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Vorbemerkungen

zu Veränderungen des Original – Layouts:

1. Die Quellen, die in dem Buch als Kopien von Originalen eingefügt sind und in Sütterlinschrift stehen (Band I: S. 59 – 68; 262 – 264; uam.) wurden nicht gescannt, sondern abgeschrieben.

2. Im Original stehen auf vielen Blättern keine Seitenzahlen, die wurden hier ergänzt. Seitenzahlen stehen – wie im Original – jeweils oben auf der Seite.

3. In wenigen Fällen wurden ganz offensichtliche Rechtschreibfehler berichtigt.

4. Das Original scheint weitgehend mit der Schreibmaschine geschrieben zu sein, deshalb wurden einige Veränderungen (Kursivschrift, Schriftgröße) vorgenommen, um die Übersicht zu verbessern.

5. Auf dem Titelblatt ist das alte NAK–Emblem zu sehen, das hier aber aus technischen Gründen weggelassen wurde.

6. Urwyler und Knobloch unterschreiben natürlich "original", hier ist lediglich ihr Name wiedergegeben.

7. Der "Überweisungsschein" und die Abbildung der "Stiftshütte" sind auf dieser HP als gesonderte Bilddateien erhältlich. Die Stellen sind im fortlaufenden Text markiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Entschlafenenwesen

[NAK – Emblem]

HANS URWYLER

POSTFACH 197

CH - 8044 ZÜRICH

Zürich, 14. April 1986

Buch "Entschlafenen – Wesen I und III"

Anlässlich des Gottesdienstes für die Entschlafenen vom 4. November 1984 in Kiel (Apostelbezirk Hamburg) überreichte mir Bezirksapostel Knobloch das obengenannte Werk. Diese beiden Buchbände liess ich nun mit seinem Einverständnis fotokopieren und zu einem Band zusammenstellen. Jeder aktive Bezirksapostel erhält anlässlich der Bezirksapostel-Versammlung vom 14./ 15. April 1986 am Amtssitz des Stammapostels ein Exemplar als Arbeitsunterlage. Es bleibt Eigentum der Kirche und ginge somit an einen Nachfolger über.

Zur Vervollständigung lasse ich anschliessend den mir damals von Bezirksapostel Knobloch zugestellten Brief folgen, ebenfalls die gleichzeitig erstellte Liste über die Wirksamkeit der Stammapostel.

Ich möchte nicht unterlassen, dem Verfasser, unserem lieben Freund Günter Knobloch, für diese grosse und einmalige Arbeit herzlich zu danken, ebenso seinem Mitarbeiter, dem damaligen Bezirksevangelisten und heutigen Apostel Walter Drave. Möge sich dieselbe zum Segen auswirken.

H. Urwyler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Günter Knobloch Im Oktober/November 1986

Mein herzlich geliebter Stammapostel!

Sicherlich haben schon alle Apostel eine geschlossene Darstellung der Entwicklung des Entschlafenenwesens in unserer Kirche von Anbeginn bis heute schmerzlich vermißt. Ab und an habe ich Dir Material zu diesem Thema übersandt. Dann wurde einem erst recht bewußt, wie lückenhaft und unvollständig unser diesbezügliches Wissen war. Wohl kein Gebiet unseres Glaubens hat eine solch vielgestaltige Entwicklung zu verzeichnen wie das des Entschlafenenwesens. Dies nachzuzeichnen, war mein Bemühen. Ich hoffe, damit Dir gegenüber wie auch evtl. dem Apostelkreis gegenüber eine empfindliche Lücke geschlossen zu haben.

Ich habe mich weit überwiegend jeglichen Kommentars enthalten. Dies sollte nicht "mein Buch" werden, sondern mehr oder weniger eine Materialsammlung. Ich empfand die Verantwortung schwer auf meinen Schultern ruhend, denn aus der gewaltigen Fülle unseres Schriftgutes sollte schließlich nur das Wichtige zusammengefaßt werden. Meinen begleitenden Text wollest Du milde beurteilen, denn ich habe ihn mit dem Bleistift niedergeschrieben und konnte ihn aus Zeitgründen nur ein einziges Mal leicht überarbeiten. An der vorliegenden Reinschrift konnte kein einziger Buchstabe mehr geändert werden.

Sozusagen als allerletztes Wort in dieser Sache soll hier noch der nachstehende Gedanke niedergelegt sein:

1. Korinther 15, 29, geht von der Hilfe für ganz bestimmte Personen aus. So sahen dies auch Schwarz, Menkhoff und Krebs. Erst die praktische Durchführung in einem weltweit werdenden und ständig wachsenden Werk mit beginnender und ständig wachsender Mobilität der Mitglieder (schon allein die Auswanderung schuf Probleme der genauen Erfassung!) verursachten Schwierigkeiten, die bei Anwendung der anfänglich gehandhabten Normen nicht mehr zu bewältigen waren. Wie wollten wir wohl heute mit den praktischen Schwierigkeiten von Doppel-Versiegelungen Verstorbener zurechtkommen? Weil der Herr Jesus keine Vorschriften für die Arbeit an den Entschlafenen hinterlassen hat, wenigstens befinden sich solche nicht im Neuen Testament, sind die Apostel in ihrer Entscheidung frei, nach gangbaren Wegen der Hilfe zu suchen.

Folgende Lücken müssen noch geschlossen werden:

  1. Ab wann fanden Übertragungen von Entschlafenen-Gottesdiensten, gehalten durch die Stammapostel, statt? Meines Erachtens haben wir in Hamburg im Juli 1975 unter Stammapostel Streckeisen damit den Anfang gemacht.

  1. Ab wann wurde das Entschlafenen-Mahl jeden Sonntag durch die Bezirksapostel gereicht?

- 2 -

  1. Ab wann fanden die feststehenden und mit einem Textwort festgelegten sogenannten Vorbereitungsgottesdienste statt?

Lange Zeit fanden diese Gottesdienste am Mittwoch vor den Entschlafenen-Sonntagen statt. Hier kann nachgetragen werden, daß dieselben vorgegeben durch Artikel und Textwort im "Amtsblatt" ab 27. Juni 1982, am Sonntag zuvor gehalten werden sollen.

Lieber Stammapostel, wenn ich mich frage, warum ich mit der Erstellung der beigefügten Dokumentation eine nicht geringe Arbeitsleistung auf mich genommen habe, dann muß ich mir sagen, daß die eigentliche Triebfeder war, Dir Freude zu bereiten!

In herzlicher Liebe und Ehrerbietung,

Dein getreuer

Günter Knobloch

P.S. Es ist zu überlegen, ob dieses Werk für die Bezirksapostel zur Kenntnisnahme kopiert werden sollte.

D.O.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stammapostel

a)

b)

c)

d)

e)

f)

g)

h)

Krebs

Friedrich

30.7. 1832

Elend (Harz)

20.1. 1905

Braun-

schweig

27.5.1881

14

6.12.1895

20.1.1905

(10)

63 Jahre

-----------

72 Jahre

7

12

     

Niehaus

Hermann

28.7.1848

Steinhagen

23.8. 1932

Quelle

(Westfalen)

21.6.1896

8

21.1.1905

20.9.1930

(25)

56 Jahre

-----------

82 Jahre

14

15

     

Bischoff

Johann

Gottfried

2.1.1871

Unter-

mossau

6.7.1960

Karlsruhe

12.8.1906

24

21.9.1930

6.7.1960

(30)

59 Jahre

-----------

89 Jahre

17

30

     

Schmidt

Walter

21.12.1891

Neuemühle

28.2.1981

Dormund

29.9.1946

13

7.7.1960

15.2.1975

(15)

68 Jahre

------------

83 Jahre

47

60

609

33

523

Streckeisen

Ernst

19.10.1905

St. Gallen

8. 11. 1978 Kapstadt

8.6.1952

22

15.2.1975

8.11.1978

(3)

69 Jahre

-----------

73 Jahre

51

89

962

37

429

Urwyler

Hans

20.2.1925

Bern

1.1.1976

2.10 M.

18.11.1978

53 Jahre

64

116

1.316

187

1)

665

2)

1.557

1) bis 31.12.1980

2) bis 31.12.1985

a) geboren am in ; gestorben am in

b) Apostel seit; Aposteldienst ( = Jahre)

c) Amtszeit Stammapostel von bis ( = Jahre);

Alter bei Amtsantritt; Alter bei Tod

d) Anzahl der Apostel bei Amtsantritt

e) Anzahl der Länder bei Amtsantritt

f) Anzahl der Glieder bei Amtsantritt (in tausend)

g) Versiegelungen im 1. Amtsjahr (in tausend)

h) Versiegelungen in der ganzen Amtszeit (in tausend)

DAS

ENTSCHLAFENENWESEN

 

EINE DARSTELLUNG

DES GLAUBENS UND HANDELNS

IM WERKE DES HERRN

 

MIT EINER KURZEN BELEUCHTUNG DES GLAUBENS IN UNSERER MUTTERKIRCHE

SOWIE IN DEN GROSSEN CHRISTLICHEN RICHTUNGEN

3

H i n w e i s

 

 

Band 1

 

Teil I

ist verfaßt von Bezirksapostel Günter Knobloch, Hamburg.

 

Teil II

ist verfaßt von Bezirksevangelist Walter Drave,

Halstenbek bei Hamburg.

 

Das Material für Teil II wurde auch aus dem Archiv

des Apostelbezirks Hamburg zur Verfügung gestellt.

 

 

Band II -(Anhang)

ist verfaßt von Bezirksapostel Günter Knobloch.

4

Gemeinschaft der Lebenden und der Entschlafenen

0 selige Gemeinschaft eines Leibes,

Darin ein Glied am andern sich erquickt,

0 selig Ziel des Ihm verlobten Weibes,

Dem Lamme nachzugehen unverrückt!

 

Herr Jesu Christ, wir sind in Deinem Leben

In Dir, dem Haupte, ganz und völlig eins,

Du hast Dich selbst zu eigen uns gegeben,

Und jedes Glied ist ganz und völlig Deins.

 

Die Lebenden und die in Dir entschlafen

Hältst Du in Deiner starken Jesu-Hand,

Gemeinsam bringst Du uns zum Friedenshafen,

Zusammen in das ew'ge Heimatland.

 

Nicht einzeln sollen wir vor Dir erscheinen,

Nicht einzeln gehen in die Herrlichkeit,

Du willst Dir Deine Kirche völlig einen

Und gibst der Braut das volle Brautgeschmeid.

 

Sie steht im Schmuck der köstlichen Juwelen,

In weißer Seide makellos und rein,

Es wird ihr auch kein einzig Gliedlein fehlen,

Sei es gleich noch so schwach und zart und klein.

 

Dann in die Luft entrückt mit Adlersflügeln,

Entgegen Dir, Dir, ihrer Sehnsucht Ziel,

Steigt sie empor zu Zions heillgen Hügeln

mit Siegessang und hellem Saitenspiel.

 

Dann liegen Tod und Grab zu ihren Füßen,

Der Schmerz, das Leid, die Trennung sind vorbei,

Dein Lob, o Herr, wird von den Lippen fließen

Mit hellem, jubelndem Triumphgeschrei.

 

5

V o r w o r t

Wie ein unablässig fließender mächtiger Strom treibt seit Jahrtausenden das Menschengeschlecht den Gestaden der jenseitigen Welt zu, zergliedert in unzählige Völker, Rassen, Sprachen und Generationen. Jeder des jeweils überlebenden Geschlechts steht an dem Tor zur Ewigkeit. Täglich müssen viele Tausende hindurch. Diese alle legen ihr Handwerkszeug aus der Hand, lassen ihr Erdenkleid zurück. Keiner ist imstande, sein Leben zu verlängern, die meisten haben es auf mancherlei Weise verkürzt.

Diese alle stellen am anderen Ufer fest, daß sie wohl den Leib abgelegt haben - aber im übrigen dieselben geblieben sind. Wiederum die meisten stellen dies mit großem Schrecken fest. Ein Zurück gibt es für niemanden; nichts von allem, was man besser oder wiedergutmachen möchte, kann getan werden. In der Hülle des fleischlichen Leibes konnte manches Ungute des inneren Lebens verborgen gehalten werden: nun aber tritt das geistige Leben offen zutage. Das seelische Bewußtsein, die Geistesregungen sind voller Anklagen, entweder sind sie gegen sich selbst oder gegen andere gerichtet.

So verschieden wie die Völker, Rassen und Sprachen, so verschieden sind auch die religiösen Auffassungen, Lehren und Ansichten. Verschieden sind auch die Aufenthaltsorte im Jenseits.

Wir kennen die drei großen Gruppen der Christen, Juden und Heiden - mag darunter gerechnet werden, was man will - mit ihren unzähligen Untergruppen; ferner die "Guten und Bösen"; die versiegelten Treuen, die damals am Anfang und heute am Ende den Gesandten Jesu folgten; wir kennen auch die Gleichgültigen

6

und Abgefallenen, ja auch die Feinde des Werkes Gottes:

sie alle, alle kommen hinüber und finden den Platz, der ihrem Seelenbau gemäß ist.

Da findet sich dann "Sorte zu Sorte", wie Stammapostel Niehaus es einmal ausdrückte.

Die Schrift nennt uns einige Ewigkeitsbereiche:

das Paradies - den 3. Himmel - die "vielen Wohnungen" - die "äußerste Finsternis" - die untersten Örter der Erde -das Bereich derer, die zur Zeit Noahs nicht glaubten - Gottes Thron, die Herrlichkeit.

Die Zeit ohne Gesetz, die Zeit unter dem Gesetz, die Gnadenzeit: alle diese Zeiten haben viele Geschlechter gesehen, die nun drüben sind.

Eine relativ kleine Gruppe Entschlafener arbeitet an den Toten, damit ihnen trotz eines verfehlten Lebens geholfen werde. Es ist ja Gottes Wille, daß die von ihm geschaffene "Krone der Schöpfung" bei ihm sei ewiglich. Wie auf Erden die Arbeit der Gottesboten sich nur langsam über die ganze Erde erstreckte und selbst heute, nach 150 Jahre dauernder Missions-Arbeit, noch nicht alle Völker und Nationen erreicht sind, so geht auch drüben die Arbeit nur langsam voran, denn dort leben noch weit mehr Seelen als hier. Das 1000jährige Friedensreich ist von Gott vorgesehen, damit alle Menschen auf Erden und in der Ewigkeit mit dem Verdienst von Christus bekanntgemacht werden. Die auf eigener Willensentscheidung beruhende Annahme oder Ablehnung des Herrn wird ewiges Wohl oder Wehe bedeuten.

7

Aber jetzt kann noch vielen geholfen werden. Wie der liebe Gott durch seine Knechte, die Apostel Jesu, die Hilfe bewirkt und welch langer Weg zurückzulegen war, bis nach und nach, über viele Jahrzehnte hinweg, diese Hilfe in der uns heute geläufigen Form bewirkt wird, sollen die nachstehenden Zeilen zeigen. Es wird sich auch erweisen, daß die jeweiligen Stammapostel zu ihrer Zeit neuer Erkenntnis Bahn brachen und das Volk des Herrn immer höher hinauf führten auf Erkenntnishöhen.

8

E i n l e i t u n g

Zur Zeit der ersten Apostelsendung bestanden viele Religionssysteme. Von seiten der Juden betrachtet, waren alle anderen Religionen heidnisch und trieben Götzendienst. Die anderen religiontreibenden Geister betrachteten die Juden als eine Nation, die nur einen Weg unter vielen Wegen zu Gott ging ...

Die Griechen und Römer, Nachbarn der Juden, auch ihre Herren, waren den Juden teils feindlich, teils freundlich gesinnt. Den Aposteln und den ihnen folgenden Christen waren sowohl die Juden als auch die Heiden überwiegend feindlich gesonnen. Dies focht die Apostel und Geschwister der Urkirche nicht an; sie blieben alle gemeinsam in der Jesulehre, welche die Apostel rein und unverfälscht weitergaben. Dem Ansturm der Geister in Wort, Schrift und Verfolgung hielt die Urkirche stand, bis auf einige Abtrünnige.

Genau diese Lage besteht auch heute, wo Jesus als Vollender wirkt. Und wie damals, so geht es jetzt: trotz allen Widerstandes von seiten der vielen christlichen Gemeinschaften halten die Apostel am Evangelium von Christo fest, so wie es der Heilige Geist ihnen eingibt. Trotz Verleumdungen und Verdächtigungen, trotz aller Verdrehungen verkündigen sie die biblischen Wahrheiten, mögen diese auch andernorts längst verworfen und vergessen sein.

Eine Frage soll hier behandelt werden, nämlich die Frage, ob all die Millionen Seelen verstorbener Menschen rettungslos einem ewigen Geschick ausgeliefert sind, das oft jammernswert ist.

9

Schon eine aus der Vernunft geborene Betrachtungsweise läßt den denkenden Menschen sich sagen, daß es nie und nimmer das Ziel eines liebenden Gottes oder eines liebreichen himmlischen Vaters sein kann, alle Menschen, die sterben, einem unbarmherzigen ewigen Geschick auszuliefern, einem Dasein voller Qual und Selbstanklagen, aus dem es keine Rettung und Hilfe mehr gibt.

Die Heilige Schrift, Gottes Wort, sagt uns denn auch eindeutig, daß "alle Welt", alle Menschen, auch die gestorbenen, sollen selig werden. Das ist Gottes erklärter Wille. Durch die Aufnahme des Sohnes Gottes und seiner Apostel kann jeder Mensch seine ewige Seligkeit schaffen. Für alle, die zur Lebzeit nicht wollten oder keine Möglichkeit hatten, die Gesandten Jesu zu hören, hat der Schöpfer auch für die Ewigkeit Mittel und Wege zur Hilfe bereitgestellt. Werden die Angebote angenommen, so kann das ewige Los entscheidend verbessert werden.

Es ist nicht nötig, hier etwas darüber zu schreiben, was mit dem Erlöschen des Apostelamtes alles verlorengegangen oder als kümmerlicher, oft entstellter Rest christlicher Wahrheit verblieben ist. Der erschreckende Zustand der Christenheit ist offenbar und für jedermann zu sehen. Allerdings halten die großen und kleinen christlichen Kirchen mit Verbissenheit an den eingeschlichenen Irrtümern fest. Und der Neuapostolischen Kirche, dem Werke des Herrn, sagt man in gehässiger Weise nach, daß diese Kirche, indem sie doch nur den Willen Gottes und seines lieben Sohnes erfüllt, Spiritismus und Schlimmeres treibe. Eine geradezu klassische Antwort hierauf gibt die Schrift: "Die Wahrheit über die Neuapostolischen", Leipzig 1924. Auf den Seiten 22/23 heißt es.

10

"Einen besonderen Anstoß erregt es, daß die Sakramente der heiligen Taufe, des heiligen Mahles und der heiligen Versiegelung auch den Heimgegangenen zugute kommen sollen, und gerade wegen dieses Punktes wird über die Neuapostolisehen und besonders über die Apostel eine Fülle von Hohn, Spott, Schmähung und Beschimpfung ausgegossen, deren sich einer, der sich ein Jünger Jesu zu nennen vorgibt, schämen sollte. Oder gehört es auch zu der Gesinnung Jesu, die beißende Lauge des Spottes usw. über Dinge auszuspritzen, die andern als etwas Heiliges gelten? Aber trotz alledem läßt sich die Stelle in 1. Kor. 15,29, wo der Apostel von der Taufe zugunsten der Toten spricht (griech. hüper ton nekron, d.h. für die Toten oder auch zugunsten der Toten, wie jeder Sprachkenner weiß), nicht aus der Welt schaffen, und alle Auslegungskunststückchen ändern daran ebensowenig wie die armseligen Verhöhnungen, daß sich die Apostel der Neuapostolischen als Herren über Tod und Hölle fühlten und "die Seligmachung längst Verstorbener in Händen hätten". Es ist gut, daß der Herr nicht die Kritikaster über sein Werk zu fragen braucht, ob und wie weit er seine Gnade und seine Gnadengaben auch auf die Entschlafenen ausdehnen darf. Auf welche von diesen Heimgegangenen die Segnungen übergehen, ist allein des Herrn Sache. Daher ist es auch eine völlige Verdrehung, wie die Schmähschriften die Totenversiegelung darstellen. Ein jedes Mitglied der Neuapostolisehen Kirche kann es bezeugen, daß niemals der Person nach bestimmte Entschlafene versiegelt werden. Man kann für seine lieben Heimgegangenen fürbittend eintreten; aber das übrige liegt einzig und allein in des Herrn Hand. Wer nun über die unendlich gnadenreiche Handlung seinen Spott ausgießen kann, beweist damit, daß er dieselbe Gesinnung hat wie diejenigen, die über die geheimnisvolle Wirkung des heiligen Mahles oder über Gebetserhörung höhnen und verächtlich reden. Bei der Betrachtung der, wie sie sagen, "dunklen" Stelle des 1. Kor. 15,29 sollten sie, wenn sie auch nicht an die Wahrheit der Tatsache glauben wollen, doch eine heilige Scheu darüber empfinden, daß darin eine Gnadentat Gottes enthalten sein könnte, und das übrige sollten sie dem Herrn überlassen. Sie sollten doch nicht in die Weise derer verfallen, die, wenn sie nicht mit ihren Beweisgründen durchdringen können, die gegnerische Sache zu verhöhnen und durch allerlei "Witze" verächtlich zu machen suchen. Die Schrift sagt: "Bei den Reinen bist du rein, und bei den Verkehrten bist du verkehrt" (2. Sam. 22,27; Psalm 18,26,7) und in Offenb. 22,11: "Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein (jeder Spötter ist unrein); aber wer fromm ist, der sei immerhin fromm, und wer heilig ist, der sei immerhin heilig!"

11

Wir sehen also, daß die Apostel in der Vollendungszeit, ebenso wie jene am Anfang, unbeirrt von Hohn und Spott an Lebenden und Entschlafenen arbeiten und ihnen die Segenshandlungen zukommen lassen, wonach ein Verlangen besteht und wozu Gottes Gnade die Möglichkeit schenkt.

In der Neuapostolischen Kirche brach sich vom Jahre 1872 an die Erkenntnis Bahn, auch den Entschlafenen zunächst den ohne Sakramente Verstorbenen, nämlich Kindern von Eltern, die Glieder der Gemeinde waren später auch den anderen die Sakramente sozusagen nachträglich bzw. ganz unabhängig von den näheren Umständen des Todes des einzelnen die Bundeshandlungen zugängig zu machen, um so den Willen Gottes und seines Sohnes zu erfüllen.

Nur unter der Führung des Heiligen Geistes konnte sich diese Erkenntnis über viele Stufen hinweg Bahn brechen. Wir werden das innerhalb der folgenden Kapitel sehen und danach auch lesen, welche Anschauungen über dieses Thema in den großen christlichen Richtungen vorherrschen.

12

I N H A L T S Ü B E R S I C H T

Seite

B a n d 1

Hinweis 3

Gedicht 4

Vorwort 5

Einleitung 8

Teil I

DIE NEUAPOSTOLISCHE KIRCHE

Kapitel I: Die Lehre 24

Kapitel II: Einzelne Lehrbegriffe 151

Kapitel III: Die Handlungen der Apostel 167

Kapitel IV: Die Ordnungen für die Gemeinden 189

Kapitel V: Allgemeines 200

Kapitel VI: Zusammenfassung 214

Teil II

BELEUCHTUNG DES GLAUBENS IN DEN GROSSEN CHRISTLICHEN RICHTUNGEN UND IN DEN KATHOLISCH-APOSTOLISCHEN GEMEINDEN

Kapitel VII: Urchristliche Zeit 223

Kapitel VIII: Frühchristliche Zeit 227

Kapitel IX: Die Lehre der Kirchenväter 231

Kapitel X: Die orthodoxe Kirche 234

Kapitel XI: Die katholische Kirche 238

Kapitel XII: Luther und die evangelische Kirche 243

Kapitel XIII Die reformierte Kirche 251

13

Seite

Kapitel XIV: Die anglikanische Kirche 255

Kapitel XV: Die katholisch-apostolischen Gemeinden 258

Anmerkungen 286

Anlagen 292

Nachwort 304

B a n d 2

Teil 1 "Perlen und Edelsteine oder

Altes und Neues aus dem Schatze

der Erkenntnis unserer Stammapostel"

1. Stammapostel Johann Gottfried Bischoff 5

2. Stammapostel Walter Schmidt 9

3. Stammapostel Ernst Streckeisen 53

4. Stammapostel Hans Urwyler 75

Teil II: "Sammlung wichtiger Textauszüge

aus ungezeichneten Artikeln,

erschienen im periodischen Schrifttum

der Neuapostolischen Kirche" 100

Teil III: Schriftstellen, die unser Handeln

rechtfertigen 122

Teil IV: Lieder

Texte aus dem Gesangbuch

und aus Chorliedersammlungen 140

1. Liedertexte aus dem

"Neuapostolischen Gesangbuch" 142

2. Liedertexte aus der

"Liedersammlung für die Chöre 183

der Neuapostolischen Kirche"

3. Liedtext aus der

"Liedersammlung für die Männerchöre 192

der Neuapostolischen Kirche"

4. Liedtext aus dem

"Jugendliederbuch" 194

14

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Seite

B a n d I

Hinweis 3

Gedicht 4

Vorwort 5

Einleitung 8

Teil I

DIE NEUAPOSTOLISCHE KIRCHE

Kapitel I: Die Lehre 23

Abschnitt I: Vorbemerkung 24

Auszug aus der Schrift F. Lindes

"Das Leben nach dem Tode"

mit Untertiteln 25

Die Lehre der Schrift über das

Leben nach dem Tode 25

Das Neue Testament 28

Das Weiterleben der Seele

nach dem Tode 29

Die Herrlichkeit -

und "viele Wohnungen" 29

Mose und Elia auf dem

Berg der Verklärung 30

In welchem Zustande befinden sich

die Abgeschiedenen? 31

Die Heilige Schrift gibt nicht viel Licht 31

Wie der Mensch hier war,

wird er dort sein 31

Der Zustand der Gottlosen - ihre Qualen 32

Verschiedene Stufen der Bosheit -

verschiedene Stufen der Finsternis 33

15

Seite

Das Paradies - ein Lichtesbereich

mit vielen Wohnungen

Die Christen der Urkirche 33

Kommen alle Versiegelten an den Ort

des Lichtes? 34

Entscheidend ist der

geistlich-seelische Zustand 35

Orte der Läuterung

eine Art Strafleiden 36

Die Anteilnahme der Entschlafenen

am Fortgang des Ratschlusses Gottes 36

Kann den Entschlafenen

noch geholfen werden? 37

Sollen nur wenige errettet werden? 37

Sollen alle Heiden unerlöst bleiben? 37

Was ist mit denen, die falschen

Lehrern folgten? 37

Und die Millionen

verweltlichter Kirchenchristen? 38

Was wird aus all den Genannten? 38

Was sagt die Bibel zu unserer Lehre? 38

Die Urkirche betete am Sonntag

für die Entschlafenen 39

Totentaufe nach 1. Korinther 15,29 39

Die Geistestaufe und das Mahl

wurden auch gespendet 39

Schon im alten Bund suchte man,

den Entschlafenen eine Hilfe zu sein 40

Allen soll Hilfe angeboten werden! 40

Wie kann den Unerlösten geholfen

werden? 41

Die Gnadenstätte ist auf Erden! 41

Die Segnungen in der Wassertaufe,

Geistestaufe und dem Abendmahl

werden von der Gnadenstätte auf

Erden gespendet! 42

Welche Arbeiten leisten die

Friedensboten? 42

Ist die Arbeit der Friedensboten

im Jenseits leichter? 43

16

Seite

Die unerlösten Kinderscharen

genießen eine besondere Fürsorge! 44

Was geschieht, wenn die Arbeit

der Friedensboten erfolgreich war? 44

Voraussetzungen für eine wirksame

Hilfe von seiten der Lebenden 45

Freude im Himmel über erfolgreiche

Arbeit 45

Enge Verbindung von Jenseits und

Diesseits durch die Gnadenstätte

auf Erden 46

Zusammenfassung 46

Abschnitt 2: Die Lehre im Werke des Herrn -

ihre Entwicklung ab 1872 48

a) Der Stand der Dinge 1863 48

b) Das Jahr 1872 52

c) Die Lehre des Apostels Schwarz in dem

im Jahre 1872 in niederländisch er-

schienenen zweibändigen Werk

"Das Buch für unsere Zeit" 58

d) Die Lehre, dargestellt an Hand

zahlreicher Dokumente aus der Zeit

von 1874 - 1950 69

1874 69

1891 73

1896 76

1898 77

1900 93

1901 95

1903 96

1904 98

1907/08 99

1909 100

1911 103

1912 104

1913 105

1915 109

1925 116

17

Seite

1927 118

1929 121

1930 122

1932 123

1946 126

1950 128

1950 bis heute 131

Lehrbuch über Fragen und Antworten 136

(1916)

Fragen und Antworten über den

neuapostolischen Glauben (1971) 141

Richtlinien für die Amtsträger, 1963 149

Kapitel II: Einzelne Lehrbegriffe 151

Abschnitt 1: Unsterblichkeit der Seele 152

Abschnitt 2: Zustand der Seelen nach dem Tode 153

Abschnitt 3: Der Gnadenstuhl ist auf Erden aufgerichtet

Auf der Erde wurde gesündigt - hier hat

Christus das Opfer gebracht - von hier aus

wird Sünde vergeben 154

Abschnitt 4: Die Arbeit der Apostel in der Ewigkeit 155

Abschnitt 5: Die Kirche Christi:

e i n Leib und e i n Geist!

Deshalb: für den e i n e n Leib

e i n e göttliche Ordnung und

Bedienung mit e i n e r Speise 158

Abschnitt 6: Entschlafenen-Mahl 160

Abschnitt 7: Toten-Versiegelung 164

Kapitel III: Die Handlungen der Apostel 167

Abschnitt 1: Totentaufe - Totenversiegelung -

Totenabendmahl 168

Abschnitt 2: Die Schlüsselgewalt und der Engeldienst 181

Abschnitt 3: Die Amtskrippe 1 88

18

Seite

Kapitel IV: Die Ordnungen für die Gemeinden 189

Abschnitt 1: Totensonntag 190

Abschnitt 2: Die Vorbereitung der Gemeinden

auf die Entschlafenen-Sonntage 196

Abschnitt 3: Die Ordnung der Entschlafenen -

Gottesdienste in den Gemeinden 197

Abschnitt 4: Richtlinien für die Amtsträger, 1963 199

Kapitel V: Allgemeines

Abschnitt 1: Auszüge aus den Protokollen der

Apostel-Versammlungen 201

Abschnitt 2: Freitod 203

Abschnitt 3: Das sogenannte "Ziehen" der Heim-

gegangenen und die Bitten oder

Gebete der Heimgegangenen 206

Abschnitt 4: Sonstiges 208

a) Überweisungs-Schein 209

b) Kann/soll ein besonderes Geldopfer

zum Entschlafenendienst gebracht

werden? 210

c) Auszug aus dem "Leitfaden für den

Religionsunterricht 1", 1977, betr.

Symbolgehalte der Stiftshütte für

das Werk Gottes 210

d) Auszug aus "Leitfaden" 212

e) Aus einer Belehrung, die in der

Schweiz erschienen ist 212

Kapitel VI: Zusammenfassung 214

mit Auszug aus "Amtsblatt" 1949

und Auszug aus "Einsichten und

Erfahrungen" v. F. Bischoff

19

Seite

Teil II

BELEUCHTUNG DES GLAUBENS IN DEN GROSSEN CHRISTLICHEN RICHTUNGEN UND IN DEN KATHOLISCH-APOSTOLISCHEN GEMEINDEN

Kapitel VII: Urchristliche Zeit 223

Kapitel VIII: Frühchristliche Zeit 227

Kapitel IX: Die Lehre der Kirchenväter 231

Kapitel X: Die orthodoxe Kirche 234

Kapitel XI: Die katholische Kirche 238

Kapitel XII: Luther und die evangelische Kirche 243

Kapitel XIII: Die reformierte Kirche 251

Kapitel XIV: Die anglikanische Kirche 255

Kapitel XV: Die katholisch-apostolischen Gemeinden 258

Anmerkungen 286

ANLAGEN:

1. Augustinus, Handbüchlein 29, 109-110 292

2. Der Orthodoxe Gottesdienst, Liturgie 293

3. Katholischer Volkskatechismus 294

4. Luthers Glaubensbekenntnis 1528/1529 300

5. Die Schmalkaldischen Artikel Luthers, 1537 301

6. Melanchthon, Apologie der Konfession, 1531 302

7. Neues Testament und Psalter in der Sprache Luthers 303

Nachwort S. 304

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Seite

B a n d 2

Teil I: "Perlen und Edelsteine oder

Altes und Neues aus dem Schatze

der Erkenntnis unserer Stammapostel"

1. Stammapostel Johann Gottfried Bischoff 5

2. Stammapostel Walter Schmidt 9

3. Stammapostel Ernst Streckeisen 53

4. Stammapostel Hans Urwyler 75

Teil II: "Sammlung wichtiger Textauszüge

aus ungezeichneten Artikeln,

erschienen im periodischen Schrifttum

der Neuapostolischen Kirche" 100

Teil III: Schriftstellen, die unser Handeln

rechtfertigen 122

Teil IV: Lieder

Texte aus dem Gesangbuch

und aus Chorliedersammlungen 140

1. Liedertexte aus dem

"Neuapostolischen Gesangbuch" 142

2. Liedertexte aus der

"Liedersammlung für die Chöre

der Neuapostolischen Kirche" 183

3. Liedtext aus der

"Liedersammlung für die Männerchöre

der Neuapostolischen Kirche" 192

4. Liedtext aus dem

"Jugendliederbuch" 194

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BAND I

 

TEIL I

22

TEIL I

DIE NEUAPOSTOLISCHE KIRCHE

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Kapitel I

 

Die Lehre

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1 Vorbemerkung

Nachstehend wird das Ergebnis eines 60jährigen Denkprozesses unter Leitung und Inspiration des Geistes Gottes wiedergegeben. Es ist eine Zusammenfassung aus dem Büchlein "Das Leben nach dem Tode" von Friedrich Linde, früher Gemeindeältester, 1931. Die Schrift ist im Auftrag des damaligen Stammapostels J.G. Bischoff erschienen, nachdem schon Stammapostel Niehaus ähnliche Gedanken hatte. Es enthält die Lehre unserer Kirche, wobei berücksichtigt werden muß, daß Linde nur für die Glieder der Kirche schrieb, gleichwohl das Buch aber Außenstehenden ausgehändigt werden durfte. Deshalb fehlen nähere Angaben über die Handlungen als solche vollständig, auch ist keinerlei Überblick über die Entstehungsgeschichte des Entschlafenen-Wesens im Werke Gottes gegeben!

Hier folgt also nun der Stand der Lehre in unserer Kirche bis zum Jahre 1931; es hat seitdem weitere Offenbarungen des Geistes Gottes gegeben, ein größeres Erkenntnislicht ist den Stammaposteln zuteil geworden, worüber ebenfalls berichtet, wie auch das Werden bis zum Jahre 1931 beleuchtet wird. Die Überschriften für die einzelnen Abschnitte stammen vom Verfasser dieser Schrift. Sie sollen das Zurechtfinden erleichtern.

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DIE LEHRE DER SCHRIFT ÜBER DAS LEBEN

NACH DEM TODE

DAS ALTE TESTAMENT

Es ist gut, wenn wir zuvor unsere Leser darauf hinweisen, daß die Bibel, vor allem das Alte Testament, nicht Aufschluß Über das Leben nach dem Tode geben will. Sie will uns in erster Linie den Ratschluß Gottes über die Erlösung der Menschen und die Errichtung und Vollendung seines Reiches auf Erden darlegen. Die Frommen des alten Bundes warteten daher, wie es Jakob ausdrückt, auf das zukünftige Heil im Messias (1. Mose 49, 18). Ihre Anschauungen über das Leben nach dem Tode konnten somit keine so freudigen sein wie diejenigen derer, die das Heil in Christus kennengelernt und erfahren haben. Sie hatten indes die Gewißheit, daß die Seele weiterlebe und zwar in einem für sie bestimmten Reich der Toten (hebräisch: Scheol, griechisch: Hades; Luther Übersetzt ganz unrichtig "Hölle", zuweilen auch "Grube" , z. B. 1. Mose 37, 35 u. a. ). Gott selbst gab ihnen die Zusage, daß sie weiterleben sollten, wenn er z. B. dem Abraham verheißt: "Du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden" (1. Mose 15, 15) und zu Mose sagt: "Du sollst dich sammeln zu deinem Volk, wie dein Bruder Aaron versammelt ist" (4. Mose 27, 13).

Das Totenreich, den Scheol, stellte man sich vor als einen düstern Ort, ein Land der Finsternis in der Tiefe (Hiob 10, 21; Jes. 14, 15), wo alle Toten ohne Unterschied sich versammeln müssen (Hiob 3, 19). Den Zustand der Seelen dachte man sich als ein Halbleben, das aller Freuden beraubt war, in einem Land der Stille, da man nichts gedenkt (Psalm 94, 17; 115, 17; 88, 13), wo selbst die Gläubigen nicht mehr Gott Lob und Dank darbringen (Psalm 6, 6) und seiner nicht gedenken. Wie dies David sagt, so meint auch der fromme Hiskia (Jes. 38, 18. 19): "Nicht das Totenreich preist dich, und nicht der Tod verkündet dein Lob, nicht die in die Grube Hinabgefahrenen hoffen auf deine Treue, sondern der Lebendige, der preist dich wie ich heute" (wörtl. Übersetzung). Und klingt es nicht traurig und trostlos, wenn es in Psalm 88, 11-13 nach wörtlicher Übersetzung heißt: "Kannst an den Toten du Wunder tun, oder stehen die Schatten (die Verstorbenen) auf, dich zu preisen? Wird man im Grab von deiner Gnade erzählen, von deiner

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Treue am Ort der Verwesung? Verkündet man deine Wundermacht am Ort der Finsternis und deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens?" Fast noch düsterer ist es, wenn Hiob von dem Zustand der Verstorbenen redet, die im Land der Finsternis und des Todesschattens wohnen, im Land, das düster ist wie tiefe Nacht, wo der Mittag so hell ist wie Finsternis (Hiob 10, 21- 22).

Diese Vorstellungen vom Scheol mußten schwer auf den Gemütern der alttestamentlichen Frommen lasten, und daher redet der Apostel in Hebr. 2.15 mit Recht von ihnen als solchen, die durch Furcht vor dem Tode ihr ganzes Leben Knechte sein mußten, also aller Freiheit und Freude beraubt waren. Diese Vorstellungen waren ganz der Wahrheit entsprechend. Der Tod ist der Sold, d. i. die Strafe für die Sünde. Er ist als geistlicher Tod auch Trennung von Gott, der als der Gerechte die Sünde strafen muß. Solange die Versöhnung durch den Opfertod Christi nicht geschehen war, mußten die Seelen selbst der alttestamentlichen Frommen unter der Trennung von der beseligenden Gnadenerweisung bleiben. Es konnte sie also kein Reich des Lichtes erwarten, weil erst durch Jesus Christus Licht auch ins Totenreich eindringen konnte, als er nach seinem Versöhnungstod "den Geistern im Gefängnis" (1. Petr. 3, 19), nämlich den Bewohnern des Totenreichs die frohe Botschaft des Heils predigte.

In das Dunkel des Totenreichs, in dieses schattenhafte, aller Erdengüter und alles Himmelstrostes entbehrende Dasein im Scheol fiel indes doch zuweilen noch ein Hoffnungsstrahl. Als Hiob in tiefem Schmerz darüber klagte, daß er auf Erden und im Himmel keinen Zeugen und Verteidiger seines Rechtes fände, da ringt er sich zum Glauben durch, es werde ihm Gott nach seinem Tode Recht schaffen und der Rächer seiner Unschuld sein, so daß er selbst es mit eigenen Augen sehen werde. - Auch in einigen Stellen der Psalmen und der Propheten dringt die Hoffnung auf die Erlösung aus dem finstern Bereich des Scheols durch. So heißt es in Psalm 49, 16: "Gott wird meine Seele erlösen aus des Totenreichs Gewalt; denn er nimmt mich an. " Und wie den Propheten der Blick auf das Kommen des Messias immer mehr eröffnet wurde, so wurde es ihnen auch gewiß, daß dieser Erlöser nicht nur für die Lebenden kommen werde. Wenn da der Prophet Jesaja fragt (in wörtl. Übersetzung): "Werden wohl deine Toten wieder aufleben? Auch mein Leichnam?" kann er jubelnd antworten: Ja. sie werden auferstehen! Wachet und jubelt, die ihr im Staube ruht! Denn ein Tau der

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Himmelslichter ist dein Tau, und die Erde wird die Schatten (d. i. die Toten) wieder ans Tageslicht bringen" (Jes. 26, 19). Mit aller Gewißheit verkündet sodann Daniel (12,2): "Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, etliche zu ewigem Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande (wörtl. Abscheu).

Diese Hoffnung blieb bei dem sehr gedrückten Volke lebendig, besonders in den hoffnungslosen Zeiten der Verfolgung unter der Herrschaft des grausamen Antiochus Epiphanes, wie 2. Makk. 7, 9. 14. 23. 36 beweist. Eine Mutter und ihre sieben Söhne sollten ihrem Glauben absagen und Schweinefleisch essen. Als sie das zu tun sich weigerten, wurden sie grausam gemartert. Aber sie hielten standhaft die Martern aus und handelten nicht gegen Gottes Gebot. Im Angesicht des Martertodes legten sie ein Bekenntnis ab, das ihren festen Glauben an eine Auferstehung beweist, wenn sie sagen: "Du verruchter Mensch, du nimmst uns wohl das zeitliche Leben; aber der Herr aller Welt wird uns, die wir um seines Gesetzes willen sterben.. auferwecken zu seinem ewigen Leben. Das ist ein großer Trost, daß wir hoffen, wenn uns die Menschen erwürgen, daß uns Gott wieder auferwecken wird. "Mit diesem felsenfesten Auferstehungsglauben gingen sie in den Tod, und es ist gewiß anzu nehmen, daß dieser Glaube in jenen schweren Zeiten allgemein wurde.

Wir erkennen also deutlich, wie das Licht der Offenbarungen Gottes über den Zustand der Abgeschiedenen immer heller wird. Und es ist anzunehmen, daß auch von Zeit zu Zeit ein Lichtstrahl in jene düstere Welt der Toten des Scheols eingedrungen ist. Abgeschieden vom Licht des Diesseits und abgeschieden von der Gegenwart Gottes, mußte es für sie etwas Großes bedeuten, wenn das Licht der Propheten eine Hoffnung auf jenen großen Tag erweckte, wo der Fürst des Lebens und das Licht der Welt einmal die Tore des Totenreichs erbrechen werde, um das Gefängnis gefangen zu führen und den Gefangenen zu verkündigen, daß eine ewige Erlösung erwirkt sei. Es ist gewiß, daß die Tatsache der Entrückung des Henoch (1. Mose 5,24) und des Elia (2. Kön. 2, 11) ihre Strahlen in den Scheol geworfen haben und vor allem die Tatsache, daß Mose und Elia nach ihrer Rückkehr vom Berg der Verklärung die Hoffnung vieler im Totenreich auf das höchste steigern mußte. Es wird wohl immer so sein, daß ein Teil des Lichtes der Offenbarung, das Gott seinem Volke auf Erden scheinen läßt, auch in die Tiefen des Totenreichs hineinfällt.

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DAS NEUE TESTAMENT

Auf die bisherigen Offenbarungen über das Totenreich mußte natürlich ein ganz heller Schein fallen, als der erschien, von dem Johannes sagte: "Das Licht scheinet in die Finsternis" (Joh. 1, 5) und: "Es war das wahrhaftige Licht" (Vers 9), Jesus Christus, der sich selbst das Licht der Welt nennt (Joh. 8, 12). Es ist schon gesagt worden, daß sich die Juden entsprechend der bisherigen Offenbarung das Totenreich (den Scheol) geteilt dachten, und zwar als einen Ort, an dem den Frommen nach ihrem Wandel Vergeltung widerfährt, und als einen Ort der Qual für die Gottlosen. Der Herr Jesus hat die Richtigkeit dieses Glaubens in dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus bestätigt (Luk. 16, 19- 31). Da sagt der Herr (nach wörtlicher Übersetzung) in Vers 23: "Und im Hades (Luther Übersetzt unrichtig "Hölle"), dem Totenreich, als er seine Augen aufhob, da er in Qualen war, sah er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoße." Der Herr unterscheidet also ganz deutlich den Hades (das Totenreich) und darin, durch die Wortstellung und den Satzbau unterschieden, den Ort der Qualen. Daneben erwähnt er den Ort, an dem Lazarus getröstet wird, nämlich Abrahams Schoß. Im Totenreich befanden sich also beide, der Reiche und Lazarus. Nur war der Reiche "in Qualen" und Lazarus in "Abrahams Schoß". Unter letzterem verstanden die Juden der damaligen Zeit den Aufenthalt in der nächsten Nähe des seligen Stammvaters. Der Herr bestätigt gleichsam diese Ansicht, wenn er in Matth. 8, 11 und Luk. 13, 28. 29 denen., die an ihn glauben, verheißt, daß sie mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tische sitzen, d. h. in innigster Gemeinschaft mit ihnen alle Seligkeiten genießen werden.

Den Ort der Glückseligkeit im Totenreich nennt der Herr in seinem Wort an den Schächer am Kreuz (Luk. 23, 43) das Paradies. Dahin wurde auch Paulus im Gesicht entrückt (2. Kor. 12, 4) und hörte unaussprechliche Worte oder in genauer Übersetzung: "geheimnisvolle Dinge, die dem Menschen nicht zustehen zu sagen". Der Zustand der dort weilenden Seligen ist demnach ein derartiger, daß menschliche Worte ihn nicht beschreiben können" den auch menschliche Erkenntnis nicht begreifen kann.

Die Geister indes, die nicht hinweggeführt werden konnten, blieben in dem andern Ort des Hades, dem Ort der Qualen oder, wie der Herr diesen Ort in Matth. 5, 22. 29. 30; 10, 28; 18, 9; 23, 15. 33; Mark. 9, 43. 45. 47 bezeich-

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net, in der Gehenna des Feuers, wo also die Feuerqualen des Gewissens nicht aufhören nach Jesu Wort: "Wo ihr Wurm nicht stirbt, und ihr Feuer nicht verlöscht" (Mark. 9, 44 nach Jes. 66, 24). Es ist dies der Ort der Finsternis, die draußen (oder außerhalb) ist (Luther übersetzt unrichtig "äußerste Finsternis"), wo sein wird lautes Klagen und Zähneknirschen, oder der Kerker, aus dem man nicht herauskommt, bevor der letzte Heller bezahlt ist (Matth. 5, 25. 26).

Neben dem Totenreich mit seinen zwei Teilen kennt die Schrift noch die eigentliche Hölle, nach dem griechischen Urtext: den Tartaros, der als ein großer Abgrund und als Aufenthaltsort der Teufel gedacht ist. Nach der zweiten Auferstehung und dem Endgericht werden dahin auch die Verdammten geführt werden, nachdem schon der Satan und der Antichrist vor Beginn des Tausendjährigen Reiches dort werden verschlossen sein.

DAS WEITERLEBEN DER SEELE NACH DEM TODE

Zahlreich sind die einzelnenAussprüche Jesu, die auf das Weiterleben der Seele nach dem Tode des Leibes hinweisen. "Fürchtet euch nicht," sagt er nach Matth. 10, 28, "vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht vermögen zu töten! Fürchtet euch vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Gehenna. "Daraus geht klar hervor, daß die Seele auch dann, wenn Menschen den Leib töten, noch weiterleben wird. Nach Joh. 6, 39. 40 und 44 spricht der Herr von denen, die ihm der Vater gegeben hat und die an ihn glauben, daß sie ewiges Leben haben und daß er sie am letzten Tage auferwecken werde. Und nach Vers 58 sollen die, die das Brot, vom Himmel gekommen, d. i. Jesus im heiligen Mahl genießen, in Ewigkeit leben.

Wunderbares eröffnet das Wort Jesu an Martha in Joh.11,25, wenn er sagt: "Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben."

DIE HERRLICHKEIT - UND "VIELE WOHNUNGEN"

Für die Seinen, d. i. für die erwählten Erstlinge, die durch das Wort der Apostel an ihn glauben, bittet der Herr, daß sie bei ihm sein dürfen, um seine Herrlichkeit zu schauen (Joh. 17, 24) und daran teilzuhaben.

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Außer dieser Stätte der Herrlichkeit redet der Herr noch von vielen anderen Wohnungen (Joh. 14,2), die für die bestimmt sind, die nicht zu den Erstlingen, den klugen Jungfrauen, gehören, aber doch im Glauben an Jesus gestorben sind.

MOSE UND ELIA AUF DEM BERG DER VERKLÄRUNG

Als Zeugen aus einer andern Welt treten sodann auf dem Berg der Verklärung Mose und Elia auf, die von den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes gesehen wurden und mit dem Herrn über den Ausgang redeten, den er auf Erden nehmen sollte, und über sein Werk, das die wahre Erlösung in der Uberwindung des ewigen Todes bringen sollte.

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IN WELCHEM ZUSTANDE BEFINDEN SICH

DIE ABGESCHIEDENEN ?

Das ist eine Frage, die Tausende und aber Tausende stellen und richtig beantwortet haben möchten. Wer möchte auch nicht wissen, wie es einem Entschlafenen, den man liebgehabt hat, oder der uns gehaßt hat, nach seinem Tode ergehen möge? Ins Grab, "das Vorgebirge, vor dem sich das Meer der Unendlichkeit ausdehnt," sieht man einen nach dem andern sinken. Wer kann sagen, wie viele Menschen seit Anfang den Weg ins Reich der Toten haben gehen müssen? Und keiner von all diesen vielen Millionen hat aus eigenem Vermögen in das diesseitige Leben zurückkehren können, um uns ganz genaue und ausführliche Kunde davon zu geben, wie es drüben aussieht und in welchem Zustande sich die einzelnen Abgeschiedenen befinden.

DIE HEILIGE SCHRIFT GIBT NICHT VIEL LICHT

Die Heilige Schrift läßt uns nur recht wenig in die Welt des Jenseits sehen, und wenn sie einmal leise den Vorhang hebt, so können wir nicht allzuviel sehen. Sie ist uns ja auch nicht gegeben, um eine religiöse Neugierde zu befriedigen. Was sie aber andeutet, genügt völlig" uns von dem Zustand der Abgeschiedenen eine wenn auch vielleicht von der Wirklichkeit noch etwas entfernte Vorstellung zu machen. Doch hat daneben der Herr immer noch Menschen begnadigt, denen er einen Blick in das geheimnisvolle Land der Entschlafenen geschenkt hat, sei es nun zum Trost der Trauernden oder zur Warnung für solche, die auf den Weg des Verderbens zu geraten in Gefahr standen oder ihn schon betreten hatten.

WIE DER MENSCH HIER WAR WIRD ER DORT SEIN

Wir erinnern uns, daß wir uns nach dem Gleichnis des Herrn vom reichen Mann und dem armen Lazarus das Totenreich zu denken haben als den Ort der Qual, die Gehenna, und den Ort derer, die ein gewisses Glück genießen, das Paradies. Jeder dieser Hauptteile hat wieder die verschiedensten, abgestuften "Wohnungen", die dem Zustand der Abgeschiedenen entsprechen. Es verstößt ganz gewiß nicht gegen die Wahrheit, wenn

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wir zunächst als für alle gültig den Satz aufstellen: "Was der Mensch hier auf Erden gewesen und geworden ist, das wird er auch im Jenseits sein." Was wir hier an guten oder bösen Charaktereigenschaften, an Lüsten und Neigungen in gutem oder bösem Sinn, an Begierden und Wollungen und Leidenschaften besessen haben, das geht beim Scheiden aus der Welt mit hinüber ins Jenseits. Man kann das, was man in einem vielleicht langen Leben gedacht und erstrebt hat" was die Seele täglich, ja stündlich beschäftigte und gleichsam ein Teil von ihr geworden ist, nicht beim Tode ausziehen, wie wenn man abends vor dem Schlafengehen die Tageskleider ablegt. Die Seele stellt sich mithin im Jenseits als das Ergebnis des ganzen Lebens auf der Erde dar.. als das, was wir mit den Worten ausdrücken: "Es ist zur zweiten Natur geworden."

DER ZUSTAND DER GOTTLOSEN - IHRE QUALEN

Beschäftigen wir uns zuerst mit den Geistern, die hier auf Erden ein Leben ohne Gott gelebt, die in der Sünde, gleichviel welcher Art, gewandelt haben und so ins Jenseits gelangen! Gott ist nach der Lehre der Schrift Licht, und wer Gemeinschaft mit Gott hat, wer göttliches Leben in sich trägt und als Gotteskind gewandelt hat, der trägt auch Licht in sich" ist zu einem Kind des Lichtes geworden (Joh. 12, 36; Eph. 5, 9). Anderseits nennt die Schrift die, die im Unglauben verharren und ohne Gott und ohne Christus in der Welt leben (Eph. 2,12), Finsternis; sie sind solche, die unfruchtbare Werke der Finsternis tun (Eph. 5, 8. 11). Der Urheber der Sünde wird der Fürst der Finsternis genannt, und jeder, der mit ihm auf irgend eine Weise noch in Verbindung steht, nimmt teil an dieser Finsternis. Solche Seelen nehmen das Finstere mit ins Jenseits, und wo sie weilen, ist es daher finster und dunkel, ist ein Bereich ohne Licht.

Nach der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus wird dem in der Gehenna (der Qual) weilenden Reichen ein Blick in den Aufenthaltsort des Lazarus, also in das Paradies eröffnet. Dadurch wird ihm die ganze Schrecklichkeit und Trostlosigkeit seines Zustandes noch mehr bewußt. Aber er sieht auch darin einen Zustand des vorläufigen Gerichtes, das so an ihm vollzogen wird, also ein verdientes Strafleiden.

Das Gewissen erkennt also die ganz ungeheure Sündenmenge, die die Seele auf sich geladen hat. Dem Gottesleugner tritt überall die Wahrheit entgegen, daß

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es dennoch einen Gott gibt und zwar einen Gott, der Rechenschaft über das ganze Leben mit der unbestechlichsten Gerechtigkeit fordert. Dem Wollüstling treten seine Leidenschaften mit aller Lebendigkeit vor Augen, und alle seine unreinen Taten, Worte und Gedanken erheben sich wie anklagende Gestalten, die ihm keinen Augenblick Ruhe lassen. Daneben erscheinen die Seelen derer, die er verführt und in Sünde und Schande gebracht hat und verfolgen ihn unter unaufhörlichen Vorwürfen und Anklagen.

Dazu gehören auch die Selbstvorwürfe, die mit der Erkenntnis des verlorenen Lebens zunehmen werden. Wie viele Geister mag es da geben, die in großem Jammer sich selbst anklagen und stöhnen: "Ach, könnte ich doch mein Leben noch einmal durchleben, wie ganz anders würde ich es gestalten! Wie wollte ich meine Zeit, mein Gut.. mein Leben in den Dienst Gottes und meiner Mitmenschen stellen! Wie wollte ich ein frommes, gottwohlgefälliges Leben führen!"

Eine furchtbare Qual bilden auch die immer wieder neu erwachenden Leidenschaften und Begierden, die, wenn sie jetzt auch noch so sehr gehaßt, verabscheut und bereut werden, doch nicht abgelegt werden können, weil sie ein untrennbarer Teil und Bestand des Seelenlebens geworden sind. Sie verlangen mit aller Heftigkeit nach Befriedigung und können sie doch nicht erlangen, weil das Organ der Befriedigung fehlt.

VERSCHIEDENE STUFEN DER BOSHEIT –

VERSCHIEDENE STUFEN DER FINSTERNIS

Wie es im Seelenleben der Menschen mancherlei Stufen von Gottlosigkeit, fleischlicher Gesinnung, Bosheit gibt, wie also die geistliche Finsternis nicht überall dieselbe ist, so befinden sich die Abgeschiedenen in der Gehenna auch nicht an denselben Orten der Qual oder an denselben Stätten der Finsternis. Es gibt auch dort verschiedene Stufen entsprechend der Gerechtigkeit Gottes, die jedem das Seine gibt, nichts mehr, aber auch nichts weniger.

DAS PARADIES - EIN LICHTESBEREICH MIT VIELEN WOHNUNGEN

Welche Herrlichkeiten treten uns indes entgegen, wenn wir uns nun im Geist in die Lichtgefilde des Paradieses versetzt denken! Auch hier sind viele Wohnungen.

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Alle aber, die da eingehen, müssen nach Röm. 14, 8 dem Herrn gelebt und dem Herrn gestorben sein. Denn es ist in keinem andern das Heil zu finden, und ist auch kein anderer Namen unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch das Heil zu erlangen wäre, als der Name Jesu Christi des hochgelobten Gottessohnes, der auch des Menschen Sohn ist (Apost. 4,12). Nur wer im Glauben mit Jesus in engster Verbindung gestanden hat und seines Verdienstes teilhaftig geworden ist, findet den Eingang in diese Wohnungen des Lichtes. Nach dem Maße, wie der Glaube war und die Zubereitung auf Erden hat stattfinden können.. wird der Ort bestimmt, wo die Seele die für sie passende Stätte finden wird. Es wird ein großer Unterschied sein, ob eine Seele den ganzen vollen Schatz alles dessen, was der Herr durch das Gnaden- und Geistesamt für die Seinen an Geistesfülle, Gnadengaben und Heilsgütern zuteil werden lassen will, im vollen Glauben ergriffen hat.. oder ob sie nur einen Teil davon in Besitz genommen hat.

DIE CHRISTEN DER URKIRCHE

Es ist wohl außer allem Zweifel, daß die Christen der apostolischen Urkirche zu denen zu rechnen sind, die im vollen Besitz der Gnadengüter und des Reichtums aller Geistesgaben waren, weil der Herr durch seine Ordnung, die eine apostolische ist, nach Eph. 42 11-14 die Seinen heiligen und vollbereiten und zur vollen Mannesreife bringen wollte, worin Christi Gnadenfülle gefaßt sein sollte. Unter der Apostel Wirken sollten die durch die Arbeit des Heiligen Geistes Geheiligten in das Ebenbild Jesu ausgestaltet werden (Röm. 82 29), auf daß sie eine Erstlingsschar unter seinen Geschöpfen seien oder, wie es in einem andern Bild ausgedrückt wird" die Braut Jesu Christi (2. Kor. 11, 2; Offenb. 21, 2. 9; 22, 17; 14, 4). Zu diesen Erstlingen gehören natürlich auch die durch die Apostel der Endzeit zubereiteten Auserwählten, die wie jene das Siegel des lebendigen Gottes als Zeichen der Erwählung und des Eigentums Jesu an sich tragen.

Diese alle sind es, die, wenn sie entschlafen sind, auf die große Zeit der ersten Auferstehung warten und zwar an einer Stätte des Paradieses, die der Herr für sie bereitet hat und die (zwar in vorläufiger Erfüllung) das unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche Erbe (1. Petr. 1, 4) ist, das auch den noch lebenden Erstlingen aufbewahrt wird im Himmel des Paradieses.

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Hier in der Welt haben sie aus Gottes Heiligtum durch das Mittel seiner apostolischen Ordnung alle Lebensund Geistesfülle erlangt und sind bekleidet worden mit den reinen Kleidern des Heils (Jes. 61, 10; Offenb. 3, 4; 6, 11) und dem hochzeitlichen Kleide (Matth. 22, 11). Nach der Ablegung der irdischen Leibeshülle, die noch nicht frei von Sünde und Sündhaftigkeit war und daher oft hinderlich sein konnte, kann der Geistesstrom noch viel reichlicher und ungehinderter fließen. Für diese Erwählten war der Tod kein Verlust, sondern nach des Apostels Paulus Wort ein unendlich großer Gewinn, weil sie mit Christus vereinigt werden (Phil. 1, 21).

KOMMEN ALLE VERSIEGELTEN AN DEN ORT DES LICHTES?

Nun erhebt sich die Frage: Sind denn alle, die als Erstlinge erwählt und versiegelt wurden, nach ihrem Tode in diesem Lichtesbereich zu finden? Das muß leider verneint werden. Es wird nur zu oft der Fall sein, daß Seelen bei dem Abscheiden aus dem Leibe nicht ganz erlöst, d. h. nicht ganz von allen Sündenbanden losgemacht worden sind, weil sie noch nicht ganz mit der Sünde gebrochen haben. Es können noch Bande vorhanden sein, die als Hochmut, Ehrgeiz, Selbstgerechtigkeit, Fleischeslust, Augenlust, Mammonsliebe manche Seelen, wenn auch gleichsam mit dünnen Fädchen, gebunden halten. Sie sehen ihre Gebundenheit oft ein, leiden sogar darunter und werden doch nicht ganz frei. Wie häufig müssen wir ferner sehen, daß solche, die als Erwählte gelten wollen und müssen, doch noch an Halbherzigkeit oder gar geistlicher Trägheit und an Nachsicht gegen gewisse "kleine Lieblingssünden" kranken! Scheinbar dünn sind oft diese Fäden, die gebunden halten, und da kann man doch nicht von Erlösung und völliger Freimachung reden. Aber nur die Erlösten des Herrn werden mit Jauchzen einen reichlichen Eingang zu dem Reiche unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus haben (2. Petr. 1, 11), wo ewige Freude über ihrem Haupte sein wird und Freude und Wonne sie ergreifen und Schmerz und Seufzen entfliehen werden (Jes. 35, 10; 51, 11).

ENTSCHEIDEND IST DER GEISTLICH - SEELISCHE ZUSTAND

Welches die Stätten all dieser Abgeschiedenen sein werden, müssen wir dem Herrn Überlassen, der ein gerechter Richter sein wird (2. Tim. 4, 8). Sie werden eine

 

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Stätte erlangen, die ganz dem Grad ihres geistlichen Lebens gemäß ist.

ORTE DER LÄUTERUNG - EINE ART STRAFLEIDEN

Welcher Art der Seelenzustand der Geister in diesen Bereichen sein wird, läßt sich auf Grund von 1. Kor. 11 , 32 vermuten. Da sagt der Apostel, daß wir hier gezüchtigt (erzogen) werden, also durch allerlei Trübsale gehen müssen, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden. Hat nun Gott durch die nötige Läuterung nicht erreicht, was er damit beabsichtigte, so wird, wenn der Mensch nicht im offenen Widerstreben erfunden war, die Läuterung dort fortgesetzt werden, jedenfalls aber im verstärkten Maße. Denn hier war sie eine Läuterung auf Grund des göttlichen Gnaden- und Liebeswillens, während sie dort daneben auch eine Art Strafleiden dafür ist, daß sich die Seele hier nicht diesem Liebeswillen ganz hingegeben hat.

DIE ANTEILNAHME DER ENTSCHLAFENEN AM FORTGANG

DES RATSCHLUSSES GOTTES

Die Anteilnahme der Entschlafenen an den Geschehnissen im Reiche Gottes auf Erden ist größer, als wir gewöhnlich denken. Es gibt keine wichtige Entscheidung in der Kirche des Herrn, für die nicht die auf die Vollendung des Reiches Gottes Wartenden das größte Interesse hätten. Dazu gehört ohne Zweifel in erster Linie die Wiederaufrichtung des Apostelamtes als des Gnadenamtes auf Erden vor etwa 100 Jahren, durch das auch all den Seelen, die das Verlangen nach größerem Heil mit ins Jenseits genommen hatten, eine neue Aussicht auf Hilfe gegeben wurde.

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KANN DEN ENTSCHLAFENEN NOCH

GEHOLFEN WERDEN?

Über diese Frage ist viel gestritten worden. Und doch ist eine rechte Beantwortung gar nicht schwierig. Wenn der Apostel Paulus in 1. Tim. 2, 4 sagt: "Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen," und wenn er dann in Vers 6 darauf hinweist, daß Jesus Christus sich selbst gegeben habe für alle zum Lösegeld (wörtl. Übersetzung), wenn er ferner in 1. Tim. 4, 10 den Herrn den Heiland aller Menschen nennt, und der Herr selbst in Joh. 3, 16 bezeugt, daß Gott die Welt, d. h. doch die gesamte Menschheit, so sehr geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn für sie gab, so ist aus all diesen Stellen ersichtlich, daß nicht die verhältnismäßig wenigen Menschen allein, die im festen Glauben an die Erlösungstaten Jesu starben, gerettet werden.

SOLLEN NUR WENIGE ERRETTET WERDEN?

Es wäre betrübend zu denken, daß nur eine kleine Zahl von Menschenseelen der Lohn für die Erlösungsarbeit des Herrn von seiner Geburt an bis auf den letzten der Tage sein sollte. Nach Jes. 53, 12 soll ihm die große Menge zur Beute gegeben werden.

Sollte Gott die vielen Millionen oder Milliarden von Menschen für den Teufel erschaffen haben, wenn sie sich auch zum großen Teil in den Dienst des Satans begeben haben, vielleicht ohne es zu wissen?

SOLLEN ALLE HEIDEN UNERLÖST BLEIBEN?

Unzählige haben als Heiden niemals Gelegenheit gehabt, etwas von dem Heil in Christus zu hören. Sollte es da nicht der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit Gottes entsprechen, daß ihnen wie den Abgeschiedenen zur Zeit Noahs im Totenreich noch das Evangelium gepredigt werde (1. Petr. 3,19.20)?

WAS IST MIT DENEN, DIE FALSCHEN LEHRERN FOLGTEN?

Andere wiederum sind unter der Hand falscher Lehrer gewesen die ihnen den verkehrten Weg gezeigt, sie

 

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sogar, wie es der Herr von den Pharisäern und Schriftgelehrten sagt, durch ihre falsche Lehre und die kirchlichen Einrichtungen von dem Eingang ins Himmelreich zurückgehalten haben (Matth. 23, 13). Sollten alle diese für ewige Zeiten von dem Heil in Christo ausgeschlossen bleiben ?

 

UND DIE MILLIONEN VERWELTLICHTER KIRCHENCHRISTEN?

Dazu kommt sodann die große Menge derer, die wohl den Heilsweg, wenn auch nur unvollkommen, kannten und doch in ihrem Leben stets nach beiden Seiten hinkten und trotz eines in ihnen liegenden höheren Sehnens ein Leben auf der breiten Straße der Welt führten, weil sie niemals durch ihre Lehrer mit allem Ernst darauf hingewiesen wurden, daß alle, die nicht im neuen Leben.. im Geiste Jesu wandeln, unmöglich am Reiche Christi teilhaben können. Das sind die Millionen der weltlichen Kirchenchristen, die nach der Art der Gemeinde von Laodizea meinen, sie seien sehr reich, und die doch arm, nackt und bloß sind.

WAS WIRD AUS ALL DEN GENANNTEN?

Was wird aus all diesen unzähligen Geistern? Das ist gewiß, daß sie alle empfangen nach dem, wie sie gehandelt und gewandelt haben nach Röm.2,6-16. Sie müssen also alle vor dem vorläufigen Gericht erscheinen, wo über sie die verdiente Strafe verhängt und wo ihnen der Ort ihres Strafleidens zugewiesen werden wird. Dieses Strafleiden ist indes, wie wir schon oben andeuteten, als Zuchtmittel anzusehen.. um in ihnen die Sehnsucht nach Erlösung zu wecken und sie schließlich dafür empfänglich zu machen.

WAS SAGT DIE BIBEL ZU UNSERER LEHRE?

Beruht nun diese Lehre auf biblischer Grundlage? Hat die apostolische Kirche der Urzeit sie schon gekannt ? Bei der Beantwortung dieser Fragen müssen wir zuvor bemerken, daß eine kirchliche Lehre oder Handlungen und Gebräuche. die als gemein gültig und anerkannt galten in den Schriften der Urkirche oft gar nicht besonders erwähnt werde, auch nicht erwähnt zu werden brauchten, es sei denn, daß gegen sie verstoßen wurde, daß sie also durch Irrlehrer

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oder infolge Unwissenheit falsche Anwendung fanden. Wir wüßten z. B. über die Feier des heiligen Abend mahls in der ersten apostolischen Kirche ganz wenig wenn nicht in Korinth Mißbräuche schlimmster Art aufgekommen wären. Und doch bildete die Feier des heiligen Mahls den Mittelpunkt des Gottesdienstes.

DIE URKIRCHE BETETE AM SONNTAG FÜR DIE ENTSCHLAFENEN

Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß das Gebet für die Entschlafenen einen Teil des sonntäglichen Gottesdienstes bildete. In 2. Tim. 12 16-18 lesen wir die Worte des Paulus: "Der Herr gebe Barmherzigkeit dem Hause des Onesiphorus! Denn er hat mich oft erquickt und hat sich meiner Ketten nicht geschämt ... Der Her gebe ihm, daß er Barmherzigkeit findet vom Herrn an jenem Tage!" Wenn der Apostel bittet, daß der Herr dem Hause, d. i. den Angehörigen, der Familie, Barmherzigkeit erzeigen möge, so muß Onesiphorus selbst nicht mehr unter den Lebenden geweilt haben. Für diesen, also für den Entschlafenen, legt nun der Apostel Fürbitte ein, der Herr wolle ihn an jenem Tage Barmherzigkeit finden lassen. Hier finden wir also einen Hinweis darauf daß die Fürbitte für Entschlafene apostolischer Brauch war.

TOTENTAUFE NACH 1 KORINTHER 15, 29

Doch auf das Beten für die Entschlafenen beschränkte sich die Fürsorge der apostolischen Kirche nicht. In 1. Kor. 15, 29 erwähnt der Apostel Paulus den allgemein bekannten Gebrauch, daß man sich für solche Entschlafenen, die die Lehre der Apostel im Glauben angenommen, die aber bei ihrem Tode noch nicht getauft waren, noch nachträglich taufen ließ, daß also diese Taufe den Heimgegangenen im Totenreich zugute kam. Es heißt dort in der einzig richtigen Übersetzung: "Was werden sonst die tun, die sich taufen lassen fÜr die Toten (oder an Stelle, zu Gunsten der Toten)? Wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden, was lassen sie sich dann für sie taufen?"

DIE GEISTESTAUFE UND DAS MAHL WURDEN AUCH GESPENDET

Wenn hier allgemein vom "Taufen" die Rede ist, so ist es selbstverständlich daß auch die Geistestaufe

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(Versiegelung) für die Toten im Gebrauch war, wenn diese vor dem Hingang ins Totenreich aus irgend einem Grunde die Versiegelung nicht erlangen konnten. Es liegt ferner nichts näher als dies, daß auch das dritte Sakrament, das heilige Abendmahl, den Entschlafenen gespendet werden konnte.

SCHON IM ALTEN BUND SUCHTE MAN DEN ENTSCHLAFENEN

EINE HILFE ZU SEIN

Aus der Handlung des Judas Makkabäus geht aufs deutlichste hervor, daß in Israel damals der Glaube allgemein war, man könne durch Opfer und Gebet den Abgeschiedenen Wohltaten erweisen und also dazu beitragen, ihr Los in jener Welt zu erleichtern. Ohne diese Glaubensgewißheit wäre sein Handeln nicht zu verstehen. Sodann würden die Priester in Jerusalem es abgelehnt haben, das Geld zu dein Zweck anzunehmen, wenn es den vorgeschriebenen Opfergesetzen zuwider gewesen wäre, ein Opfer für die Toten zu bringen.

ALLEN SOLL HILFE ANGEBOTEN WERDEN!

Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß sowohl bei den Juden der nachprophetischen Zeit, also in der Zeit bis zum Auftreten des Herrn, als auch bei den apostolischen Christen der Urzeit der Glaube allgemein war, daß den Abgeschiedenen auch nach dem Tode unter gewissen Voraussetzungen eine Hilfe gewährt werden kann. Von der Gerechtigkeit Gottes muß man es ja auch fordern, daß, wenn den Zeitgenossen Noahs der Herr selbst die Kunde von dem geschehenen Versöhnungsund Erlösungswerk brachte (1. Petr. 3, 19. 20), auch den Seelen, die in späteren Zeiten aus dem Leben geschieden sind, das Heil in Christo verkündigt werden mußte und muß, wenn es zu ihren Lebzeiten nicht geschehen konnte. Sollten diese, die als Unerlöste ins Totenreich eingehen mußten und noch müssen, ewig unbegnadigt und unerlöst bleiben? Sollte denen, die - wenn auch in den letzten Lebensstunden - noch in einem gewissen Sehnen und Verlangen, vielleicht in Reue und Buße über ihr bisheriges sündhaftes Leben die Gnade in Christo gesucht und erfleht haben, weniger die Gnade geschenkt werden als dem bußfertigen Schächer am Kreuz, der doch ein vielfacher Mörder war? Darf man nicht auch auf diese das herrliche Wort Jesu anwenden: "Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen" (Joh. 6, 37) ?

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Ganz gewiß; will er doch, daß allen Menschen geholfen werde und daß alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim. 2, 4; Hes. 18, 23. 32; 33, 11).

WIE KANN DEN UNERLÖSTEN GEHOLFEN WERDEN?

Nun erhebt sich die Frage: Wie kann den noch nicht erlösten Abgeschiedenen geholfen werden? Wie können sie zur Erlösung gelangen? Das bleibt ein für allemal als unverbrüchliche Wahrheit bestehen: Nur durch das Verdienst Christi und die Heilseinrichtungen und Gnadenmittel, die der Vater dem Sohne auf Grund dieses seines Verdienstes für die Menschheit gegeben hat (Eph. 4, 8-16). Nur durch das Blut Jesu Christi ist die Versöhnung der Sünden auch der Abgeschiedenen möglich; denn mit seinem Blute ist er in das Heilige eingegangen (Hebr. 9,12), ja in dem Himmel selbst (Hebr. 9, 24) vor dem Angesichte Gottes erschienen und hat eine ewig gültige Erlösung (wörtlich: Befreiung aus der Schuldhaft) erworben. In dem Blute Jesu liegt das Lösegeld für die Sünden aller Menschen von Adam an bis zum letzten, der einst leben wird, und nur in seinem Blute ist der Gerechtigkeit Gottes Genüge geleistet. Nun konnte die Gnade Gottes alle Gnadengüter und Heilsgaben für die versöhnte Welt dem Sohne übergeben, und dieser errichtete auf der Erde in seiner Kirche die Gnadenstätte, von der aus diese Segnungen in die Herzen derer ausgegossen werden konnten, die sich dem Herrn im Glauben und Glaubensgehorsam übergeben wollten und wollen.

DIE GNADENSTÄTTE IST AUF ERDEN!

Es ist daher mit allem Nachdruck auf die ewige Wahrheit hinzuweisen, daß die vom Herrn gegebene Gnadenstätte in seiner Kirche und zwar auf der Erde aufgerichtet worden ist. Diese Kirche kann niemals eine andere sein als die, die er gegründet hat, also die Kirche in der ursprünglichen Gestalt, die apostolische Kirche. In den Aposteln aber als in den Gesandten und Beauftragten des Herrn liegt die alleinige Gnadenstätte, weil in ihnen nach des Herrn Wort er selbst es ist, der segnet, wirkt und schafft. Daher hat ihnen der Herr für immer die Vollmacht der Sündenvergebung verliehen mit den Worten: "Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen .... und was ihr auf Erden löset, das soll auch im Himmel los sein" (Joh. 20, 23; Matth. 18, 18). Von dieser Gnadenstätte muß

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also auch die Lossprechung derer ausgehen, die nicht mehr auf der Erde leben. Denn es geht aus diesen Worten des Herrn doch klar hervor, daß von einer himmlischen Stätte aus keine Losbindung stattfinden kann; sonst hätte der Herr nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Lossprechung, die auf Erden geschieht, auch im Himmel Geltung habe.

DIE SEGNUNGEN IN DER WASSERTAUFE, GEISTESTAUFE UND

DEM ABENDMAHL WERDEN VON DER GNADENSTÄTTE

AUF ERDEN GESPENDET!

Von dieser Gnadenstätte aber müssen auch die Segnungen ausgehen, durch die nach geschehener Sündenvergebung das göttliche Leben in die danach verlangenden Seelen der Abgeschiedenen gelegt werden kann. Diese Segnungen bestehen in erster Linie in der Wassertaufe, dann in der Geistestaufe (Versiegelung) und im heiligen Abendmahle, ohne die göttliches Leben nicht entstehen und nicht bestehen bleiben kann. Wie es für die Lebenden unmöglich ist, ohne diese göttlichen Segenshandlungen als Eigentum des Herrn für den großen Tag seiner Wiederkunft zubereitet zu werden, so können auch die Abgeschiedenen, wenn sie der endgültigen Erlösung dermaleinst teilhaftig werden wollen, diese Segnungen nicht entbehren, weil ohne sie göttliches Leben unmöglich ist, und wiederum ohne das göttliche Leben keine Erlösung geschieht.

WELCHE ARBEIT LEISTEN DIE FRIEDENSBOTEN?

Welcher Art ist nun die Arbeit, die zuvor an den Entschlafenen getan werden muß? Durch mancherlei göttliche Offenbarungen ist erwiesen, daß die apostolisehen Heimgegangenen, die hier im Leben mit dem Geiste Christi erfüllt waren und mit Eifer daran gearbeitet haben, Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünden zu bringen und sie dann zum Gnadenaltar zu führen" auch dort im Reiche der Abgeschiedenen als Friedensboten die gleiche Arbeit tun, um die Verlorenen zu suchen und ihnen zu helfen. Die geschaffenen Engel sind dazu nicht imstande. Denn von ihnen heißt es (1. Petr. 1, 12), daß sie selbst begehren, das verborgene Geheimnis des Erlösungswerkes in Christo und seines Werkes zu ergründen. Sie sind vielmehr zum Dienst um derer willen gegeben, die das Heil und die Herrlichkeit er-

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erben sollen. Infolge unserer Fürbitte bekommen sie Befehl, die Friedensboten bei ihrer Arbeit zu begleiten, damit diese ihren Auftrag ausführen können.

Es muß dies als unwidersprechliche Wahrheit gelten, daß, wie die Friedensboten auf Erden bei der Ausbreitung des Gotteswerkes der Mithilfe der Engel nicht entbehren können, auch die erlösten Friedensboten in den Bereichen des Jenseits deren Hilfe nötig haben. Vom schwachen sündigen und schwächenden Fleisch und allen Mängeln irdischer Unvollkommenheiten und allen Behinderungen für immer erlöst, dürfen die Erlösten da drüben ganz im Sinn und Geist ihres Herrn und Heilandes und in der Kraft seines Geistes an den Abgeschiedenen aller Zeiten und Geschlechter arbeiten und ihnen die frohe Botschaft bringen, daß auch für sie noch eine Erlösung aus den Gefängnissen, in denen sie bisher gebunden lagen, möglich sei, daß diese aber in der auf Erden für immer aufgerichteten Gnadenstätte liege, dem Gnadenstuhl in der Liebe Christi. Wie die Friedensboten Jesu auf Erden, so sind auch sie dort gleichsam die Träger der lockenden Stimme des Herrn, die durch sie ruft: "Kommt her zu mir, ihr Gefangenen, Gebundenen, Beladenen, damit ihr Ruhe findet für eure Seelen!" (Matth. 11, 28- 30). Denn wie können diese Armen zur Erkenntnis des Heils und zum Ergreifen ihrer Seligkeit durch den Glauben gebracht werden, wenn ihnen nicht die Heilsbotschaft verkündigt wird? Hier gilt auch im ganzem Umfang, was Paulus in Röm. 10, 12-15 schreibt.

IST DIE ARBEIT DER FRIEDENSBOTEN IM JENSEITS LEICHTER?

Es wäre nun eine ganz falsche Meinung, wenn man glauben wollte, daß die Annahme der Heilsbotschaft im Totenreich leichter wäre als im Diesseits. Freilich sind die Abgeschiedenen, weil sie kein Fleisch mehr an sich tragen, den Anfechtungen und Reizungen der irdischen Welt und ihrer Lust entrückt. Aber wenn wir bedenken, daß der bisherige Zustand des ganzen Seelenlebens auch nach dem Tode bleibt, daß also der Wille von den bisherigen Trieben, Begierden und Leidenschaften noch immer beherrscht bleibt, daß ferner die Gedanken durchaus dieselbe Richtung wie bisher behalten, vielleicht alles dies in noch verstärktem Maße, - dann ist es begreiflich, daß solche verfinsterte Seelen besonderer Gnadenwirkungen bedürfen. Oft sind sie so in ihre Sündenbande verstrickt und so sehr mit Schuld beladen, daß sie nicht so leicht den Belehrungen, die sie zur Erkenntnis ihrer Schuld und ihrer Erlösungsbedürf-

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tigkeit führen sollen, zugängig sind. Am ersten werden die aufnahmefähig sein, die schon im Leben einen Zug nach oben in sich trugen und unter dem Druck des sündigen Lebens Gewissensbedenken fühlten. Viel schwerer wird es für die sein, die Botschaft anzunehmen, die hier auf Erden in ihrem Entschluß, das Heil in Christo zu ergreifen, stets hin- und herschwankten, die stets auf beiden Seiten gehinkt (1. Kön. 18, 21), die das Leben nicht mit Ernst als eine Vorbereitung auf die Ewigkeit aufgefaßt und angewandt, die sich in ihrer scheinbaren Rechtschaffenheit, im Suchen dessen, was "gut, schön und wahr" ist, in Kunst und Wissenschaft wohlgefühlt haben. Am schwersten aber wird die Friedensbotschaft von denen aufgenommen werden können, denen das volle Licht der Heilsbotschaft hier geleuchtet und die dennoch ihr Herz davor verschlossen haben, sei es aus Gleichgültigkeit oder Weltseligkeit" oder weil man sich vor Freunden, Verwandten und Bekannten geschämt., oder weil man aufgeschoben hat, um noch in der Jugend oder "für einige Jahre" die Welt zu genießen.

DIE UNERLÖSTEN KINDERSCHAREN GENIESSEN EINE

BESONDERE FÜRSORGE!

Ohne Zweifel haben die erlösten heimgegangenen Friedensboten eine besondere Arbeit an den unzähligen Kindern, seien es nun die aus den Heiden, den Juden und Mohammedanern, oder seien es die aus der Christenheit. Sie sind alle mit unentwickelten, Anlagen und Fähigkeiten abgeschieden, und der Zustand ihrer Seelen war so, daß man sie als verhältnismäßig unschuldig ansehen kann. Wenn einst schon der Herr, der große Kinderfreund, den Kindern das Himmelreich zugesprochen hat, sollte er da den früh entschlafenen Kleinen den Eingang in sein Reich verschließen oder erschweren? Wird er nicht Fürsorge getroffen haben, daß sie im Jenseits einer Stätte zugeführt werden, wo sie durch dazu beauftragte Friedensboten eine viel bessere Erziehung und Belehrung finden, als sie ihnen je in der Welt geboten werden konnte?

WAS GESCHIEHT, WENN DIE ARBEIT DER FRIEDENSBOTEN

ERFOLGREICH WAR?

Was geschieht nun mit all diesen Geistern, von denen oben die Rede war, wenn sie sich von den seligen

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Friedensboten leiten lassen? Der Weg, den sie gehen müssen, ist derselbe, den sie auch hier auf Erden hätten wandeln müssen. Die ihnen verkündigte und von ihnen angenommene Wahrheit bewirkt Erkenntnis der Sünde und als Folge davon eine tiefe, gründliche Buße, d. i. eine völlige Sinnesänderung. Daraus entspringt dann das starke Verlangen nach Vergebung der Sünde und die Sehnsucht nach Gnade. Eine solche Seele wird natürlich auf das Verdienst Christi hingewiesen, durch das allein das Verlangen gestillt und Vergebung der Sünden erlangt werden kann, wodurch nach Jesu Wort in Matth. 5, 26 der letzte Heller bezahlt wird.

VORAUSSETZUNGEN FÜR EINE WIRKSAME HILFE

VONSEITEN DER LEBENDEN

Daß wir durch stetige Fürbitte den Entschlafenen eine Hilfe sein können und sollen, ist schon oben erwähnt worden. "Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist", heißt es in Jak. 5, 16. Der Gotteskinder Gebet setzt Kräfte auch im Totenreich in Bewegung, und es ist gewiß, daß auf ein solches Gebet, das Erhörung gefunden hat, manchem Abgeschiedenen ein Friedensbote zugesandt wird. Dadurch wird indes auch zwischen dem Fürbitte Einlegenden und dem Abgeschiedenen eine Verbindung hergestellt, die sich, wenn dieser eine Weiterführung im Jenseits wünscht, so gestaltet, daß ein solcher Geist in dem ganzen Seelen- und Geistesleben, sowie im gottseligen Wandel des Fürbittenden eine Stütze, eine Förderung und Hilfe sucht. Daher muß jedes Gotteskind, das für Entschlafene Fürbitte einlegt, ein heiliges Leben führen in aller Gottesfurcht und Wachsamkeit. Es muß sich in stetem Glaubensgehorsam überall und jederzeit vorn Heiligen Geist führen lassen und in inniger Verbindung mit dem Herrn und der Gnadenstätte hier auf Erden stehen und bleiben. Denn man kann niemand an diese Stätte führen, wenn man selbst nur in loser Fühlung mit ihr steht.

FREUDE IM HIMMEL ÜBER ERFOLGREICHE ARBEIT

Wie wunderbar muß es sein, wenn die im Totenreich tätigen Friedensboten die Freude erleben, daß ihre Pflegebefohlenen das Heil im Glauben zu ergreifen anfangen und weitergeführt werden können, wenn sie gar gewürdigt werden, sie an die Gnadenstätte auf Erden zu führen, damit sie selbst an den himmlischen Segnungen teilnehmen dürfen! Welche Bewegungen

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müssen im Totenreich entstehen, wenn bisher gebundene Geister von ihren Banden befreit und aus ihrem duklen Bereich an die Stätten des Lichtes geführt werden! Welch ein Loben, Danken, Preisen und Anbeten wird da zu hören sein! Und wenn nach Jesu Wort (Luk. 15, 7. 8) im Himmel und vor den Engeln Freude sein wird Über einen Sünder, der hier auf Erden Buße tut, wie werden sich dort mit den Engeln die seligen Geister freuen und in das Lobgetön einstimmen, wenn für Scharen Gebundener die Tore der Gefängnisse aufgetan werden, so daß sie nun auf Gefilden des Lichtes wandeln dürfen!

Es wird im Jenseits viel Arbeit zu leisten sein.. bis die Geister aus einem niederen Bereich in ein höher gelegenes geführt werden können. Dabei wird immer die Verbindung mit der Gnadenstätte hier unten aufgesucht und aufrechterhalten werden müssen. Dahin werden die Geister zum Wort und Sakrament geführt, damit die Arbeit dort weitergehen kann. Wenn uns die Augen geöffnet wären, so würden wir in den sonntäglichen Gottesdiensten, besonders in den Aposteldiensten, Scharen von herbeigeführten Geistern finden, die Hilfe und Weiterführung suchen und finden.

ENGE VERBINDUNG VON JENSEITS UND DIESSEITS DURCH

DIE GNADENSTÄTTE AUF ERDEN

Die Verbindung von Jenseits und Diesseits ist durch die Gnadenstätte eine ganz innige; ist doch dort und hier ein und dasselbe Reich, zu dem wir berufen sind und dessen König der Sohn Gottes, der König aller Könige, ist. Er ist derselbe dort wie hier. Nur steht er, der Unsichtbare, hier im Reich der Sichtbarkeit in seinen Gesandten und wirkt und segnet durch sie, damit er die Erwählten zubereite zu ihrem späteren Beruf als Könige und Priester. Das sind sie, wenn sie ins Reich der Heimgegangenen entrückt werden., gleichsam schon im kleinen, weil sie dort königliche und priesterliche Dienste zu verrichten haben bis auf den Tag der Erscheinung Jesu Christi, wenn er kommen wird, sein Friedensreich auf Erden aufzurichten.

ZUSAMMENFASSUNG

Wir stehen am Schluß unserer Ausführungen. Am Anfang hatten wir die Frage gestellt: "Gibt es ein

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Fortleben der Seele nach dem Tode?" Unsere Untersuchungen haben uns die Antwort gegeben, daß das Leben nach dem Tode von eben derselben Gewißheit und Wirklichkeit ist wie das jetzige zeitliche Leben, ja daß, wenn unser zeitliches Dasein von dem rechten, dem göttlichen Leben erfüllt und durchdrungen werden konnte, eigentlich das wahre Leben.. wie es Gott nach seinem ewigen Rat und Willen vorgesehen hatte, dann erst beginnt und ganz in die Erscheinung tritt (Kol. 3, 3.4).

Wehe aber denen, die die Gnadenzeit des Erdendaseins nicht ausgenutzt haben! Der Leib zerbricht im Tode; aber die nicht zubereitete Seele kann nicht sterben. Sie geht einer mehr oder weniger dunkeln Zukunft entgegen, wie wir dies schon nachgewiesen haben.

Weiter hatten wir am Anfang gefragt: "Werden wir uns nach dem Tode wiedersehen?" Wir können die Frage nicht mit einem unbedingten Ja beantworten; denn das hängt davon ab, in welchem Bereich den einzelnen Seelen der Aufenthalt angewiesen ist. Das aber ist gewiß, daß die, die hier als Erstlinge und Auserwählte unter der von Gott gegebenen Apostelpflege standen und darin blieben und zubereitet werden konnten, sich dort in aller Herrlichkeit wiedersehen, sich erkennen und mit Jubel und Lobgesang begrüßen werden. Auch das ist gewiß, wie wir gesehen haben, daß sich Abgeschiedene in der Gehenna wiedersehen und sich gegenseitig zum Schrecken, Haß und Spott werden.

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2. Die Lehre im Werke des Herrn - ihre Entwicklung ab 1872

a) Der Stand der Dinge 1863

Als sich im Jahre 1863 nach göttlichem Willen die Neue Ordnung von der Alten Ordnung, unserer Mutterkirche, löste, damit dem Herrn an seinem Tage eine von lebenden Aposteln gesammelte und bereitete Brautgemeinde entgegengerückt werden könnte, übernahmen die Apostel Preuß und Schwarz die Lehre, die sie aus dem Munde der Apostel Carlyle und Woodhouse gehört und in ihren und der übrigen Apostel Schriften gelesen hatten. Diese Lehre ist dargestellt in Teil II, Kapitel XV.

Bis zum Jahre 1872 lehrten die Apostel Preuß in Norddeutschland und Schwarz in Holland nach dieser Weise, um einen kurzen Einblick in diese Anschauungen zu vermitteln, lassen wir Auszüge aus der ersten Liturgie unserer Kirche folgen:

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Die Liturgie

Andachtsbuch

zum

Gebrauch bei allen Gottesdiensten

der

christlichen Kirche.

Hamburg, 1864

Gebet des Vorstehers zum Gedächtnis der Entschlafenen.

Und nun, himmlischer Vater, gedenken wir vor Dir und freuen uns der seligen Gemeinschaft aller Deiner Heiligen, die im Glauben entschlafen sind. Wir gedenken aller Heiligen und Patriarchen, Priester, Könige und Propheten des Alten Bundes. Wir gedenken vor Dir derer, welche Du gewürdiget hast, aus dem Alten Bunde in die Haushaltung des Neuen Bundes hinüber zu schreiten. Wir gedenken vor Dir aller Deiner Heiligen Apostel, Propheten, Evangelisten und Hirten, aller Bischöfe, Priester und Diakonen, aller seligen Märtyrer und Bekenner und aller heiligen Männer und Frauen, welche Dir zur Zeit des Neuen Bundes treu gedient haben. Wir gedenken noch insbesondere vor Dir aller derer, welche sich in dieser letzten Zeit gefreuet haben über die Wiederherstellung Deiner Kirche mit ihren ursprünglichen Ordnungen, Ämtern und Gaben; ja aller unserer Väter und Mütter, unserer Geschwister und Kinder und aller unserer entschlafenen Verwandten und Freunde gedenken wir jetzt vor Dir und befehlen Dir ihre Seelen. (insbesondere ... )

Am ersten November als am Tage aller Heiligen.

Ermahnung.

Geliebte in dem Herrn, in den Christen der ersten Zeit lebte die lebendige Hoffnung, daß unser Herr Jesus Christus, welcher nur auf eine Zeit den Himmel einnehmen muß, wiederkommen werde und Sein Lohn mit Ihm; die Kirche als die Braut des Lammes spricht: Komm, Herr Jesu! Diese ihre Hoffnung machte sie eifrig, in dieser Welt züchtig, gerecht und gottselig zu leben und zu warten auf die Erscheinung Jesu Christi, um alsdann erfunden zu werden als eine Gemeinde, die herrlich sei und unsträflich, ohne Flecken und Runzel. Dieselbe Hoffnung machte sie tüchtig, zur Ehre des Herrn auch den qualvollsten Märtyertod zu sterben; denn sie waren unterrichtet, daß die Toten in Christo auferstehen werden zuerst, darnach die Lebenden und

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übriggebliebenen Gläubigen werden verwandelt und mit denselben zugleich hingerückt werden dem Herrn entgegen in die Luft und also bei Ihm sein würden allezeit. Darum fürchteten sie den Tod nicht; sie lebten oder starben, so waren sie des Herrn: sie harreten der Auferstehung. Auch die Heiligen des alten Bundes hatten einen Strahl dieser Hoffnung empfangen und warteten im Glauben samt aller Kreatur auf den großen Tag der Erlösung.

Wir aber haben im allgemeinen samt der ganzen Christenheit diese Hoffnung teils verloren, teils nicht lebendig behalten. Wir haben entweder die heiligen Märtyer und Bekenner gleich Göttern angerufen und sie als schon vollendet angesehen, ohne auf ihre herrliche Auferstehung zu warten, oder wir haben die Gemeinschaft mit allen entschlafenen Gläubigen gänzlich abgebrochen und ihrer Kämpfe und Mühe und Arbeit, deren Früchte wir genießen, undankbar vergessen. Wir haben uns begnügt, für unsere eigene Seele kaum dürftig zu sorgen oder für unsere einzelne Partei zu streiten und haben die Gemeinschaft aller Getauften fahren lassen und vergessen, daß wir alle zu dem Einen Leibe Christi getauft sind, und haben dadurch die Vollendung des Ratschlusses Gottes aufgehalten im Unglauben. Die Juden sind von den Christen als Ungläubige geschmähet worden, während sie im Festhalten an ihren Verheißungen, Sabbathen und Festtagen die Christen beschämen, und durch Sünde und Untreue der Getauften ist ihnen der Eingang in das Reich Christi schwer gemacht.

Aber noch währet der Tag des Heils, und der Herr harret, daß Er uns gnädig sei. Er ist bereit, das Flehen Seines Volkes zu erhören; darum lasset uns in wahrer Reue und Buße Ihm unsere und aller unserer Väter und Brüder Übertretung bekennen.

Danksagung.

Allmächtiger Gott, bei dem die Geister derer leben, welche gläubig in dem Herrn von hinnen scheiden, wir sagen Dir Dank für alle unsere entschlafenen Brüder und Schwestern, Väter und Kinder, daß Du sie, befreit von der Bürde dieses Lebens und von aller Trübsal dieser Weit, erlöset hast und bei Dir in Ruhe und Frieden in Seligkeit ruhen lässest. Wir sagen Dir Dank für alle Wohltaten, welche Du durch sie uns erwiesen hast. Wir preisen Dich, o Herr, für die, welche außer dem Leibe wallen, daß sie daheim sind bei Christo Jesu und daß wir nicht trauern müssen um ihretwillen, als die keine Hoffnung haben. Wir preisen Deine

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Liebe, daß Du die in Christo Entschlafenen auferwecken willst zuerst; laß uns also wandeln in dieser Welt, daß wir würdig erfunden werden, mit ihnen vereinigt zu sein. Wir preisen Dich für alle heiligen Märtyrer und Bekenner, von dem gerechten Abel an bis auf den letzten Blutzeugen; wir preisen Dich für alle heiligen Patriarchen, Priester und Propheten der alten Zeit, so wie für alle Deine Heiligen in der Haushaltung Deines Evangeliums, für alle Deine heiligen Apostel, Propheten, Evangelisten und Hirten, für alle heiligen Bischöfe, Priester, Diakonen und Diakonissen, für alle heiligen Männer und Frauen und alle Entschlafenen, welche Dir in diesem Leben treu gedient haben. Laß sie alle ruhen in Deinem Frieden und bald erwachen zu einer fröhlichen Auferstehung. Amen.

Gebet für eine abgeschiedene Seele.

0 Herr, wir bitten Dich, verleihe diesem unserm abgeschiedenen Bruder (Schwester) die ewige Freude und Ruhe, im Reiche Deiner Herrlichkeit. Laß Dein Licht ihm leuchten, erwecke seinen Leib am Tage der herrlichen Auferstehung, und schenke ihm das ewige Leben. Laß, o Herr, seine Seele selig sein in der Gemeinschaft aller Deiner Heiligen zur Ehre Deines glorreichen Namens, in Christo Jesu unserm Herrn. Amen.

Hierauf kann die Einsegnung der Leiche folgen wie nachstehend:

0 Herr, unser Gott, der Du nach Deinem unerforschlichen Ratschluß diesen unsern Bruder aus diesem Leben hinweggenommen hast, wir bitten Dich, Du wollest auch seinem Leibe die Ruhe des Grabes verleihen und seinen Leichnam bewahren bis zur Auferstehung Deiner Heiligen.

Wir segnen für diese Ruhe und für die Auferstehung zum Leben diesen Leichnam, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir übergeben der Erde, was von der Erde ist, und befehlen den Geist in die Hände Gottes, der ihn gegeben hat. Gelobet und gebenedeiet sei der Name Gottes, des Allerhöchsten, der uns geliebet in Christo Jesu, unserm Herrn, bis in Ewigkeit. Amen.

Am Schlusse nach der Ansprache:

Laß ihn ruhen in Deinem Frieden und erwachen zu einer fröhlichen Auferstehung. Amen.

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b) Das Jahr 1872

Als im genannten Jahre ein totgeborenes Kind apostolischer Eltern in die Ewigkeit ging, war große Traurigkeit nicht nur im Herzen der Eltern, sondern in der ganzen Gemeinde darüber, daß man ein kleines Kind sozusagen als Heide in die Ewigkeit gehen lassen mußte. Es wurden Überlegungen angestellt, ob dies Kind nachträglich versiegelt werden könnte.

Zur gleichen Zeit, Pfingsten 1872, fand in Amsterdam ein großer Gottesdienst, gehalten von Apostel Schwarz, statt , in welchem Verlauf drei Apostel für verschiedene Länder gerufen wurden (vergl. "Das Buch für unsere Zeit", Band II, Seite 88). Zu diesen dreien gehörte auch Apostel Menkhoff, Bielefeld.

Viele Jahre später hielt Stammapostel H. Niehaus in Hamborn - Neumühl am 26. März 1928 einen Totenversiegelungs - Gottesdienst, in welchem er folgendes ausführte:

Cirkular 413.

Bericht über den am 26. März 1928 vom 1. Stammapostel Niehaus im Beisein der 1. Apostel Dach und Magney in Hamborn-Neumühl gehaltenen Totenversiegelungs-Gottesdienst (Auszug)

Stammapostel Niehaus:

Nach dem Besungenen bin ich erinnert worden an das Radio, das man zu der Väterzeiten nicht kannte. Wir werden von dem 1. Gott darauf hingewiesen, daß unser Beisammensein als auch das Singende nicht nur diesen Raum angefüllt hat, sondern bis an der Welt Ende geht in alle Lande hinein.

Ich denke gerade an die Zeit, als diese Erkenntnis offenbar wurde, daß noch könnte das Bibelwort erfüllt werden, was im Jahre 1872 zum ersten Mal für mich zum Anhören kam in Holland, wo Apostel Schwarz fragte, was bedeuten doch die Verse aus 1. Korinther 15,29. Da stand geschrieben, wenn der Herr nicht auferstanden ist, was

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machen die für eine Arbeit, die sich lassen taufen "für" die Toten, während in der lutherischen Übersetzung steht "über" den Toten. Man wußte nicht, wo man hin sollte mit diesen Versen. Die Antwort von Vater Schwarz wurde hörbar: "Das kann ich nicht sagen, das ist ein verdecktes Blatt, ich kann sagen, wir sind in der Zeit und es dauert nicht lange, da werden wir es im Lichte erkennen. Ich, natürlicherweise, spitzte die Ohren, denn ich hatte nie etwas anderes gelesen, als wie "über" den Toten. Auf einmal hörte ich, daß es im Urtext und im Holländischen ganz anders heißt. Da heißt es: "Warum laßt ihr euch taufen "für" die Toten. Ich war in der Zeit nicht einer, der nur immer zuhörte, sondern ich sah zu, daß ich etwas mitbekam. Als ich zurückkam, schlage ich den Bibelvers auf, und was finde ich in der Erklärung von Otto Gerlach? "Man kann deuteln, wie man will, es ist ein geheimnisvoller Ausdruck von dem Apostel Paulus." Es war das damals eine offenbare Erkenntnis, nicht als ein Etwas, was aus der Luft gefallen. Es war eine bekannte Tatsache unter den Apostolischen. Deshalb hat Paulus dieses als Abwehrmittel genommen gegenüber denen, die die Auferstehung leugneten. Der alte Apostel sagte: "Könnt ihr euch taufen lassen "für" die Toten, wenn überhaupt keine Auferstehung stattfindet?" Warum laßt ihr euch "für" und nicht "über" den Toten taufen?" Nun hatte ich ein zwiefaches Zeugnis. Aber man wußte nicht wie und was.

Es dauerte nicht so sehr lange, wo der Apostel Schwarz schrieb: "Das Wort hat seine Aufklärung gefunden und wohl zunächst dadurch, als der Apostel Schwarz eine Versiegelung durchführte. Da sehen die Gesichtsehenden neben den Lebenden die Entschlafenen und als der Apostel die Hände auf die Verlangenden legte, stehen welche dazwischen und er geht darüber hinweg und dieselben Handlungen empfingen die Entschlafenen. So waren auch andere Gesichte, die gleichlautend waren, was wir bisher nicht kannten. Da schrieb damals Apostel Schwarz an Apostel Menkhoff: "So und so werde ich es ausführen" und hat hingewiesen, das hat der Herr gegeben mit den begleitenden Zeugnissen, "du kannst es machen, wie du es willst, ich schreibe es dir, ich will das Wort vom alten Apostel zur Tat bringen."

Nun war dieses etwas Neues. Aber nun kamen die versäuerten Apostolischen, die den Sauerteig der Schriftgelehrten in sich trugen, und wehrten sich dagegen. "Was", sagen die, "sind denn im Jenseits keine Apostel, die das machen können für die Entschlafenen, das ist ja lächerlich." Also, diese

 

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widersetzten sich dem. Nein, das konnte im Jenseits gemacht werden. Es mochte sein, wie es wolle, der Apostel Menkhoff aber ließ sich nicht beirren. Später kam Krebs dazu. Früher mußte der, der an einer solchen Handlung teilnehmen wollte, angeben, wie viele hast du, drei, fünf, zehn? Da war der Gedanke, das können nur heilige Leute sein, vielleicht hier und da ein Talarmensch oder doch Gläubige. Ja, die konnten das nur sein. Aber eine Erlöserarbeit auszuführen, Sünder nach dem oben Bezeichneten eine Hilfe zu sein, war kein Gedanke dran. Da befanden wir uns aber in den Kinderschuhen. Weiterhin wurden wir eines Besseren belehrt.

Da war es einmal in Iserlohn, wo auch ein Dienst ausgeführt wurde. Während der Handlung, wo alle teilweise hervorgetreten, konnten wir nicht weiter, denn auf einmal stockte es unter der Handlung. Genug, ich erkannte, daß ich auf Widerstand stieß, hielt ein und sagte: "Ich gebiete euch Teufel, die ihr mich hindert, weichet von diesem Platz!" Nachher kommt der Prophet und sagt: "O, was habe ich mich gewundert, was da dazwischen gekommen war." Da stand jedenfalls einer, der verlangend war, und da stand auch einer, der lachte darüber und hielt die Gesandten Gottes für Spott und Mutwillen. Aber, sagte er, wie ich das Wort gegeben "weichet", wie ein Blitz wären sie geflohen. Ich konnte daraus wiederum sehen, das war ein Wink von Gott, und kam zu dem Gedanken, ei, das waren doch welche, die hergeführt waren und angeschrieben wurden. Ich gewahrte aber bei der Handlung, daß da welche zwischen waren, die die Gnade Gottes auf Mutwillen ziehen und für Spott halten wollen. Aber sie waren eben herangezogen und wohl durch die Macht der Gedanken, die menschliche Gutmeinung. Nun wußte ich, die Sache muß anders liegen, denn die Erkenntnis wird größer.

Ich 'wurde dann gelenkt auf das Wort von Jesus: Niemand kommt zu mir, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater." Somit kommt es zuerst auf die ziehende Liebe und Gnade an, welche offenbar wird durch das Zeugnis, wodurch eingeladen und gezogen wird. Aber sie müssen dann auch so sein, daß sie die Stimme des Sohnes hören können, denn wenn sie nicht hören können, können sie auch nicht zum Leben gebracht werden. Infolgedessen muß es die ziehende Macht des Vaters sein, was wir doch auch erlebten in dem Erlöserwerk allzumal. Aber wir können nicht alle herführen, die wir meinen, gut dafür zu sein. In der ersten Zeit mußten es Gläubige sein; die nur konnten apostolisch werden. Wir sind aber eines Besseren belehrt

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worden und wohl unter der Hand des Apostels Krebs. Der jagte uns an die Landstraßen und Zäune. "Ach, Herr, komme. Vater, sende deinen Sohn, es dauert so lange." Da kommt der Apostel und sagt: "Was ist das? Handelt, bis daß ich komme, geht an die Landstraßen und Zäune und kümmert euch nicht um die Verschrobenen." Ich will sie nicht näher kennzeichnen, die versäuert sind mit dem Sauerteig der Schriftgelehrten. 0, da gingen uns aber die Augen auf. Er sagte weiter: "Wenn der Herr morgen kommt, so bin ich verpflichtet, heute noch meine Schuldigkeit zu tun, damit er mich an der Arbeit findet und nicht auf dem Ruhebett." Das ist aber was anderes.

Da sind wir erst an die Landstraßen gebracht worden. Infolgedessen bekamen die Handlungen der Entschlafenen eine ganz andere Gestalt. Sonst mußten es Gläubige sein, die im Glauben Entschlafenen und selig Gepriesenen, vielleicht auch einen langen Talar getragen und eine entsprechende Mütze dazu. Die mußten doch alle apostolisch werden. Ei, ei, und wir wurden eines Besseren belehrt.

Laut der gemachten Erfahrung wurde nicht mehr gefragt, hast du fünf oder zehn usw. Ach, sage ich, mir ist es einerlei, wenn wir in der Erlöserarbeit stehen, um die Verheißung Jesu zu erfüllen, ob es fünf sind oder fünf Millionen, die der Vater gezogen hat, und wohl erst durch die Arbeit, die im Jenseits geschieht. Denkt ihr vielleicht, die sitzen auf dem Stuhle und singen Halleluja, Halleluja? 0 nein, Arbeit macht das Leben süß. Wenn einer stirbt, so geht er zu der Gemeinschaft hin, zu der er gehört, und weiterhin geht er zu denen hin, die nicht glauben konnten. Und das wohl auch zu solchen, die in den Zeiten Noahs gelebt. Ich mache aber mit der Zeit Noahs keinen Abschluß. Denken wir tausende von Jahren zurück an die, die nie etwas gehört haben von dem Erlöser und nie etwas erkennen konnten von der Erlösermacht. Die himmlischen Heerscharen bei der Geburt Jesu waren weiter im Erkennen als der geboren wurde und sagen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden." Die sangen nicht, Frieden gibt er im Himmel, nein, Frieden auf Erden und macht es den Menschen zum Wohlgefallen. Davon sangen die Engel nach dem oben Besagten.

Früher war man der Meinung, Jesus muß alles machen, aber diese Meinung und Ansicht wurde hinfällig. Warum hat denn müssen Gott Mensch werden? Warum haben sich denn auch zeitgemäß Engel als Menschen gezeigt? Warum haben sie Menschengestalt angenommen, wodurch sie sich offenbart haben? Wenn das nun geistigerweise ging,

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Geist zu Geist, dann brauchte der Sohn nicht Mensch zu werden. Warum mußten die Engelfürsten Menschengestalt anziehen, um sich offenbaren zu können in Wort und Tat? Also, da wurde dieser Tempel wieder abgebrochen, der hielt sich nicht.

Aber heute sage ich nach der Erkenntnis nochmals, wenn die Erlösung im Jenseits möglich war, dann brauchte Jesus nicht Mensch werden. Er hatte Diener genug. Er sagte: "Es ist mir ein leichtes, daß ich meinen Vater bitte, daß er mir zwölf Legionen (Symbolzahl) schicke." Also, doch konnte die Arbeit nicht gemacht werden, wiewohl er Kräfte genug hatte, sogar im Überfluß. Der Sohn mußte Mensch werden. Wir dürfen glauben, daß der Sohn in das Erdreich hineingegeben. Der alte Apostel sagte unter Hinweis, er ist der einmal gelegte Grund und Felsen, worauf lebendige Steine können gebaut werden, worunter die Apostel genannt wurden, die als Felsensteine auf diesen unsichtbaren Felsen das Glaubensgebäude bauten. Später fing man an, auf Sand zu bauen. Wie es allgemein ist, werden doch die Felsensteine infolgedessen verderben.

Wie gesagt, Gebundene können andere nicht erlösen, das geht nicht. Wenn einer im Wasser liegt und ist am Ertrinken, so kann ihn keiner erretten, der ebenfalls darin liegt. Wer selbst in der Grude liegt, kann andere nicht herausbringen, das geht in diesem Fall bis ins Kleinste hinein. Paulus sagt unter Hinweis darauf: "Du sagst, der soll nicht das tun und du tust es selbst, und wenn du es nicht tust, hast du Gefallen daran usw." Nun müssen wir erstmal für euch sorgen. Ihr müßt zunächst die Freimachung hinnehmen und auch die Sohnestat, die recht frei macht. Dann können wir den Heimgegangenen behilflich sein. Ich habe eben darauf hingewiesen, daß das Erdreich und das Himmelreich zusammenwirken müssen. Wir machen das Erdreich aus. Das Erdreich ist die Lebensstätte und die Nahrungsstätte, und alle, die leben wollen, müssen ihre Nahrung hier auf Erden holen. So müssen auch die Entschlafenen hier auf Erden, wo der Gnadenstuhl steht, ihre Nahrung suchen. Wir essen von einem Brote und trinken aus einem Kelche. Dadurch bilden wir eine Geistesgemeinschaft. Die Verlangenden nehmen durch uns die heilige Taufe, das heilige Abendmahl und die heilige Versiegelung hin. Ihr genießt allzumal unter dem Gedanken: "Kommt her, ihr Hungrigen und Kranken, ihr Schwachen und Müden, ich gebe dir von meinem Brot was mit. Die Sündenvergebung und das heilige Mahl ist die Quittung. Das ist die große Bedeutung, daß der eine muß den andern

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abgeben. Die Quittung wird dargereicht unter dem Gedanken: "Ich vergebe dir und du vergibst mir." Diese Quittung muß im Glauben bewahrt werden. Also muß es gefunden werden. Wir müssen erst Fürsprecher sein für die Anklopfenden. Wir richten und verdammen niemand. Die der Vater gezogen hat, die kommen zu der Offenbarungsstätte.

Zur Ausführung der Handlung muß ich gleich zwei Glaubensmütter haben. Diese beiden Glaubensmütter dienen als gemeinschaftliche Brüste, wodurch ich die Milch des Evangeliums kann hindurchbringen, die noch nicht getauft sind. Aber bei der Taufe müssen sie einen Namen haben. Die Mütter bilden, wie gesagt, bildlich die Brüste der Gemeinschaft, durch die muß hingenommen werden die Milch in der heiligen Taufe. Was aber nun, wenn die Mütter unrein sind? Ich denke gerade daran, als kleiner Junge von drei Jahren hatte ich die Eigenschaft, daß ich konnte die Milch ziehen aus der Brust. Wenn da Mütter waren, die ihre Milch nicht losbekommen konnten, da mußte der Junge kommen, aber ich kriegte sie los. Ich sog nicht allein die Milch, sondern ich war auch am Kneten und holte auf diese Art und Weise die Milch heraus. Ich wurde selbst auch einmal zu meiner Tante geholt. Es dauerte aber nicht lange, da bekam ich auf dem Arm eine Fistel. Das war die Folge von dem Trinken der Milch. Als ich Abstand nahm und diente nicht mehr als Helfer der Mütter, wurde mein Arm heil. Ich wollte nur hinweisen, was unreine vergiftete Milch ausmacht. So geht es auch geistigerweise. Würden die Väter und Mütter nicht voller Glauben und reinen Herzens sein, so würden die Verlangenden vergiftet oder versäuert. Nun muß ich auch zwei gläubige Männer haben zur Durchführung der Handlung. Ich will heute den Männlichen den Namen "Gnade" und den Weiblichen den Namen "Selig" geben. Nun wollen wir zunächst euer Fürsprecher sein.

Abendmahlsfeier:

Totenversiegelung: Schlußgebet.

Aus diesem Auszug der Predigt des Stammapostels H. Niehaus können wir sehr viel ersehen. - Es kann also festgehalten werden, daß Apostel Schwarz im Jahre 1872 begann, Taufen und Versiegelungen an Entschlafenen über Lebende als Schale durchzuführen! Aus diesem Anfang entwickelte sich langsam unser heutiger Entschlafenen - Gottesdienst.

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c) Die Lehre des Apostels Schwarz in dem im Jahre 1872 in niederländisch erschienenen zweibändigen Werk "Das Buch für unsere Zeit"

Wir lassen hier einen originalgetreuen Auszug aus genanntem Buch folgen, aus dem die Lehre des Apostels Schwarz entnommen werden kann. Schon in diesem frühen Stadium wird die These aufgestellt, daß die lebenden versiegelten Glieder der Kirche Christi den Vorhof bilden, während die selig entschlafenen Glieder im Heiligen sein dürfen. Beide Teile der Kirche warten darauf, in das Allerheiligste zu Gott entrückt zu werden. Diese Bereiche können auch verglichen werden mit dem ersten, zweiten und dritten Himmel.

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Das Buch

für unsere Zeit

 

Die Offenbarung St. Johannis,

für die Gemeinde erklärt.

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Aus dem Holländischen.

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Erster Band.

Die Vergangenheit.

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Als Manuskript gedruckt.

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Die lebenden Gläubigen können also nicht ohne die entschlöafenen, noch diese ohn jene zur Vollendung gelangen. Sie gehören zusammen und sind mit einander verbunden; denn gerade wie die beiden Altäre einen Altar ausmachen, so bilden auch sie mit einander einen Leib, von dem Christus das Haupt ist; und Er ist ja ein Herr der Lebenden und Tote. Das ist die höhere Bedeutung der Worte "die Gemeinschaft der Heiligen," die die Kirche in ihren Glaubensartikeln bekennt und was wir unten noch beleuchten werden.

Fassen wir zuvor das Gesagte zusammen, dann verstehen wir unter den Seelen unter dem Altare alle in dieser Zeit noch lebenden und alle früher entscdhlafenen Menschen, die ihre Seelen dargegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesu Christi (Apost. 15: 26), und die sittlich und leiblich getötet sind auf dem Altar des neuen Bundes, der durch den Brandopferaltar des alten Bundes abgebildet wird. Aber auch alle Zeugen des alten Bundes, die für den Namen des Herrn gelitten und gestritten oder ihren Glauben mit dem Tode besiegelt haben, gehören ebenfalls zu den Seelen unter dem Altar.

Es war aber, wie gesagt, in der Stiftshütte und in dem Tempel noch ein zweiter Altar,. der Rauchopferaltar, woraus die Seelen unter dem Altar auch Bezug haben. Das Räuchern auf dem Rauchopferaltar war der zweite Teil des Gopttesdienstes. Beide Alktäre bilden aber ein Ganzes, einen Altar; ebenso die Seelen unter dem Brandopferaltar und die unter dem Rauchopferaltar. Das Räucherwerk des neuen Bundes sind die Gebete der Gläubigen. Ebr. 13, 13: 10; Offenb 5: 8.

Es ist so vieles im alten und neuen Bunde enthalten, welches bei oberflächlicher Betrachtung gewöhnlich als dichterische Sprache oder als figürliche Redeweise angesehen wird. Wenn man aber die Schatten des alten Bundes und das Wesen des neuen Bundes mit einander vergleicht und alsdann den Anweisungen des Herrn und seiner Apostel folgt, so gelangt man zu ganz anderen Schlüssen, zu einer tieferen Einsicht der Bedeutung und uzu hochherrlichen Offenbarungen, die sonst Geheimnisse bleiben.

So finden wir auch hier auf Grund des untrüglichen Wortes Gottes eine hellere und klarere Vorstellung von dem Reiche Gottes

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auf Erden und im Himmel in ihrer gegenseitigen Verbindung. Der Heiland nennt das zusammen "das Himmelreich", verschieden von dem Himmel der Seligkeit.

Erinnern wir uns noch einmal der Einrichtung der Stiftshütte und des Tempels. Diese bestanden aus drei Teilen und zwar aus:

1. dem Vorhof mit dem Brandopferaltar. Dieser Vorhof war, solange Israel auf der Wanderung sich befand und die Stiftshütte inmitten des Volkes stand, nicht in zwei Teile geteilt, während er im Tempel des Salomo aus zwei Teilen, den äußeren oder den Vorhof der Heiden und den inneren oder Vorhof Israels bestand. Beide waren nicht bedeckt, sondern unter freiem Himmel.

2. Das Heilige mit dem goldenen Rauchopferaltar; zu diesem hatten nur die Priester zutritt; es war von hinten durch einen dicken Vorhang getrennt von

3. dem Allerheiligsten, in welchem die Bundeslade und der Gnadenstuhl sich befanden. Nur der Hohepriester durfte einmal im Jahre ins Allerheiligste gehen.

Das Heilige und Allerheiligste bilden zusammen ein Gebäude, den eigentlichen Tempel und waren durch den Vorhang von einander getrennt.

Diese Beschreibung des Tempels, die wir noch in der sechsten und siebenten Zeit nötig haben, giebt uns ein Bild von Erde und Himmel für die Gläubigen, oder vom Himmelreich, wie Jesus sich ausdrückt. Dies ist nicht unsere Meinung, sondern wird uns ausdrücklich gelehrt in Ebr. 8: 5, wo buchstäblich im Original steht: "Welche (Priester) den Altardienst verrichten bei (den Dingen, die) ein Nachbild und Schatten (sind) von dem, was der Himmel ist," und 9: 23, 24: "So mußtren also Abbilder der himmlischen Dinge durch dergleichen (Blut) gereinigt werden; das Himmlische selbst aber durch bessere Opfer, als diese: dennChristus ist nicht eingegangen in Heiligtümer mit Händen gemacht, Gegenbilder der wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, um nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes." *)

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*) Siehe: "Handbuch der Bibelerklärung, herausgegeben vom Calwer Verlagsverein" Calw und Stuttgart 1878, Band II, Seite 527., welches Buch wir sehr empfehlen können, da die Übersetzung der Schrift ziemlich korrekt ist.

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Daß dieser Tempel eine getreue Abbildung von den himmlischen Dingen sein mußte, lesen wir auch in 2. Mos. 24: 15 – 18 und Kap. 25: 40, wo Moses von Gott den Befehl erhält: Siehe zu, daß du es machest nach ihrem (Vor-) Bilde, das du auf dem Berge gesehen hast" (Kap 25: 40), und in Ebr. 8: 5 citiert.

Wenn alsdann diese Einrichtung des irdischen Tempels ein getreues Bild ist von dem himmlischen, d.h. von der neutestamentlichen Gemeinde oder dem Reiche Gottes auf Erden und im Himmel, dann haben wir bei beiden folgende treffende Übereinstimmung:

Die Stiftshütte oder der Tempel des alten Testaments

Das Himmelreich des neuen Testaments

Der Vorhof der Heiden

Das Anbieten der Gnade Gottes den Ungläubigen auf Erden.

1. Der Vorhof Israels mit dem Brandopferaltar des alten Testaments

1. Die auf Erden schon seligen Gläubigen oder der erste Himmel, der Kirchenhimmel mit dem Altare des neuen Bundes, dem Kreuze Christi und dem der Christen.

2. Das Heilige mit dem Rauchopferaltar, in welchem nur die Priester zutritt haben.

2. Der zweite Himmel oder der Aufenthaltsort der Gläubigen (Priester, Offenb. 5: 10, *) wo sie warten auf den Tag des Herrn.

3. Das Allerheiligste, wo Gott auf dem Gnadenstuhl thront, und in welches nur der Hohepriester gehen darf.

3. Der dritte Himmel oder der Himmel, wo Gott der Vater auf dem Gnadenstuhl thront und Christus zu seiner Rechten als Hohepriester. Hier werden alle Seligen am Gerichtstag versammelt werden zur Freude des Herrn.

*) Die Schrift nennt diesen glückseligen Tag des Totenreiches "Paradies", weil der in Adam gefallene Mensch durch das Erlösungswerk Jesu Christi wieder in den unbefleckten Zustand des Paradieses gelangt ist.

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Für die Ungläubigen, die die angebotene Gnade Gottes verschmäht haben und also hier auf Erden nicht in das Himmelreiche eingehen, ist auch später kein Platz mehr bereitet, sie kommen zuerst in das finstere Totenreich und danach in die äußere Finsternis.

Manchen wird diese Vorstellung etwas fremd und unglaublich vorkommen; doch können und werden wir Stellen aus dem neuen Testamente angeben, die ganz damit übereinstimmen und nicht allein diese Vorstellung beweisen, sondern wiederkehrend auch in derselben Beleuchtung finden.

Paulus lehrt uns in 2. Kor. 12: 1 – 4, daß eine große Offenbarung ihm in einem Gesichte geworden sei. In dem zweiten Verse erzählt er, daß er entzückt ward bis in den dritten Himmel. Dann muß auch ein zweiter und erster Himmel bestehen. Ob er daselbst mit dem Leibe gewesen ist oder nicht, weiß er nicht zu sagen, ebenso wenig sagt er, ob er etwas in dem Himmel gehört habe. Mit derselben Bezeugung, daß er nicht wisse, ob er in dem Leibe dagewesen sei, beginnt er aufs neue in Vs. 3 zu erzählen, daß er entzückt ward in das Paradies, und daß er allda unaussprechliche Worte gehört habe.

Es ist klar, daß Paulus hier von zwei verschiedenen Stellen spricht; den ersten, als den höchsten Platz nennt er zuerst, darnach den weniger hohen oder das Paradies, durch welches er gehen mußte, um in den dritten Himmel zu gelangen, gleichwie der Hohepriester im Tempel nur durch das Heilige in das Allerheiligste kommen konnte. Noch mehr erhellt das, weil Paulus von dem dritten Himmel spricht, dass man auf keinen andern Ort beziehen kann, als auf den Ort, wo Gott selbst ist. Es muß dann auch ein zweiter Himmel sein, und der ist das Paradies. Der erste Himmel, analog dem Vorhof Israels, ist dann die Kirche Jesu Christi, das neue Bundesvolk, welches das geistliche Israel ist (Gal. 3: 7, 16, 29) und also das Reich Gottes auf Erden oder der Kirchenhimmel.

In diesem Sinne sagt dann auch Paulus: "Gelobet sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segenin der Himmelswelt in Christo" (Calwer Bibelerklärung) Eph. 1: 3, und "da wir tot waren in

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den Sünden, hat Er uns samt Christo lebendig gemacht, (denn aus Gnaden seid ihr selig geworden) und hat uns samt Ihm auferweckt und samt Ihm in das himmlische Wesen (in den Himmel) gesetzt in Christo Jesu" (Eph. 2: 5, 6). Selig sind die Gläubigen also schon hier auf Erden im ersten Himmel oder in der Gemeinschaft mit Jesu Christo und in der Einverleibung in Seinen Leib, die Kirche, deren Haupt und Hohepriester Er ist.

Wenn wir diese Vorstellung von den drei Himmeln des Reiches Gottes festhalten, so werden alle die Stellen der heil. Schrift uns deutlich, wo von Himmel oder verschiedenen Himmeln gesprochen wird und nicht das sichtbare blaue Himmelsgewölbe bezeichnet werden kann.

Wenn Jesus und die Apostel dann sagen, daß in den letzten Tagen am Himmel Zeichen geschehen sollen, daß die Sterne (Lehrer) vom Himmel fallen u.s.w., so geschieht dies nicht nur am Firmament, sondern auch bei uns in der Kirche Christi, an dem Himmel, in dem wir leben. Und die Zeichen sind da; sie sind in großer Zahl vorhanden für den, der das Auge des Geistes hat, sie zu unterscheiden.

Der zweite Himmmel ist dann der Teil des Geisterreiches, wo die Seelen der Gläubigen sich aufhalten und verbleiben. Das zeigt uns der Herr Jesus selbst an in seinem Worte, das Er an den Schächer am Kreuze richtete: "Heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein." Dieses Paradies (Paradies bedeutet Lustgarten) kann also nichts anderes sein als der Himmel der Seligen. Jesus ist bei Seinem Tod nicht gen Himmel gefahren, sondern zu den Geistern in das Gefängnis (Warteort) 1. Petru. 3: 19, 20; auferstanden am dritten Tage und erst später gen Himmel gefahren. Er selbst lehrt, daß das Gericht und die Zuerkennung des ewigen Lebens und der Eingang in dasselbe erst an jenem großen Gerichtstage stattfinden wird (Offenb. 20: 12, 13), wenn die Bücher aufgetan werden und ein Jeder nach seinen Werken gerichtet wird, wenn die Schafe von den Böcken geschieden werden, die Gläubigen zum ewigen Leben und die Ungläubigen zur ewigen Verdammnis eingehen werden. An diesem Tage des Gerichts werden dann die Seelen der Gläubigen, die bis dahin im zweiten Himmel, im Paradiese sich aufhielten, mit ihren ver-

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herrlichten Auferstehungsleibern vereinigt und gehen dann ein in den dritten Himmel, wo Gott in Wirklichkeit auf dem Gnadenstuhle thront, wie das vorbildlich im Allerhöchsten des israelitischen Tempels war.

Es ist keine neue Lehre oder Idee, die wir hier verkündigen; von den ersten Zeiten der Christenheit an hat man das geglaubt. Siehe im ersten Brief Petri Kap. 3: 19, 20, wo der Apostel lehrt, daß Christus im Totenreich auch den Geistern im Gefängnis (Warteort) gepredigt habe, und 4: 6: "denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündiget." Das Evangelium den bereits Seligen zu verkündigen, war unnütz; sie sie besaßen ja schon, was das Evangelium ihnen bringen konnte. Dieselbe Wahrheit finden wir auch in 2. Petri 2: 4, wo es heißt: "Denn Gott hat der Engel, die gesündigt haben, nicht verschonet, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle *) verstoßen und übergeben, daß sie zum Gericht behalten werden." Siehe auch Jud.6. – Es besteht auch unter den Pseudo- oder nicht als echt anerkannten Evangelien ein Evangelium von Nikodemus, dessen zweiter Teil die Geschichte von der Niederfahrt zur Hölle enthält. Die Kraft der Sprache, die Glut und Lebendigkeit der Darstellung, die dieses Werk kennzeichnen, deuten auf ein frühzeitiges Entstehen, vielleicht schon im ersten, wenigstens aber im zweiten Jahrhundert. Der hohe Wert, der in den ersten Jahrhunderten dieser Schrift zuerkannt wurde, kann für uns nicht als Beweis für die Echtheit desselben dienen, sondern als treffender Beweis, daß diese Lehre in der christlichen Kirche bestand. Deshalb und weil gerade dieser Lehrsatz damals bezweifelt wurde, ist, wenn auch später, derselbe auch in das Glaubensbekenntnis hinünergenommen als "niedergefahren zur Hölle". Auch die jüdische

*) Luther hat in seiner Übersetzung keinen Unterschied gemacht zwischen den griechischen Wörtern Hades, Gehenna und Tartaros, sondern alle drei mit "Hölle" übersetzt. Derselbe Fehler befindet sich z.B. in der niederländischen Staten – Vertaling. Zur Richtigstellung diene folgendes: Hades bezeichnet den Aufenthaltsort der Seelen nach dem Tode, das Totenreich oder Geisterreich. Dieses Wort findet man und lese man so in Luk. 16: 33; Apg. 2: 27, 31; 1. Kor. 15: 55; Offenb. 1: 18; 6: 8; 20: 13, 14 als Totenreich. Der glückselige Ort, wo die Gläubigen im Hades verweilen, ist das Paradies. Gehenna ist die wirkliche Hölle oder der Strafplatz der Verlorenen z.B. in Matth. 5: 29, 30; 10: 28; 23: 15; Mark. 9: 43, 45; Luk. 12: 5. Tartaros ist ein tiefer Abgrund (2. Petr 2: 4) und der Aufenthaltsort der Teufel.

An den übrigen Stellen, wo Hölle gelesen wir, kommt dieses Wort in der eigentlichen Bedeutung nicht vor, sondern als ein Bild für die Tiefe und die Mächte der Finsternis.

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Theologie lehrte ein finsteres Totenreich (scheol) und nannte das im Anfang unserer Zeitrechnung "Paradies". Bei den abendländischen Kirchenvätern bestand dieser Glaube allgemein bis zum fünften Jahrhundert und ist so in die päpstliche Zeit übergegangen. Hier entstand daraus die Lehre vom "Fegefeuer", aus welch letzterem die Seelen zu erlösen und denselben Eingang in den Himmel zu verschaffen die Priester Macht zu haben vermeinten.

Es mußte auch in der protestantischen Kirche nach der Reformation dieser Glaube der ersten Jahrhunderte, wenn auch in einer einigermaßen bemerkbaren Form, wieder zum Vorschein kommen. Es war doch sicher, daß schon beim Tode die Seele von dem Körper sich trennte. Der Leib vergeht und wird zu Staub und steht am jüngsten Tage als unsterblicher Leib wieder auf. Wo aber blieb nun die Seele, die mußte doch irgenwo sein? Man glaubte nun die Seele der Gläubigen bei Gott im Himmel glücklich zu sein, und die der Ungläubigen an dem Ort, wo der Wurm nie erstirbt, das Feuer nie erlöscht. Aber dann würde der große Tag des Gerichts, worauf Jesus so viel Gewicht und Nachdruck legt und wovon Er sagte: "Alsdann wird des Menschen Sohn einem jeglichen vergelten nach seinen Werken" zu einer – man verzeihe uns das Wort – thörichten, grundlosen Darstellung, zu einem Freispruch Jahrhunderte lang nach der Freistellung, zu einem Urteil Jahrhunderte lang nach der Einkerkerung. Zudem begriff man, daß dem Tage des Gerichts eine viel höhere Stufe der Seligkeit resp. der Unseligkeit folgen müßte und meinte deshalb, daß die Seelen der Gläubigen Toten im Verlangen nach ihren Auferstehungsleibern noch nicht die volle Seligkeit genießen würden, sondern an jenem Tage, wenn mit dem Leibe bekleidet und vereinigt, eine größere Zugänglichkeit zur Seligkeit bekommen, gleichwie die mit ihren Auferstehungsleibern bekleideten Verlorenen ein viel größeres Maß von Unglückseligkeit.

Diese ganze Erklärung kann sich jedoch auf keinen Ausspruch der heil. Schrift stützen und streitet gegen alles, was uns bezüglich der letzten Dinge in derselben geoffenbart ist. Es hätte dann die Zauberin von Endor den Samuel, Elias den Sohn der Witwe zu Sarepta, Petrus die Tabea, Jesus den Sohn der Witwe zu Nain, die Tochter Jairus΄ und den Lazarus aus dem Himmel zurück-

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gerufen! Was bedeutet dann auch die Predigt Jesu (1. Petri 3: 19) den Geistern im Gefängnis? *)

Fassen wir jetzt zum rechten Verständnis der folgenden Teile der Offenbarung in wenigen Worten zusammen, was uns über das Leben der Gläubigen in und nach diesem Leben in dem Worte Gottes gelehrt wird, und wie es im Bauplan des irdischen Tempels als sichtbares Bild von dem himmlischen Tempel abgebildet wird.

1. Der Vorhof des Tempels ist das irdische Leben

a) In dem Vorhof der Heiden sind die Unbekehrten hier auf der Erden, die ohne Christum leben.

b) In dem Vorhof Israels sind die Gläubigen oder das geistliche Israel; sie opfern Fleisch und Blut, den alten Menschen, auf dem Brandopferaltar des neuen Bundes (dem Kreuze der Christen), dessen Hohepriester Christus ist. Dieser Vorhof des Himmelreichs ist der erste oder irdische Himmel.

2. Das Heilige des Tempels ist der Zustand der Christen nach dem Tode und vor der Auferstehung des Fleisches, also bis zum Tage des Herrn. Dieser Platz und Zustand wird Paradies genannt und ist der glückselige Zustand im Schattenreiche oder Hades. Der Herr Jesus ist auch da der Hohepriester und opfert die Gebete der Gläubigen auf dem Rauchopferaltar des neuen Bundes (Offenb. 8: 3, 4). Dieses Heilige ist der zweite Himmel oder der Zustand der Gläubigen nach dem Tode im Paradies, in welchem Paulus unaussprechliche Worte hörte. Hier warten die Seelen unter dem Altar des fünften Siegels.

3. Das Allerheiligste ist der Himmel, wo Gott der Vater thront auf dem Stuhl der Gnade, wohin Christus als unser Hohepriester allein eingegangen ist (Ebr. 6: 20) und daselbst für die Seinen bittet, die am Tage des Herrn auch mit Ihm zu dem Vater eingehen in das Allerheiligste und mit Christo sitzen auf seinem Throne, gleichwie Er mit dem Vater gesessen ist aus Seinem Throne, aus daß Gott sei alles in allem. Dieses ist

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*) Das Wort Gefängnis hat hier nicht die Bedeutung von "Strafe", sondern ist als Ort der Aufbewahrung zu verstehen. Das Wort bedeutet im Urtexte nicht allein die Stelle der Bewahrung, sondern auch den Zustand der wartenden Personen an. "Sie haben die Verheißung (noch) nicht empfangen, darauf, daß sie nicht ohne uns vollente würden". (Hebr. 11: 39, 40), sondern sie warten auf uns. Siehe Offenb. 6: 11.

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der dritte Himmel oder der Himmel der Himmel. Paulus wurde bis in diesen Himmel entzückt, auch Stephanus, voll heiligen Geistes, sah ihn offen und die Herrlichkeit Gottes, des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehend. (Apost. 7: 55, 56).

Dieser dritte Himmel ist der eigenliche Auferstehungsort des Sohnes Gottes, von wo er als Hohepriester ausgeht in das Totenreich (das Heilige) und der Toten Gebete opfert auf dem Rauchopferaltar, aber auch zu uns kommt in den Vorhof Israels, nach dem Brandopferaltar und bei, mit und in uns ist. Matth. 28: 20; 2. Kor 6: 16; Eph. 3: 17.

"Und so sollten unsere Toten nicht im Himmel sein?" wird vielleicht ein trauernd Herz fragen, das geliebte Verstorbene beweint. "Wir dachten, sie hätten es schon so gut!" Sei ruhig, trauernde Seele, deine in Jesu entschlafenen Toten haben es gut! Auch darin hat die Schrift für Trost gesort. Nach ihr war Sterben Gewinn. Lies Luk. 16: 20 – 35, wo der Herr von dem armen Lazarus sagt: "Er wird getröstet!" – Ist der Jünger Jesu Christi hier auf Erden unter vielen Leiden und viel Trübsal schon so selig geworden in der Gemeinschaft des Glaubens mit seinem Herrn und Heilande, wie viel mehr da, wo keine Anfechtung des Fleisches und Blutes den Gläubigen mehr betrüben kann, wo er in unbefleckter Reinheit mit seinem Seligmacher lebt. Vertraust du dein Leben und das der Deinigen Jesus an, wie viel mehr deine Seele und der Seinigen Seelen, für welche er gelitten und gestorben, sie zu erhalten, die Seelen, die Er mit seinem Blute zum Eigentume erkauft hat. Er hat sie lieb; auch in dem Totenreich sind sie die Seinen, denn er ist Herr der Lebendigen und der Toten. Sie sind in der Gewißheit schon selig, daß sie die Krone des Lebens erworben haben und erwarten ihr herrliches Los am Ende der Tage.

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d) Die Lehre, dargestellt an Hand zahlreicher Dokumente aus der Zeit von 1874 – 1950

1874

Wir können die Serie der angekündigten Dokumente mit einem gewaltigen Paukenschlag eröffnen. Vorweg jedoch eine kurze Erklärung: Wohl ziemlich seit Beginn seiner Tätigkeit in den Niederlanden hat Apostel Schwarz eine periodische Schrift herausgegeben mit dem Titel "De Herinnering"; man war bemüht, diese Schrift wöchentlich erscheinen zu lassen. Leider ist der Verfasser nur im Besitz von zwei Jahrgängen dieser Periodika (1874 und 1886). Im Jahrgang 1874 befinden sich nun äußerst wertvolle Angaben über die bereits durchgeführten Toten-Versiegelungen, die hier ohne Kommentar veröffentlicht werden (Die Übersetzung aus dem Niederländischen besorgte der Verfasser). Hier folgen drei Auszüge aus "De Herinnering" vom 10. April, 16. April und 22. Mai 1874:

Auszug aus "De Herinnering"

Amsterdam, den 10. April 1874

Im Herrn Geliebte!

...

Am Morgen des letzten Sonntags war wie gewöhnlich Abendmahlsgottesdienst. Die Weissagungen folgten eine der anderen, so wie eine Blüte nach der anderen aufgeht.

Im Abendgottesdienst war Versiegelung. Es wurden viele Entschlafene mit Feuer und dem Geist getauft. Durch die Weissagungen wurden wir belehrt, daß die Entschlafenen sich in unserer Mitte befänden. Einige Glieder hatten Gesichte, doch diese wie auch die vielen Weissagungen habe ich noch nicht empfangen.

Am zweiten Festtag (Ostern) sprachen die vier Amter (Apostel, Prophet, Evangelist, Hirte), und zwar über Joh. 20 Vers 1-18. Das ist die Geschichte

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des Herrn mit der Maria Magdalena, und wir alle kamen in eine große Seligkeit hinein. Und denkt euch nur, am Ende des Gottesdienstes kam eine Weissagung (doch ich habe sie noch nicht empfangen): "Ich, der Herr ... gedenke heute an meinen Knecht Martin LUTHER, damit er zu meiner Braut gehöre. Mein Knecht VERKRUISEN, gehe zu meinem Knecht, dem Apostel, und lasse dich taufen für meinen Knecht Martin LUTHER." Mithin gehört Vater LUTHER fortan zu den Erstlingen und wohl zum Stamme Juda!

Dann kam noch folgende Weissagung: "Nein, mein Herz kann so viel Liebe nicht verstehen. Ich sehe viele der Entschlafenen, die ihre Hände mir entgegenstrecken, und darunter sind viele, die ich feurig lieb habe (hier zwischen kam durch eine andere Person eine Weissagung in fremder Sprache) . Vater, o mein Vater, gib mir diese, gib mir einen HARMS, einen DA COSTA, damit auch diese zur Schar der Brautgemeinde gehören. Vater, gib mir diese!"

Danach kamen folgende Worte der Weissagung: "Amen, Amen, dies sei mein Sohn, euer Wille geschehe". Doch an diesen allen wurde die Versiegelung doch nicht ausgeführt, erst müssen die Personen gefunden werden, die sich für jene an deren Platz stellen lassen. - Eigenartig ist folgendes: Auch ich hatte in der Nacht von Sonntag auf den ersten Ostertag ein Traumgesicht. Ganz genau kann ich es nicht wiedergeben. Unter dem Himmel, und zwar unter dem höchsten Licht, war alles verändert. Es waren eigenartige herrliche Dinge zu sehen. 0, so schön. Doch vor allem eines zog meinen Blick an sich: Hoch am Himmel sah ich einige Fische, darunter sehr große, sie bewegten sich hin und her. Ha, dachte ich, was ist das? Doch ich legte mir im Traum die Dinge dann selber wie folgt aus: Die Fische, die ich im Traum sah, spielten zwischen Licht und Schatten hin und her, doch nun weiß ich, daß alle diese die gefangenen Fische in dem zweiten Himmel sind. Sie waren alle sehr beschäftigt, auch ein LUTHER, HARMS, DA COSTA und andere große Männer, damit alle diese mit uns zusammen das Auferstehungsfest feiern könnten und vor allem auch zu der Brautschar gehören würden. Aber erst am zweiten Osterfesttag wurde mir mein Traum, den ich nimmermehr vergessen werde, klar.

.......

Möge dies wenige euch zum Segen sein, ruft euch zu

euer Bruder in Jesus

(gez.) F. SCHWARTZ

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Auszug aus "De Herinnering"

...

Im Herrn Geliebte!

In einer Weissagung hieß es: ...

"Beeilt euch, eilt, ihr Knechte des Herrn, und wendet euren Blick von der Erde zum Totenreich, denn von dorther soll mein Reich vollendet werden." Diese Weissagung erfolgte am ersten Ostertag.

Zweiter Ostertag. "Triumph, es ist geschehen, Triumph, der Löwe aus Judas Stamm hat überwunden! Wohl, es soll geschehen sein. Triumph, Triumph, das Volk, das Seinen Namen trägt, steht in Pracht (het staat), hat Streit, es soll überwinden. Die letzte Schlacht wird geschlagen; es bricht die Zeit der Erlösung an. Wem ist dieses Volk gleich unter all den Sterblichen? Siehst du, mein Volk, nicht in deiner Mitten die große Schar und darunter viele bekannte Entschlafene? Kennt ihr den Helden an meiner rechten Hand? Wie viel tat er auch für euch! Durch sein Werk brach das Licht aus der Finsternis hervor. Seine Augen sehen auf euch, er ist der Seufzende. Er tat viel für euch, was tatet ihr für ihn? Seht zu, daß euer Glaube mit euren Werken übereinstimmt. Sagt mir, soll nicht jener, der so viel für euch getan hat, auch mit euch erben? Dann stellt doch meinen Knecht VERKRUISEN vor mein Angesicht und empfange heute aus meinen Händen das Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit für den großen Reformator Martin LUTHER. Amen."

Dann kann ich euch folgendes Gesicht mitteilen: Bei der Versiegelung von Martin LUTHER umgab den Apostel SCHWARTZ und Bruder VERKRUISEN ein Glanz von Licht, und in diesem Licht befanden sich viele Entschlafene. An der rechten Seite befand sich ein dicker Mann, er stand dort mit einem aufgeschlagenen Buch in der Hand, an der anderen Seite stand auch ein Mann, dieser hielt ein Stück Papier in der Hand hoch, worauf ein Name geschrieben stand. Diesen Zettel zeigte er auch der Gemeinde, doch durch die Störung des Kindes der gesichtesehenden Schwester konnte sie den Namen nicht lesen, jedoch bekam sie noch den Eindruck, daß auch dieser zweite Mann den großen Wunsch hatte, versiegelt zu werden. Die gesichtesehende Schwester mußte dann mit ihrem unruhigen Kind nach draussen gehen und konnte das Ende der Dinge nicht mehr miterleben.

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Amsterdam, den 16. April 1874

Bleibt in dem Herrn, das ist der Wunsch eures Bruders und Apostels

(gez.) SCHWARTZ

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Auszug aus "De Herinnering" Nr. 20

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Im Herrn Geliebte!

Am letzten Sonntag hielt ich die Predigt, und die vier Ämter sprachen über Hand. 1, Vers 1-11, und ich sprach über Johannes 12, Vers 26. Es kamen dann Weissagungen ... In beiden Diensten wurden wir unter den Predigten reich gesegnet. Viele Weissagungen, auch fremde Sprachen und Gesichte wurden gesehen und uns vom Herrn geschenkt, und zwar bei all der Unruhe, die wir haben, was die Kirche betrifft.

Am Himmelfahrtstag empfingen vier Christen die Versiegelung, dann viele Entschlafene, darunter die Reformatoren MELANCHTHON, CALVIN, ZWINGLI, STILLING, DA COSTA und HARMS mit Frau. Somit ist unsere Zahl vermehrt und wir sind der Herrlichkeit einen Schritt näher gekommen.

Hier folgen nun noch einige Weissagungen ... Drittes Gesicht und Weissagung: Rechts und links sah ich Personen, links konnte ich nicht mehr als drei Personen gewahr werden, die sämtlich in schwarz gekleidet waren, rechts standen jedoch viele in weiß. Hinter Bruder RUYS (dem Hirten der Gemeinde), GROOT und LANKAMP und vor der Tafel weitere drei, alle diese standen mit aufgerollten Bannern in der Hand dort. Auf das Gebet des Apostels hin entrollten diese ihre Fahnen. Darauf las ich die Wörter: MELANCHTHON, Jesus ist mit dir. MELANCHTHON stand hinter dem Hirten RUYS. Hinter Bruder GROOT las ich auf der Fahne den Namen CALVIN. Hinter Bruder LANKAMP stand: DA COSTA, Jesus ist mit dir. Vor der Tafel stand auf einer Fahne: ZWINGLI, Jesus ist mit dir. So las ich es in gleicher Weise auf den anderen Fahnen für STILLING, HARMS, Jesus ist mit euch. Danach kamen folgende Wörter: diapolis amettro tera perom coba nero melettro pelo numa janja plibora diopolos ...

Aus Zeitmangel kann ich Euch leider nicht mehr schreiben. Seid gesegnet. Das wünscht Euch auch hiermit

Euer Bruder (gez.) F. SCHWARTZ

Amsterdam, den 22. Mai 1874

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1891

Im Nachstehenden lassen wir diverse Auszüge aus unserer ab 1884, also seit 100 Jahren, erschienenen Kirchenzeitschrift "Der Herold" mit den ab 1893 erschienenen "Wächterstimmen aus Ephraim" folgen. Apostel Menkhoff, Bielefeld, gab den "Herold" heraus, Apostel Krebs die "Wächterstimmen". Ferner zitieren wir aus in lockerer Folge erschienenen "Reiseberichten" über von Stammapostel Krebs gehaltene Gottesdienste.

Auszug aus Der Herold, Monatsblatt für wahrheitsliebende Christen, 8. Jahrgang, November 1891

Betr.: Versiegelung von Entschlafenen

Apostel Friedrich Menkhoff schreibt hier an die Leser des "Herold" folgendes:

Da wir am Sonntag, den 22. November, Totenfest feiern, so möchte ich nach Anleitung obiger Schriftstelle, 1. Thessalonicher 4,15-18, einiges über dieses Fest mitteilen.

Die Veranlassung des Apostels Pauli zu dem Schreiben an die Thessalonicher war ihre Unwissenheit oder unrichtige Vorstellung bezüglich der Auferstehung der Toten. Diese Unwissenheit, die in der Gemeinde zu Thessalonich noch herrschte, raubte der Gemeinde die wahre Freude, die sie anders in Christo Jesu haben konnte, sie hatte statt Freude aber Traurigkeit. Die Thessalonicher glaubten an die nahe Zukunft des Herrn, und zwar, daß Er auf Erden Sein Friedensreich aufrichten werde, aber hinsichtlich der Auferstehung der Toten oder der im Herrn Entschlafenen waren sie noch unwissend; ebenfalls auch der Verwandlung der dann noch Lebenden wie der Hinwegrückung jener Auferweckten, damit den Verwandelten zugleich dem Herrn entgegen in der Luft, um bei Ihm zu sein allezeit. Von diesem höheren oder vollkommeneren Reiche Gottes der Herrlichkeit, das mit der Aufrichtung des Friedensreiches auf Erden stattfinden wird, waren sie noch zu wenig unterrichtet worden. Diese ihre Unwissenheit mußte im Gedenken an ihre Entschlafenen Traurigkeit erwecken, da nach ihrer Meinung der Herr komme, um nur ein irdisches, wenn auch ein Friedensreich, aufzurichten, wo dann die Toten nicht mehr berücksichtigt werden. Also nach ihrer Meinung war die Gemeinschaft

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zwischen ihnen und ihren Entschlafenen mit dem Lebensfaden auf immer zerrissen ...

Am Tage der Totenfeier tun wir einen schmerzlichen Rückblick, aber es eröffnet sich uns auch eine den Schmerz lindernde Aussicht in die Zukunft. Bei diesem Rückblick tritt das schmerzliche Scheiden unserer lieben Entschlafenen vor unsere Augen. Der Tod, der Sünden Sold, der zu allen Menschen durchgedrungen, weil alle gesündigt haben, holt seine Beute ebenso aus den königlichen Palästen, wie aus den ärmsten Hütten. Er fürchtet sich so wenig vor dem stärksten Held auf dem Thron, als vor dem schwächsten Kinde in der Wiege. Er kennt kein Mitleiden, weder mit dem grauen Alter noch mit der zarten Jugend. Er überwindet und fällt einen jeden Menschen zu seiner Zeit, jedoch nur bis zu der Zeit, wo auch die Überlebenden, die nicht sterben, sondern verwandelt werden, mit den im Herrn Entschlafenen, aber wiederum Auferstandenen freudig ausrufen können: "Der Tod ist verschlungen in den Sieg." Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Nur bis dahin, aber nicht länger beteiligen auch wir uns an der Totenfeier, in Rücksicht auf das schmerzliche Scheiden unserer lieben im Herrn Entschlafenen; am Tage ihres Todes. War es doch schmerzlich, wenn der unerbittliche Tod die sich liebenden Ehegatten auseinanderriß, den hilflosen Kindern Vater und Mutter entriß; wenn die Mutter es ansehen und leiden mußte, daß ihr Liebling, ihr säugendes Kind, ihren Brüsten, ihrem Herzen entrissen wurde ... Nun, wir beteiligen uns an der Totenfeier, denn auch uns hat der Tod Wunden geschlagen, deren Narben noch nicht geheilt sind; auch wir trauern über unsere lieben Entschlafenen, wir sind jedoch über sie nicht traurig, als andere, die keine Hoffnung haben.

In der Fortsetzung des Artikels in der Dezember-Nummer 1891 heißt es auf Seite 93:

Es war und ist nicht meine Absicht, den Lesern die Offenbarung Johannes zu erklären, sondern nur etwas aus derselben anzuführen, was ich als Beitrag zu dem Schluß meines vorigen Schreibens über 1. Thessalonicher 4,13-18 erwünscht achtete. Kehren wir dann zu unseren lieben im Herrn Entschlafenen zurück, die wir nach Pauli Lehre und nach unserer innersten Überzeugung und Glauben, den Gott nach seiner Gnade durch seinen Geist in uns gewirkt hat, wiedersehen werden. Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, das ist, wir verkehren mit unsern im Herrn Entschlafenen in geistlicher Beziehung und Gemeinschaft viel näher und

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intimer, als wir uns davon eine Vorstellung machen können.

Also, sowohl unsere lieben Entschlafenen als wir Lebenden haben untrügliche Zeichen, die uns die Wahrheit der Verheißung Jesu befestigen, welche Verheißung Er zum Troste und zur Freude Seiner nach Ihm sehnlichst verlangenden Brautgemeinde in unseren Tagen oft hören läßt, welche das Universum durchdringt und alle, sowohl Entschlafene als Lebende, die Jesum lieben, mit himmlischer Freude erfüllt: Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden. Und, Ja, Ich komme bald!

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1896

Betr.: Versiegelung von Entschlafenen

Im "Herold" von März 1896 findet sich auf Seite 7 folgende Bemerkung: Am 17. Februar fuhr der Apostel (Krebs) mit einigen Brüdern von Berlin nach Havelberg, wo des Abends Gottesdienst stattfand, obwohl auch daß der Widerstand groß ist, wurden doch 64 Seelen versiegelt, so daß auf dieser Reise im Bezirke Berlin 646 Seelen versiegelt wurden. 204 Lebende und 442 Entschlafene. Wohl eine liebliche Frucht, die Jesum dargebracht ist, dem der Vater verheißen hat, Jesaja 53 - eine große Menge zur Beute und die Starken zum Raube zu haben, Gott erhalte und vollende sie bis auf den Tag Christi.

Im "Herold" Nr. 31 von Oktober 1896 heißt es auf Seite 7 in einem Reisebericht des Apostels Krebs: Es kam eine Frucht heraus von 47 lebendiggemachten Seelen, die dann als lebendige Steine im lebendigen Tempel eingeführt wurden (148 Entschlafene). Dies war in Berlin II.

Am 22. August war abends Gottesdienst in Berlin 111. Es kamen 30 verlangende Seelen vorgetreten, die dann als eine liebliche Frucht in die Scheune des Herrn gebracht wurden (98 Entschlafene). Ebenso wurde daselbst ein Jude getauft und versiegelt.

Am 23. August war der Dienst in Berlin 1. Es wurden in dem Dienste 44 versiegelt, die als lebendige Glieder dem Leibe Christi einverleibt wurden (114 Entschlafene).

Diese Angaben über die Anzahl der Entschlafenen, die in Gottesdiensten versiegelt wurden, setzt sich fort bis zum "Herold" von Januar 1904 (Nr. 102). Auf Seite 5 dieser Nummer ist eine Statistik abgedruckt für das Jahr 1904. Aus dieser Statistik kann entnommen werden, daß weltweit 10177 Lebende versiegelt wurden und 2597 Entschlafene. (Diese statistischen Angaben konnten nur für solche Apostelbezirke gemacht werden, die auch statistisches Material eingesandt hatten.)

Seit dieser Nummer des "Herold" erschienen keine statistischen Angaben mehr über die Entschlafenen, die versiegelt wurden. Auch die nächste Jahres-Statistik für das Jahr 1905, die auf Seite 7 der Nummer 126 von Januar 1906 veröffentlicht ist, spricht nur noch von den Lebenden, die versiegelt wurden.

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1898

Auszug aus einem Bericht des im Jahre 1832 geborenen Apostels (Stammapostels) Friedrich Krebs:

Braunschweig, im Januar 1898

Wir Apostel des Herrn Jesu Christi und Gottes haben unter uns die Frage aufgeworfen, wie ist das unter uns hier auf Erden in der Letzt- und Endzeit zur Bezahlung aller unserer Schuld fortschreitende Heil den Entschlafenen weiter näherzubringen, um mit ihnen und die mit uns in der Gemeinschaft Seines Geisteswirkens vollendet werden zu können?

Eine Belehrung über die Zugehörigkeit zur Menge vieler vollkommenen und gerechten Geister und der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel der Gemeinde angeschrieben und unter den Entschlafenen und Lebenden all in der Gemeinschaft der Heiligen sind und zu dem Mittler des neuen Testaments Jesu und zu dem Blute der Besprengung kommen, welches in dem sündigen Fleische durch das Apostelamt "wem ihr die Sünden erlasset, dem ist dieselbe erlassen" aufgestellt ist als der Gnadenstuhl und Altar, woraus Christus, der Gesalbte, geopfert wird und davon genießen kann, wer da kommt und mühselig und beladen ist, wird später erfolgen, doch wollen wir erst eine Regel aufstellen, wonach der Strom der Gnade und des Lebens zeitgemäß sich ergießen kann, demnach jetzt nur ein Vorwort.

Wir glauben an den Heiligen Geist, an die Gemeinschaft der Heiligen und an die Worte des Herrn. Vater du in mir und ich in ihnen, heilige du sie in der Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit, gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie in die Welt. Ich (das Wort der Wahrheit) heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien, und ich bitte nicht allein für sie, die Apostel, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben, auf daß sie alle in uns eins seien und die Welt glaubt, du habest mich gesandt. Gott ist doch ein Geist, und der Sohn Gottes, vom Vater gesandt, war in dem Menschensohne Jesus in die Welt gekommen und ist wiederum in den Aposteln durch den Heiligen Geist vom Vater gesandt, zu taufen mit Feuer und dem Heiligen Geist.

Wer nun die Apostel hört und ihre Worte und Taten annimmt, der nimmt Jesum in sich auf und gehört demnach Jesum Christum an, weil sie Christi Geist in sich haben und mit ihm eins sind. Darin

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besteht die Gemeinschaft der Heiligen, die im Geiste Gott loben, ob sie hier auf Erden oder Entschlafene sind, durch den Glauben an Jesum Christum leben sie.

Nun sagt der Herr: Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der bleibt in mir, und wiederum: Wer nicht isset und trinket mein Fleisch und Blut, hat kein Leben in sich. Wenn Apostel Paulus 1. Kort. 10.16 sagt: der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Ein Brot, so wir viele ein Leib, dieweil wir eines Brotes teilhaftig geworden sind.

Nun sagt der Herr, der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig, so ist das Blut Christi, des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden, doch der Heilige Geist, den er dem Apostelamt zur Vergebung der Sünden gegeben hat, für die durstigen Seelen und der Leib, die Gemeinde im sündigen Fleische, wie er selbst das Fleisch angezogen und im Gehorsam, unter den Willen seines Vaters geopfert hat, auch der Heilige Geist, womit Er gerechtfertigt hindurchgekommen und eine Erlösung geschaffen hat, das Fleisch, den Mystischen Leib, Jesu seine Gemeinde angezogen hat und die Sünder von der Last frei und selig machen will, dies ist seine Speise, diesen Willen seines Vaters auszuführen, als Lamm Gottes der Welt Sünden zu tragen und eine Hilfe zu sein denen, die versucht werden, und darin Mitleid haben kann.

Wenn der Herr Jesus lebt in des Geistes Gemeinschaft und sagt weiter: Dies ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden, durch das Gnadenamt des Geistes. Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs der Sündenvergebung, des Weinstocks Jesu im Fleische trinken, bis an den Tag, da ich es neu trinken werde mit Euch in meines Vaters Reich, was doch in uns ist. Jesus, der Hohepriester und Testamentsausrichter, lebt immerdar und bittet für alle, hat den Gnadenstuhl im Altar aufgerichtet und ist ein Pfleger der himmlischen Güter, und da er den Altar pflegt, so genießt er auch des Altars.

Nun in dem Hause Gottes sind viele Wohnungen, eine davon ist des Herrn, wo der Geist Gottes darin wohnet und lebendig macht und Jesus, der Auferstandene, auch unter den Lebendigen sein kann, der, wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Wer nun seine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem wird Er eingehen und das Abendmahl mit dem halten und der mit Ihm. Offb. 3,20.

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Es wurde bisher den entschlafenen Heiligen dreimal alljährlich das heilige Abendmahl gespendet, wozu das Gesetz alljährlich dreimal nach Jerusalem vor den Herrn zu erscheinen - einst die Zeit in der Zeitlichkeit, wohl dem Geiste nach vorschreibt. 2. Mose 34, 21-24.

Mit diesem kurzen Vorwort ist dargelegt, daß wie der Erstling von den Erstlingen, Jesus, der Auferstandene, sich danach sehnt, das zu vergießende Blut zur Vergebung der Sünden neu mit seinen Aposteln in seines Vaters Reich zu trinken, so sehnen sich auch die entschlafenen Heiligen von der ersten bis Jetztzeit, die unter dem Altar liegen und ruhen. Ach, Herr, wie lange?

Demnach müssen alle Heiligen an Segnungen teilnehmen, die wir hier in der Leibeshülle empfangen, denn aus Egypten, Fleisch, hat er seinen Weinstock und Sohn geholt, der hierher gepflanzt und gegeben war und ist. Aus diesen Taten der Erlösung kommt auch das Lobopfer durch den Mund der unmündig Gewordenen, Gott zu einem süßen Geruch.

Es kommt nun auf die Zahl der Stellvertreter nicht an, worin der Geist Christi und der mit allen in Gemeinschaft ist, denn wer den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein, sondern nur auf den Canal 2 oder 3 Zeugen, wo Jesus inzwischen dieser beiden Namen und Taten das fließende Leben ist, die mit dem natürlichen Leibe, das natürliche Brot und Kelch gesegnet und durch das Wort des Geistes den Leib und Blut Christi genießen.

Darum werden die Träger des Amts der älteste anwesende Diakon und älteste anwesende Diakonissin dazu ausersehen, erst für sich in der Reihenfolge zu genießen, dann stehenbleiben oder wieder hervortreten und am Schlusse für alle entschlafenen Versiegelten von der ersten bis zur jetzigen Christenheit das heilige Abendmahl nehmen, wobei der die Speise Darreichende sagt: Ihr entschlafenen heiligen Geister, nehmet hin den Leib und das Blut Jesu, Eures Erlösers, zum Leben. Armen.''

Dies geschieht nun als Regel ohne Aufforderung, die Lebenden haben die Ordnung und die Entschlafenen treten herzu auf die Worte: "Ihr entschlafenen Heiligen usw.". Da von mehreren Aposteln hervorgehoben ist, auf Grund vorgenommener Unordnung und damit verbunden Gefahren, daß die Verabreichung des heiligen Abendmahles an Entschlafene nur durch Apostel selbst zu geschehen habe,

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weil nur ein Canal, wie oben angegeben, zu öffnen nötig ist, weil die Zahl der Entschlafenen doch viel, viel größer als die der Lebenden, so wird es jedoch jedem Apostel freistehen, von dieser Befugnis, unter den für alle gemeinschaftlich mehr hervortretenden Gefahren und damit größer werdenden Verantwortung, den Bischöfen und einzelnen mit der Geisterwahrnehmungsgabe versehenen Ältesten abzugeben, jedesmal, wenn das heilige Abendmahl gefeiert wird in obiger Regel, auch die Entschlafenen daran teilnehmen zu lassen.

Nach dem Grundsatze: was ihr Apostel hier auf Erden bindet und löset, soll auch im Himmel gebunden sein, somit ist dies auch im Himmel der ganzen Geistes-Gemeinschaft hier und unter den Entschlafenen festgestellt.

So wollen wir weiter in das Totenreich gehen, und zwar auf dem Wege, den der Herr Jesus selbst ist und vorgegangen ist, um wie hier auch dort Sünden zu vergeben und dadurch eine Erlösung zu schaffen, daß auch sie, die Entschlafenen, mit dem Blute des Lammes ihre unbekannten Sünden und dadurch bewirkten Schulden bezahlen und aus ihnen herauskommen können. Wenn der Mensch erkannt, was doch nur durch den heiligen Geist geschehen kann und sündigt, mithin gegen den heiligen Geist, darin verdirbt er demnach die Sünde wider den heiligen Geist weder hier noch dort vergeben kann.

Der Herr Jesus ist getötet nach dem Fleische, aber lebendig gemacht nach dem Geiste, und darin ist er hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnisse, die etwaig glaubten, da Gott einstmals harrte und Geduld hatte. Er ist in die Höhe gefahren und hat das Gefängnis gefangen genommen und hat den Menschen Gaben gegeben, wovon die Vollkommenste der heilige Geist die Sünden vergeben zu können. Wie kann man Sünde vergeben, da man dieselbe nicht kennt, man muß in dieselbe mit hineingehen und auf sich nehmen; so auch in den Tod gehen und denselben mit seiner Macht auf sich nehmen können, dazu der Herr den Schlüssel des Todes und der Hölle der Erkenntnis, Gott geoffenbart im Fleisch und Seiner Sendung die Macht zu binden und zu lösen gegeben hat.

Also Jesus war zufrieden mit der Arbeit im Totenreich und gab daher diesen Frieden seinen Jüngern und dazu den heiligen Geist mit der Macht, Sünden zu vergeben und auch doch wohl da, wo er zuletzt im Totenreich gewesen ist und gearbeitet hatte.

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Haben die Apostel nicht auch diese Macht zur Errettung der Seele gebraucht, indem sie die Taufe zur Vergebung der Sünden durch Lebende an Entschlafenen vollzogen? 1. Cort. 15.29. Sollte Jesus, der da lebt und hinfort nicht stirbt, solches nicht auch durch Seine Apostel der Jetzt- und Letztzeit tun? Wenn der Herr Jesus in dem Auferstehungsgeiste den Geistern im Gefängnis selbst und durch seine nachfolgenden Knechte gepredigt und darauf das Schreien der unter dem Altar Liegenden erweckt hat, worauf die Tat erfolgte, daß ihnen ein weißes Kleid gegeben wurde, während sie vorhin das schwarze Kleid der Finsternis um sich hatten, aber nun mit dem Kleide des Lichts angezogen und in diesem Lichtraume erst das Sehnen ausgesprochen wird: Ach, Herr, wie lange? und darauf die Antwort des Lichts im Lichte kommt: noch eine kleine Zeit zu warten, bis alle erst hinzukommen sollen, weil die nicht ohne uns und wir nicht ohne die vollendet werden, so liegt darin klar aufgeschlossen, daß nach der Predigt im Totenreiche auch eine Tat das Anziehen des weißen Kleides, geschehen, wie es hier im Glauben in der Welt geschehen soll. Offb. 3,18, und wenn sie angezogen sind, bewehrt werden -sollen, um nicht bloß zu wandeln, sondern in weißen Kleidern, durch die Versiegelung mit dem heiligen Geist der Wahrheit, der uns in alle Wahrheit und Licht führen wird.

Es gibt nichts Klareres aus der Heiligen Schrift zu entnehmen, als daß wir mit denen im Totenreiche in Verbindung stehen und da vom Altar im Fleische aus wirken sollen, was die folgende Belehrung auch weiter klarlegen wird. Da den Aposteln die Schlüssel der Hölle und des Todes mit der Macht zum Auf- und Zuschließen gegeben ist, so ist doch wohl klar, daß durch die Taten im Totenreiche alles bewegt wird, wie es hier geschieht, wo sich das Licht zeigt und damit auch unreine Geister sich mit vordrängen, aber von dem Geiste Gottes nicht bestehen können und offenbar werden mssen.

Um auch für das Unsichtbare Schranken zu setzen, wollen wir aus der gemachten Erfahrung folgende Regel feststellen: Jeder Priester kann mit kurzen Worten darüber reden, daß auch für die Entschlafenen durch das Gnadenamt eine Erlösung gibt, danach der Geist durch Gesichte und sonstige Beunruhigung des Herzens sich kundgibt und das Verlangen ausspricht, was wiederum der Priester beleuchtet, soweit es ihm übergeben wird.

Die Namen werden aufgeschrieben und dem Priester überreicht, der dann dieselben dem Bezirksvorsteher einhändigt, das Nähere noch hinzufügt und dem Apostel vor dem Handeln vorlegt.

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Nach dem Zettel werden die Namen der Stellvertreter hervorgerufen, die ja die Namen kennen und wissen und im Geist festhalten müssen.

Es würden aber nach diesem Verfahren nur die bekannten Entschlafenen herausgeholt werden können, was aber dahin erweitert werden soll, daß der Apostel, nachdem alle vorgetreten sind, den Herrn fragt-. Herr, hast du außerdem welche unter den Entschlafenen, denen du das Siegel geben willst?

Werden hier welche namhaft gemacht, so werden dieselben nicht gleich versiegelt, sondern nur der Name aufgeschrieben, und den übrigen Aposteln mitgeteilt, um zu verhüten, daß welche, wie es schon geschehen, zweioder dreimal in verschiedenen Stämmen (= Apostelbezirken) versiegelt werden. Wenn Bezeichnete so lange geruht haben, kommt es ja auf die Zeit nicht an.

Es wird hierdurch die Tür weit geöffnet, nicht allein unter den bekannten, sondern auch unter den unbekannten Entschlafenen wirken zu können, aber auch die Schranken so festgestellt, daß alles erst geläutert und mit Namen angegeben resp. gerufen wird, damit kein Durchdrängen stattfinden kann und die Engel sonst dies schon bemerken werden.

Weiter wird die Zeit von der Bewegung im Mutterleib für totgeborene Kinder angenommen, Lucas 1,36-44, so auch nicht nach der Werkgerechtigkeit, sondern nach dem Glauben auch für solche, wie der Schächer am Kreuze.

Die Gnade durch Jesum Christum sei mit allen. Amen.

Auszug aus einem Reise-Bericht des Stammapostels Friedrich Krebs (Halle - Halberstadt - Aschersleben):

Braunschweig, den 18. Februar 1898

In jungen und sonst schwachen Gemeinden versiegele ich keine Entschlafene, wie ich auf dieser Reise vorsichtshalber auch unterließ, trotz mancher wahrnehmbaren Geisteswirkung, weil die Zeit nicht da war.

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Auszug aus "Wächterstimmen aus Ephraim", Nr. 36, August 1898

Unter der Überschrift "Die Einigkeit im Geist" (Epheser 4,3) wird auf Seite 2 ausgeführt: In der vorigen Nummer haben wir gezeigt, wie helle das Licht uns gegeben, die es zu sehen imstande sind, und wie Jesus sich den ersten Aposteln und Zeugen hat nahen müssen nach ihren sinnlichen Begriffen und wie ihn dieses Sinnliche, als das Alte, von Gott schon manches hineingelegt, was heute durch uns als ein verborgener Schatz hervorgebracht wird.

Jesus sagte zur Zeit, daß etliche sein werden, die den Tod nicht eher schmecken werden, bis sie den Menschensohn werden kommen sehen in seinem Reiche, wo die Verklärung eine derartige sein wird, daß Lebende und Entschlafene miteinander verkehren, wodurch das Ansehen als im helleren Lichte und das Gewand, die Gemeinschaft, worauf die Tat "Gotteswort" steht, welches mit dem Geistesleben, als blutbesprengt, schneeweiß -ohne Dunkelheit der Irrtümer und Finsternis der Lüge sein wird.

Das letzte Mal haben wir noch kurz aufmerksam gemacht auf die Gemeinschaft der heilig Entschlafenen, die an dem, was dem Leibe bereitet, teilnehmen, und somit das Tor und Tür dem Könige der Ehren offen ist, um einziehen zu können mit seinen Gnadentaten. Ist dieses von uns Angeführte eine Wahrheit, die sie ja ist, dann dürfen wir auch sagen: Heute ist diese Schrift erfüllet vor euren Augen und Ohren, indem Jesus, "wie er ist" in seinem Leibe die Geistesgemeinschaft auf dem Glaubensberge, der Höhe der Erkenntnis, auch imstande ist, mit den Entschlafenen, die aus alter und neuerer Zeit hinübergegangen sind, zu verkehren. Daß aber, wenn diese Zeit da ist, nicht für jedermann dieses Offenbarwerden ein erfreuliches sein wird, das hat Jesus schon hineingelegt in das Wort: Sie werden leben in der überkommenden Erkenntnis, als dem Lichte, bis der Menschensohn in diesem verklärten Zustande erscheint, dann werden etliche von den bis zur Zeit Stehenden den Tod schmecken. Daß Johannes seinerzeit durch die ihm gegebene Wahrheit und Sehensweise das Apostelamt repräsentierte, darüber haben wir nichts mehr nötig zu sagen, weil er als Apostel die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschreibt, in der er nicht mehr im Fleische Apostel sein konnte.

Seite 4: Der Leser wird leicht aus diesem herausnehmen können, daß es dann doch töricht sein werde, bei der Kindeszeit des ersten Christentums stehen zu bleiben und zu sagen "bis hierher

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und nicht weiter", wodurch er dann die Zeit der Kinderzeit als die vollkommene bezeichnen würde, welches der Leser als Wahrheit von uns nicht hört.

Wir sagen, wie wir oft gesagt haben: Wir gehen und eilen weiter mit dem uns gegebenen Lichte in der Erkenntnis der Wahrheit und nehmen dankend von dem gesandten Gottesgeist das an, was er durch uns zusammenbringt und das verborgen Liegende offenbart in dem Bewußtsein, daß durch uns entstehen soll die Erleuchtung und ein heller Schein und durch uns durch die überkommene Wahrheit in eure Herzen gegeben werden soll.

Seite 5: So ist dies dem Leser nicht fremd, daß Jesus seine Apostel sendet mit gleicher Macht und Kraft durch den Heiligen Geist; und infolgedessen keine Stellung des einen über den anderen gesetzt ist, denn es ist eine Gleichheit. Doch aber will Jesus durch jeglichen seiner Apostel nicht Gleiches tun. Der Vater als Gott wirkt als Vater, der Sohn als Sohn und der Heilige Geist als Geist, die Einheit als Gott.

Dieser Spiegel ist zunächst den Aposteln gestellt in dem Sehen, daß sie sollen in einer solchen Einheit gefunden werden, wie die Einheit Gottes ist. Gleich von Macht und Kraft und doch untereinander untertan, weil der Vater als Vater in seinen Aposteln wirken will, so auch der Sohn als Sohn im Tun des Vaterwillens in seinen Aposteln, und der Heilige Geist, als vom Vater und Sohn ausgehend, im Gehorsam und Unterwerfung durch den Willen des Vaters und des Sohnes gefunden wird.

Auch durch dieses Licht werden die Apostel gerichtet, als in dem Sehen, daß, der Einheit Gottes gleich, auch der eine Apostel dem andern Gehorsam schuldig ist in dem Erkennen, durch wen oder welche der Vater wirkt, in dem Senden anderer und im Lichte und Weisheit über andere Apostel erhaben ist.

Durch Mose gebot Gott an Aaron, daß er 12 Stäbe nehmen und sie ins Heiligtum legen solle, welcher Stab vor den anderen Stäben würde anfangen zu grünen, zu blühen und Mandeln zu tragen, der solle als Vorgänger im Priestertume sein, da doch das ganze Volk ein priesterliches Volk sein sollte. Die Stäbe waren gleich, aber Gott hatte in alle Stäbe nicht Gleiches hineingelegt. Ist dieses nicht auch ein Wink vom Herrn für seine Apostel?

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Der Apostel Menkhoff führt noch Weiteres dahingehend aus, daß einer unter den Aposteln aller Diener sei und mit seinen besonderen Gaben den anderen Aposteln und dem Ganzen zu dienen habe. Es sind hier die Ansätze dafür zu finden, der Ansicht Bahn zu brechen, daß einer unter den Aposteln ihr und des Ganzen Haupt sein sollte.

In dem nachstehenden Artikel - der aus der Feder des späteren Apostels Bornemann stammt, der die Gedanken des Stammapostels Krebs zusammenfaßte und zur Veröffentlichungsreife brachte - finden wir den Stand der Erkenntnis bis zum Jahre 1898.

Aus einem Artikel des Apostels F.W. Menkhoff, geschrieben 1898, veröffentlicht in "Wächterstimmen aus Ephraim", Nr. 35, Juli 1898

DAS OFFENBARWERDEN DES MENSCHENSOHNES.

Matthäus 24,27-30:

Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Im Anschluß an die vorige Nummer, wo wir von dem Offenbarwerden des auferstandenen Menschensohnes gesprochen haben und durchblicken ließen, daß wir von diesem Geheimnis, nicht allein des Menschensohnes, sondern auch von seiner Gemeinde noch mehr zu sagen hätten.

Der Leser wird, das wissen wir, in diesem und jenem Stück gedacht haben: Das sind ja Stücke, die gänzlich von den früheren Begriffen abweichen. Er wird sie, obwohl sie nicht zu widerlegen sind,

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wohl durch den Unglauben verwerfen und bespötteln. Insonderheit wird manchen Leser befremdet haben, aber auch Freude sein Herz erfüllt haben, daß wir mit unseren lieben Entschlafenen so nahe verbunden sind und nicht wie früher glauben müssen: Sie sind so weit von uns entfernt, daß an eine Handreichung, wovon die Bibel sagt, daß sie im Leibe soll gefunden werden, gar nicht zu denken ist. Die Seelen wurden einfach von dem Leibe getrennt und damit gut, wo dann der Unglaube noch zwischen beide trat: Auf Nimmerwiedersehen!

Nun aber leben wir in enger Gemeinschaft mit den Entschlafenen, die machen mit uns einen Leib aus, und als Seelen zu dem Leibe gehörend, werden sie nun auch durch den Leib, als das alte, gerne nehmen. Wir haben es gesehen, wie Jesus das Alte als das Fleisch genommen hat und da hinein das Neue für die Seele gegeben hat, wie auch die Seelen, zu denen Jesus niedergefahren ist, aus dem Alten, als den Taten im Fleische geschehen, haben nehmen müssen. Ohne Genuß des Fleisches zur Gemeinschaft und das Trinken des gegebenen Geistes als das Leben, gegeben in den Kelch der Gemeinschaft, ist kein Leben. Die Entschlafenen können das Fleisch in der seelischen Gemeinschaft nicht genießen, weil sie das Fleisch nicht mehr haben. Aber Jesus hat Fleisch und Geist nicht getrennt, sondern sagt vielmehr ausdrücklich: Wer beides nicht genießt, der hat kein Leben. Dieses Bewußtsein aber von der engen Gemeinschaft mit den Heiligen wird nun auch n ach dem Psalmworte 24: Das Tor weit und die Tür hoch, damit der König der Ehren mit seinen Gnadentaten auch zu den Entschlafenen gelangen kann, bezeichnet. Jesus der Erlöser ist im Fleische erschienen und besteht kein anderer Weg zur Erlösung, als durch das Fleisch, warum wir also reden. 0, welche Freude wird unter den Entschlafenen bestehen, daß endlich die Zeit gekommen, durch das offene Tor und Tür zu dem kommenden Jesu gelangen zu können, der da kommt, dem Menschensohne gleich: Mit Wasser, Blut und Geist. 0 welch eine Armut muß bis zur Zeit bestanden haben, wo das Tor und die Tür für sie verschlossen war und sie auf dem neuen und lebendigen Wege, als durch den Vorhang des Fleisches, nicht gehen konnten zu dem neuen Altare, wovon die Alten, die nach alter Gewohnheit leben, nicht essen können. Die Seelenspeise von dem Altare der Versöhnung ist gegeben zum Leben und Frieden. Daß die Entschlafenen noch nicht vollkommen sind, wird doch niemand bezweifeln, weil der Leib, zu dem sie gehören, noch nicht vollkommen ist, sie streben aber mit uns danach, vollkommen zu werden. Mit

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wie vielen Irrtümern sind die Entschlafenen in den Zeiten hinübergegangen, wo sie nicht allein verführt waren, sondern auch andere in die Irrtümer geführt haben. Sehnen sie sich nun nicht nach der Rechtfertigung und nach dem Genusse derselben als der Tat und Wahrheit?

Die Engel, steht geschrieben, gelüstet zu schauen das große Geheimnis im Fleische geschehen, wie viel mehr gelüstet die Entschlafenen, zu genießen das Fleisch und das Blut der Gemeinschaft. Welch ein Verlangen regt sich in unseren Seelen nach Wahrheit und nach dem Geheimnis von Christo und seiner Gemeinde, wie viel mehr in den Entschlafenen! Trost erfüllt unsere Seele, wenn wir uns noch sollten schlafen legen, daß wir das Leben in dem Sohne haben können.

So weit entfernt unsere Entschlafenen bis dahin gehalten wurden, ebensoweit und noch weiter wurde der gehalten, der Jesus heißt, den wir als den Uberwinder und König aller Könige und Herrn aller Herren kennen. Man sagte uns nach dem Bibelworte, daß er einst wiederkommen werde, woran der eine diesen Glauben band, der andere jenen, je nachdem wie die Phantasie solches nach dem Glauben ausmalte. Aufgefahren über die Himmel der Himmel, so hoch und weit, daß an ein Verweilen mit uns bei ihm nicht zu denken war. Nun aber die Entschlafenen durch die Erkenntnis näher gekommen sind, nun fragen wir schon von selbst nach einem näheren Zusammenleben mit dem auferstandenen Jesus, dem gegeben ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

So sehr auch nach dem Wortlaute der Schrift die frühere Auffassung als Wahrheit erscheint, so wollen wir an der Hand der Bibel doch die biblische Wahrheit vorführen.

Der, der aufgefahren ist und den die Wolke weggenommen hat, der will doch nach seiner Verheißung bei uns sein alle Tage, bis ans Ende der Welt. Und in uns wohnen und wandeln. Ja, seine Schafe als Nachfolger sollen hören seine Stimme, die durch den Mund seiner Apostel und Zeugen soll gehört werden. In Joh. 1,51 lesen wir, daß die Engel Gottes sollen auf- und niedersteigen und der Himmel soll offen sein. Zu den ungläubigen Juden sagte Jesus: Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und da ich hingehe, da könnt Ihr nicht nachkommen, Ihr seid von unten, und ich bin von oben.

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Wo ist nun der Himmel, und wie viele sind ihrer? und wo ist die Tiefe, und wie tief ist die Tiefe? Diese Fragen möchten wir den Lesern wohl stellen, um den Phantasieglauben in etwas zu rütteln, damit das Herz nach Wahrheit suchend werde, die im Verborgenen liegt, die aber den Einfältigen soll gegeben werden. In Babel dachte man einen Tempel bis in den Himmel zu bauen, und Jakob sah die Leiter, die bis an den Himmel reichte, doch ist niemals ein Ort angegeben, wo eine solche Leiter stand, an der man aufsteigen konnte, ebenso wie es in Babel nicht gelang, den Plan auszuführen.

Wir wollen nun zuerst den Leser in das Geschriebene hineinführen, um zu zeigen, was die Bibel vom Himmel und Auffahren sagt. Paulus war entzückt bis in den dritten Himmel, und Moses spricht schon 5. Mose 10,14 vom Himmel aller Himmel, wo sich der Psalmist diesem anschließt, Ps. 29, daß die Himmel die Ehre des Herrn, seine Taten verkündigen sollen.

Mit wenig Mühe ist herauszufinden, welchen Sinn die Bibel in das Wort "Himmel" und "Auffahren" legt.

Es würde uns zu weit führen, wenn wir alles angeben sollten, wo vom Himmel und Auffahren die Rede ist. Der sinnliche Begriff, daß Gott und die Seligen im Himmel wohnen mit den heiligen Engeln und Geistern, bindet den großen Gott an einen bestimmten Platz, als Wohnung auf Menschenweise, wo doch an die Allgegenwart geglaubt wird und der Herr selbst sagt: Was wollt ihr mir für ein Haus bauen oder wo ist die Stätte meiner Ruhe, hat nicht meine Hand das alles gemacht? Soll ihm eine Kammer zugerichtet werden oder ein wüster Ort oder irgendwie eine heilige Stätte, um zu sagen: Da ist die Wohnung, da ist er zu sprechen. Jesus sagt: Glaubet es nicht.

Sehr leicht ist herauszufinden, was die Bibel unter Himmel und Erhöhung versteht. Unter Himmel versteht man nach dem sinnlichen Begriffe den Ort, wo die Sterne gefestigt sind nebst Sonne und Mond und anderen Herrlichkeiten. Aber nach der Bibel: Große Reiche in ihren Glückseligkeiten und Herrlichkeiten sowie auch Religionsgemeinschaften wie BabyIon, Tyrus, Kapernaum, Edom usw. darunter dargestellt werden. Wenn ein ganz geringes Volk oder Familie zum großen Reich wurde in Pracht und Herrlichkeit und Macht, dann wurde das Haupt oder Machthaber unter der Sonne dargestellt und die Mitregenten und Obersten als Sterne.

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Wenn von Babel und Tyrus gesagt wird, sie sollen vom Himmel herunter, die Sonne scheint nicht mehr und die Sterne sind dunkel usw., so war dadurch gesagt: Dem Haupte ist die Macht genommen und den Obersten die Hülfe; und damit ging die Herrlichkeit des Reiches verloren. Selbiges wurde gesagt von den Glaubensgemeinschaften. Wo die Höhe im Glauben und Erkennen erstiegen war, wie Jerusalem und Kapernaum in der Gotteserkenntnis und Offenbarwerden der Gottestaten, da wurde das leitende Haupt als Sonne dargestellt und die Lehrer als die Sterne und die Gottessegnungen, die aus der Gemeinschaft hervorgingen als aus der Wolke, als Regen und Tau in Gerechtigkeit, offenbarten die Herrlichkeit. Wurde ein Volk oder Gemeinschaft von dieser Höhe heruntergestoßen, dann wurde dem leitenden Haupte das Licht genommen in der Erkenntnis und den Lehrern der Verstand; dies bezeichnet die Bibel mit einem Herunterstoßen vom Himmel, ja Auflösung des Himmels und Werfen auf die Erde in die Finsternis, in verkehrtem Sinne zu tun, das nicht taugt, kommend unter das Gericht der Blindheit und Selbstbetrug, weshalb die Vernichtung die Folge war, das Verschlingen von der Erde. So auch, wenn einzelne geringe Personen, aus der Geringheit, wie Saul, David und andere mehr, zur großen Herrschaft empor stiegen. Dann nennt die Bibel solches Tun ein Auffahren. Dagegen, wo der Herrscher zum gemeinen Manne wurde, wird solches mit einem Niederfahren bezeichnet. Der Berg als Gemeinschaft, wo der Herr will wohnen und wandeln als in seinem Leibe, soll in der letzten Zeit wegen des großen Lichtes und Erkenntnis in der Wahrheit höher sein als alle Berge und Hügel, wo wir ebenfalls die Höhe erkennen, was doch, sinnlich aufgefaßt, niemals zutrifft. Nicht als Zahl noch Kraft wird der Berg als Geistesgemeinschaft die größte sein, sondern das Licht und die Erkenntnis als die alles übertreffende Wahrheit, bringt die Höhe in den Gottestaten, worauf das Haus des Herrn, die Gemeinschaft, soll gebaut werden, um somit in der Gottesherrlichkeit als Licht, Leben, Erkenntnis, Macht und dergleichen über alle Gemeinschaften erhaben zu sein.

Nach dieser einfachen biblischen Erkenntnis findet ein Aufsteigen in den Himmel statt, als die Seligkeit, ein Zunehmen in dem Lichte und der Erkenntnis und Veredeln in der Wahrheit, als in dem Himmel des Segens, um mehr und mehr versetzt zu werden in das göttliche Wesen mit Christo, damit die Möglichkeit werde, daß wir dem verklärten Leibe Christi ähnlicher werden. Wie schwer es hält, den Menschen von den sinnlichen Begriffen abzulenken hinein in die Verborgenheiten, das fühlen wir am besten. Sinnlich denken und sinnlich

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begreifen, das ist immer die Weise der Menschen gewesen, wodurch das träge Herz sich Ruhekissen macht in schönen Hoffnungen, wo aber Millionen den Selbstbetrug zu spät einsehen. Jesus sagte zur Zeit zu den Schriftgelehrten: Ihr schließt den Himmel zu, indem ihr die Erkenntnis dem Volke nehmet. Ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hinein, welches in dieser Zeit sehr zutrifft. Selig wollen alle werden, und davon wird auch viel gepredigt, aber das Licht, die Wahrheit und das Leben wird dem Volke vorenthalten, ja mit Macht dagegen gearbeitet, darum man auch sagen kann: Wie bist du, schöner Morgenstern, der du früher in dem empfangenen Lichte leuchtetest, von dem Himmel aus dem Reiche des Lichtes gefallen und im Unglauben auf die Erde als die Finsternis gefallen. Ihr kommt nicht in das Reich des Lichtes und der Gotteserkenntnis, und die begierig darnach fragen, die lasset ihr nicht herein.

Des Menschensohn wird auffahren, da er zuvor war und wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. Ich bin von oben und ihr seid von unten. Ich bin von Gott, ihr seid von dem Vater der Lügen. So einfach auch alles ist, so ist es doch für das träge Herz so schwer, sich von den sinnlichen Begriffen zu trennen.

Haben wir nun dem Leser in kurzen Worten den Himmel und Auf- und Niederfahren geschildert, so wollen wir nun in kurzen Worten das Auf- und Niederfahren Jesu beleuchten. Johannes sagt von der Höhe, von wo aus der Sohn ist niedergestiegen: Am Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Durch ihn ist alles gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht, das gemacht ist. In kurze Worte zusammengefaßt sagen wir: Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Herr und König über alles Sichtbare und Unsichtbare. Von diesem Hohen und Erhabenen sagt Paulus: Er entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein Mensch und an Gebärden wie ein Mensch erfunden, und mehr noch als dieses: Wir haben anfänglich gesagt: Er ist auch selbst zu den Verdammten in ihre Gemeinschaft hinuntergegangen, in die tiefsten irdischen Gesinnungen voll Unruhe, Mord, Neid und aller Greuel, die gefunden werden, um auch daraus zu erlösen. Schauet hier, welch ein Niedersteigen in das allertiefste Verderben, was jemals bestanden, was sich mit der Feder nicht beschreiben läßt. Der aber, der niedergefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über die Himmel der Himmel, von welchen Petrus sagt: Die Himmel werden vergehen, indem das Bewegliche

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soll verändert werden. Ist es dem Leser möglich gewesen, uns in unserer Erkenntnis zu folgen, indem er etwas begriffen hat, was die Bibel von dem Himmel und Auffahren sagt, auch vom Niederfahren, dann wird es ihm nun auch leicht sein zu fassen, wohin der Sieger und Überwinder Jesus gefahren ist. Die Schrift sagt: Über die Himmel der Himmel usw. Himmel sind Königreiche und Glaubensgemeinschaften, wie wir bewiesen, die zu großer Macht und Herrlichkeit erhoben sind, dagegen "das Werfen auf die Erde" als Erniedrigen, ein Verkehren unter Verwüstung, Blindheit, Zorn, Zank, Rotten, Haß und Mord. Jesus ist über alle und alles erhoben, welches doch für den Einfältigen trostbringend ist. Er ist geworden König aller Könige und Königreiche und Herr aller Herren, ihm ist gegeben alle Gewalt in dem Bereiche der Herrlichkeiten, als den Himmeln, aber auch auf Erden, in den und über den verwüsteten Orten von Verderben, Zorn und Mord. Wenn nun zur Zeit Jesus sagte: Ihr seid von unten, so bezeugte er dadurch ihre Irdischgesinntheit, aber auch ihre Machtlosigkeit, und wenn er von oben sei, so würde dadurch seine Vatersgesinnung und Macht dargetan. Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen. Die größte Verheißung, die gegeben ist, lautet: Könige und Priester mit Christo zu sein, aber König aller Könige und Herr aller Herren, diese Höhe ist allein in der Macht dem Sohne gegeben.

Sehet, lieber Leser, wie einfältig wir sind in unserm Glauben, aber unsere Erkenntnis doch eine Erkenntnis ist, über alle Erkenntnisse erhaben. Wir suchen nun nicht nach einer Jakobsleiter, auch nicht nach einem Babelsturme, um in die Höhe zu steigen, stehen auch nicht auf unserer Höhe und sehen mit unsern sinnlichen Augen in die Lüfte, sondern sehen auf zu dem König aller Könige, und Herrn aller Herren, der offenbar wird, durch die Rechte seiner Kraft, und von dieser Fülle nehmen wir Gnade um der großen Gnade Willen.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende und will in euch wohnen und wandeln. Johannes sah diesen König aller Könige Offb. Joh. 1, den, der da ist, der da war und immer sein wird. Dieser aber, der da ist, ist wandelnd unter den sieben goldenen Leuchtern dem Menschensohne gleich, mit einem Kittel bekleidet usw. Wenn Johannes diesen sah, der von Anfang ist und unter der siebenfachen Geistesgemeinschaft wandelt, dessen Stimme wie großes Wasserrauschen ist, die seine Schafe hören sollen, und wandelnd unter den Geistesgemeinschaften, in den Kitteln seiner Apostel und Zeugen, durch die er kommen und handeln will mit Wasser, Blut und Geist. Dann muß auch

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diese Gemeinschaft die Wolke sein, in der er geborgen ist, um nicht gesehen zu werden, wie er ist. Dieses Angeführte kommt auch mit dem an die Corinter und Colosser Geschriebenen überein, wo es heißt: Prüfet euch, ob Christus der Gesalbte in euch ist, und, "Christus in euch" ist die Hoffnung eurer Herrlichkeit.

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1900

In der Zeitschrift "Der Herold'', Beilage zu "Wächterstimmen aus Ephraim", Nr. 62, vom Oktober 1900, wird über drei Seiten hinweg die Frage beantwortet, ob es ein Feuer in der Hölle gibt. Nach Voranstellung des Bibelwortes "Ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer wird nicht verlöschen (Jesaja 66,24) wird u.a. ausgeführt:

"Luther hat bei der Übersetzung der Bibel aus dem Griechischen fast bei jeder Bezeichnung des menschlichen Elends das deutsche Wort "Hölle" gebraucht. In der griechischen Sprache gibt es mehrere Bezeichnungen, u.a. Hades, das heißt Totenreich; Tartarus, das heißt Abgrund; Gehenna, das heißt Hölle. Alle diese Bezeichnungen benennt Luther in der Übersetzung mit der Bezeichnung "Hölle".

Im Glaubensbekenntnis bekennt die ganze christliche Kirche: Christus ist niedergefahren zur Hölle. Was er da gemacht hat, darüber geben die Bibelstellen Auskunft: Er hat den Geistern, den Abgeschiedenen, den Toten das Evangelium verkündet lt. 1. Petri 6,4, 1. Petri 3,19, Epheser 4,9-10 usw. Doch dabei fragen wir: Sind die Toten in einem flammenden, brennenden Feuer der Hoffnungslosigkeit? Und da hinein soll Christus gefahren sein, um die Frohe Botschaft, das Evangelium zu verkünden? Das Wort im Glaubensbekenntnis: Er ist niedergefahren zur Hölle ist daher richtiger, wenn gesagt wird, Er ist niedergefahren zum Hades, also ins Totenreich, wo er das Evangelium gepredigt hat, wo somit kein Zustand der Hoffnungslosigkeit besteht, - daß sogar noch manchem Abgeschiedenen auch im Totenreiche noch Gnade widerfahren kann, läßt der Herr öfters durchblicken. Wenn er einst sagte, daß alle Sünden könnten dem Menschen vergeben werden, aber die Lästerung wider den Heiligen Geist könnte den Menschen nicht vergeben werden, weder in dieser noch in jener Welt (Matthäus 12,32). Oder: "Es wird Sodom und Gomorrha erträglicher ergehen am Jüngsten Gericht, als einer solchen Stadt, die Jesum und seine Botschaft verwirft."

Das Bibelwort sagt: "Der Herr tötet und macht lebendig, er führt in die Hölle und wieder her

aus." Und der Psalmist sagt: "Führe ich gen

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Himmel, so bist du da, bettete ich mich in der Hölle, siehe, so bist du auch da", womit doch wohl nicht gesagt werden soll, daß der liebe Gott auch in der brennenden Hölle, wo die Hoffnungslosigkeit herrscht, sein sollte. Die Bezeichnung "Hölle" bedeutet in der hebräischen Sprache "nicht satt werden", "unersättlich" - also keine Befriedigung des Verlangens. Der brennende Durst in dieser oder jener Leidenschaft kann nicht befriedigt werden.

Im natürlichen Leben konnte die Befriedigung in etwa stattfinden durch das Fleisch, aber in dem entkleideten Zustande ist diese Befriedigung unmöglich. Daher die Bezeichnung des Ausdrucks "Hölle" oder "unersättlich". Man sagt oft dem Salomo nach: So wie der Baum fällt, so wird er liegen. Obowhl ein gefällter Baum nie liegen bleibt, das gute Nutzholz wird zu guten Zwecken gebraucht, und dasjenige, was "nicht nutz" ist, wird verbrannt. Aber dennoch hat auch dieses Wort eine tiefe Wahrheit, das heißt in der Geistesstellung, in der man stirbt, - in derselben Geistesstellung geht man in die Ewigkeit. Ist nun ein Mensch voller Neid, Bosheit, Zorn, Haß usw. und stirbt in diesem Zustand, so geht er mit diesen Eigenschaften in die Ewigkeit - und diese Eigenschaften begleiten ihn. - Es sind Eigenschaften der Hölle."

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1901

Unter der Überschrift "Das Osterfest, ein Siegesfest" (1. Korinther 15, 34 - 57) wird in den "Wächterstimmen" u.a. ausgeführt (Seite 7, Abs. 1):

"Alles hat seine Entwicklungsperiode, auf natürlichem und geistigem Gebiete.

Derjenige, der das innere Wesen und Leben, den Glauben und die Hoffnung der unter den jetzt Lebenden, in der Einheit des Geistes Christi stehenden Aposteln, apostolischen Gemeinden kennt, der muß sagen: Hier ist ein Glaube, eine Hoffnung auf die bevorstehende Auferstehung des Fleisches, wie man sie in keiner Korporation findet. Außerdem sieht man hier, wie der wirkende, schaffende Geist in der apostolischen Kirche, die unter den jetzt lebenden in der Aposteleinheit stehenden Aposteln steht, die Auferstehung des Fleisches anbahnt und vorbereitet. Im lebendigen Glauben und Hoffnung reichen diese Apostel und Gemeinden den in Christo Entschlafenen die Hand der Liebe und Gemeinschaft entgegen und öffnen ihnen die Tür des Glaubens in ihre Gemeinschaft, und somit bezeugen sie durch Taten: Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen! Nicht bloß der Heiligen, die mit Fleisch bekleidet sind, sondern auch der Heiligen, die entkleidet sind. In seliger Gemeinschaft scharen sie sich mit den entkleideten Heiligen um den Tisch der Gemeinschaft und leben des seligen Glaubens auf die nahe bevorstehende "Erste Auferstehung des Fleisches!" (Offenbarung 20,6). Bei diesem Triumph des Lebens über den Tod und die Vergänglichkeit wird Christus als Herr der Herrlichkeit offenbar werden, mit dem verklärten Leibe, wie er gen Himmel gefahren ist."

Entnommen aus: "Wächterstimmen aus Ephraim", Nr. 68, April 1901, Seite 7

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1903

In der Verteidigungsschrift "Si tacuisses!" (Wenn du doch geschwiegen hättest) führt der Stammapostel H. Niehaus, Steinhagen, auf Seite 23/24 folgendes aus:

"Ein Stein des Anstoßes ist besonders dem Herrn Pastor die Versiegelung und Taufe für die Toten.

Für uns ist diese Handlung nicht ein Glaubensartikel, sondern eine Handlung, die wir im Glauben ausführen an denen, die da glauben, und haben für unsern Glauben soviel Überzeugung, daß wir gar nicht einmal nötig haben, die Bibel zu fragen, ob das so recht sei, auch keinen Theologen, denn Johannes sagt, wie es euch die Salbung lehrt, so ist es wahr und keine Lüge, und sie lehret allerlei, als der Geist, der in alle Wahrheit leitet und auch selbst das offenbart, was der Herr einst seinen Aposteln noch nicht sagen konnte.

Wir haben keine Apostel, die nur nachsprechen dürfen, was die ersten und englischen Apostel gesprochen haben, sondern wir haben Apostel, in denen der lebendige Gott ist, und der ist kein Buchstabenträger, sondern tut alles fein zu seiner Zeit, wie an den ersten Aposteln zu ersehen, die die Beschneidung beseitigten und andere Zeremonien, wogegen die damaligen Pastoren schrien: Dieser Mensch lehret wider Mosen und wider diese heilige Stätte und wendet das Volk ab vom väterlichen Gesetze. Wenn Gott sich einst in den Aposteln nicht kümmerte um die Bibel der Priester noch um ihre Aufsätze, dann tut Gott heute noch ebenso in seinen Aposteln. Das Geschriebene ist zur Lehre, und der heilige Geist bringt es zusammen. Da, wo Gott seine Taten zeigt, da werden die Buchstaben durch die Tat lebendig, anders ist der Buchstabe tot und der eine Bibelvers schlägt den andern tot. So ist es auch mit der Verbindung mit den Entschlafenen. Wir glauben, daß wir mit den Entschlafenen eine Gemeinschaft ausmachen und sind gekommen zu den vollendeten Gerechten. Diese haben gesäet mit Weinen, und wir ernten; die Freude soll eine gemeinschaftliche sein.

Die Bibelstelle 1. Cor. 15,29 macht den Theologen Kopfzerbrechen und geben auch gerne zu, daß Martin Luther auch kein Verständnis dafür hatte; uns macht die Stelle kein Kopfzerbrechen. Der Herr Pastor muß nun wieder den Urtext suchen, nimmt dazu aber einen Namen Clemens, der soll aushelfen, und danach soll die Bibelstelle heißen, "ein

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sich taufen lassen der Toten halber", was ja einen anderen Sinn in die Worte bringt, als nach Luthers Übersetzung. Lassen sie sich aber taufen der Toten halber, so muß den Toten dadurch etwas zugute kommen. Der Herr Pastor muß sich nun wieder abmühen, um die Übersetzung wegzulesen. Wir können aber ruhig dahinter schreiben: Sollte wohl? Otto Gerlach und andere, die anerkannt werden, schreiben wörtlich wie folgt: Wörtlich übersetzt heißt sie: Denn was werden die tun, welche sich taufen lassen "für" die Toten? Wenn die Toten nicht auferstehen, was lassen sie sich denn taufen für die Toten? Auch die holländische Sprache kennt in ihrer Bibel nichts anderes, als "für" die Toten. Wenn nun der Herr Pastor künstelt und die Tat weglesen will, wem sollen wir denn glauben? Wir glauben, daß die, die da sagen, wörtlich heißt es so und so, und das Wort stehen lassen, glaubwürdiger sind, als der Herr Pastor Handtmann mit seiner Künstelei. Der Herr Pastor druckt da so viel fremde Buchstaben ab, um seine Kunst zu beweisen, aber Otto Gerlach und andere konnten auch lesen. Wir suchen nicht nach den fremden Buchstaben, denn wir wissen, was wir glauben. Was wohl der Herr Pastor sagt zu Offb. Joh. 6, wo wir lesen, daß den Toten zum Weiterruhen ein weißes Kleid gegeben wird, was sie früher nicht hatten, wo sie unter dem Altar liegend gesehen werden und schreien nach der Heimsuchung an den Lebenden, daraus ihnen das weiße Kleid gegeben wird, als das Kleid des Lichtes? Da wird er wieder lesen müssen und künsteln. Wir könnten noch manche Beweise geben, aber wir sagen, wie Johannes, die Welt faßt es doch nicht, sondern nur die, denen es gegeben ist. Der Herr Pastor verwirft das Mittleramt, oder Mittelspersonen, darum kann er auch dem Mittler Jesu nicht nachfolgen zu den Toten, die einst nicht glaubten, da Gott Geduld hatte, um ihnen zu predigen und einen Triumphzug daraus zu machen. Wenn der Herr Pastor sich auf einen Clemens aus der Kirchengeschichte beruft, so ist auch in der Kirchengeschichte von einem Hermas die Rede, der im 2. Jahrhundert eine Predigt und Taufe für die frommen Heiden und Juden im "Hades" annahm. In der Zeit hatte die Kirche noch mehr Glauben."

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1904

In "Der Herold", Beilage zu "Wächterstimmen aus Ephraim", Nr. 105, von April 1904, wird in einem Artikel, der überschrieben ist "Die erste Auferstehung" auf Seite 3 unser Verhältnis zu den in Christo Entschlafenen behandelt (Verfasser wahrscheinlich Apostel Bornemann):

"Man sieht hier, wie der wirkende Geist Christi die Auferstehung und besonders die "erste Auferstehung" anbahnt. In lebendigem Glauben und lebendiger Hoffnung gehen die Apostel mit den apostolischen Gemeinden dem Tage der Vollendung entgegen, dem herrlichen Morgen der Auferstehung. Im lebendigen Glauben und lebendiger Hoffnung reichen die Apostel den in Christo Entschlafenen, die das Siegel Gottes an ihrer Stirn tragen, die Hand des Glaubens entgegen und öffnen ihnen die Tür des Glaubens in ihrer Gemeinschaft. - Somit bezeugen sie durch Taten: "Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen!" Nicht bloß der Heiligen, die mit Fleisch bekleidet sind, sondern auch der Heiligen, die entkleidet sind. In seliger Gemeinschaft scharen sie sich um den Tisch der Gemeinschaft mit den entkleideten Heiligen und leben des seligen Glaubens auf die nahe bevorstehende "erste Auferstehung des Fleisches". Offenbarung Johannes 20,6. Bei diesem Triumph des Lebens über den Tod und die Vergänglichkeit wird Christus als Herr der Herrlichkeit offenbar werden."

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1907/08

Wie bekannt, wurden die "Wächterstimmen aus Ephraim" mit der Beilage "Der Herold" nur bis zum Jahre 1906 fortgeführt. Die kleinformatigen "Wächterstimmen" wurden dann durch das größerformatige "Apostolische Sonntagsblatt" ersetzt. Die erste Nummer erschien im Januar 1907. Dies Blatt hat den Untertitel: Centralorgan der über die ganze Erde verbreiteten apostolischen Gemeinden. Das Sonntagsblatt erschien jeden Sonntag.

In Nr. 47, vom Sonntag, 24. November 1907, erschien ein Artikel mit der Überschrift "Zum Totenfest". Auf Seite 3, linke Spalte Mitte können wir zu dem Thema Entschlafenenmahl lesen:

"Ein jedes Herz, was in der Einfalt gestanden und sich auf den Berg der Hilfe in dem lieben Stammapostel hatte bringen lassen, schlug voll heißer Dankbarkeit und wird wohl jedem dieser Tag unvergeßlich sein. - Auch die himmlischen Heerscharen, die nicht ohne den Apostel können vollendet werden, haben den Tatengenuß empfangen und wurden somit in Gemeinschaft mit vereint."

Von dieser Ausgabe des "Apostolischen Sonntagsblatts" an (Namensänderung Mitte 1908 in "Neuapostolische Rundschaul kommt es viele Male vor, daß die Spendung des heiligen Abendmahls an Entschlafene erwähnt wird.

Im "Apostolischen Sonntagsblatt, 1908, Nr. 6, Seite 3, heißt es noch:

"In Erkenntnis unserer Sünden, aber auch der Bedürftigkeit Erbarmen der Liebe Gottes durften wir die Versöhnungsbrücke betreten und wurden hinübergeleitet in das selige Land des Herzensfriedens, Gott vergab uns alle Schuld. Hierauf nahm der liebe Apostel die Versiegelung der kleinen Kinder vor, wie dann auch die hungernden Seelen der Abgeschiedenen das Mahl der Gemeinschaft mit Jesu genießen durften."

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1909

In diesem Jahre sah sich der Stammapostel H. Niehaus, der im Jahre 1849 geboren ist und nun 61 Jahre alt war, veranlaßt, dem Volke Gottes in einer Spezial - Schrift seine tiefgehenden Gedanken zu offenbaren. Wir lassen hier die Kerngedanken folgen aus "Lichtblicke ins Totenreich":

"Ist der Vorhang des Fleisches in solchen finstern Stücken geschlossen, dann ist es ein Gefängnis. Kann aber gesagt werden, es ist ein neuer und lebendiger Weg, dann erst kann Jesus auf diesem Wege auch die Schreienden überleiten in sein Reich, wo Gerechtigkeit und Friede ist; dann ist das Kleid Jesu so weiß, wie es alle Färber auf Erden mit ihrer Universitätsweisheit nicht weißer färben können; da erst kann Moses und Elias sich nahen, d.h. die Entschlafenen, was anders nicht möglich ist. Nach dem Worte Pauli 1. Kor. 15,29 können Lebende sich für Entschlafene taufen lassen.

Aber hat die Taufe Erfolg an den Entschlafenen, dann können wir auch weiter gehen und für die Entschlafenen ein Tisch sein, darauf Gnade und Barmherzigkeit gelegt ist. Und wohl die Gnade, wovon wir alle rühmen, denn habe ich Macht zu binden, nach der Gerechtigkeit und dem Gesetze, dann habe ich nach der Barmherzigkeit recht, wider das Gesetz, gnädig zu sein.

Wie weit die Gnade Jesu ging, lernen wir an dem Mörder am Kreuze. Jesus ist durch den Vorhang seines eigenen Fleisches hindurchgegangen in das Heilige, und hat durch das Mitempfinden und Erbarmen eine ewige Erlösung bewirkt.

Der Brandopferaltar und die Stätte des Gerichtes ist das Fleisch, aber auch die Stätte von der Gnade und Barmherzigkeit.

Wie weit das Erbarmen Gottes geht, legt Jesus in die Worte: Wenn du ein Mittag- oder Abendmahl machest, dann lade nicht die, die da reich sind und dir vergelten, sondern lade die, die nicht eher vergelten können, als in der Auferstehung der Gerechten. Luk. 14,12.

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Die Apostolischen, sagt Paulus, sind reich gemacht an allen Stücken, und wenn ich denen ein Mittagsmahl bereite in der Höhe des Lichtes, dann nehme ich die Vergeltung hin, ich genieße von der Frucht von meinem eigenen Werke, aber die Krüppel, Lahmen und Blinden, die es mir hier nicht vergelten können, die sollen vergelten in der Auferstehung der Gerechten.

Wenn ich hier Krüppeln, Lahmen und Blinden helfe, dann bekomme ich die Vergeltung in der Freude auch darin, daß sie mir dienen, dort aber sagt der Herr, von solchen, die es mir hier nicht vergelten können, - aber an meiner Auferstehung teilnehmen, anders ist es nicht möglich, wo dann die Armen, die durch mein Vermögen reich gemacht sind, mir die Bezahlung geben. Selig ist, der das Brot isset im Reiche Gottes, also die Armen und Krüppel sollen durch das Brotessen im Reiche Gottes reich werden.

In diese angeführten Worte hat Jesus ein Tieferes hineingelegt als nur das Natürliche, das wird der Leser leicht erkennen. Niederfahren in die Hölle, als die dunklen Örter der Finsternis in uns selbst, um das Schreien zu hören, dann erst können wir ein neuer lebendiger Weg werden, worauf die Zufriedenheit ist und für die Menschen ein Wohlgefallen. Gefängnisse gefangen führen, ist wohl nicht möglich, aber uns selbst als wandelnde Gefängnisse, das trifft wohl eher zu.

Ich achte, daß es gut ist, auch für die Entschlafenen im Dienste zu bitten, aber auch in sonstigen Gebeten, damit auch die noch gerettet werden, die nicht glauben konnten, die Satan gebunden hat mit Stricken der Finsternis; damit ein Triumphzug herausgebracht werde auf dem neuen und lebendigen Wege, durch den Vorhang des Fleisches. Die die Gnade auf Mutwillen ziehen und lästern, haben keinen Zutritt zum Altar, die pflegen die alten Hütten. Es heißt: "Selig sind die Toten, die im Herrn sterben, die Werke folgen ihnen nach", aber auch: "Selig sind, die zum Abendmahle des Lammes gerufen sind"; das sind wahrhaftige Gottesworte. In der Hand von Christo Jesu, als in seinen Aposteln, ist der Schlüssel zum Himmelreiche, aber auch in derselben Hand der Schlüssel zur Hölle und dem Tode, und wo mit dem Schlüssel die Erkenntnis aufgeschlossen wird, wer will da zuschließen?

Auch mußte Gott die Hülle eines Menschen anziehen, anders konnte er den Menschen und den Verlorenen im Totenreiche nicht helfen. Wenn also unwidersprechlich feststeht, daß sich in unserer

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Zeit eine Verbindung mit den Entschlafenen bemerkbar macht, gleichviel ob gute oder böse, dann glauben wir doch auch an das Offenbarwerden Christo Jesu unter und in der apostolischen Gemeinschaft mit den Engeln seiner Macht.

Durch des Teufels List ist es gelungen, eine Mauer zu setzen im Unglauben und Zweifel, daß Entschlafene nicht von dem Tische der Lebenden essen konnten, und sie sollen doch mit uns einen Leib bilden? Wo man aber bis dahin sagen mußte: Die Entschlafenen bilden für sich einen Leib, aber die Lebenden auch für sich, - wenn aber Jesus offenbar wird, dann will er in dem einen Leibe offenbar werden, somit ist es doch wohl leicht faßlich, daß beide vor dem Offenbarwerden Jesu vereinigt werden müssen zu einem Leibe und einer Gemeinschaft.

Ist das Reich Gottes für die Entschlafenen verschlossen im Unglauben, dann ist für sie kein Weg nach dem Gnadenstuhle in der Gemeinde, somit können sie auch nicht befriedigt werden."

Wir lassen jetzt Auszüge aus Gottesdiensten des Stammapostels H. Niehaus folgen, die die fortschreitend durch den Heiligen Geist gewirkte Erkenntnis ersehen lassen. –

Ein Seligkeitsgefühl durchströmt die Seele beim Betrachten der hohen Gedanken, die in den Stammaposteln jeweils erweckt wurden. Es geht immer höher hinauf!

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1911

Aus einem Gottesdienst des Stammapostels H. Niehaus über Kolosser 3,1-4:

"Es haben schon viele von uns Erscheinungen gehabt. Wenn ich auch nicht besonderes Gewicht darauf lege, so stelle ich es auch nicht in Abrede. Es haben sich schon Abgeschiedene in Gestalt von Tieren gezeigt; nicht im Auferstehungsleibe, sondern in Gestalt von Hunden, Bären, Löwen usw. Wenn ich dem auch keine große Bedeutung beilege, zu unterschätzen ist es nicht. Die Erklärung ist sehr einfach. Die hier auf Erden so gelebt haben wie ein Hund, haben die Gesinnung eines Hundes, und ihnen ist die Möglichkeit gegeben, sich in der Gestalt eines Hundes zu zeigen. Wie der Same ist, so soll der Leib sein."

Aus: Neuapostolische Rundschau 1911, S. 146-148

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1912

Aus einem Gottesdienst des Stammapostels H. Niehaus:

"Laß Dein Angesicht sehen, damit wollest Du uns leiten und mit uns sein. - Wir laden aber auch ein die Heiligtumsbewohner, daß sie kommen möchten in den Vorhof, um auch von dem zu genießen, worin allein die Möglichkeit liegt, vollkommen werden zu können. Wir denken nun auch noch an die, die wir verlassen haben, Du wollest die Lücken ausfüllen und auch dortselbst wirken und schaffen. Wir warten auf Dein Heil, hilf uns, o Vater, um Jesu willen. Armen.''

Aus: Neuapostolische Rundschau 1912, S. 170

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1913

Aus einem Gottesdienst, gehalten am 18. Oktober 1913 von Stammapostel Niehaus in Leipzig aus Anlaß der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813:

"Wenn es nun drauf ankommt, um das Wohlgefallen zu zeigen und auf die zu legen, so wissen wir doch alle, daß ein Mund genügt für viele, wo viele Glieder sind am Leib. Wird dem Leibe die Seele entzogen, so wird der Geist und die Seele schwach und schließlich gezwungen, den Leib zu verlassen, doch ein Mund genügt, daß die vielen Glieder des Leibes, wo die Seele und Geist drin weilte, Befriedigung hinnehmen. Wo ich hierorts zunächst gedient habe und eure Glieder sind viele, somit ihr doch auch wohl sagt, ich bin euer Mund, Gottes Mund, und wären hier noch Tausende mehr, würden diese auch noch durch den einen Mund befriedigt werden und wohl mit dem Wort und auch mit der Gnade. Aus diesem entnehmen wir nun, wo wir zu Handlungen schreiten und vielleicht einen oder zwei für euch als Brotkörbe wählen und sagen: so, die nehmen von dem Gnadentisch das Brot hineingegeben, nun kommt, ihr Verlangenden, und jeder Einzelne sagt, komm, komm, ich gebe dir von dem einen Brot, ich leite dich dahin, wo natürlicherweise wird das Brot hineingegeben, daß ihr davon zu einem bleibenden Gedächtnis genießet.

Aber so auch, wenn ein Amtskelch ist, da wird der gemeinschaftliche Kelch hineingelegt, wo das neue Leben hineingegeben wird und ist somit ein Tatendienst getan, aber weil diese nicht glauben können, müssen die Apostolischen doch für diese glauben, weil wir für euch glauben müssen, sonst können wir keine Lehrer sein.

In diesem gemeinschaftlichen Zusammenwirken, und wo draußen und inwendig dann eine solche Tat ist, kennen wir es aus verschiedenen Glaubensstücken im biblischen Sinne, wo Jesus fragt, wie der unsaubere Geist heißt: eine ganze Legion. Nun, sagen wir, wenn eine ganze Legion von dieser Geistermacht in einer Person kann Platz nehmen, wieviel Raum ist dann da in einer Gemeinschaft, wo wir glauben dürfen, die vielen Tausend, von denen der Apostel sagt, die alle nach Leipzig sehen, und eine Zurückhaltung findet nicht statt .

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Solange man noch im lebenden Leibe ist, ist der Geist gebunden an den Leib, aber ist die Seele vom Leibe befreit, so ist keine Entfernung mehr, somit haben Legionen von Geistern Zutritt. Nun wo wir darin vielerlei Erfahrung machen, habe ich anfänglich gesagt, es müssen Fürsprecher sein beim Vater, und der Geist ist es, der uns vertritt mit dem, was Gott gefällt. Wo ihr Fürsprecher seid in Liebe, Gnade und Barmherzigkeit und somit Boten durch meinen Mund, könnt ihr auch die Gnade Jesu den Verlangenden, einem jeglichen nach seinem Teil vermitteln. Wir denken nicht dran, daß alle apostolisch werden können, weit gefehlt. Wir wiederholen nochmals, wie es hier ist, so ist es unter den Entschlafenen! Alle können nicht apostolisch werden und wohl darum nicht, weil sie das Vermögen nicht haben, denn die Pfunde der Gnade werden auf das Vermögen gelegt, und wo viele Millionen sind, die gläubig sind an die Taten Jesu, können sie es aber nicht weiterbringen als zum Bewußtsein der Gnadentat in der Vergebung der Sünden, weil das Vermögen nicht weiter reicht. So sind andere wieder, die das Vermögen haben, um auch noch das heilige Abendmahl hinnehmen zu können, es reicht aber das Vermögen nicht weiter, und darum kann die Gnadengabe des Amtes des Geistes nicht hinreichen. Ein kleiner Teil nur ist es, die das Vermögen haben, die volle Gnade hinnehmen zu können, und wohl zum Gnadentor und Gnadenstuhl, das sind aber die, die zu Priestern und Königen ausgesondert und dazu berufen sind. Also ihr hört es, wir stoßen keinen Einzigen zurück, wir ziehen nicht die Pforte enge und sagen, wer nicht apostolisch werden kann, heraus damit, nein, unsere Erkenntnis geht soweit, daß wir zwar auch die Seligkeit beschränken, aber keinen ausstoßen, wie man ja auch wohl einen Bettler, der an die Tür kommt und bittet um eine Gnadengabe, nicht erst das Glaubensbekenntnis aufsagen läßt, frägt nicht, ob er katholisch, evangelisch usw., nein, wer das Verlangen hat, und das findet man heraus, dem wird von uns aufgetan, so tun wir als Apostel, wir fragen in dieser Beziehung nicht nach dem Glaubensbekenntnis, die Tore sind weit und die Türen hoch, daß der König der Ehren auch mit solchen einziehen kann, denen es nicht möglich sein wird, in die Apostelgemeinschaft zu gehen, aber als Gäste und Fremdlinge nicht von der Türe gewiesen werden sollen, wo sie in ihrem Bereich nicht können befriedigt werden. Wo wir doch zur Aushilfe da sind und sagen, die Gäste und Fremdlinge stoßen wir nicht zurück. Die der Vater hat gezogen, das können wir nicht wissen. Früher was das leicht, wo die, die hervortraten, gefragt wurden: wieviel hast du und du und du, aber darin sind wir eines andern belehrt worden

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und wohl, indem wir das nicht wissen können, welche der Vater gezogen hat, wir sagen, wir sind bereitwillig, um von dem zu geben, aber wir fragen nicht darin, der Herr kennet die Seinen und weiß, welche er hat zum Volke gesetzt, die die Gnade zum Leben hinnehmen können. Wenn ihr euch in diesem Worte finden laßt, will ich euer Mund sein und wohl als Fürsprecher. Nun steht auf.'

Gebet: Lieber Vater! Wo wir dich als unsern Vatern anrufen, aber auch in der neuen Weise, worin wir deinen Sohn Jesum erkennen, der nicht gekommen ist, um zu richten und zu verdammen, auch nicht, um zu verderben, sondern um zu retten und selig zu machen, die da glauben. Hast du uns nun auf diesen neuen Weg geführt, zu erkennen, daß zunächst du deinen Sohn gegeben hast für die Welt, damit die, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, aber mehr noch, daß du uns den König, deinen Sohn, als Christum und Herrn in der Davidsstadt gegeben, in diesem Bewußtsein stehend, bitten wir nun auch für die, denen es möglich ist, an Jesum, deinen Sohn, glauben zu können, die aber in Gefängnissen liegen, gebunden mit Stricken der Unwissenheit und Finsternis, wo dann auch ihr Vorsteher sie gefangen hält in ihrem Bereich, da bitten wir, Vater, laß die Engel tätig sein, daß die Gefängnisse erst gebunden werden, ihre Gefängniswärter, die sie gefangen halten, die da gläubig sind an Jesum, deinen Sohn, laß sie durch den Engeldienst herausgeführt werden. Wir bitten aber auch im Glauben, Vater, laß die Fürstentümer und Gewalten tätig sein, die auch die Gefängnisse müssen gefangen nehmen und wohl unter der Macht Jesu, daß sie die Erstlinge müssen heraus lassen, die da liegen in den Gefängnissen derer, die das Himmelreich zuschließen und lassen keinen hinein. Wo wir aber im Mitleid und Erbarmen stehen und im Bewußtsein, sagen zu können, unter uns ist aufgerichtet der Gnadenstuhl, so sind wir dann Fürsprecher an deines Sohnes Statt, verbunden mit den vielen Tausenden, und schreien und bitten, Vater, vergib den Verlangenden ihre Sünden, wir wollen gerne barmherzig sein und mit Barmherzigkeit zudecken, auch mit der empfangenen Gnade sie schützen und decken. Sieh, o Vater, Dein Sohn Jesus hat sein Leben für sie dahingegeben. Aber nun bitten wir auch heute für alle Apostolischen, vergib doch allen, was gesündigt ist, und laß ihre Kleider wieder helle werden, laß aber keine Judengenossen unter ihnen sein, halte vielmehr den neuen und lebendigen Weg, der durch den Vorhang des Fleisches zum Gnadenstuhl geht, für alle Verlangenden offen. Erhöre uns um Jesu willen, der

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uns bitten heißet. Wir fassen unser Bekenntnis und Fürbitte und Verlangen in die Worte Deines Sohnes und sprechen also: Vater unser, der Du bist im Himmel, usw.

Hierauf erfolgte die Freisprache und Handlung in Abendmahl, Taufe und Versiegelung für die Menge der Verlangenden, die zum Gnadenstuhl gekommen waren, und herzugeführt und geleitet."

Aus: Neuapostolische Rundschau Nr. 47/1913, S. 257-258

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1915

Am Weihnachtstag 1915, im 1. Weltkrieg (1914 - 1918), hielt Stammapostel H. Niehaus einen Entschlafenen-Gottesdienst. Er hat später noch häufig am 2. Weihnachtstag, Entschlafenen-Gottesdienste gehalten.

Wir lassen hier das Wichtigste folgen:

Die Gemeinschaft der Heiligen.

Lebende und Entschlafene.

Aus einem Weihnachtsdienst für Entschlafene von Stammapostel Niehaus, 1915.

"So wollest Du die Finsternis, womit alle Völker zugedeckt sind, beseitigen und wollest das Kleid helle sein lassen wie ein helles Licht, damit es den Entschlafenen möglich ist, an die heilige Stätte kommen zu können. Du, Herr, wollest auch die bösen Geister verbannen in die Wüste hinein, wo sie hingehören, damit sie nicht hindernd in den Weg treten können. Laß die Engel dazu dienstbar sein, daß wir nicht gestört werden an der heiligen Stätte. Laß auf uns Dein Wohlgefallen ruhen und gib Erkenntnis des Heils. Erhöre uns Vater, um Jesu willen. Amen.

Wenden wir uns zu den Entschlafenen. Die hören und sehen alles, was wir sprechen und vornehmen. Wir müssen nicht denken, daß das Wort, welches aus meinem Munde geht, nicht weiter geht als in diesen Raum. Nein, das Wort, was gesprochen wird, wird in das Weltall gesprochen und geht von Wald zu Wald, von Gemeinde zu Gemeinde, wie ein Echo.

Wir brauchen nur an die zu denken, die heimgegangen sind in unserer Zeit. Ich mache namhaft die Apostel Menkhoff, Krebs und Schwarz; dann die vielen Bischöfe, Ältesten und Priester, die apostolischen Männer und Frauen. Es müssen jedoch solche sein, die in der Wahrheit stehen, sie müssen im priesterlichen Dienste stehen, sonst würde der Himmel zur Hölle werden, wenn jeder nach seiner Weisheit im Jenseits könnte Gotteslehrer sein. Sie sollen aber alle zu der einen Wahrheit gebracht werden. Da können dann nur die Lehrer sein, die in der Wahrheit stehen und in der Wahrheit geläutert sind. Die Heimgegangenen sind Bußprediger und arbeiten mit dem Wort und dem Geist. Denn:

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der Geist des Vaters soll bei euch bleiben ewiglich und ihr sollt meine Zeugen sein bis an das Ende der Erde. Wo ist nun das Ende der Erde? Hat es schon einer gefunden? Es sind ja welche, die haben den Pol schon gefunden. Ich verstehe aber etwas anderes darunter.

Nun sind welche, die können den Geist Gottes nicht empfangen. Aber ohne Ausnahme sollen alle Zeugen sein, die durch der Apostel Wort an Jesu glauben und die Apostel selbst. Die arbeiten weiter. Wieviel machen die aber zu Sündern. Denn im Jenseits gibt es keine Gnade, da ist keine Barmherzigkeit und Vergebung, sondern nur Gerechtigkeit und Gericht nach dem Worte, daß ein jeder empfangen soll, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Gnade und Barmherzigkeit ist dort ausgeschlossen, das merken wir an Abraham. Sonst hätte doch der Abraham dem reichen Manne Gnade widerfahren lassen können, denn der hatte doch an Lazarus sehr viel Gutes getan. Nun denken wir uns aber mal hinein. Die Millionen und aber Millionen werden zu Sündern gemacht, weil das Gedächtnis in das Leben gerufen wird, und das Gedächtnis ist an jede kleine Sünde gebunden. Wenn das alles in das Bewußtsein gerufen wird, wie groß muß da die Qual sein. Da trifft das Wort zu von dem Wurm, der nie stirbt , und von dem ewigen Feuer des Selbstgerichts, das nie verstummt, wo einer den andern verdammt.

Nun kommen wir zu der Frage: Ist es möglich, daß denen noch kann geholfen werden? Die Frage beantworte ich mit ja und nein. Dann weiter die Frage: Kann denen geholfen werden, die sich immer als Anklopfende zeigen? Antworte ich wieder ja und nein. Wie nehmen wir aber Stellung dazu? Jesus sagt: "Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater. " Ich sage, wenn es geht um Gericht und Gerechtigkeit, zu Richtern gehören Menschen, die ohne Sünde sind. Die ohne Sünde sind, die können andere verdammen. Wer aber selbst Sünder ist, der kann keinen richten.

Früher, in unserer Jugendzeit, als wir da hineingeführt wurden, wurde gefragt: Wieviel sind es, die du hereinführst, für die du die Patenstelle übernimmst? Der eine hatte zwei, der andere fünf, zehn oder zwanzig. Das wurde dann notiert. Gott trägt uns immer in unserer Unwissenheit. Heute würde ich sagen: Kann ich das wissen, welche der Vater gezogen hat, wo es doch der Vater ist, der zieht, und der gezogen ist vom Vater, der kommt

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zu mir, sagt Jesus, und wohl dahin, wo er als der Handelnde offenbar wird mit Wasser, Blut und der Salbungstat. Daß zu diesen Taten Menschen gehören, das ist doch leicht faßlich. Im Jenseits gibt es das nicht. Der reiche Mann wollte auch nur einen kleinen Tropfen haben. Wir kennen das Wasser, womit die Zungen gekühlt werden, die von der Hölle entzündet sind. Abraham hat seine Zunge nicht gekühlt, auch nicht mit einem Tröpflein. Wenn es heißt: Gib uns einen Tropfen, gib uns ein bißchen von eurer Seligkeit, da sagt Abraham: Nein, das geht nicht.

Von Jesu heißt es, er kommt mit Wasser, mit Blut und mit der Salbungstat. Die Taten sind aber nicht da, wo kein Leib mehr vorhanden ist, nein, an die Leiber ist die Gnadenhilfe gebunden. Unter der Wassertat verstehen wir die Abwaschung, die heilige Taufe. Die Tat des Blutes ist die Fußwaschung, das heilige Abendmahl. Und an die Salbungstat, die heilige Versiegelung, ist die Erleuchtung gebunden für alle Menschen. Diese drei Stücke sind da zu finden, wo Christus Jesus mit seinen Taten ist. Nun soll die Hingabe und Willigkeit gefunden werden. Was wir früher durchlebt haben, das war etwas aus der Kindheit. Heute ist aber mein Herz weiter, es kommt mir auf eine Million nicht an; es kommt mir auch nicht auf eine Milliarde an. Ich habe heute morgen gesagt, daß die Qualen unbeschreiblich sind. Aber unter uns ist aufgerichtet der Gnadenstuhl und der Altar, wovon nicht Macht haben zu essen, die der Hütte pflegen. Wie gesagt, es kommt mir auf eine Milliarde nicht an. Die, die heimgegangen sind, wie die Apostel Menkhoff, Krebs usw., sollen die nicht wissen, wer wir sind? Kennen die ihre Stätte nicht? Hat der Apostel Krebs nicht zuletzt an dieser Stätte hier gesprochen: Hier will ich wohnen, hier gefällt es mir wohl? Das war das letzte Apostelwort, welches er an dieser Stätte gesprochen hat. Weiß das der Apostel Krebs nicht, weiß das der Apostel Menkhoff nicht, wissen das die Heimgegangenen nicht?

Nun kommt die Frage, welche sind es, die hereingelassen werden sollen? Sind es nur die einzelnen, die paar, die bei euch angeklopft haben, wenn Mütter ein Kind haben, welches ungetauft verstorben ist, oder ein treuer Freund oder nächster Angehöriger? Sollten es die nur sein, da wäre das Herz sehr enge, da ist das Tor nicht weit und die Tür nicht hoch. Ich sage: "Alle, die der Vater gezogen hat, kommen zu mir, und was zu mir kommt, will ich nicht hinausstoßen!" Dies Wort lasse ich in die Ewigkeit hinausschallen. Die

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der Vater aber nicht gezogen hat, die können nicht herzukommen, für die ist die Tür verschlossen. Nun können aber nicht alle apostolisch werden. Wir müssen immer durch den Vorhang des Fleisches hindurchsehen und die Erfahrung sprechen lassen.

Ich sprach von denen, die der Vater gezogen hat. Die sind doch belehrt und erkennen, daß Jesus Christus der Herr ist. Wie viele Millionen sind aber, die nicht weiter zu bringen sind, als bis zur Taufe. Wie viele Millionen mögen sein, die nicht einmal dazu zu bringen sind, aber sie erkennen, Jesus ist der König. Dann sind viele Millionen und Milliarden, die es nicht weiterbringen, als bis zum heiligen Abendmahl. Die Erfahrung machen wir doch. Und wie kommt das? Weil die Fähigkeit nicht weiter reicht. Denn die Pfunde werden nach dem Vermögen gegeben. Wenige sind es, die bis zur heiligen Versiegelung kommen. Es sind doch viele berufen, aber wenige, die auserwählt werden. Soll ich die zurückstoßen, die vom Vater gezogen sind und können noch bis zur Taufgnade gelangen? Ich verlange nicht mehr von ihnen. So sind die Millionen, die nur bis zum heiligen Abendmahl kommen können. Ich lade sie ein, stoße sie nicht zurück und sage: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ihr sollt erquickt werden!" Ich denke aber auch nicht daran, daß alle apostolisch sein sollen. Der Herr kennt doch die Seinen. Wenige sind es, die zu Berufenen und Auserwählten gemacht werden können. Kann ich das beurteilen? Wenn die vom Vater gezogen sind, kann ich wissen, welche davon die Fähigkeit haben, apostolisch zu werden? Das ist ausgeschlossen. Ich überlasse es dem, der auferstanden ist, die Fähigkeiten zu beurteilen. Ich stoße nicht zurück, die sich nur sehnen nach der Taufgnade; ich verschließe nicht die Tür denen, die nicht weiterkommen als zum heiligen Abendmahl. Dann bin ich aber auch behilflich denen, die das Unterpfand zur zukünftigen Herrlichkeit hinnehmen können. Denn aus allen Völkern sollen die Auserwählten kommen.

Unter euch sind doch auch viele, deren Begriffsvermögen nicht so weit geht, alles fassen zu können, wo wohl augenblicklich das Gehörte für wahr gehalten wird, aber die Überzeugung fehlt. Dann gibt es solche, die sich menschlicherweise hervortun wollen. Der eine hat einen, der soll absolut apostolisch werden. Andere lassen sich finden, die haben einen frommen Pastor gekannt oder einen alten Flickschuster. Die wollen sie nun herzubringen. Selbst aber wollen sie damit hervortreten:

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Seht mal, welch ein mitleidiger Mensch ich bin, seht mal, wie die an mich herankommen, ich muß der Gute sein, wie barmherzig, sanftmütig und demütig bin ich, ich verdamme nicht. Und der leibhaftige Teufel sitzt darin. Werden die nicht zu Judengenossen gemacht, die durch solche Kanäle gehen, werden da nicht Kinder der Hölle gemacht? Ich sage ja und nochmals ja.

Wir haben praktische Erfahrungen gemacht. Da sind viele durch einen Kanal gegangen und haben zu ihrer Schlechtigkeit noch die Schlechtigkeit des Kanals mitgenommen: Sie wurden gequält, hörten aber auch nicht auf zu quälen. Das hat uns nüchtern gemacht. Da haben wir gesagt, bei dem Abendmahl stellt die Gemeinde Gefäße hin. Es ist ein Gemeinschaftsmahl. Die wir von einem Brote essen, sind "Ein" Leib, die wir aus einem Kelche trinken, sind "Eine" Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft sagt im Erbarmen: "Kommt her, ihr Mühseligen und Beladenen, geht dorthin, da steht der Brotkorb, ich gebe von meinem Brot etwas hinein, da steht der Amtskelch, geht dahin und trinkt davon, es ist mein Trinkgefäß, denn es ist etwas, was die Gemeinde Gottes bereitet hat."

Nun ist jedes Wort, was aus meinem Munde kommt, gleich einem Wassertropfen. Ich bin aber auch das Gefäß der Gemeinde Gottes. Die Gemeinden sind Trinkbecher und Brotkörbe, und daraus können Millionen essen und trinken. So auch bei der Versiegelung. Ich halte euch dafür, daß ihr kluge Jungfrauen seid und als kluge Jungfrauen habt ihr Gefäße. Dann muß aber auch ein Hauptgefäß sein, woraus die klugen Jungfrauen sich etwas herausnehmen. Das Hauptgefäß bin ich für euch. Nun werden zwei ausgesondert als Gefäße der klugen Jungfrauen. In diese Gefäße gibt die Gemeinde Gottes alles hinein an Liebe, Erbarmen, Nichtrichten usw. Ihr dient dabei als neuer und lebendiger Weg, als Handleiter zu diesen Gefäßen hin.

Nun müssen welche da sein, die als Medium oder Pate dienen, worin der Geist des Glaubens ist, daran der Leib der Gemeinschaft gebunden ist. Denn wir sind ein Leib, gleichviel ob Tausend oder Hundert in Tätigkeit gesetzt werden, es ist immer "Eine" Gemeinschaft. Wenn ich handle, handelt der Leib, aber nur meine Hand ist in Tätigkeit. Wenn ich spreche, spricht mein Leib, aber nur meine Zunge ist in Tätigkeit. Wenn ich gehe, geht mein Leib, aber nur meine Füße sind in Tätigkeit. So ist es untereinander.

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Nun kommt der Leib, den ihr vorstellt, den habe ich nötig, der soll dienstbar gemacht werden für andere. Dieser Leib soll dienen als Medium, gleichzeitig als Hingabe, wie Jesus Christus seinen Leib hat hingegeben für uns, um uns damit zu heiligen. Ist das so, daß Jesus selbst als Medium gedient hat, um unsern Leib zu heiligen mit den darinliegenden Taten, dann ist es nicht unmöglich, daß wir dienen können in der Hingabe, damit die Leiber der Seelen geheiligt werden können, die der Vater gezogen und hergebracht hat. Zunächst muß es das Wort sein, welches die Freimachung bewirkt. Dann erst kann der Sohn mit seinen Taten kommen, der recht frei macht. Dazu muß sich der Leib dienstbar machen in der Fürsorge, im Erbarmen, in der Sanftmut und in der Liebe. Wenn ein Kind getauft wird, wird da das ganze Kind in das Wasser gesteckt? Petrus allerdings bei der Fußwaschung sagte: Herr, nicht allein die Füße, sondern auch das Haupt. Da sagte der Herr Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, ist rein. Müßte der ganze Leib gleichmäßig behandelt werden, um geheiligt zu werden, so müßten wir bei der Taufe ja das ganze Kind ins Wasser stecken.

Ich nehme nun zwei, die repräsentieren die Gemeinschaft, das ist der Leib. Auf diese zwei lege ich die Taten. Wir geben unsere Leiber hin zum Opfer heilig und wohlgefällig. Ihr, die ihr vom Vater gezogen, seid wissend, daß es der Leib ist, der auferstehen soll, ihr Verlangenden, kommet und nehmet hier von diesem Leibe, ich lege darauf die Abwaschung, hört es, eure Leiber sollen geheiligt werden. Dann will ich die versiegeln, die der Vater herzugebracht hat. Es sind aber nicht alle Glieder des Leibes, die ich berühre, sondern es ist nur ein Glied, es kommt aber dem ganzen Leibe zugute.

Wir haben früher manche Erfahrungen gemacht. Nun wir aber auf diesem praktischen Wege gegangen sind, hören wir nichts mehr davon. Wir überlassen es dem lieben Gott und schließen nur für die auf, die der Vater gezogen hat, denn der Herr kennt die Seinen. Die der Vater gezogen hat, die kommen zu Jesu, welcher kommt mit Wasser, Blut und der Salbungstat. Nehmet hin, esset und trinket! Nehmet selbst hin die Salbungstat, die heilige Versiegelung, wenn ihr die Fähigkeit dafür habt! - Ich überlasse es aber diesen, ob sie sich dazu entschließen wollen. Das ist praktisch und von Erfolg begleitet.

Ihr sollt nun gemeinschaftlich als Opfer dienen auf dem Altar. Wo ein Opfer gebracht werden soll,

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da muß Feuer angemacht werden, und dazu gehören Holz, Stroh, Stoppeln. Sind aber Holz, Stroh, Stoppeln vorhanden, dann gibt es einen geängstigten Geist. Nun kommt das Feuer an euch heran, das ist das Feuer des Gerichts. Wenn einer ein Opfer bringt, so bringt er es doch für andere. Wo wir nun unsere Leiber als Opfer darbringen und Holz, Stroh, Stoppeln verbrennen und ein geängstigter Geist zum Vorschein kommt, da muß aber auch das alte Richten und Verdammen verbrennen. Wenn wir uns nun beugen und Fürsprecher sind beim Vater, dann nehme ich die Gnade und lege sie auf euch. Diese Gnade geht aus von dem Gnadenstuhl und wird auf den Leib gelegt, wo der Leib zum Schuldträger gemacht wird. Aber auch der Leib ist es, der die Gnade wieder sucht und findet. Das ist der Abrahamssegen, der über alle Völker gehen soll. Der Altar heiligt das Opfer. Die kalten Steine tun es nicht, sondern das einmal gebrachte Opfer. Die sich nun willig finden lassen, wo ich ein Mahl bereiten will, die treten herzu. Bei der Wassertat und bei der heiligen Versiegelung habe ich zwei Personen dazu, damit durch die können geheiligt werden, die danach verlangen. Wir beugen uns.

Hiernach fand das heilige Abendmahl sowie Taufe und Versiegelung für die Entschlafenen statt."

Aus: Neuapostolische Rundschau 1916, S. 113 - 121

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1925

Zehn Jahre später, regelmäßig hielt Stammapostel H. Niehaus Totenversiegelungs-Gottesdienste an Weihnachten, fand in Bielefeld am 2. Weihnachtstag ein Gottesdienst für die Entschlafenen statt. Es folgen hier die Gedanken, die mit unserem Thema zu tun haben:

Circular 327

Gottesdienst gehalten vom lieben Stammapostel am 2. Weihnachtstag, dem 26. Dezember 1925, in Bielefeld.

Chorlied: Nr. 688 Herr, ich habe lieb die Stätte Deines Hauses usw.

Gebet:

Gemeindegesang: Nr. 367 0 Lebensquelle, Himmelsborn usw.

Bibelwort: Lucas 2,7-14 Predigt:

Mit dem zunächst zum Anhören Gebrachten will ich überleiten zu dem Dienst, der für die Heimgegangenen sein soll.

Das Engelwort ist nicht begrenzt auf einen Tag nach menschlicher Berechnung, sondern es umfaßt einen großen Zeitraum nach der Berechnung Gottes und gilt für alle Menschen, die in diesem Zeitraum leben. Diese Botschaft soll allen Völkern widerfahren. Wie weitgehend sind die Völker? Ich habe in einer Zeitung gelesen, daß die jetzt lebenden Menschen über eine Milliarde betragen, bestehend aus vielen Völkern. Leben diese denn nicht weiter im geistigen Leibe, wenn der natürliche Leib abgelegt ist? Durch das Scheiden aus dem natürlichen Körper hört keiner auf zu bestehen. Biblisch heißt es von den drei großen Reichen, Himmel, Erde und unter der Erde. Allen Völkern soll die frohe Botschaft zuteil werden, die uns heute zuteil geworden ist. Wie denn? In der letzten Zeit, in der Abendzeit, soll Christus erkannt werden, der da salbet mit dem heiligen Geist. Er ist nicht allein Christus, sondern auch Herr in der Davidstadt, nicht in Babylon oder Ägypten. Unter dem Samen Davids will Christus Herr sein. Wenn wir das Wort "Euch" näher betrachten, kommen wir von selbst zu dem Gedanken, wie der alte Apostel an die Epheser spricht von der verborgen liegenden Wahrheit Gottes. Früher war es nicht möglich, die Geheimnisse

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zu verstehen, die geoffenbart sind durch seine Apostel und wohl so, daß die Himmelsfürsten und Gewaltigen von hier die verborgen gelegten Wahrheiten Gottes lernen sollen. Früher haben wir selbst über dieses Wort hinweg gelesen. Aber diejenigen, die in der Stunde der Offenbarung hineinkommen, können es verstehen: "Euch ist heute der Heiland geboren." An dieser Botschaft nahmen die himmlischen Heerscharen teil und wohl so, daß sie in Lobpreisungen offenbar wurden. Sie hatten auch Interesse an der Erfüllung der gegebenen Verheißung, denn nur dadurch konnte die Hilfe gegeben werden. Sie werden auch in der Höllengemeinschaft alle aufmerksam gemacht haben: "Der Heiland ist da." Die die Stimme des Sohnes hören können, die sollen leben und diese werden nicht die Letzten sein."

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1927

Wieder fand ein Entschlafenen - Gottesdienst am 2. Weihnachtstag statt, gehalten von Stammapostel H. Niehaus in Bielefeld. Je nach Geistesregung hielt der Stammapostel auch im Laufe des Jahres solche Dienste, bevorzugt am 2. Pfingsttag, aber auch zu anderen Zeiten! Die stete Weiterentwicklung in der Lehre kann auch im folgenden wieder gesehen werden:

Circular 405.

Gottesdienst gehalten vom lieben Stammapostel am 2. Weihnachtstag, den 26. Dezember 1927, in Bielefeld für die Entschlafenen.

Gebet:

... Wir denken heute insonderheit an die, die die Geburtsstätte verlassen haben mit einem bösen Gewissen und in ein anderes Bereich gegangen sind. Sie stehen aber im Bewußtsein, daß sie gesündigt haben, und dort gibt es keine Gnade mehr. Wir bitten für die, die die Stimme Deines Sohnes hören können, daß sie hergeführt werden an diese Stätte. Zuerst gedenken wir an die, die zu diesem Bezirk gehören. Dann weißt Du aber auch die Scharen, die hergebracht werden sollen und Deinem Sohne zur Beute gegeben werden. Es ist ein Wunder vor unsern Augen. Wir bitten um Hilfe durch die Engel und himmlischen Heerscharen. Sei uns gnädig.

Predigt:

Wenn wir solches kennen, weise ich darauf hin, daß die apostolisch Heimgegangenen, die hier im Glauben gestanden, die Menschen zu der Überzeugung ihrer Sünden gebracht haben, ihre Arbeit fortsetzen, darin sie gestanden haben. Die geschaffenen Engel können das nicht. Von denen heißt es sogar, daß sie suchen zu begreifen das verborgengelegte Erlösungswerk in Christi und seine Gemeinde. Sie sind uns aber zum Dienste gegeben. Ich habe viele Beweise, daß die, die die Erde als Verbrecher oder mit schweren Sünden belastet verlassen haben, beunruhigt sind. Nimmt ein Verbrecher natürlicherweise die Flucht nach Amerika, Afrika oder Australien und entgeht so dem Rächer, ginge das alles gut, wenn er nicht das beladene

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Gewissen mitnähme. Wenn die Menschen schwer gesündigt haben und verlassen die Erde und entfliehen somit dem Rächer, so nehmen sie aber das mit schwerer Schuld beladene Gewissen mit. Durch die Prediger im Jenseits wird das Gewissen offenbar gemacht, aber dort kann keine Sünde zugedeckt oder vergeben werden. Die schweren Belastungen liegen auf ihrem Gewissen, und sie werden Tag und Nacht gequält und schreien. Ein Bruder kann dem andern vergeben, aber die Versöhnung mit Gott muß er ewiglich anstehen lassen. Dazu sind Erlöser auf dem Zionsberg nötig, die das Gewissen der schweren Sünde gegen Gott entlasten. Dieses alles sind wir nicht imstande, abmessen zu können, und die Zahl derer, die darin unwissend in die Ewigkeit gegangen, können wir uns nicht ausdenken.

Das Bibelwort sagt schon, daß die Sprache soll in alle Lande gehen und die Rede bis an der Welt Ende. Das solches möglich ist, zeigt uns der liebe Gott durch das Natürliche. Denken wir nur an das Radio, was unsere Väter zur Zeit nicht kannten und nicht hätten begreifen können. Bei dem Radio gibt es keine Entfernungen mehr. Die Bedingung ist aber, daß zwei Apparate vorhanden sind, die auf ein und dasselbe eingestellt sind. Spreche ich hier, dann kann meine Rede in Amerika oder sonst irgendwo gehört werden. Genauso ist es mit der Telephonie und Telegraphie. Warum gibt der liebe Gott solches in unserer Zeit? Er will uns durch das Natürliche belehren und beweisen, daß es keine Entfernungen mehr gibt. Die Predigt, Zeugnisse und Gesang können da gehört werden, wo die Apparate dafür eingestellt sind. Das will sagen, die Seelen, die die Aufnahmefähigkeit besitzen, die Stimme Jesus zu hören, die können zu ihm kommen und die sollen auch leben. Alle können die Stimme Jesus nicht hören, denn sie sind dafür nicht eingestellt. Die Heimgegangenen, die hier als Zeuge der Wahrheit gedient, arbeiten darin im Jenseits weiter. Warum? Um das Verlorengegangene wieder zurückzubringen, was doch nach der Verheißung geschehen soll.

Es soll allen geholfen werden, aber es kann nicht allen geholfen werden. Die heimgegangenen Zeugen der Wahrheit dienen als Stimme des Sohnes Gottes, so wie wir hier auf Erden die Stimme des Sohnes ausmachen. Sind es nur Menschenworte, die aus meinem Munde kommen, wäre es nur für die Menschen. Die Stimme des Sohnes Gottes ist aber durchgehend. Die heimgegangenen Zeugen dienen als Prediger, wie Jesus nach seinem Tode denen predigte, die einst zur Zeit Noahs nicht glauben

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konnten, als Gott Geduld mit ihnen hatte. Jesus ging durch die verschiedenen Sphären und ließ hören: Euch kann noch geholfen werden, kommt heraus. Das liegt in dem Worte: "Er hat das Gefängnis gefangen geführt." Von einer Begnadigung lesen wir aber nicht. Die Sünde ist unter den Menschen geschehen, und darum geht das Sehnen dahin zurück, wo sie gesündigt haben.

Die Heimgegangenen sind nicht so weit weg, daß wir nicht wissen, wo sie sind. Ich besitze viele Zeugnisse, daß die, die früher mit uns gewandelt, unsere Gottesdienste besuchen. Besonders groß ist der Andrang beim heiligen Abendmahl. Warum? Weil das heilige Abendmahl in den anderen Sphären nicht mehr gefeiert wird. Das ist kein Geheimnis mehr für uns, sondern wir bewegen uns darin."

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1929

Schon häufig war die Frage gestellt worden, ob die im Totenreich versiegelten Seelen den gleichen Stand für alle Ewigkeit einnehmen wie jene, die hier unter viel Kampf zum Glauben gekommen und unter viel Überwinden zum Mannesalter in Christo herangereift sind. Im "Amtsblatt" 1929, Seite 108, wurde diese Frage öffentlich erörtert. Hier folgen die Frage und die Antwort:

"Frage:

Ist für die Seelen, denen in ihrem irdischen Leben die Gnadensonne nicht geschienen hat und die erst im Totenreiche den Heiligen Geist empfangen, die Hinnahme der Versiegelung auch mit Kampf und Überwindung verbunden und werden diese Seelen denen, die auf der Erde den Heiligen Geist empfingen, gleich sein und auch als Könige und Priester im tausendjährigen Friedensreiche regieren?

Antwort:

Wer die Salbung hier im Leben erhält, muß viel leiden, durch viel Trübsal gehen und in diesen schweren Prüfungen zu überwinden suchen. Somit ist seine Stellung im Reiche der Herrlichkeit als Überwinder eine andere als die Stellung derer, die als Entschlafene den Heiligen Geist hingenommen haben. Sie gehören wohl zum Reiche Christi, können aber den Grad der Freude nicht genießen, wie er den Überwindern zuteil wird.

Die Befreiung von den Geistern, denen die Seelen in der Zeit ihres Erdendaseins gedient haben, erzeugt selbstverständlich im Jenseits einen Kampf; denn die Geister wollen ihr Eigentum nicht abgeben. Die Seelen, die aber den Boten Gottes folgen, werden zum Gnadenstuhle geleitet und erhalten daselbst die Freimachung in der Vergebung der Sünden."

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1930

Im nächsten Jahr wurde im "Amtsblatt" vom 15. November eine weitere Frage behandelt: Wo befindet sich die Seele eines entschlafenen Apostolischen vom Tage des Todes bis zum Beerdigungstage? Die Antwort lautet:

"Im Alten Bunde heißt es, daß ein jeder zu seinem Volk versammelt ward (l. Mose 35,29). Als Jesus am Stamme des Kreuzes entschlafen war, ging er sofort ins Totenreich, um den dort in den Gefängnissen liegenden Seelen die Erlösung anzubieten. Außerdem sagte er zum Schächer am Kreuze: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein" (Lukas 23,43).

Daraus geht deutlich hervor, daß die Seelen, nachdem sie ihren Leib verlassen haben, an den ihnen zustehenden Ort gehen. Daß die betreffenden Seelen bei der Beerdigung ihres Leibes von gesichtesehenden Personen gesehen werden, ändert an der Sache nichts. Sie haben zur Beerdigung ihres Leibes die Erlaubnis erhalten, sich zeigen zu dürfen. Nachdem aber ihr Leib der Erde übergeben ist, müssen sie an ihren im Jenseits zugewiesenen Platz gehen."

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1932

Nachdem Stammapostel J.G. Bischoff die Führung des Werkes Gottes 1930 übernommen hatte, er war damals 59 Jahre alt, erschien am 15. Dezember 1932 im "Amtsblatt" ein grundsätzlicher Artikel zum Gottesdienst für die Entschlafenen am 2. Weihnachtstag. Der Stammapostel faßt zusammen, was der Heilige Geist bisher hervorgebracht hatte. Ein Auszug aus dem vierseitigen Artikel folgt hier, wobei auf den Schluß verwiesen wird, der eine genaue Anleitung für Dienstleiter enthält, die praktisch heute noch gilt.

"Am 2. Weihnachtstag vormittags findet wie alljährlich in meinem, dem Frankfurter Apostelbezirk ein Dienst für Entschlafene statt. Ob die anderen Bezirksapostel an diesem Tage den Dienst für Entschlafene auch halten wollen, ist ihnen überlassen.

"Führt mich ein zu Zions Toren! " (Lied Nr. 562) ist an diesem Tage die Bitte derer, die Verlangen haben, in die Stadt unseres lebendigen Gottes eingeführt zu werden. Sie müssen sich aber an diejenigen wenden, die auch in Wirklichkeit die Fähigkeiten haben, ihrem Wunsch entsprechen zu können und durch ihren Mund diese Bitte hörbar werden zu lassen. Man wird einen Blinden nicht fragen: Wohin geht der Weg?, sondern einen Sehenden. So kann auch die Bitte: "Führt mich ein zu Zions Toren!" nicht an Unwissende oder an Ungläubige gerichtet werden, die weder den Weg noch das Zion kennen, sondern nur an solche, die zur Erfüllung dieser Bitte behilflich sein können, und das können nur diejenigen, die von Gott dazu gesetzt sind, das vom Apostel Petrus bezeichnete auserwählte Geschlecht und königliche Priestertum zu sein (l. Petrus 2,9).

Als Jesus am Stamme des Kreuzes das Opfer vollbracht hatte, ging er in das Totenreich und hat dort das Evangelium gepredigt, ein Beweis denen gegenüber, die behaupten: "Die Toten schlafen" oder "Die Toten können erst am Tage der Auferstehung erweckt werden." In 1. Petrus 3,18-22 ist hingewiesen, daß Jesus den im Totenreich vorhandenen Geistern gepredigt hat. Die Frage wird sein: "Wozu hat er denn gepredigt?" Gott will

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nicht, daß jemand verloren gehe, sondern daß allen geholfen werde. Man hätte doch auch denken können: Jene waren unter dem Gesetz und die zur Zeit Noahs lebenden Menschen unter dem Wort und der Handlungsweise Noahs, sie mögen nun zusehen, wie sie fertig werden! - Aber der liebe Gott tut alles, um den Seelen eine Hilfe zu sein. Deshalb hat auch Jesus nach seinem Ableben am Stamme des Kreuzes seine Tätigkeit im Jenseits unter denen fortgesetzt, zu denen er eingegangen war.

Im Jenseits steht kein Gnadenstuhl; das geht schon aus den Worten Jesu hervor: "Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein" (Matthäus 18,18). Das ist ein Beweis, daß das, was hier gebunden wird, dort keine Erlösung zu erwarten hat, weil dort gar keine Einrichtung zur Erlösung von Gott gegeben ist. Deshalb müssen alle zu dem auf Erden aufgerichteten Gnadenstuhl geleitet werden.

Dies geht auch aus der Einrichtung der gottesdienstlichen Ordnungen im Alten Bunde deutlich hervor. In das Heiligtum hatten die priesterlichen Ämter Zutritt, aber in das Allerheiligste durfte nur der Hohepriester gehen, und zwar einmal im Jahre. Im Vorhof stand der Brandopferaltar. Alle, die von dem Brandopferaltar genießen wollten, mußten aus dem Heiligtum hervorgehen. Die Priester konnten also im Heiligtum nicht vom Brandopferaltar genießen, sondern sie mußten erst in den Vorhof gehen, wo alles zum Genusse bereitet war.

Das ist ein Hinweis auf die Tätigkeit derer, die im Heiligtum, im Jenseits, offenbar sind. Sie müssen aber, um zum Genusse der Versöhnungstat Christi zu gelangen, in die Vorhofsgemeinschaft geleitet werden. Die Erlösungstat Christi wird vom Vorhof nicht ins Heiligtum getragen, sondern die Heiligtumsbewohner müssen nach dem Vorhofe geleitet werden. Findet dies statt, so ist die Möglichkeit gegeben, den Verlangenden im Vorhof (hier auf Erden) die Verdienste der himmlischen Segnungen in Taufe, Abendmahl und Versiegelung anzubieten, so daß die mit diesen Segnungen in Verbindung gebrachten Seelen eine wirkliche Erlösung hinnehmen und dann dadurch im Jenseits frei sind.

Außerdem, wer gedenkt an die vielen Heiden auf der ganzen Welt, die sich wohl nach ihrer Weise eine Gottheit vorstellten, der sie in diesem Leben opferten und dienten? Wer gedenkt dieser Unwissenden? Wir sind fest überzeugt, daß unsere Heimgegangenen auch davor nicht Halt machen werden, sondern daß sie suchen, auch dort eine Hilfe

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zu sein. Wenn nun die Stimme des Sohnes Gottes gehört wird, kommt doch das Hervorgehen aus den Kammern, wie Jesus sagte.

Die Heimgegangenen in jenem Reich, auch die Apostel und die priesterlichen Diener, gehen durch die Fürbitte und die Mithilfe des Engeldienstes zu denen, die noch gebunden liegen und sich nach der Erlösung und Freiheit aus den Kammern sehnen. Sie predigen ihnen, zeigen ihnen den Weg, machen sie auf das Liebesopfer Christi aufmerksam, aber sie können keine Erlösung bewirken und auch den Heiligen Geist nicht spenden; denn eine Erlösung kann nur da bewirkt werden, wo für sie die Stätte der Sünde war, und diese ist hier auf Erden, wo auch der Gnadenstuhl Christi aufgerichtet ist .

Es ist zu bewundern, wie köstlich der liebe Gott seinen Ratschluß hervortreten läßt. Uns, denen die Augen geöffnet sind, dient es zur Freude, und den andern ist und bleibt es eine Torheit. Deshalb sagte auch Jesus: "Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart" (Matthäus 11,25).

Nachdem Mitleid in den Herzen der Seelen erweckt und die Erkenntnis bewirkt ist, wird die Gemeinde durch die Vergebung der Sünde und das heilige Abendmahl gereinigt und geheiligt, wie es in den Sonntagsgottesdiensten der Fall ist. Dann wird von dem Dienstleitenden, im Verbundensein mit der Gemeinde, für die Entschlafenen und gnadesuchenden Seelen gebetet, und sie werden im Geiste zu dem Altar geleitet, um dort die Heilstaten in den Bundeshandlungen durch den Apostel in Empfang zu nehmen. Das Gebet für die Entschlafenen kann dem Sinne nach etwa mit folgenden Worten gebracht werden: "Lieber Vater! Du hast die Seelen im Jenseits durch die Arbeit der dort tätigen Boten des Friedens soweit zubereitet, daß sie zur Empfangnahme der Segnungen Deines Sohnes fähig gemacht sind. Leite sie nun durch den Engeldienst zu dem aufgerichteten Gnadenaltar in dem Apostel Deines Sohnes, damit sie dort alles in Empfang nehmen, was zu ihrem Heil und ewigen Leben erforderlich ist. Dies erbitten wir von Dir um Jesu willen. Amen."

Ihr lieben Brüder, wenn alles im Sinn und Geiste Christi getan wird, dann ist mit einem großen Erfolge zu rechnen, und es wird Friede und Freude im Reiche der Lebenden und auch im Bereiche der Entschlafenen ob der an allen geschehenen Heilstaten sein."

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1946

Ein Jahr nach Ende des 2. Weltkrieges (1939 - 1945) hielt Stammapostel J.G. Bischoff am Totensonntag, 24. November 1946, einen Entschlafenen-Gottesdienst in Frankfurt am Main. Der Auszug aus seinem Dienen befaßt sich mit dem Aufenthaltsort der gestorbenen Seelen, der Folge des Todes (er macht aus einem Sünder keinen Heiligen und aus einem Narren keinen Weisen) und mit der eventuellen Zahl der durch das Handeln der Apostel Geretteten (wir wissen die Zahl nicht) sowie der nötigen Barmherzigkeit fürs Handeln (weshalb auch der Stammapostel diese Dienste hält, denn in ihm ist die Barmherzigkeit am größten). Auch wurde aufmerksam gemacht auf die Tatsache, daß die für die Lebenden ausgesprochene Sündenvergebung gleichzeitig jenen Entschlafenen gilt, die diese nötig haben. Es folgt nun der Auszug:

"Kurzer Bericht über den von Stammapostel J.G. Bischoff gehaltenen Gottesdienst am Totensonntag, 24.11.1946, in Frankfurt a.M.-West

Die uns voraufgegangenen Seelen sind noch nicht im Reich der Herrlichkeit. Sie befinden sich in den ihrem Seelenbau entsprechenden Bereichen; denn sie haben ihren Ewigkeitsleib noch nicht empfangen. Erst, wenn Lebende und Entschlafene ihren Ewigkeitsleib empfangen haben, erfolgt die Einweisung in das Bereich, welches dann endgültig als ihr "Zuhause" bezeichnet werden kann.

Der Mensch kann, wenn er aus dem Leben geht, im Jenseits nicht anders erscheinen, als er hier gebildet wurde. Der Tod als solcher ist ja nur ein Hineingeborenwerden aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit. Der Tod macht aber aus einem Sünder keinen Heiligen und aus einem Narren keinen Weisen.

Wir wissen ja die Zahl derer nicht, die herzugeführt werden; maßgebend sind auch hier die Worte: Es kommt niemand zum Sohne, es ziehe ihn denn der Vater (Joh. 6,44). Da die Apostel den Dienst für die Heimgegangenen in ihren Bezirken vornehmen, wäre ja schließlich die Arbeit des Stammapostels in dieser Sache unnötig. Doch ist dem nicht so; denn es kommt ganz darauf an, inwieweit die Gnadesuchenden Einlaß finden.

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Vor vielen Jahren wurde in einem Gesichte gesehen, daß viele dahin kommen, wo ich tätig war. Auf die Frage der betreffenden gesichtsehenden Person, warum sie sich nicht dahin wenden würden, wo für sie die Tür geöffnet sei, sagten dieselben, daß sie aus einem Bereiche kämen, wofür das größte Maß des Mitleides erforderlich sei, um Einlaß in das Reich Gottes finden zu können, und das hätten sie da, wo sie eigentlich hingehörten, nicht gefunden.

Daraus geht auch wieder hervor, welche Fülle von Barmherzigkeit erforderlich ist, um allen, wann, wo und wie sie auch gelebt haben, eine Hilfe sein zu können.

Damit ist natürlich nicht gesagt, daß sie alle Empfänger der heiligen Versiegelung sind. Es kommt ganz auf den Grad ihrer Zubereitung und seelischen Verfassung an. Die weitaus größte Zahl wird wohl zu der von Johannes gesehenen unzählbaren Schar gehören, die ihre Kleider helle gemacht haben im Lammesblute, die also in den Besitz des Gnadenkleides Christi gelangt sind.

Nun wird die jeweilige Entwicklung zur Empfangnahme der Segnungen berücksichtigt, also die Vergebung, die vorlaufend ausgesprochen ist, haben alle Zubereiteten gehört und hingenommen.

Dann sind aber die, die mit Wasser getauft sind, wobei aber des Herrn Wort und vor allen Dingen der Heilige Geist fehlte, der die Tat vollbringen sollte. Eine menschlich ausgeführte Taufe mit Wasser hat im Reiche Gottes keine Gültigkeit. Deshalb bestätigen wir zunächst die Wassertaufe, die zur Zeit an ihnen geschehen ist. Sofern aber die Taufe mit Wasser noch nicht gespendet ist, werden die Betroffenen herzugeleitet zur Hinnahme der heiligen Taufe mit Wasser.

Andere, die soweit gereift sind, um das heilige Abendmahl zu genießen, bekommen dasselbe in die Amtskrippe gelegt, und diejenigen, die zum Teil schon hier im Leben unter besonderen Verhältnissen zubereitet wurden (was allein dem lieben Gott bekannt ist) und dort die nötige Reife erlangt haben, empfangen die heilige Versiegelung. Aber diese Schar wird nicht sehr groß sein; denn zur heiligen Versiegelung zu kommen, das ist nicht so einfach, wie sich das manche vorstellen, denn es handelt sich hierbei auch um die im Jenseits bestehenden Gesetze.

Es folgte diesen Ausführungen ein herzliches Gebet des Stammapostels, worauf die verschiedenen Handlungen erfolgten."

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1950

Am 5. November 1950 diente der Stammapostel in Mannheim. Zuvor hatte die Apostelversammlung beschlossen, daß vom Jahre 1950 an der Entschlafenengedächtnis-Gottesdienst weltweit einheitlich am ersten Sonntag im November eines jeden Jahres am Vormittag stattfinden sollte. Bis dahin hatte jeder Apostelbezirk der Landessitte entsprechend eigene Tage für diese Dienste angesetzt. In Deutschland war dies seit etwa 1935 der kirchliche Totensonntag (einen Sonntag vor 1. Advent). Im Eingangsgebet betonte der Stammapostel den Engeldienst, der nötig für die Herzuführung der eingeladenen Scharen der jenseitigen Welt sei. - Hier einige Gedanken aus dem Dienen (vergl. "Brot des Lebens" vom 1. Februar 1951):

"Es ist wunderbar, daß der Sohn Gottes nach seinem Tode diese Arbeit vornahm. Bei der Verklärung auf dem Berge Tabor waren Mose und Elia zugegen. Mose war der Repräsentant des Gesetzes und Elia der Repräsentant der Propheten. Hätten denn diese beiden das nicht auch machen können? Nein, das konnten sie nicht. Mose war der Führer des Volkes Israel und war somit, nachdem er bei der Verklärung die Worte gehört hat: "Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe", imstande, dem Volke Israel, soweit es sich im Jenseits befand, mitzuteilen, daß nunmehr der erschienen ist, von dem er in prophetischer Weise schon sagte: "Einen Propheten wie mich wird der Herr erwecken aus euren Brüdern, den sollt ihr hören." Und Elia konnte den Propheten sagen: Ich habe den gesehen, auf den ihr alle hingewiesen habt, er ist erschienen als der Sohn Gottes, und der Vater hat das Zeugnis gegeben: "Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören."

Beide Männer, Mose und Elia, waren somit Zeugen und konnten denen, die zu ihrer Zeit lebten, nunmehr die frohe Botschaft übermitteln. Sie hätten keine Möglichkeit gehabt, die vor ihnen in die Ewigkeit gegangenen Seelen zu unterweisen, das sehen wir daraus, daß Petrus sich geweigert hatte, zu einem Heiden zu gehen, wenn ihn Gott nicht

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besonders in die Schule genommen hätte, um ihm dadurch zu beweisen, daß auch die Heiden in das Reich Gottes eingehen können, wenn sie die dazu erforderlichen Segnungen im Hause des Herrn empfangen. Jesus hat aber auch damit bewiesen, daß er von Anfang an da war. Ihm waren jene Verhältnisse nicht unbekannt. Er sagte doch damals seiner Umgebung: "Ehe Abraham ward, bin ich, und Abraham sah meinen Tag und freute sich", wo ihm j ene Zuhörer sagten: "Was, du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?" Aber wir dürfen nicht vergessen, daß Jesus als König von Salem ohne Anfang und Ende ist. Er ist mit Brot und Wein dem Abraham begegnet, denn der Sohn Gottes ist von Ewigkeit her. Wann ist der Sohn Gottes geboren? Als Menschensohn ist er durch Maria geboren, aber als Gottessohn besteht er von Ewigkeit her.

Ich kann euch nur den guten Rat geben: Wenn ihr in eurem Gedächtnis habt, daß ihr irgendeinem Menschen Unrecht zugefügt habt, der nun aus dem Diesseits ins Jenseits gegangen ist, benutzt heute die Gelegenheit, um von allem frei zu werden. Ich werde nachher der sprechende Mund für euch sein und diese um Vergebung bitten. Aber andererseits bitten wir dann auch den lieben Gott um seine Gnade für die Betreffenden und schaffen dadurch einen Ausgleich. Wenn wir auf der einen Seite gefehlt haben und wir kommen auf der andern Seite mit der Fürbitte, dann gleicht sich das aus, so daß wir sagen können: Wir haben an euch gefehlt, aber wir haben auch für euch gebetet, daß ihr den Weg gehen könnt und eurer Seele Gnade, Heil und Frieden widerfährt. Ich möchte ganz besonders in diesem Falle auf die hinweisen, die als ungeboren in die Ewigkeit gehen mußten. Auch für sie soll gesorgt werden, damit wir in allen Stücken das Unsere getan haben.

,Meine lieben Geschwister, wir wissen heute nicht, ob dieser Dienst für die Heimgegangenen der letzte ist. Wir haben im Apostelkreis beschlossen, daß jedes Jahr am ersten Sonntag im November der Dienst für Entschlafene gehalten wird, und das ist heute zum ersten Mal, vielleicht auch zum letzten Mal. Es ist deshalb von größter Wichtigkeit für uns, daß wir darin völlig reine Bahn schaffen. Wenn wir ins Jenseits kommen, dann wollen wir nicht solchen begegnen, die eine Forderung an uns haben und uns zu verklagen in der Lage wären. Wir wollen denen entgegenkommen, damit wenn wir hinüberkommen, sie uns als Freunde begegnen und nicht als Gegner. Geben wir uns darin keiner Täuschung hin.

 

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ich habe schon oft gesagt: Im Jenseits gibt es keine Bierbrauereien, keine Schnapsbrennereien, auch keinen Tabak, keine Zigarren- und Zigarettenfabriken. Ich kann euch, meine lieben Geschwister, nur den Rat geben, wenn ihr von irgendeiner Leidenschaft solltet durchdrungen sein. Löst euch davon, ehe es zu spät ist! Ich habe das allergrößte Interesse an dem Heil eurer Seele und möchte nicht, daß auch nur eines von euch um einer Leidenschaft willen in Ewigkeit außerhalb stehen würde."

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1951 – heute

Auszüge aus unseren Lehrbüchern einschließlich "Richtlinien"

Die grundlegenden Gedanken aus dem Buch "Das Leben nach dem Tode" von Fr. Linde, die aus dem Amtsgeiste der Stammapostel F. Krebs, H. Niehaus und J.G. Bischoff stammen, bilden eine leicht lesbare Darstellung dessen, was für den Kinder-Unterricht in unserer Kirche seit 1908 in Form des "Hülfsbuch, herausgegeben für die Priester und Diener der Neuapostolischen Gemeinden für den Religions-Kinderunterricht" existiert. Seit 1916, in revidierter Form seit 1938 bzw. 1951, wird unseren Lehrern in Form des "Fragen- und Antworten - Buches" etwas an Hand gegeben, was weltweit einheitlich verwendet wird.

Wir kommen nicht umhin, aus diesen Lehrschriften das hier Interessierende zu bringen, und wir beginnen mit dem "Hülfsbuch", setzen fort mit dem Lehrbuch von 1916 und dem von 1951, das heute gilt und das praktisch identisch ist mit jenem von 1938, und schliessen mit den "Richtlinien":

Hülfsbuch

herausgegeben für die Priester und Diener der Neuapostolischen Gemeinden für den Religions- Kinderunterricht, Bielefeld 1908

Die Taufe für die ungetauft Verstorbenen, 1. Cor. 15,29:

Von Jesu ist gesagt, er ist hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis (Totenreich) gepredigt usw. Oben haben wir gesehen, daß für Lebende ein Wasserbad im Wort bereitet wird, und daraus die Geburt (Erneuerung) stattfindet, der Bund des guten Gewissens mit Gott, vom Geiste mit dem Geiste. Wenn wir glauben an eine Gemeinschaft der Heiligen, so sind doch wohl Lebende und Tote

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inbegriffen. Und die Toten können ohne uns Lebende nicht vollendet werden, und nur durch die Lebenden kann den Entschlafenen, die ungetauft gestorben sind, also außerhalb des Bundes stehen, die Bruderhand der Hülfe gereicht werden und wohl darin, daß diesen Toten, wo das Verlangen in ihnen erweckt wird, die sakramentalen Heilswahrheiten und Handlungen Christi nahe gebracht werden. Niemand kommt zu mir, sagt Jesus, es ziehe ihn denn der Vater. Der Vater zieht unmittelbar durch seinen Geist, aber mittelbar durch sein Wort. Die entschlafenen Gerechten arbeiten mit dem in ihnen wohnenden Geiste und Worte weiter. Der Sohn ist mit seinen Erlösungstaten auf Erden unter den lebenden Menschen. 1. Joh. 5,6-8, Offb. Joh. 6,9-11, lesen wir von einer Schar, die unter dem Altar liegt. Der Altar besteht aus lebenden Menschen, zuerst die Apostel. Auf dem Altar sind die Taten Christi, Wasser, Blut und Geist. Die Entschlafenen sehnen sich nach diesem Opfer, sie müssen es aber von lebenden Menschen nehmen. Darum mußte Gott auch Mensch werden, um erlösen zu können. Unter den Menschen ist die Gnadenstätte, im Jenseits ist keine Gnade, dort empfängt ein jeder, wie seine Taten gewesen, die Gnadenstätte ist unter lebenden Menschen. Siehe Lucas 2,10-14. Gott ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten, sonst müßten die Lebenden die Toten fragen und von ihnen nehmen. Die Toten müssen durch die Lebenden der Vollendung näher gebracht werden. Wenn Paulus spricht von der Stellvertretung der Toten durch lebende Menschen, 1. Cor. 15,29, dann liegt doch darin eine Patenstelle der Lebenden für die Toten, wo sich Lebende mit ihrem Leibe hingeben und nehmen für die, mit denen Gott schon durch Wort und Glauben einen Bund geschlossen, nun auch von Jesu das Kaufzeichen der Wassertaufe hin. Die Toten, die geistig tot im Tode liegen, werden zu Christo gebracht und zum Leben erweckt. Die Totentaufe ist auch vorbildlich gezeigt in 2. Kön. 8,5, wo Elisa einen Toten lebendig macht.

Wo ist Jesus Christus? und wo sind die Entschlafenen?

Vielfach ist diese Frage aufgeworfen, wir wollen die Frage beantworten; auch haben manche durch Unkenntnis etliche verwirrt. Etliche machten Jesum zum Geist, andere wieder nur als Mensch.

Zum ersten ist Jesus Christus wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch, Gottes- und Menschensohn.

Als Gott konnte Jesus Christus nicht sterben und auferstehen , aber wohl als wahrhaftiger

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Mensch, und als auferstandener Menschensohn ist er in die Höhe gefahren, Apostelgesch. 1, von dannen er kommen wird, zuerst zur Aufnahme der Erstlinge, dann auch zum ewigen Gericht.

Nach seiner Auferstehung sagte Jesus: Ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, das ich habe, aber mit dem Unterschiede: In natürlich lebenden Menschen ist der Geist dem Leibe unterworfen, aber nach der Auferstehung ist der Leib dem Geiste unterworfen, somit bald hier, bald da.

Zuerst besteht eine geistige Auferstehung durch Wort und Taten, so ist das Offenbarwerden Jesu auch geistig. Durch seinen Geist will er mit seinem Worte und Taten in uns wohnen; diese Erscheinung, in der Wolke seiner Zeugen, wird auch eine Zukunft genannt, wie Matth. 24,29-31 zu lesen.

Das Zeichen des Menschensohnes Jesu sind seine Apostel, daran erkannt wird, Christus Jesus ist der große Apostel gewesen, von Gott gesandt, aber als Mensch unter den Menschen. Durch das Zeichen des Menschensohnes werden die Himmelskräfte offenbar nicht natürlich, aber geistig, auch das Sammeln der Auserwählten ist damit verbunden.

Wer nicht mit Jesu geistig gestorben, kann auch nicht mit Jesu geistig auferstehen, und wer nicht geistig auferstanden, kann auch nicht geistig mit ihm leben. Aber sollte durch die geistige Auferstehung und das Aufnehmen von Jesu, eine Zukunft genannt, die leibliche Auferstehung und persönliches Kommen von Jesu aufgehoben werden? "Niemals! "

Jesus sagte zur Zeit, Math. 25,14 u. Lucas 19,12, daß er gleich einem Menschen über Land ziehe, als Edler, um ein Reich einzunehmen, und dann zurückkomme. Wo ist das Reich? Die Bibel gibt darüber wenig Aufschluß, aber soviel wird uns doch gesagt, daß der Herr Jesus weiter wirkt und schafft, auch so, daß ein verlorenes Reich muß wieder erobert werden, und wohl eine große Schar von entschlafenen Menschen.

Gott ist ein Geist und hat Engel als Geister zu seinen Dienern, aber Jesus ist auferstandener Mensch und hat auferstandene Menschen zu seinen Dienern. Denn bei der Auferstehung taten sich auf viele Gräber der Heiligen, die mit Jesu auferstanden sind, aber auch in dem Reiche seine Diener sind. Denn so lesen wir von Jesu. - Er nimmt nirgends die Engel an sich, sondern den Samen

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Abrahams, Kinder des Glaubens und Träger des Segens nimmt er an sich, aber auch nach der Verheißung Erben. Wir lesen, Er (Jesus) ist aufgefahren, über die Himmel der Himmel, zur Rechten des Vaters.

Unrichtig ist, wenn Unwissende sagen, hinter den Wolken gibt es nichts.

Gott ist überall, selbst unter den unwissenden Heiden, seine Hand hat alle und alles gemacht, auch will er in uns wohnen und wandeln, aber heben wir darum seine Person auf, oder sollten wir glauben, nirgends sei der Thron seiner Herrlichkeit, dahin Jesus aufgefahren? Wollen wir den Thron der Herrlichkeit wegleugnen, dann müssen wir auch die Person Jesu als auferstandener Mensch wegleugnen. Wo das Reich und der Thron der Herrlichkeit ist, können wir nicht sagen, sicher nicht auf dieser sichtbaren Erde. Gottes Werke sind unendlich.

Der Tempel des alten Bundes gibt uns Fingerzeige. Wir sind hier im Vorhofe, unter dem Gesetze, wo der Brandopferaltar ist, wo wir von dem einmal gebrachten Opfer essen, aber auch unsere Leiber opfern müssen.

Die selig Entschlafenen sind in dem Heiligtum, wo sie seelische Speise genießen (Schaubrode), auch räuchern mit dem Rauchwerke der Gebete, und das Licht des Geistes ist in ihnen, nach dem Worte: Der Geist Christi soll bei euch bleiben ewiglich. Die selig Entschlafenen bitten und seufzen auch für uns, aber vom Opfer können sie nicht genießen im Heiligtume. Das Opfer ist unter lebenden Menschen.

Jesus Christus ist als Auferstandener im Allerheiligsten, von da aus Er uns regiert, aber auch für uns bittet als ein treuer Hohepriester, aber von da wird er kommen ins Heiligtum. Die im Herrn entschlafen sind, stehen zuerst auf, das heißt die im Heiligtume sind, und die, die Christo angehören, die Lebenden hier auf Erden werden dann verwandelt und im Heiligtume versammelt, wo von da aus der Herr mit seinen viel tausend Heiligen kommen wird auf diese Erde, und werden ihn sehen alle Augen, die ihn gestochen haben.

Auch Gottlose müssen dann aufstehen, damit sie tausend Jahre eher die Qual hinnehmen nach dem Worte: "Viele, so unter der Erde schlafen liegen usw., also nicht alle." Jesus wird dann als wahrhaftiger auferstandener Mensch mit den auferstandenen Menschen regieren auf dieser Erde, darauf so

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viel Blut geflossen, von ihm selbst und von seinen Gläubigen; dafür soll die gerechte Bezahlung sein. Die überwinden, sollen nun auch herrschen mit Christo, auf dieser Erde.

Wo sind die Entschlafenen?

Die Bibel sagt uns, wenn jemand stirbt, dann muß er sich sammeln zu seinem Volke, wozu er hier auf Erden gehört hat. Gott ist ein Gott der Ordnung.

Wie man endet hier auf Erden, wird mir dort der Anfang werden.

Die Bibel sagt, daß die Ungläubigen und Gottlosen herunter fahren, wogegen die Überwinder und Gläubigen in die Höhe fahren. Siehe der reiche Mann und arme Lazarus. Der Reiche herunter, dahin Jesus erst ist gefahren, und der Lazarus wurde von Engeln getragen in Abrahams Schoß. Auch heißt es, der Reiche hob seine Augen auf. Hier können wir in Anwendung bringen, in des Vaters Hause sind viele Wohnungen.

Eine geheiligte Seele trägt in sich ein Sehnen nach oben, wogegen eine irdisch gesinnte Seele das Sehnen nach hier, auf dieser Erde in sich trägt.

Ein jeder Mensch, der da stirbt , hat eine Wohnung von Gott bereitet, er muß sich zu seinem Volke sammeln, ob er will oder nicht.

Die Seelenqual besteht darin, daß der Leib fehlt, das Feuer des Verlangens kann nicht befriedigt werden, denn der Leib fehlt, der als Mittel gedient hat, und diese Qual ist eine bleibende.

Die Seligen aber, die den Gelüsten des Fleisches abgestorben durch Selbstverleugnung unter dem Kreuze, die leben in dem seligen Genusse der Seele. Sie haben hier ihren Genuß und Freude an dem Worte und Taten Gottes gehabt, und leben darin weiter.

Wo die Orte sind, wo alle Entschlafenen verweilen, können wir nicht sagen, aber soviel ist uns gesagt: Es gibt Örter der Erde und auch viele Himmelskörper, Gott hat für alle gesorgt.

Die Entschlafenen haben alle ihren Ort, doch so daß sie auch mit den Lebenden verkehren können. Ware das nicht so, warum hat denn Gott verboten, die Toten zu fragen, wenn die Möglichkeit ausgeschlossen wäre.

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Ein jeder ist auf sein Bereich und Volk angewiesen. Ein Geist kennt keine Entfernungen, somit ist es leicht, unter den Lebenden erscheinen zu können.

Oben haben wir gesagt, die selig Entschlafenen sind im Heiligtume. Den Priestern des Heiligtums war die Möglichkeit, auch Freiheit, im Vorhofe erscheinen zu können, aber dem Volke war das Betreten des Heiligtums nicht gestattet, so auch jetzt, die Entschlafenen können wohl in dem Vorhofe unter den Lebenden erscheinen, aber die Lebenden können nicht hinkommen, wo die Entschlafenen sind.

Hierüber ließe sich noch viel schreiben, wir achten aber, es ist genug, wir können nur Fingerzeige geben, damit die Unwissenden weise werden, und jene, die Irrtum in die Herzen gebracht haben, aufhören, und vernünftig werden.

Lehrbuch über Fragen und Antworten

zum Gebrauch für den Religionsunterricht der Kinder und Konfirmanden in der Neuapostolischen Gemeinde. Herausgegeben von Herm. Niehaus, Quelle, 1916.

Von Jesu Hingang in das Totenreich.

- Wo weilte der Geist Jesu mit seiner Seele nach dem Leibestode?

Er ist hingegangen und hat das Evangelium gepredigt den Geistern im Gefängnis, die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs. Ephes. 4,8-10; 1. Petri 3,18-20 und 4,6.

- Hatten die Entschlafenen an Jesu Opfertod und Evangelium ein Interesse?

Ganz gewiß, denn an sein Opfer ist auch ihre Erlösung von Schuld, Tod und Grab, wie aller Geschlechter Heil und Zukunft gebunden. Offbg. Joh. 5,5-9.

- Womit kann man dieses Interesse der Entschlafenen auch biblisch beweisen?

1. Aus den beachtenswerten Vorgängen bei der Verklärung Christi , Matth. 17,1-9, wo Mose und Elia als Vertreter der Entschlafenen in

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Gegenwart dreier lebender Apostel mit dem Menschensohn Jesu von dem Ausgang des Reiches Gottes redeten. Auch war das dabei gesprochene Vaterwort: "den sollt ihr hören" an die Lebenden und die Entschlafenen gerichtet .

2. Aus dem Worte Jesu nach Ev. Joh. 8,56.

3. Aus dem Worte der Offbg. Joh. 6,10-11 und noch vielen anderen Stellen und Lehren der Heiligen Schrift.

- Was erkennen wir daraus?

Daß Gott ein Gott der Toten und der Lebendigen ist und will, daß allen Menschen geholfen werde.

- Warum predigte wohl Jesus zuerst und anscheinend nur denen zur Zeit Noahs, also dem Geschlechte der ersten Menschheitsperiode?

Wohl deshalb, weil diese am längsten warteten und nach Erlösung ausschauten.

- Was können wir daraus weiter schließen?

Daß seine Apostel und Knechte nach ihrem Hingang diese von ihm begonnene Arbeit fortzusetzen haben. Ev. Joh. 5,25 und 8,36.

- Können die Entschlafenen - Gestorbenen - auch noch die heilige Versiegelung und überhaupt die sakramentalen Gnaden und Bundeshandlungen hinnehmen und dadurch ihrer Segenswirkung teilhaftig werden?

Ja, und besonders dann, wenn sich zu ihren Lebzeiten dazu keine Gelegenheit trotz ihres Verlangens für sie geboten hat. Aber es sind erschwertere Umstände und Verhältnisse, unter denen dies möglich werden kann, als wie bei im Fleische lebenden Menschen. Jesaja 65,1 und Römer 10,20.

- Worauf gründet sich diese ungemein wichtige Hoffnungsmöglichkeit?

Auf die Gerechtigkeit und Liebe Gottes.

- Worin besteht diese Gerechtigkeits- und Liebesgrundlage?

1. Gott läßt allen als Mensch geborenen Geistern und Seelen seinen geoffenbarten Willen als Gesetz, Schranke und Prüfstein dienen.

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2. Gott läßt ihnen aber auch allen um seiner Liebe willen das Angebot seiner Gnaden und Bündnisse widerfahren. Römer Kap. 5.

- Was folgt also hieraus für solche, die ohne eigene Schuld bei Leibesleben nicht zum Wissen und Erkennen gekommen sind?

Solchen wird Gesetz und Evangelium nach Ablegung ihrer Leibeshütte früher oder später kundgemacht.

- Was ist also das vorlaufende Erfordernis, daß Entschlafene getauft werden oder zum Tatengenuß des heiligen Mahles Christi kommen oder gar versiegelt werden können?

Daß ihnen erst - wie den im Fleische lebenden Menschen - das Evangelium gepredigt und das Bewußtsein ihrer Erlösungsmöglichkeit beigebracht wird.

- Wer hat diese Predigtwirksamkeit bei den Entschlafenen begonnen?

Jesus Christus, während seines leiblichen Totseins.

- Was war die Absicht seiner Predigt?

Seine Absicht war: Glaube an seine Sendung und Taten sowie Hoffnung und Verlangen zu erwecken.

- Hätte Jesus das getan, wenn keine Befriedigung und Hilfe mehr möglich gewesen wäre?

Das können wir gewißlich als völlig ausgeschlossen halten.

- Warum sind den ohne die Gottesbündnisse Entschlafenen die sakramentalen Gnaden- und Bundestaten nicht so leicht wie den Leibeslebenden zugänglich zu machen?

Weil sie nicht ohne Engel und lebender Menschen Hilfe die Handlungen, den begehrten Genuß und das Zeichen des Gottessiegels hinnehmen können. Sie sind hierfür hilfloser und der helfenden Stellvertretung noch bedürftiger, denn lebende kleine Kinder, weil sie keine die Handlungen aufnehmenden eigenen Leiber mehr haben.

- Wie werden die Gnaden und Gnadenwirkungen der heiligen Bundeshandlungen den danach verlangenden und zugelassenen Seelen und Geistern entschlafener Menschen mitzuteilen möglich?

 

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Durch ihre Herzuführung zur Wirkungsstätte der im Fleische tätigen Sendung Jesu Christi in dessen Gemeinde auf Erden.

- Wer sind denn die Herzuführenden?

Das sind die erlösten Scharen der vollendeten Gerechten und Heiligen und die Engel Gottes.

- Welche werden herzugeführt?

Die durch das ihnen gepredigte Wort zur Erkenntnis der Wahrheiten des Evangeliums gebracht sind und das Verlangen nach Gnade, Heil und Sündentilgung bekunden. Das sind aber die, die der Vater zum Tun seines Sohnes Jesu gezogen hat und noch ziehen kann.

- Ist von seiten der auf Erden lebenden Gemeinde Jesu Christi auch dabei mitzuwirken?

Ja, und zwar in hervorragender Weise. Ephes. 5,32.

Es ist zunächst ein Zustand:

versöhnlicher Liebe,

lebendigen Glaubens,

göttlicher Erkenntnis,

erbarmenden Mitleids,

herzlichen Gemeinschaftsverlangens,

liebender Opferwilligkeit und

reinen Wandels

die Grundbedingung, sofern den Dürstenden und Verlangenden nach den Gerechtigkeiten, die vor Gott gelten, diese rein und ungetrübt zugänglich werden sollen.

- Was ist sonst noch erforderlich?

1. Eine glaubensmächtige Anwendung der Schlüsselgewalt der Apostel Jesu Christi.

2. Müssen dann welche sein aus der Gemeinde, die als Mittelsperson dienen, an weichen die Handlung stellvertretend für die seelisch und geistig mit dem Gemeinschaftsleibe gläubig und verlangend Verbundenen geschieht.

- In welchen Schriftstellen findet dieses göttliche Macht- und Liebeswirken noch nähere Beleuchtung?

In bezug auf die Verheißung: Jes. 26,19; Hos. 13,14 und andere Stellen.

In bezug auf die Notwendigkeit: Jes. 8,23 und 9,1; 2. Makkab. 12,39-46; Römer 14,7-9; 1. Thess. 4,13-17 und andere Stellen.

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In bezug auf die Möglichkeit: Matth. 16,19; Luk. 13,29-30; Kap. 20,38; Ev. Joh. 14,12; 1. Kor. 15, Vers 17-19 und 29; 1. Tim. 2,4; Chr. 10, 12; Offbg. 1,18 und andere Stellen.

- Spricht nicht die Lehre des Gleichnisses Jesu vom reichen Mann und armen Lazarus dagegen?

Nein, sondern es spricht vielmehr dafür. Jesus zeigte damit die Unmöglichkeit der Gnadenhilfe im Jenseits von seiten der Entschlafenen unter sich und bezeugte durch diese Gleichnislehre, daß dort nur Gerechtigkeit zur Anwendung kommt. (Luk. 16,19-31)

- Welche Tatsachen und Grundlagen sprechen noch weiter für das Erkennen dieses Gnadentuns Gottes?

1. Die Verkettung der Verhältnisse der Lebenden und Toten in allen Beziehungen und Zeiten (Offbg. Joh. 6,9-11).

2. Die gemeinsamen Hoffnungen und Interessen der Menschheit.

3. Die von Jesu als möglich gekennzeichnete Sündenvergebung in der jenseitigen Welt nach Matth. 12,32.

4. Die Tatsache, daß Jesus Christus diesen neuen und lebendigen Weg gemacht hat, um Satan viele sichere Beute wieder zu entreißen. Hebr. 2,10; Kap. 9,8; Ephes. 4,8; Kol. 2,15 und andere Stellen.

- Können alle zur irdischen Leibesgemeinschaft der Gemeinde Jesu Christi herzugeführten Seelen und Geister der Entschlafenen die heiligen drei Sakramente und ihre Gnaden hinnehmen?

Das ist nicht anzunehmen. Die meisten werden zur Taufgnade kommen, wenigere werden das Heil und die Gnade der Gewißheit ihrer Sündenvergebung erlangen, zur heiligen Versiegelung werden aber im Verhältnisse eine noch beschränktere Zahl gelangen können.

- Woraus können wir dies zuverlässig schließen?

Erstens, weil es im Diesseitsleben nicht anders ist und dann, weil Jesus - lies Luk. 13,18-30 das Ringen nach dem ewigen Leben dringend angeraten und als nicht leicht erreichbar gekennzeichnet hat.

141

- Wieviele sollen denn nach den gegebenen Verheißungen und Offenbarungen die Seligkeit und die Herrlichkeit erlangen?

Nach Offbg. Joh., Kap. 7 und 14, ist die Schar der Begnadeten, Erlösten und allgemeinen Überwinder eine menschlich unzählbare; die Erstlinge aber, das ist: Die Versiegelten und Überwinder aller Dinge, sind als eine bestimmte Zahl genannt, und zwar als die Schar der 144 Tausend.

Fragen und Antworten

über den neuapostolischen Glauben

Herausgeber: J.G. Bischoff, Frankfurt a.M., Ausgabe 1951

Hatten die Entschlafenen am Evangelium und dem Opfertod Jesu Christi ein Interesse?

Gewiß, denn von der Ergreifung der Heilstaten Jesu, der ein Herr ist über die Lebenden und die Toten, ist auch ihre Erlösung abhängig (Röm. 14,9). Gott will, daß allen Menschen geholfen werde (Matth. 17,1-9; Joh. 8,56; Offenb. 6,10.11).

Römer 14,9

Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei.

Matthäus 17,1-9

Und nach sechs Tagen nahm Jesus sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg.

Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Hier ist gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen: dir eine, Mose eine und Elia eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.

Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht!

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Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand denn Jesum allein.

Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist.

Johannes 8,56

Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich.

Offenbarung 6,10.11

Und sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?

Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch sollten noch getötet werden, gleich wie sie.

Was können wir aus dem Beispiel Jesu schließen?

Aus dem Beispiel Jesu schließen wir, daß seine Apostel und Knechte nach ihrem Hingang in die Ewigkeit die von ihm begonnene Arbeit fortzusetzen haben (Joh. 5,25).

Johannes 5,25

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben.

Welche Folgen hat die Auferstehung Jesu für uns?

Jesus hat durch sein sündloses Leben, sein freiwilliges Sterben für die Übertretungen der Menschen und durch seine Auferstehung den Tod überwunden. "Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes" (Offenb. 1,18). "Aber ich will sie erlösen aus der Hölle und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein, Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein" (Hosea 13,14; Jesaja 26,19; 1. Korinther 15,12-20).

Offenbarung 1,18 ... und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.

Hosea 13,14 Aber ich will sie erlösen aus der Hölle und vom Tod erretten . Tod, ich will dir ein Gift sein; Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein.

143

Jesaja 26,19

Aber deine Toten werden leben, meine Leichname werden auferstehen. Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde! Denn dein Tau ist ein Tau des grünen Feldes; aber das Land der Toten wirst du stürzen.

1. Korinther 15,12-20

So aber Christus gepredigt wird, daß er sei von den Toten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Toten sei nichts?

Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden.

Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.

Wir würden aber auch erfunden als falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeugt hätten, er hätte Christum auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen.

Denn so die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden.

Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden.

So sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren.

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.

Was bedeutet damit die Auferstehung von den Toten für uns?

Die Auferstehung von den Toten die Erste Auferstehung) ist der bleibende Sieg des Lebens über die Macht des Todes. An ihr werden diejenigen Menschen teilhaben, die der Herr hierfür zubereiten konnte

(Offenb. 14,4).

Sie sind sein Eigentum geworden, tragen seinen Geist, mit dem sie versiegelt sind, und sind treu geblieben bis zum Ende (Offenb. 7, 3.4). Weitere Hinweise auf die Erste Auferstehung in 1. Korinther 15, 51.52.55; 1. Thessalonicher 4,16.17; Offenbarung 20.6.

Offenbarung 14,4

Diese sind's, die mit Weibern nicht befleckt sind - denn sie sind Jungfrauen - und folgen dem Lamme nach, wo es hin geht. Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm.

144

Offenbarung 7,3.4

... und er sprach: Beschädiget die Erde nicht noch das Meer noch die Bäume, bis daß wir versiegeln die Knechte unsers Gottes an ihren Stirnen!

Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt wurden: hundertvierundvierzigtausend, die versiegelt waren von allen Geschlechtern der Kinder Israel.

1. Korinther 15,51.52.55

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;

und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

"Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?"

1. Thessalonicher 4,16.17

Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst.

Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit.

Offenbarung 20,6

Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der andere Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.

Werden alle Menschen auferstehen, die je gelebt haben?

Ja, in der zweiten Auferstehung, der Auferstehung der Toten, werden alle übrigen Menschen auferstehen, wie es eindeutig aus den Worten Jesu hervorgeht: "Verwundert euch des nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts" (Joh. 5,28.29; Daniel 12,2; siehe auch 1. Korinther 15,22; Offenb. 20,11-15).

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Johannes 5,28.29

Verwundert euch des nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören,

und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Daniel 12,2

Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande.

1. Korinther 15,22

Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden.

Offenbarung 20,11-15

Und ich sah einen großen, weißen Stuhl und den, der darauf saß; vor des Angesicht floh die Erde und der Himmel, und ihnen ward keine Stätte gefunden.

Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott, und Bücher wurden aufgetan. Und ein ander Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken.

Und das Meer gab die Toten, die darinnen waren, und der Tod und die Hölle gaben die Toten, die darinnen waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken.

Und der Tod und die Hölle wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der andere Tod.

Und so jemand nicht ward gefunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.

Können auch Entschlafene der Bundeshandlungen Gottes teilhaftig werden?

Gott will, daß allen Menschen geholfen werde (1. Tim. 2,4), und Christus ist ein Herr über die Lebendigen und die Toten (Römer 14,9). Er selbst ging nach seinem Tod am Kreuz in die Bereiche der Entschlafenen, um ihnen das Evangelium zu predigen (Eph. 4,8-10); 1. Petrus 3,18-20; 4,6), ihnen damit also die Heilsbotschaft zu bringen und sie in ihrer Erkenntnis weiterzuführen.

Aus der innigen Verkettung der Verhältnisse der Lebenden und Toten zu allen Zeiten wissen wir, daß wir in Gebet und Fürbitte für sie vor Gott

146

treten können (2. Makkabäer 12,39-46; Luk. 14,12-14; vgl. Offenb. 6,9-11), damit auch sie der Erlösung teilhaftig würden. Sofern es ihnen möglich ist, die Heilsbotschaft zu ergreifen, wird Gott sie weiterführen (Joh. 5,25) und ihnen auch die Bundeshandlungen zugänglich machen, die stellvertretend für die Entschlafenen von den Lebenden hingenommen werden (1. Korinther 15,29).

1. Timotheus 2,4

... welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Römer 14,9

Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei.

Epheser 4,8-10

Darum heißt es: "Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangengeführt und hat den Menschen Gaben gegeben."

Daß er aber aufgefahren ist, was ist's, denn daß er zuvor ist hinuntergefahren in die untersten Örter der Erde?

Der hinuntergefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf daß er alles erfüllte.

1. Petrus 3,18-20

Sintemal auch Christus einmal für unsre Sünden gelitten hat, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß er uns zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

In demselben ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis,

die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser.

2. Makkabäer 12,39-46

Am andern Tage danach kamen sie zu Judas, daß sie ihre Toten holten, wie man pflegt, und bei ihren Vätern begrüben.

Da sie nun auszogen, fanden sie bei einem jeden Erschlagenen unter dem Hemde Kleinode von den Götzen aus Jamnia, welches den Juden im Gesetz verboten ist. Da ward es offenbar vor jedermann, warum diese erschlagen wären.

Da dankten sie Gott, dem gerechten Richter, der das Heimliche so an den Tag gebracht hatte,

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und baten ihn, er wolle ja um dieser Sünder willen sie nicht alle vertilgen. Und der Held Judas vermahnte den Haufen, daß sie sich forthin vor Sünden bewahren wollten, weil sie vor ihren Augen sähen, daß diese um ihrer Sünden willen erschlagen wären.

Darnach hieß er sie eine Steuer zusammenlegen, zweitausend Drachmen Silber; die schickte er gen Jerusalem zum Sündopfer. Und er tat wohl und fein daran, dieweil er dachte an die Auferstehung.

Denn wo er nicht gehofft hätte, daß diese, so erschlagen waren, würden auferstehen, wäre es vergeblich und eine Torheit gewesen, für die Toten zu bitten.

Weil er aber bedachte, daß die, so im rechten Glauben sterben, Freude und Seligkeit zu hoffen haben, ist es eine gute und heilige Meinung gewesen.

Darum hat er auch für die Toten gebeten, daß ihnen die Sünde vergeben würde.

Lukas 14,12-14

Er sprach auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Gefreunden noch deine Nachbarn, die da reich sind, auf daß sie dich nicht etwa wieder laden und dir vergolten werde.

Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden,

so bist du selig; denn sie haben's dir nicht zu vergelten, es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten.

vergleiche

Offenbarung 6,9-11

Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die erwürgt waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.

Und sie schrien mit großer Stimme und sprachen: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?

Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch sollten noch getötet werden gleich wie sie.

Johannes 5,25

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben.

148

1. Korinther 15,29

Was machen sonst, die sich taufen lassen über den Toten, so überhaupt die Toten nicht auferstehen? Was lassen sie sich taufen über den Toten?

- Was verstehen wir unter dem Jüngsten Gericht?

Am Ende der Zeit, wenn alle Seelen, die je über die Erde gegangen sind, von Gottes Heilsplan erfahren haben (vgl. Joh. 6,45; "Sie werden alle von Gott gelehrt sein"), d.h. mit dem auch für sie gebrachten Opfer Christi bekanntgemacht sind und sich für oder gegen den Herrn entschieden haben, wird sich der Satan noch einmal mit seinem Anhang gegen den Herrn erheben (Offenb. 20,7-10). Danach folgt die allgemeine (zweite) Auferstehung und das Jüngste Gericht. An diesem Gerichtstag werden alle Seelen je nach ihrer Einstellung zu Christo für alle Ewigkeit an den Platz verwiesen, der ihrer Gesinnung entspricht.

Johannes 6,45

Es steht geschrieben in den Propheten: "Sie werden alle von Gott gelehret sein." Wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir.

Offenbarung 20,7-10

Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis

und wird ausgehen, zu verführen die Heiden an den vier Enden der Erde, den Gog und Magog, sie zu versammeln zum Streit, welcher Zahl ist wie der Sand am Meer.

Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie.

Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da auch das Tier und der falsche Prophet war; und sie werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

149

Zur Abrundung des Ganzen lassen wir hier am Schluß noch folgen, was in den "Richtlinien" 1963 für alle Amtsträger verbindlich niedergelegt ist:

Richtlinien

für die Amtsträger der Neuapostolischen Kirche

1963

Wenn der Bezirksapostel zugegen ist, gedenkt er auch in besonderer Weise der Heimgegangenen, indem er ihnen durch zwei von ihm bestimmte Amtsträger das heilige Mahl vermittelt.

Außer den üblichen Gottesdiensten finden auch je nach Anordnung des Stammapostels von Zeit zu Zeit besondere Dienste statt für die Entschlafenen. Es ist eine heilige Pflicht der leitenden Ämter, die Gemeinden im voraus entsprechend zuzubereiten, und zwar nach den Anweisungen, die sie fallweise von ihrem Bezirksapostel erhalten. Mit einem Herzen voller Liebe und Erbarmen treten vor solchen Tagen die Amtsträger und die Kinder Gottes in ständigem Flehen vor den Herrn für die Seelen derer, die in der Ewigkeit gnade- und erlösungsbedürftig sind.

Wenn dann schon im voraus alle in einer solch priesterlichen Weise mit der Seele gearbeitet haben, wird in dem Entschlafenendienst der Segen unermeßlich sein. Der Entschlafenendienst soll in den Gemeinden möglichst vom Vorsteher oder einem höheren Amtsträger gehalten werden. Der Dienstleitende hat darauf zu achten, daß die Predigt nicht zu lange dauert, damit die Seelen der Wartenden rechtzeitig an den Apostelaltar überwiesen werden können.

Nachdem die Gemeinde Freisprache und Abendmahl empfangen hat und somit gereinigt und geheiligt vor dem Herrn steht, tritt der Leiter des Dienstes mit allen Versammelten in herzlichem Gebet für die herzugeleiteten Seelen ein, damit diese nun unter himmlischem Geleite zum Gnadenstuhl im Apostelamt geführt werden. Von den Botschaftern des Herrn, nämlich seinen Aposteln, empfangen sie nun Taufe, Geistestaufe und Abendmahl, die herrlichen Gaben des Erlösers. In den Gemeinden aber wird nach der Überweisung der Seelen ein passendes Lied gesungen und danach mit Schlußgebet und Segen dieser besondere Dienst abgeschlossen.

Wie für den Entschlafenendienst soll überhaupt allen Festgottesdiensten eine sorgfältige Vorbereitung vorausgehen. Festgottesdienste sind Besuche des Stammapostels und der Apostel.

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Als Letztes zum Kapitel "Die Lehre" sei bemerkt, daß im Anhang eine Zusammenstellung solcher Schriftstellen gebracht wird, die unsere Lehre und unser Handeln rechtfertigen. Dies ist eine Rechtfertigung für uns selbst, nicht etwa vor den Ungläubigen.

Hiermit schließen wir dies Kapitel, das die Entwicklung der Lehre herausgearbeitet hat, und werfen einen kürzeren Blick auf die historische Entwicklung des Entschlafenen-Wesens, wobei leider Überschneidungen mit diesem abgeschlossenen Kapitel nicht zu vermeiden sind. Die meisten Überschneidungen haben aber auch den Sinn, dem Leser dieses Werkes das Nachschlagen bestimmter Begriffe zu erleichtern; er soll an den anhand des Inhaltsverzeichnisses herausgesuchten Stellen alles damit im Zusammenhang Stehende finden und nicht gezwungen sein, in Kapitel I danach zu suchen.

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Kapitel II

Einzelne Lehrbegriffe

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1. Unsterblichkeit der Seele

Die Theologen der Christenheit haben die biblisch feststehende Unsterblichkeit der Menschenseele so zerredet, daß viele Christen nicht mehr an ein Weiterleben nach dem Tode glauben. Die Lehre des Materialismus hat ein übriges getan.

Im Werke des Herrn gibt es keinen Zweifel an dem Weiterleben der Seele nach dem Tode. Der Herr hat gesagt: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle (Matth. 10,28; Luk. 12,5). Paulus schrieb: Fleisch und Blut können nicht das Reich Gottes ererben, das Verwesliche wird nicht erben das Unverwesliche (1. Kor. 15,50).

Der Herr sagt noch: Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe (Joh. 11,25) und: ich lebe, und ihr sollt auch leben (Johs. 14,19).

Das genügt uns für unseren Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode. Der ganze Heils- und Erlösungsplan Gottes ist darauf angelegt, daß der Mensch nach seinem Erdenleben eingehen kann in Gottes Frieden und in seiner Nähe ewige Freude genieße.

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2. Zustand der Seelen nach dem Tode

Hierzu ist im Vorhergehenden schon viel ausgeführt worden. Der Mensch wird im Jenseits so ankommen, wie er sich hat auf Erden bilden und zubereiten lassen. Es findet sich Sorte zu Sorte (Stammapostel H. Niehaus). Eine Erlösungsmöglichkeit ist vorhanden. Gott hat in seinem Sohn dafür die Mittel bereitet. Aus einer ewigen Gottesferne mit all ihren Schrecknissen und Seelenqualen kann eine Gottesnähe werden mit all ihren Seligkeiten. Eine Wiederholung des in Kapitel I Gesagten möchten wir vermeiden, weil sehr rasch im Auszug aus dem Buch von Fr. Linde: "Das Leben nach dem Tode" alles Wissenswerte gefunden werden kann.

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3. Der Gnadenstuhl ist auf Erden aufgerichtet. Auf der Erde wurde gesündigt hier hat Christus das Opfer gebracht von hier aus wird Sünde vergeben.

Die in der Überschrift angedeuteten Heilswahrheiten wurden von den Aposteln bald erkannt und gelehrt. Diese Wahrheit ist so begreiflich in sich, daß es keiner weiteren Erläuterungen bedarf. Im übrigen vergleiche entsprechende Ausführungen in Kapitel I und im folgenden Abschnitt "Die Arbeit der Apostel in der Ewigkeit", besonders Schlußabsatz.

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4. Die Arbeit der Apostel in der Ewigkeit

Anläßlich der Trauerfeier für den verstorbenen Apostel Bornemann, Iserlohn, der über 30 Jahre, von ca. 1883 -1914, an der Seite des Ältesten, Bischofs, Apostels und Stammapostels Hermann Niehaus gearbeitet hatte, sagte derselbe zu der Arbeit der entschlafenen Apostel folgendes:

Beilage zur Neuapostolischen Rundschau

Aus: Trauerfeier und Gedächtnisrede bei der Beerdigung der sterblichen Hülle des entschlafenen Apostels Bornemann in Iserlohn am 11. Mai 1914 im Kirchlokal der Neuapostolischen Gemeinde.

Heute bringen wir im Anschluß an den in Nr. 21 unseres Blattes erschienenen Vorbericht über die Gedächtnis- und Beerdigungsfeier anläßlich des Heimgangs von dem lieben Apostel Bornemann ausführlichen Bericht über den im Iserlohner Kirchlokal stattgefundenen Trauer- und Gedächtnisgottesdienst.

Von Jesum Christum ist einst prophetisch gesprochen worden: Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben, dann wird er in die Länge leben und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, viele gerecht machen. Das hat sich zur Zeit auch erfüllt, also wenn der Hingang erfolgt ist, dann geht erst das Leben an. In der Fortführung des Werkes Jesu im Jenseits findet sich auch das Werk aller entschlafenen Apostel. Wir alle wissen aus dem Vorbilde Jesu, daß das rechte umfassende Missionswerk im Jenseits getrieben werden muß. Von Jesu wissen wir, daß er 33 Jahre in der Lebensschule gewesen ist, und dann ging er hin zu denen, die nicht glaubten. Also nicht als Auferstandener, sondern nachdem er den Leib abgelegt hatte, um ihnen die Botschaft seines Evangeliums zu verkündigen, fuhr er nieder zu ihnen.

Wenn Jesus sich nun darinnen finden ließ, so geschah es nicht, als er in der Welt war, auch nicht, da er in des Vaters Schoß war, sondern da er aus der Schule kam und alle Gerechtigkeit erfüllt hatte. So ist er ja auch nicht als Meister geboren, sondern uns gleich in die Lern- und

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Kreuzesschule gegeben worden, ist aber als Meister hervorgegangen. Als Meister mit dem Übergekommenen und Gelernten ist er hingegangen zu denen, die zu ihrer Zeit nicht glauben konnten, die wohl die Geduld Gottes erfahren hatten, aber die das Evangelium nicht kannten. Gottes Ratschluß und Liebe gehet nun über alle, wenn auch nicht alle dem Evangelium Jesu können gehorsam gemacht werden. Gott siehet nicht, wie ein Mensch siehet, seine Gedanken sind höhere, so führen aber auch seine Wege zu höheren Zielen. Wir denken ja wohl, so und so muß es gehen, dahin muß ich kommen, zu dem Punkte müssen wir hin, aber der liebe Gott geht auch mal anders und spricht: Du gehst auf dem Wege deiner Sehensweise, ich aber gehe einen höheren Weg. Er hat höhere Gedanken, weil etwas Weittragendes vermittelst seiner höheren in Taten umgesetzten Gedanken soll ausgeführt werden.

Wenn wir dann dabei auch an die denken, wie viele Millionen es sind, die jährlich aus diesem Leben heraus müssen, die nie die frohe Botschaft gehört haben von dem Evangelium und den Taten Jesu Christi, der ein Herr aller ist geworden, dann erkennen wir, es müssen Lehrer für sie sein. Könnte das durch den Geist Gottes ohne seine Werkzeuge und Boten geschehen, hätte Jesus nicht brauchen zu kommen, auch nicht nötig gehabt, als ein seines Leibes Entkleideter hinzugehen, und die einstigen Apostel wie auch heute wir würden nicht nötig sein. Wo aber das gekennzeichnete Ziel soll erreicht werden, dann können wir damit rechnen, daß, wie im Abbild einer sichtbaren Herrschaft erkennbar, es der auf den Thron der Herrschaft erhobene Herrscher und König nicht alleine ist, der des Reiches Arbeit tut, sondern daß dann müssen viele sein in den mancherlei Stufen, die in der königlichen Gesinnung stehend dienen, jeder in dem Maße seiner erlangten Fähigkeit.

Nicht zum ersten Male wurde so gelehrt. Es war schon früh die Glaubensüberzeugung unserer apostolischen Väter, daß die Apostel im Jenseits auf den (Arbeits-) Spuren ihres Herrn und Meisters in jener Welt wandeln würden. Unendlich viele Zeugnisse aus der Welt der göttlichen Träume und Gesichte haben diese Überzeugung mitbegründet, gefestigt und erhalten.

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Der falschen Meinung, daß die entschlafenen Apostel dort oben auch taufen und versiegeln könnten, traten die Apostel mit Entschiedenheit entgegen, denn Jesus hatte im Jenseits bei denen, die zur Zeit Noahs nicht glaubten, auch nur "gepredigt", d.h. das Evangelium verkündigt (1. Petr. 3,19-20 und 4,6).

1. Petrus 3,19-20: In demselben ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser.

1. Petrus 4,6: Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, auf daß sie gerichtet werden nach dem Menschen am Fleisch, aber im Geist Gott leben.

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5. Die Kirche Christi: e i n Leib und e i n Geist!

Deshalb: für den e i n e n Leib e i n e göttliche Ordnung und Bedienung mit e i n e r Speise

Für uns alle liegt es klar auf der Hand, daß die lebenden und die entschlafenen Apostolischen, die im Herrn gestorben, die treu gewesen sind und sich im Heiligen befinden, das gleiche Wort der Bereitung und Vollendung hören und daß durch die Bezirksapostel an jedem Sonntag den genannten Entschlafenen (und solchen, die der Vater der Liebe herzuführen läßt) das gleiche heilige Mahl gereicht wird. Diese Überzeugung mußte sich nach und nach Bahn brechen. In bezug auf diese Dinge steckte das Volk des Herrn noch in den Kinderschuhen, und die Stammapostel mit den Aposteln mußten erst einmal vorsichtig "Milch" verabreichen. Dieser Prozeß dauerte viele Jahre. Erst Stammapostel H. Niehaus konnte den im Geist erstarkten Gotteskindern "starke Speise" darreichen und ohne Umschweife erklären, daß die aus unseren Reihen Entschlafenen weiterhin Anteil an den Gnadengütern des Herrn behalten.

Leider liegen dem Verfasser nur ein paar Gottesdienstberichte der Stammapostel vor, mit der wörtlichen Wiedergabe der Worte, mit denen den Entschlafenen das Mahl gereicht wurde. Den ausführlichsten Text lasse ich hier folgen:

Auszug aus dem Stammaposteldienst

am Sonntag, dem 15. November 1914, in den Konkordiasälen in Berlin

Stammapostel Niehaus:

"So will ich zunächst von hier aus nach des reichen Mannes Weise die Abrahamsgemeinschaft anrufen: Sende doch einen, der meine Zunge kühle! Ich habe vorhin den Nachweis geliefert, daß es

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möglich ist, durch den Mund eines andern sprechen zu können, aber auch durch den Mund eines andern schreien zu können. Dann ist es doch leicht erklärlich, daß man auch durch den Mund eines andern genießen kann, wodurch die Befriedigung hingenommen wird. Wenn ein Mensch genießt, so genießt er es für den ganzen Leib, der aus vielen Gliedern besteht, zur Stärkung und Erquickung des ganzen Leibes. Wenn wir aber eine natürliche Leibesgemeinschaft kennen, so kennen wir auch eine geistige Leibesgemeinschaft. Der natürliche Leib aber ist der erste, und dann kommt der geistige Leib. Wie der geistige Leib durch die Glieder des natürlichen Leibes hören, sehen und genießen kann, so auch alle die, die mit uns verbunden eine Geistesgemeinschaft ausmachen und die Stimme des Gottessohnes gehört haben. Wir gedenken auch der Fernen, die auch Zutritt haben zum heiligen Tempel, wenn sie voll Sehnen und Verlangen und des Glaubens sind: So wie der natürliche Leib durch einen Mund genießt, wodurch auch der geistige Leib erquickt wird, so wird auch der Mund durch die natürliche Gemeinschaft repräsentiert, und zwar durch die Glieder, die als Mund der Gemeinschaft dienen. Aber der Leib ist es, der genießt, und der geistige Leib nimmt durch den natürlichen Leib. Wenn wir dieses Glaubens sind, dann können wir sagen: ein Leib und ein Geist. Dahin werden wir geführt, und das ist die richtige Gemeinschaft, die ja auch genannt wird die Gemeinschaft des Einen: - 0, ihr Verlangenden und wohl zunächst Berechtigten, die ihr genießen wollt von dem einen Brote, wodurch ihr ein Leib sein sollt, die ihr aber auch aus einem Kelche trinken wollt, um zu einer Gemeinschaft zu gehören - wir laden euch ein und legen das Himmelsbrot in die Amtskrippe. Genießet aber aus der Gemeinschaft die Taten Jesu Christi zum neuen Leben. Amen. Trinket auch aus dem Amtskelche als der Geistesgemeinschaft, wo hinein das Blut Jesu als das neue Leben gelegt ist. Genießet dasselbe für euch zum Frieden und zur Freude, bleibend in Ewigkeit. Amen! "

Wir haben hier eine sehr schöne Erklärung für die Tatsache des einen Leibes in Christo und auch für die Speisung dieses Leibes mit Brot und Wein im Abendmahl durch die Amtskrippe, den Amtskelch.

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6. Entschlafenen-Mahl

Schon Apostel Schwarz war der Ansicht: wenn Lebende sich für Entschlafene taufen lassen können, daß dann an Lebenden auch die Versiegelung für Verstorbene vollzogen werden kann und daß dies auch in der Urkirche so gehandhabt wurde. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zu der Erkenntnis, daß auch das heilige Mahl gespendet und alle Sünde vergeben werden könnte.

Ich konnte nicht feststellen, ab wann das heilige Mahl den Entschlafenen gereicht wurde. Sicher wurde diese Handlung bereits zwischen 1880 - 90 durchgeführt.

Nachstehend lassen wir einen Auszug aus der Neuapostolischen Rundschau vom 20. November 1910 folgen. Es heißt dort:

"Dem Andenken unserer lieben Heimgegangenen.

Denn ihrer, die auf uns warten und die überwunden haben, die die Siegespalme und den frischen, ewig grünenden Lorbeerkranz als Sieger und Überwinder im Glauben sich errungen, sind ungezählte Tausende mehr, als derer, die noch ringen unter Seufzen. Wo Jahrtausende schon die Geschlechter und Generationen dahin gingen und ins Grab sanken und ein Menschenalter im Laufe der Zeiten und Jahrhunderte nicht viel bedeutet und zählt vor dem Ewigen. Wenn wir, die hier auf Erden Lebenden, als die streitende Kirche Christi stehen und mit unsern Führern und Aposteln die Wacht halten über die Güter Gottes, die er durch seinen Sohn Jesum seiner Kirche anvertraut; wenn wir gesetzt sind, zu streiten mit Satan und seinen Engeln und mit dem Drachen, dessen Bestimmung es ist, in den tiefsten Pfuhl geworfen zu werden, darin für ihn kein Entrinnen und Wiederkommen ist, so stehen aber die Heerscharen der triumphierenden Kirche jenseits der Lebensbrücke und zeigen sich heute uns mit lautem Siegesschrei: wir sind erlöst, für uns hat Christus, das Lamm, überwunden. Wie auch Johannes solches schon im Geiste sehen durfte

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und in Offenb. Joh. V. 9 und 10 also beschrieben: Darnach sah ich eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen vor dem Stuhl Gottes stehend und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, die schrien mit großer Stimme: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt, unserm Gott und dem Lamm! Solches im Geiste zu vernehmen, stählt die Sehnen und schwellt die Muskeln zu neuem Kampfe, das Schwert der Wahrheit im Apostelwort fester zu umspannen und den Schild des Glaubens hoch zu halten! Und ungestümer rollt das Geistesblut, womit wir durch Apostelhand versiegelt sind, durch die straffen Glaubensadern und drängt und treibt, sich in die Reihen der vordersten Kämpfer zu stürzen mit dem Schlachtruf: Wir leben und sterben dem Herrn in der Apostelsendung!

Doch nun gedenken wir noch andrer Entschlafener, der Armen, Elenden, Hungernden, Verlassenen, die an Hecken und Zäunen liegen, die erschlagen sind auf der breiten Straße des Unglaubens, um die sich bei Lebzeiten niemand kümmerte und sich ihrer annahm und sie aufrichtete und hinführte zu dem Versöhner und Erlöser Christus. Heben wir heute unsere Hände empor in heißer Bitte für diese Verwahrlosten, Vergessenen, nehmen wir sie im Mitempfinden ihres seelischen Jammers bei der Hand und führen sie hin zu der Gnadenstätte, zur Freistatt, wo am heutigen Tage auch für diese Ärmsten der Armen, die keinen irdischen Leib mehr tragen, ein Tisch bereitet ist, ein Armen- und Gnadenmahl! Rufen wir es laut hinein in finstere Grüfte, in düstere Todesschluchten und öde, wüste Täler des Unglaubens, wo solche Verlassenen in ihrem Jammer liegen: Kommt, es ist ein Mahl für euch bereitet, eine reichgefüllte Krippe ist für euch aufgestellt, wie viele ihrer auch kommen, der Herr in seiner großen Barmherzigkeit hat euer gedacht und diesen Tag gemacht zu einem Tag des Heils aller Armen und Elenden unter den Lebenden und Entschlafenen.

Aber auch Du, Lebender, der Du noch tot bist im Glaubensleben und taube Ohren hast für das Apostelwort und in Übertretungen und Sünden liegst, Dir gilt der Ruf: Wache auf, der Du schläfst, Dein Retter und Erlöser steht vor Dir mit seiner heißen, brennenden Liebe, ergreife seine Hand und tritt ein in die Reihen der streitenden Apostelkirche.

So schön die Sitte am heutigen Totenfeste ist, die Gräber der teuren Entschlafenen mit duftigen Kränzen und Blumen zu schmücken und damit ihr Andenken zu ehren und wir diese hohe Sitte auch

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gutheißen und gepflegt wissen wollen; so laßt uns aber in der erbarmenden Liebe Christi mehr tun und unsern lieben, teuren Entschlafenen sowie den Armen, Verlassenen und vergessenen Heimgegangenen an Hecken und Zäunen einen Kranz und Strauß von lebendigen Geistes- und Liebesblüten der ewigen Gottesliebe winden zu bleibendem Gedenken, die nimmer verwelken und der Verwesung anheimfallen."

Dieser Artikel zum Totensonntag verschafft uns einen Einblick in die damalige Sehensweise (die sich von unserer heutigen nicht unterscheidet).

In der Apostelversammlung vom 7. November 1910 wird betreffs der Totenversiegelung davon gesprochen, daß "genau so verfahren werden soll wie beim Totenabendmahl, und zwar sollen zwei Amtsgefäße, also zwei Amtsbrüder, als Körbe (als Amtskrippe) dienen. Daraus ergibt sich, daß zwei Brüder schon längere Zeit vor 1910 als Krippe beim Toten-Abendmahl gedient haben.

Es folgen noch zwei Auszüge aus der Neuapostolischen Rundschau:

Aus: Neuapostolische Rundschau vom 18. August 1912

Stammapostel Niehaus:

"Gebet: ... Aber besonders bitten wir auch für die Kranken und Schwachen, auch für die Heimgegangenen, die ja auch jetzt mit großem Verlangen sich herzunahen und sehen das Wohlgefallen von Dir in dem Werke Deines Sohnes hier auf der Erde, dafür wir Dich alle preisen! Gib ihnen denn auch, daß sie von ihrer Arbeit können genießen und Du auch darin die Tränen abwischest von ihren Augen. "

Aus:. Neuapostolische Rundschau von 1914, Seite 45

"Anschließend wurde das gemeinschaftliche Abendmahl gehalten und dann auch noch den Entschlafenen ein Tisch bereitet."

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Zum Schluß noch Entsprechendes aus den "Richtlinien":

Richtlinien

für die Amtsträger der Neuapostolischen Kirche

Ausgabe 1963, Seite 27

Wenn der Bezirksapostel zugegen ist, gedenkt er auch in besonderer Weise der Heimgegangenen, indem er ihnen durch zwei von ihm bestimmte Amtsträger das heilige Mahl vermittelt.

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7. Toten-Versiegelung

Es ist leider nicht zu vermeiden, daß es innerhalb dieses Gesamtwerkes Überschneidungen gibt. Über das in der Überschrift genannte Thema findet sich schon viel in Kapitel I "Die Lehre". Hier sollen deshalb nur noch einige Belege für das Handeln der Apostel zusammengetragen werden.

1. Aus dem Reise-Bericht "Reise des Apostels Krebs durch die östlichen Provinzen Deutschlands" von August 1895 zitieren wir:

"In der Hauptgemeinde Berlin 1 wurden 61 Lebende und 191 Entschlafene versiegelt. - In der Gemeinde Berlin II wurden 3 Lebende und 86 Entschlafene versiegelt."

2. In einem Reise-Bericht, der sich mit einer Reise des Apostels Krebs durch die Schweiz, Bayern und Sachsen vom 6. bis 24. August 1898 befaßt, lesen wir:

"In der Schweiz sind 128 Lebende und 150 Entschlafene versiegelt worden."

3. In einem Reise-Bericht des Apostels Krebs im Bezirk Hamburg vom 19. bis 23. November 1898 heißt es:

"Im Bezirke Hamburg wurden 42 Lebende und ca. 195 Entschlafene versiegelt."

4. Der Reise-Bericht von Weihnachten 1898 (Berlin) vermeldet:

"Es wurden 83 Lebende und 228 Entschlafene versiegelt. "

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5. Bischof Hallmann berichtete am 4.2.1899 aus Königsberg:

"Auf der Reise des Apostels Krebs durch Ostpreußen wurden 112 Lebende und 107 Entschlafene versiegelt.

6. Aus einem Reise-Bericht des Apostels Ruff, der im August des Jahres 1899 eine Reise nach den USA unternahm, um hier Versiegelungen durchzuführen. Er reiste im Auftrage des Stammapostels Krebs.

"Ferner wurden noch der entschlafene Bruder Güller versiegelt und ebenfalls der Schwester Güller für ihren Mann das heilige Abendmahl gegeben. Ein solcher Dienst war sicher noch nie in Amerika gefeiert worden."

7. Aus gleichem Bericht wie Ziffer 6:

"Nach der Predigt war Versiegelung für Entschlafene und Taufe für 2 Kinder, so daß in Buffalo/USA 10 Lebende und 10 Entschlafene versiegelt sind. In Buffalo ist auch wirklich ein reicher Segen geflossen durch den lieben Apostel Ruff, und ich bin sicher, daß Amerika nun einen Sieg nach dem anderen feiern wird. (In Buffalo dienten später einige Stammapostel.)"

8. Aus: Kurzer Bericht des schaffenden Geistes Jesu Christi in der schaulichen Hülle des lieben Vaters und Apostels Krebs mit seinen Helfern, lieben Aposteln Sebastian und Wachmann im Bezirk Berlin in der Zeit vom 6. bis 13. Dezember 1900.

"Dessen ungeachtet erzählte der liebe Vater diesen druchlebten Fall, wo der liebe Apostel Niehaus eine Schwester für Entschlafene versiegelte, die Geister jedoch dieser Schwester keine Ruhe weder Tag noch Nacht ließen, sie daher zum Apostel ging, um Ruhe zu finden. Der Apostel führte ihr vor, daß die Sündenlast dieser ins Reich Gottes hineingeschleppten Geister sie quälten und der Tod (da die Schwester schon auf dem Krankenbette lag)

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ihr sicher sei. Der Apostel rettete diese Schwester und fragte ihren Mann (Priester), ob er für seine Frau einstehen wolle, um diese Sündenlast auf sich zu nehmen; bei seinem Ja-Worte fiel dieser sodann hin, da diese Geistermacht auf ihm lastete. Der Apostel vergab diese Sündenlast, worauf der Mann frei wurde und seine Frau am anderen Tage trotz ihrer Krankheit gesundete.

Als auch hier der liebe Apostel Krebs so den Kindern ihre Sünden vergab, ging der liebe Vater selbst unter Furcht und Zittern hinein, brachte den Kindern Errettung, sprach sie los von ihren Sünden und brachte sodann das Heil der Gnade als die Versiegelung 76 entschlafenen Seelen nahe."

9. Aus: Neuapostolische Rundschau 1920, Seite 24:

"Der Geist Christi wohnt in seinen Gesalbten, dieser Geist ist auch der Herr, und wirkt neues Leben für die, für welche sich die fürbittenden Versiegelten bei den Aposteln zur Geisttaufe stellvertretend verwenden. Christus Jesus aber opferte sich selbst in Stellvertretung für die bußfertigen Sünder vor Gott. Was nun in der ersten apostolischen Urkirche gültig war, in der stellvertretenden Taufe, das muß auch in der neuen apostolischen Schlußkirche noch gültig sein, die durch Gottes Eliasgeist wieder hergestellt ist. Für uns alle eröffnet sich mit alle diesem Obengesagten ein herrlicher Blick in die Unermeßlichkeit göttlicher Gnade, welche uns fortlaufend in den Stand setzt, durch die Stellvertretung in den Taufsakramenten viele im Schattenreiche Gebundene zu befreien, die im Kampfe mit dem Bösen im allgemein modernen Glauben, aber ohne die drei Gnadentaten oder ohne einen Teil derselben hingegangen sind, infolgedessen sie aber das notwendige Leben auch nicht haben, somit dem Satan schutzlos preisgegeben sind. Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen, und durch Lebendige will er wirkend sein. Wäre dies alles nicht, könnten wir ja keine Geistesgemeinschaft für die Erd- und Paradiesbewohner bekennen. Darum wollen wir die Lehre von der Stellvertretung nicht allein in der Theorie, sondern vor allen Dingen in recht lebendiger und tätiger Praxis festhalten, damit viele weiße Steine zum heiligen Tempelbau gebracht werden aus dem Schattenreich . ''

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Kapitel III

Die Handlungen der Apostel

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1 Die Handlungen der Apostel:

Totentaufe - Totenversiegelung - Totenabendmahl

Wie bereits öfters erwähnt, handelte Apostel Schwarz in Holland nicht nach einer feststehenden Regel, sondern entsprechend den Weissagungen, die wohl überwiegend von dem Stammpropheten kamen. Erst ganz allmählich entwickelte sich ein Schema, nach dem dann die Apostel handelten. Apostel bzw. Stammapostel F. Krebs war hierinnen bahnbrechend und nach ihm dann Stammapostel H. Niehaus, der später erklärte, welche Kämpfe es verursacht habe, die neuen Gedanken ins Volk Gottes zu legen.

Hier folgt nun eine Anzahl von Auszügen aus unseren Schriften, die ein Licht werfen auf die Entwicklung über Jahrzehnte hinweg bis in unsere Zeit.

Entschlafenenmahl:

Stammaposteldienst am Sonntag, dem 15. November 1914 in den Konkordiasälen in Berlin

Stammapostel Niehaus:

"0, ihr Verlangenden und wohl zunächst Berechtigten , die ihr genießen wollt von dem einen Brote , wodurch ihr ein Leib sein sollt, die ihr aber auch aus einem Kelche trinken wollt, um zu einer Gemeinschaft zu gehören - wir laden euch ein und legen das Himmelsbrot in die Amtskrippe. Genießet aber aus der Gemeinschaft die Taten Jesu Christi zum neuen Leben. Amen. Trinket auch aus dem Amtskelche als der Geistesgemeinschaft, wo hinein das Blut Jesu als das neue Leben gelegt ist. Genießet dasselbe für euch zum Frieden und zur Freude, bleibend in Ewigkeit. Amen!"

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Taufe - Versiegelung - Abendmahl:

Neuapostolische Rundschau vom 21.5.1916

"Nun müssen welche da sein, die als Medium oder Pate dienen, worin der Geist des Glaubens ist, daran der Leib der Gemeinschaft gebunden ist. Denn wir sind ein Leib, gleichviel ob Tausend oder Hundert in Tätigkeit gesetzt werden, es ist immer "Eine" Gemeinschaft. Wenn ich handle, handelt der Leib, aber nur meine Hand ist in Tätigkeit. Wenn ich spreche, spricht mein Leib, aber nur meine Zunge ist in Tätigkeit. Wenn ich gehe, geht mein Leib, aber nur meine Füße sind in Tätigkeit. So ist es untereinander.

Nun kommt der Leib, den ihr vorstellt, den habe ich nötig, der soll dienstbar gemacht werden für andere. Dieser Leib soll dienen als Medium, gleichzeitig als Hingabe, wie Jesus Christus seinen Leib hat hingegeben für uns, um uns damit zu heiligen. Ist das so, daß Jesus selbst als Medium gedient hat, um unsern Leib zu heiligen mit den darinliegenden Taten, dann ist es nicht unmöglich, daß wir dienen können in der Hingabe, damit die Leiber der Seelen geheiligt werden können, die der Vater gezogen und hergebracht hat. Zunächst muß es das Wort sein, welches die Freimachung bewirkt. Dann erst kann der Sohn mit seinen Taten kommen, der recht frei macht. Dazu muß sich der Leib dienstbar machen in der Fürsorge, im Erbarmen, in der Sanftmut und in der Liebe. Wenn ein Kind getauft wird, wird da das ganze Kind in das Wasser gesteckt? Petrus allerdings bei der Fußwaschung sagte: Herr, nicht allein die Füße, sondern auch das Haupt. Da sagte der Herr Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, ist rein. Müßte der ganze Leib gleichmäßig behandelt werden, um geheiligt zu werden, so müßten wir bei der Taufe ja das ganze Kind ins Wasser stecken.

Ich nehme nun zwei, die repräsentieren die Gemeinschaft, das ist der Leib. Auf diese zwei lege ich die Taten. Wir geben unsere Leiber hin zum Opfer heilig und wohlgefällig. Ihr, die ihr vom Vater gezogen, seid wissend, daß es der Leib ist, der auferstehen soll, ihr Verlangenden, kommet und nehmet hier von diesem Leibe, ich lege darauf die Abwaschung, hört es, eure Leiber sollen geheiligt werden. Dann will ich die versiegeln, die der Vater herzugebracht hat. Es sind aber nicht alle Glieder des Leibes, die ich berühre, sondern es ist nur ein Glied, es kommt aber dem ganzen Leibe zugute.

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Wir haben früher manche Erfahrungen gemacht. Nun wir aber auf diesem praktischen Wege gegangen sind, hören wir nichts mehr davon. Wir überlassen es dem lieben Gott und schließen nur für die auf, die der Vater gezogen hat, denn der Herr kennt die Seinen. Die der Vater gezogen hat, die kommen zu Jesu, welcher kommt mit Wasser, Blut und der Salbungstat. Nehmet hin, esset und trinket! Nehmet selbst hin die Salbungstat, die heilige Versiegelung, wenn ihr die Fähigkeit dafür habt! - Ich überlasse es aber diesen, ob sie sich dazu entschließen wollen. Das ist praktisch und von Erfolg begleitet.

Ihr sollt nun gemeinschaftlich als Opfer dienen auf dem Altar. Wo ein Opfer gebracht werden soll, da muß Feuer angemacht werden, und dazu gehören Holz, Stroh, Stoppeln. Sind aber Holz, Stroh, Stoppeln vorhanden, dann gibt es einen geängstigten Geist. Nun kommt das Feuer an euch heran, das ist das Feuer des Gerichts. Wenn einer ein Opfer bringt, so bringt er es doch für andere. Wo wir nun unsere Leiber als Opfer darbringen und Holz, Stroh, Stoppeln verbrennen und ein geängstigter Geist zum Vorschein kommt, da muß aber auch das alte Richten und Verdammen verbrennen. Wenn wir uns nun beugen und Fürsprecher sind beim Vater, dann nehme ich die Gnade und lege sie auf euch. Diese Gnade geht aus von dem Gnadenstuhl und wird auf den Leib gelegt, wo der Leib zum Schuldträger gemacht wird. Aber auch der Leib ist es, der die Gnade wieder sucht und findet. Das ist der Abrahamssegen, der über alle Völker gehen soll. Der Altar heiligt das Opfer. Die kalten Steine tun es nicht, sondern das einmal gebrachte Opfer. Die sich nun willig finden lassen, wo ich ein Mahl bereiten will, die treten herzu. Bei der Wassertat und bei der heiligen Versiegelung habe ich zwei Personen dazu, damit durch die können geheiligt werden, die danach verlangen. Wir beugen uns.

Hiernach fand das heilige Abendmahl sowie Taufe und Versiegelung für die Entschlafenen statt."

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Totenabendmahl:

Neuapostolische Rundschau vom 22. Oktober 1916

Aus einem Gottesdienst des Stammapostels H. Niehaus im September 1916

Stammapostel Niehaus:

"Nun werdet ihr während des Genusses des heiligen Mahles schon vielfach die Wahrnehmung gemacht haben, daß ihr lebhaft an diese oder jene denken müßt. Das ist aber immer ein Anklopfen, zumal, wenn die Wahrnehmung allgemein ist, denn wenn wir einen Leib ausmachen, sind wir doch auch mit der Geistergemeinschaft verbunden. Es sind aber auch viele da, denen noch nicht die Möglichkeit gegeben ist, sich bemerkbar zu machen. Für diese ist aber auch Fürsorge getroffen. Je mehr nun in dieser Gemeinschaft der Glaube an die Scheidewand beseitigt wird, desto mehr ist die Möglichkeit gegeben, daß auch diese in die Hütte eingehen können. Hier haben sie nun aber den Weg und auch einen Namen, denn wir haben jederzeit für diese ein sehr weites Herz. Ich denke immer an die vielen Millionen, die ihr Leben für uns als Schuldopfer gebracht haben und nun nicht wissen, wohin. Wenn man das weiß, wird man aber zum .Mitleid getrieben, möchte sich erkenntlich zeigen und denen, die uns geopfert, ein Gegenopfer bringen. So zeigt nun ein weites Herz, macht die Tür auf, damit alle, die das Wort gehört, kommen können.

Kommet nun her, ihr Mühseligen und Beladenen, ihr sollt euch erquicken. Auch für euch ist das Brot gebrochen. Trinkt auch aus dem Gemeinschaftskelch, übernehmt aus dem Amtsgeist in euren Geist, euch sei die Sünde vergeben. Amen.''

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Totenabendmahl - Versiegelung – Taufe

Leider kann nur die Ansprache gebracht werden, die aber sehr bedeutsam ist.

"Wie gesagt, Gebundene können andere nicht erlösen, das geht nicht. Wenn einer im Wasser liegt und ist am Ertrinken, so kann ihn keiner erretten, der ebenfalls darin liegt. Wer selbst in der Grude liegt, kann andere nicht herausbringen, das geht in diesem Fall bis ins Kleinste hinein. Paulus sagt unter Hinweis darauf: "Du sagst, der soll nicht das tun und du tust es selbst, und wenn du es nicht tust, hast du Gefallen daran usw." Nun müssen wir erstmal für euch sorgen. Ihr müßt zunächst die Freimachung hinnehmen und auch die Sohnestat, die recht frei macht. Dann können wir den Heimgegangenen behilflich sein. Ich habe eben darauf hingewiesen, daß das Erdreich und das Himmelreich zusammenwirken müssen. Wir machen das Erdreich aus. Das Erdreich ist die Lebensstätte und die Nahrungsstätte, und alle, die leben wollen, müssen ihre Nahrung hier auf Erden holen. So müssen auch die Entschlafenen hier auf Erden, wo der Gnadenstuhl steht, ihre Nahrung suchen. Wir essen von einem Brote und trinken aus einem Kelche. Dadurch bilden wir eine Geistesgemeinschaft. Die Verlangenden nehmen durch uns die heilige Taufe, das heilige Abendmahl und die heilige Versiegelung hin. Ihr genießt allzumal unter dem Gedanken: "Kommt her, ihr Hungrigen und Kranken, ihr Schwachen und Müden, ich gebe dir von meinem Brot was mit. Die Sündenvergebung und das heilige Mahl ist die Quittung. Das ist die große Bedeutung, daß der eine muß den andern abgeben. Die Quittung wird dargereicht unter dem Gedanken: "Ich vergebe dir und du vergibst mir." Diese Quittung muß im Glauben bewahrt werden. Also muß es gefunden werden. Wir müssen erst Fürsprecher sein für die Anklopfenden. Wir richten und verdammen niemand. Die der Vater gezogen hat, die kommen zu der Offenbarungsstätte.

Zur Ausführung der Handlung muß ich gleich zwei Glaubensmütter haben. Diese beiden Glaubensmütter dienen als gemeinschaftliche Brüste, wodurch ich die Milch des Evangeliums kann hindurchbringen, die noch nicht getauft sind. Aber bei der Taufe müssen sie einen Namen haben. Die Mütter bilden, wie gesagt, bildlich die Brüste der Gemeinschaft, durch die muß hingenommen werden

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die Milch in der heiligen Taufe. Was aber nun, wenn die Mütter unrein sind? Ich denke gerade daran, als kleiner Junge von drei Jahren hatte ich die Eigenschaft, daß ich konnte die Milch ziehen aus der Brust. Wenn da Mütter waren, die ihre Milch nicht losbekommen konnten, da mußte der Junge kommen, aber ich kriegte sie los. Ich sog nicht allein die Milch, sondern ich war auch am Kneten und holte auf diese Art und Weise die Milch heraus. Ich wurde selbst auch einmal zu meiner Tante geholt. Es dauerte aber nicht lange, da bekam ich auf dem Arm eine Fistel. Das war die Folge von dem Trinken der Milch. Als ich Abstand nahm und diente nicht mehr als Helfer der Mütter, wurde mein Arm heil. Ich wollte nur hinweisen, was unreine vergiftete Milch ausmacht. So geht es auch geistigerweise. Würden die Väter und Mütter nicht voller Glauben und reinen Herzens sein, so würden die Verlangenden vergiftet oder versäuert. Nun muß ich auch zwei gläubige Männer haben zur Durchführung der Handlung. Ich will heute den Männlichen den Namen "Gnade" und den Weiblichen den Namen "Selig" geben. Nun wollen wir zunächst euer Fürsprecher sein.

Abendmahlsfeier:

Totenversiegelung:

Schlußgebet."

Aus diesem Auszug der Predigt des Stammapostels H. Niehaus können wir sehr viel ersehen. - Es kann also festgehalten werden, daß Apostel Schwarz im Jahre 1872 begann, Taufen und Versiegelungen an Entschlafenen über Lebende als Schale durchzuführen! Aus diesem Anfang entwickelte sich langsam unser heutiger Entschlafenen-Gottesdienst.

* vom 26. März 1928 in Hamborn - Neumühl, Cirkular 413

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Aus dem geringen Bestand, der mir zur Verfügung stehenden Gottesdienst-Berichte des Stammapostels Hermann Niehaus ragt einer heraus, der alle Handlungen, in wörtlicher Wiedergabe bringt; hier folgt er:

Auszug aus einem Gottesdienst des Stammapostels H. Niehaus vom 26. Dezember 1927, ab Seite 6:

"Wenn wir nun zur Tat schreiten wollen, dann haben wir es zunächst mit vielen Kindern zu tun. Wenn sie auch noch nicht das Licht der Welt erblickt hatten, so leben sie doch. Zu dieser Handlung nehme ich zwei Glaubensmütter, und diese sollen als Brüste an dem Gemeinschaftsleib dienen, wodurch den Kindern die Milch des Evangeliums gegeben wird. Die Kinder werden durch die Glaubensmütter getauft und erhalten einen Namen. Die Glaubensmütter sind gleich den Taten. Sie dienen als Brüste und müssen sagen: Kommet her, ihr Kleinen, durch euch soll den Engeln eine Freude bereitet werden. Dann nehme ich zwei Glaubensmänner. Durch diese sollen alle Verlangenden, die der Vater gezogen hat, ob sie aus der weiten Ferne oder aus der Nähe sind, die Salbungstat hinnehmen. Auf diese Weise soll die Erlösung geschehen und den Verlangenden geholfen werden. Durch die Mütter sollen getauft werden die Kleinen und die Großen, und durch die Glaubensmänner sollen alle die Salbungstat hinnehmen.

Lieber guter Vater! Was sollen wir sagen? Alles ist ein Wunder vor unsern Augen. Wir müssen bezeugen: Solches haben unsere Väter nicht sehen und nicht hören können. Wir erkennen, daß wir zu diesem Dienst den Engelschutz und Gottes Heere nötig haben. Wir verbinden uns mit den himmlischen Heerscharen und mit den Engeln, die uns auch haben das Zeugnis hören lassen. Es sind derer so viele, die nicht wußten, was sie tun sollten, die mit schwerbeladenem Gewissen aus dem Leibe getreten sind und umherirren und keine Ruhe finden. Wir bitten für sie, du wollest Gnade walten lassen. Auch die Prediger sind gekommen, die Zeugen der Wahrheit, die die Verlangenden geführt haben auf den Zionsberg, zu der Offenbarungsstätte deines Sohnes. 0 Herr, nimm zuerst die Belastung ab, die wir durch den Glauben auf uns genommen haben. Du wollest durch uns das Wort hören lassen: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Laß uns in unsern Bitten Erhörung finden. Gemeinschaftlich legen wir alles nieder in die Worte deines lieben Sohnes und sprechen also: "Unser Vater usw."

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Lieber guter Vater! Hier sind die vielen, die unter die Sünde der Eltern gekommen sind. Die Eltern haben Schulden gemacht und die Kinder sollen bezahlen. Nun sei euch allen hörbar gemacht, daß ihr entlastet seid von dem, was auf eure Schultern gelegt ist. Aber dann verkündige ich durch euch als Erlöser den Herzugekommenen Gnade und Vergebung von den erkannten, bekannten und unwissenden Sünden. Der Friede des Auferstandenen ruhe auf euch. Amen!

Heute kann die Menschheit nicht glauben, daß sich lebende Menschen für die Toten taufen lassen können. Man hat darum das Wort: Lasset euch taufen für die Toten umgesetzt und geschrieben: Lasset euch taufen über die Toten. Das ist genau so, als wenn die Taufhandlung sollte über den Sarg geschehen. In der holländischen Bibel kennen sie das Wort nicht. Es heißt darin.- Lasset euch taufen für die Toten.

Als ich 1872 in Holland war, wurde dem Ap. Schwarz die Frage vorgelegt, was das heißen solle. Er sagte: Wir sind nicht weit davon, solches zu sehen. In dem Bibelwerk von Otto Gerlach steht auch, daß der Grundtext heißt: Lasset euch taufen für die Toten. Das war für mich ein doppeltes Zeugnis, und ich habe mich gefragt: Wann kommt das? Ist die heilige Taufe nur eine Form, so hat sie nicht viel auf sich. Durch die heilige Taufe soll der Täufling in Verbindung gebracht werden mit den Taten des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Das ist ganz etwas anderes als wie nur eine Form. Die heilige Taufe ist eine Verbindung mit den Heils- und Erlösungstaten. Die Glaubensmütter bilden nun die Brüste an dem Leibe der Gemeinschaft. Das Haupt genießt, und der ganze Leib wird dadurch erhalten. Beim Genuß des heiligen Abendmahles genießt auch nur der Mund, und der ganze Leib hat den Nutzen davon. So ist es auch bei der Empfangnahme der heiligen Salbungstat.

Wenn ihr nun wißt, wozu ihr dienen sollt, so habe ich euch bezeichnet als Brüste der Leibesgemeinschaft. Durch euch sollen die Großen und die Kleinen, also die Ungetauften, in Verbindung gebracht werden mit den Taten des dreieinigen Gottes. Durch euch sollen sie die Milch des Evangeliums hinnehmen. Nun kommt es darauf an, ob ihr eure Zustimmung durch das Jawort dazu gebt, ob ihr bereit seid, diesen Verlangenden eine Hilfe zu sein. Dann wurde die Taufhandlung vorgenommen.

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Gebet: Lieber guter Vater! Durch Jesus hast du uns auch bitten gelernt, daß wir dich bitten sollen um den Geist der Kraft, um den Salbungsgeist. Nun wollest du herzuführen, die eingeschrieben werden können und wohl zu der Zahl der Auserwählten, um Zugehörige zu sein von dem Erstling Christus Jesus. Du wollest herzuführen die Berufenen. Amen!

Empfanget, ihr Herzugekommenen, den Geist der Gnade und der Wahrheit. In euch sei verschlossen der Bund des guten Gewissens mit Gott, durch welchen ihr in Verbindung gebracht seid durch die Namenstaten des dreieinigen Gottes. Gott der Vater ist es, der euch versiegelt. Das Wort, was ihr hört, trägt Geist und Leben in sich. Christus Jesus ist es, der euch tauft mit Feuer und dem heiligen Geist. Er läßt euch hören: Empfanget und nehmet hin den Geist der Kindschaft. Nehmet hin den neuen Namen, den niemand kennt, als der ihn empfängt. Nehmet hin das Bürgerrecht, um bei den Heiligen und Gottes Hausgenossen sein zu können. Seid Erstlinge mit dem Erstling Christus Jesus und Zugehörige zum himmlischen Jerusalem. Traget das Sternzeichen an eurer Stirn. Der Herr euer Gott führe euch weiter und lasse euch zu denen gehören, die die große Beute ausmachen. Der Herr segne euch und behüte euch usw.

Gebet: Lobe den Herrn, unsere Seele! Wir sind dankbar, daß wir dahin geführt sind, Erlöser sein zu können. Wir sind dankbar, daß du uns zu der Offenbarungsstätte deines Sohnes gebracht und deinem Sohne eine Menge zur Beute gegeben hast, wovon wir haben den Mitgenuß. Dieser Tag ist angeschrieben im Buche des Gedächtnisses. Nun wollest du das Hingenommene bewahren, und was noch unverständlich ist, wollest du durch deinen Geist zurechtbringen und klarmachen. Lieber Vater! Bewahre alle, die hier sind. Laß sich die bösen Gewalten nicht rächen an denen, die als Erlöser gedient haben. Umlagere uns mit deinem Engelschutz und gib uns die Gottesheere zum Schutz. Lege auf alle die Gnadendecke deiner Macht. Amen!"

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Nachstehend noch ein Auszug aus einem Gottesdienst des Stammapostels J.G. Bischoff vom 24. November 1946 (Frankfurt/Main). Aus demselben ergibt sich, daß die allgemeine Sündenvergebung auch den Entschlafenen gilt, ohne daß dies betont werden müßte; ferner, daß die Reihenfolge der drei Handlungen geändert wurde. Sie ist nun: Taufe - Abendmahl - Versiegelung. (Den schon Getauften wurde die Wassertaufe bestätigt, andere Ungetaufte wurden zunächst getauft!)

"Nun wird die jeweilige Entwicklung zur Empfangnahme der Segnungen berücksichtigt, also die Vergebung, die vorlaufend ausgesprochen ist, haben alle Zubereiteten gehört und hingenommen.

Dann sind aber die, die mit Wasser getauft sind, wobei aber des Herrn Wort und vor allen Dingen der Heilige Geist fehlte, der die Tat vollbringen sollte. Eine menschlich ausgeführte Taufe mit Wasser hat im Reiche Gottes keine Gültigkeit. Deshalb bestätigen wir zunächst die Wassertaufe, die zur Zeit an ihnen geschehen ist. Sofern aber die Taufe mit Wasser noch nicht gespendet ist, werden die Betroffenen herzugeleitet zur Hinnahme der heiligen Taufe mit Wasser.

Andere, die soweit gereift sind, um das heilige Abendmahl zu genießen, bekommen dasselbe in die Amtskrippe gelegt, und diejenigen, die zum Teil schon hier im Leben unter besonderen Verhältnissen zubereitet wurden (was allein dem lieben Gott bekannt ist) und dort die nötige Reife erlangt haben, empfangen die heilige Versiegelung. Aber diese Schar wird nicht sehr groß sein; denn zur heiligen Versiegelung zu kommen, das ist nicht so einfach, wie sich das manche vorstellen, denn es handelt sich hierbei auch um die im Jenseits bestehenden Gesetze.

Es folgte diesen Ausführungen ein herzliches Gebet des Stammapostels, worauf die verschiedenen Handlungen erfolgten."

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Als letztes Zeugnis lassen wir einen Auszug aus einem von Stammapostel H. Urwyler am 4. März 1984 in Interlaken/Schweiz gehaltenen Gottesdienst folgen. Alle drei Handlungen lesen wir im Wortlaut:

Feier der heiligen Handlungen für die Entschlafenen

Stammapostel:

"Meine lieben Brüder und Schwestern, es ist, wie der liebe Bezirksapostel sagte, ein hehrer Augenblick, und man kommt sich als Mensch oft so klein vor, um eine solche Aufgabe durchzuführen. Aber ich habe im Ämterzimmer die Bilder der Stammapostel gesehen, von Stammapostel Krebs bis zu Stammapostel Streckeisen. Alle diese Männer haben diese Aufgaben schon wahrgenommen, auch die mit ihnen verbundenen Bezirksapostel in allen Ländern oder die Apostel, die sie jeweils beauftragen, wenn sie beim Stammapostel sind.

Eines Tages wurde die erste Seele versiegelt. Das liegt bald 2000 Jahre zurück. Es wird auch der Moment kommen, wo die letzte Seele vor dem Kommen des Herrn, unseres Bräutigams, versiegelt wird. Wir wissen jedoch nicht, wann das sein wird. Der Herr Jesus sagte, das ist meinem Vater vorbehalten. Sind wir getrost, wenn wir noch nicht alles wissen. Wir werden zur Zeit und Stunde zu wissen bekommen, was uns not tut.

Wir sind hier in den Bergen, wie uns das Wort heute kundtat. In den Bergen lauern auch Gefahren. Es sind hier viele Menschen ums Leben gekommen. Es hat hier aber nicht nur Berge, sondern auch tiefe Seen. In diesen Seen sind auch viele ums Leben gekommen. Damit nenne ich nur zwei Gruppen, die in einem Augenblick in die Ewigkeit gezogen sind. So gibt es deren unzählige. Der liebe Gott kennt sie, und durch unsere Gebete sind auch von ihnen aus diesen vielen Gruppierungen unzählbare Scharen herbeigekommen. Viele haben keine Wassertaufe erlebt oder sind mit einer vor Gott, dem Allmächtigen, ungültigen Taufe in die Ewigkeit gezogen. Sie können somit auch nicht in das Bereich der Wassergetauften gehen. In den Bereichen der Ewigkeit ist Ordnung. Als Vorstufe zur Heiligen Versiegelung muß man getauft sein mit Wasser.

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Nun rufen wir den vielen Seelen zu, die mit Wasser getauft werden sollen, tretet nun herzu, ihr Geliebten, damit ihr nun auf diese wundersame Art und Weise, wie es der ewige Gott verordnet hat, die Wassertaufe empfangen könnt.

Ich sondere nun dazu aus dieses Wasser, von der Erde genommen, in dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, auf daß es nun dazu dienen kann, daß ihr lieben Seelen die heilige Wassertaufe hinnehmen könnt. So taufe ich euch denn in dem Namen Gottes des Vaters, in dem Namen seines Sohnes und in dem Namen des Heiligen Geistes. Amen.

Das ist eine gewaltige Schar, meine Lieben. Auch die vielen Kindlein gehören dazu, die ungetauft in die Ewigkeit gegangen sind und für die so viel gebetet worden ist. Sie sind herzugeleitet worden und dürfen nun voller Freude sagen: Nun können wir auch eingehen in das wunderbare Bereich der Wassergetauften. Aber sie wollen nicht dort bleiben. Aus diesem Gebiet und Land und aus diesem wunderbaren Gefilde haben sich nun viele herausgesehnt, denn sie möchten die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, versiegelt werden und hinzugetan zu der großen Schar der Kinder Gottes, die immer größer und herrlicher wird und die auf dem Felsen steht in der Hütte Gottes dieser Tage.

So tretet nun herzu, ihr Geliebten, damit ihr nun auch die Gabe des Heiligen Geistes hinnehmen könnt. Ich versiegele euch nun in dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Durch diese Handlung wird der Heilige Geist auf eure Seele gelegt, und der Sohn Gottes, unser Seelenbräutigam, schreibt nun eure Namen in das Lebensbuch des Lammes. Sie sind nun eingeschrieben und eingetragen, und ihr seid dadurch Träger dieses wundersamen Heiligen Geistes. Diese Handlung befähigt euch nun, versehen mit dem Heiligen Geist eure Straße weiterzugehen, einzutreten in das Bereich der Geistgetauften, und versiegelt zu sein auf den nahen Tag der Ersten Auferstehung, an dem der Herr, unser Seelenbräutigam, kommt und die, die versiegelt sind und die dem Glauben gemäß lebten, die sich entwickeln konnten zur Vollkommenheit, wie es eben möglich ist, heimführen will in die ewige Heimat. Dazu habt ihr nun auch das Unterpfand erhalten. Wir, die wir hier auf Erden leben und uns freuen, Gotteskinder

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zu sein, freuen uns auch mit euch, denn ihr seid nun nicht nur Brüder und Schwestern unseres Herrn Jesu geworden, ihr seid damit auch unsere Brüder und Schwestern geworden. Welch ein wunderbares Geschehen auf dem höchsten Berg, den der Herr in unseren Tagen gesetzt hat. So seid und bleibt denn bewohnt mit dem Heiligen Geist. Er möge euch leiten, bis wir alle zusammen nach Hause ziehen dürfen, überkleidet werden mit dem wunderbaren Kleid, das denen zusteht, denen der Herr Jesus sagte: "... ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin (Johannes 14,2.3). Darauf ruhe der Segen und der Frieden Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Nun sehnen sich die Getauften und die, die zur Heiligen Versiegelung kommen durften, aber auch alle unsere Lieben, die drüben sind, herzlich und innig, teilzuhaben am Heiligen Abendmahl.

Ich lege nun in die Amtskrippe, was für euch gegeben ist: Der Leib und das Blut unseres Herrn Jesu ist auch für euch gegeben. Amen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, laßt uns zum Abschluß dieses feierlichen Momentes zusammen aus dem Lied Nr. 491 singen."

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2. Die Schlüsselgewalt und der Engeldienst

In Kapitel I und im Anhang sind viele Hinweise gegeben über die Schlüsselgewalt, die dem Apostelamt allgemein und dem Stammapostelamt in ganz besonderem Maße von Christus beigelegt ist.

Seit 1959, also seit einem Jahr vor dem Heimgang von Stammapostel J.G. Bischoff, machen die Stammapostel öffentlich im Eingangsgebet der drei Entschlafenen Gedächtnis-Gottesdienste von ihrer besonderen Schlüsselgewalt Gebrauch. Mit bestimmten Worten, die im Laufe der Jahre Änderungen unterworfen waren, werden die Ewigkeitsbereiche für 24 Stunden aufgeschlossen und den Engeln Auftrag gegeben, die geöffneten Tore zu bewachen, auf daß alle, die Gnade finden sollen, in die Gottesdienste kommen könnten.

Wir lassen hier mehrere dieser Gebete folgen:

Nach meinen Unterlagen hat Stammapostel Bischoff am 1. März 1959 in Hamburg-Harburg in dem dortselbst stattfindenden Entschlafenen-Gottesdienst zum ersten Mal die Tore der jenseitigen Welt aufgetan. Er tat dies in dem Eingangsgebet mit folgenden Worten:

"Im Namen Jesu, des Auferstandenen, schließe ich hierdurch zunächst die jenseitigen Bereiche auf, damit die bereiteten Seelen zum Altar des Herrn gelangen können. Den Engeln sei Auftrag gegeben, die Tore zu besetzen, damit kein Unreiner hindurchgehe. So wollest du, guter Vater, auch denen gnädig sein, die in Hoffnung gefangen gelegt sind, und wir bitten dich, daß du uns als Werkzeuge in deiner Hand vollendest, um den Seelen helfen zu können."

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In einem Rundschreiben vom 20. August 1959 (E 70 h) schrieb Stammapostel Bischoff in bezug auf sein Handeln seit dem März 1959 folgendes:

"Aus dieser von Judas Makkabäus, von Jesus und vom Apostel Paulus durchgeführten Seelenarbeit haben wir Beweise genug, wie auch wir uns den Entschlafenen gegenüber verhalten sollten, um ihnen eine Hilfe zur Errettung ihrer Seele zu sein. Jesus hat deshalb in weiser Voraussicht die Schlüsselgewalt in die Hände des jeweiligen Stammapostels gelegt, um entsprechend handeln zu können. Es hat lange Zeit gedauert, bis es dem Geist des Herrn möglich wurde, die Erkenntnis zu bewirken, daß die Schlüsselgewalt auch angewandt werden soll.

STIFY">Die Dienste für die Entschlafenen wurden ja früher auch im Segen durchgeführt, aber da mußte der Herr Jesu die Tore auftun; denn er hat ja, wie wir in Offenbarung 1,18 lesen, die Schlüssel der Hölle und des Todes. Also er konnte aufschliessen, wann er wollte. Dies war jedoch nicht seiner Anordnung entsprechend; denn die Arbeit an den Seelen der Lebenden und Entschlafenen sollte auf Erden geschehen. Dazu hatte er seine Apostel mit allem, was zur Erlösung an Menschenseelen erforderlich war, ausgerüstet. An ihnen sind die Worte des Herrn laut Jesaja 61,1-3 erfüllt; denn sie haben zu dieser Arbeit den Geist des Herrn empfangen.

Jesaja 61,1-3: "Der Geist des Herrn Herrn ist über mir, darum daß mich der Herr gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß ihnen geöffnet werde, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsers Gottes, zu trösten alle Traurigen, zu schaffen den Traurigen zu Zion, daß ihnen Schmuck für Asche und Freudenöl für Traurigkeit und schöne Kleider für einen betrübten Geist gegeben werden, daß sie genannt werden Bäume der Gerechtigkeit, Pflanzen des Herrn zum Preise."

Vorher, z.B. am 5. November 1950, betete Stammapostel Bischoff wie folgt:

"Und so wollest du den Tag heute zunächst für die Deinen, aber auch für die, die durch den Engeldienst herzugeführt werden, zu einem Tag des

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Segens, des Heils und des Friedens gestalten. Wir bitten ganz besonders für die, die uns voraufgegangen sind, daß sie durch den Engeldienst herzugeleitet werden, um Hörer deines Wortes und Empfänger deiner Gnade zu sein."

Am 3. Juli 1955 lautete dieser Teil des Gebetes wie folgt:

"Dann, guter Vater, laß auch die herzunahen, die uns voraufgegangen sind und in der Zwischenzeit empfangen haben, was zum Heil und Frieden ihrer Seele diente. Wir bitten, guter Vater, laß alle herzugeleitet werden, die du nach deinem Plan deinem Sohne zuführen willst, damit auch ihnen geholfen werde. Du wollest diesen Seelen den nötigen Engelschutz mitgeben, daß sie wohlbewahrt zur Segensstätte geleitet werden und dann die Erlösung aus dem Dienst deines Sohnes hinnehmen, wodurch sie frei gemacht und in die Bereiche können überführt werden, die für sie bereitet sind."

Stammapostel W. Schmidt betete am 4. März 1962 in Flensburg wie folgt:

"Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, schließe ich hiermit die jenseitigen Bereiche auf. Und den Engeln sei Auftrag gegeben, die Tore zu bewachen, damit die verlangenden Seelen durch die Tore des Friedens zur Gnadenstätte geleitet werden können."

Am 7. November 1965 lautete das Gebet des Stammapostels W. Schmidt in Hamburg-Harburg wie folgt:

"Hiermit schließe ich im Auftrage von Jesu, dem Auferstandenen, die Jenseitsbereiche auf, und den Engeln sei Auftrag gegeben, die Seelen herzuzuführen, die durch die Boten des Friedens bereitet sind, um an der Gnadenstätte, dem Gnadenaltar, das hinzunehmen, was für sie bereitet ist. Den Engeln sei ferner Auftrag gegeben, sich derer anzunehmen, die keinen Fürsprecher haben, oder solche, die sie nicht erkannt haben und sich nicht um sie kümmern."

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Am 4. Juli 1971 sprach Stammapostel Schmidt in Hamburg folgendes Gebet:

"Hiermit schließe ich im Auftrage von Jesu, dem Auferstandenen, die jenseitigen Bereiche auf, und den Engeln sei Auftrag gegeben, die Bereiche zu bewachen, die Tore, damit alle, die bereitet sind, nicht gehindert werden, zu der Gnadenstätte geführt werden zu können."

Am 5. November 1972 diente Stammapostel Schmidt in der Kirche zu Hamburg-Eppendorf und betete wie folgt:

"Hiermit schließe ich im Auftrage von Jesu, dem Auferstandenen, die Jenseitsbereiche auf, und den Engeln sei Auftrag gegeben, darüber zu wachen, daß sie nicht geschlossen werden, damit alle, die da guten Willens sind, zu der Gnadenstätte geleitet werden können."

Am 4. März 1973 diente Stammapostel Schmidt in der Gemeinde Hannover-Herrenhausen. Er betete:

"Hiermit schließe ich im Auftrage meines Senders die Jenseits-Bereiche auf, und den Engeln sei Auftrag gegeben, die Tore zu bewachen, damit alle verlangenden Seelen die Möglichkeit haben, zur Gnadenstätte eilen zu können."

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Am 5. März 1978 betete Stammapostel Streckeisen in Torgau wie folgt:

"Im Namen unseres Herrn Jesu, dem Sohn des lebendigen Gottes, mache ich Gebrauch von den empfangenen Vollmachten und schließe die Pforten der Ewigkeit auf. Den Engeln ist Auftrag gegeben, die Tore zu bewachen, bis der Dienst an den Heimgegangenen auf der ganzen Erde durchgeführt worden ist und keine verlangende Seele vergeblich ausschaut nach Erlösung und Gnade."

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Am 2. Juli 1978 sprach Stammapostel Streckeisen in München folgendes Gebet:

"In dem Namen des Welterlösers, unseres Herrn Jesu, öffne ich hiermit in seiner Vollmacht die jenseitigen Bereiche, damit die bereiteten Seelen Zugang haben zum Gnadenstuhl. Den Engeln ist Auftrag gegeben, Schutz, Schirm und Beistand zu leisten, bis dieser große Erlösungsakt durchgeführt ist."

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Am 2. März 1980 diente Stammapostel Urwyler in Saarbrücken. Er sprach folgendes Gebet:

"In dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und im Namen dessen, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, öffne ich nun die Tore zu den Bereichen der Ewigkeit. Den Engeln und unsichtbaren Helfern ist geboten, daß sie Wache halten, damit alle, die herausgeführt werden sollen, zu den Gnadenund Segensstätten kommen dürfen, wo die Knechte des Herrn die Gaben bereithalten, die solchen Seelen gegeben werden sollen."

Am 6. Juli 1980 diente Stammapostel Urwyler in Frankfurt am Main. Innerhalb des Eingangsgebetes fand kein Öffnen der Jenseits-Tore statt, weil diese Handlung bereits am Abend zuvor erfolgt war. Die Worte des Stammapostels lauten wie folgt:

"Jetzt muß ich euch etwas sagen. Plötzlich kommt das auf meine Seele. Ihr werdet vielleicht bemerkt haben, daß ich im Eingangsgebet nicht um die Öffnung der Tore für die Entschlafenen gebetet habe. Seid ganz getrost! Wir haben das gestern abend im Kreis der Apostel getan. Der erste Entschlafenen-Gottesdienst zum heutigen Tag fand gestern abend um 11 Uhr in Australien statt. (Als es bei uns 11 Uhr war, da hatten sie in Australien morgens, 9 Uhr.) Wir haben rechtzeitig vorher die Tore geöffnet, damit alle herausgehen können, die da willens sind, die Segnungen hinzunehmen. Das will ich euch noch sagen zur Beruhigung."

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Am 2. November 1980 lautete der hier interessierende Teil des Eingangsgebetes in Augsburg wie folgt:

"In dem Namen Jesu, dem Allmacht gegeben ist im Himmel und auf Erden, öffne ich nun mit seinem Schlüssel und in seinem Auftrage die Bereiche der jenseitigen Welt, damit alle, die nun herzuströmen möchten, freie Wege haben zum Gnadenstuhl. Den Engeln ist geboten, daß sie die Tore bewachen, bis überall auf Erden die große Arbeit getan ist und alle, die willens sind, herzuzukommen, auch herzutreten können."

Am 1. März 1981 lautete das Gebet in Berlin/DDR wie folgt:

"In dem Namen Jesu, dem Sohn des allmächtigen Gottes, dem alle Macht gegeben ist auf Erden wie im Himmel, öffne ich nun kraft der mir übergebenen Amtsmacht die Bereiche der Ewigkeit, damit alle Durstigen herausgehen können."

Am 5. Juli 1981 hießen die Stammapostel-Worte:

"In dem Namen Jesu, dem Sohn des lebendigen Gottes, schließe ich nun die Bereiche der Ewigkeiten auf, damit alle, denen das Evangelium verkündigt werden konnte und die gewürdigt sind, heute an den Gottesdiensten teilzunehmen, heraustreten können und herzugeführt werden an die Segensund Gnadenstätten."

Am 1. November 1981 sprach der Stammapostel in Bielefeld:

"Im Namen Jesu, dem Sohn des allmächtigen Gottes! Mit seinem Schlüssel öffne ich nun die Bereiche der jenseitigen Welt; die Bereiche derer, die nun herausgeführt werden sollen ...".

In dem Entschlafenen-Gottesdienst des Stammapostels, gehalten am 7. November 1982 in Zürich-Hottingen/ Schweiz, in Anwesenheit aller Bezirksapostel der Erde, sprach der Stammapostel in einem Spezial-Gebet:

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"In dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes öffne ich nun in dem Namen Jesu, dem Sohn des lebendigen Gottes, die Bereiche der jenseitigen Welt, so daß alle die, die jetzt unter die Gottesdienste kommen, die hier und andernorts noch gehalten werden sollen, herausgeleitet werden können und sie teilhaben dürfen an den Segnungen, die ihnen zustehen."

Seitdem hat Stammapostel H. Urwyler die Entschlafenen-Gottesdienste stets begonnen, wie am 1. November 1981.

Die Entwicklung über 26 Jahre hinweg läßt sich aus Obigem leicht ersehen. Ob diese Entwicklung abgeschlossen ist, wird die Zukunft zeigen.

Dem Bericht Über den Gottesdienst für die Entschlafenen vom 2. März 1986 in Lusaka/Zambia entnehmen wir den Wortlaut wie folgt:

"In the name of God the Father, the Son and the Holy Ghost, and in the name of Jesus, the son of the living God unto whom all power in heaven and on earth is given, with whose key I now open the realms of the beyond.

Thanks to the labours of the servants of peace in the beyond and to the prayers of God's children on this earth, many souls have come to know what is essential for the peace and the salvation of them. Today they shall receive what they need in accordance with their present spiritual state.May the almighty God, our heavenly Father, trough his power permit, that none of these longing souls be retained."

In deutscher Übersetzung:

"In dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und im Namen Jesu, dem Sohn des lebendigen Gottes, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, öffne ich mit seinem Schlüssel die Bereiche der jenseitigen Welt.

Viele sind durch die Arbeit der Boten des Friedens im Jenseits, und die Gebete der Kinder Gottes im Diesseits, zur Erkenntnis gekommen, was zum Heil und Frieden ihrer Seele dient. Es soll ihnen gemäss ihrem heutigen Seelenzustand die entsprechende Hilfe werden. Möge der treue Gott, unser himmlischer Vater, durch seine Macht bewirken, dass keine dieser verlangenden Seelen gehindert werde."

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3. Die Amtskrippe

Aus dem 1. Korintherbrief 15. Kapitel Vers 29 ergibt sich, daß in der Urkirche sich "welche" für Verstorbene taufen ließen. Apostel Schwarz wurde es 1872 bewußt, daß "welche" da sein mußten, die sich anstelle Verstorbener taufen bzw. versiegeln ließen. Man wartete zunächst, bis durch Weissagung eine Person bestimmt war, die als Amtskrippe, als Schale, als Gefäß dienen sollte. War die Person bestimmt, handelte der Apostel, entweder wieder auf eine Weissagung hin oder auf Anregung des Amtsgeistes in ihm.

Später nahm Stammapostel H. Niehaus "Glaubensmütter" (Diakonissinnen), aber auch Schwestern oder Brüder, die als Amtskrippe fungierten. Die Schwestern nahmen die Handlungen für weibliche Verstorbene hin und die Brüder für männliche Verstorbene; auch wurden hier und da den Getauften Namen gegeben bei der Taufe (Maria und Johannes oder Gnade und Selig).

Dies Handeln mündete seit den 30er Jahren ein in unser heutiges Handeln: Stets dienen zwei Amtsbrüder dem Stammapostel oder den Bezirksaposteln dazu, als Amtskrippe zu dienen. An ihnen werden die Handlungen vollzogen. (Zwei sind es für den Fall, daß einer nicht gerade das nötige Vollmaß an Mitleid und Erbarmen in der Seele trägt.)

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Kapitel IV

Die Ordnungen für die Gemeinden

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1 Totensonntag

Seit vielen Jahren nennen wir die Gottesdienste, ar welchen der Entschlafenen gedacht wird, "EntschlafenenGottesdienste", den Tag als solchen wohl auch "Entschlafenen-Sonntag". Früher nannten wir diese Tage gemeinsam mit der übrigen, besonders der protestantischen Welt: Totensonntag. Dieser Wortgebrauch überwog bei weitem, wenngleich auch eigene Wortschöpfungen gebraucht wurden wie: Totenversiegelungs - Gottesdienst oder Totenfest.

Bis zum 5. November 1950 fanden die besonderen Totenversiegelungs - Gottesdienste am staatlich - kirchlichen Totensonntag, also dem Sonntag vor dem 1. Advent, statt .

Stammapostel H. Niehaus hielt in den 20iger Jahren und auch noch Stammapostel J.G. Bischoff Anfang der 30iger Jahre regelmäßig am 2. Weihnachtstag einen Entschlafenen-Gottesdienst. Vater Niehaus hielt solche aber auch, wie schon erwähnt, mitten im Jahr, mit Vorliebe am 2. Pfingsttag, aber auch zu anderer Zeit.

Ursprünglich versiegelte Apostel Schwarz Verstorbene dann, wenn Weissagungen dazu aufforderten und Stellvertreter für die Entschlafenen vorhanden waren.

Eine gewisse Bedeutung erlangte der kirchliche Totensonntag in Deutschland unter Apostel Menkhoff, was praktisch eine Fortsetzung der von der Mutterkirche übernommenen Gewohnheit war, der eigenen Entschlafenen am Tage Allerseelen zu gedenken (Allerseelen katholischer Gedenktag).

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Wir lassen zwei Auszüge der Neuapostolischen Rundschau folgen, die einiges Licht auf die damaligen Anschauungen werfen:

Aus: Neuapostolische Rundschau vom 24. November 1918

Totensonntag.

Ein Tag im Jahre, der letzte Sonntag vor der Adventszeit, ist dem Gedächtnis der Toten bestimmt. Dadurch sollen wir gleichzeitig an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert werden. Die Scheidezeit zwischen Herbst und Winter ist wie geschaffen dazu, dieses Gedächtnis zu übernehmen. Nicht umsonst hat man auch früher schon die kirchlichen Gedenktage "Aller Heiligen" und "Aller Seelen" auf Anfang November gesetzt.

Wir gedenken unsrer lieben Entschlafenen dankbar und fürbittend vor dem Throne dessen, der ein Herr ist über die Lebendigen und über die Toten, der die Schlüsselmacht zu allen Todeskammern hat. Dieser Machthaber ist Jesus Christus, unser Erlöser, der Vollendete, auf den sich immer mehr die einzige Hoffnung der Gläubigen in diesen Zeitläufen der letzten Trübsale vereinigt.

Betreffend ein "Totenfest" entnehmen wir der Neuapostolischen Rundschau vom 23. November 1919:

"Wenn nun die Toten keine Feste im menschlichen Sinne feiern, wer feiert dann Totenfest? Etwa die Lebenden? Können die über die Toten ein Fest feiern? Auch diese Frage zu bejahen will uns schwerfallen.

Von einem Feste kann also weder in diesem noch in jenem Sinn die Rede sein, und doch schließt die irdische weltliche Kirche das sogenannte Kirchenjahr systematisch mit dem "Totenfeste oder Totensonntage" ab. Doch kann uns das genügen? Von einem derartigen Fest haben wir in der heiligen Schrift noch nichts gelesen, wohl aber von den Toten an und für sich, von der Auferstehung und von der Wiederkunft Christi. Kommt Christus

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wieder, kommen auch alle Toten wieder, das ist sicher und gewiß.

Nach unserem Glaubensartikel bekennen wir uns zum Glauben an "eine Gemeinschaft der Heiligen". Daß zunächst nicht schlechtweg alle "Toten" unter die Heiligen zu rechnen sind, ist ohne weiteres demjenigen klar, der aus rein menschlicher Pietät nicht etwa alle entschlafenen Menschen unter die Heiligen rechnet, nur deshalb, weil sie eben gestorben sind . Denn deshalb, weil einer stirbt und begraben wird, rangiert er nicht unter die "Gemeinschaft der Heiligen", das ist so gut wie ausgeschlossen. In dem Worte "Gemeinschaft" aber liegt es, daß die lebenden Heiligen mit den entschlafenen Heiligen eine enge Wesens- und Geistesgemeinschaft bilden sollen und können, aber nur durch den wahrhaften Glauben an Christo. Diese Gemeinschaft äußert sich aber nicht an einem von der weltlichen Kirche aufgemachten Totenfest, aller 365 Tage lang ein einziges Mal, sondern wir sollen täglich in dieser Gemeinschaft verbunden sein.

Nur der dicke Vorhang unseres vergänglichen Leibes trennt uns übrigens von den Geistern der heimgegangenen Menschen.

Das zeremonielle Totenfest ist ein speziell kirchliches Kultusfest. Die Kirche braucht es, um einen Einfluß zu behalten auf die Masse. Die Toten selbst sollen wohl kaum davon etwas haben, was praktischen Nutzen und Wert für ihre Erlösung im Geisterreiche hat. Das sogenannte Totenfest soll eine Gelegenheit bieten, die Werke der Heimgegangenen zu ehren, sie zu verherrlichen und ihrer dankbar zu gedenken. Das Wort "Heimgegangenen" trifft eigentlich auch nicht buchstäblich zu. Denn sie sind mit der Trennung des irdischen Leibes vom Geiste lange noch nicht heim.

Kann die Lage der Toten durch ein kirchliches zeremonielles Totenfest verbessert werden? Wir glauben es kaum."

Seit dem 5. November 1950 fanden die Entschlafenen - Gottesdienste am 1. Sonntag im November statt. Damit löste man sich sowohl endgültig vom kirchlichen Totensonntag wie auch von den sonst im Werke Gottes erwählten Tagen (2. Weihnachtstag, 2. Pfingsttag oder weltweit von sonstigen hier nicht bekannten Feiertagen).

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Die "Wächterstimme" vom 1.11.1950 schrieb:

"In der zurückliegenden Zeit konnte leider dieser besondere Tag nicht in allen Erdteilen, in denen heute Gottes Werk verbreitet ist, zu gleicher Zeit gehalten werden. Denn viele Länder feiern den Tag zum Gedächtnis ihrer Toten an verschiedenen Zeiten. Nun soll aber doch im Werke Gottes alles nach göttlichem Willen und einheitlich geschehen. Darum hat unser Stammapostel angeordnet, daß die Segenshandlungen für unsere Entschlafenen im gesamten Gotteswerk auf einen bestimmten Tag vorgenommen werden, und zwar jeweils am ersten Sonntag im Monat November. So werden im Jahre 1950 zum ersten Mal in der Reichsgottesgeschichte diese heiligen Handlungen in allen fünf Erdteilen am gleichen Tage durchgeführt werden. Dann wird allen in jener Welt entsprechend zubereiteten und verlangenden Seelen die von Gott vorgesehene Hilfe und Erlösung werden. Die Apostel des Herrn werden an diesem Tag den ihnen gewordenen Auftrag auch an jenen Seelen erfüllen."

In Übereinstimmung mit der Apostelversammlung legte Stammapostel J.G. Bischoff durch Rundschreiben vom 3. Juni 1954 (D 18) fest, daß die Entschlafenen-Dienste jeweils dreimal jährlich stattfinden sollen, und zwar

am 1. Sonntag im November,

am 1. Sonntag im März,

am 1. Sonntag im Juli.

Diese Regelung gilt auch heute noch.

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Stammapostel W. Schmidt gab 1963 auf die Frage, welche Stellung er zu den unterschiedlichen Zeiten auf Erden in bezug auf den Gottesdienst-Beginn in Europa und dem damit verbundenen Aufschließen der Jenseitsbereiche die folgende Antwort:

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"Mein lieber Freund und Apostel Gerke!

Ihren Brief vom 19. September mit der beigefügten Monatsabrechnung für August habe ich erhalten; für alles herzlichen Dank.

Nun schreiben Sie mir wegen der verschiedenen Zeiten in Ihrem Wirkungsbereich und bringen diesen Umstand in Zusammenhang mit dem Entschlafenen-Dienst, der wieder für den 6. November vorgesehen ist. Zu Ihrer Rückfrage, wie Sie sich bezüglich des zeitlichen Beginns des Entschlafenendienstes einzustellen haben, möchte ich Ihnen folgendes mitteilen:

Wir wissen, daß der Herr über Raum und Zeit verfügt und ihm in dieser Hinsicht keine Schranken auferlegt sind. Ich bin überzeugt, daß es hier darauf ankommt, wie wir im Gedenken an die Entschlafenen seinen Willen erfüllen. Es ist ja ausschließlich das Gnaden- und Apostelamt, welches vom Herrn den Auftrag hat, auch derer zu gedenken, die als Unerlöste in die Ewigkeit gegangen sind. Jesus ist uns hier Vorbild, indem er nach seinem Sterben nach 1. Petri 3,19.20 hingegangen ist und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt, die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete ... Ich verweise dieserhalb auch auf 1. Petri 4,6.

Als der Herr Elias den Auftrag gab, nach Zarpath zu gehen, um daselbst von einer Witwe wegen der bestehenden Dürre gespeist zu werden, lesen wir wörtlich: "... denn ich habe daselbst einer Witwe geboten, daß sie dich versorge" (l. Könige 17,9). Elias machte sich auf und ging gen Zarpath und fand alles so vor, wie ihm der Herr im voraus gesagt hatte. Die Witwe wußte also schon viel früher, daß sie dem Propheten Speise bereiten sollte, als Elias selbst. Der Herr hatte ihr Herz berührt. Das ist ein Beweis, daß der Herr die Macht hat, sich über Zeit und Raum hinwegzusetzen. Ferner verweise ich auf Psalm 91,10-12, wonach der Herr seinen Engeln befiehlt, uns zu behüten auf allen Wegen. Schließlich möchte ich noch auf Daniel 9,23 hinweisen, wo der Engel Gabriel Daniel in seiner Bedrängnis besuchte und sprach: "Denn da du anfingst zu beten, ging dieser Befehl aus, und ich komme darum, daß ich dir's anzeige." Die Hauptsache ist, wenn wir den Dienst an den Entschlafenen g l ä u b i g und m i t r e i n e m Herzen verrichten.

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Weil der heimgegangene Stammapostel gerade in den letzten Jahren sich ganz besonders für die Erlöserarbeit im Entschlafenenbereich eingesetzt hat, ist es für uns erklärlich, daß er diese Anregung vom Herrn erhielt. Die Bezirksapostel haben dann nach seinen Anweisungen gleichso gehandelt und waren sich ihres hohen Auftrages bewußt, indem sie mit heiligem Ernst den Dienst für die Entschlafenen durchführten.

Unser himmlischer Vater wird sich auch fortan zu dieser unserer Aufgabe bekennen; denn er will, daß allen Menschen geholfen werde.

Ich werde deshalb für Sie schon neun Stunden früher als zu unserer Zeit in ernstem Gebet von der empfangenen Schlüsselgewalt Gebrauch machen und, wie bisher der heimgegangene Stammapostel, die Jenseitsbereiche aufschließen. Dadurch dürften bei Ihnen alle Bedenken beseitigt sein, daß Sie den Entschlafenen-Gottesdienst mit Erfolg durchführen können. Ich werde an diesem Tage in besonderer Weise der überseeischen Apostel gedenken, damit dem Fürsten der Finsternis alle jene entrissen werden, die der Herr zu seinem Eigentum sich ausersehen hat.

Zu allem wünsche ich Ihnen den Segen des Allerhöchsten.

Mit herzlichen Grüßen

Euer in Liebe verbundener W. Schmidt

Ferner folgt ein Auszug aus Amtsblatt 1949, Seite 163:

"Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß in den Gemeinden, in welchen sonst nur nachmittags Gottesdienste sind, dieselben am Totensonntag nach Möglichkeit v o r m i t t a g s stattfinden sollen."

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2. Die Vorbereitung der Gemeinden auf die Entschlafenen-Sonntage

Unendlich viel ist aus der Feder der Stammapostel und der Apostel dem Volke Gottes zugeflossen, was zur Belehrung hinsichtlich des eigenen Beitrags aller Brüder und Geschwister zu den Entschlafenen-Gottesdiensten dienen sollte. Immer wieder wurde den Geschwistern mahnend ins Herz gelegt: Seid versöhnlich, tragt niemandem etwas nach, redet über niemanden abfällig; seid barmherzig gegenüber denen, die der Gnade bedürfen; habt Mitleid mit den Gefangenen und Gequälten; habt ein weites Herz für alle Gruppen von Toten; strebt nach der Heiligung, damit eine wirksame Hilfe in euren Gebeten und Fürbitten offenbar wird in der Ewigkeit, seid tragende Brücken für die Armen und Erlösungsbedürftigen.

Wir lassen einen Artikel folgen aus der Feder von Stammapostel J.G. Bischoff, der im "Amtsblatt" vom 15. Dezember 1932 veröffentlicht ist; er sagt alles Nötige:

Bitte nachlesen Seiten 123 - 125

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3. Die Ordnung der Entschlafenen-Gottesdienste in den Gemeinden

Nach und nach wurden von den Stammaposteln Ordnungen gegeben, nach denen in den Gemeinden, in welchen am Totensonntag die priesterlichen Ämter dienten, gehandelt werden sollte. Es setzte sich langsam die Erkenntnis durch, daß an den Tagen, an denen die Apostel in ihren Bezirken die Handlungen an den Entschlafenen vollzogen, alle Brüder und Geschwister, alle Gemeinden Anteil haben sollten an dem Geschehen.

Im Amtsblatt vom 15. Dezember 1932 heißt es für die Dienstleiter und die Gemeinden:

"Nachdem Mitleid in den Herzen der Seelen erweckt und die Erkenntnis bewirkt ist, wird die Gemeinde durch die Vergebung der Sünde und das heilige Abendmahl gereinigt und geheiligt, wie es in den Sonntagsgottesdiensten der Fall ist. Dann wird von dem Dienstleitenden, im Verbundensein mit der Gemeinde, für die Entschlafenen und gnadesuchenden Seelen gebetet, und sie werden im Geiste zu dem Altar geleitet, um dort die Heilstaten in den Bundeshandlungen durch den Apostel in Empfang zu nehmen. Das Gebet für die Entschlafenen kann dem Sinne nach etwa mit folgenden Worten gebracht werden: "Lieber Vater! Du hast die Seelen im Jenseits durch die Arbeit der dort tätigen Boten des Friedens soweit zubereitet, daß sie zur Empfangnahme der Segnungen Deines Sohnes fähig gemacht sind. Leite sie nun durch den Engeldienst zu dem aufgerichteten Gnadenaltar in dem Apostel Deines Sohnes, damit sie dort alles in Empfang nehmen, was zu ihrem Heil und ewigen Leben erforderlich ist. Dies erbitten wir von Dir um Jesu willen. Amen."

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Hier noch ein Auszug aus dem Amtsblatt vom 1.12.1933:

Vorbereitung für die Entschlafenenversiegelung.

"Die Entschlafenenversiegelung findet jedes Jahr am 2. Weihnachtstage vormittags 9 1/2 Uhr statt, wo alle Gemeinden zu gleicher Zeit im Apostelbezirk zum Entschlafenendienst versammelt sind. Es ist aber notwendig, daß für diesen Entschlafenendienst in einem oder zwei Gemeindeabenden, wozu ja nur Mitglieder Zutritt haben, weitgehende Belehrung gegeben wird und die Herzen für den Dienst gut vorbereitet werden. Es darf aber in einem öffentlichen Gottesdienst niemals bekanntgegeben werden, daß am 2. Weihnachtstag E n t s c h l a f e n e n v e r s i e g e l u n g stattfindet; das würde dann eine Menge Neugierige anlocken, was zum Unsegen würde, weil fremde Personen dafür kein Verständnis haben. Es würden dadurch auch viele unwahre und verdrehte Gerüchte in die Welt gesetzt.

In den Gemeindeabenden zur Vorbereitung für die Entschlafenenversiegelung können die Berichte von früheren Entschlafenendiensten und Berichte aus dem Amtsblatt verarbeitet werden. Die Geschwister sind zu belehren, daß sie fremden Gästen davon nichts erzählen."

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4. Richtlinien

für die Amtsträger der Neuapostolischen Kirche

Ausgabe 1963

Seite 25:

"Das Gebet für die in die Ewigkeit Voraufgegangenen muß sachlich gehalten sein und darf nicht in Schwärmerei ausarten. Man bittet dabei in wenigen Worten für die Seelen, die uns in die Ewigkeit vorausgegangen sind, daß auch sie die Hilfe an der Gnadenstätte durch die Arbeit der Friedensboten erhalten."

Seite 29/30:

"Außer den üblichen Gottesdiensten finden auch je nach Anordnung des Stammapostels von Zeit zu Zeit besondere Dienste statt für die Entschlafenen. Es ist eine heilige Pflicht der leitenden Ämter, die Gemeinden im voraus entsprechend zuzubereiten, und zwar nach den Anweisungen, die sie fallweise von ihrem Bezirksapostel erhalten. Mit einem Herzen voller Liebe und Erbarmen treten vor solchen Tagen die Amtsträger und die Kinder Gottes in ständigem Flehen vor den Herrn für die Seelen derer, die in der Ewigkeit gnade- und erlösungsbedürftig sind.

Wenn dann schon im voraus alle in einer solch priesterlichen Weise mit der Seele gearbeitet haben, wird in dem Entschlafenendienst der Segen unermeßlich sein. Der Entschlafenendienst soll in den Gemeinden möglichst vom Vorsteher oder einem höheren Amtsträger gehalten werden. Der Dienstleitende hat darauf zu achten, daß die Predigt nicht zu lange dauert, damit die Seelen der Wartenden rechtzeitig an den Apostelaltar überwiesen werden können. Nachdem die Gemeinde Freisprache und Abendmahl empfangen hat und somit gereinigt und geheiligt vor dem Herrn steht , tritt der Leiter des Dienstes mit allen Versammelten in herzlichem Gebet für die herzugeleiteten Seelen ein, damit diese nun unter himmlischem Geleite zum Gnadenstuhl im Apostelamt geführt werden. Von den Botschaftern des Herrn, nämlich seinen Aposteln, empfangen sie nun in Taufe, Geistestaufe und Abendmahl die herrlichen Gaben des Erlösers. In den Gemeinden aber wird nach der Überweisung der Seelen ein passendes Lied gesungen und danach mit Schlußgebet und Segen dieser besondere Dienst abgeschlossen.

Wie für den Entschlafenendienst soll überhaupt allen Festgottesdiensten eine sorgfältige Vorbereitung vorausgehen. Festgottesdienste sind Besuche des Stammapostels und der Apostel."

200

Kapitel V

Allgemeines

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1 Auszüge aus Protokollen der Apostel-Versammlungen

Es wird vorteilhaft sein, die das Entschlafenenwesen betreffenden Punkte aus den mir zugängigen Protokollen der Apostel-Versammlungen in diese Dokumentation aufzunehmen. Die Auszüge folgen hier:

1. Protokoll vom 7. November 1910 (Quelle b. Bielefeld):

a) Punkt 2 der Versammlung:

"Als 2. Punkt der Tagesordnung steht der Antrag des lieben Stammapostels dahingehend zur Beratung, daß bei der Versiegelung der Entschlafenen genau so verfahren werde wie beim Totenabendmahl, und zwar sollen nur noch 2 Amtsgefäße als Körbe dienen, in diese wird die Versiegelungshandlung gelegt für die Entschlafenen, welche von den einzelnen Gliedern im Geiste zugeführt sind. Die Gemeinde dient als lebendiger Weg für die Verlangenden und führt dieselben an die Amtsgefäße heran, welche vom Apostel von Fall zu Fall gewählt werden. Der Antrag wird vom lieben Stammapostel ausführlich begründet und daraufhin von den Aposteln einstimmig zum Beschluß für die Zukunft erhoben."

b) Punkt 3 der Versammlung:

"Als dritter Punkt: Totentaufe für die Kinder! Die Handlung kann entweder auf Amtsgefäße gelegt werden oder auf die Eltern. Amtsgefäße kommen zumeist da in Betracht, wo eine Totentaufe im Gottesdienst vollzogen wird. In diesem Falle sind die zur Totentaufe kommenden Seelen nach ihrem Familiennamen der Gemeinde vor der Totentaufe bekannt zu geben. Einstimmig angenommen."

c) Punkt 6 der Versammlung:

"Fürbitte für Entschlafene: Der Stammapostel führt unter allerlei Beispielen an, wie nötig die Fürbitte für die Entschlafenen ist, somit soll täglich im Opferdienst für die Entschlafenen gebetet werden. Hierüber gibt der Stammapostel besondere Anweisung heraus, inwieweit sich und in welcher Weise sich dieses erstrecken soll. Einstimmig angenommen."

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2. Protokoll vom 20. September 1954:

"Ziffer 10): Wenn das Abendmahl für die Entschlafenen gefeiert wird, sollen die empfangenden Brüder die Hostie erst dann in den Mund nehmen, wenn die Ansprache beendet ist. Auch sollen sie erst nach dem Genuß des Abendmahls vom Altar wegtreten."

3. Protokoll vom 16./17. April 1956.

"Ziffer 6): In den Entschlafenen-Gottesdiensten sollen in Zukunft die Segnungen für die Entschlafenen in folgender Reihenfolge gespendet werden:

1. Wassertaufe

2. Geistestaufe

3. Abendmahl."

4. Protokoll vom 1. Januar 1960:

"Ziffer 6): Die Entschlafenen-Dienste sollen wie bisher jeweils an dem ersten Sonntag im März, Juli und November stattfinden. Durch entsprechende Belehrung der Gemeinden soll das lebendige Interesse der Geschwister an diesen Diensten wachgehalten werden.

An den Sonntagen, an denen die EntschlafenenDienste stattfinden, fällt der zweite Gottesdienst aus."

5. Protokoll vom 5. September 1962:

"Ziffer 7): Entschlafenen-Gottesdienste

In der Regel sollen die Bezirksvorsteher an den Sonntagen, an welchen die Entschlafenen-Gottesdienste sind, in ihren Bezirken bleiben. Es genügt, wenn bei dem Bezirksapostel ein oder zwei Bezirksvorsteher sind.

In den Entschlafenen-Gottesdiensten sind zwei Amtsbrüder von dem Bezirksapostel zu bestimmen, an denen die Handlungen vorgenommen werden."

6. Protokoll vom 26. November 1963:

"Ziffer 9 a): Entschlafenen-Gottesdienste

An den Sonntagen, an denen die EntschlafenenGottesdienste gehalten werden, sollen keine weiteren Gottesdienste, auch keine Ämterdienste,

Jugenddienste und Kindergottesdienste durchgeführt werden."

202 a

P r o t o k o l l

über die am Samstag, den 8. September 1984, um 10.00 Uhr stattgefundene

internationale B e z i r k s a p o s t e l - V e r s a m m u n g

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Ort: Amtszimmer der Kirche Berlin-Lichtenberg DDR

4. Entschlafenen-Abendmahl und Entschlafenen-Gottesdienste

Aus einer Aktennotiz liest der Stammapostel folgendes vor:

"Nachdem es nun Fälle geben wird, in denen derselbe Bezirksapostel nicht nur einem Apostelbezirk vorsteht, muss diese Frage einheitlich geregelt werden. Wir wollen es künftig so halten:

Der Bezirksapostel hält das sonntägliche Abendmahl für unsere Entschlafenen an dem Ort, wo er dient, für a l l e ihm anvertrauten Arbeitsbereiche.

Hält er am Sonntag-Vormittag keinen Gottesdienst, weil er beim Stammapostel ist, im Urlaub weilt oder aus sonstigen Gründen, wird dies einer seiner Mitapostel in seinem Auftrag durchführen.

In Anlehnung an obige Regelung soll dies bei Entschlafenen - Gottesdiensten genau gleich gehandhabt werden."

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2. Freitod

Stammapostel H. Niehaus war meines Wissens der erste, der im Volke Gottes das Mitleid und Erbarmen auch für solche weckte, die sich - aus welchen Gründen auch immer - das Leben genommen hatten.

Stammapostel W. Schmidt hat unter dem 3. Mai 1962 ein vertrauliches Rundschreiben an die Apostel versandt, das in abgewogener Weise Stellung nimmt zu dem Thema. Wir lassen es hier folgen:

"Meine lieben Brüder und Apostel!

In den letzten Wochen habe ich mehrere Male die betrübliche Mitteilung erhalten, daß treue Glaubensgeschwister freiwillig aus dem Leben geschieden sind.

Was soll man dazu sagen? Wenn der Verstand umnachtet wird, hat der Böse freies Spiel, um die Seelen zugrunde zu richten. Die Ursachen des Selbstmordes sind sehr verschieden. Einmal liegt wirtschaftliche Not vor, das andere Mal Ehezerrüttung, vielfach sündhaftes Verhalten, wodurch der Mensch beunruhigt und getrieben wird, lieber in den Tod zu gehen, als sich zu behaupten. Wenn aber jemand aus dem Kreise der Geschwister Hand an sich legt und seinem Leben ein Ende macht, dann ist die Ursache zu dieser Tat zweifellos ein Geist gewesen, dem man zu dieser Handlung vorher Raum gegeben hat.

Stammapostel Bischoff wurde etwa zwei Jahre vor seinem Heimgang durch einen Apostel ein Fall berichtet, wo ein treuer Priester vormittags noch einen segensreichen Gottesdienst durchgeführt, am Nachmittag sich aber unerklärlicherweise das Leben genommen hat. Als man dem Stammapostel die guten Qualitäten und die gläubige Einstellung dieses Priesters schilderte, wurde er nachdenklich und sagte dann die beachtenswerten Worte: "So treu der Bruder gewesen sein mag, aber trotzdem ist in seinem Herzen eine Tür geöffnet gewesen, durch die der Selbstmordgeist Eingang gefunden hat."

Daß der Selbstmordgeist ein unreiner Geist und deshalb vom Fürsten der Finsternis ist, beweisen

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die mancherlei Traumgesichte, worin sich die Lebensmüden offenbaren, weil sie nicht zur Ruhe kommen können. Es muß dann eine stärkere Macht vom Altar des Herrn eingreifen, diesen Seelen helfend zur Seite zu stehen und sie wieder zu ihrer Ruhe und zum Frieden bringen. Wir können deshalb nichts Besseres tun, als diese irregeleiteten Seelen in unseren Gebeten der Gnade des Herrn anbefehlen, damit sie dann dem Machtbereich des Bösen wieder entrissen werden. Überwinder sind solche Geschwister nicht geworden, aber das Verdienst von Christo Jesu übermittelt ihnen die Gnade, und sie dürfen dann mit uns auf den Tag des Herrn warten.

Was heißt Selbstmord? Mord an sich selbst! Vor dem Herrn ist aber Mord in jeder Form verwerflich. Erfahrungsgemäß haben manche, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind, sich vorher mit diesem Gedanken beschäftigt, wodurch sie leichtsinnigerweise diesem unreinen Geist in ihrem Herzen Raum gegeben haben. Es ist dann zu verständlich, daß auf das Drängen eines solchen Geistes schließlich auch die Tat ausgeführt wird. Noch in den letzten Wochen sind mir zwei Fälle berichtet worden, wo man törichterweise erklärt hat: "Wenn es nicht mehr geht, nehme ich mir das Leben." Ich möchte dringend vor solchen Gedanken warnen und spreche mit Apostel Jakobus: " W i d e r s t e h e t dem Teufel, so flieht er von euch" (Jak. 4,7).

Der Teufel weiß in gegenwärtiger Zeit den Selbstmord schön zu umschreiben. Man sagt dann: "Er war lebensmüde", "Man hat Hand an sich gelegt", "Freiwillig aus dem Leben geschieden", "Er hat den Freitod gewählt", "Er hat das Leben aufgegeben" usw.

Es ist deshalb sehr notwendig, daß unsere Geschwister auch in dieser Hinsicht zur Wachsamkeit über sich selbst angehalten werden. Das innige Gebet ist allemal die beste Waffe, jedem Geist, der an unserer Seele eine zerstörende bzw. vernichtende Arbeit verrichten will, den Weg zu unserem Herzen zu versperren. Das Gebet ist eine Großmacht im Reiche Gottes! Würden unsere Geschwister, die auf diese Weise von uns gingen, im gegebenen Augenblick sich der himmlischen Kräfte, die sie als Träger des Heiligen Geistes empfangen haben, bewußt gewesen sein, hätten sie diesen auch Raum gegeben, damit sie sich entfalten und dem Mordgeist mit Erfolg entgegentreten konnten.

Wir können und dürfen selbstverständlich niemand verurteilen, der in eine solche schwache

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Stunde kommt. Was diese Menschen in ihrer Verzweiflung durchleben, muß furchtbar sein. Unser Mitleid muß deshalb so stark sein, daß wir mit der Kraft unseres Gebetes für sie einstehen, damit sie im Jenseitsbereich aus den Fesseln des Bösen befreit werden. Uns aber, die wir als Apostel das Amt der Gnade und Versöhnung tragen, obliegt in gegenwärtiger Zeit die besondere Aufgabe, auch auf diesen Geist hinzuweisen und davor zu warnen. Das Wort des Apostels Petrus hat nach wie vor seine Bedeutung: "Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge" (i. Petr. 5,8).

Gewiß, der Herr läßt es da und dort zu, wenn Geschwister das Leben aufgeben. Auch die Kinder Gottes haben ihren freien Willen, aber andererseits sind sie auch gewarnt und dahingehend belehrt worden, daß die Folgen eines solchen Handelns hinterher sehr bereut werden. Der himmlische Vater, der uns das Leben geschenkt hat, hat auch allein das Recht, es wieder von uns zu nehmen.

In diesem Sinne möchte ich Euch bitten, die Amtsbrüder zu belehren, damit sie die ihnen anvertrauten Geschwister gegebenenfalls vor einem solchen Schritt bewahren."

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3. Das sogenannte "Ziehen" der Heimgegangenen und die Bitten oder Gebete der Heimgegangenen

Zu genanntem Thema, nämlich zu der Frage, ob die Heimgegangenen die Macht oder das Recht haben, aus dem Kreis der Lebenden welche zu sich zu ziehen, mit anderen Worten: sterben zu lassen, hat Stammapostel H. Niehaus wie folgt Stellung genommen:

In der "Beilage zur Neuapostolischen Rundschau" vom 31. Mai 1914 lesen wir:

Trauerfeier und Gedächtnisrede bei der Beerdigung der sterblichen Hülle des entschlafenen Apostels Bornemann in Iserlohn am 11. Mai 1914 im Kirchlokal der Neuapostolischen Gemeinde.

Heute bringen wir im Anschluß an den in Nr. 21 unseres Blattes erschienenen Vorbericht über die Gedächtnis- und Beerdigungsfeier anläßlich des Heimgangs von dem lieben Apostel Bornemann ausführlichen Bericht über den im Iserlohner Kirchlokal stattgefundenen Trauer- und Gedächtnisgottesdienst.

Wenn ich erinnere an die die Sache betreffenden Zeugnisse in der letzten Zeit, da ist wahrzunehmen: es sind zwei Strömungen offenbar geworden, die als die Auswirkung und den Einfluß von Entschlafenen zu erkennen sind. Das ist ja nun auch nicht zu verwundern.

Zunächst sind es ja die Entschlafenen, mit denen wir in mancherlei Beziehung verbunden sind, die durch uns wollen hier auf Erden sich kundmachen und ihre Loblieder auf Erden wollen hörbar werden lassen. Einst im Schattenwesen waren sie es mit, die in die Wolke gehüllt, Zeugen der Taten Gottes an und unter seinem Volke waren, aber auch interessiert, die ihnen gegebenen Verheißungen an ihren Nachkommen reifen und in Erfüllung gehen zu sehen, heute in der Zeit des Wesens aber sind sie in Jesu Gemeinde mit ihrem Sehnen und Verlangen verborgen gelegt, weil sie nicht ohne uns weitergeführt und vollendet werden können, wir aber auch nicht ohne sie, denn das Ziel und Interesse ist das Gleiche.

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So sind sie es denn auch vielfach durch die Inspiration der Gedanken, dann sind sie aber auch mal Bittende durch uns und somit auch durch uns Sprechende und Handelnde. Und daß ihr Interesse an uns und dem Werke des Sohnes Gottes groß ist, ist leicht zu begründen, denn ihre Werke folgen ihnen in uns, den lebenden Menschen, nach.

Wenn nun einesteils es viele sind, die als Z i e h e n d e offenbar geworden sind, die immer und immer danach ausschauen, wie das auch begreiflich ist, denn geht beispielsweise eine Mutter heim, die sehnt sich nach ihren Kindern und setzt alles daran und sei es auch nur durch Bitten, um die Kinder herüberzuziehen, um sie aus aller Gefahr herauszubringen. So ist es auch mit solchen Heimgegangenen, die den möchten bei sich haben, den sie so sehr lieb gewonnen haben und der nun entschlafen ist und zu ihnen versammelt. Das ist aber eine begrenzte persönliche Sehensweise, darin diese Ziehenden stehen, die geht nicht weit. Aber ganz anders ist es mit den Heimgegangenen, die die Fernsicht haben, daß in uns und durch uns ihr Werk muß weitergeführt werden, die erkennen, daß wir erforderlich sind, um das von ihnen Begonnene weiterzubringen nach dem Plane des Meisters Jesu - die schieben zurück und sei es nur mit der M a c h t d e r B i t t e n i m H e i l i g t u m. Die sagen anders als wie die Ziehenden, die sprechen:

"Bleibt noch zurück und kommt noch nicht nach hier. Wo ihr würdet alle vom Werk genommen, es würde der Zusammenbruch die Folge sein und unsere Hoffnung würde in weite Ferne gerückt werden." Diese Strömungen habe ich durch manche Zeugnisse und viele Gesichte und Träume wahrgenommen. Aber der Schlußakt und die Entscheidung ist das noch nicht, die liegt schließlich doch bei dem Herrn, der der Werkmeister seines Tempels ist und ist erkennbar nach dem Wort: "So wir etwas bitten nach seinem Willen, so höret er uns."

Nicht allein in der Apostolischen Welt, sondern wir wissen und es ist wahrgenommen, auch die Hölle feiert ein Fest, daß dieser, der das Evangelium der Gnade mit Kraft und Erfolg auf Erden verkündigt hat, erst mal aus dem Wege ist. Es ist aber auch eine große Bewegung unter den Entschlafenen, die ebenfalls daran teilnehmend und interessiert sind. Haben sie doch wieder einen gewonnen und bekommen, der für sie eine weitere Hilfe der Sendung ist."

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4. Sonstiges

a) Unter dieser Rubrik soll zunächst gewissermaßen ein Kuriosum gebracht werden. Überweisungsscheine (heutige Personalienblatt - Überweisungen) gab es schon kurz nach der Jahrhundertwende. Die Spalte 14 des fotokopierten Ausschnitts ist hier von Bedeutung. Sie lautet:

Für wieviel Entschlafene versiegelt?

Es wird wohl nicht mehr aufzuklären sein, ob über die stellvertretenden Totenversiegelungen Buch geführt wurde oder ob die Überwiesenen befragt wurden und nach deren Angaben die Eintragungen erfolgten.

Nachstehend bringen wir die auszugsweise Fotokopie:

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Überweisungsschein

(Gibt es hier zu sehen)

Nachträglich habe ich festgestellt, daß der Inhalt des Überweisungsscheines vollständig mit dem Kirchenbuch übereinstimmt.

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b) Weil es m.E. aufhebenswert ist, lasse ich hier noch etwas abschreiben aus einem Rundschreiben des Stammapostels J.G. Bischoff vom 24. Oktober 1951 (B 37). Es betrifft die Frage, ob ein besonderes Opfer für die Heimgegangenen gebracht werden soll:

"Meine lieben Brüder und Apostel!

Dann habe ich noch eine dritte Sache. In der vergangenen Woche wurde mir die Frage gestellt, ob am Sonntag, 4. November, anläßlich des Dienstes für unsere Entschlafenen ein besonderes Opfer für die Heimgegangenen gebracht werden soll, ähnlich wie es in 2. Makkabäer 12,39-46 zu lesen ist. Meine lieben Brüder und Apostel, das geht unter keinen Umständen. Die Seelen werden nicht mit Gold und Silber erlöst, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes (1. Petrus 1,18.19). Bei Judas Makkabäus war dies eine andere Sache; dort stand das Opfer Christi noch nicht zur Verfügung. Wenn wir eine derartige Anordnung treffen würden, dann würden wir die natürlichen Mittel dem Verdienst Christi gleichstellen. Ich bedaure sehr, daß ein derartiger Gedanke überhaupt geäußert wurde. Hierzu kann ich also niemals meine Zustimmung geben. Für mich war, ist und bleibt das Verdienst Christi das einzige Mittel, um Seelen von der Sünde und dem ewigen Tod zu erlösen."

c) Im "Leitfaden für den Religionsunterricht" 1 (1977) ist über die Stiftshütte der Juden und ihren Symbolgehalt für das Werk Gottes in der Gnadenzeit folgendes ausgeführt:

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LEITFADEN

FÜR DEN RELIGIONSUNTERRICHT

DER NEUAPOSTOLISCHEN KIRCHE

1. Jahr

Stiftshütte

Die Stiftshütte war das bewegliche Heiligtum der Israeliten, das Haus oder die Wohnung des Herrn. Wörtliche Übersetzung: Zeit der Zusammenkunft. Hier kam der Herr mit dem Volk zusammen, um mit ihm zu reden.

Das Haus war eigentlich weder eine Hütte noch ein Zelt, sondern ein mit Teppichen belegtes Gerüst, das auf der Wüstenwanderung bei der Rast aufgeschlagen wurde.

Um die Stiftshütte, die aus dem Heiligtum und dem Allerheiligsten bestand, war ein Vorhof von 100 mal 50 Ellen, das sind etwas 52 mal 26 Meter.

(Gibt es hier zu sehen)

Spiegelbild des Himmlischen

Vorhof: Kirche Christi auf Erden; Stürme, Vögel (= Geister); Opfertod Jesu.

Heiligtum: Ewigkeitsbereich der erlösten Gotteskinder.

Allerheiligstes: Der Thron Gottes, wohin der ewige Hohepriester Jesus bei seiner Himmelfahrt gegangen ist.

Wenn Jesus wiederkommt, tritt er aus dem Allerheiligsten, geht durch das Heiligtum (Erste Auferstehung) in den Vorhof und nimmt die Seinen (Verwandlung und Entrückung) in einem Augenblick zu sich.

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d) Dem unter Ziffer 3 genannten Leitfaden entnehmen wir noch das Folgende:

"F: Können Entschlafene am Heilsgeschehen auf Erden teilnehmen?

A: Ja. Die heimgegangenen treuen Gottesknechte und Gotteskinder sind bei allen bedeutsamen Ereignissen im Erlösungswerk Gottes dabei; sie freuen sich mit uns auf den Tag der Ersten Auferstehung. "

e) Aus einer Belehrung, die in der Schweiz erschienen ist, lassen wir noch etwas folgen:

"Wenn unsere Heimgegangenen , die schon längst durch das Verdienst Jesu gerechtfertigt sind, das Heilige Abendmahl genießen, so geschieht es, damit auch sie in der Lebensgemeinschaft mit Christo gestärkt und erhalten werden. Denn Christus muß nicht nur in den Lebenden, sondern auch in den Entschlafenen Gestalt gewinnen. Das bewirkt der Genuß des Heiligen Abendmahles.

Entschlafenen-Gottesdienste

Nicht alle Menschen, die von der Erde Abschied nehmen, gehen als Erlöste und Geheiligte in die Ewigkeit. Den meisten Seelen fehlen die göttlichen Segnungen. Entweder hatten sie auf Erden keine Möglichkeit, mit dem Werk Gottes in Berührung zu kommen, oder sie haben die angebotenen Gnadengaben abgelehnt. Jeder ist zu seinem Volk gesammelt, worunter man die geistige Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft gleicher Ansichten, gleicher geistiger Herkunft, gleichen inneren Verhaltens, gleicher Gedankenwelt und Auffassung versteht.

Vieles ist notwendig, daß solchen Seelen Hilfe und Gnade werde:

a) Das Gebet der Kinder Gottes auf Erden.

Unsere Gebete müssen den Verlangenden Kraft geben, alles zu überwinden, was sie vom Gnadenstuhl trennt (eigene Meinung, Unversöhnlichkeit, Haß usw.). Die Gebete müssen aus einem glaubensstarken

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und von großer Liebe und tiefem Erbarmen erfüllten Herzen kommen.

c) Der Wille der Entschlafenen, erlöst zu werden. Die Erkenntnis des

eigenen Seelenzustandes und die Bedeutung des Gnadenstuhls auf Erden sowie die Sehnsucht nach Erlösung bestärken diesen Willen.

Alles, was Geist und Seele zugute kommt und nicht von dieser Welt ist, geht hienieden über den Weg unseres Leibes nach innen. Während der Wassertaufe berührt der Priester nicht die Seele des Kindes unmittelbar, sondern den Leib. Das Wasser netzt das Haupt des Täuflings, aber die bundesschließenden Kräfte dringen ein und veredeln die Menschenseele. Bei der Heiligen Versiegelung legt der Apostel die Hand auf das Haupt und nicht direkt auf Geist und Seele des zu Versiegelnden. Doch dringt das Leben aus Christo, der Geist des Herrn, in Seele und Geist ein. Bei der Feier des Heiligen Abendmahles nehmen wir die Hostie in den natürlichen Leib auf, aber die Kräfte, die uns mit dem Herrn verbinden, werden in Seele und Geist wirksam. Das Wort: "Dir sind deine Sünden vergeben im Namen Jesu" muß von uns gehört werden, und dann verspürt unser inwendiger Mensch die Kraft. Wichtig ist nur, daß alles im Glauben ergriffen wird. Die Entschlafenen haben keinen Leib mehr. Ihnen können aber die Gnadenmittel dadurch zuteil werden, daß die Handlungen stellvertretend an solchen vorgenommen werden, die noch im Leibe sind. Die Leiber derer, die die Sakramente empfangen, dienen gleichsam als Schale, in die hinein im Haus Gottes die heiligen Güter gelegt werden. Sie sind den Seelen jener Welt zugedacht, die nach dem Willen Gottes zubereitet werden konnten. Jeweils zwei vom Stammapostel oder zuständigen Bezirksapostel bestimmte Amtsträger empfangen somit die sakramentalen Handlungen."

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Kapitel VI

Zusammenfassung

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Zusammenfassung

Über viele Stationen eines langen Weges hinweg hat unser Vater im Himmel durch den Heiligen Geist seinen Knechten auf Erden mehr und mehr Licht gegeben, damit auch jenen geholfen werde, die unerlöst in der Ewigkeit sind.

Vor seiner Himmelfahrt befahl der Herr den Aposteln:

Gehet hin und lehret alle Völker!

Der Herr wußte, welch lange Zeiträume vergehen würden, bis sein Evangelium zu allen Völkern auf Erden hindurchgedrungen sein würde. Er wußte auch, daß während der Evangeliumsverkündigung auf Erden viele Menschen sterben würden, bevor sie mit seinen Boten in Berührung kämen. Es sollten aber auch diese ihn hören nach seinem Hinweis: "daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören (annehmen) werden, die werden leben" (Johs. 5,25). Es muß sich ja auch des Herrn Wort erfüllen, das er einstens dem Nikodemus sagte:

"Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde" (Johs. 3,15-17).

Zu dem Begriff "Welt" (griech. Kosmos) schreibt der Erzbischof unserer Mutterkirche Ludwig Albrecht in seinem Neuen Testament:

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"Welt bedeutet hier: Die ganze von ihm (Gott) abgefallene und ihm feindlich gesinnte Menschheit. " Rienecker fügt in seinem Lexikon hinzu (Stichwort "Welt"), daß diese Welt "gerichtsreif" sei. Sie ist es wirklich, aber Gott hat seinen Sohn für sie dahingegeben, so sehr liebt er alle Menschen, und er hilft ihnen, selig zu werden, auch jenen, die schon drüben sind. - Daß "Welt" umfassend gemeint ist, ist auch katholische Auffassung. - Der schon von Stammapostel H. Niehaus als junger Mann geschätzte und gelesene Bibelkommentar von Otto v. Gerlach verweist noch auf 1. Johs. 2,2 und schreibt dazu: "Und derselbe (Jesus, unser Fürsprecher) ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt!" Wir Apostolischen sehen das Liebesbemühen Gottes und seines Sohnes, unseres Herrn, wie der Apostel Johannes!

Den Weg zur Hilfe für die Toten hat der Herr gewiesen. Der Stammapostel und die Apostel bieten die Hilfe an nach dem Motto: "Wer da will, der komme", aber eingedenk des Wortes Christi: Es kommt niemand zum Vater, denn durch den Sohn (Johs. 14,6).

Zum Beschluß all dessen, was hier gesammelt niedergelegt wurde, lassen wir noch folgen, was im Amtsblatt 1949 auf den Seiten 162/163 steht und ferner etwas, was aus der Feder von Apostel F. Bischoff stammt:

Aus: Amtsblatt 1949, Seite 162/163

Totenfest

Jesus sagte: "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen" (Johannes 14,2). Somit ist für alle, die über die Erde gehen, gesorgt, daß sie in das Bereich kommen, in das sie entsprechend ihrem Zustand rechtlich gehören.

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Die Reiche der sichtbaren Welt geben dafür das beste Beispiel. Die einzelnen Reiche sind durch Grenzen voneinander getrennt. Jedes Reich hat seine eigene Regierung, Gesetze und Sprache. Im Jenseitsbereich ist jedoch der Zustand der Seele, mit dem sie in die Ewigkeit ging, für die Zuweisung ihres Platzes maßgebend. Damit haben auch die Wiedergeborenen zu rechnen.

Jesus wies in der Bergpredigt auf die verschiedenen Seelenzustände hin und gab dementsprechende Verheißungen. Dem reumütigen Schächer am Kreuze, der sich in der Stunde höchster Leibes- und Seelennöte gnadesuchend an den Herrn gewandt hatte, sagte der Herr: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein" (Lukas 23,43), also im Bereich der Begnadigten.

Zunächst ist die religiöse Einstellung der Menschenseele für die Zuweisung des Aufenthaltsortes in der Ewigkeit maßgebend, und dann kommt der Grad der Unvollkommenheit der unerlösten Seelen in Betracht. Innerhalb dieser Bereiche sind die Abstufungen ganz gewaltig und richten sich nach dem, was die betreffenden Personen auf Erden getan haben; denn wie die Aussaat war, so wird die Ernte sein. In Offenbarung 20,12.13 lesen wir, daß die Toten gerichtet werden nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken.

Die Bereiche werden auch als Gefängnisse bezeichnet, aus denen die Insassen nicht herauskommen, bis der letzte Heller bezahlt ist (Matthäus 5,26). Daß dies so ist, geht auch aus dem Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus hervor. Beide gehörten in der Welt ihres Erdenlebens e i n e r Glaubensgemeinschaft an. Nach ihrem Ableben kam der eine an den Ort der Qual, der andere an die Stätte des Trostes. Obwohl sie einer Glaubensgemeinschaft angehörten, waren sie doch durch eine Kluft getrennt, die sie selbst nicht überbrücken konnten. Diesen Zustand finden wir auch im Diesseits vorgebildet. Wer eine lebenslängliche Zuchthausstrafe verbüßen muß, hat aus eigener Macht keine Möglichkeit, in den früheren Zustand der Freiheit zurückzukehren. Seine Angehörigen können ihm auch nicht helfen, obwohl er der gleichen Familie und Gemeinschaft angehört.

Nach dem Eingang in die Ewigkeit kommt für viele Seelen die große Enttäuschung; denn sie sind nicht in den Himmel gekommen, wie man ihnen dies zu Lebzeiten gepredigt hatte. Der Tod hat wohl die Leibeshülle vernichtet, aber nicht das Unrecht und

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die Unvollkommenheiten abgestreift. Ein solcher Zustand ist trostlos, und man kann die Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit dieser enttäuschten Seelen verstehen, in der sie sich nunmehr befinden.

Gott will aber, daß allen geholfen werde, und deshalb arbeiten die Boten des Friedens auf dem Wege Jesu nach, in den verschiedenen Bereichen, um den Seelen die Hilfe anzubieten, die zur Erlösung aus ihrem Zustande nötig ist. Bei der Verklärung Jesu wurde den Entschlafenen, Mose und Elia, gesagt: "Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören" (Matthäus 17,5). Darin liegt also auch die Hilfe für die Jenseitsbewohner. Nehmen sie diese Heilsbotschaft an, so werden sie dahin geleitet, wo sie die Segnungen empfangen, die sie berechtigen, in das für sie bereitete Bereich eingehen zu können.

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Die in Christus Vollendeten

von Apostel F. Bischoff

Der Vorgang, von dem ich hier erzählen will, liegt viele Jahre zurück. Ich ging damals noch zur Schule und verfolgte gerade mit großem Interesse die chemischen Experimente, die uns unser Lehrer zeigte. Ich entsinne mich noch heute sehr gut eines solchen Versuches, bei dem in einem Reagenzglas eine trüb aussehende Flüssigkeit gezeigt wurde. Es kamen einige Tropfen irgendeines anderen, mir heute nicht mehr bekannten Stoffes hinzu, und es war, als ob sich alles Trübe zusammenfand; es entstanden Flocken, sie sanken zu Boden. Über ihnen stand klar und durchsichtig eine helle Flüssigkeit. Es ist seltsam, daß mir gerade dieser Vorgang, der bestimmt in vielen Fabriken täglich, ja stündlich mit großen Mengen wiederholt wird, zu einem Bild unseres Ablebens geworden ist.

Der leibliche Tod steht als das schrecklichste Ereignis vor den Augen der meisten Menschen. Sie fürchten ihn nicht nur, sie hassen ihn sogar, und seit Menschen auf Erden sind und der Tod als der Sünde Sold über sie kam, haben sie nichts unversucht gelassen, ihm zu entrinnen. Der Kampf gegen Krankheit, Siechtum, vorzeitiges Altern, gegen Unfälle, kurz: gegen alle Ursachen des Todes, ist zur Lebensaufgabe von ganzen Generationen geworden. Der Erfolg, mag er sich nach den Statistiken

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in der Verringerung der Sterblichkeit mancher Altersstufen auswirken, mag das allgemeine Lebensalter des Menschen höher geworden sein, zeigt sich nur in einem Hinausschieben des unerbittlich eintretenden Zeitpunktes, in dem dieses undurchsichtige Miteinander von Leib, Seele und Geist auseinanderfällt und zu Boden sinkt, was irdisch und vergänglich war und klar zutage tritt, was sich bereiten ließ in den Tagen, in denen der Mensch hier lebte.

Es war seit je die Frage: Was kommt danach? "Nichts mehr" sagen die einen, und es waren nicht nur solche, die eine Vergeltung zu fürchten hatten, es waren viele dabei, denen dieses "nichts mehr" als das Ergebnis ihres Klügelns und ihres forschenden Verstandes verzweifelte Sorgen machte. Es wäre ihnen lieber gewesen, ihr Verstand hätte ihnen mehr gezeigt als dieses "nichts". "Den Himmel für die Guten und die Hölle für die Schlechten"; das war eine andere Antwort auf die Frage: "was kommt danach?" Und wir sind auch mit dieser Antwort nicht zufrieden, denn sie geht am Wesentlichen vorbei. Sie läßt die Hauptsache ungesagt und vereinfacht auf eine so grobe Weise, daß ihre Aussage nicht mehr wahr ist. Wenn überhaupt noch etwas danach kommt - und es kommt nicht nur etwas, sondern es kommt viel noch danach - dann ist die Voraussetzung: Leben! Leben ist den meisten die diesseits greifbare, sichtbare Welt. Leben ist ihnen Erwerb und Sorge, Arbeit, Freude und Lohn. Und Tod bedeutet ihnen Untergang, Stillstand, Vernichtung.

Uns ist der Tod nur Durchgang, Auszug aus dem Alten, Einzug in das Neue. Das Leben aus Christo ist dem Tode entzogen, darüber hat er keine Gewalt. Und die in Christo leben, weil sie seinen Geist empfangen haben, werden durch den leiblichen Tod nicht aus der Lebensgemeinschaft mit Christo gerissen. Wenn der Leib, der alles verhüllt, was im Inneren eines Menschen sich bildet und sich vollendet, einmal fällt, dann wird nur abgelegt, was irdisch ist und seinen Dienst getan hat. Nichts stirbt von dem, was Geist und Seele erfüllt und sie zum Ebenbild dessen macht, der an ihr wirkte, sei es ein guter oder sei es ein böser Geist, und jeder, der Menschen formt nach seinem Bilde, bereitet sie für sein Reich. Ihm war es gestattet, durch den Willen des Menschen, der sich ihm unterwarf, in die äußere Form zu geben, was aus seinem Wesen kam; und wenn der Tod die Hülle abstreift, wird das Ergebnis eines solchen Wirkens klar sichtbar.

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Gott gab uns sein Leben, damit wir seine Kinder sind und Erben seines Reiches. Er hat uns gepflegt durch seinen Geist, der seine Boten erfüllt, und er hat in uns das Bild seines Sohnes aufgerichtet, damit wir in ihm vollendet werden. Nicht wir allein, sondern alle Schwestern und alle Brüder, die Träger des Heiligen Geistes waren und die vor uns schon in die Ewigkeit gingen. Ihrer gedenken wir. Dieses Gedenken erschöpft sich nicht in einem Gang auf den Friedhof, wo der Leib seinen Ruheplatz gefunden hat, auch sind es keine Tränen, die dieses Gedenken hervorruft, wir gedenken der Unseren als des Teiles unserer Gemeinschaft, der sein Leben jenseits der Grenze führt, wie wir unser Leben in Christo diesseits dieser Grenze leben. Sie sind in einem Bereich, der uns nicht zugänglich ist, und doch ist die Gemeinschaft des Lebens nur eine. So essen wir von einem Brot und trinken aus einem Kelch, wie wir auch einen Geist tragen und in diesem Geiste eins sind, alle, die wir in Christo leben, unsere Brüder und Schwestern der ersten Zeit, wie auch die, die mit uns gewandelt sind und uns voraufgingen, denn es gibt nur ein königliches, priesterliches Geschlecht: die in Christus Vollendeten."

Entnommen aus: Einsichten und Erfahrungen 1,

ohne Jahr, Frankfurt a.M.

221

Band 1

Teil II

222

BELEUCHTUNG DES GLAUBENS

IN DEN GRO?EN CHRISTLICHEN RICHTUNGEN

UND

IN DEN KATHOLISCH – APOSTOLISCHEN GEMEINDEN

223

 

Kapitel VII

Urchristliche Zeit

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Die Juden des Alten Testaments glaubten an die Wirksamkeit des Gebetes für die Toten. So ist das Verhalten des Makkabäers Judas zu verstehen, der ein Sühnopfer für jene sündigen Soldaten anordnete, die bei Maresa gefallen waren:

"Und Judas zog mit seinem Volk in die Stadt Adullam; und weil der siebente Tag herbeikam, reinigten sie sich nach dem Gesetz und hielten den Sabbat daselbst. Am andern Tage darnach kamen sie zu Judas, daß sie ihre Toten holten, wie man pflegt, und bei ihren Vätern begrüben. Da sie sie nun auszogen, fanden sie bei einem jeden Erschlagenen unter dem Hemde Kleinode von den Götzen aus Jamnia, welches den Juden im Gesetz verboten ist. Da ward es offenbar vor jedermann, warum diese erschlagen wären. Da dankten sie Gott, dem gerechten Richter, der das Heimliche so an den Tag gebracht hatte, und baten ihn, er wolle ja um dieser Sünde willen sie nicht alle vertilgen. Und der Held Judas vermahnte den Haufen, daß sie sich forthin vor Sünden bewahren wollten, weil sie vor ihren Augen sähen, daß diese um ihrer Sünde willen erschlagen wären. Darnach hieß er sie eine Steuer zusammenlegen, zweitausend Drachmen Silber; die schickte er gen Jerusalem zum Sündopfer. Und er tat wohl und fein daran, dieweil er dachte an die Auferstehung. Denn wo er nicht gehofft hätte, daß die, so erschlagen waren, würden auferstehen , wäre es vergeblich und eine Torheit gewesen, für die Toten zu bitten. Weil er aber bedachte, daß die, so im rechten Glauben sterben, Freude und Seligkeit zu hoffen haben, ist es eine gute und heilige Meinung gewesen. Darum hat er auch für die Toten gebetet, daß ihnen die Sünde vergeben würde." (2. Makkabäer 12,38-46)

Die Juden glaubten nicht an die Mögl ichkeit der Erlösung der Verstorbenen, wohl aber daran, daß für die, die im Scheol (= Totenreich) schlummerten, gebetet werden könne. Auch aus Texten des Talmud, der Sammlung der Gesetze und religiösen Überlieferungen des nachbiblischen Judentums, geht hervor, daß den Juden die Verwendung des Fürbittgehetes für die Verstorbenen

durchaus geläufig war.

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Geradezu selbstverständlich war es für die Christen der ersten apostolischen Gemeinden, der Verstorbenen im Gebet zu gedenken. Ihr Glaube an die baldige Wiederkunft ihres Herrn und Heilandes, der so bedeutungsvoll in ihrem Ruf "Marana tha" zum Ausdruck kam, führte sie zu einer großen Freude auf das Wiedersehen mit den selig Entschlafenen. Davon zeugen wichtige Textstellen insbesondere aus den Briefen des Apostels Paulus. (1) Auch als er bittet, "der Herr verleihe dem Onesiphorus, daß er finde Barmherzigkeit bei dem Herrn an jenem Tage" (2. Timotheus 1,18), betet er voll Glaubens für einen Entschlafenen.

Gleicherweise bezeugen auch die aus urchristlicher Zeit stammenden Katakomben, daß die ersten Christen für die Heimgegangenen beteten. Sie erflehten für sie ewigen Frieden und ewiges Leben. Dieses ist u.a. aus folgender Quelle klar ersichtlich:

"In der Priscilla-Katakombe ist die Grabschrift einer 27jährigen Jungfrau, Agape, der Tochter von Pius und Eucharis; der letzte Teil ist eine Bitte an die Lebenden um ihr Fürbittgebet: Ich bitte euch, Brüder, wenn ihr hierher kommt, um zu beten, und mit aller Innigkeit den Vater und den Sohn anruft, gedenket dann auch der teuren Agape, daß der allmächtige Gott Agape in alle Ewigkeit bewahre." (2)

Aus der Schriftstelle 2. Makkabäer 15, 11-14 geht hervor, daß auch Verstorbene für die Lebenden beten; damals trat der Prophet Jeremia für das Volk Israel ein:

"Und rüstete sie also, nicht mit Trotz auf Spieß oder Schild, sondern mit Trost auf Gottes Wort. Er sagte ihnen auch ein Gesicht, das glaublich war, das er gesehen hatte, davon alle Mut kriegten. Und das war dies Gesicht: Onias, der Hohepriester, ein trefflicher, edler, gütiger, wohl beredter Mann, der sich von Jugend auf aller Tugend geflissen hatte, der reckte seine Hände aus und betete für das ganze Volk der Juden. Darnach erschien

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ihm ein anderer alter herrlicher Mann in köstlichen Kleidern und in einer ganz herrlichen Gestalt. Und Onias sprach zu Judas: Dieser ist Jeremia, der Prophet Gottes, der deine Brüder sehr liebhat und betet stets für das Volk und die heilige Stadt."

In urchristlicher Zeit pflegten die Lebenden diesen Glauben. Sie flehten die Voraufgegangenen um ihre Fürbitte an. Eine Grabschrift lautet:

"Gentianus, ein gläubiger Christ, ruht im Frieden. Er lebte 21 Jahre, 8 Monate, 16 Tage. In deinen Gebeten bitte für uns; denn wir wissen, daß du in Christus bist." (3)

So haben die Christen der beiden ersten Jahrhunderte mit ihren Verstorbenen in enger Verbindung gestanden. Sie glaubten: Die meisten von ihnen sind noch an einem Warteort und harren ihrem ewigen Ziel entgegen; wir aber können ihnen helfen durch unser Gebet. Sie wußten sich mit der Ewigkeit eng verbunden. Die Lebenden und die Entschlafenen machten die Gemeinschaft der Heiligen (lateinisch: communio sanctorum) aus.

Wichtig ist zu vermerken, daß die ersten Christen auch für die Entschlafenen das heilige Abendmahl feierten. Es war für sie geradezu selbstverständlich, daß die Heilstaten Christi auch in die jenseitigen Bereiche hineinwirken. In diesem Zusammenhang muß wiederum auf 1. Korinther 15,29 verwiesen werden. Über diese Tradition erfahren wir von Cyrillus, Bischof von Jerusalem, der um 300 lebte:

"Wir bringen den für unsere Sünden geopferten Christus dar, sowohl für sie, als auch für uns, und versöhnen so den gnädigen Gott." (4)

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Kapitel VIII

Frühchristliche Zeit

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Mit dem Hinscheiden der Apostel war den Gemeinden das leitende Amt genommen. Bischöfen und weiterer Amtsträgern der Gemeinden fiel die Aufgabe zu, ihr Erbe zu bewahren, eine Aufgabe, die zwangsläufig nicht zu lösen war. So kam es in den Jahrhunderten der Spätantike und des frühen Mittelalters, in denen sich die durch das Papsttum geführte katholische Kirche herausbildete, zur Verflachung des lebendigen Glaubens, zur Verweltlichung und insbesondere zu einer wissenschaftlichen verstandesmäßigen Durchdringung der Glaubensinhalte. Auch heidnische Einflüsse fanden Raum in der Kirche.

Felsenfest waren die Christen davon überzeugt, daß die Apostel im ewigen Reich weilen und teilhaben an der Herrlichkeit ihres Herrn und Meisters. In Anlehnung an Matthäus 19,28:

"Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Ihr, die ihr mir seid nachgefolgt, werdet in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels."

glaubten sie an die Apostel als mächtige Fürsprecher der Lebenden und der Verstorbenen am Throne Christi.

In hohem Ansehen verblieben auch die Märtyrer; man wußte sie beim Herrn und glaubte an die Kraft ihrer Fürbitte. Aus diesem entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte innerhalb der katholischen Kirche die Heiligenverehrung.

Zu der urchristlichen Gepflogenheit, das heilige Abendmahl auch für die Verstorbenen zu feiern, gesellten sich heidnische Bräuche, und es entstand der Kult des Totenmahles. In heidnischer Zeit war es Sitte

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gewesen, an den Gräbern der Toten Speisen und Getränke zu bereiten, um den Schatten der Toten Erquickung und Labung zu bringen. Und als die Christen an den Gräbern der Entschlafenen das Abendmahl feierten, da meinte hier und da das einfache, für äußerliche Gebräuche empfängliche Volk, die alte Tradition aufnehmen zu müssen. So entstand ein Volksbrauch, der deutlich macht, wie man von der Apostellehre abgewichen war: Familien versammelten sich am Grab ihres Verstorbenen und hielten einen fröhlichen Schmaus. (5)

Gegen diese Volksfrömmigkeit zogen die Kirchenlehrer zu Felde. Statt Verbote auszusprechen, griffen sie zu Argumenten. Sie fühlten sich gezwungen, zu dem Verhältnis der Lebenden zu den Toten verbindliche Lehrmeinungen zu entwickeln.

Die Lehren der Kirchenväter haben für die Folgezeit der katholischen Kirche als Grundlage gedient, so daß die Behandlung ihrer Aussagen zugleich Auskunft erteilt über die entsprechenden Lehrmeinungen des Katholizismus.

Am Abschluß der Behandlung der urchristlichen und frühchristlichen Zeit soll ein besonders eindrucksvolles Zeugnis vom Ewigkeitsglauben der ersten Christen stehen: Um das Jahr 202 begann die Christin Perpetua ihre Lebensbeschreibung, in der u.a. zu lesen ist:

"Ich erkannte, daß ich nun würdig war, für Dinokratus zu beten. Ich begann daher, für ihn viele Gebete zu verrichten und viele Seufzer zum Herrn emporzuschicken. Des Nachts hatte ich eine Vision: Ich sah Dinokratus, wie er gerade aus einem dunklen Ort kam, wo sich viele andere Personen aufhielten. Sein Antlitz war traurig, bleich, entstellt durch die Todesqual. Dinokratus war mein Bruder dem Fleische nach. ( ... ) Zwischen mir und ihm sah ich einen großen Zwischenraum, den weder der eine noch der andere überschreiten

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konnte. Dort, wo Dinokratus stand, befand sich ein Becken voll Wasser. Der Rand dieses Beckens war so hoch, daß ihn ein Kind kaum hätte erreichen können. Ich erwachte und begriff, daß mein Bruder litt ..." Perpetua bat nun noch inständiger für ihn. Einige Zeit später hatte sie einen neuen Traum: "Das Licht hatte die Finsternis überwunden. Dinokratus hatte ein lächelndes und fröhliches Angesicht. Er war gut gekleidet, die Qual seiner Züge war verschwunden. Der Brunnenrand war niederer geworden, und er konnte leicht Wasser aus dem Becken schöpfen. Auch trank er aus einem Gefäß, das neben ihm stand, und dessen Wasser nicht abnahm." (6)

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Kapitel IX

Die Lehre der Kirchenväter

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Im 4. Jahrhundert begann die Zeit der Kirchenväter, in deren Schriften sich vieles als Kirchenlehre verfestigte, was zuvor schon längst religiöser Brauch war. Der als hohe Autorität verehrte Patriarch von Konstantinopel Chrysostomus (354 - 407) führte die Handhabung der Fürbitte für die Toten ausdrücklich als alte berechtigte Gepflogenheit auf die Autorität der Apostel zurück. (7)

Wie er, so lehrte auch der größte der Kirchenväter, Augustinus (353 - 430), Bischof von Hippo-Rhegius in Nordafrika, daß das Gebet der Lebenden den Toten nütze und daß nicht nur von den Verwandten, sondern auch im allgemeinen Kirchengebet für die Toten zu beten sei. (8)

Wie sehr die verstandesmäßige Durchdringung vorangetrieben wurde, zeigt sich in folgenden Gedankengängen Augustins: Die große Zahl der Verstorbenen ist in drei Gruppen oder Klassen zu gliedern, die je nach ihrer im Diesseits erlangten Würdigkeit verschiedene Zustände in der Zeit zwischen Tod und allgemeiner Auferstehung einnehmen. Die durch Glaube und Liebe Geläuterten befinden sich in ungestörter Ruhe. Diese werden zur ersten Gruppe gezählt; sie bedürfen der Fürbitte nicht mehr. Die zweite Gruppe machen die ungläubig in ihren Sünden Gestorbenen aus. Sie sind in völligem Elend; Gebete der Lebenden können ihnen nicht helfen, da die Gnadenfrist ihres Lebens versäumt und kein Grund zur Erlösung gelegt wurde. Die zur dritten Gruppe gehörige große Zahl derer, die zwar im rechten Glauben, aber noch nicht völlig gereinigt dahingehen, kann noch nicht zur endgültigen Ruhe eingehen. Sie ist aber a uch noch nicht völlig verstoßen. Durch eine weiterreichende Reinigung können jene Seelen aus diesem Zwischenzustand in die völlige Ruhe eingehen. Sie sind der Fürbitte der Lebenden bedürftig.

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Diese Gedanken Augustins (9) zeigen den hohen Grad der verstandesmäßigen Durchdringung, die ihre Grenze in der Lehre des Apostels Paulus aus 2. Korinther 5,10 findet:

"Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse."

Es bleibt offen, ob Augustinus unter Berücksichtigung dieses Wortes daran gedacht hat, auch für Ungläubige nach deren Tod zu beten. Die oben nachvollzogenen Gedankengänge schließen dieses an sich aus.

Somit entstand ein Lehrgebäude, an dessen Fortentwicklung Kirchenlehrer, Päpste und Konzilien arbeiteten, in Dogmen gepreßt, nur den Theologen verständlich und weit ab von der Religiosität des einfachen Volkes.

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Kapitel X

Die orthodoxe Kirche

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Die geschichtliche Entwicklung brachte es mit sich, daß im Jahre 1054 eine Trennung in eine West- (römisch-katholische Kirche) und eine Ostkirche (griechisch-orthodoxe Kirche) vollzogen wurde.

Innerhalb der Ostkirche erhielt sich die altchristliche Tradition in stärkerem Maße. Für die Toten zu beten, blieb den orthodoxen Christen eine heilige Verpflichtung. Man betrachtete den Zustand der verstorbenen Seelen bis zum Tag des Gerichts als ein Provisorium, einen "Zwischenzustand".

Abgesehen von den Märtyrern und Heiligen, welche nach Ansicht vieler östlicher Theologen in den Himmel eingegangen sind, weilen die körperlosen Seelen während dieser Zwischenzeit in der jenseitigen, "unsichtbaren" Welt. Diese zerfällt in zwei verschiedene Teile: der eine ist das irdische "Paradies", aus dem Adam vertrieben wurde und das Christus dem reuigen Schächer verhieß; es ist der "Schoß Abrahams", eine Stätte des "Lichtes, Trostes und Friedens" für die im Glauben entschlafenen Gerechten, fällt jedoch nicht mit dem Himmel zusammen. Der andere Teil ist der "Abgrund" (Luk. 8,31) oder "tiefste See", eine Stätte der "äußersten Finsternis" (Mt. 22,13), der Höllenkerker, "das Gefängnis der Geister" (l. Petr. 3,19). Dieser darf jedoch nicht verwechselt werden mit dem Feuer der Gehenna, in welches die Verdammten erst nach der Auferstehung und dem Endgericht kommen. Im Jenseits erfahren also die Seelen der Entschlafenen lediglich einen Vorgeschmack ihres ewigen Loses, die Gerechten einen Vorgeschmack der ewigen Seligkeit, die Sünder einen Vorgeschmack der ewigen Verdammnis.

In dem Zwischenzustand zwischen Tod und Endgericht können die Seelen, die aus diesem Leben geschieden sind, ohne für ihre Sünden Buße getan zu haben,

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Erleuchtung, Erquickung und schließlich völlige Befreiung aus ihren Qualen erlangen, nicht jedoch auf Grunc einer Genugtuung durch ihre eigenen Strafleiden, sondern einzig und allein durch die Barmherzigkeit Gottes. An diese göttliche Barmherzigkeit appellieren die Gläubigen in ihren Gebeten für die Toten, an sie appelliert die Kirche bei der Feier des Abendmahles. In den liturgischen Totengebeten, besonders beim Begräbnisritus, erbittet die orthodoxe Kirche den Dahingeschiedenen Vergebung der Sünden, Trost und Erquickung für den Zwischenzustand und Bewahrung vor der Verdammung zum ewigen Feuer für das Endgericht. (10)

In der Basilius-Liturgie heißt es noch heute:

"Der hehren, körperlosen, himmlischen Mächte, des heiligen Johannes des Propheten, Vorläufers und Täufers, der heiligen, ruhmreichen und allverehrten Apostel, des (der) heiligen N., dessen (deren) Gedächtnis wir begehen, und aller Deiner Heiligen (auf deren Fürbitte Du uns in Gnaden heimsuchen wollest). Gedenke auch aller, die entschlafen sind in der Hoffnung auf die Auferstehung zum ewigen Leben, des Knechtes N. (der Magd N., der Knechte N.N., der Mägde N.N.), und verleihe ihnen die Ruhe dort, wo das Licht Deines Antlitzes leuchtet." (11)

Aus dem Wortlaut der Totengebete geht hervor, daß durch das Gebet der Kirche und ihrer Gläubigen eine Rettung der sündigen Seelen nach dem Tod möglich ist, und zwar in einem doppelten Sinne: im Zwischenzustand eine Befreiung aus den zeitlichen Qualen und ein Eingehen ins Paradies, beim Endgericht ein Verschontbleiben von den ewigen Qualen der Feuerhölle, der Gehenna. Wo dieses Gebet nicht die Befreiung aus den Höllenbanden erwirkt, da vermag es wenigstens ein wenig Trost, eine zeitweilige Linderung der Qualen zu gewähren .

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Man erbittet Vergebung der Sünden ohne Unterschied für alle im Glauben Entschlafenen, auch wenn sie die größten Sünder sein mögen.

So ist der Grundgedanke, daß alles, was dem Endgericht vorausgeht, nur vorläufig ist und daß das Los einer Seele nach dem Tode gebessert werden könne durch das Gebet der Lebenden.

Die griechische Kirche kennt keine Seelenmessen, wohl aber eine Gedächtnisfeier für die Entschlafenen am Sonnabend vor Pfingsten und am Sonnabend vor dem letzten Sonntag des griechischen Kirchenjahres, welches im September beginnt. Man zieht in feierlicher Prozession zum Friedhof, wo unter Räuchern und Besprengungen nach den vier Himmelsrichtungen in Gesängen und Gebeten der Friede Gottes auf die Gräber herabgefleht wird.

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Kapitel XI

Die katholische Kirche

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Ein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der Lehre vorn Leben nach dem Tode zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche liegt in der Lehre vom Fegefeuer. Diese ist der Ostkirche fremd, nimmt hingegen in der abendländischen Kirche einen gewichtigen Platz ein und hat insbesondere für den Glauben des einzelnen Katholiken eine erhebliche Bedeutung gewonnen.

Die katholische Kirche unterscheidet zwischen der Vergebung der Sünden und dem Nachlaß der Sündenstrafen. In einem Sakrament der Buße, der Beichte, werden - so die Lehre - zwar die Sünden und die ewigen Sündenstrafen, nicht aber alle sogenannten "zeitlichen Sündenstrafen" nachgelassen. Letztere werden durch freiwillige Genugtuungswerke, besonders den Ablaß, getilgt. Die nicht getilgten zeitlichen Sündenstrafen müssen nach dem Tode im Fegefeuer abgebüßt werden.

Das Fegefeuer ist nicht die Hölle. Es stellt ein Reinigungsfeuer für alle Seelen dar, die einmal in den Himmel kommen, zuvor aber noch ihre Sündenstrafen abzubüßen haben. Das Fegefeuer hört nach dem allgemeinen Gericht Gottes am Ende der Zeiten auf.

Über die Frage, wie lange eine Seele im Fegefeuer verweilen muß, gibt die römisch-katholische Kirche keine Auskunft. (Hier und da spricht sie einen Toten selig, wonach dieser dann die ewige Seligkeit erlangt habe.)

Der Ablaß, so lehrt sie weiter, ist die vor Gott gültige Nachlassung zeitlicher Sündenstrafen für die bereits in der Beichte vergebenen Sünden. Er wird von der Kirche ausgeteilt, indem sie die unendlichen Genugtuungswerke Christi und den Schatz der überschüssigen

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Werke Marias und der Heiligen den Lebenden durch Lossprechung, den Verstorbenen durch Fürbitte zuwendet.

Einen Ablaß empfängt, wer gebeichtet und am Abendmahl teilgenommen hat, die Absicht in sich trägt, den Ablaß zu erhalten, und die von der Kirche dazu vorgeschriebenen Werke tut. So muß er z.B. an einer Wallfahrt teilnehmen oder eine Reliquie verehren oder bestimmte Gebete verrichten (z.B. den Rosenkranz).

Die Lehre vom Fegefeuer und vom Ablaß geht auf Augustinus und Gregor den Großen (590 - 604), der als Papst mit Erfolg die Ausbreitung und Festigung des katholischen Glaubens betrieb, zurück und wurde bald zur sicheren Tatsache erklärt. Innerhalb des Katholizismus des Mittelalters wurde sie ohne Widerspruch angenommen; die Ostkirche allerdings und zu späterer Zeit die Reformatoren nahmen gerade an diesen Lehrmeinungen heftigen Anstoß.

Die Kirche hat die Lehre über das Fegefeuer auf dem Konzil von Florenz im Jahre 1439 wie folgt definiert:

"Die Seelen derer, die mit wahrer Reue und in der Liebe Gottes aus dem Leben scheiden, bevor sie durch würdige Früchte der Buße für ihre Vergehen und Unterlassungen Genugtuung geleistet haben, werden nach dem Tode mit Läuterungsstrafen gereinigt. Zur Milderung dieser Strafen nützen ihnen (den armen Seelen) die Fürbitten der lebenden Gläubigen, nämlich Meßopfer, Gebete und Almosen und andere Werke der Frömmigkeit, die die Gläubigen gemäß den Einrichtungen der Kirche füreinander zu verrichten pflegen." (12)

Um diese Zeit begann man auch der jenseitigen Welt Ablässe zuzuwenden. Im Jahre 1457 gewährte Papst Callixtus III. zum ersten Mal in einem öffentlichen Dokument Ablässe zugunsten von Seelen des Fegefeuers. Dieser Brauch wurde beibehalten unter Berücksichtigung

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des Gedankens, daß die Zuwendung der Ablässe für die Verstorbenen dem Urteil Gottes unterworfen sei, dessen Gesetz man nicht kenne. (13)

Der "Katholische Volkskatechismus" von 1914 gibt an: (14)

"Wir können den Seelen im Fegefeuer helfen durch das hl. Meßopfer und durch gute Werke, wie Gebet, Fasten, Almosengaben, Empfang der hl. Sakramente und Gewinnung von Ablässen ... Durch weltliche und übermäßige Trauer wird den Verstorbenen nicht geholfen ... Die Angehörigen der Verstorbenen sind am meisten verpflichtet, ihnen zu helfen ... Das Gebet für die Verstorbenen ist ein Werk der Barmherzigkeit ... Es nützt den Verstorbenen und nützt dem Betenden ... "

Somit wird deutlich, daß die katholische Kirche zwar die urchristliche Tradition hochhalten will, ihrer Lehre aber Elemente beifügt, die nicht biblisch zu begründen sind.

Wie bereits angedeutet, wendeten sich gegen die unbiblischen Lehrinhalte insbesondere die Reformatoren, allen voran Martin Luther. Aber auch in späterer Zeit erhoben sich hier und da mahnende Stimmen aus den Reihen der katholischen Theologen, die an die Grundfesten christlichen Glaubens erinnerten. Ignaz von Döllinger (1799 - 1890), ein äußerst gebildeter Theologe und anerkannter Historiker, gehört zu diesen. Seine Kritik an der Kirche führte zu seiner Exkommunikation; er wendete sich einer anderen Glaubensgemeinschaft zu, den Altkatholiken. Sehr bemerkenswert ist, was er im Hinblick auf 1. Korinther 15,29 schreibt:

"Eines eigentümlichen Gebrauchs, nämlich einer stellvertretenden Taufe für Verstorbene, gedenkt Paulus. Unter den Gründen für die Auferstehung macht er nämlich auch den geltend, daß diejenigen, welche sich für Verstorbene taufen ließen, sonst etwas ganz Törichtes und Widersinniges tun

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würden. Es war dies also ein damals nicht ungewöhnlicher Vorgang. Wahrscheinlich geschah es für solche, welche die Absicht, sich taufen zu lassen, zu erkennen gegeben, aber vor der Erfüllung ihres Vorsatzes gestorben waren. Es war dann ein überlebender Verwandter, der sich statt des Toten taufen ließ, um damit öffentlich der Gemeinde ein Zeugnis zu geben, daß der Abgeschiedene dem Wunsche und der Gesinnung nach als Glied der Kirche gestorben sei, und um dadurch für ihn die kirchliche Fürbitte zu erlangen, welche sonst den ohne Taufe Verschiedenen nicht gewährt wurde." (15)

Unübersehbar ist das Bemühen um Wahrung der reinen Lehre.

Dieses Streben kennzeichnete den großen Reformator Luther in besonderer Weise, als er am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg schlug.

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Kapitel XII

Luther und die evangelische Kirche

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Höhepunkt der Verweltlichung der Kirche am Anfang des 16. Jahrhunderts war der Ablaßhandel. Der Papst hatte einen "großen Ablaß" verkündet. Wer einen "Ablaßbrief" kaufte, dem sollten die Strafen im Fegefeuer für seine Sünden erlassen sein. Die Gelder waren für den Neubau der Peterskirche in Rom bestimmt. Mönche durchzogen das Land und verkauften die Ablaßbriefe. Sie fragten nicht viel danach, ob die Menschen ihre Sünden auch bereuten. Ebenfalls sei ein vollkommener Ablaß für die Toten zu gewinnen, wenn nur Geld gespendet werde. Der Dominikanermönch Tetzel trieb bei Wittenberg sein Unwesen. Ihm werden die Worte in den Mund gelegt: "Wenn das Geld im Kasten klingt, im Hui die Seel' in den Himmel springt."

Martin Luther erfuhr von dem Ablaßhandel als Priester. Seine Sorge um die Reinheit der Lehre trieb ihn dazu, 95 Thesen zu veröffentlichen, die die Mißstände scharf anprangerten.

In der 8. These lehrte er:

"Die kirchlichen Bußgesetze sind bloß den Lebenden auferlegt und können die Toten gar nicht betreffen." (16)

Im Verlaufe der Auseinandersetzung Luthers mit den Vertretern der päpstlichen Kirche bildete sich allmählich auch seine Lehre von dem Leben nach dem Tode heraus. Die Inhalte, die er verkündete, sind immer auf dem Hintergrund seines Kampfes gegen die verweltlichte Kirche zu sehen. So ist auch seine weitgehende Abkehr von der kirchlichen Tradition zu erklären, welche eben auch die deutliche Trennung von den urchristlichen Glaubensgrundsätzen bedingte.

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Luther verwarf die Lehre vom Fegefeuer und mit ihr alle Vorstellungen, man könne durch Gebet oder Werke Toten einen Dienst erweisen.

In seinem "Glaubensbekenntnis" von 1528/29 schreibt Luther:

"Das Ablaß aber, so die päpstliche Kirche hat und gibt, ist eine lästerliche Trügerei; nicht allein darum, daß sie über die allgemeine Vergebung, so in aller Christenheit durch das Evangelium und Sakrament gegeben wird, eine sonderliche erdichtet und anricht, und damit die gemeine Vergebung schändet und vernichtiget, sondern daß sie auch die Genugtuung für die Sünde stellet und gründet auf Menschenwerk und der Heiligen Verdienst, so doch allein Christus für uns genug tun kann und getan hat.

Für die Toten, weil die Schrift nichts davon meldet, halt ich, daß aus freier Andacht nicht Sünde sei, so oder desgleichen zu bitten: Lieber Gott, hats mit der Seelen solche Gestalt, daß ihr zu helfen sei, so sei ihr gnädig. Und wenn solches einmal geschehen ist oder zwei, so laß es genug sein. Denn die Vigilien und Seelmessen und jährliche Begängnisse sind kein nütze, und ist des Teufels Jahrmarkt.

Wir haben auch nichts in der Schrift vom Fegfeuer, und ist freilich auch von den Poltergeistern aufgebracht; darum halt ich, daß nicht not sei, eins zu glauben." (17)

Diese energische Abkehr von der katholischen Kirche wurde in der Reformationszeit zum Allgemeingut der Protestanten. Ähnlich deutlich heißt es in der von Philipp Melanchthon (1497 - 1560), dem aus dem Humanismus kommenden philosophischen Kopf der Reformation, 1531 verfaßten "Apologie der Konfession", dem wissenschaftlichen Kommentar zur wichtigen protestantischen Bekenntnisschrift, der "Augsburger Konfession":

"Es folget, daß die Messe, die man für die Toten hält, unnütz und nichts sei. Denn es ist gewiß, daß solche Messe halten für die Toten in der Schrift gar kein Grund hat ..." (18)

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In der nachreformatorischen Zeit wurde in der evangelischen Kirche die private Fürbitte für die Toten zwar zugelassen, das Gebet für Entschlafene als gottesdienstliche Einrichtung aber abgelehnt.

In den Kirchenordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts wird dann doch eine solche Fürbitte einbezogen. Das geht offensichtlich auf das im einfachen Volk verbreitete Bedürfnis, der entschlafenen Verwandten im Gebet zu gedenken, zurück. Die bedingungslose Haltung der lutherischen Theologie stand der Volksfrömmigkeit entgegen. Dieses Spannungsverhältnis bewog einige evangelische Geistliche, über die Frage der Fürbitte für die Toten neu nachzudenken.

Der Stuttgarter Theologe Leibbrand faßte 1864 alle diesbezüglichen Gedanken und Erwägungen zusammen (19) und kam zu dem Schluß: Das Gebet für die Toten in der evangelischen Kirche ist zulässig und recht. Dabei spielte für ihn folgende Überlegung eine besondere Rolle:

"Wenn man nun zu wählen hätte zwischen einem Begräbnis von Christenmenschen ohne alle Betätigung von Seiten der Kirche und einer Betätigung, bei welcher die Geistlichen nicht nur die Lebenden trösteten und ermahnten, sondern auch für die Toten bäten, für welche Wahl würde sich das Gefühl der bei weitem meisten Christen entscheiden? Wir zweifeln nicht, daß sie nach der letzteren griffen ..." (20)

Diese Erkenntnis setzte sich wiederum nur bedingt durch. Gegenwärtig ist die Lehre der lutherischen Kirche in dieser Frage durchaus noch Luthers Haltung sehr nahe. Infolge eines an Konturen armen Ewigkeitsglaubens entfällt die Notwendigkeit der Gebetsverbindung mit der Ewigkeit. Allenfalls bei der Bestattung erfolgt ein Fürbittegebet für den Verstorbenen.

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Dazu sei aus dem gegenwärtig gültigen "Evangeli schen Erwachsenen-Katechismus" (21) zitiert:

"Es wird manchmal gefragt, ob die kirchliche Bestattung mehr auf den Toten oder auf die Trauernden ausgerichtet sei. Ein Entweder-Oder ist hier nicht angebracht. Die christliche Gemeinde handelt an einem ihrer Glieder, das gestorben ist. Die Gemeinschaft der Glaubenden, die Kirche, wird durch den Tod nicht zerbrochen. Wie im Leben, so ist auch im Tode der Christ auf die Gemeinschaft angewiesen. Im Gebet tritt die Gemeinde für den Entschlafenen vor Gott ein, sie erbittet für ihn Vergebung der Schuld, Annahme bei Gott und das ewige Leben. Wenn in manchen Gemeinden der Tote am Grabe gesegnet wird, dann ist das ein sinnenfälliger Ausdruck für die Verbundenheit über den Tod hinaus. Dieser Segen ist eine Zuspitzung der Fürbitte für den Verstorbenen.

Der dreimalige Erdwurf zeigt die Vergänglichkeit des Menschen. Welcher Zusammenhang zwischen dem irdischen Leib und dem neuen Leben der Auferstehung besteht, übersteigt unsere Vorstellungen.

Bestattungsgebet

Herr Gott, du hast Macht über Leben und Tod, du bist der Herr der Geister und alles Fleisches, du tötest und machst wieder lebendig, du führst in die Hölle und wieder heraus. Du hast den Menschen geschaffen und ziehst deine Heiligen zu dir, daß sie bei dir Ruhe finden. Du allein bist unvergänglich und unwandelbar; du veränderst und wandelst deine Geschöpfe und gibst ihnen eine neue Gestalt.

Wir bitten dich für unsern entschlafenen Bruder (unsere entschlafene Schwester): laß ihn (sie) ruhen in deinem Frieden, erwecke ihn (sie) an dem Tage, den du nach deinen untrüglichen Verheißungen heraufführen wirst, und gib ihm (ihr) das Erbe der Heiligen in deinem ewigen Reich. Gedenke nicht seiner (ihrer) Sünden und gib, daß sein (ihr) Ausgang voll Frieden sei. Heile die Trauer derer, die um ihn (sie) Leid tragen, mit deinem Trost und schenke uns allen ein gutes Ende. Um Jesu Christ, unseres Herrn, willen."

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Die hier vorgetragene Haltung stellt ein gewisses Zugeständnis an die Frömmigkeit einzelner Protestanten dar. Auf dieselbe meinte man Rücksicht nehmen zu müssen, was im weiteren auch in der Einführung eines Totenfestes im November jeden Jahres deutlich wird. Im "Kirchlichen Handlexikon" von Justus Naumann (1900) findet diese mangelnde Festlegung einen bemerkenswerten Niederschlag:

"Es verstand sich von selber, daß die e v a n g e l i s c h e Kirche eine in Fürbitten und Messen für die Toten bestehende Art des Gedächtnisses ihrer Entschlafenen verwerfen mußte. Doch weiß auch sie sich mit der triumphierenden Kirche eng verbunden, gedenkt des Abscheidens ihrer Glieder zwar nicht fürbittend, aber dankend im Gemeindegottesdienst und bekennt über ihren Gräbern bei der Bestattung die Hoffnung des ewigen Lebens, welche sie in Christo hat. Dabei hätte man es auch bewenden lassen sollen. Statt dessen hat moderne Sentimentalität im Bunde mit unklaren dogmatischen und liturgischen Anschauungen auch hier ein eigenes T o t e n f e s t eingerichtet und auf den letzten Sonntag nach Trinitatis verlegt, bei welchem aller im verflossenen Kirchenjahr Verstorbenen gedacht werden soll. Die preußische Landeskirche ging damit voran (Verordnung vom 25. November 1816), und ihr sind andere protestantische Landeskirchen (auch konfessionell-lutherische wie die des Königreichs Sachsen) gefolgt, ohne daß man sich klar machte, daß kirchliche Feste eine Heilstat Gottes voraussetzen, welche man feiert, und daß das natürlich-menschliche Gefühl pietätvoller Erinnerung an die Verstorbenen sich nicht zum Gegenstand einer kirchlichen Feier eignet, wenn man mit derselben nicht dogmatische Anschauungen verbindet, die sich mit dem Evangelium nicht vertragen. Um den über das Hinscheiden geliebter Angehörigen Trauernden den Trost der Christenhoffnung zu bieten oder die Gemeinde an Tod und Gericht zu erinnern, bedarf es doch keines besonderen Totenfestes, um so weniger, als ohnehin die letzten Sonntage nach Trinitatis den Blick ganz besonders auf die letzten Dinge richten und nicht bloß das Osterfest, sondern auch zahlreiche Sonntage die Hoffnung der Auferstehung und des ewigen Lebens zum Ausdruck bringen. Der Beifall, den dies moderne Totenfest gerade bei der großen Menge gefunden hat, die sich sonst um die Kirche und ihre Feste wenig kümmert, ist nicht

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sowohl ein Beweis für seine Berechtigung, als vielmehr ein Zeugnis, daß man mit demselben den festen Boden klarer und korrekter kirchlicher Grundsätze verlassen hat und jener Anschauung Vorschub leistet, welche die Bedeutung kirchlicher Handlungen wesentlich in der religiösen Weihe sieht, welche die Kirche den Ereignissen des natürlichen Menschenlebens und den Empfindungen des natürlichen Menschenherzens geben soll, und dieselben zu einer Dekoration des Natürlichen herabwürdigt." (22)

Die lutherische Haltung wird in entsprechenden Kommentaren vor allem auf folgende Bibelstellen gestützt:

"Also wird nun ein jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben." Römer 14,12

"Keineswegs vermag jemand seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben." Psalm 49,7

"Es soll keiner unter dir gefunden werden, der die Toten befragt. Denn ein Greuel für den Herrn ist ein jeder, der diese Dinge tut." 5. Mose 18,10-12

Zudem sei noch auf den Kommentar Luthers zu 1. Korinther 15,29 hingewiesen:

"taufen über den Toten': Die Auferstehung zu bestärken/ ließen sich die Christen taufen/ über den Gräbern der Toten/ und deuten auf dieselbigen/ daß eben dieselbigen würden auferstehen." (23)

Letztlich sei nochmals das "Kirchliche Handlexikon" von Naumann zitiert, worin die Bandbreite lutherischer Lehrmeinung deutlich zum Ausdruck kommt:

"Totentaufe war nach 1. Kor. 15,29 eine in der korinthischen Gemeinde bekannte und geübte Sitte, deren der Apostel als eines deutlichen Zeugnisses vom Auferstehungsglauben Erwähnung tut, über deren Bedeutung aber unter den Exegeten große Meinungsverschiedenheit besteht. Von der Tatsache aus, daß der Apostel diese Sitte ohne jeglichen

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Tadel erwähnt, hat schon Epiphanius die Totentaufe von der Taufe der Katechumenen auf dem Totenbett verstanden und Calvin, Flacius, Estius, Bengel u.a. pflichteten ihm bei. Chrystostomus, Theophylakt, Melanchthon u.a. denken an die toten Körper, für die die Taufe das Unterpfand der Auferstehung sei, während Luther mit anderen annimmt, daß die Christen in Korinth sich zum Ausdruck ihres Auferstehungsglaubens "über den Toten" d.h. auf ihren Gräbern, taufen ließen, was nach Origenes wenigstens eine Sitte späterer Zeit war; man liebte besonders die Taufe über den Gräbern der Märtyrer. Auch hat man in dem Sinn an eine Taufe für die (zum besten der) Toten gedacht, daß eine gewisse Zahl von Gläubigen und Getauften nötig sei, um die Parusie und Auferstehung der Toten eintreten lassen zu können (Olshausen), oder man erinnerte an die von den damaligen Judenchristen noch beobachtete Besprengung bei Berührung eines Toten (Sir. 34,30) in dem Sinn, daß man nicht durch Hoffnungslosigkeit verunreinigt bleiben wollte. Ganz anderer Art ist die Auffassung derjenigen Exegeten, die hier an eine Sitte denken, die sich mißbräuchlich in die Gemeinde eingeschlichen hatte und vom Apostel nur deshalb hier nicht gerügt wird, weil es ihm für seine Beweisführung darauf ankommt, die in jener Sitte sich ausdrückende Lebhaftigkeit des Auferstehungsglaubens zu verwerten, und zwar bestand die Sitte darin, daß man sich zum besten ungetauft, aber schon gläubig Verstorbener noch einmal taufen ließ in der Meinung, dies werde denselben als eigene Taufe angerechnet und sie deshalb auch bei der Parusie und Auferstehung der Toten in keiner Weise benachteiligt werden." (24)

251

Kapitel XIII

Die reformierte Kirche

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"26. Kapitel

Das Begräbnis der Gläubigen,

die Fürsorge der Toten,

das Fegfeuer und die Erscheinung von Geistern

Die Heilige Schrift befiehlt, die Leiber der Gläubigen, weil sie Tempel des Heiligen Geistes sind und man mit Recht an ihre Auferstehung am jüngsten Tag glaubt, schicklich und ohne Aberglauben der Erde zu übergeben, aber auch der Gläubigen ehrend zu gedenken, die im Herrn selig entschlafen sind, und ihren Hinterlassenen, wie Witwen und Waisen, alle Dienste christlicher Bruderliebe zu erweisen. Darüber hinaus gibt es nach unserer Lehre nichts für die Toten zu sorgen ..." (25)

Mit diesen knappen und zugleich eindeutigen Worten aus dem "Zweiten Helvetischen Bekenntnis" von 1566 ist die Haltung des reformierten Protestantismus hinreichend charakterisiert. Noch strenger als Luther wird eine aus dem Ewigkeitsglauben kommende Fürbitte für die Verstorbenen abgelehnt. Gemäß der starken Betonung des Schriftprinzips erfolgt eine entschiedene Abkehr von den in der katholischen Kirche entstandenen unbiblischen Gepflogenheiten (sogenannte "Tradition").

Diese Haltung bildete sich bereits in den ersten Jahren der schweizerischen Reformation heraus. Auf Anregung des großen Reformators Huldreich Zwingli (1484 - 1531) entstanden 1528 die "Berner Thesen". Dort heißt es unter These 7:

"Daß nach dieser Zeit kein Fegfeuer in der Schrif t zu finden ist. Deshalb sind alle Gottesdienste für die Toten wie etwa Vigilien, Totenmessen, Meßstiftungen, Seelenämter am siebten und am dreißigsten Tag, Jahrzeiten, Lampen und Kerzen und dergleichen mehr vergeblich." (26)

Zugleich lehnte man die Anrufung aller Mittler und Fürsprecher im Jenseits ab. Christus allein sei für die Menschen gestorben, so solle er auch einziger Mittler zwischen Gott dem Vater und den Gläubigen sein.

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Inhaltlich gleich erfolgt im "Hugenottenbekenntnis" von 1559, das unverkennbar die Handschrift Johann Calvins (1509 - 1564) trägt, das Bekenntnis:

"Wir glauben, weil Jesus Christus uns zum alleinigen Fürsprecher gegeben ist und er uns gebietet, uns ausschließlich in seinem Namen an seinen Vater zu wenden, und es uns sogar nicht einmal erlaubt ist zu beten, außer in Befolgung der Form, die Gott uns durch sein Wort vorgeschrieben hat, daß alles, was die Menschen sich ausgedacht haben von der Fürbitte der verstorbenen Heiligen, nichts anderes als Mißbrauch und Betrug des Satans ist, um die Menschen von der Form des rechten Betens abzubringen. Wir verwerfen auch alle anderen Mittel, die die Menschen zu besitzen wähnen, um sich mit Gott zu versöhnen, als solche, die dem Opfer von Tod und Leiden Jesu Christi zuwiderlaufen. Endlich halten wir das Fegfeuer für eine Einbildung, hervorgegangen aus demselben Kramladen, aus dem auch zum Vorschein gekommen sind die Ordensgelübde, Wallfahrten, Verbote der Ehe und des Fleischgenusses, die zeremonielle Beobachtung von Feiertagen, die Ohrenbeichte, die Ablässe und alle anderen derartigen Dinge, durch die man Gnade und Heil zu verdienen meint. Diese Dinge verwerfen wir nicht allein wegen der falschen Meinung von Verdienstlichkeit, die damit verbunden ist, sondern auch, weil diese menschliche Erfindungen sind, die den Gewissen ein Joch auflegen." (27)

Die reformierten Kirchen Europas, besonders der schottische Presbyterianismus, haben diese Haltung übernommen. Eine Fürbitte für die Toten um Verbesserung ihres Seelenzustandes bleibt ausgeschlossen.

"Vom Stand der Menschen nach dem Tode und von der Auferstehung der Toten" lehrt das "Westminster Bekenntnis" von 1647:

"1. Die Leiber der Menschen werden nach dem Tod wieder zu Staub und sehen Verwesung, aber ihre Seelen (die weder sterben noch schlafen) haben eine unsterbliche Wesenheit und kehren unmittelbar zu Gott zurück, der sie gegeben hat. Die Seelen der Gerechten, die dann vollkommen gemacht

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sind in Heiligkeit, werden in den höchsten Himmel aufgenommen, wo sie Gottes Angesicht in Licht und Herrlichkeit schauen und auf die volle Erlösung ihrer Leiber warten. Die Seelen der Gottlosen aber werden in die Hölle geworfen, wo sie in Qualen und äußerster Finsternis bleiben bis zum Gericht jenes großen Tages. Außer diesen beiden Orten für die von ihren Leibern getrennten Seelen kennt die Schrift sonst keinen.

2. Am jüngsten Tag werden die Lebenden nicht sterben, sondern verwandelt, und alle Toten werden auferweckt trotz veränderter Eigenschaften mit ihren eigenen Leibern und keinen anderen, welche wiederum für immer mit ihren Seelen vereinigt werden.

3. Die Leiber der Ungerechten werden durch die Macht Christi auferweckt zur Unehre, die Leiber der Gerechten aber durch seinen Geist zur Ehre und werden gleichförmig seinem herrlichen Leibe." (28)

Somit wird deutlich, daß der Protestantismus in der Frage der Verbindung von Lebenden und Toten eine deutliche Abkehr vom Katholizismus vollzog und damit auch eine Abkehr von urchristlicher Tradition und der Lehre der Apostel.

255

Kapitel XIV

Die anglikanische Kirche

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Die anglikanische Kirche, die englische Staatskirche, nähert sich im Bekenntnis der reformierten Kirche und steht nach Gottesdienst und Kirchenverfassung zwischen protestantischem und katholischem Wesen. Diese eigentümliche Stellung erklärt sich aus der englischen Reformationsgeschichte.

Die meisten der englischen Apostel des wiederaufgerichteten Gnadenwerkes des Herrn waren Anglikaner. Auch unter diesem Gedanken ist es sinnvoll, die Haltung der anglikanischen Kirche zur Frage der Fürbitte für Entschlafene zu klären.

Das religiöse Hausbuch der Anglikaner, das Common Prayer Book, das 1559 unter Elisabeth I. endgültig eingeführt und mit einigen Änderungen bis heute beibehalten wurde, enthält als Element katholischer Tradition folgendes Gebet:

"Allmächtiger Gott, mit dem die Seelen leben, die im Herrn von hier geschieden sind, und bei dem diese gleichen Seelen - sobald sie das Joch des Fleisches abgeschüttelt haben - die Freude und das Glück finden: wir danken dir von ganzem Herzen dafür, daß es dir gefallen hat, unseren Bruder (unsere Schwester) hier aus dem Elend der sündigen Welt zu befreien. Würdige dich, wir flehen dich darum an, bald die Zahl deiner Auserwählten vollständig zu machen und das Kommen deines Reiches zu beschleunigen, damit wir, zugleich mit allen, die im wahren Glauben und in deinem hl. Namen gestorben sind, unsere vollkommene Erfüllung und unser vollendetes Glück finden können -für unsere Seele wie für unseren Leib, in der Ewigkeit deiner kommenden Herrlichkeit. Amen." (29)

Der Glaube richtet sich auf das ewige Heil im Jenseits. Für die Verstorbenen gilt dieselbe Hoffnung wie für die Lebenden. Ein Gebet zu Gott, das den Toten nützen könne, kennt die anglikanische Kirche nicht.

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Im anglikanischen Bekenntnis, den 39 Artikeln von 1571, ist von einer Bitte für die Toten nicht die Rede. Die Hilfe der Toten für die Lebenden wird ausgeschlossen:

"22. Vom Fegfeuer

Die Lehre der Romanisten vom Fegfeuer, von den Ablässen, von der Verehrung und Anbetung der Bilder und Reliquien sowie auch von der Anrufung der Heiligen ist eine nichtige und eitel erdichtete Sache und gründet sich auf keine Zeugnisse der Schrift, sie widerstreitet vielmehr dem Worte Gottes." (30)

258

Kapitel XV

Die katholisch – apostolischen Gemeinden

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Die englischen Apostel des wiederaufgerichteten Erlösungswerks des Herrn haben wie in allen Fragen der Lehre und der Seelsorge so auch in der Frage des Entschlafenenwesens mit größter Sorgfalt den Hinweisen des Heiligen Geistes (in den Weissagungen und ihrem eigenen Dienen) Folge geleistet. Unter ihren leitenden Händen entstanden eine tiefgehende Lehre und entsprechende segensreiche Einrichtungen, die ein, an den bereits aufgeführten Positionen der jeweiligen Kirchen gemessen, bedeutsames Vorwärtsschreiten darstellten.

Betrachten wir zunächst die Liturgie, und zwar jene Teile, die das Gedächtnis der Entschlafenen zum Gegenstand haben, um dann auf weitere Zusammenhänge des Ewigkeitsglaubens einzugehen.

Innerhalb der Feier des heiligen Abendmahles ist folgendes Gebet vorgesehen:

"Das Gedächtnis der Entschlafenen.

Und nun, himmlischer Vater, freuen wir uns in der seligen Gemeinschaft aller Deiner Heiligen und gedenken vor Dir aller, die im Glauben entschlafen sind. Wir ehren ihr Andenken und sagen Dir Dank für die große Gnade und die mannigfaltigen Gaben, die Du ihnen geschenket hast, durch die solche Wohltaten zu uns gelangt sind in der Haushaltung Deines Evangeliums. Und wir bitten Dich, Du wollest sie nach Deiner Barmherzigkeit in Ruhe und Frieden bewahren, bis zu unserer gemeinsamen Vollendung in der Seligkeit am Tage der herrlichen Auferstehung. Amen.

Wir gedenken an die gläubigen Patriarchen der alten Zeit und an alle Propheten; an Deinen Knecht Johannes den Täufer, den Vorläufer unseres Herrn, und an alle, welche Dir vor Seiner Erscheinung gedient haben.

Der gebenedeieten Jungfrau Maria, der Du solchen Glauben geschenkt und sie mit Gnade also erfüllet hast, daß sie die Mutter des Herrn ward, gedenken wir, und mit Deinen heiligen Engeln und mit Deiner Kirche in allen Geschlechtern preisen wir sie selig.

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An die heiligen Apostel und Propheten, die Evangelisten und Hirten; an die heiligen Bischöfe, Priester und Diakonen; an die seligen Märtyrer und Bekenner; an alle heiligen Männer und Frauen; an alle, welche Dir in diesem Leben gedienet haben und treu geblieben sind bis zum Tode, gedenken wir und befehlen sie Dir.

Wir befehlen Dir die Entschlafenen, welche sich in diesen letzten Zeiten gefreut haben über die Wiederkehr Deiner Gnade zu Deiner Kirche, über die Neubelebung Deiner ursprünglichen Ordnungen und die Offenbarung der Gaben des Heiligen Geistes.

(Hier kann laut oder im stillen einzelner gedacht werden.)

Aller unserer Väter, unserer Brüder und Kinder gedenken wir und befehlen Dir ihre Seelen:

Laß sie ruhen in Deinem Frieden und erwachen zu einer fröhlichen Auferstehung. Amen." (31)

Es bestand somit ein herzliches Verlangen, der Entschlafenen im Gebet zu gedenken. Man fühlte sich mit den Voraufgegangenen innig verbunden und hoffte auf ihr Geborgensein in göttlicher Gnade.

Zu festlichen Gottesdiensten pflegten die Gemeinden die Fürbitte für die Entschlafenen in besonderer Weise: Am Pfingstsonntag betete man:

"Zum Gedächtnis der Entschlafenen.

- vorangegangen sind. Insonderheit gedenken wir derjenigen, die in diesen letzten Tagen die Versiegelung und Salbung des Heiligen Geistes empfangen haben und entschlafen sind." (32)

Am 14. Juli, dem Tag, an welchem man der Aussonderung der Apostel am 14. Juli 1835 gedachte, betete man insbesondere für die entschlafenen Apostel und Amtsbrüder, die "in diesen letzten Tagen" ausgesondert wurden. Bemerkenswert ist dabei die Hinwendung auf die Entschlafenen der Endkirche:

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"Im Gedächtnis der Entschlafenen.

Wir gedenken insonderheit an diesem Tage Deiner heiligen Apostel, die Du im Anfang aussandtest, Deine Kirche zu sammeln und zu leiten, die nun von ihrer Arbeit ruhen und ihres Lohnes warten, und auch derjenigen, welche *Du zu Deinem Dienst in diesen letzten Tagen ausgesondert hast, und die entschlafen sind. Wir gedenken auch der Propheten, Evangelisten und Hirten, welche mit jenen gearbeitet haben am Evangelium und nun mit ihnen ruhen in Frieden. Wir gedenken an die heiligen Bischöfe, Priester und Diakonen, an die seligen Märtyrer und Bekenner,

(in der vollständigen Form:)

an alle heiligen Männer und Frauen, an alle u.s.f. bis: ihre Seelen;

(in der kürzeren Form:)

und an alle Deine Heiligen, die uns vorangegangen sind: Laß sie ruhn." (33)

Am Allerheiligenfest, am 1. November, erfolgte das Gebet in der anfangs zitierten Form, "wobei die Entschlafenen der betreffenden Gemeinde besonders erwähnt werden". (34)

Bei der apostolischen Handauflegung, der Versiegelung, wurde derer besonders gedacht, die "in diesen letzten Tagen die Versiegelung und Salbung des Heiligen Geistes empfangen haben und entschlafen sind". (35)

Bei der Bestattung eines Toten ging man nach einer Ordnung vor, die im folgenden vorgestellt werden soll: (36)

262

Die Liturgie sowie die anderen Gottesdienste der Kirche.

Berlin 1908, S. 577 – 581

Die Ordnung

für

die Bestattung der Toten.

(Eine einstweilen zum Gebrauch verstattete Form.)

NB. Dieses Ritual kann nur für solche gebraucht werden, die in der Gemeinschaft der Kirche gestorben sind.

Es ist ursprünglich darauf eingerichtet, daß der erste Teil des Dienstes in der Kirche oder im Trauerhause, der zweite Teil am Grabe verrichtet werde. Wo aber der Priester die Leiche nicht in Amtstracht zur Grabstätte begleiten kann, mag der ganze Dienst mit den nötigen Veränderungen, und namentlich mit Weglassung der zwischen *)) gesetzten Stelle, im Trauerhause gehalten werden.

Der Priester, in Superpelliz und schwarzer Stola, begegnet, begleitet von den anderen anwesenden Priestern und Diakonen, der Bahre an der Kirchenthür und spricht die folgenden Sprüche oder einige derselben:

Ich bin die Auferstehung und das Leben, spricht der HErr. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an Mich, der wird nimmermehr sterben.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, und Er wird mich am letzten Tage aus der Erde auferwecken, und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische Gott sehen.: Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden Ihn schauen, und kein Fremder.

Wir haben nichts in diese Welt gebracht, so ist offenbar, wir können auch nichts hinausbringen.

Der HErr hat es gegeben, der HErr hat es genommen, der Name des HErrn sei gelobet.

Dann soll der fungierende Priester hinter ihm die übrigen Diener und die Leidtragenden mit dem Sarge die Kirche hinausgehen. Währenddessen singe man

Psalm 130 oder 51 oder 90

Am Schluße des Psalms das:

Laß ihn (oder: sie) ruhen in Deinem Frieden * und erwachen zu einer fröhlichen Auferstehung. Amen.

Der Priester tritt in den Unterchor, während die Bahre unfern dahinter im Schiffe niedergesetzt wird.

Nach Beendigung des Psalms folgt

Die Lektion, 1. Kor. 15, 20 – 58.

Nach der Lektion mag eine Ansprache an die Versammelten gehalten (darnach auch ein geeigneter Hymnus und der Gruß eingeschaltet) werden, worauf der Dienst also fortgesetzt wird:

Lasset uns beten.

Gott, der du denen, die dich lieben, solche Güter bereitet hast, die alle Wünsche übertreffen: wir bitten Dich, bewahre die Geister aller derer, die im Glauben entschlafen sind, bis auf jenen Tag, da dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, und der Tod

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verschlungen wird von dem Leben. Erhöhre uns um Jesu Chrsti willen, der gestroben ist für unsere Sünden, und lebet und regieret mit Dir und dem Heiligen Geiste, Ein Gott, in Ewigkeit. Amen.

Ziehe an, o HErr Jesus, Deine große Kraft, komme wieder und herrsche. Komm in die Mitte Deines Volkes und rette uns; denn du allein bist unser Befreier, Du allein bist der Heiland des Leibes wie der Seele. Führe mit Dir alle, die in Dir entschlafen sind; erwecke Deine verstorbenen Heiligen und gib ihnen ihre Leiber wieder. Denn Du bist die Auferstehung und das Leben; wir bitten Dich, verbirg dein Antlitz ferner nicht vor uns. Amen.

Nun gehen der fungierende Priester und die Übrigen mit der Leiche zur Grabstätte.

(Ist die Erde, in welche der Leib gelegt werden soll, nicht zuvor schon geweiht worden, so weiht sie der Priester mit folgenden Worten:

*))

Lasset uns beten.

Blicke herab, o Gott, auf diese unsere handlung und unseren Dienst, und reinige + segne und heilige + dieses Grab, damit der Leib, den wir in der Hoffnung auf eine selige Auferstehung hier niederlegen, bei der Erscheinung Jesu Chrsti mit allen seinen Heiligen zu den Freuden des ewigen Lebens hinzugelassen werde: durch denselben Jesum Christum, unsern HErrn. Amen

*))

Während der Sarg eingesenkt wird (oder im Trauerhause an der Bahre), wird ferner gesungen oder gesprochen:

Der Mensch, vom Weibe geboren, + lebet nur kurze Zeit und ist voll Unruhe; er gehet auf wie eine Blume und fällt ab; * wie ein Schatten fliehet er und bleibet nicht.

Oder statt dessen ein geeignetes Lied aus den im Hymnologium Nr. 173 – 180 enthaltenen.

Darnach spricht der Priester, wobei er, wenn es an der Grabstätte geschieht, unter den Worten + .. etwas Erde auf den Sarg wirft:

Da es dem allmächtigen Gott nach Seiner großen Barmherzigkeit gefallen hat, die Seele unseres abgeschiedenen Bruders – (oder: uns. abg. Schwester ..) – zu sich zu nehmen, so übergebe wir nun seinen (ihren) Leib dem Grabe: + Erde der Erde, Asche der Asche, Staub dem Staube: in den sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben durch jesum Christum, unseren HErrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde Seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit Er kann auch alle Dinge Ihm unterthänig machen. Amen.

Hierauf möge noch folgendes gesungen oder gesproichen werden:

Ich hörete eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: *Schreibe, selig sind die Toten, * die in dem HErrn sterben von nun an; *ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit.

Laßet uns beten.

HErr erbarme dich unser:

A: HErr erbarme dich unser.

Christe, erbarme dich unser:

A: Christe, erbarme dich unser.

HErr erbarme dich unser:

A: HErr erbarme dich unser.

264

Vater unser, der du bist in den Himmeln. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.

Allmächtiger Gott, bei dem die Geister derer leben, die im HErrn von hinnen scheiden, und bei dem die Seelender Gläubigen, befreit von der Bürde des Fleisches, in Freude und Seligkeit weilen: wir sagen Dir herzlichen Dank für – diesen unseren Bruder, den – (oder: diese unsere Schwester, die) Du nach Deinem Wohlgefallen befreit hast aus dem Elend dieser sündenvollen Welt. Wir bitten Dich, Du wollest in Deiner gnadenreichen Güte die Zahl deiner Auserwählten bald voll machen und das Kommen Deines Reiches beschleunigen, damit wir samt allen, die im wahren Glauben an Deinen heiligen Namen abgeschieden sind, unsere völlige Voillendung und Seligkeit nach Leib, Seele und Geist erlangen in Deiner ewigen Herrlichkeit; durch Jesum Christum, unseren HErrn, der da lebet und regieret mit Dir in der Einheit des Heiligen Geistes, Ein Gott, in Ewigkeit Amen.

Die Gnade unseres HErrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

265

Diese Handlung zeigt, auf welche Weise man sich mit den Voraufgegangenen verbunden fühlte und wie man in Erwartung der Wiederkunft des Herrn zu trösten verstand.

Den Aposteln galten folgende Erkenntnisse als wahrhaftig und gewiß:

In diesen markanten Worten faßt Heinrich Wilhelm Josias Thiersch die Lehre der Apostel zu den uns hier interessierenden Fragen zusammen. Thiersch stammte aus einer streng gläubigen lutherischen Familie, war theologisch und historisch vorzüglich gebildet und diente als "Hirte mit dem Apostel" in Nord- und Süddeutschland, Österreich und der Schweiz.

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Es wird deutlich, daß die Apostel an die urchristliche Tradition anknüpften, die römisch-katholische Vorstellung vom Fegefeuer ablehnten und auch die dürren, glaubensarmen Theorien des Protestantismus nicht zu übernehmen gedachten. Insofern wird der oben geäußerte Gedanke, daß die Lehre der katholisch-apostolischen Gemeinden einen bedeutsamen Fortschritt darstellte, hinreichend belegt.

Über die Liturgie hat der Apostel John Bate Cardale ein mehrbändiges Werk veröffentlicht, das in verschiedene Sprachen übertragen worden ist. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel: "Vorlesungen über die Liturgie und die anderen Gottesdienste der Kirche". (38) In diesem Werk, das leider nur unvollständig vorliegt, wird Entscheidendes über "das Gedächtnis der Entschlafenen" gesagt. Es soll darum hier auch der volle Wortlaut dokumentiert werden. Die Ausführungen lassen sich auf folgende Inhalte reduzieren:

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Hier nun der Wortlaut der Ausführungen Cardales:

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