Brief (20.10.1997) von Erwin Meier-Widmer an einen Apostel i.R.

Dear Apostle xxxxxxxx,

Herzlichen Dank fuer das Telefongespraech von letzter Woche. Darf ich mich
zuerst vorstellen?

Als aktiver Priester der Neuapostolischen Kirche habe ich in den Jahren
1991/1992 zehn mal an der Missionsarbeit in der Ukraine teilgenommen (ich
bin seit 1987 durch Unfall invalid geworden und als Arzt nicht mehr berufsfaehig).
Mit einem deutschen Bischof aus der Ex-DDR (jetzt Apostel) war ich spaeter auch
zweimal im hohen Norden Sibiriens. Ueber die Arbeitsweise der ostdeutschen
Brueder habe ich gar nichts zu beanstanden, im Gegenteil. Ihr Einsatz, aber auch
ihre Art und Weise wie sie arbeiten, koennte als Musterbeispiel fuer die
Schweizer Amtstraeger dienen. Leider gibt es unter dem Schweizer Team sehr viele
Ungereimtheiten, die sich mit der reinen Jesulehre nicht vertragen, aber alles
Ermahnen und Aufmerksammachen fiel auf unfruchtbaren, egoistischen Boden. Ich
konnte vieles mit meiner Auffassung von serioeser christlicher Missionstaetigkeit
nicht mehr vereinbaren und zog mich freiwillig und vorzeitig in den Ruhestand
zurueck.

Nun besteht zwischen BezAp Dessimoz und mir seit Jahren ein freundschaftliches
Verhaeltnis, und als er hoerte, dass er mich in den Ruhestand setzen sollte, hat
er mir telefoniert, in der Meinung, ich wuerde aus gesundheitlichen Gruenden den
Ruhestand wuenschen. Bei diesem Telefon habe ich ihm die wahren Gruende angedeutet,
und seither hat er weitere Gespraeche mit dem zustaendigen Apostel Paul Keller
initiiert; leider ohne sichtbaren Erfolg.

Diese Auseinandersetzungen haben gezeigt, dass einige Themen in den Aufgabenkreis
des Stammapostels fallen. Beispielsweise hat Ap Keller gesagt, er koenne aus
finanziellen Gruenden nicht mehr sechs mal pro Jahr in die Ukraine fliegen wie
bisher, sondern nur noch vier mal. In Anbetracht dass die Seelenarbeit in der
Ukraine mit zunehmender Zahl an versiegelten Seelen auch zunimmt, ist diese
Haltung nicht vertretbat. Andererseits wurde Richard Fehr von unseren Geschwistern
beobachtet, wie er mit den Aposteln im teuersten Zuericher Grand Hotel verkehrt,
dass er fuer die Bezirksapostelversammlungen nicht nur in der ganzen Welt
herumreist, und zwar eher im Sinne von Kulturreisen als im Sinne von Seelsorge
(Australien, Suedafrike, Suedamerika, Jerusalem etc), sondern dass immer auch alle
Frauen mitreisen und ein eigenes Damenprogramm geniessen, immer mit der hoechsten
Flugklasse fliegen und immer in den teuersten Hotels absteigen, und dies immer mit
den Geldopfern der treuen Geschwiser. Es ist dies angesichts der grossen Arbeits-
losigkeit auch unter unseren Geschwistern, angesichts der grossen Hungersnot in den
Drittweltlaendern, der zunehmend teuren Missionsarbeit der "unteren" Brueder (die
ihre Frauen auch zuhause lassen muessen, die ihre Ferien opfern und daneben sonst
viel Opfer bringen), und in Anbetracht, dass nun seit Jahren schon ein zusaetzliches
Geldopfer verlangt wird (Dank- und Sonderopfer) nicht in Ordnung! Zudem zeigt
der Steuerausweis von Richard Fehr, dass er sich trotz der stagnierenden und rueck-
laeufigen Salaere der Allgemeinheit jaehrlich ein groesseres (und massiv ueberhoehtes)
Salaer zukommen laesst. Unsere Brueder von der Basis nehmen dies alles wahr und sind
nicht mehr bereit, weiterhin alles im blinden Gehorsam zu schlucken. Es ist uns
auch aus den nun offenen Archiven bekannt geworden, dass Fritz Bischoff, der Sohn des
Stammapostels im Hitler-Deutschland ab 1.5.1933 aktives Mitglied der NSDAP und der SA
war (nebst mindestens 12 anderen Aposteln) und der Stammapostel selber die NSDAP
finanziell und ideell unterstuetzte. Im weiteren wurde aufgezeigt, dass die "Botschaft"
niemals auf eine unmittelbare persoenliche Offenbarung Jesu zurueckzufuehren ist (wie
dies noch in einem Schreiben vom 2.5.1995 von Richard Fehr dargestellt wurde), son-
dern auf einer (falschen) Beurteilung der damaligen Weltlage und auf einer funktio-
nellen Gedaechtnisstoerung des alternden 80-jaehrigen J.G. Bischoffs beruht (zu diesem
Thema habe ich am 4.9.1996 eine analytische Expertise erstellt und dem Stammapostel
Fehr vorgelegt). Aufgrund dieser Fakten arbeiten seit bald 10 Jahren vor allem in
Deutschland viele Brueder daran, "Aussteigergruppen" zu bilden: enttaeuschte
Geschwister werden aufgeklaert und motiviert, aus der Kirche "auszusteigen". Ich
selber bin weniger fuer das Aussteigen, als vielmehr fuer eine innere Reform.
Insbesondere ist nicht mehr haltbar, dass Apostel von Aposteln exkommuniziert werden,
wie dies z.B. 1954/55 passiert ist, nur weil sie Zweifel am goettlichen Charkter der
Botschaft gehegt haben. Ich bin ueberzeugt, dass nach den Worten Jesu: "Richtet
nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet...." der Ausschluss von Aposteln in keiner
Hinsicht einem Stammapostel oder einem Bezirksapostel oder einem Apostel zusteht,
solange "Gnadenzeit" besteht. Jeder Ausschluss bedeutet ein vorangehendes Richten!
Fuer Apostel Jesu, die uns alles vormachen sollten, was sie von Jesu (in der
Bibel) gelehrt wurden, ist es verboten, zu richten und auszuschliessen.
Nachdem auch diese Worte Jesu nicht vergehen werden, muss man annehmen, dass J.G.
Bischoff und alle Apostel, die jemals exkommuniziert haben, nicht unter den Erst-
lingen sein koennen - sie werden selbst auch gerichtet werden, solange diese Praxis
nicht bereut und geaendert wird.

Am 21.3.1997 fand auf Draengen von BezAp Dessimoz ein laengeres Gespraech mit dem
Stammapostel Fehr statt, wobei ich ihm als Vertreter von Hunderten von Bruedern
ein Statement und Plaedoyer zur Eroeffnung des Gespraeches vorgelesen habe. Das
ganze Gespraech wurde auf Tonband aufgenommen und spaeter schriftlich als Protokoll
abgefasst. Richard Fehr hat sofort ein "Gremium fuer besondere Angelegenheiten"
bestimmt, das unsere Klagen anhoeren und einen Antrag abfassen soll. Das Gremium
kommt am 3.11.1997 erstmals in Frankfurt/Main mit mir zusammen. Bis zum 31.12.1997
muss Richard Fehr zum Antrag schriftlich Stellung nehmen. Wir haben ihm angedroht,
dass wir bei einem negativen Entscheid das Volk Gottes via Medien informieren
werden, insbesondere auch ueber seine Bestechlichkeit (er nahm von BezAp Michael
Kraus eine Luxuslimousine an, Mercedes S500, Preis mindestens SFr 130000), man
beachte dazu bitte 2. Mose 23, 8, zum anderen aber auch das bescheidene Wesen
Jesu. Als Gegenzug erlaubt Fehr dem BezAp Kraus & Co alles, was er sich wuenscht,
insbesondere auch dass ihm niemand in die Kirchenfinanzen dreinredet (die sich
vermutlich mit der Privatfirma Kraus Carpet Mills Ltd verflechten). Das von Kraus
bzw Nachfolger Wagner kontrollierte Gebiet umfasst mittlerweile die halbe Welt,
und er herrscht ueber 100 Apostel; bei allfaelliger Uneinigkeit mit der NAK liegt
eine Abspaltung in eine "New Apostolic International Kraus-Church Ltd" jederzeit
in der Luft. Waehrend der Krankheit von Stammapostel Hans Urwyler war diese
Moeglichkeit sehr akut. Dieses riesige Gebiet haette laengst schon in weitere
selbststaendige Bereiche aufgeteilt werden muessen. Neuerdings kursiert auch,
dass Kraus/Wagner eine taegliche Suendenvergebung zu einer bestimmten Tageszeit
durchfuehren -. Wir vertreten die Ansicht, dass Richard Fehr die Kontrolle
ueber den Bezirk Kanada/USA laengst schon aus den Haenden entglitten ist.

Es ist unsere Ueberzeugung, dass sich die Neuapostolische Kirche veraendern
muss, und zwar in dem Sinne, wie sie in der Urkirche bestanden hat und wie wir
es in 1. Korinther 12, 28 lesen koennen: es braucht wieder die Prophetie (aber
kein Prophetenamt und es braucht wieder Regierer (diese nehmen
den Seelsorgern alle Organisations- und Finanzfragen, all die "irdischen"
Belange ab und sorgen fuer die segensreichen Rahmenbedingungen fuer die eigent-
lichen Seelsorger).

Zum zweiten liegt es uns auch daran, alle die von unserer Kirche zu Unrecht
ausgeschlossene Apostel und Geschwister wieder zu vereinen in den einen Schaf-
stall, wo Jesus der Hirte ist. Die Legitimation zu unseren Bemuehungen entneh-
men wir der Vision des Propheten Jesaja, Kapitel 1, insbesondere Verse 18-28.
Wir sind ueberzeugt, dass der Berg, da des Herrn Haus steht (Jes. 2, 2) erst
dann hoeher ist als die anderen Berge, wenn sich zuvor diese gottgewollte
Revision vollzogen hat (Richter wie zuvor und Ratsherren wie am Anfang).

Nun komme ich zu ihrer Person. Ueber Sie hoert man auf Umwegen, dass hinter der
Ruhesetzung eigentlich andere Gruende sind, als die des Alters. Von offizieller
Seite der Kirche - wir sind uns dies bereits gewoehnt - vernimmt man hoechstens
Teilwahrheiten oder gar Luegen. Wir wuerden daher gerne von Ihnen hoeren, ob es
zutrifft, dass Sie Michael Kraus ausschliessen wollte. Es interessieren uns die
Gruende fuer die Differenzen, und zwar wuerden wir diese Gruende lieber von Ihnen
selbst hoeren als von der Kirchenleitung oder auf Umwegen.

Wenn Sie mir aber nicht berichten moechten, weil das erlittene Unrecht Sie zu
sehr aufwuehlt oder weil Sie Represalien der Kirche bezueglich Rente befuerchten
muessen, dann habe ich dafuer sehr Verstaendnis, waere Ihnen aber fuer einen
kurzen Bericht doch sehr dankbar (das kann auch telefonisch sein).

Es ist nun leider ein langer Bericht geworden, und ich moechte xxxxxxxxxxxxxxx
Uebersetzungsarbeit ganz herzlich danken. Aber ich hoffe, dass Sie dadurch
unsere Bemuehungen erkennen koennen und an unserem ehrlichen Bemuehen um die
"reine Jesulehre" ebenfalls reges Interesse haben.

Mit herzlichem Dank und

vielen Gruessen

(gez.) Ihr Erwin Meier

PS: Auf Wunsch stelle ich gerne mein Statement und Plaedoyer vom 21.3.1997 zu.
das Protokoll darf ich einstweilen nicht weitergeben).

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