Brief von Stammapostel J.G. Bischoff ueber das vierfache Amt

C.B.Nr.10

Frankfurt a. M. den 17. 2. 1919

In Christo geliebte Brueder!
In dem Cirkular-Brief Nr. 9 habe ich ueber die Wasser- und Geistestaufe sowie ueber die Gaben des Geistes geschrieben, und heute will ich ueber hl. Abendmahl und das vierfache Amt der Gemeinde Christi schreiben.

Das vierfache Amt

Nun kommen wir zu dem Amtskoerper, durch den Jesus seine Kirche lehrt und den Reichtum seiner Gnade und Liebe uebermittelt.

Christus als das Haupt seiner Gemeinde gab ihr vier Hauptaemter. Zu welchem Zweck sie gegeben wurden und wie lange, darueber belehrt uns Apostel Paulus in Eph. 4, 11-13. Diese Amtsgaben sind das Wesen der nachfolgenden Schattenbilder - vorab siehe Hebr. 10, 1; 8, 5; 9, 8.23.

Gott, der Herr, pflanzte einen Garten in Eden und setzte den Menschen darein, den er gemacht hatte. Es ging aus von Eden ein Strom zu waessern den Garten und teilte sich daselbst in die vier Hauptwasser. Die Namen dieser vier Hauptwasser oder me, die aus einem Strom hervorgingen, entsprachen dem Wesen der vier Aemter.

Auch die vier Hoerner am Altar deuten typisch auf jene Aemter hin, auf die vier Maechte Christi. Dann die vier Pfeiler, welche die Stiftshuette trugen und das Heilige mit dem Allerheiligsten verbanden, erinnern ebenfalls an die vierfache Amtswirksamkeit jener vier Hauptaemter des Herrn Jesu, weil Pfeiler ja auch als Aemter angezeigt werden: Jer. 1, 18; Gal. 2, 9; Offb. 3, 12.

Die vier Cherubim in Hesekiel zeigen uns die vier Charakter des Herrn an: Hesekiel 1, 10. Darum hatte Israel vier Paniere, um welche alle zwoelf Staemme als Volk des Herrn sich scharten.

Das eine Panier hatte den Loewen zum Zeichen. Christus war der Loewe aus Juda. Der Loewe ist das Bild des Willens- und Mutcharakters Jesu im Apostelamte. Das zweite Panier hatte den Adler als Schild und deutete dadurch den Phantasiecharakter des Menschensohnes an im Prophetenamte. Das dritte Panier hatte den gefluegelten Menschen als Schild und zeigt hin auf den geheiligten Verstand, mit welchem der Herr durch das Evangelistenamt wirken will. Das vierte Panier gab den Ochsen als Type und deute damit auf das Christi Joch tragende Hirtenamt.

Die vier Zeugen in Babel: Daniel, Sadrach, Mesach und Abednego weisen in der Bedeutung ihrer Namen auf diese vier Amtsgaben Christi hin.

Endlich sehen wir diesen vierfachen Charakter in den aeltesten Abbildungen der vier Evangelisten: Matthaeus mit dem Loewen bei sich, Markus den gefluegelten Menschen, Lukas mit dem Ochsen und Johannes mit dem Adler.

Im neuen Bund sollen die Typen des vierfachen Charakters verkoerpert auftreten und sich in dem vierfachen Amte Jesu wirksam offenbaren.

Der Herr Jesus ist der Apostel unseres Bekenntnisses: Ebr. 3, 1. Er zeigt, dass Er dies war und ist in dem Apostelamte, als Taeufer mit dem hl. Geist: Apg. 8, 14-17; 19, 1-7. Dieser Dienst ist das Siegel eines wahren Apostels.

Jesus war der grosse Prophet: 5. Mose 18, 15; 18-19. In seinem Prophetenamte und durch dieses der Gemeinde gegebene Amt offenbarte der Herr seinen prophetischen Charakter und sprach durch dieses Amt zum Segen der Gemeinde: Apg. 21, 10.11.

Seinen Evangelistencharakter, Lukas 4, 18.19, offenbarte Er durchs Evangelistenamt.

So auch sein Hirtenamt, Joh. 10, 11 f; 21, 15 f, offenbarte er durch seinen Hirtendienst, indem er die Herde weidet, und zwar durch das der Gemeinde gegebene Hirtenamt.

Alle diese Aemter haetten von Anfang an bleiben muessen, und nachdem der Herr sie wiedergegeben hat, werden sie auch bleiben, bis der Zweck ihrer Sendung erfuellt ist. An die Apostel gab der Herr seine Befehle fuer sein Koenigreich; Apg. 1, 2. Wo diese Aemter fehlen, da werden die Segnungen, die damit verbunden sind, nicht empfangen, nicht genossen. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes erschaffen und veranlagt mit dem vierfachen Charakter, als Wille, Phantasie, Verstand und Gemuet.

Ausser diesen angefuehrten Grundaemtern sind noch die Helfer, die Bischoefe, Priester und Diakone. Diese werden, je nachdem die Beduerfnisse es erfordern, eingesetzt.

Gott der allmaechtige Schoepfer, der nach seiner Gnade und Barmherzigkeit sich dem vom Ihm durch die Suende abgewichenen Geschoepfe, dem Menschen, nahte, ihn erloeste, dessen vierfachen Charakter heiligte, fand es fuer gut, diese als Amtstraeger in seinem Dienst zu gebrauchen. Dass diese Aemter haetten bleiben muessen, erhellt uns aus Eph. 4, 13. Jeder irdische Amtstraeger stirbt, aber das Amt stirbt nicht, sondern es geht auf eine andere Person ueber.

Ausser diesen vier benannten Grundaemtern wird in der Bibel noch von einem fuenften Amte gesprochen, und zwar von dem Engel der Gemeinde. Unter diesem Engel oder regierenden Aeltesten, 1. Tim. 5, 17, stehen saemtliche Gemeindediener: Prophet , Evangelist, Hirte, Priester, und Diakone.

Auch in Offb. 4 sehen wir die vier Tiere, welche das vierfache Amt darstellen.

Bei dem Kommen des Herrn Jesu will er seine Gemeinde so finden, wie er sie gegruendet hat. Diesen Lehrkoerper hat Er seiner Kirche gegeben, und der soll bleiben, bis er kommt. Der Herr wird sein angefangenes Werk nicht fahren lassen, sondern er wird in der vollkommenen Durchfuehrung seines angefangenen Werkes zeigen, dass Er ist das A und O, der Anfang und das Ende!

In herzlicher Liebe gruesst Euch alle

Euer

J.G. Bischoff


Genau denselben Text laesst sich unter dem Titel "Das vierfache Amt" in dem
"Halbmonatsschrift fuer die Amtstraeger der Neuapostolischen Gemeinden Suedwestdeutschlands 'Sei getreu bis in den Tod' 1. Jahrgang, vom 15. August 1921"
finden...

Zurueck zur Publikationen-Index.