Die
Abrahamsgesinnung
des
Stammapostels der Neuapostolischen Gemeinden
und
unbewussten Gruenders
der Reformiert-apostolischen Gemeinden
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Ein Wort der Notwehr
von Johannes Born.

Buchdruckerei Hugo Grosse, Dresden-A. 19.
 
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Vorbemerkung.

Im Jahre 1921 entstanden in zahlreichen Orten Deutschlands und des Auslandes - zwangslaeufig - "Reformiert-apostolische Gemeinden", deren Mitglieder vorher den "Neuapostolischen Gemeinden" angehoerten. Da nun der Vernichtungskampf seitens des Neuapostolischen Stammapostels gegen das Leben und die Existenz dieser Ref.-apost. Gemeinden jetzt - nach zirka sieben Jahren - immer noch nicht aufgehoert, sondern durch einen Angriff gegen die Ref.-apostolische Zweiggemeinde in Schkeuditz ploetzlich wieder n e u aufgenommen wurde, fuehlen wir uns in der Notwehr gezwungen, an die Oeffentlichkeit zu treten. Zur Uebersicht muessen wir dabei einen kurzen geschichtlichen Rueckblick geben, bevor wir zur Schilderung des Spezialfalles in Schkeuditz uebergehen. Der geneigte Leser, welcher uns freundwillig folgen wolle, wird dann dieser Schrift volles Verstaendnis entgegenbringen koennen. Zum Geleit diene nachstehendes Schriftwort:

S o  s p r i c h t  d e r  H e r r :
Ich will auch von dem Wipfel des hohen Zedern-
baumes nehmen, und oben von seinen Zweigen ein
zartes Reis brechen und will's auf einen hohen, er-
habenen Berg pflanzen, dass es Zweige gewinne, Fruechte
bringe und ein herrlicher Zedernbaum werde; also dass
allerlei Voegel unter ihm wohnen, und allerlei Fliegen-
des unter dem Schatten seiner Zweige bleiben moege.
 Und sollen alle Feldbaeume erfahren, dass Ich, der
Herr, den hohen Baum geniedriget und den niedrigen
Baum erhoehet habe, und den gruenen Baum ausge-
doerret und den duerren Baum gruenend gemacht habe.
Ich, der Herr, rede es und tue es auch.
Hesk. 17, 22-24.

Am 13. Januar 1921 schrieb der Stammapostel der Neuapostolischen Gemeinden an seinen Amtsbruder und Mitapostel in Dresden die bedeutsamen Worte, gleichsam als sein Bekenntnis:

"Meine Gesinnung ist eine A b r a h a m s g e s i n n u n g und sage, warum soll Streit sein zwischen mir und dir, zwischen meinen Hirten und deinen Hirten, der Weinberg ist doch so gross, warum sollen wir uns streiten, um ein kleines Fleckchen Erde, ein Jeder hat die Wahl.

Zwei Organe sind nun da, somit auch zwei Hauptleitungen. Was soll ich sagen, ich denke mir, s o l c h e s  k o m m t  a u c h  v o m  H e r r n  Z e b a o t h. Sein Rat ist wunderbar, und fuehret es herrlich hinaus. L a s s e t  u n s   F r i e d e n halten, ob nun einer 50 Groschen schuldig ist oder 500, ich will n i c h t   u m  f u e n f  P f e n n i g  s t r e i t e n. Friede ernaehrt, Unfriede verzehrt. Ich richte niemand, denn alle haben recht, w a r u m  e i n e n   R e c h t s s t r e i t  f u e h r e n, im Frieden hat uns der Herr berufen.

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Ich werde die Apostel zusammenrufen und dann sage ich, liebe Brueder, wir wollen das Erbe aufteilen und damit das Vermoegen. Im Frieden wollen wir uns auseinandersetzen, j a   k e i n e n  S t r e i t  f u e h r e n. Wir wollen doch selig werden und unter Streit ist keine Seligkeit. F r i e d l i c h e  G u e t e r t e i l u n g  und dann sage ich nochmals, in Frieden hat uns der Herr berufen." - - -

Das war ein hochherziges Wort und verriet die Gesinnung eines ehrlichen glaeubigen Menschen. Gluecklich ein Volk, das einen Fuehrer hat, der ein solches Wort zur Richtschnur seines Handelns macht; denn darin verkoerpert sich mit vollem Recht das Apostelamt Christi als "Versoehnungsamt", das die hoechsten und edelsten Charakterzuege eines wahren Christen in sich vereinigen soll. Doch ein Sprichwort lautet: "Der Weg zur Hoelle ist mit guten Vorsaetzen gepflastert" und - "zwischen Wort und Tat besteht gar oft eine abgrundtiefe Kluft", die kaum zu ueberbruecken ist. So erging es auch dem neuapostolischen Stammapostel mit seiner Abrahamsgesinnung.

Denn fast zur gleichen Zeit wurden vom Schreiber dieser hochherzigen Worte gegen dieselben Kreise, an welche er sie gerichtet hatte, eine ganze Anzahl Gerichtsprozesse auf Auslieferung der Kapellen, Betsaele, des Kircheninventars, von Vermoegenswerten aller Art, Abendmahlsgeraeten, Liedermappen und k l e i n s t e n  K l e i n i g k e i t e n   anhaengig gemacht.

Die saechsischen Gemeinden wurden aus ihren Kapellen und Anbetungsstaetten vertrieben, die sie sich aus ihren eigenen Mitteln ohne Beisteuer auch nur einer einzigen Mark seitens des Stammapostels geschaffen hatten. -

Hunderten von ehrenhaften strengglaeubigen Mitgliedern wurden durch den Gerichtsvollzieher Ausweisungsdekrete ins Haus geschickt! - Selbst bereits gestorbene Mitglieder wurden nachtraeglich noch ausgeschlossen - - -, so heiss hatte sich die Abrahamsgesinnung gelaufen. Wer im Verdacht stand, bei Mitgliederversammlungen nicht voellig willen- und urteilslos nach Wunsch des Stammapostels abzustimmen, wurde ohne weiteres in Acht und Bann getan und ohne vorher gehoert zu werden, aus der Gemeinde ausgewiesen. Auf diese Weise stellte der Stammapostel die seinen Zielen und Plaenen notwendig erscheinende Stimmeneinheit her.

Die Folge war, dass er in den meisten saechsischen Gemeinden nur den zehnten Teil der vorhandenen Mitglieder behielt, an vielen Orten blieben die Gemeinden beisammen und lehnten geschlossen die Gewaltpolitik ihres obersten Geistlichen ab.

Er wollte angeblich friedliche Gueterteilung, wollte nicht um fuenf Pfennig streiten. Wie reimten sich nun die Prozesse und Ausschluesse mit dieser Bestimmung zusammen? Die friedliche Gueterteilung ist doch so zu verstehen, dass das Gemeindenvermoegen im Verhaeltnis zur Staerke der von ihm geschaffenen zwei Parteien geteilt werden musste. Ein christlicher gerechter Gedanke, der haette verwirklicht werden muessen. - Seine Handlungen taetigten aber das direkte Gegenteil von dem,

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was er versprochen hatte. Wie will man hier Wort und Tat miteinander vereinigen? - - -

Die Herausreissung saemtlicher Vermoegenswerte aus der saechsischen Verwaltung und Ausstossung der Mitgliedermehrheit geschah mit der groessten Kaltbluetigkeit ohne jede Gewissensbedenken. Es kam nur darauf an, die saechsische Reformbewegung, die sich gegen seine immer mehr ins Menschliche abgleitende Lehre richtete, seine Person aber nicht bekaempfte, auf jeden Fall zu vernichten und im Keime zu ersticken. Mit den Mitteln war er nicht waehlerisch. Er wusste nicht, dass Druck wieder Gegendruck, Liebe aber Gegenliebe erzeugt, trotzdem er bereits 73 Jahre alt war und doch eine grosse Lebenserfahrung haben und somit auch dieses wissen musste.

Seine anhaengig gemachten Gerichtsprozesse verliefen sich bis ins kleinste Laecherliche. In Dresden wurde ein Prozess um zwei Kelche angestrengt, obwohl man in der Niehausgemeinde gar keine Kelche brauchte, weil dort das Hl.Abendmahl in einerlei Form verabreicht wird. Uebrigens waren ihnen von unserer Seite mehr Kelche abgegeben worden, als ihnen der Mitgliederzahl nach zukamen, denn auf neuapostolischer Seite standen zirka 150 Mitglieder, waehrend auf der ausgestossenen Seite zirka 900 standen. Nicht genug, der Streit wurde sogar gegen das Privateigentum des Predigers Oskar Kiessling gefuehrt, auf Herausgabe von Gesangbuechern, die derselbe gekauft und bar bezahlt hatte.

"Lieber, lass nicht Streit sein zwischen mir und dir, ich will nicht streiten um fuenf Pfennige" - dieses Wort fand doch eine recht eigenartige Anwendung. - -

Obwohl er in Hunderten von Briefen gebeten wurde, zur schiedlich friedlichen Aussprache vor Aemtern und Gliedern nach Sachsen-Dresden zu kommen, hielt er es doch nicht fuer noetig, den Bitten stattzugeben. Alle Versuche, "e i n e  S p a l t u n g  z u v e r m e i d e n", prallten an der Dickfaust des angeblich so "friedlich" gesinnten Stammapostelapostels mitleidlos ab. Er hatte nur kalte Antworten. Die Mitglieder der Gemeinden fanden nichts von der beteuerten Abrahamsgesinnung, sie fuehlten sich vielmehr wie R e k r u t e n  a u f  e i n e m  K a s e r n e n h o f  behandelt, nicht aber wie Brueder und Schwestern. Seine Seelenliebe, die sich selbst der nach seiner Ansicht Verirrten haette erbarmen muessen, fehlte vollstaendig.

Erschuetternd war die Wirkung dieser Methode auf das religioese Innenleben der bedauernswerten schuldlos Betroffenen. Die widerfahrene Behandlung war das gerade Gegenteil von dem, was er nicht nur in Briefen geschrieben, sondern in einem langen Leben gepredigt hatte. Zwei Brueder, die von Dresden aus nach Bielefeld gesandt wurden, kamen unverrichteter Dinge zurueck. Niehaus war in seiner Haltung lieblos, unversoenlich. - -

Die Enttaeuschung war umso groesser, weil viele von den betroffenen Mitgliedern und Aemtern ein ganzes Leben lang infolge

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des warmherzigen Eintretens seitens ihres saechsischen Fuehrers fuer den Stammapostel in aeusserst ruehrendster Hingabe an Letzterem gehangen hatten. Fuer ihn haetten sie ihre Augen ausgerissen und ihm gegeben, wie Paulus einst von den Galatern ruehmte. Niemand wollte glauben, dass sich dieser Mann ploetzlich so veraendern und sich in ihm ein solcher Abgrund von Seelenhaerte auftun koennte, dem man solches uneingeschraenktes Vertrauen geschenkt hatte, gleich als sei er Christus selbst. - Dass dabei saemtliche Anhaenger in grosse Seelenkaempfe und Gewissenskonflikte gerieten, einzelne selbst an der Person Jesu Christi zu zweifeln begannen, wird Jedermann verstaendlich sein. Denn die gegen das christliche Rechtsempfinden gerichteten heftigen Stoesse wurden mit einer Leidenschaftlichkeit gefuehrt, wie man sie schon aus Gruenden allgemeiner Menschlichkeit - ganz abgesehen von streng christlichen Grundsaetzen – niemals erwartet und fuer moeglich gehalten haette, mit einer Leidenschaftlichkeit, die einer besseren Sache wert gewesen waere. Seinem geistlichen Bruder und Mitapostel in Dresden schrieb der Stammapostel "der Mann soll sterben". Er schrieb dieses T o d e s u r t e i l so gelassen nieder. Nur fehlte ihm die Macht, es zu vollstrecken.

Welche Kontraste - "Lieber, lass nicht Zank sein zwischen mir und dir," usw. - - und - - "Lieber, du sollst sterben." - - Warum?

Wenn einer von zwei Bruedern getoetet ist, dann ist ja Friede. Wenn Neunzehnteile Mitglieder aus einer Korporation gewaltsam ausgestossen sind, weil sie sich wagen, eine eigene Meinung zu haben, dann ist auch Friede. - Friede ist auch auf den Friedhoefen der Gefallenen, und - Friedhofsruhe - war nun auch in den ihm verbliebenen Gemeindeueberbleibseln.

Die Fuehrer der saechsischen Gemeinden hatten nach diesem Zusammenbruch von Treu und Glauben viel Muehe, die an Christum glaeubig Gebliebenen in diesem Glauben zu erhalten. Sie wollten Christum nicht fuer einen sterblichen Menschen hingeben und Letzteren als duerftigen Ersatz eintauschen, nachdem die Abrahamsgesinnung des neuapostolischen Stammapostels sich in einer so unheilvollen Weise enthuellt hatte. Dieser innere Kampf war kein Wunder, denn der Stammapostel galt bisher als Inbegriff vollendetsten Christentums und seine Gestalt war soweit in den Himmel gehoben, sein Ansehen und seine Bedeutung durch Wort und Schrift so uebermenschlich erhoeht worden, dass es bei vielen Gliedern gar keine Suende mehr schien, seine Person mit derjenigen des Heilandes der Welt zu identifizieren. -Er galt ja quasi als der inkarnierte Christus. Zudem sind die Mitglieder durch die Inanspruchnahme des Unfehlbarkeitsdogmas, das heute, sieben Jahre nach der Spaltung, noch viel schaerfer als damals zum rein satzungsmaessigen Ausdruck kommt, v o e l l i g  b e f a n g e n.

Niehaus verstieg sich soweit, dass er im J e n s e i t s Aemter einsetzte. Mutmasslich kann nach seiner Ansicht im Himmel Niemand etwas zur Rettung der Seelen im Totenreich unternehmen, oder wollte er damit die Heiligsprechung bei den Katholiken nachahmen - ? Christus scheint im Totenreiche ohne ihn machtlos zu sein. Auch die Apostel der

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Urkirche und die vielen Blutzeugen und heimgegangenen vollendeten Gerechten, ferner die Reformatoren und andere Glaubenskaempfer scheinen ihn im Himmel zu brauchen. Selten mag sich ein sterblicher Mensch schon soweit vorgewagt und in sich selbst verirrt haben. Das kam aber daher, weil er seinen saechsischen Bruedern, die ihm abrieten, kein Gehoer schenkte, sie fielen noch in Ungnade, weil sie ihn auf seine Irrlehre aufmerksam machten.

Immer mehr reifte denn auch in den streng christusglaeubigen saechsischen Aemter- und Mitgliederkreisen die Erkenntnis aus, dass das stammapostolische Lehrsystem nicht mehr in den richtigen urspruenglichen Geistesbahnen der apostolischen Kirche verlaufe und dass dem Heiligen Geiste der Raum immer mehr eingeengt wurde, dass ein fremder Geist sich eingeschlichen und die Fussspuren des Saeemannes Christus von menschlichem Winde verweht wuerden. Das kam in mancherlei grossen Kontrasten und Inkonsequenzen in Wort und Schrift zum Ausdruck. Im Geiste war einst von den Gruendern das apostolische Werk begonnen worden, wie aber sollte das Ende werden, wenn es so weiter ging?

Veranlassung zu dieser Schrift gab nun, wie im Vorwort angedeutet ist, eine neue Affaire, die sich jetzt, nach reichlich sechs Jahren, in Schkeuditz abgespielt hat und fuer die beteuerte Abrahamsgesinnung des neuapostolischen Kirchenfuersten einen neuen Kommentar liefert.

Dem Stammapostel waren bekanntlich in der Saechsischen Satzung Sonderrechte eingeraeumt worden, die sehr weitgehender Natur waren. Man glaubte dieses grosse Vertrauen ohne Bedenken einem Manne von edelster Gesinnung geschenkt zu haben, bei dem ein Missbrauch dieser Sonderrechte g e g e n die v e r l e i h e n d e Mitgliedschaft selbst sich richtend, voellig ausgeschlossen sei. Und doch trat dieser Fall nun ein. Allzuspaet ergab sich der Trugschluss dieser voraussetzungslosen Gutglaeubigkeit auf Treu und Glauben. Man hatte geglaubt, keine Satzung taetigen zu muessen, die auf Kampf des obersten Seelenhirten g e g e n die Mitgliederschaft eingestellt zu werden brauche. Man glaubte vielmehr, dass das neunte Gebot, wonach Niemand mit List nach seines Naechsten Haus stehen solle, unter allen Umstaenden zuerst bei dem Oberhaupt der Gemeinden gelte. Denn solches Gebot laesst sich ja auch durch verliehene menschliche Sonderrechte n i c h t beseitigen.

Stichhaltige Gruende zu den unverstaendlichen Handlungen des neuapostolischen Stammapostelapostels lagen in Wirklichkeit auch nicht vor, deshalb ging ja der benannte Kirchenfuerst auch jeder Aussprache mit den Aemtern und Gliedern, die ihn darum gebeten hatten, aengstlich aus dem Wege.

Man steht hier tatsaechlich vor einem psychologischen Raetsel, wenn man die Handlungsweise dieses Mannes mit seiner oeffentlichen kirchlichen Stellung als angeblicher Stellvertreter Christi auf Erden und Traeger des - Versoehnungsamtes - vergleicht.

Erst komme I c h, d a n n kommt der H e r r, das war sein Wahlspruch, und er hat auch danach gehandelt. Das kommt heute

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noch mehr als frueher zum Ausdruck in seiner absolut autokratischen Satzung, worin es zum Schlusse heisst:

"U e b e r  d i e  A u s le g u n g  d e r  S a t z u n g   e n t s c h e i d e t  d e r  S t a m m a p o s t e l!" (§11.)

Damit ist d e n  M i t g l i e d e r n  d e r N.Ap.Gem. d e r   a l l e r l e t z t e  R e s t  i r g e n d w e l c h e r   M i t g l i e d e r v e r s a m m l u n g s - B e s c h l u s s r e c h t e   g e n o m m e n.

Die Sonderrechte des Stammapostels sind seit dem Gelingen der Prozesse in Sachsen derartig verschaerft worden, dass heute im Streitfall kein Richter etwas dagegen machen koennte, wenn Niehaus, wie er selbst sagte, i r g e n d  e i n e n  i x b e l i e b i g e n   M a n n  v o n  d e r  S t r a s s e  a l s  V o r s t e h e r   e i n e r  G e m e i n d e  e i n s e t z e n  w u e r d e. Die Mitgliederschaften sind tatsaechlich durch diese heute verschaerfte Satzung hilflos nacktester Willkuer ausgesetzt. Es koennte ihnen kein Richter helfen, wenn sie Eigentumsrechte auf ihr satzungsmaessig dem Stammapostel zur Verfuegung gestelltes Kirchengut jemals geltend machen wollten. Niehaus allein hat das Recht, die Satzung so auszulegen, wie er sie braucht, nachdem unbegreiflicherweise solche Satzungen, die unseres Erachtens nach gegen die Vereinssitten verstossen, von der Justiz eingetragen werden. Hier scheint eine Luecke im Vereinsgesetz vorzuliegen. Solange der Gesetzgeber diese nicht beseitigt hat, kann es nicht wunder nehmen, wenn die Bestimmungen zur Ansichreissung von Uebermachtbefugnissen eines einzelnen Menschen ganzen Korporationen gegenueber missbraucht werden. Es ist tatsaechlich ein Gebot der oeffentlichen Wohlfahrt, auf dem Wege der Gesetzgebung zu verhindern, dass grosse Kreise von Staatsbuergern infolge ihres eigenen blinden Vertrauens geschaedigt werden koennen, wie das in Sachsen geschehen ist. Das einfache Volk kann nicht juristisch so scharfblickend sein, dass es sich solchen Schadens selbst versehen koennte, es muesste geschuetzt werden. Vor allen Dingen ist der Umstand bedenklich, dass Sonderrechte, die eine Koerperschaft einer einzelnen Person uebertraegt, von dieser Koerperschaft dieser Einzelperson nicht wieder ohne die Zustimmung der Einzelperson entzogen werden koennen.

Durch die oben berichtete gewaltsame Enteignung und Massenausschluesse z w a n g der neuapostolische Stammapostel die Betroffenen, nachdem sie sich

p l o e t z l i c h  u n t e r  f r e i e m  H i m m e l  b a r   u n d  m i t t e l l o s
a u s g e s e t z t

sahen, sich neu zu korporieren. Er veranlasste also s e l b s t, ja er e r z w a n g sogar, wiewohl zur Zeit unbewusst,
"d i e  E n t s t e h u n g  d e r
R e f o r m i e r t - a p o s t o l i s c h e n  G e m e in d e n".

Was sollten sonst die Tausende der von ihm verstossenen Seelen tun? Keine einzige samt ihren Aemtern und saechsischen Fuehrern wollten sich von ihm trennen, solches war nicht in e i n Herz ge-

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kommen, e r  s e l b s t aber trennte s i c h und v e r l i e s s die anvertrauten Schafe, als er den vermeintlichen Wolf kommen sah, der gar kein Wolf war. Wohl oder uebel m u s s t e n sie sich neu zusammenschliessen. Der "starke Arm" wollte es so haben, e r wollte eine neue Gemeinde. Nun hat der neuapostolische Kirchenfuerst sich die Titel

"Stammapostel der Neuapostolischen Gemeinden"
und
"Gruender der Reformiert-apostolischen Gemeinden"

tatsaechlich verdient, denn er ist beides.

Auf diese Weise erfuellte er, ohne dass er es wollte, das in seinem Abrahamsbrief angefuehrte Wort:

"I c h  d e n k e  m i r,
s o l c h e s  k o m m t  a u c h  v o m  H e r r n  Z e b a o t h".

Er wusste nicht, was er tat; es ging ihm wie den Josephbruedern, zu denen spaeter Joseph sagte: "Menschen gedachten es boese zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen. "Nun ist das dem neuapostolischen Stammapostel weniger wunderbar, mehr aber unangenehm vor seinen Augen. Denn der Herr Zebaoth hat es mit der Ref.apostol.Gemeinde trotz der gegen sie so grausam gefuehrten Zerstoerungsarbeit dennoch gut gemeint, sie ist eben da. Indem der Traeger des – neuapostolischen Versoehnungsamtes infolge seiner starren Unversoehnlichkeit - gewaltsame Ursache gab, dass sich eine Reformiert-apostolische Gemeinde gruenden m u s s t e, was niemals in deren Sinn und Herz gekommen waere, ist er zum Vernichter seines eigenen Lebensprinzips geworden. Man fragt sich vergeblich: Hat denn Gott diesen Mann mit geistiger Blindheit geschlagen? Denn ohne seine steinerne Unzugaenglichkeit, die seiner allzuschnell und laut beteuerten Abrahamsgesinnung direkt widersprach, konnte ja kein neuer Zweig entstehen. Es haette nur weniger e h r l i c h e r Worte gebraucht, das zu verhindern. Wir sind doch keine Steine, sondern Menschen.

Niehaus ist in der Hand Gottes der tatsaechliche Gruender der Reformiert-apostolischen Gemeinde, deren Geist und Seelenbau, wie er selbst sagt, dem Seinigen nicht gleicht. Die reform.-apost. Lehre ist von den vielen Lehrirrtuemern der Neuapostolischen gereinigt und Jesus Christus, der alleinige Herr seiner sichtbaren und unsichtbaren Kirche, steht im Mittelpunkt ihres Bekenntnisses, also kein sterblicher Mensch.

Niehaus kann nun sein eigenes Werk, die von ihm ins Leben gerufene Reformiert-apostolische Gemeinde, nicht verleugen, er kann sie nicht mehr von seinen Rockschoessen abschuetteln. Tag und Nacht muss er sich immer wieder mit ihr befassen, und es ist heute schon ersichtlich, wie einmal der Geschichtsschreiber ueber ihn urteilen wird, naemlich genau so, wie der Geschichtsschreiber im Niehaus'schen Lager ueber den englischen Apostel Woodhouse urteilte, der auch so unverstaendig war, dass sich Teile der alten Ordnung zu neuapostolischen Gemeinden zusammenschliessen mussten. So kommt eben eins aus dem andern, die Ursachen sind immer dieselben. Hatte denn der neuapostolische Stammapostel aus der Entstehungsgeschichte der Neuapostolischen Ge-

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meinde gar nichts gelernt, dass er in dieselbe Suende verfallen musste, in welche der englische Woodhouse verfiel? Ernstlich genug hatte ihn der saechsische Mitapostel gebeten, kein Woodhouse zu werden - aber der Ruf verhallte ungehoert. - Gott hatte sein Herz verstockt. -

Nachdem nun die Reformiert-apostolische Gemeinde auf einem kleinen Fleckchen Erde, wie Niehaus schrieb, erschien, erschrak der Stammapostel sehr, und versucht nun bis auf den heutigen Tag mit allen Mitteln dieselbe zum Untergang zu bringen, er desavouierte sich aber damit nur selbst.

Was werden nun einst seine Vorgaenger zu ihm sagen, wenn er bei ihnen wird im Jenseits erscheinen? Wir koennen seine Handlungsweise um seinetwillen heute nur aufrichtig bedauern.

Er hat geschrieben "solches kommt auch vom Herrn Zebaoth!", nun gefaellt es ihm aber nicht, dass es so gekommen ist. Was nuetzt es ihm, wenn er in sich stille zu Gott seufzt, er moege die Ref.apost.Gemeinden untergehen lassen? Er muss sich wie jeder andere sterbliche Mensch unter das Prophetenwort beugen: D e n n  m e i n e  G e d a n k e n  s i n d   n i c h t  e u r e  G e d a n k e n  u n d  e u r e  W e g e   s i n d  n i c h t  m e i n e  W e g e,  s p r i c h t  d e r   H e r r,  s o n d e r n  s o v i e l  d e r  H i m m e l   h o e h e r  i s t,  d e n n  d i e  E r d e,  s o  s i n d   a u c h  m e i n e  W e g e  h o e h e r  d e n n  e u r e   W e g e  u n d  m e i n e  G e d a n k e n  h o e h e r,   d e n n  e u r e  G e d a n k e n. (Jes. 55, 8 - 9)

Nun noch ein Wort ueber den Hauptirrtum seiner Lehre betreffs des "Namens" und "abgefallenen" Astes. Nicht die christliche Mutterkirche, die von den Uraposteln aus der Wurzel Jesu aufgebaut ist, und an der im Laufe der Jahrhunderte viele Aeste christlicher grosser und kleiner Bekenntnisse gewachsen sind, und deren immergruener Wipfel in unserer Zeit wieder der apostolische Zweig sein soll, ist nach dem Lehrsystem des neuapostolischen Bekenntnisses der Stamm, sondern der sterbliche Mensch, Stammapostel genannt, ist der Stamm. Kein Wunder, dass der Mann sich berufen fuehlt, nach eigenem Gutduenken schalten und walten, die Hl. Gebote Gottes, sowie die erhabenen Lehren unseres Herrn Jesu mit Fuessen treten und die ihm anvertrauten Seelen aufs tiefste verletzen zu koennen. Er fuehlt sich als Stellvertreter Christi und weiss nicht, dass durch ihn das Evangelium fuer seine Anhaenger verdeckt wird. Diese Suende musste zur Spaltung fuehren. Gott wollte es.

Also, mit der Reformiert-apostolischen Gemeinde muss gerechnet werden. Sie hat sich zum Leidwesen Niehaus und seiner Ratgeber trotz des gegen sie gerichteten furchtbaren Vernichtungskampfes behauptet und ihre Existenzberechtigung bewiesen. Sie ist trotz aller Prozesse, die sie infolge der Sonderrechte verlieren musste, lebensfaehig geblieben. Viele Richter waren als Menschen auf unserer Seite, aber um des Buchstabens wegen konnten sie nichts machen und mussten uns denn ausliefern. Es wurden uns nicht bloss die Wohnungen (Anbetestaetten) genommen, es wurden uns auch (bildlich gesprochen) die Kleider vom Leibe gerissen.

Durch die verlorenen Prozesse ist unser Glaube an Gott nur gestaerkt worden und wir haben erst recht erkannt, dass wir Christum ange-

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hoeren, denn er hatte auch seinen irdischen Prozess verloren. Wiewohl Pilatus von der Unschuld ueberzeugt war, konnte er nichts machen; denn die Pharisaeer und Schriftgelehrten hatten ein Gesetz, danach musste Jesus sterben. Pilatus haette ihn gerne freigesprochen, konnte aber nicht, weil die Satzung der Kirchenfuersten dagegen stand.

Nun gut, der Herr Zebaoth hat unser Leid gesehen und wird zu seiner Zeit fordern, was uns Uebels angetan worden ist.

Sollte aber der Neuapostolische Stammapostel nicht glauben und zugeben wollen, dass er a l l e i n

"G r u e n d e r  d e r  R e f o r m i e r t - a p o s t o l i s c h e n  G e m e i n d e n"

ist, dann mag ihm in Erinnerung gebracht sein, dass kein anderer als e r, um das Mass seiner Abrahamsgesinnung voll zu machen, den vielen Tausend verstossenen Seelen hat gerichtlich verbieten lassen, sich fernerhin "neuapostolisch" zu nennen. Sie m u s s t e n also einen anderen Namen annehmen, R i c h t u n g  u n d  H a n d l u n g schrieb Herr Niehaus vor, und zwar mit unerbittlicher Stammapostelgewalt. Er hat sich von Maechten, die hinter den Kulissen ihn trieben, zu seinem eigenen Seelenschaden dazu verleiten lassen. Er selbst wollte es vielleicht gar nicht. Doch die Verantwortung vor Gott trifft zuerst ihn selbst, dann erst seine Hintermaenner.

Der Neuapostolische Stammapostel hatte also geschrieben: "Lieber, lass nicht Streit sein zwischen mir und dir, wir wollen j a nicht streiten, nicht um fuenf Pfennig", ein Mann, ein Wort? - - -

Doch die Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Lauterkeit seiner Abrahamsgesinnung sollte einen neuen Flecken erhalten durch Vorgaenge, die sich in diesem Sommerhalbjahr, nachdem man jetzt nach ueber sechs Jahren glaubte, der angeblich dem Streit abhold gesinnte Stammapostel habe nun endlich einmal sein Schwert auf Jesu Befehl in die Scheide gesteckt, abspielten.

Der unentwegte Kampfgenosse des Stammapostels, der Neuapostel Stiegler in Leipzig, sandte an den Vorsteher der Reformiert-apostolischen Gemeinde zu Schkeuditz bei Leipzig folgende briefliche erneute Kampfansage:

„Durch die Wiedereintragung der aufgewerteten Hypothek, welche von der Neuapostolischen Gemeinde zu Leipzig dem Besitzer des Grundstueckes Friedrichstrasse 8 dortselbst im Jahre 1919 gegeben wurde, hat sich herausgestellt, dass nach der der Wiedereintragung zu Grunde liegenden Bewilligung vom 22. Maerz 1919 die Hypothekenglaeubigerin zugleich auch Mieterin der auf dem Grundstueck erbauten Kapelle ist. Durch die Schuldurkunde, die erst jetzt zu unserer Kenntnis gelangt ist, ist auch der Beweis dafuer erbracht, dass das in der Kapelle befindliche Inventar, soweit es nicht erst nach dem zweiten Halbjahr 1921 angeschafft wurde, unser rechtmaessiges Eigentum ist. Wir haben auf Grund des uns zustehenden Rechtes unsere Hypothekenschuldner aufgefordert, uns spaetestens ab 1. April ds. Js. wieder in unsere Vorrechte einzusetzen, widrigenfalls der Aufwertungsbetrag gemaess § 25 des Aufwertungsgesetzes vom 16.7.25 faellig ist.

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Von Ihnen verlangen wir hiermit Ueberlassung des in der Kapelle befindlichen uns gehoerigen Eigentums, wobei wir bei guetlicher Einigung Schadenersatzansprueche wegen der zirka sechs Jahre bereits waehrenden widerrechtlichen Benuetzung an Sie nicht stellen wollen. Wir sind auch bereit, Sie in den von uns zu Versammlungszwecken benutzten Raum in der Bahnhofstrasse 27 eintreten zu lassen.
S i n d  w i r  b i n n e n  z e h n  T a g e n  v o n   h e u t e  a b  g e r e c h n e t  n i c h t  i m  B e s i t z   e i n e r  z u s a g e n d e n  A n t w o r t  I h r e r s e i t s,   z w i n g e n  S i e  u n s,  i m  W e g e  d e r   g e r i c h t l i c h e n  K l a g e  g e g e n  S i e   v o r z u g e h e n." - - -

Darauf antwortete der Vorsteher der Ref.-apost.-Gemeinde zu Schkeuditz folgendes:

"Sie haben uns - angeblich im Namen der Neuapostolischen Gemeinde zu Leipzig -die aber weder von Ihrem Briefe etwas wissen, noch darueber Beschluss gefasst haben duerfte,- geschrieben und ich will Ihnen darauf antworten.

Sie besinnen sich jetzt, nachdem sechs Jahre vergangen sind, seit Sie Mieterin unseres Betsaals gewesen sein wollen und vor sechs Jahren dieses Mietverhaeltnis f r e i w i l l i g aufgegeben und sich ein anderes Versammlungslokal, wie Sie selbst schreiben, gemietet haben, dass Sie noch immer Mieter unseres Betsaales seien, trotzdem Sie sechs Jahre lang keine Miete bezahlt, noch sich um den Saal, seine Erhaltung und Instandsetzung usw. gekuemmert haben, und fordern uns in neuapostolischer Naechstenliebe jetzt auf, unsern Saal knall und fall zu raeumen und uns auf die Strasse zu setzen.

Nicht genug, Sie fordern uns auf, unser Saalinventar herauszugeben, weil es angeblich Ihnen gehoert, trotzdem in der Hypothekenurkunde des Grundstuecksbesitzers, ganz entgegen Ihrer Angabe und Behauptung, gar nichts vom Kircheninventar niedergeschrieben ist. Wir glauben gerne, dass Sie das noch hineingelesen haben, wir kennen Ihre Naechstenliebe in solchen Dingen ja zur Genuege.

Wir stellen Ihnen selbstverstaendlich das ganz anheim, unser Eigentum wegzunehmen, denn Ihr Schreiben ist uns ein neuer Beweis dafuer, wovon Sie gefallen sind. Sie wollen also einen neuen Gewaltakt an der Ref.-Apost.-Gemeinde begehen, die Ihnen ein so haesslicher Dorn im Auge ist und wollen unser Eigentum mit einem aeusseren Schein des Rechtsbuchstabens an sich bringen. Wir koennen Sie darin nicht halten und sagen mit Jesum: Was du tun willst, das tue bald. Denn u n s e r Gewissen und u n s e r Ruf wird ja nicht befleckt. Wohl uns, dass w i r die Beraubten sind.

Der Herr Hauptleiter Ihrer Neuapostolischen Gemeinden, Hermann Niehaus, hat ja damals das Wort geschrieben: "Lieber, lass nicht Zank sein zwischen mir und dir, willst du zur Rechten, will ich zur Linken, wir wollen das Erbe friedlich aufteilen." - Er hat freilich dieses schoene Abrahamswort vergessen, als er es erfuellen sollte, woran wohl seine Hintermaenner die meiste Schuld haben moegen. Aber S i e wollen das, wie es scheint, wahr zu machen suchen. Immer

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christlich neuapostolisch, das bringt noch was ein. Wir sind allerdings zur Linken gegangen und haben uns die Jahre hindurch alles nehmen lassen und - so wollen wir auch bei dieser in nimmersatter Naechstenliebe vom Zaune gebrochenen neuen Affaire "wieder zur Linken" gehen und es fuer Ihren Hauptleiter, der darin versagte, tun.

Wir wollen also der Gewalt weichen und erwarten getrost und freudig im Glauben zu Gott und zum Lenker aller Geschicke, der Sie und Ihren Hauptleiter, wie uns vorkommt, ja ganz und gar verlassen haben muss, Ihre Tat. Es waere wirklich ganz gut, wenn auch der Oeffentlichkeit zu Schkeuditz Ihre neuapostolische Gesinnung allgemein bekannt wuerde und die oeffentliche Meinung erfuehre, wes Geistes Kinder die Neuapostolischen Kirchenfuersten sind.

Was Sie allerdings einmal nebst Ihrem Hauptapostel in der Ewigkeit fuer einen schweren Stand haben werden, darueber tun Sie beide mir jetzt schon leid, denn Gottes Wort findet sich doch zuletzt und vor dem ewigen Richterstuhl Christi werden ja alle menschlichen Ausfluechte und frommen Bemaentelungen nicht verfangen, sondern werden verwehen, wie der Nebel vor der sieghaften Sonne, dann wird auch u n s r e Rechtfertigung kommen.

Nun haben Sie mir zur Beantwortung Ihres Schreibens eine Frist gestellt, indem Sie der Ref.-apost.-Gemeinde den Dolch auf die Brust setzen. Aber Sie sind kein Staatsanwalt. Nachdem Sie sechs Jahre Zeit verstreichen liessen, ehe Sie mir schrieben, so muesste ich eigentlich auch sechs Jahre Zeit zur Beantwortung haben, doch will ich nicht mit gleichem Masse messen und antworte Ihnen deshalb bereits jetzt.

Glauben Sie mir sicher, wir bekommen auch in Schkeuditz wieder einen Betsaal, wenn Sie wirklich Ihren Anschlag vollenden sollten, aber um d e n Segen, den Ihnen das bringen wird, wird Sie kein Mensch beneiden. Auch Sie werden einmal Ihr Urteil empfangen – nur stille, es kommt alles zurecht. Vielleicht kaufen Sie sich mal eine Bibel nach der Uebersetzung Dr. Martin Luthers und legen Ihre Neuapostolische Bibel, die eine andere sein muss, weg, dann wird auch Sie ein Zittern ankommen, ehe es zu spaet ist.

Nach dem irdischen Buchstaben muessen Sie erst auf Kuendigung klagen, wenn Sie auf einmal jetzt nach sechs Jahren in unseren Betsaal einziehen wollen. Wir koennen es Ihnen nicht wehren, an uns einen solchen Streich auszufuehren. Doch koennen Sie uns mit solchen Werken nicht mehr imponieren, d i e Zeiten sind vorbei.

Ich habe schon gedacht, dass es gut und zweckmaessig ist, wenn Sie auch fuer die oeffentliche Meinung in Schkeuditz Ihre neuapostolische Gesinnung offenbaren und nicht zuletzt ist es auch fuer die Sammelmappe des Geschichtsschreibers gut, wenn Sie selbst ihm immer mehr Material liefern, damit, wenn einmal die Werke der neuapostolischen Fuehrer der Oeffentlichkeit vorgelegt werden, das alles ein abgeschlossenes Bild gibt.

Ich sage nochmals mit den Worten Jesu, was du tun willst, das tue bald, - zu wem er das gesagt hat, das wissen Sie selbst.

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Dieses Wort gilt zwischen uns. Wir sind bereit, Ihren Gewaltstreich ueber uns ergehen zu lassen, wenn Sie glauben, nicht anders selig werden zu koennen, denn jeder muss seines Daseins Kreise vollenden. Machen Sie auch das Mass Ihrer - - - voll.

Wohl uns aber - den Mitgliedern der Ref. apost. Gemeinden – dass wir unser Gewissen nicht mit solchen Werken belastet haben. Uns wird der Himmel nicht auch mit Kirchen und Kapellen, deren Einrichtungen, Vermoegen und Glaubensopfern verlegt sein.

Ich wuensche Ihnen aber ein erfolgreiches Studium der Heiligen Schrift, das meines Erachtens nach vor allem fuer einen Mann, der sich ein Apostel Jesu Christi nennt, wie Sie, dringend noetig ist."

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Dieser Brief blieb unbeantwortet. Die Neuapostolischen forderten vom Hauseigentuemer nach dessen eigener Aussage sofortige Raeumung des Betsaales und Hinauswerfung der Ref.Apost.Gmde., was dieser zunaechst ablehnte, jedoch auf Draengeln der neuapostolischen Geistlichkeit den Saal fuer den 30. Juni aufkuendigte. Die Reform.Apostol.Gemeinde lehnte auf Grund des Mieterschutzgesetzes diese Kuendigung ab.

Nun geschah aber das Folgende:

In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli wurde g e w a l t s a m,   e i g e n m a e c h t i g und h e i m l i c h  i n  d a s  g e n a n n t e   B e t s a a l h a e u s c h e n  e i n g e d r u n g e n,  d a s   S c h l o s s  e r b r o c h e n,  d i e  A n b e t u n g s s t a e t t e   g e s c h a e n d e t.  U n t e r  a n d e r e n  n a h m  m a n   d i e  H o s t i e n  a u s  u n s e r e m  A l t a r  u n d   w a r f  s i e  i n  d e n  K o h l e n k a s t e n.  M a n   o e f f n e t e  d i e  O p f e r b u e c h s e und stellte verschiedene Gegenstaende, an dem die Gegner mutmasslich kein Interesse hatten, hinaus auf den Flur. Selbst die den Saengern gehoerenden Notenmappen nebst Liedern nahmen sie an sich. – Alles eigenmaechtig, dem Gerichtsurteil voraus. Durch eine aeusserst raffinierte Schlossaenderung machten sie uns den ferneren Zutritt zu unserem Saal unmoeglich.

Besonders charakteristisch wirkte nun der Umstand, dass am Tage vorher der neuapostolische Stammapostel in dem 19 km entfernt liegenden benachbarten Halle zu Besuch war, - - und dass dann der Hallesche Distriktsvorsteher am Tage vor dem naechtlichen Besuch in unserem Betsaal ebenfalls in Schkeuditz gewesen ist, jedenfalls, um die letzten Direktiven zu geben, wie es bei dem naechtlichen Eindringen in unseren Betsaal gehandhabt werden sollte. -

An dem betreffenden Donnerstag abend hatten die Neuapostolischen erst in ihrem eigenen Betsaal Gottesdienst, und im Anschluss an diesen - Gottesdienst - geschah dann der naechtliche Besuch in dem Betsaal der Reform. Apost. Gmde., nachdem man so lange gewartet hatte, bis die Luft rein war, das heisst, bis sich unser Gesangchor aus der Singstunde entfernt hatte und bis das Licht bei unserem Vorsteher, welcher im selbigen Grundstueck im Vorderhaus wohnte und von seinen Fenstern aus herab auf die Kapelle sehen konnte, verloschen war - - - !

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Einige Tage spaeter hielten dann die Neuapostolischen in der eigenmaechtig besetzten Kapelle, mit Blumenstraeussen in den Haenden und siegstrahlenden Gesichtern, einen Triumpfgottesdienst und sangen:

"Wie gross ist des Allmaecht'gen Guete,
Ist der ein Mensch, den sie nicht ruehrt?
Der mit verhaertetem Gemuete,
Den Dank erstickt, der ihm gebuehrt?"

Wird sich der Herr Zebaoth wirklich gefreut haben ueber die Froemmigkeit dieser auserwaehlten neuapostolischen Erstlinge und Brautgemeinde Christi, die dem neuapostolischen Lamme nachfolgt, wohin es geht, selbst in finstrer Nacht - - ? - -

In dem nun folgendem Gerichtsverfahren kam ein Vergleich zustande, wonach die Ref. apost. Gmde. noch einige Monate den benannten Saal haette benuetzen duerfen, der gekuendigt war. Die geistlichen Aemter und Mitglieder der Gemeinde lehnten es aber einstimmig ab, auch nur noch einmal in dem entweihten Saale ein Gebet zu tun oder einen Choral der alten Glaubenszeugen zu singen. Es blutete ihr Herz ueber die Schaendung und den religioesen Tiefstand derer, mit denen sie einst auf der Kirchenbank gesessen hatten. Sie behalfen sich solange mit einfachen Stuben-Zusammenkuenften, bis das ihnen durch die Liebe Gottes sofort entgegengefuehrte neue Kirchlokal zum Bezug und zur Einweihung fertiggestellt war.

Mit welchen Mitteln aber die Neuapostolischen vor Gericht operierten, mag an dem einen Beispiel erkannt werden, indem sie, als der Richter sie darauf aufmerksam machte, dass sie aber doch sechs Jahre lang keine Miete bezahlt haetten, herausplatzten: Ja, Herr Schellenberg, der Vorsteher der Reform.-apost. Gemeinde, sei ihr Vertrauensmann, und der habe stets die Miete fuer sie, die Neuapostolischen, bezahlt. Diese Behauptung stand mit dem vom Neuapostel Stiegler an Herrn Schellenberg gerichteten Brief im krassesten Widerspruch.

Kommentar fuer diese Geschichtsklitterei ist ueberfluessig. Der freundliche Leser wird sich sein Urteil selbst bilden koennen.

"Lieber, lass nicht Streit sein zwischen mir und dir, ja nicht streiten um fuenf Pfennig. – "

A n  d e m s e l b e n  T a g e  a b e r,  a n  d e m   d i e  R e f . - a p o s t.  G e m e i n d e  i h r  n e u e s   B e t h a u s  b e z o g  u n d  w e i h e t e,  w u r d e  d e r   N e u a p o s t e l  S t i e g l e r  p l o e t z l i c h  u n d   u n e r w a r t e t  d u r c h  e i n e n  H e r z s c h l a g  v o r   e i n e n  h o e h e r e n  R i c h t e r  i n  d i e   E w i g k e i t  a b g e r u f e n - - -.

Herr Niehaus aber, der Neuapostolische Stammapostel, kann sich nun Glueck wuenschen, denn er hat wieder einen materiellen Sieg erfochten, aber auf Kosten des Gewissens.

S e i n  e i g n e s  L e b e n  k r o e n t e  e r   m i t  d e n  v o n  i h m  s e l b s t
i n s  L e b e n  g e r u f e n e n   R e f o r m i e r t - A p o s t o l i s c h e n
G e m e i n d e n  D e u t s c h l a n d s

die auch im Auslande vertreten sind.

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Was ist das aber fuer ein Stamm, der einen seiner bluehendsten und gruensten Aeste von sich wegwirft, wie das Herr Niehaus uns gegenueber mit einer veraechtlichen geringschaetzigen Geste getan hat? Kann auch eine Mutter ihr Kindlein vergessen, so wird es doch der himmlische Vater nicht vergessen, und wird die Rabenmutter ersetzen. Konnte auch Herr Niehaus, der Traeger des Versoehnungsamtes Christi auf Erden, der "Statthalter des Herrn" - Tausende von Seelen so leichten Herzens von sich stossen, so hat sich doch der Herr derselben erbarmt und angenommen. Aber von der Hand des Neuapostolischen Stammapostels wird er viel fordern, weil ihm viel gegeben war.

Vergeblich wartete bisher der Stammapostel in seiner so laut verkuendigten Abrahamsgesinnung auf den Tod seines Dresdner Mitbruders und seiner Mitbrueder in Goerlitz, Netzschkau, Plauen und andrer treuer Glaubenskaempfer. Er gibt sich der Hoffnung hin, dass, wenn der Dresdner erst gestorben sein wuerde, dann der Untergang der Reform.-Apost.Gemeinde kommen und dann das Werk zusammenbrechen muesse. Ein frommer Wunsch, mit dem auch seine Anhaenger bestaendig operieren und agitieren. - Auch darin baut er auf Fleisch. - Und wie der Herr, so die Knechte. "Was der Fuerst will, das spricht der Richter, damit er ihm wieder einen Dienst erweisen soll." Micha 7, Vers 3.

Ach, Herr Niehaus weiss ja nicht, wie viele Kraefte inmitten der Reformiert-apostolischen Gemeinde noch schlummern und nur der Hebung warten, wenn sie gebraucht werden, und dass gerade auch fortgesetzt noch treue bei ihm glaubensirre gewordene gute Kraefte bei uns Ruhe und Frieden fuer ihre Seelen suchen.

Es ist ja vor seinen Augen verborgen. Er weiss auch nicht, was zum Frieden dient, er s c h r i e b  n u r von Frieden. So ist noch vieles andere vor seinen Augen verborgen.

Wir aber hoffen auf den Herrn, denn nicht w i r haben uns leichtfertig getrennt, sondern wir sind getrennt w o r d e n, und solches alles, sagt Herr Niehaus, kam vom Herrn Zebaoth. Der Hohepriester toetete einst Jesum, damit das ganze Volk nicht verderbe. Der Hohepriester wusste nicht, was er sprach, Gott aber wusste es. Den Augen des Hohenpriesters war der Sinn seiner eigenen Worte verborgen. So geht es auch dem Hohenpriester der Neuapostolischen Gemeinden.

Das ist auch ein Wunder vor unseren Augen. Der Rat Gottes ist wunderbar und er wird es auch herrlich hinausfuehren trotz der Neuapostolischen Kriegspsychose -.

Wir grollen nicht, wir stuermen auch nicht auf Bilder an den Waenden, sondern sagen, wie Stephanus: "Herr, behalte ihnen diese Suende nicht", - - und schliessen mit Jesu Wort: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun".

Wie Jesus weinte ueber Jerusalem, so weinen wir ueber unsre Neuapostolischen feindlichen Brueder; denn das Wort des Herrn wird sich an ihnen erfuellen zu seiner Zeit, wie es sich bisher an allen erfuellt hat, die wider Gott handelten.

Johannes Born.

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