Der Herold, Monatsschrift der Vereinigung der Apostolischen Gemeinden, 47. Jahrgang, November 2001, Seiten 206-207.

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Einladung zum Bußgebet

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Es wird Euch möglicherweise etwas unangenehm berühren, wenn ihr das auf der nebenstehenden Seite abgedruckte Bußgebet lest. Deshalb wollen wir Euch daran teilhaben lassen, warum es gerade so formuliert wurde und nebenstehend hier veröffentlicht ist.

Seit vielen Jahren beschäftigt uns die Frage nach der Zukunft der Gemeinde. Wir alle zusammen stehen nicht an unserer eigenen Sache, sondern an der Sache unseres Herrn Jesus Christus. Wir tragen Verantwortung füreinander, ebenso wie wir für unseren Dienst, zu dem wir berufen sind, vor Gott Verantwortung tragen. Der Zustand unserer Gemeinde ist in mancher Hinsicht besorgniserregend. Wir haben keine Scheu mehr, dies zu benennen, denn wir sind durch Gottes Wort auf eindringliche Weise dahin geführt worden. Das Beklagen der Zustände in Kirche und Welt ist zwar naheliegend, aber absolut untauglich zur Erneuerung. Unsere Suche nach den Ursachen blieb manchmal in der Vergangenheit hängen, manchmal auch bei "den anderen". Verschiedene Anregungen oder Vorwürfe wurden gehört. Mögliche Methoden, Projekte, Verfahren wurden überlegt und manchmal auch ein Stück weit umgesetzt. Manche guten Absichten endeten in Erschöpfung oder Resignation. Einiges hat sich als segensreich erwiesen.

Mehrfach wurden wir darauf hingewiesen, dass alle unsere Bemühungen erst dann gesegnet sein können, wenn sich unser geistlicher Zustand ganz und gar nach Gottes Wort und Willen verändern lässt. Diese Veränderung muss bei uns selbst, d.h. bei der Kirchenleitung anfangen. Christen müssen "aufhören, Gott darum zu bitten, zu segnen, was sie tun, und anfangen zu tun, was Gott segnet" (Wolfgang Simson). Auslöser aller Gespräche und Gedanken zu diesem Thema war das Bußgebet Daniels (Dan 9), welches uns während einer Bezirksvorsteherkonferenz vorgelesen wurde. Es hatte uns tief ergriffen und viele Gedanken ausgelöst, die wir mit allen Aposteln, Bischöfe und Ältesten besprachen.

Der Prophet Daniel wird uns als ein wahrhaft gläubiger Mann geschildert. In der Zeit der babylonischen gefangenschaft lebte er unbeirrt seinen Glauben und ehrte Gott. Er litt sehr darunter, dass Jerusalem verwüstet war, und erkannte, dass die Sünde seines Volkes die Ursache für Zerstreuung und Gefangenschaft war. In den heiligen Schriften suchte er Antwort auf seine Fragen. Für sich und sein ganzes Volk trat er vor Gott, bekannte die Sünden und bat Gott um Barmherzigkeit.

Ja, wir sind die ersten, die Sünde bekennen müssen, die ersten, die vor Gott um Vergebung zu bitten haben. Deshalb ist dieses Gebet aufgeschrieben worden. Zum Bußtagsgottesdienst wird dieses Gebet in allen apostolischen Gemeinden vor dem Abendmahl öffentlich gelesen. Wer mit beten will, soll es bitte tun. Wir haben keine Rezepte, keine Power-Programme für die Zeit nach dem Bußtag. Wir rechnen fest mit Gottes Antwort.

Daniel 9, 7: Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen, die von Juda und von Jerusalem und vom ganzen Israel, die, die nahe sind, und die zerstreut sind in allen Ländern, wohin du sie verstoßen hast um ihrer Missetat willen, die sie an dir begangen haben.

Daniel 9, 18 Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Matthias Knauth

 

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Buße tun

Wir, die Apostel, Bischöfe und Ältesten der Apostolischen Gemeinden in Deutschland, der Schweiz und Frankreich bekennen öffentlich vor Gott, dass wir Schuld auf uns geladen haben.

Wir sind schuldig geworden, den Willen Gottes nicht eindringlicher geforscht und klarer verkündet zu haben.

Wir sind schuldig geworden, indem wir hochmütig über Brüder und Schwestern in anderen Kirchen urteilten und urteilen ließen, sie müssten erst werden wie wir.

Wir sind schuldig geworden, in dem wir Traditionen mehr Bedeutung geschenkt haben als dem Wort der Heiligen Schrift.

Wir sind schuldig geworden, indem wir dem Worte Gottes weniger trauten, als unseren eigenen Überlegungen.

Wir sind schuldig geworden, indem wir geistloses Reden und Verhalten einfach hinnahmen, statt Einfluss zu nehmen.

Wir sind schuldig geworden, indem wir die Überlastung einzelner Amtsträger und Mitarbeiter durch unsere Ratlosigkeit in Kauf nahmen, während wir gleichzeitig der Passivität vieler weiterer Amtsträger und Mitarbeiter nicht wehren konnten.

Wir beten Gott, uns unsere Sünden zu vergeben. Wir trauen auf seine große Güte und Barmherzigkeit.

Wir bitten Gott, uns für die Wirkungen seines Heiligen Geistes zu sensibilisieren. Wir trauen darauf, dass er uns frei macht, nicht mehr über den Heiligen Geist verfügen zu wollen, sondern den Heiligen Geist über uns verfügen zu lassen.

Wir bitten Gott, dass wir die von ihm erweckten Gaben nicht hochmütig als eigenen Besitz festhalten. Wir trauen darauf, dass er innerhalb seiner Kirche Erweckungen schenkt, die seiner ganzen Kirche zum Segen gereichen sollen.

Wir bitten Gott, das Apostolat an den von ihm bestimmten Platz zu stellen. Wir trauen darauf, dass er selbst die Gaben und Kräfte des Apostolats in den Trägern des Amtes zur Entwicklung kommen lässt und sich so das Amt erweisen wird.

Wir bitten Gott, dass sein Wille unter uns geschehe. Wir trauen darauf, dass Gott die Gesinnung Jesu Christi für Schwestern und Brüder zum Maß des Miteinanders macht.

Wir bitten Gott, dass er sein Gebot in unsere Herzen schreibt. Wir trauen darauf, dass er uns lebendige Gemeinde schenkt.

Herr, erbarme dich unser und schenke uns eine Gemeinde nach deinem Willen.

 

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