Der Herold

Sonderausgabe Januar 1983

Erinnerungen

In den Jahren 1954/55 ist es in der Neuapostolischen Kirche bedauerlicherweise zu einer Trennung gekommen. Stammapostel J. G. Bischoff hatte mehrere Apostel in Europa und Uebersee ihres Amtes enthoben und aus der Neu-apostolischen Kirche ausgeschlossen. Es bildeten sich daraufhin zeitlich gestaffelt neue apostolische Gemeinden. Ihr Entstehen ergab sich spontan und nicht verabredet. Das beweisen schon die verschiedenen Namen, die sich diese Gemeinden zugelegt haben. Aber unter den Aposteln dieser Gemeinden kam es ebenso spontan zu einer Einheit im Geiste. Was war denn geschehen?

Die Neugruendungen erfolgten aeusserlich gesehen unter mehr oder weniger unterschiedlichen Vorzeichen, aber die Ursache war bei allen die sog. "Botschaft" des Stammapostels J. G. Bischoff dass er nicht mehr sterben werde, resp. dass Jesus noch zu seiner Lebenszeit wiederkommen werde.

Was die Trennung in der Bundesrepublik Deutschland betrifft, jaehrt sich das Geschehen im Januar 1983 zum 28. Mal. Wir nehmen diesen Anlass als Gelegenheit, wieder einmal zurueckzublenden, ist doch mittlerweile eine neue Generation herangewachsen, die das, was geschehen ist, selber nicht durchgemacht hat. Unsere Ausfuehrungen duerften darueber hinaus zusaetzlich auf Interesse stossen, weil uns seit kurzer Zeit die Neuapostolischen zufolge eines Aufrufs ihres Stammapostels Urwyler ausserordentlich freundlich begegnen. -Ende der "Eiszeit"? Wir werden noch darauf eingehen (Seite 22).

Vorerst aber die "Erinnerungen". Wir fassen uns kurz. Literatur ist ja schon viel vorhanden. Wer eingehender orientiert sein moechte, der beachte den Literaturnachweis auf Seite 22. Solange Vorrat, werden wir die Schriften kostenlos zustellen, sofern sie nicht noch in Regalen oder Ordnern vorhanden sein sollten.

Am 23. Januar 1955 waren die Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Duesseldorfer Apostelbezirks in einer Apostelversammlung zu Frankfurt am Main, wohin sie von dem damaligen Stammapostel Bischoff zwecks einer Besprechung eingeladen worden waren.

In dieser "Besprechung", die alles andere als ein gegenseitiger Meinungsaustausch war, wurden die Geladenen beschuldigt, in grundsaetzlichen Glaubensanschauungen von der Lehre des Stammapostels abzuweichen. Apostel Hahn als fingierender Schriftfuehrer dieser Versammlung las den Aposteln Kuhlen, Dehmel und Dunkmann den Beschluss des Stammapostels und des Apostelkollegiums vor, wonach sie wegen grundsaetzlicher Meinungsverschiedenheit gegenueber der Glaubenslehre des Stammapostels und wegen groben Ungehorsams gegen seine Anordnung als Apostel und Mitglieder des Apostelkollegiums untragbar geworden seien und ihres Amtes enthoben werden muessten. Ihnen wurde empfohlen, freiwillig vom Amte zurueckzutreten. Auf diese Empfehlung des Apostelkollegiums konnten sie nicht eingehen, da sie sich keiner Schuld bewusst waren. Nach ihrem Weggang wurde dann beschlossen, dass die Apostel ihres Amtes enthoben und aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen seien.

Den Bischoefen und Bezirksaeltesten wurde eroeffnet, sie seien vorerst von ihrem Amte suspendiert mit der Massgabe, dass sie unter Umstaenden unter der Leitung des Apostels Walter Schmidt weiterhin dienen koennten.

Noch vor ihrer Heimfahrt schrieben die Bischoefe und Bezirksaeltesten im Bahnhofwartesaal zu Frankfurt am Main einen eingeschriebenen Brief an den Stammapostel, dass sie nach wie vor zu den Aposteln Kuhlen, Dehmel und Dunkmann und zu der von ihnen verkuendigten lauteren Lehre Jesu Christi staenden. Etliche Tage danach erhielten auch diese Brueder die Mitteilung, dass sie ihres Amtes enthoben und aus der Kirche ausgeschlossen seien.

Am Montag, dem 24. Januar 1955, waren die Apostel Kuhlen, Dehmel und Dunkmann zusammen mit den Bischoefen und Bezirksaeltesten in Duesseldorf, um ueber den nunmehr eingetretenen Zustand zu beraten. Dabei kamen sie zu dem einmuetigen Beschluss, weiterhin getreu ihrem goettlichen Sendungsauftrag fuer Jesus und die Seinen zu wirken. Ihr Zusammensein war gleichzeitig die Gruendungsversammlung fuer die "Apostolische Gemeinde" mit Sitz in Duesseldorf.

Was war diesen denkwuerdigen Tagen vorausgegangen? Ein Zitat aus der "Denkschrift fuer die Mitglieder der Apostolischen Gemeinde und fuer deren Freunde" vom 29. Januar 1955 hilft weiter. Dieses Zitat ist die kurzgefasste Stellungnahme von Apostel Kuhlen namens seiner Mitbrueder am 23. Januar 1955 in Frankfurt am Main:

"Seit langer Zeit mehrten sich die Faelle, dass besonders von Amtsbruedern Klagen gegen uns an den Stammapostel geschrieben wurden. Hauptpunkt der Anklagen dieser Briefschreiber war das Argument, dass wir die vom Stammapostel seit einigen Jahren verkuendigte Botschaft, dass der Herr Jesus noch zu seiner Lebzeit wiederkaeme, nicht verkuendigt, sondern nur - wie von jeher - auf das zu jeder Stunde moegliche Kommen des Herrn und die stete Bereitschaft aufsein Erscheinen hinwirken. Bemerkt sei noch, dass diese Anklagebriefe uns nicht zur Stellungnahme zugesandt wurden und dass wir auch die Antwortschreiben des Stammapostels nicht zur Kenntnisnahme erhielten.

In manchen der uns zu Gesicht gekommenen Antwortschreiben des Stammapostels an diese Verklaeger wurde jenen mitgeteilt, dass sie keinem Amtstraeger mehr folgen brauchten, der nicht die erwaehnte Botschaft verkuendige. Und da wir solches nicht in der von den Briefschreibern gewuenschten Form taten, wurde von denselben ueberall unter Vorzeigen der Stammapostelbriefe Misstrauen und Widerstand gegen uns verbreitet.

In letzter Zeit sind dann - angeregt durch entsprechende Artikel in den Zeitschriften der Neuapostolischen Kirche und unterstuetzt durch die Besitzer erwaehnter Stammapostelbriefe - in mehr und mehr Gemeinden Brueder und Geschwister dazu uebergegangen uns zu erklaeren, sie lehnten uns ab, sie folgten uns nicht mehr, weil wir nicht fest zu der bekannten Stammapostelbotschaft staenden. Das hat zu sehr schlimmen Zustaenden gefuehrt, die allmaehlich so furchtbar wurden, dass ziemlich zum gleichen Zeitpunkt - gewissermassen schlagartig - von uns gefordert wurde, wir sollten die Botschaft von der Wiederkunft Christi zu Bischoffs Lebzeit verkuendigen oder abtreten.

In hoechster Gewissensnot haben wir dann jenes Schreiben an den Stammapostel gerichtet, welches die Begruendung enthaelt, warum wir uns nicht zu der Verkuendigung einer solchen Botschaft verstehen koennen. Dieser Brief wurde am 6. Januar 1955 verfasst, am 7. Januar 1955 an den Stammapostel abgesandt, am 9. Januar 1955 allen Gemeindevorstehern vorgelesen, am 14. Januar 1955 allen Amtsbruedern ausgehaendigt und am 16. Januar 1955 an die Gemeindeglieder unseres Bezirkes zur Verteilung gebracht. In den Gemeinden wurde am 16. Januar 1955 ausserdem ein Schreiben vorgelesen, worin ueber gewisse Vorkommnisse innerhalb etlicher Gemeinden berichtet wurde.

Der Stammapostel schrieb dann am 13. Januar 1955 einen Brief wonach Apostel Schmidt die seelische Pflege der Brueder und Geschwister uebernehmen wuerde, die nicht mehr unter unserer Hand bleiben wollten. Am Abend des 15. Januar 1955 erhielten wir ein Telegramm vom Stammaposte4 womit er vor der Verteilung unseres (mit Datum vom 6. Januar 1955 an den Stammapostel gerichteten) Schreibens an die Gemeindeglieder ernstlich warnte und uns evtl. Gegenmassnahmen androhte. Stellungnahme zu dem Brief des Stammapostels vom 13. Januar 1955 und weshalb wir die Verteilung des Briefes an die Gemeindeglieder trotz des hiervor warnenden Telegramms vorgenommen haben, ist in einem Schreiben vom 17. Januar 1955 an den Stammapostel niedergelegt.

Noch einmal betonen wir, dass die Verteilung des bekannten Briefes an die Gemeindeglieder unsererseits ein Akt bitterster Notwehr war, da beim Empfang des Telegramms bereits einschneidende Massnahmen gegen uns im Gange waren, und wir keine andere Moeglichkeit mehr sahen, unsern Glaubensstandpunkt zu rechtfertigen.

Abschliessend erklaeren wir, dass wir uns an dem gegenwaertig eingetretenen Zustand aeusserster Spannung unter Amtsbruedern und Geschwistern unseres Bezirkes unschuldig fuehlen; denn wir haben nichts anderes getan, als uns in unserer Lehrverkuendigung an die Glaubensartikel der Neuapostolischen Kirche und die fuer immer gueltige Lehre Christi zu halten, ohne davon etwas abzutun noch hinzuzufuegen." (Soweit das Zitat)

Was dann geschah, ist schon gesagt worden: Amtsenthebung, Ausschluss.

Es sei dazu noch vermerkt, dass Stammapostel Bischoff in der Waechterstimme Nr. 9 vom 1. Mai 1932 in dem Artikel "Steiget herauf" folgendes geschrieben hat: "Nun wollen wir aber nicht in den Fehler vieler gottesdiensttreibender Geister verfallen, uns damit zu beschaeftigen, wann diese Zeit sein wird. Obgleich der Herr Jesus laut Apostelgeschichte 1, 7 sagte: Es gebuehrt euch nicht, zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat, suchen dennoch viele in ihrer Vermessenheit, Tag und Stunde der Wiederkunft Christi festzulegen. Alle, die sich damit beschaeftigt haben, mussten bis jetzt eine schmaehliche Enttaeuschung erleben. Fuer die Kinder Gottes ist es nicht Hauptsache, zu wissen wann der Herr kommt, sondern viel wertvoller ist es, dass wir Christo angehoeren, wenn er kommen wird und dass wir zu denen zaehlen, welche die grosse Stimme vom Himmel hoeren duerfen: Steiget herauf."

Dazu wurde am 6. Januar 1955 dem Stammapostel geschrieben: "Ihre seinerzeitige Auffassung koennen wir Wort fuer Wort unterstreichen, sie entspricht vollkommen unserer biblisch begruendeten Glaubenserkenntnis..."

Es sei also festgestellt: Der Stammapostel Bischoff hat die biblische Lehre ueber die Wiederkunft Christi verlassen und unzaehlige Male gelehrt, Jesus kaeme noch zu seiner Lebzeit wieder und er werde nicht sterben.

Stammapostel Bischoff hat nicht nur die Apostel des Apostelbezirks Duesseldorf, sondern wie erwaehnt, noch weitere Apostel in Europa und Uebersee ihres Amtes enthoben und aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen, obwohl diese alle unwandelbar das Evangelium und die Lehre von der Wiederkunft Christi verkuendigt haben.

Ein Mann, der eine Botschaft, die sich als Irrlehre erwiesen hat, hat also Maenner, die bei ihrer Lehrverkuendigung bei der Wahrheit des Evangeliums geblieben sind, von sich gestossen. Das war seitens des Stammapostels Bischoff nie und nimmer im Sinne Christi.

In der urchristlichen Zeit ist so etwas nicht ein einziges Mal vorgekommen; denn kein Apostel hatte oder hat das Recht, einen Mitapostel seines Amtes zu entheben oder aus der Gemeinde Christi auszuschliessen. Auch Apostel Petrus hatte in bezug auf seine Mitapostel nur den Auftrag: "Staerke deine Brueder!" (Lk 22, 32). Selbst als Apostel Paulus dem Apostel Petrus einmal widerstand und ihn der Heuchelei bezichtigte (Gal 2, 11-14), hat Petrus keine Amtsenthebung des Paulus vorgenommen, noch vornehmen duerfen; vielmehr hat er sich von Paulus korrigieren lassen.

Als die Apostel Paulus und Barnabas auf der Apostelversammlung zu Jerusalem waren, weil sie beschuldigt waren, die aus den Heiden gekommenen Christen nicht der Beschneidung unterworfen zu haben und ueber diese Frage mit den Versammelten berieten, hat man sich sogar lange gestritten darueber, wie es recht sei. Dennoch hat auch da Petrus, der die Beschneidung unter den aus den Juden zu Christen Gewordenen noch immer vornahm, weder Paulus noch Barnabas ihres Amtes enthoben, sondern schliesslich hat sowohl Petrus wie auch Jakobus - des Herrn Bruder -, eine Bruecke zwischen den Vertretern der einen wie der andern Einstellung zu diesem Thema geschlagen. Keiner der die Beschneidung unter den Judenchristen nach wie vor vornehmenden Apostel hat auch nur angedeutet, Paulus und Barnabas muessten ihres Apostelamtes enthoben werden. In jener Apostelversammlung hat eben trotz unterschiedlicher Meinung ueber eine wichtige Glaubensfrage der Geist Christi gewaltet und wirkliche Bruderliebe zu einer Einigung gefuehrt (Apg 15,1-34).

Stammapostel Bischoff hat dagegen eine Anzahl Apostel, Bischoefe und Bezirksaelteste ihres Amtes enthoben und aus der Neuapostolischen Kirche ausgeschlossen, weil sie festgehalten haben an allem, was die heilige Schrift bezueglich der Wiederkunft und Zeit der Wiederkunft Christi lehrt, waehrend Stammapostel Bischoff selbst im Widerspruch zur Heiligen Schrift die "Botschaft" verkuendigte, er werde nicht sterben, Jesus kaeme noch zu seiner Lebzeit wieder.

Ein neuapostolischer Apostel sagte unlaengst, Stammapostel Walter Schmidt haette zu ihm gesagt, ein Apostel, der mit dem Stammapostel Bischoff nicht uebereinstimmte, haette sich eben in die Bank setzen, also freiwillig vom Amte zuruecktreten sollen. - Danach muesste also ein Apostel, auch wenn er rechte Evangeliumslehre vertritt, sein Apostelamt niederlegen. - Duerfte demnach ein Stammapostel willkuerlich gegen seine Mitapostel handeln, sogar wenn er selbst eine dem Evangelium widersprechende Botschaft (Lehre) verkuendigt?

Wie uebrigens die "Botschaft" des Stammapostels, er werde nicht sterben, Jesus kaeme noch zu seiner Lebenszeit wieder, zustande gekommen ist, das ist seinerseits niemals - nicht einmal im Apostelkreis - eindeutig gesagt oder geschrieben worden. Er hat des oeftern gesagt, dass er keine Veranlassung habe, darueber Naeheres mitzuteilen. Die vom Stammapostel Bischoff seit Weihnachten 1951 gepredigte und danach mit immer groesserem Fanatismus von ihm und solchen, die die "Botschaft" zum Hauptinhalt ihrer Predigten machten, ist auf die unterschiedlichste Weise ihrer Herkunft nach propagiert worden. Niemals hat Stammapostel Bischoff selbst offiziell erklaert, was diesbezueglich gewesen sein soll. Sehr oft hat er wohl gesagt oder geschrieben: "Der Herr hat mich wissen lassen, dass er zu meiner Lebzeit kommt"; aber wie Gott ihn solches wissen gelassen haben soll, das hat er nie geaeussert.

Dazu koennte vielleicht Nachstehendes etwas Aufschluss geben: In der Waechterstimme vom 1.11.1949 wurde unter der Ueberschrift " .. auf dass sie alle eins seien" unter mehr geschrieben: "Die in Nr.1 (vom 1.10.1949) erschienene Abhandlung "Der Schluessel des Himmelreichs" war gerade in der Redaktion fertiggestellt, als unser Stammapostel einen Brief erhielt, dessen Inhalt in gedraengter Kuerze die Leitgedanken der erwaehnten Abhandlung wiedergab. Den Wortlaut dieses Briefes lassen wir hier folgen." - Dieser Brief war von dem damaligen Apostel Walter Schmidt an den derzeitigen Stammapostel Bischoff geschrieben worden, und es heisst darin unter mehr: "Der himmlische Vater hat gewusst, wem er seinen Geist anvertrauen konnte. Er hat Vater Krebs den Anfang, Vater Niehaus den Fortgang und Ihnen die Vollendung seines Werkes anvertraut." Apostel Walter Schmidt hatte also bereits im September 1949 an Stammapostel Bischoff geschrieben, ihm sei die Vollendung des Werkes Gottes anvertraut.

Wenn Stammapostel Bischoff in nachfolgender Zeit oftmals sagte: "Der Herr hat mich wissen lassen, dass er zu meiner Lebzeit kommt", hat er dann etwa das von Apostel Walter Schmidt ihm Geschriebene als vom Herrn kommendes Wissen aufgefasst? Oder war das vielleicht fuer Stammapostel Bischoff eine goettliche Offenbarung?

Am 18.6.1950 erklaerte naemlich Stammapostel Bischoff den Aposteln E. und O. Guettinger und R. Schneider aus der Schweiz im Hotelzimmer zu Eindhoven in Holland, dass der Herr ihm eine Offenbarung gegeben habe, dass er nicht mehr sterben wurde.

Am 25.11.1950 war Apostel Kuhlen gemeinsam mit Apostel Dehmel beim Stammapostel. Bei ihrer Unterredung mit dem Stammapostel war auch der Bezirksaelteste Weine anwesend. Im Laufe des Gespraechs sagte der Stamm-apostel: "Ich habe vor einiger Zeit den Schweizer Aposteln gesagt, und das wiederhole ich auch euch gegenueber: Ich werde nicht sterben!"

An jenem Tage erklaerte Apostel Kuhlen seinen Ruecktritt vom Amte als Stammapostelhelfer und Nachfolger im Stammapostelamte, um damit eine drohende Spaltung in der Neuapostolischen Kirche abzuwenden. Als die beiden Apostel nach der Besprechung beim Stammapostel anschliessend mit dem Bezirksaeltesten Weine im Buero der Gemeinde auf der Sofienstrasse 48 ankamen, sagte der Hirte Weiler, der Stammapostel habe soeben telefonisch angerufen, er liesse dem Apostel Kuhlen bestellen, er sollte in sein Ruecktrittsschreiben einfuegen, er traete deshalb zurueck, weil er zu der Erkenntnis gekommen sei, dass der Stammapostel das Werk Gottes vollenden wurde. - Daraufhin hat Apostel Kuhlen gesagt: "Das tue ich nicht; denn das ist nicht meine Ueberzeugung!"

So hatte der Stammapostel also bereits am 18.6.1950 den Schweizer Aposteln mit aller Bestimmtheit gesagt, dass ihm eine goettliche Offenbarung geworden sei, wonach er nicht mehr sterben werde. Und gegenueber den Aposteln Kuhlen und Dehmel wiederholte er solches mit allem Nachdruck. Aber erst Weihnachten 1951 verkuendigte er dieses oeffentlich in einem Gottesdienst in Giessen. Spaeter jedoch hat es immer wieder geheissen, der Stammapostel habe die Botschaft, dass er nicht mehr sterben werde und Jesus noch zu seiner Lebenszeit wiederkaeme, unmittelbar nach deren Empfang durch den Herrn dem Volke Gottes mitgeteilt.

Da Stammapostel Bischoff am 6.7.1960 verstorben ist, so ist es ganz sicher, dass seine "Botschaft" nicht vom Herrn war, denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das haelt er gewiss (Lk 33, 4). Des Stammapostels "Botschaft" ist wahrscheinlich menschlichem Wunschdenken entsprungen und beruhte auf truegerischen Traeumen, Gesichten und Prophezeiungen, die irrefuehrendem Geist entsprungen waren.

Am 11. 7. 1954 sprach Stammapostel Bischoff in einem Gottesdienst zu Neumuenster: "Wer am Tag des Herrn nicht in der Arche steht, der steht eben noch draussen und muss die Folgen seines Tuns tragen. Es muss also der letzte Schritt getan werden. Und worin besteht der? Der Herr hat uns wissen lassen, dass er zu meiner Lebzeit kommt und somit auch zu eurer Lebzeit. Und wenn ihr diesen Glauben nicht aufbringt, wenn ihr diesen Schritt nicht macht, dann bleibt ihr draussen. Es gibt nun einmal keine andere Moeglichkeit als diese. Das ist die Pforte, durch die wir hindurchgehen muessen. So ist es vom Herrn bestimmt und von ihm angeordnet. Und wer diesen Schritt nicht wagen zu koennen glaubt, oder denkt, er koenne das nicht glauben, der muss, so hart es ist, eben mit den damit verbundenen Folgen rechnen."

Weil jedoch der Stammapostel Bischoff am 6.7. 1960 gestorben ist, ist es wohl jedem Wahrheitsliebenden klar geworden, dass die erwaehnte Stammapostelbotschaft, welche so viel Glaubenskampf hervorgerufen hat, keinesfalls von Gott war, sondern sich eindeutig als Irrtum, ja als Unwahrheit erwiesen hat.

Leider musste man feststellen, dass die leitenden Maenner der Neuapostolischen Kirche nach dem Tode des Stammapostels Bischoff nicht ehrlich vor Gott und den Gemeinden eingestanden, dass sie geirrt und Unwahrheit gepredigt haben. Nicht Eingestaendnis der Schuld, sondern Ausreden sollten ueber die grosse Enttaeuschung, die bei Unzaehligen durch des Stammapostels Tod hervorgerufen war, hinweghelfen. - In einem Schreiben, welches 27 neuapostolische Apostel unterschrieben haben und in den Gottesdiensten am 10. 7. 1960 vorlesen liessen, wurde behauptet, dass die Verheissung (die sich nicht erfuellt hat) dem Stammapostel vom Herrn gegeben worden sei, dass der Stammapostel sich nicht geirrt haben koennte, sondern dass Gott seinen Willen geaendert habe.

Es ist tief bedauerlich, dass man erwiesene Unwahrheit durch neue Unwahrheit beschoenigen wollte. Und es ist furchtbar, dass man die Verantwortung fuer das Geschehene gewissermassen Gott zuschieben wollte. Mit der Behauptung, Gott habe seinen Willen oder Plan geaendert, setzten sich die neuapostolischen Apostel in krassen Widerspruch zu dem, was sie in den vergangenen Jahren gepredigt hatten. Anstatt ihre Schuld zuzugeben, machten sie Gott dafuer verantwortlich, dass es nicht so gekommen war, wie sie gepredigt hatten.

Es empfiehlt sich, den "Herold" vom 15.8.1960, in dem ueber die Ereignisse "Zum Ableben des Stammapostels J~ G. Bischoff" ausfuehrlicher geschrieben ist, noch einmal nachzulesen. Uebrigens schrieb Apostel Walter Schmidt, der Erstunterzeichner des erwaehnten Schreibens, wonach Gott seinen Willen geaendert haben sollte, Jahre danach ("Unsere Familie" 1973, Seite 3), dass sich Gottes Wille in der Verwirklichung seines Heilsplanes niemals und nicht im geringsten geaendert hat. Ebenso schrieb Apostel Walter Schmidt spaeter: "In Jerusalem ist niemals die Kunde laut geworden, dass die Schriftgelehrten und Pharisaeer ihr Fehlurteil (ueber Jesus) ueberprueft und zugegeben haetten - Ihre Stellung unter dem Volk verbot es ihnen, zu bekennen, dass sie einem Irrtum zum Opfer gefallen waren" ("Amtsblatt" vom 15.3.1963).

Haben denn die neuapostolischen Apostel mittlerweile vor ihren Gemeinden eingestanden, einem Irrtum zum Opfer gefallen zu sein? Oder haben diese nicht aus aehnlichen Beweggruenden wie einst die Schriftgelehrten und Pharisaeer sich bisher nicht zur Wahrheit bekannt?

In unserem "Herold" vom Juni 1980 steht ein Artikel "Bekenntnis zur Wahrheit oder Beharren im Irrtum", der hierzu spricht.

 

Literatur unter anderem:
- Ereignisse in der NAK, die zur Gruendung der Apostolischen Gemeinde gefuehrt haben, 1960, mit den folgenden Einzelschriften:
- Brief der Apostel, Bischoefe und Bezirksaeltesten des Apostelbezirks Duesseldorf an den Stammapostel Bischoff vom 6. Januar 1955;
- In den Gemeinden des Apostelbezirks Duesseldorf am 16. Januar 1955 vorgelesenes Rundschreiben;
- "Si tacuisses" (Wenn du geschwiegen haettest);
- Schreiben an den Stammapostel vom 17Januar 1955;
- Einige Anmerkungen zum Rundschreiben des Stammaposteis vom 18. Januar 1955;
- Erinnerung an den 23. Januar1955;
- Denkschrift fuer die Mitglieder der Apostolischen Gemeinde und fuer deren Freunde;
- Nachdenkliches ueber die Botschaft des Stammapostels J. B. Bischoff: "Ich sterbe nicht, der Herr Jesus kommt zu meiner Lebzeit wieder";
- Was ist Wahrheit?
- Der gruenende, fruchtbringende Zweig.
- Manifest ueber die Zustaende und Tendenzen in der NAK, 1. August 1954.
- "Herold"-Serie Nr.7/9, 1970.

 

Soweit die "Erinnerungen".

Nun besitzen wir die neuapostolischen Schriften "Amtsblatt" vom 1. und vom 15. Oktober 1982 und "Waechterstimme" vom 15. Oktober 1982. Darin ruft Stammapostel Urwyler die Neuapostolischen auf, ihn in seinen Gebeten fuer uns "Irrende" zu unterstuetzen. "Mit grosser Freundlichkeit" sollen sie uns, die wir der Neuapostolischen Kirche damals den Ruecken gekehrt haetten, gruessen, den Weg zur Busse weisen und in die neuapostolischen Gottesdienste einladen, dabei aber nicht mehr ueber die Dinge reden, die laengst der Vergangenheit angehoerten und die begraben seien. Der Stammapostel bezeichnet uns unter anderem als "Verfuehrer" und "Verfuehrte", als solche, "die das Werk der Erloesung verlassen und eigene Wege eingeschlagen haben", er schreibt von "Geistern, die ihr Unwesen trieben und im vermeintlich Trueben zu fischen suchten". Die Ursache der Trennung, naemlich die sogenannte "Botschaft" Bischoffs, Jesus kaeme noch zu seiner Lebenszeit wieder, wird verschwiegen.

Seit einigen Jahren schon haben zwischen der Neuapostolischen Kirche und uns in groesseren Abstaenden schriftliche und muendliche Kontakte stattgefunden. Der Stammapostel hat von uns im Juni 1980 auch eine umfangreiche Dokumentation ueber alles, was geschehen war, erhalten. Etwas Positives ist aus den Kontakten bis jetzt allerdings nicht erwachsen, trotzdem waren wir immer dafuer, dass sie weiter gepflegt werden sollten, um wenn immer moeglich eine vor Gott wohlgefaellige Aufarbeitung der Vergangenheit zu erreichen. Die Information ueber die Kontakte erfolgte abmachungsgemaess in engem Rahmen.

Da wir nun aber vor der Tatsache stehen, dass uns auch der jetzt amtierende Stammapostel in bezug auf die Kirchentrennung oeffentlich einen Platz zuweist, den wir nie innehatten, sind wir gezwungen, ebenfalls aus der Reserve herauszutreten. Um der Wahrheit willen ist da Stillschweigen nicht am Platz. Wir wollen dem Stammapostel gute Absicht zu seiner Bekehrungs-Aktion nicht absprechen, dennoch staunen wir ueber die Qualifikationen, die er uns austeilt. Auch er will also nicht wahrhaben, was durch den Verlauf der Geschichte laengst erwiesen sein duerfte. Schade: Die "Eiszeit" bleibt.

Den Neuapostolischen wird empfohlen zu sagen, was gewesen sei, sei von ihnen laengst begraben worden. Begraben? Dann haette wohl zu dem Aufruf, fuer uns zu beten, wenigstens eine neutrale Schreibweise besser gepasst, als uns im gleichen Atemzug sogleich wieder auf die Anklagebank zu setzen. Uebrigens haben uns drei neuapostolische Apostel anlaesslich eines Gespraechs im Dezember 1978 gesagt, alle Apostel samt Amtsbruedern wuerden nach wie vor glauben, dass die "Botschaft" Bischoffs eine goettliche Offenbarung gewesen sei. Sie, die "Botschaft", meint Stammapostel Urwyler vermutlich, auch wenn er schreibt, manche Gemeinde, mancher Bezirk habe tiefgreifende Erschuetterungen durchlebt, weil "gottgegebene Verheissungen" von denen nicht beachtet worden seien, die die anvertrauten Seelen pflegen und zur Vollendung haetten fuehren sollen. Statt auf den Felsen im Stammapostel zu schauen, haetten sich Auserwaehlte des Herrn irrefuehren lassen. . . ("Amtsblatt" 15.10.82).

Was ist nun eigentlich begraben? Nichts, gar nichts, so lange wie die "Botschaft" - die sich nicht erfuellt hat und der obendrein ein tieftrauriges Umfeld nachgewiesen ist - nach wie vor als "Offenbarung Gottes" oder "gottgegebene Verheissung" bezeichnet wird. - Und so lange darf und wird auch unsere Stimme der Wahrheit nicht verstummen.

Oder ist das Nichterwaehnen der "Botschaft" resp. ihre nur schwache Antoenung im Bekehrungsaufruf des Stammapostels vielleicht ein Symptom dafuer, dass man die "Botschaft" doch gerne begraben wissen moechte, sie, von der einmal drohend verlangt wurde, dass sie Mittelpunkt der Verkuendigung sein muesse? Ein solch stilles Begraebnis waere allerdings fuer die, die den Verlauf der Geschichte kennen, offensichtlich weiter nichts als ein Verdraengen von in hoechstem Masse unbequemen und anklagenden Tatsachen, es sei denn,es wuerde manch anderes mit zu Grabe getragen - unter ehrlichem Leidsein vor Gott. - Selig sind, die da Leid tragen (Mt 5, 4)...

Welch ein Schatz ist doch ein wahrhaftiges Herz! Ein wahrhaftiges Herz ist kein fehlerfreies Herz, aber eines, das die Suende nicht verbirgt und den Tatbestand eines Mangels vor Gott eingesteht und zur Busse faehig ist.

Unser Echo auf die Bekehrungs-Aktion des Stammapostels Urwyler mag bei den Glaeubigen unserer Mutterkirche im Moment vielleicht verhallen. Vielleicht aber - Gott schenke es als Hilfe zur Bereitung auf das Wiederkommen seines Sohnes - kommen noch Verhaeltnisse, die sie veranlassen, doch noch nach der Wahrhaftigkeit der "Botschaft" Bischoffs, resp. nach den wahren Ursachen der Kirchentrennung zu fragen, gezwungen vielleicht auch noch durch das Draengen einer jungen Generation, die sich muendig genug fuehlt, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Es duerfte dann als ein wichtiger Pluspunkt bewertet werden, dass es in der Zeit grosser Wirren an Wahrheitszeugen nicht gefehlt hat. Schon manches Werk des Heiligen Geistes ist erst hinterher erkannt worden.

Die Apostel der Vereinigten Apostolischen Gemeinden

 

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