Brief (31.12.1998) von Erwin Meier an einen Deutschen Vorsteher.

Lieber Bruder Xxxxxxxx,

vielen Dank fuer Ihre Antwort auf die Zusendung von 'Schaliach'. Schaliach war im
alttestamentlichen Sinne ein Bote der Regierung; er kommt heute anonym daher und
sein buergerlicher Name ist auch mir nicht bekannt.

Sie haben mit unserem Gott in der Neuapostolischen Kirche gute Erfahrungen gemacht
- ich auch. Unsere Kritik richtet sich auch nicht an Gott oder Jesus, sondern an sein
derzeitiges Bodenpersonal, in erster Linie an den Stammapostel und die Bezirksapostel.
Wenn Sie die Praeambel zu den NAKI-Statuten gelesen haben (sie ist im Internet),
dann stellt sich der Stammapostel dort vor als das 'sichtbare' Haupt der Kirche,
waehrend Jesus das unsichtbare ist. Allein schon diese Aussage, die jeder na-Apostel
unterschreiben muss ('na', weil es noch andere Apostel gibt), ist ein grober Wider-
spruch zu Jesu Aussagen. Aber schauen wir doch mal dieses sichtbare Haupt an!
Es soll uns ja in seinem Traeger Vorbild und Vorangaenger sein, und zwar nicht
stuemperhaft, sondern in vorbildlicher Weise. Nehmen wir als Beispiel das 'hoech-
ste Gebot'. Wie gross die Liebe Richard Fehrs zu seinem Gott ist, werden weder
Sie noch ich objektiv messen koennen. Aber das Aequivalent dazu, die Liebe
zum Naechsten, koennen wir praezise messen. Den Massstab finden Sie in den
Worten Jesu, aber auch in den Aussagen der Urapostel. Da sagte Jesu zu seinen
Aposteln: "Richtet nicht!" - Aber alle Stammapostel der Neuapostolischen
Kirche haben bis zur Stunde herzhaft gerichtet. Das augenfaelligste Beispiel
haben wir in der Absetzung und Exkommunizierung der Apostel Kuhlen, Deh-
mel, Dunkmann etc. Sie haben damals den Glauben an die 'Botschaft' nicht
zum Dogma erheben wollen und wurden dafuer bestraft. Eine Exkommuni-
kation, d.h. ein Ausschluss aus dem Gnaden- und Erloesungswerk Jesu, ist
nicht nur ein vorgezogenes Gericht, sondern gleichzeitig ein Richtspruch,
der ins eigene Fleisch geht. Daher wird keiner der Stammapostel, die bis
Dato die 'Botschaft' und ihren Irrtum inhaltlich und iuristisch gestuetzt
haben und noch stuetzen, die alles vergebende Gnade Jesu hinnehmen koen-
nen. Richard Fehr und seine Bezirksapostel (und einige mehr) sind nicht
faehig, fruehere Fehlentscheidungen zu begradigen, sie sind nicht faehig,
begangenes Unrecht zu beheben.

Zweites Beispiel: der Sonderopferschwindel. Unter dem Vorwand 'zu-
gunsten von Bruedern und Schwestern in aermeren Laendern und Ver-
haeltnissen' wurde 1988 ein Zusatzopfer eingefuehrt. In Tat und Wahr-
heit wurde es zugunsten der Kirche eingefuehrt und verwendet. Die armen
Brueder und Schwestern sind um unsere Warm-/Barmherzigkeit betrogen
worden und Richard Fehr uns seine Apostel haben sich ihr Gehalt massiv
aufgestockt. Statt praktischer Naechstenliebe haben wir sichtbar vor
uns eine Egozentrik, die kaum zu ueberbieten ist (mal abgesehen von
weltlichen Diktatoren).

Drittes Beispiel: Genuegsamkeit. Das ist ein Mass des Meisters Jesu, seiner-
zeit gepredigt, vorgelebt und bis heute gueltig. Das Gegenteil von Genueg-
samkeit sehen Sie bei Richard Fehr. Nicht gerade zimperlich wird im NT das
'Zuviel' des Egoisten dargestellt und verurteilt, zB Zuviel-Essen und Zuviel-
Trinken (als Fressen und Saufen in Lk 21, 34 / Roe 13, 13 / Gal 5, 21).
Sehen Sie bitte mal hin, wie der Nacken Richard Fehrs auf seinem Kittel-
kragen aufsteht. Und ueber den Alkoholkonsum sind wir authentisch in-
formiert. Und daneben hungern und darben und sterben unsere Brueder
und Schwestern in aermeren Laendern. Lesen Sie bitte auch 1. Johannes 3,
17+18; haben Sie dieses Bibelwort in den Leitgedanken des Stammapostels
je gesehen?

Der Stammapostel hat kuerzlich gepredigt: 'Alles ist Gnade und Gnade ist
alles'. Der erste Satzteil stimmt (auch vermeindliches Unglueck ist Gnade),
der zweite ist grundfalsch. Gnade ist nicht alles. Wir muessen uns mit der
Kraft aus dem Glauben und aus der Predigt im Sinne Jesu veraendern. Ohne
diese Veraenderung, die jeder fuer sich selbst tun muss, geht keine Seele in
die Herrlichkeit ein! Petrus lehrt diese Entwicklung in 1. Petrus 1, 5-17
und weist hin auf die Dringlichkeit mit den Worten: "..so wendet allen
euren Fleiss daran und reichet dar...". Waehrend Richard Fehr die blind
stammapostelglaeubige Herde mit "Gnade und nochmals Gnade und Gna-
de ueber alles" in die Lauheit hineinfuehrt. Aber so einfach gehts nicht.

Lieber Bruder Xxxxxxxx, wir sehen uns die Fruechte bei den Aposteln
und ihre Qualitaet etwas genauer an als auch schon. Ein Kadaverglaube
wird bei Gott nicht verlangt, im Gegenteil. Wir sollen die Geister pruefen,
ob sie von Gott sind. Das ist auch ein Gebot Gottes. Befolgen Sie es doch.
Das Beispiel 'Korah' ist Altes Testament - Sie koennen es vergessen,
sobald das NT etwas anderes lehrt. Auch die Medizin befasst sich mit der
Vorbildfunktion (beiliegend eine neue Buchempfehlung). Will Richard
Fehr ein Vorbild sein, dann muss er sich gewaltig aendern, sonst bleibt er
ein Wasserprediger, dem je laenger je mehr die Schafe und die Laemmer
davon laufen, mindestens bei uns im Westen.

Mit vielen Gruessen,

(gez.) Erwin Meier

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