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Selbsthilfe-Initiative für Aussteiger
aus der
Neuapostolischen Kirche
c/o. KISS e.V.
Marienstr. 9 70178 Stuttgart

Offener Brief
an den
Kirchenpräsidenten/Stammapostel Richard Fehr,
Neuapostolische Kirche International in Zürich,
und
die Kirchenpräsidenten/Bezirksapostel
von Württemberg, Karl Kühnle, und Baden, Klaus Saur

Vom 10. Juni 1995

 

Betr.: Neuapostolische Kirche und Nazi-Regime

Ehemalige und Noch-Mitglieder der Neuapostolischen Kirche (NAK) fordern die führenden Verantwortlichen und die Leitungsgremien der NAK auf, 50 Jahre nach Kriegsende und nach Befreiung von der Nazi-Diktatur ein Bekenntnis zum (damaligen) Sympathisantentum mit diesem Regime und zur Mit-Schuld an der Schweigespirale abzulegen. Mit einem solchen Bekenntnis muss der Beginn einer Aufarbeitung der Unterstützung der NS-Funktionäre und -Denkweisen vor allem durch die Kirchenführung verbunden sein, und zwar sowohl kirchenintern als auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Als Beispiele für diese Verwicklung und Identifizierung mit nationalsozialistischem Gedankengut, für die freiwillige Unterwerfung und Andienerung an das totalitäre Regime, für die Judenfeindlichkeit und den Rassismus in den eigenen Reihen dienen folgende Zitate:

"Das Jahr geht nun rasch zu Ende, aber nicht das, was es uns gebracht hat. Dankbaren Herzens sehen wir auf die Geschehnisse im Jahre 1933. Deutschland ist von der Zersplitterung befreit, Parteiwesen ist nicht mehr.
Aus diesem allem erkennt man aber, was ein Mann vermag, den die Liebe zu dem deutschen Volke trieb, alles neu zu gestalten.
Wir Neuapostolischen wollen alles daran setzen, die vom Führer zum Wohl des Volkes getroffenen Anordnungen gewissenhaft zu befolgen, damit er mit uns keine Sorgen und Arbeit hat. Dadurch, dass jeder Einzelne an seinem Platze seine Stellung gewissenhaft ausfüllt, ist dem Führer und damit dem ganzen Volk am besten gedient. ...
(Rundschreiben des Hauptleiters/Stammapostel an die Amtsträger der Neuapostolischen Gemeinden vom 1.12.1933)

" . . Die Neuapostolische Kirche steht in ihrer Lehre und ihrer Religionsauffassung auf dem Boden des Urchristentums, nicht aber auf dem des Judentums.

Jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die planmäßige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn erzogen, so dass die meisten Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehören oder ihr nahe stehen.

...

Eine große Zahl meiner Rundschreiben an die Leiter und Diener der Neuapostolischen Kirche Deutschlands liefert den klaren Beweis, dass sie uneingeschränkt und bedingungslos die nationalsozialistische Bewegung nicht nur anerkannt, sondern auch gefördert hat. ...
Außerdem habe ich verschiedenen anderen nationalsozialistischen Formationen meine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. ..."

(aus einem 13-seitigen Schreiben der Hauptleitung der Neuapostolischen Kirchen des In- und Auslandes vom 2.8.1933 an das Preußische Kultusministerium, Berlin; unterzeichnet mit "Heil Hitler, J. G. Bischoff".)

In diesem Zusammenhang muss auch die weitere Geschichte der Neuapostolischen Kirche aufgearbeitet werden, z. B. die menschenverachtende Haltung während des Ersten Weltkrieges. Ein beispielhaftes Zitat belegt dies:

"Das alte Russland, das unser Volk zermalmen sollte wie eine Dampfwalze, es liegt zerrissen, langsam verendend danieder. Dann das große Frankreich, die 'Grande Nation', die hochmütige eitle Chansonette, mit ihrer losen Zunge, sie liegt verblutend am Boden, alle ihre Kräfte sind aufgezehrt bis auf einen letzten armseligen Rest, .... Nun das stolze habgierige England, dem die ganze Welt nicht groß genug wäre, obwohl es die halbe Welt wie ein riesiger Moloch schon in seinen unersättlichen Wanst verschlungen und das übriggebliebene zum guten Teil unter seine offene oder versteckte Vormundschaft gezwungen hat, es konnte nicht ertragen, dass sein wachsender deutscher Bruder auch an der Sonne leben wollte und schürte deshalb unter dem Scheine der Biedermeierei und der Menschenliebe ein heimliches Feuer in Neid, Missgunst und hämischer Bosheit..."

(aus Neuapostolische Rundschau, Zeitschrift zur Förderung des Glaubenslebens der Neuapostolischen Gemeinden des In- und Auslandes, 3. u. 10.3.1918)

Ferner gehört zur Aufarbeitung die massive Unterstützung des Regimes der DDR bis zum Ende seines Bestehens. Auch hierzu beispielhaft ein Zitat:

"Zu einem freundschaftlichen Gespräch mit dem Staatssekretär für Kirchenfragen, Kurt Löffler, traf in Berlin der zu einem Besuch in der DDR weilende Kirchenpräsident Richard Fehr, erster Repräsentant der Neuapostolischen Kirche International, zusammen. ... Kirchenpräsident Fehr sagte, bei seinen Besuchen in der DDR sei er jedes Mal 'in ein sicheres und geordnetes Land gekommen’, .....
Mit Aufmerksamkeit verfolge er die Bemühungen leitender Staatsmänner, die zum Ziel haben, den Völkern den Frieden zu bewahren. 'Ich beglückwünsche jedes Land, in dem solche Zeichen der Zeit sich abzeichnen, denn sie sind Elemente eines guten Willens, die nicht nur dem Eigenen förderlich sind, sondern doch mithelfen, den Frieden unter den Menschen, die Bewahrung der Umwelt und das Wohlergehen aller zu fördern, zu stärken und - wenn möglich - festzumachen.' Der Gast dankte dem Staatssekretär und den Staatsorganen für die den neuapostolischen Kirchen in der DDR gewährte Unterstützung."
(aus einem Zeitungsartikel, erschienen in "Die Union - Tageszeitung der CDU im Bezirk Leipzig" am 8.2.1989, ebenso in vielen weiteren Tageszeitungen im gesamten Gebiet der DDR. Im Frühjahr 1989 versammelten sich in anderen Kirchen bereits die unter dem System leidenden Menschen, am 3.10.1989 fiel die Mauer)

Diese Aussagen und Verhaltensweisen dokumentieren eine geistige Nähe zu autoritären, totalitären und diktatorischen Regierungsformen. Die Urchristen, deren einzig legitime Fortsetzung nach eigenem Anspruch die Neuapostolische Kirche ist, passten sich nicht an. Sie gingen in den Tod. Die großen christlichen Kirchen Deutschlands haben nicht nur in den vergangenen 50 Jahren Bekenntnisse abgelegt und eine Aufarbeitung begonnen. Sie haben auch die Entwicklung von Persönlichkeiten in ihren eigenen Reihen aufzuweisen, die aus ihrer christlichen Grundeinstellung Widerstand leisteten und dafür in den Tod gingen.

Der Vorwurf vor allem zum Verhalten in der NS-Zeit, ist nicht die Verwicklung an sich, sondern die Tatsache, dass nach der aktiven und tatkräftigen Unterstützung der Hitler-Diktatur keine Aufarbeitung, kein Bekenntnis zum Irrtum und zur Mit-Schuld stattfindet. Als Gotteslästerung ist zu betrachten, dass sogar behauptet wird, das völlig unbeschadete Durchkommen der Kirche durch diese Zeit sei ein Beweis, dass Gott sich zu seinem Werk bekannt habe.

Dieser Aufruf ist nicht eine Anklage an Mit-Schuldige. Es ist aber ein Aufruf, sich zur Mit-Schuld zu bekennen. Zu einer Mit-Schuld daran, die eigene Ruhe dem Widerstand gegen Unterdrückung und Vernichtung vorgezogen zu haben, der Obrigkeit und nicht Gott Einfluss auf die eigenen Seele eingeräumt zu haben, die Wahrheit in den Herzen unterdrückt zu haben, mit einer totalitären Ideologie paktiert zu haben, mit der es keinen Pakt geben durfte. Die Führung der Neuapostolischen Kirche ist aufgerufen, die Missetat der Kirche und ihrer Leitung zu bekennen und aufzuarbeiten. Nur durch ein Bekenntnis zur Wahrheit des Geschehenen, zu den Fehlern der Vergangenheit, kann eine Fortsetzung ähnlicher Denk- und Handlungsstrukturen in heutiger Zeit abgebaut werden.

Zur Erläuterung:
Wir wählen diesen ungewöhnlichen Weg der Erklärung und Aufforderung, weil innerhalb der NAK eine offene Information, ein offenes Gespräch und eine offene Auseinandersetzung nicht möglich ist.

Für die Selbsthilfe-Initiative
Siegfried Dannwolf
Joachim Gerbert
Bernd Stöhr
u.a.

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