[Teilweise] Brief (25.8.1997) von Erwin Meier-Widmer an einen hohen Amtstrager.

Lieber

es ist mir ein grosses Beduerfnis, Ihnen umgehend fuer Ihren langen und ausfuehr-
lichen Brief samt Beilagen herzlich zu danken, obwohl es mir im Moment aus Zeit-
gruenden nicht moeglich ist, auf alle Punkte einzugehen. Aber fuer alle Hinweise,
die eine gewisse Authentizitaet verbuergen, bin ich sehr dankbar. Dies gilt
grundsaetzlich fuer alle Angaben rund um "die Botschaft" J.G. Bischoffs, mit der
ich mich im Rahmen meiner Analytischen Expertise vom 4.9.1996 besonders ausein-
andergesetzt habe. Zu Ihren Gedanken zur "Botschaft" moechte ich doch gerne
ganz kurz eingehen:

Es gibt ja mittlerweile dermassen viele, zT widerspruechliche Aussagen darueber,
was alles J.G. Bischoff gesagt haben soll (inkl. sein unmittelbares Umfeld),
dass wir uns im sachlich fundierten Rueckblick und in der Analyse am verlaess-
lichsten an das halten, was uns schriftlich aus jener Zeit ueberliefert ist.

Auf's erste moechte ich aus der Lebensbeschreibung von Stammapostel Walter Schmidt
ein Traumerlebnis erwaehnen. Der genaue Wortlaut findet sich auf den Seiten 100/
101: "In der grossen, festlich geschmuckten Glenbriar Halle in Kitchener sass
auch eine 65jaehrige Glaubensschwester. Sie war erst seit wenigen Jahren ein
Gotteskind, und doch hatte sie fuenfzehn Jahre zuvor einen Traum gehabt, in dem
ihr eben dieser Gottesdienst in allen Einzelheiten schon gezeigt worden war. Die
Frau hatte das nie vergessen, und nun wurde ihr Traumgesicht an jenem 12. Mai
1963 Wirklichkeit ...." (Anm: gemeint ist der Festgottesdienst in Kanada,
gehalten von Stammapostel Walter Schmidt).

Dieses Traumgesicht fand also 15 Jahre vor dem 12. Mai 1963 statt. Dannzumal
schrieben wir das Jahr 1948, und am 1. August jenes Jahres setzte Stammapostel
J.G. Bischoff einen Nachfolger, naemlich den Bezirksapostel Peter Kuhlen,
Duesseldorf. Gemaess Gottesdienstbericht in "Brot des Lebens 1948", Seite 154/
155, sagte J.G. Bischoff (wie Sie das erwaehnen): "Im Namen und Auftrag des
Apostelkollegiums nimm hin das Stammapostelamt". Weiter sagte er aber dann:
"Der Geist des Herrn, der dir zu diesem Amte gegeben ist, bewahre dich auf dem
Wege, auf den der Herr dich gestellt hat..". Diese Aussage bei
der Einsegnung ist von grosser Bedeutung. Was uns an den Ausfuehrungen J.G.
Bischoffs aber stoert, ist die unsaubere Aussage: "Es wurde der Satzung ent-
sprechend eine geheime Wahl vorgenommen, durch die einstimmig die Erwaeh-
lung von Apostel Kuhlen als mein Nachfolger festgelegt wurde". Dabei ist ver-
buergt, dass sich J.G. Bischoff sehr ausfallend gegen den Wunsch der Apostel um
einen Nachfolger gewehrt hat und dass er selber sich bei der Wahl der Stimme
enthalten
hat. Die Einstimmigkeit bezieht sich also auf saemtliche Apostel
der Erde, aber mit Ausnahme von Stammapostel J.G. Bischoff. Wenn es mir die
Zeit erlauben sollte, werde ich spaeter auch auf die Entstehungsgeschichte
dieses Wunsches saemtlicher Apostel eingehen, selbstverstaendlich wiederum
belegt mittels schriftlich festgehaltener Aussagen und Dokumente. Nicht grundlos
hat Bezirksapostel Peter Kuhlen die Funktion eines "Motors" uebernommen und hat
die Regelung der Nachfolge angeregt. Aber davon spaeter.

Zurueck zum Traumgesicht. Dieser Traum jener Schwester hat in den Augen der
neuapostolischen Schriftleitung, die dieses Buch im kircheneigenen Verlag 1991
herausgab, dermassen viel Glaubwuerdigkeit und Bedeutung, dass er in die Lebens-
beschreibung Walter Schmidt's aufgenommen wurde. Dieser Traum widerlegt aber
mit seiner Aussagekraft alle vorherigen Traeume, die bereits Jahrzehnte vor
der "Botschaft" von 1951 das Gegenteil prophezeit haben, naemlich dass der Herr
Jesu zur Lebenszeit J.G. Bischoffs kommen wird. Dieser Traum von 1948 widerlegt
auch, dass J.G. Bischoff der letzte Stammapostel sein wird und dass nach ihm keiner
mehr kommen wird.

Dieser Traum von 1948 zeigt auf, dass der liebe Gott schon zu Zeiten, als sich
"die Botschaft" erst in den Gedanken Bischoffs zu entwickeln begann (s. Aus-
sagen am Altar vom 1.8.1948), bereits darlegte, dass es 1963, also drei Jahre nach
Bischoffs Tod, noch Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche geben wird. Von einer
"Willens- oder Planaenderung" des lieben Gottes kann daher absolut keine Rede sein.
Gewiss, dieser Traum ist nicht der einzig schlagende Beweis. Der absolute Beweis
ist die Nichterfuellung der "Botschaft" und sein Tod am 6.7.1960. Auch der Umstand,
dass 1960 erst in 60 Laendern der Erde das Evangelium gepredigt wurde, bei einer
Mitgliederzahl von 500000, und 15 Jahre spaeter, beim Eintritt Walter Schmidts in
den Ruhestand bereits 120 Laender bedient wurden, bei einer Mitgliederzahl von
nahezu einer Million, beweist einiges. Inzwischen, weitere 20 Jahre spaeter,
duerften es etwa 10 Million versiegelter Seelen sein, obwohl bei vielen Voelkern
und ethnischen Gruppen das Evangelium Jesu immer noch nicht gepredigt wird und
zT auch nicht gepredigt werden darf (China immer noch fehlende Religionsfreiheit).
Es kann also 1950 auch keine Rede davon sein, "dass das Erloesungswerk des Herrn
auf Erden kurz vor seinem Abschluss steht" (Zitat aus Kalender Unsere Familie
1951, Seite 35).

Aus der "Botschaft" wurde in dem Sinne ein Dogma gemacht, als nur noch versiegelt
werden durfte, wer diese Botschaft vorbehaltlos glaubt. Man ging sogar soweit zu
schreiben, dass schlussendlich die Teilnahme an der Ersten Auferstehung nur davon
abhaenge, ob oder wie man an die "Botschaft" annehme (ich denke, Sie haben die
Originaltexte).

Stammapostel Walter Schmidt hat exakt in jenem Jahre 1963, kurz vor seiner USA/
Kanada-Reise im Amtsblatt unter dem Titel "Zum Osterfest" geschrieben: "In Jerusalem
ist niemals die Kunde laut geworden, dass die Schriftgelehrten und Pharisaeer ihr
Fehlurteil ueberprueft und zugegeben haetten. Sie beugten sich auch nicht vor Gott
und taten nicht Busse fuer ihre Suenden. Ihre Stellung unter dem Volk verbot es
ihnen, zu bekennen, dass sie einem Irrtum zum Opfer gefallen und der Schrift
nicht kundig gewesen waren" (Halbmonatsschift fuer die Amtstraeger der Neu-
apostolischen Kirche, 37. Jahrgang, Nr. 7 vom 1.4.1963, Seite 17).

Wir sagen in der Schweiz: "Umgekehrt ist auch gefahren". Es ist bei uns niemals
die Kunde laut geworden, dass die Neuapostolische Kirchenleitung, die Stammapostel
und die liniengetreuen Apostel ihr Fehlurteil ueberprueft und zugegeben haetten.
"Sie beugten sich auch nicht vor Gott und taten nicht Busse fuer ihre Suenden.
Ihre Stellung unter dem Volk verbot es ihnen, zu bekennen, dass sie einem Irrtum
zum Opfer gefallen und der Schrift nicht kundig gewesen waren".

Zurueck zur "Botschaft"-index.