiner Einbildung unterscheiden kann?

(Ich kenne einen solchen "Fall", wo "Jemand", der seinen Apostel um Hilfe rief, für "schizophren" erklärt wurde, aus persönlicher Anschauung. Ihm wurde empfohlen, sich dringend in Therapie zu begeben, was er letztendlich auch tat, nachdem er über einen langen Zeitraum gezielt seelisch zermürbt worden war. – Selbstverständlich maße ich mir nicht an, die Haltung der zuständigen Bezirks-KL als Versagen zu werten, zumal hier keine ausführliche "Fall"-Schilderung gegeben werden kann, die beiden Seiten Gelegenheit zur Stellungnahme gäbe. Es handelt sich um eine subjektive Schilderung im Sinne der Meinungsfreiheit. Es ist ein Exempel, das meine oben gestellten Fragen begründet.)

Hagen Wend:

"...macht uns betroffen".

Ist nun die Kirchenleitung selbst (und mit-) betroffen von den Fehlern, die gemacht wurden, von den Schäden, die sich eingestellt haben? Oder ist dies nur Ausdruck des Gefühls, das sie beschleicht, wenn sie von den "Fällen" unterrichtet wird? Und warum fühlt sich die KL betroffen (gemacht)? – Und was ist mit jenen Betroffenen, denen Ungutes widerfuhr? Sind schlußendlich alle miteinander nur noch betroffen? Und was machen sie mit ihrer Betroffenheit?

Hagen Wend:

"Aber man sollte auch die Relationen sehen."

???

Hagen Wend:

"Herr Dannwolf spricht im Zusammenhang mit einer seit längerem tätigen Selbsthilfe-Initiative und seinem vor 5 Jahren erschienenen Buch davon, dass er einige Hundert Zuschriften und Gespräche zu bewältigen gehabt hätte."

Aha! Herr Dannwolf "spricht... davon", daß er "...hätte". Liebe Geschwister, bewiesen ist nichts.

Hagen Wend weiter:

"Dem gegenüber stehen in Süddeutschland Hunderttausend, in ganz Deutschland weit mehr Mitglieder der Neuapostolischen Kirche, die sich in ihrer Kirche gut aufgehoben fühlen."

Logik, weit gefaßt: Allen Opfern dieser Welt stehen Milliarden gegenüber, die keine Opfer sind, sondern ein völlig normales, unbescholtenes und unbeschädigtes Leben führen. Allen Kranken, Behinderten, geschlagenen Kindern, vergewaltigten Frauen, getöteten Männern stehen Millionen gegenüber, die gesund und völlig unbeschadet sind. Polemik? Zugegeben. Aber auch logisch: Ganz gewiß!

Was also soll uns das sagen?

Hagen Wend meint:

"Wenn bisweilen behauptet wird, alle diese Menschen seien in gewisser Weise manipuliert, dann ist dies in einer offenen Gesellschaft und bei einer Kirche, die ihre Gläubigen nach außen nicht abschottet, ausgeschlossen, sofern man unseren Mitgliedern ein normales Maß an Intelligenz und Lebenserfahrung zugesteht.

gez. Hagen Wend"

Bei diesen Zeilen ist mir, der ich zu jenen zähle, bei denen sich "Schäden eingestellt" haben - quod erat demonstrandum -, die ich mir leider nicht nur einbilde, da sie "lebenslänglich" bedeuten, ein Licht aufgegangen: Meine Intelligenz und meine Lebenserfahrung haben nicht ausgereicht! Andernfalls wäre ich den Manipulationen durch verantwortliche Funktionäre der Neuapostolischen Kirche International entkommen.

Oder es soll sagen: Weil der NAKI ausschließlich Gläubige angehören, die über ein so hohes Maß an Intelligenz und Lebenserfahrung verfügen, daß sie für Manipulation nicht empfänglich wären, sondern sie gewiß sofort erkennen und abwehren würden, ist diese ausgeschlossen. Eine Elite also, die sich ja als solche auch geriert. Und alle, denen es trotzdem geschieht (bzw. die meinen, es sei ihnen passiert), können sich an den Aussagen des Herrn Wend messen und entsprechende Schlüsse ziehen.

Ich bin dieser Logik gefolgt und zu diesem Ergebnis gelangt:

Ich habe meinen IQ testen lassen mit dem Ergebnis, daß er weit über 130 (extrem hohe Intelligenz) liegt. Desweiteren habe ich mich objektiver Beurteilung meiner Lebenserfahrung unterzogen. Mir wurden ein ebenfalls außerordentlich hoher EQ sowie Lebensweisheit(!) bescheinigt.

Darum erlaube ich mir festzustellen, daß ich die öffentlichen Äußerungen des neuapostolischen Bezirksapostels Hagen Wend wie auch die m.E. unzureichenden Ausführungen des neuapostolischen Stammapostels Richard Fehr als ungeheuerlich und zynisch empfinde, zugleich geprägt von einem unübersehbaren Mangel an Verantwortung, dem augenscheinlich die völlig fehlende Bereitschaft zur Einsicht und erst recht zur Aufarbeitung der menschlichen Tragödien zugrunde liegen, die sich innerhalb der NAKI in der ferneren und nahen Vergangenheit abgespielt haben.

gez. Peter K. (Alias)

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