Schwerin, den 22.8.1960

Neuapostolische Kirche des Landes Mecklenburg

Innerdienstliche Mitteilung

SM 30/60

An alle
Bezirks- und Gemeindevorsteher

Zum Heimgang unseres Stammapostels

Am Mittwoch, den 6. Juli 1960, ist unser Stammapostel Johann Gottfried
Bischoff nach dem unerforschlichen Ratschluss Gottes im 90. Lebensjahr
in Karlsruhe entschlafen. Sein Leben ist gekennzeichnet durch seine voellige,
selbstlose Hingabe an das Erloesungswerk unseres Gottes. Durch drei Jahr-
zehnte war er als Hauptleiter aller Neuapostolischen Kirchen und Gemeinden
den Kindern Gottes auf der ganzen Welt zu einer Quelle des Segens gewor-
den. Er hat in trueben Zeiten das Volk des Herrn wunderbar durch mancher-
lei Gefahren gefuehrt und schuf in weisem Handlen die Voraussetzung fuer eine
Entwicklung, die das Werk des Herrn auf den hoechsten Stand der Vollendung
gebracht hat.

Johann Gottfried Bischoff wurde am 2. Januar 1877 in Untermossau im Oden-
wald als Sohn eines Handwerkers geboren. Das schwere Leid, das durch den
Tod des Vaters, zweier Brueder und einer Schwester ueber die Familie gekom-
men war, und mancherlei bittere Erlebnisse liessen den heranwachsenden jungen
Menschen frueh reifen und staerkten in ihm das Verlangen nach goettlicher Er-
kenntnis. Noch waehrend seiner Militaerdienstzeit luden ihn im Jahre 1897 Ge-
schwister in die Gottesdienste der Neuapostolischen Gemeinde zu Mainz ein.
Ostern 1897 besuchte er den ersten Gottesdienst, und am 20. Juni desselben
Jahres empfing er durch Apostel Ruff die Heilige Versiegelung. Kurz danach durch-
lebte der junge Johann Gottfried Bischoff seine erste schwere Glaubenspruefung.
Infolge eines erlittenen Unfalles, an den sich eine schwere Krankheit anschloss,
entliess man ihn Ende November als Militaerinvaliden aus dem Heeresdienst.
Krank und hilflos, von seinen Angehoerigen um seines Glaubens willen verstossen
und verachtet, wurde er in Mainz von Glaubensgeschwistern aufgenommen. Die
Freude am Herrn liess ihn aber alle Hindernisse ueberwinden. Schon am 9. Januar
1898 empfing er von Apostel Ruff das Diakonenamt, und wenig spaeter setzte
ihn Apostel Ruff ins Priesteramt und bestimmte ihn zum Vorsteher der Gemeinde
Mainz. Durch die Erkrankung und spaetere Dienstunfaehigkeit des Apostels Ruff
war es notwendig geworden, diesem eine feste, zuverlaessige Stuetze zur Seite zu
geben. So sonderte der Stammapostel Krebs den Priester Bischoff am 9.9.1903
zum Bischof aus, und am 8.10.1905 setzte ihn der Stammapostel Niehaus als Apos-
telhelfer ein. In all diesen Aemtern war Johann Gottfried Bischoff seinem Apostel in
Aufopferung und kindlichem Glaubensgehorsam ergeben. Nach dem Heimgang des
Apostels Ruff empfing er am 12.8.1906 aus der Hand des Stammapostels Niehaus
das Apostelamt und verlegte ein Jahr spaeter auf seinen Wunsch seinen Wohnsitz von
Mainz nach Frankfurt a.M. Als der Apostel Bock, der dem Apostelbezirk Karlsruhe
vorgestanden hatte, im Jahre 1914 starb, betraute der Apostel Bischoff neben den
Gemeinden in Hessen und Wuerttemberg auch die neuapostolischen Gemeinden in
Baden, Elsass-Lothringen und der Schweiz. Damit war von ihm eine ungeheure Ar-
beitslast zu bewaeltigen. Als er im Mai 1918 - er war in Oktober 1916 eingezogen
worden - wegen Ueberschreitung der Altersgrenze aus dem Heeresdienst entlassen
wurde, widmete er sich in voelliger Hingabe wieder seinem Bezirk, der sich in der
Nachkriegszeit ausserordentlich entwickelte. Apostel Bischoff hat es stets vortrefflich
verstanden, jeweils die geeigneten Maenner an den rechten Platz zu stellen, und Gott
bekannte sich mit seinem Segen zu all seiner Arbeit. Dies veranlasste den schon im
hohen Alter stehenden Stammapostel Niehaus, den Apostel Bischoff am 10. Oktober
1920 in Bielefeld zu seinem Helfer auszusondern. Ende des Jahres 1924 lud dann der
Stammapostel Niehaus alle europaeischen Apostel nach Frankfurt a.M. ein. Am 14.
Dezember bestimmte er in einem feierlichen Gottesdienst den Stammapostelhelfer
Bischoff zu seinem Nachfolger und uebertrug ihm das Stammapostelamt. Auf seinen
vielen Reisen, die den Stammapostelhelfer Bischoff durch viele Jahre an der Seite des
Stammapostels Niehaus durch alle Apostelbezirke gefuehrt haben, war er als eine
koestliche Gabe Gottes bekannt geworden. 1929 besuchte er mit Apostel Erb die
Gemeinden in Nordamerika und diente ihnen in grossem Segen. Und als am 25.
Januar 1930 der Stammapostel Niehaus durch einen Ungluecksfall aus seinem Schaf-
fen gerissen wurde, uebernahm Johann Gottfried Bischoff nach dem ihm gewordenen
Auftrag die Leitung des Werkes Gottes. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges
kam eine schwere Zeit. Jede Verbindung mit dem Ausland war unterbrochen, viele
Amtsbrueder wurden zum Heeresdienst eingezogen, die Reisen mussten auf das not-
wendigste eingeschraenkt werden, die Zeitschriften wurden zunaechst in ihrem Umfang
verringert und schliesslich verboten. Unbeschreibliches Elend und grosse Not brachten
die letzten Kriegsmonate fuer viele Tausend Gotteskinder. Es beduerfte der ganz be-
sonderen Weisheit des Stammapostels, das Schiff der Kirche Christi ungefaehrdet durch
die drohenden Klippen zu steuern.

Nach dem Krieg setzte der Stammapostel in rastloser Arbeit alle Kraefte ein, um den
Kindern Gottes die Reife zu vermitteln, die der Herr am Tage seines Kommens von den
Seinen erwartet. Denn der Herr hatte ihm die Botschaft werden lassen, dass dies noch
in der Zeit seines Lebens geschehen werde. So war er Sonntag fuer Sonntag unterwegs
und bediente die verschiedensten Gemeinden in Deutschland, Holland, der Schweiz, Frank-
reich und Oesterreich. 1956 begab er sich mit seinem Sohn, dem Apostel Friedrich
Bischoff, ein zweites Mal nach Nordamerika, um den Kindern Gottes in den Vereinig-
ten Staaten und Kanada Trost und Kraft zu wirken. Der Jubel, den ihm die Geschwister
dort bereiteten, uebertraf alle Erwartungen... Durch das Ausscheiden aller Zweifler,
Rechthaber und Eigenbroetler ist unter seiner Fuehrung die voellige Einheit in allen Glau-
bensfragen nicht nur im Kreis der Apostel, sondern auch in allen Gemeinden der Neu-
apostolischen Kirche auf der ganzen Erde hergestellt worden.

Wenn das Volk Gottes heute weiss, dass es unmittelbar vor der Wiederkunft Jesu steht
und dieser Erkenntnis nach besten Kraeften Rechnung traegt, so ist dies sein Verdienst.
Er war allen, die sich seiner Fuehrung anvertraut hatten, ein leuchtendes Vorbild in seinem
lebendigen Glauben, seiner herzlichen Liebe und unwandelbaren Treue zu seinem Sender.
In rastloser Hingabe an das Werk des Herrn vollendete sich seine Pilgerreise; wie einst
Mose wurde er vor erreichen des Zieles abberufen.

- - - - - - -

Trauer-Gottesdienst

Der Trauer-Gottesdienst, den der Stammapostel [(Anm RF) Ob er das zu diesem Zeit-
punkt schon wirklich war?]
Walter Schmidt hielt, fand am 11. Juli 1960 in Frankfurt
a.M. statt. Ausser den naechsten Familienangehoerigen waren fast alle europaeischen
Apostel und einige Apostel aus Uebersee zugegen.

Stammapostel Schmidt wuerdigte das Andenken des Heimgegangenen mit folgenden
Worten:

In dem Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Zu dir, treuer
Vater, schauen wir auf, dem Anfaenger und Vollender unseres Glaubens. Du hast diese
Stunde bestimmt, denn Zeit und Ewigkeit ruhen in deiner Hand. Du hast uns nach hier ge-
rufen, um den Gatten und Vater und deinen treuen Knecht, den groessten Diener, zur
letzten Ruhe zu geleiten. Unser Herz ist voll Trauer, aber wir sind nicht ohne Hoffnung.
Dankbar sind wir dir fuer das inhaltsreiche Leben, welches du dem Heimgegangenen, un-
serem Stammapostel, geschenkt hast, und fuer die Aufgabe, die ihm von dir zugewiesen
wurde. Schweigend stehen wir hier am Sarge und bitten dich, dass du der Redende unter
uns seiest. Schenke uns ein Wort des Trostes, der Aufrichtung und Staerkung! - Du hast
dem Heimgegangenen ein hohes Alter und ein gesegnetes Leben geschenkt. Jetzt hast du
diesem ein Ende gesetzt. Treuer Vater, es ist unfassbar fuer uns, dass wir nun von ihm Ab-
schied nehmen muessen, aber wir beugen uns unter deinen heiligen Willen und sagen: Herr,
dein Wille geschehe! Troeste uns durch dein Wort, staerke uns auf der vor uns liegenden
Wegstrecke. Du wirst uns ein Wiedersehen bereiten mit deinem Knecht und Stammapos-
tel. Lass dein guetiges Vaterauge auf uns ruhen und sei uns nahe, dass wir von deinem
Trost hinnehmen. Troeste die Gattin und die Kinder, troeste aber auch uns, dein Volk und
Eigentum. Wir wissen, dass du es tun wirst. Das lass geschehen um Jesu, deines geliebten
Sohnes willen. Amen.

Liebe Leidtragende und Trauerversammlung! Zu einer Zeit, da die Natur sich anschickt,
das Erntekleid anzulegen, tragen wir eine reife Garbe in die Scheunen des ewigen Friedens.
Am Sarge des Gatten und Vaters, unseres Stammapostels, hoeren wir das Wort der Hei-
ligen Schrift aus Matthaeus 16, 18: Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und
die Pforten der Hoelle sollen sie nicht ueberwaeltigen!
-

Es gehen taeglich viele Menschen in die Ewigkeit, die nur eine Diesseitsbestimmung hatten.
Denn wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel
kommt, ist ueber alle (Johannes 3, 31). Grosse Maenner machen Weltgeschichte, aber Ge-
salbte des Herrn Reichsgottesgeschichte. Fuehrende Maenner der Welt gehen in die Ge-
schichte ein, Botschafter an Christi Statt sind fuer das Reich der Herrlichkeit bestimmt.

Fuer uns, die wir zurueckbleiben, trifft das Wort Jesu zu: "Ihr werdet weinen und heulen,
aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in
Freude verkehrt werden" (Johannes 16, 20). Ja, die Welt freut sich! - Wir freuen uns
auch, nur in einem anderen Sinne.

Der Heimgegangene, als Gesalbter des Herrn, machte Reichsgottesgeschichte. Der Herr
rief ihn einst nach dem Wort von Jesaja 45, 4: "Ich rief dich bei deinem Namen und nannte
dich, da du mich noch nicht kanntest." 90 Jahre war die Zeit seiner Wallfahrt. Sein Leben
war aber laenger, denn wir muessen die unendlich vielen schlaflosen, sorgenvollen Naechte
hinzunehmen, die fuer den Heimgegangenen zum Tag geworden waren. Wir haben ihn ge-
kannt als den, der fuer uns vom Herrn bestimmt war. Ein Grosser ist in die Ewigkeit gegangen.
Sein Leben kann nur vom Standpunkt der Ewigkeit richtig bewertet und beurteilt werden,
denn es hatte seine Bestimmung vom Throne Gottes erhalten. Diese Bestimmung war grund-
legend fuer das Wirken des Entschlafenen. Ein Botschafter an Christi Statt, ein Gesalbter
des Herrn, ein Diener Gottes hat unter uns gewirkt und Grosses getan. Wenn wir an seine
Wirksamkeit denken, hat er, der nun von uns gegangen ist, das Erloesungswerk unseres
Gottes auf den hoechsten Stand unseres Glaubens gebracht. Wir alle danken ihm in dieser
Stunde, was er im Werke Gottes und an unserer Seele gewirkt hat. Er war auf das Engste
mit Gott dem Vater und dem Sohn verbunden, und sein Willen war ihm stets heilig. Der
Herr hat ihm den Weg ueber diese Erde vorgeschrieben, und er konnte deshalb auch das
sein, was er gewesen ist. Es gehen viele Menschen ueber diese Erde, aber es sind nur
ganz wenige, die einen Auftrag vom Sohne Gottes empfangen haben, um das Erloesungs-
werk fortzufuehren. Seine Arbeit war ausschliesslich Vollendungsarbeit.

Im Geiste sehen wir noch einmal die hehre Gestalt des Stammapostels vor uns, der Jahr-
zehnte lang dem Herrn gedient hat. Unbeugsam im Glauben und selbstlos im Leben
konnte er den anvertrauten Seelen die Worte aus der Ewigkeit uebermitteln. Unter seinem
Wort sind Hunderttausende gestanden, die es glaeubig aufgenommen haben. Deshalb kann
auch sein Leben und Wirken nur von der Warte der Ewigkeit recht verstanden werden.
Von der Welt ist er abgelehnt worden. Aber nicht von uns, weil er stets zu uns geredet hat
im Auftrage seines Senders! Ausgeruestet mit den groessten Gaben, die der Herr Himmels
und der Erde auszuteilen hatte, diente der Heimgegangene hier den Seelen, die durch den
heiligen Geist geadelt waren. Der Herr hatte ihm ein unvorstellbares Mass goettlicher Weis-
heit geschenkt, womit er bis in die letzten Stunden seines Lebens gewirkt hat. Deshalb gilt
auch ihm das Wort, welches einst Salomo sprach: Ich werde einen unsterblichen Namen
bekommen und ein ewiges Gedaechtnis bei meinen Nachkommen lassen (Weisheit 8, 13).
So ist es. Er hat einen unsterblichen Namen und ein ewiges Gedaechtnis bei denen, die er
hier mit der goettlichen Saat aus der Ewigkeit bedient hat. Seine Nachkommen sind nicht
nur jene, die aus seinen Lenden hervorgegangen sind, sondern die ihm im Glauben gefolgt
sind. Diese Nachkommen teilen sich auf in solche, die als Geistgetaufte das Entschlafenen-
bereich bilden und die, die hier auf Erden die Gemeinde des Herrn darstellen, wozu wir
uns aus Gnaden zaehlen duerfen.

- Liebe Leidtragende und Trauerversammlung! Es sind der Worte zu wenig, um
die gigantische Arbeit unseres Stammapostels recht zu wuerdigen, aber Jesus
fand die rechten Worte, indem er sagte: Du bist der Fels, und auf diesen Felsen
will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hoelle sollen sie nicht ueber-
waeltigen. Ein groesseres Wort gibt es nicht in der Heiligen Schrift, welches auf
einen Knecht, einen Gesalbten angewandt werden kann. Dieser Fels ward derart
stark umbrandet wie nie zuvor. Er hat sich erwiesen als der goettliche Fels, der
unbeweglich stand in den Stuermen der Zeit, in allen Anfechtungen und Anfeind-
ungen der Welt. Auf diesem Felsen konnte die Gemeinde des Herrn sich entwik-
keln, wie Jesus es sagte. Nun stehen wir im Zeichen der Vollendung. Das ist der
Beweis dafuer, dass der heimgegangene Stammapostel restlos im Willen des
Herrn aufgegangen ist, in Demut, in kindlichen Glauben und in der Gottesfurcht.
Die Furcht des Herrn war stets sein schoenster Gottesdienst. Gern schoepfte
er aus den Lebenserfahrungen seines Vorgaengers, des Stammapostels Nie-
haus, welchen er kindlich verehrte und zu dem er stets glaeubig aufgeschaut
hat. Wie oft hat er Gottes Volk um sich versammelt! In nah und fern haben wir
unter seinem Wort gesessen, er teilte die Schaetze der Ewigkeit aus, er schloss
uns auf die Geheimnisse Gottes, die noch unter dem Siegel verborgen gehalten
wurden, er uebermittelte uns die goettlichen Offenbarungen, die fuer unsere
Zeit bestimmt waren. Er, der Fels, hat aber auch denen gegenueber gestanden,
die Feinde des Kreuzes Christi waren und geblieben sind bis in unsere Tage.

Dankbar haben wir uns als seine Mitapostel jetzt um ihn geschart. Er ist aus
unserer Mitte gegangen und weilt dennoch weiter unter uns. Er hat einen un-
sterblichen Namen bekommen, von ihm redet auch die Welt. Die Unsterblichkeit
seines Namens wird uns erst in der Ewigkeit gross werden in seiner Bedeutung.
Und das Gedaechtnis bei den Nachkommen, also bei denen, die ihm nach-
gefolgt sind, wird ewig sein, unvergaenglich, unvergesslich. Wie ueberwael-
tigend wird einmal die grosse Begegnung sein mit denen, die mit ihm an einem
Tisch gesessen haben, die er gespeist hat mit dem Worte des Lebens, denen er
den Becher des Trostes und der Kraft, schoepfend aus der ewigen Quelle,
gereicht hat. Er, der mit dem Herrn die engste Verbindung und Gemeinschaft
hatte, konnte dem Volke Gottes gar nichts anderes sagen, als ihm der Herr
zuvor auf den Geist gelegt hatte. An seinem Sarge rufen wir unserem Stamm-
apostel zu: "Du hast den Herrn gesehen, der Herr hat mit dir geredet, davon
hast du uns kundgetan!" Wir haben seine Worte als des Herrn Worte im
kindlichen Glauben in uns aufgenommen. Und was der Apostel Johannes
nach Offenbarung 14 vor etwa 2000 Jahren gesehen hat, das hat hier der
grosse Stammapostel aller Zeiten gebaut und ausgerichtet, denn der Apostel
Johannes sagte: "Und ich sah das Lamm stehen auf dem Berg Zion und mit
ihm die 144000, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters
geschrieben an ihrer Stirn." Die Lebensaufgabe des Heimgegangenen be-
stand darin, die Kinder Gottes auf den Tag des Herrn vor- und zuzubereiten.
Das ist ihm auch gelungen. In dieser Stunde, wo Hunderttausende um ihn
trauern, schauen sie in Ehrfurcht auf ihn und danken ihm, dass durch sein
Wort an ihrer Seele gearbeitet worden ist.

Wir tragen jetzt die sterbliche Huelle hinaus, und die Seele des Heimgegang-
enen befehlen wir dem Gotte der ewigen Liebe an. Es steht mir nicht zu,
hier am Sarge des Stammapostels noch mehr zu sagen. Sein Wirken kennt
Jesus, der Braeutigam unserer Seele, am besten. Wir werden bald die Stunde
erleben, wo wir sehen werden, wie Jesus ihn in seine Arme schliessen und
sagen wird: "Du warst mein treuer Knecht!" Auf diese Stunde warten wir
jetzt. Wir aber wollen in seiner Arbeit fortfahren, in seinen Fusstapfen wan-
deln, dann wird uns der Herr ein baldiges Wiedersehen bereiten. Das Sehnen
nach der Vollendung der Kinder Gottes war in dem Heimgegangenen so stark
ausgepraegt, dass er gar nichts anderes rufen konnte: "Komm, Herr Jesus,
komme!" Er hat auch uns dieses Rufen gelehrt. Und die Getreuen werden
auch weiter rufen nach der Vollendung. Wie gross wird die Stunde sein, wo
wir ihn wiedersehen werden. er ist nur vorausgeeilt,, aber er weilt dennoch
unter uns im Geist und wir bei ihm. Das aber ist erfuellt in seinem Leben,
dass er der Felsen geworden und geblieben ist, auf dem der Herr seine Ge-
meinde jetzt vollenden wird. In dieser Stunde schauen nicht nur die Kinder
Gottes auf ihn, die hier noch im Diesseits wallen, sondern alle Geistgetauf-
ten im Entschlafenenbereich, die sich nun freuen, ihn unter sich zu haben.
wir mit ihnen eine Geistes- und Seelengemeinschaft bilden, bleibt er im
Geiste bei uns. Er wird auch fortan seine segnenden Haende ueber uns aus-
breiten und sein guetiges, vaeterliches Auge auf uns und seiner Arbeit ruhen
lassen, die er hier in groesster Pflichterfuellung getan hat. Der ewige Gott,
der ihm einst die Bestimmung seiner Lebensaufgabe gab, schenke ihm jetzt
den ewigen Frieden, die Ruhe von seiner Arbeit. Koennte der Heimgegange-
ne in dieser Stunde noch einmal zu uns sprechen, wuerde er gar nichts anderes
sagen, als was wir immer von ihm gehoert haben: Betet und wachet! Wir wer-
den auch am Tage der Vollendung erleben, in welch innigen Gebeten er fuer
die Kinder Gottes gerungen hat. Seine Gebete klangen stets wie eine Sym-
phonie, heilig und feierlich, weil er wusste: Ich stehe vor Gott, meinem Herrn,
und rede mit ihm. Alles, was er tat, war fuer den Herrn und seine Gemeinde.
So wollen auch wir ihm unseren aufrichtigen Dank sagen fuer das, was er uns
gewesen ist. Wir haben Ursache, unserem Stammapostel ein dankbares Herz
zu bewahren und wir wollen taeglich bitten nach seiner Weise: Herr, verkuerze
die Zeit und nimm uns in Gnaden an! Amen.
Wir wollen beten:
Lieber und treuer Vater! Wir sind in eine grosse Stunde gekommen, wo die
sterbliche Huelle des Gatten und Vaters und unseres Stammapostels hinausge-
tragen wird und wo wir von ihm Abschied nehmen. Aber er lebt in uns weiter.
Wir koennen ihn nicht vergessen, ihn, der so viel Grosses und Gutes an uns
getan hat. Wir danken dir, dass du ihn uns gegeben hast als den Felsen, worauf
du das Erloesungswerk aufgebaut hast. Wir danken dir, dass wir Jahrzehnte unter
seinem Wort sein durften. Die Gebete des Heimgegangenen sind unser Schutz-
wall gewesen. Nun bitten wir dich, du wollest die Arbeit segnen, die wir im
Geist des Entschlafenen fortsetzen. Bewahre uns in der kommenden Zeit und
stehe uns bei! Wir wollen rufen und schreien, damit du vollenden moegest, und
bitten auch jetzt am Sarge des Stammapostels: Kuerze die Zeit um der Auser-
waehlten willen! Segne und staerke uns fernerhin! Troeste die hinterbliebene
Gattin und die Kinder. Auf der letzten Wegstrecke sei du unseres Fusses
Leuchte und ein Licht auf unserem Wege, bis wir zu dir und deinem Sohn in
das ewige Licht eingehen koennen. Das schenke uns aus Gnaden um Jesu willen.
Amen.

Der Herr segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
[(Anm RF) Dann geht diese 'innerdienstliche Mitteilung' weiter mit
Worten die vom Stammapostel (?) Schmidt am Grab gesprochen sind.]


Am Grab sprach Stammapostel Schmidt unter anderem:
Wir danken noch einmal dem Heimgegangenen, was er uns gewesen ist. Er war
uns alles, der Inbegriff goettlicher Liebe; er hat die Schluessel des Himmelreiches
nicht nur besessen, sondern auch angewandt. Wir nehmen Abschied von der
sterblichen Huelle und rufen der Umwelt zu: Als Gestaerkte durch die Gnade von
Christo Jesu verlassen wir diese Staette und schauen im Geiste auf den Tag, wo der
Herr die Seinen zu sich nimmt. Wir wollen an der offenen Gruft die Arbeit des Heim-
gegangenen kroenen mit den Worten Jesu: Und um der Auserwaehlten willen wird
der Herr die Zeit verkuerzen! Ja, er wird es tun. Amen.

Liebreicher und treuer Vater!
Die mit Traenen saeen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und
tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben... Wir tra-
gen das Gedaechtnis des Heimgegangenen wie ein Diadem in uns und rufen ihm zu:
Wie du warst unter uns, so bleibst du auch weiterhin im Geiste in unserer Mitte! -
Wir folgen seinen Spuren, wir werden seine Arbeit nicht schmaelern in dem Erken-
nen, dass er stets Gottesdienst an jeder Seele hielt und das Erloesungswerk gehue-
tet und gepflegt hat. Wir wollen auch weiterhin in der Treue zu dir stehen, himmlischer
Vater, bis du uns den Feierabend anbietest und den Wanderstab aus der Hand
nimmst. Das Lebensbuch des Heimgegangenen ist geschlossen; niemand kann noch
etwas hinzutun oder davon abtun. Du hast seinen Namen in das Buch des Lebens
geschrieben. Welche Gnade - unbegreiflich fuer die Welt!

Nun gehen wir wieder die Strasse des Lebens, verrichten unsere Arbeit, die du
uns angewiesen hast, und warten auf die Stunde, wo du dein Eigentum zu dir neh-
men wirst. Lass deine schuetzende Hand ueber alle ausgebreitet sein in nah und
fern, die auf dem Erdenrund das Siegel der Gotteskindschaft tragen. Nun wollen
wir in Frieden ziehen und dich bitten: Gehe uns weiterhin voran! Amen.

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft
des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen.

Auf Wiedersehen!
[(Anm RF) Dann geht diese 'innerdienstliche Mitteilung' weiter mit einem
Bericht von einem Stammapostelgottesdienst, wahrscheinlich gehalten am 14.
8.1960.]


Chor: Immer mutig vorwaerts...

Apostel Gurtner:
In Christo meine lieben Brueder und Geschwister! Wir haben uns doch auf diese Mor-
genstunde gesehnt so heiss, wie niemals zuvor, und wir haben durch die Bedienung,
die uns aus dem Geist des Herrn durch unseren geliebten Stammapostel zuteil gewor-
den ist, herzlichst gefreut. Und wir haben dankbare Herzen mitgebracht und sind doch
alle in dieser Stunde auf unsere Rechnung gekommen. Und der Saengermund hat es
auch zum Ausdruck gebracht: Das, was der liebe Stammapostel in unseren Herzen
befestigte, dieses kraftvolle Wort: Immer mutig vorwaerts, was auch kommen mag,
mit dem Herrn Apostel vorwaerts jeden Tag!

Wir wissen und haben es erfahren aus der Bedienung, die uns in der Vergangenheit zu-
teil geworden ist, dass der Herr die Seinen niemals rueckwaerts fuehrt, sondern immer
nur vorwaerts! Unser Stammapostel hat uns heute an der Hand genommen und alle,
dich lieber Bruder und Schwester, und auch mich und hat uns eingeladen: Kommt,
und folget mir! Denn er ist ja vom Herrn beauftragt, das, was sein grosser Vor-
gaenger, unser geliebter Stammapostel Bischoff in uns aufgerichtet hat, nicht nur zu
befestigen, sondern auch zur glorreichen Vollendung zu fuehren. Wir haben in diesen
Tagen, wie der liebe Stammapostel sagte, ein Wunder erlebt, dessen Groesse in der
ganzen Reichsgottesgeschichte ausser dem, was der Vater an seinem Sohn getan hat,
kein Gegenstueck findet. Dieses Wunder der Gnade, der Erhaltung und Bewahrung
seines Volkes in der Stunde der groessten Pruefung, Anfechtung und Glaubens-
belastung und es kam so unter dem wunderbaren Geisteswirken unseres geliebten
Stammapostels das Wort, das einstens der Lukas in Apostelgeschichte 13, Vers 41
schrieb, wo er sagte: "Verwundert euch dies und werdet zunichte, ihr Veraechter,
denn ich will ein Werk tun zu euren Zeiten, welches ihr nicht glauben werdet, wenn
man euch davon erzaehlt." Haben wir, meine Lieben, nicht ein solches Wunder er-
lebt, wo die ganze Hoelle sich schon seit Jahren auf diesen Tag, auf diese Stunde
freute und alle Register zog und alle Hebel in Bewegung setzte, um das, was nun
eingetreten ist, zu ihren Gunsten auszubeuten? Sie mussten erkennen, dass die Ge-
danken Gottes viel groesser und weitaus ausholender waren, als ihre verwerflichen
Gedanken, und wieder einmal durften wir eines der alten Jesuworte in einer neuen
Bedeutung erfahren und erleben, wo er sagte:

Hoelle, wo bleibt dein Sieg, Tod, wo ist dein Stachel?

Der Heimgang unseres Stammapostels hat in unseren Herzen wohl eine tiefe Trauer
ausgeloest, aber keinen Stachel erzeugt. Und der Sieg, auf den die Hoelle gehofft
hat, hat sich in die groesste Niederlage der Hoelle seit eh und je verwandelt. Ich habe
in diesen Tagen auch das Buch Hiob gelesen, wo berichtet ist von jenem frommen,
treuen, gottesfuerchtigen Mann, den der liebe Gott mit irdischen Guetern reich ge-
segnet hat. Dann lesen wir weiter von einer interessanten Begebenheit, die sich je-
doch im Himmel abgespielt hat, wo der liebe Gott mit den Gotteskindern versammelt
war. Und auf einmal trat in dieser Versammlung Satan, der Fuerst der Finsternis. Der
liebe Gott hat ihn nicht mit harten Worten hinausgewiesen, er hat ihn sogar ganz freund-
lich gefragt: Na, Satan, wie gehts denn? Und hast du nicht acht gehabt auf meinen
Knecht Hiob? Da sagte der Satan: Hiob, der hat leicht fromm sein! Der hat ja alles,
er ist reich, er ist gesund, er hat ein schoenes Familienleben. Aber - nimm ihn das
mal. Was gilts? Er wird dir ins Angesicht hinein absagen. Der liebe Gott hat nicht
gesagt: Satan, das kommt gar nicht in Frage, ich werde den Hiob nicht in einen solchen
Gewissenskonflikt bringen. Er hat gesagt: Nimms ihm einmal! Und Satan hat sich das
nicht zweimal sagen lassen, er hat das seine getan. Aber es wurde fuer ihn zu einer
grossen Enttaeuschung, denn Hiob blieb in alle dem treu, er hat nicht gesagt: Wo
der liebe Gott nun so etwas zulaesst, wo ich ihm jahrelang treu gedient hat, dann
will ich nicht mehr glauben!' Er hat seine Augen zum Himmel aufgehoben und gesagt:

Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt.

Nun hat der liebe Gott dafuer Sorge getragen, dass dieses Geschehen von damals
in diesem so wertvollen Buch dieser heiligen Schrift aufgenommen wurde. Warum
denn? Dass es uns heute zum Troste dient. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie
der Satan auch in unserer Zeit zum lieben Gott kommt, zu den Gotteskindern, die
dort versammelt sind, und wenn der liebe Gott ihn fragt, Satan, hast du nicht acht
gehabt auf mein Volk hier auf Erden?, dass er ihm dann geantwortet hat: Sie haben
leicht fromm sein! Die haben einen Stammapostel, zu dem sie aufschauen, sie haben
auch eine wunderbare Botschaft und Verheissung. Was ist das doch ein Trost fuer
solche Gotteskinder, die vielleicht in Krankheiten, in Not sich befinden, wo dann
ihre Hoffnung auf das Kommen deines Sohnes in der Lebenszeit des Stammapos-
tels gesetzt wird, aber - nimm ihnen das mal, was gilts: sie werden es dir ins An-
gesicht hin absagen, so wie sie es eben gepredigt haben, ihren Anhaengern, den
Anhaengern der Satansdiener, und wer kann denn dem lieben Gott nun veruebeln,
dass er uns seinem Volke eine aehnliche Pruefung zumutet, wie er sie dem Hiob
zugemutet hat? Wir wollen uns ueber die Gedanken Gottes selbst keine Gedanken
machen, sondern wir glauben einfach, aber ich habe gesagt, warum stehen denn
diese wunderbaren Worte hier in der heiligen Schrift, und es kann einmal in der
Fortsetzung dieses wertvollen Buches geschrieben werden; und in alledem sind
die Kinder Gottes treu geblieben. Sie haben ihren Glauben nicht weggeworfen.
Der liebe Gott hat sie wieder reich gesegnet, wie den Hiob. Der Hiob bekam
alles wieder und zwar vielfaeltig. Auch wir haben einen Stammapostel bekom-
men, und der Herr offenbart sich durch ihn in einer Weise, ihr lieben Brueder
und Schwestern, dass wir nur vor Ehrfurcht unser Haupt beugen koennen. Und
so wollen wir auch, wie es der liebe Apostel Haenni zuvor sagte, die Hand unseres
Stammapostels Walter Schmidt festhalten und mit ihm ziehen, denn er fuehrt uns
an das erstrebte, ersehnte und verheissene Ziel. Amen.

Stammapostel:

Nun moechte ich auch den lieben Apostel Bischoff aus Holland bitten, uns noch
sein Grusswort entgegenzubringen. Da werden sich auch alle hollaendischen Ge-
schwister freuen.

Chor: Nimm du mich ganz hin...

Apostel Bischoff, Holland:

Meine lieben Brueder und Geschwister. Sie koennen es begreifen, dass ich bes-
ser hollaendisch reden kann wie deutsch. Und so wie letzten Sonntag unser
lieben Stammapostel in Holland in unserer Mitte war, haben wir so vieles be-
kommen, dass ich mit Freuden komme und erkennen kann, dass auch in Hol-
land alles feststeht an der Hand des lieben Stammapostels, der uns heute gege-
ben ist. Ich habe noch gesagt, dass der Stammapostel von heute ja derselbe ist,
wie vorher. Es ist ja Amt, was vom lieben Gott ausgegangen, von wo wir wissen,
was auch in der heiligen Schrift geschrieben ist, der liebe Gott laesst das Werk
seiner Haende nicht fahren. Und so ist das auch fuer uns alle ein grosses Wun-
der, dass das alles so feststeht und alles noch mehr als vorher miteinander ver-
bunden ist, so dass auch wir aufs neue sagen koennen: der liebe Gott macht alles
gut und alle Dinge wirken sich mit fuer die, die Gott lieben.

Liebe Geschwister, ich kann da sagen, bei uns in Holland haben auch wir uns
gewundert, wo wir vergangenen Sonntag mehr wie 300 Seelen mehr anwesend
waren als wie voriges mal. Und das zeugt von einer Einheit, von einer Liebe und
von einer Verbundenheit. Meine lieben Geschwister, so gehen wir getrost der
Zukunft entgegen und wissen, die Zeit ist nicht mehr lange. Wo auch der liebe
Apostel Haenni das schoene Bild brachte von dem Tunnel, durch den man von
der einen zur anderen Seite schneller an das Ziel kommt. Und so ist es auch in
dieser, unserer Zeit. Wir koennen feststellen, und wir haben auch Augen, um zu
sehen und Ohren, um zu hoeren, und wir haben das auch gemerkt in der wunder-
vollen goettlichen Weisheit, was uns so nahegebracht ist und wenn wir einander
gegenueberstehen, dass dann mehr wie vordem die Liebe und Treue und der
Zusammenhang miteinander vermehrt ist und dass damit auch das Ziel schneller
erreicht ist. Meine lieben Geschwister, so haben wir alle Ursache zur Freude.
Wir freuen uns fuer alles, was der liebe Gott uns gebracht hat.

Unser lieber heimgegangener Stammapostel wird sich heute mit uns freuen, mei-
ne lieben Geschwister. Wie schon gesagt ist, haben wir heute zwei Stammapostel.
Der heimgegangene Stammapostel freut sich wie der, der uns heute gegeben ist.
Er freut sich auch heute, dass wir mit ihm in der Einheit und Liebe weiter ziehen
wollen, dem Ziel entgegen. Er freut sich, dass wir fest im Glauben stehen und
das Steuer fest in den Haenden halten. Er will uns fuehren noch weiter, noch
hoeher auf den Berg, so dass, wie in Micha 4 und Jesaja geschrieben steht, in
der letzten Zeit der Berg Zion hoeher sein wird wie alle anderen Berge. Denn
das sind Glaubensberge. Findet man heute einen Glauben, wie wir ihn haben?
Das sucht man vergeblich. Was wir glauben koennen, was wir geglaubt haben,
das war auch fuer andere ein grosses Wunder. Aber was wir heute glauben,
das ist noch mehr ein Wunder fuer die Leute. Damit muss man feststellen,
dass das ein Glauben ist, der vom Herrn ausgegangen ist. In dem Glauben
wollen wir weiter ziehen. Wir wollen an der Hand, die uns heute gegeben
ist, festhalten und uns fuehren lassen an das verheissene Ziel. Und das ist der
Grund unseres Glaubens, dass wir daran teilhaben:

Wenn nun der liebe Stammapostel heimgegangen ist, befinden wir uns heute
in dem Zusatnd, wie in Petrus 2, 3 geschrieben ist:

"Wo bleibt jetzt die Verheissung? Die Vaeter sind gestorben und heimge-
gangen und der Herr kommt nicht, ist nicht gekommen." Nein, sagte Petrus,
er verzieht nicht, zu kommen, aber der liebe Gott wollte nicht, dass eins ver-
loren geht. Er wollte, dass alle zur Erkenntnis und Wahrheit kommen.

Und so wollen wir alles daransetzen, damit nicht einer hinten zu bleiben
braucht, sondern dass wir alle mitkommen, bis dass der herrliche Tag der
1. Auferstehung da ist. Amen!

Stammapostel:

Meine lieben Geschwister, es hat unseren Seelen wohlgetan, wie die mit-
dienenden Apostel zu uns gesprochen haben aus einem Geist, weil sie auch
alle die gleiche, lebendige Hoffnung in sich tragen wie wir.

Es hat auch mich erfreut, als ich hoerte, dass der Apostel Streckeisen gesagt
hat, nun haben wir zwei Stammapostel. Meine lieben Geschwister, im Volks-
leben koennte dann ja leicht so ein Streit ausbrechen, dass einer der andern
verdraengen will [(Anm RF) Wenn nur einer lebt, scheint mir dies persoenlich
herzlich unmoeglich....]
. Aber ich darf Euch versichern, ich wuerde den heim-
gegangenen Stammapostel nicht aus euren Herzen verdraengen. Er ist auch
mein Stammapostel gewesen und bleibt es. Die Groesse seines Wirkens wer-
den wir in der Ewigkeit erleben. Er wird auch weiterhin in jedem Gottesdienst
unter uns sein.

Kurz vor Beginn des Gottesdienstes, als die Apostel nebenan im Konferenz-
zimmer sassen, rollten dem Apostel Fritz Bischoff die Traenen ueber die Wangen
und er erzaehlte, dass er in dieser Nacht einen Traum gehabt habe. Sein Vater
sei zu ihm gekommen und habe gesagt: Fritz, es ist 8 Uhr! Vater, es ist doch
vereinbart, dass sich die Apostel erst 9.20 Uhr treffen wollen. Dann war er fort.
So war der Stammapostel. Wenn er angegeben hatte einen Zeitpunkt, wann er
sich mit den Aposteln treffen wollte, dann war er immer schon eine weite Elle
vorher zur Stelle, so dass auch er die Apostel zu einer Puenktlichkeit erzogen
hatte, die ihresgleichen sucht. Und wenn er heute morgen nun schon seinem
Sohn im Traum begegnete, schon eine Stunde vorher, dann sehen wir, dass auch
er mit uns heute in der Fruehe gewesen ist und auch gegenwaertig unter uns.

Nun werden wir Geschwister nun auch das letzte Ende unseres Weges mit
kindlichem Glauben zuruecklegen. Der Herr wird an uns die Verheissung er-
fuellen, dass er seinen Sohn bald senden wird, und unseren Gegnern duerfen wir
die Frage vorlegen: Wo bleibt Ihr nun mit Eurer Verheissung?

Geschwister, nun sind wir in nah und fern zusammengekommen, um auch den
Hoehepunkt dieses Gottesdienstes zu erleben, und die grosse Schar, die auf
diesen Augenblick wartet im Entschlafenenbereich, sehnt sich auch zum Altar,
um zu geniessen, was der Herr auch uns jetzt darbieten will; das Verdienst sei-
nes lieben Sohnes in der Vergebung aller Schuld und Suende. Er will auch in
dieser Morgenstunde allen verlangenden Seelen Gnade spenden. Gerade in
dieser Zeit haben die Kinder Gottes viel, viel Gnade noetig, denn es ist erklaer-
lich und verstaendlich zugleich, dass durch das Geschehene manche zu Gedan-
ken gekommen sind, die dem Herrn nicht gefallen haben. Er bietet heute in sei-
nem Sohne uns allen die hand, dass auch alle verlangenden Seelen moegen die
Gnade hinnehmen, dass er das Lebensbuch in Ordnung bringen will.

Wir freuen uns, wenn wir hoeren duerfen: Dir sind die Suenden vergeben. Wer
moechte im Geist sich ausschliessen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine
geistgetaufte Seele gibt, die das Liebesmahl geringschaetzt. So wollen auch wir
mit einem kindlichen Glauben nun vor den Herrn treten, uns erheben und uns im
Gebet Jesu vereinigen und also beten:

Unser Vater

Nun verkuendige ich euch die frohe Botschaft:
Im Namen Jesu, dem Sohne des lebendigen Gottes, sind euch eure Suenden
vergeben. Darauf ruhe der Friede Gottes. Amen!

Gebet:

Wir danken dir, unserem Vater, fuer deine Liebe und Gnade, fuer die huld-
reiche Unterweisung auf unserer Wegstrecke. Wir danken dir fuer das Wort der
Vergebung. Kommen nun auch mit dem, was unser Herz in sich traegt, legen das
Opfer auf den Altar und bitten dich, treuer Vater, gedenke der Deinen in nah und
fern. Sei mit allen, die nach deinem Namen genannt sind. Du wollest nun auch die
Kranken beistehen, sei ihnen Rat und Helfer, denen, die des Kleides Saum an-
ruehren, wollest du die Engel zur Seite geben. Hilf den bedraengten Seelen, die
da angefochten werden. Stehe bei den Witwen und Waisen, den Einsamen, die
auch nur dich als Zuflucht haben. Guter Vater, du wollest ihnen deine Naehe
und Gegenwart fuehlbar machen, dass auch sie geborgen sind in deinem Frie-
den und in deinem Engelschutz. So wollest du allen Seelen eine Hilfe sein, die
nun auch noch im Glauben etwas kranken. Lass es doch nicht zu, dass sie auf
der letzten Wegstrecke muede werden. Gib du ihnen Kraft und Trost. Wir bit-
ten dich auch fuer alle irregeleiteten Seelen. Bringe sie zurueck in deinen Schaf-
stall, und den suchenden Seelen oeffne die Tore zum Heiligtum.

Bewahre deine Knechte und Diener an allen Orten. Erneure sie im Geist,
staerke ihren Glauben, vermehre die Erkenntnis, lass sie Hueter, Waechter
und Mahner fuer das Anvertraute sein. So bitten wir dich, Vater, du wollest
vollenden, was du begonnen hast. Lass uns nicht gleichgueltig werden, son-
dern du wollest uns alle Tage wachend beistehen, dass wir das Kommen
deines lieben Sohnes in dem Bewusstsein erleben, gewacht und gebetet zu
haben. Segne auch das Opfer deiner Kinder, lege dein Wohlgefallen darauf.

Nun sondere ich aus Brot und Wein zum heiligen Abendmahlsdienst, lege hin-
ein das einmal gebrachte und ewiglich geltende Opfer Christi mit den Worten:
das ist mein Leib, fuer dich gebrochen, mein Blut, fuer dich vergossen zur Ver-
gebung der Suenden. Lass uns hoeren dein Wort, kommet und sehet wie
freundlich der Herr ist. Amen!

Feier des Heiligen Mahles

Gemeindelied: O in den Armen Jesu...

Chor: Liebe, die du mich zum Bilde...

Gemeinde: Nr. 420, Vers 3 und 4

Chor: Herr, mein Heiland und mein Hirte...

Apostel Rockenfelder:

Nun wollen wir zur Wegbereitung fuer das Heilige Abendmahl unserer Heim-
gegangenen aus dem Liede Nr. 158, Vers 3 und 4 singen.

Stammapostel:

Meine lieben Geschwister, nun ist der Augenblick gekommen, wo auch alle
geistgetauften Seelen aus dem Jenseitsbereiche eingeladen sind sowie alle, die
durch die Boten des Friedens an den Gnadenaltar gefuehrt wurden, um das
fuer ihre Seele hinzunehmen, was der Herr uns auch hier bereitet hat.

Es ist eine koestliche Gewissheit, zu wissen, dass auch darunter nun der
heimgegangene Stammapostel ist. Ich dachte so an das Wort des Psalmisten,
wenn man an ihn denkt

Wenn ich mich zu Bette lege, dann denke ich an dich, und wenn ich erwache,
dann rede ich von dir.

Wuerde ich heute morgen alle Kinder Gottes auf dem Erdenrund fragen, sie
wuerden das mit einem kraeftigen Ja bestaetigen.

So hant auch er hinzu mit allen Glaeubigen, und wir wollen auch ihnen nun die
Segnungen bereiten mit den Worten:

Nun kommet auch Ihr Geistgetauften und die Ihr gezogen seid vom Vater der
Liebe, schmecket seine Liebe und Freundlichkeit, damit auch eure Seele lebe
und sich freue. Amen.

Gebet:

Danket dem Herrn ewiglich. Treuer Vater, mit dankerfuellten Herzen ziehen wir
wieder heim, gestaerkt durch dein Wort, durch die Bedienung aus deinem Geiste.
Sei auch weiterhin unseres Fusses Leuchte, ein Licht auf unserem Wege. Geleite
nun alle die Deinen in nah und fern unter deinem Engelschutz nach Hause zu ihren
Huetten in Frieden und bereite uns allen ein frohes Wiedersehen. Um Jesu willen
Amen!

Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi,
die Liebe von Gott unserem Vater
und die trostreiche Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei und bleibe mit uns jetzt und immerdar, Amen!

Alle angeschlossenen Gemeinden, alle Geschwister in nah und fern! Wir wuenschen
allen, dass sie einen guten Empfang gehabt haben, aber auch, wie anfangs erbeten,
dass sie die Darbietungen unseres Gottes im kindlichen Glauben hingenommen haben.

Nun wird der Apostel Rockenfelder noch ein abschliessendes Wort sagen.

Apostel Rockenfelder:

Wenn ich an das, was wir eben erlebt haben, denke und noch ganz unter dem Ein-
druck des Erlebens stehe, dann moechte ich hierzu die Worte des Psalmisten her-
anziehen, was er im 133. Psalm sagt:

So wie der Balsam vom Haupte Balsam fliesst in seinen Bart und sein Kleid, so
ist der Segen ueber uns alle geflossen von dem Haupte, das uns neu der treue
Gott gegeben hat.

Er ist geflossen von der Hand, die die Hirten zu ihrer Arbeit leiten von denen
unser voraufgegangener Stammapostel sagte, der Herr Jesus wird bei seinem
Kommen die Herden bei ihren Hirten suchen. Wo hat er heute morgen die Apos-
tel gesucht? Nur da bei dem Hirten, den er uns gegeben hat, nirgends anders
sucht er die Apostel. Und wenn der Herr kommt und sucht die Brueder, dann
sucht er sie bei ihren Hirten, und wenn der Herr kommt und sucht die Seinen,
dann sucht er uns alle in der Gemeinschaft der Heiligen, in der Gemeinschaft der
Gotteskinder. Die sucht er bei dem, den er uns als Leiter zum ewigen Leben ge-
geben hat. Und meine Brueder und Schwestern, es hat sich darin in der Fuehrung
Gottes bei uns gar nichts geaendert. Draussen aendern sich viele Verhaeltnisse,
aber die Treue Gottes zu seinem Volke, seine Liebe zu den Seinen, seine Fuer-
sorge hat sich nicht geaendert. Und wenn sich einzelne moechten geaendert haben
unter den verschiedenen Einfluessen, so darf ich doch wohl sagen: wir als die
Treuen, die Gotteskinder, haben uns in unserer Einstellung zum Herrn nicht im ge-
ringsten geaendert. Unsere Treue und Liebe zu unserem lieben voraufgegangenen
Stammapostel, die ist vom Herrn gesehen und ihm bekannt. Und unsere Treue zum
Herrn und der Fuehrung wird sich auch unserem gegenwaertigen Stammapostel
gegenueber um kein Haar aendern. So wie er den Kurs behalten hat, den der
Stammapostel eingeschlagen hat, so halten auch wir unsere Liebe und Treue dem
gegenueber, der uns vom Herrn gegeben ist und der uns voraufzieht, bis wir daheim
sind.

Nun haben wir sicherlich alle das Beduerfnis, uns auch zu aeussern zu dem, was wir
empfangen, was wir empfunden haben. Und dann darf ich wohl annehmen, dass wir
mit Freuden einstimmen, wenn ich das Lied Nr. 462 angebe vom 3, 4, u. 5. Vers, das
wir abschliessend dieser hoch feierlichen Stunde singen wollen.

Und nun darf ich euch wohl in Euer aller Namen unserem Stammapostel fuer den
hohen Dienst der Liebe, den er uns bewiesen hat, die Hand reichen und ihm vom
ganzen Herzen fuer diese Liebesarbeit Dank sagen.

- - - - - - - - -

Zurueck zur "Botschaft"-index.